29. Juni 2018, Freitag „Henkersmahl…

8:26
58,2 Kilo um 6:45 Uhr; ohne Entwässerungstablette und ohne Stützstrümpfe. Die Verdauung liegt weiter im Koma. Habe ich es geschrieben? Dass sich in der Situation mit dem starken Durchfall in Deutschland, im Zusammenspiel mit diesem Missbrauchstraum, als die riesige Hand zwischen meinen Kinderbeinen lag, gefühlt einen prägenden Eindruck hinterlassen hat? Weil ich doch an mir runter sah und dem Kind passierte nichts! Ich durfte Teil daran haben, wie die Kleine ihren missbrauchten Unterleib abgespaltet hat! Wie sich im Weltall ein Raumschiff von seinem Raketenantrieb löst…

Habe ich oder habe ich nicht? Mieke fragte mich gestern, ob ich denn nichts spüren würde. Von wegen Völlegefühl, Druck auf dem Bauch, Blähbauch… Aber eigentlich nicht.

Die Krämpfe nehmen zu, machen mich krank. Die eine Temesta war kurzfristig eine kleine Hängematte für die Seele. Ich habe die Idee mit der Selbstverletzung so lange hinausgezögert, bis er nach Hause kam. Wir gingen ins Bett. Dieses empfand ich erneut als unerträglich, ekelhaft, widerlich, DRECKIG! Und die Beine krampften… 2 mg retard und 2,6 mg vom normalen Morphin. Zusätzlich eine volle Dosis Gewacalm, 5 mg. Also… Volle Dosis an dieser Stelle gleichzusetzen mit einer Tablette.
Ich war wach, ich schlief, ich wurde durch Epochen meiner Vergangenheit geschleudert, ich träumte von der Vergangenheit. Um nun nichts mehr auseinanderhalten zu können, im eigentlichen Sinne auch nichts festgehalten… Alles weg.
Der graue Himmel, die Vögel draußen, leisten ihren ganz eigenen Anteil an dem Prozess. Die meiste Zeit des Tages bin ich nur noch 4 und dann wieder 15, mal neun Jahre alt, dann 11 und zurück zum vermeintlich entscheidenden Alter von sechs Jahren. Ich bin nicht mehr im Jetzt. Ich bekomme nichts mehr mit. Merke mir nichts. Außer vielleicht dass ich der dummen Tabletten wegen mich heute noch unsicherer bewegen kann. Meine Augen verdrehen sich, wollen schlafen. Aber ich habe abends noch mit der Animation begonnen. Das soll ja schlussendlich auch nach etwas aussehen…
Um 10 Gespräch mit Markus. Wenn sie mal pünktlich kommt, um 11 Therapie mit Sonja. Meine Augen driften ab, bleiben noch häufiger und latenter ihm Nichts kleben. Wie Fliegen in einem Spinnennetz und es kostet dermaßen Überwindung, Kraft und Anstrengung, den starren Blick loszureißen. Da meine ich mich plötzlich erinnern zu können, das wäre bereits als Kind und Jugendlicher so gewesen…

17:22
Der Himmel weiß nicht so recht. Ich weiß nicht so recht. Hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, auszuruhen, weiter am Video zu arbeiten und erst recht draußen zu verweilen, um nicht alles zu verpassen…
Mittags für Sekunden eingeschlafen. Dann kam er nach Hause, es gab etwas zu essen und das linke Bein trieb wieder seine Spielchen mit mir: es krampfte bestialisch!! Drauf klopfen, den Oberschenkel verprügeln, Ventilator… Alles sinnlos.
Was habe ich geschluckt? 1,3 mg Hydal? Ein Säckchen Magnesiumgranulat. Und dann, als die Unruhe auf dem Sofa angeheizt durch die neuropathischen Schmerzen immer schlimmer wurde, erneut 1 mg Temesta. Nebenbei erwähnt die verspätete Mittagsdosis vom Tramal bestand wieder aus 20 Tropfen. Nicht wie gewöhnlich 15.

Auf meiner Oberlippe herum kauen. Dabei kann und wird es nicht bleiben dürfen. Selbst wenn es dazu beiträgt, meinen Körper noch instabiler zu machen. Ich nicht aufstehen, nicht stehen und nur sehr schwer gehen kann.
Habe ich es erwähnt? Markus hat mir angeboten nach der Feier mit mir eine Sitzung abzuhalten. Schlimmstenfalls werde ich diese auch benötigen. Ich vermag den Gedanken nicht abzuschütteln, mich bestrafen zu müssen und dort NUR mit einem blutenden Unterarm antanzen zu dürfen.
Damit man mich nicht falsch versteht: Ich will und werde damit niemanden unter Druck setzen. Nicht drüber reden und erst recht nicht zur Schau stellen, was ich mit mir selbst angestellt habe. Aber ich brauche scheinbar die beruhigende und zugleich pochende Gewissheit, dass ich ein schlechter Mensch bin und erst recht an allem schuld!

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16. Mai 2018, Mittwoch „Alles läuft schief…“

09:13
59 Kilo um 6:45 Uhr. Seit ich hier am Computer sitze, entgleitet mir alles. Nach dem Frühstück ein Räucherstäbchen angesteckt, wollte doch eigentlich nur nachsehen, wie diese bei den Ingredienzen angeführte „Champa-Blüte“ aussehen soll. Da waren noch unzählige Registerkarten offen von gestern, von der letzten Suche nach Benzos? Bleibe erst einmal wieder bei dem Artikel hängen, sehe die Auflistung von diversen Wirkstoffen, Untergruppen, Narkosemitteln. Von dort aus weiter gesucht, mit Hauptaugenmerk auf eben Narkotika. Ganz wichtig: Überdosierung. Von dort aus weiter zum Sänger von Linkin Park, zum Sänger von Soundgarden, während die Zeit weiter und weiter läuft. Erst ganz am Schluss sehe ich mir das Gewächs an.

Als ich dann endlich die nötigen Fotos und die Stoppuhr öffne, funktioniert letztere nicht mehr. Das war doch bereits gestern so… Die nächsten 10 Minuten verstreichen, ehe ich sie wieder vermeintlich hergestellt habe. Aber aus den Einstellungen ausgestiegen, übernimmt er diese nicht aufs Programm. Den Computer neu starten, Trommelwirbel… Pustekuchen. Zu allem Übel scheint auch noch die Sonne zum Vorschein zu kommen. Natürlich bin ich von gestern noch ordnungsgemäß bedient; musste nachts mit dem Rollstuhl ins Bett fahren, konnte keinen Fuß mehr vor den anderen setzen, und ebenso morgens mit meinem schwarzen Ferrari ins Bad und dann ins Wohnzimmer kullern. Die Vernunft gebietet, diesen Rausch nun mindestens zwei Tage lang verrauchen zu lassen. Im Beipackzettel vom Kortisonspray steht mitunter als häufige Nebenwirkung „Nesselausschlag“. Nicht mehr vor noch zurück wissen. Was ist richtig und was ist falsch, sehe ich doch gelinde gesagt ausreichend zum Kotzen aus! Ob nun Cortison oder Sonnencreme oder einfach nur Sonnenausschlag oder weil ich so eine fette Sau bin, deren Haut den Eindruck erweckt, als würde ich sie seit Tagen mit einer dicken Schicht ranzigem Frittierfett einschmieren!! Ich bin so ekelhaft, die Visage kaum gewaschen, glänzt sie erneut wie ein frischgebackener Krapfen.
Jetzt ist es eben soweit! War es ein Fehler, mich per Mail mit Mieke über einen möglichen Vormittagsbesuch zu unterhalten? Der an diesem Tag zumindest das Malen schon mal abhaken würde?

Und nun wahrscheinlich viel fataler, mit dem Tagebuch begonnen zu haben… Meine Gedanken, jeder meiner Gedanken will nun wieder „zu Papier“ gebracht werden, jeder Anteil von mir will seinen Senf dazu geben…

Es verstreichen sage und schreibe 5 Minuten, nur für das Foto der aktuellen Entwicklung am Gemälde. Der Buntspecht würde gerne ans kalte Buffet, aber direkt davor auf der Bank im Wohnzimmer sitzt Fine und putzt sich das Fell. Die Farbschalen öffnen, die Kleckse befeuchten, die Pinsel in die Hand nehmen, obwohl ich längst Schlimmeres im Sinn hatte. Angefangen bei irgendwelchen Medikamenten bis hin zur Rasierklinge. Selbst Rumpelstilzchen bläut mir ein, dass es viel zu spät ist. Er will, dass ich meinen speziellen Musikordner öffne und mich abschieße.

Dezente Kopfschmerzen, während draußen der Himmel allmählich blau wird. Alles an und in mir wehrt sich dagegen, jetzt zu arbeiten. Am besten einen Pullover anziehen und mit der Kamera raus, bevor ich alles verpasse! Oder den Comic fürs neue Projekt zeichnen…
Zugleich aber…

DU WIRST NIE FERTIG WERDEN!!! ES IST VORBEI, GIB AUF!!!

Markus wollte von mir wissen, welche Qualität die Blockade in mir hat. Wie sie sich anfühlt. Depressiv? Oder von Ängsten genährt, zu versagen, schlussendlich wieder mit der Lähmung konfrontiert zu sein?! Oder bin ich tatsächlich nur ein faules Stück Scheiße??? Was bedeutet dieses „Ich kann nicht!“?
Ich weiß es nicht? Ich würde mich auch jetzt lieber aufschlitzen, als Farbe auf die Leinwand zu bringen. Was ist das für eine seltsame Alternative? In mir sperrt sich alles gegen die Aufgabe! Noch klimpert die Rechte… Aber mir droht alsbald ein böses Ende…

VON WEGEN!! DAZU MÜSSTEST DU ES ERST EINMAL RICHTIG MACHEN!!! Da ist so viel Speck!… Es kann doch nicht so schwer sein, tiefer in diese wertlose Masse hinein zu schneiden!!!

Alsbald wird es 10:00 Uhr. Beide Hände klimpern. Die Schälchen wieder bedecken, wiederum auf die Schälchen ein weißes Tuch breiten, damit die Sonne die Farbe darunter nicht austrocknen kann, vom Weiß eher reflektiert wird. Mein Schicksal scheint somit besiegelt! Selber schuld! Mit dem ersten Abschuss vor zwei Tagen die Weichen für die nächste längerfristige Episode gestellt!

Den Kopf senken, mich beim Bild entschuldigen und dann eine neue Schale Tee kochen… Ich versage…

10:22
Mir Morphium besorgen, ehe ich wieder am Tisch Platz nehme.
Eine Hasstirade entlud sich mehrfach lautstark in der Wohnküche. Und obwohl ich „die Suppe“ zum Kochen gebracht habe, wird Sebastian zum ersten Opfer meiner Wut: „Warum zum Teufel räumst du das dreckige Geschirr nicht dorthin, wo es hingehört?! Warum stellst du es zu den Brotkörbchen?! Bist du so dumm oder einfach nur faul??!!“. Dann bin kurz ich dran, als ich vor dem Kühlschrank vergesse, was ich eigentlich wollte…

WIE SAUBLÖD BIST DU EIGENTLICH??!!!

Um nahtlos mit der Volkshilfe weiter zu machen, als ich vor dem Geschirrregal stehe und meine einstmalige Ordnung nur noch einer kleinen Postapokalypse genügt: „WAS SOLL DAS, VERDAMMT NOCH MAL!!! WAS IST DENN DA SO SCHWER ZU VERSTEHEN, WELCHE SCHÄLCHEN WO HINGEHÖREN??!! Wie blöd muss man sein, um die Glasschälchen zwischen die Keramikschälchen zu stellen, wenn daneben zwei Stapel NUR mit Glasschälchen stehen??!!“.

Ungerecht, es tut mir leid. Und wie gesagt, bin ich Ursprung allen Übels. All dem voraus, als ich aufstand, fiel aus irgendeinem Grund das Brotkörbchen vom Rollertor, die gebrauchte Teeschale zersprang in 100 Teile, der Holzboden voll mit Splitter und Teeresten. Zu diesem Zeitpunkt blieb ich noch ruhig, ganz ruhig, denn ich befand mich bereits auf dem Weg zum Schafott, das Urteil gesprochen! Weiter mit Schimpftiraden nun gen korrekte Adresse ging es dann im Badezimmer, beim Zähneputzen, vor dessen Erledigung ich noch zehn Hübe Tramal geschluckt habe. Währenddessen 100 total schwache Kniebeugen gemacht, und während das Wasser allmählich heiß wurde, noch meine dümmliche Visage gewaschen. Als würde die widerwärtige Akne davon weg gehen!! Kaum die richtige Temperatur erreicht, den linken Unterarm von Blutresten befreit, Hände und Arm heiß aufgewärmt. Schon denke ich, mir läuft die Zeit davon. Die Tablettendose öffnen; ist und bleibt eine von gleich zwei Büchsen der Pandora!

Mir ist beinahe zu lachen zu mute, während der Tag draußen von Regen auf Sonnenschein umstellt. Wie viel Morphin darf es sein? Besser mehr davon, als diese vermaledeite chemische Psychoscheiße! Das Risiko lässt sich zumindest einigermaßen einschränken: Bestenfalls bin ich nach einem Tag voller Spastik morgen wieder halbwegs hergestellt.

Hofft die blöde Kuh!!
Warum machst du es nicht gründlich? Bis er nach Hause kommt?… Hast du gut 2 Stunden!!

Um meine Augen herum bildet sich ein Ring aus Watte. Vor mir auf dem Tisch das alte Handtuch. Ich erinnere mich… Kinderzeiten… Da war es auch schon da. Aber hatte definitiv eine andere Funktion als jetzt! Das Rot vom Blut überwiegt, was die Farbe betrifft. Das Blut hat alles verklebt. Nur meine Hände sind erneut eiskalt.

Hör auf, die Tabletten nur anzuschauen!! Friss sie endlich!!

Tun, wie mir geheißen.

Wie müsste Bianca aussehen, dass Rumpelstilzchen mit ihr klar kommt?“.
Ich zeichnete das Bild eines magersüchtigen Kindes, einer magersüchtigen Jugendlichen. Kaum oder noch besser keine sekundären Geschlechtsmerkmale. Und innerlich so verhungert, dass sie eigentlich längst tot ist…

Damit sie gefälligst die Schnauze hält, nichts mehr sagt, die Nutte! Sie ist ja selber schuld, AN ALLEM!!! Damit Sie schweigt!! Früher und erst recht später und ganz besonders für immer!!!

Ein weiblicher Kernbeißer nähert sich dem Restaurant. Der Buntspecht macht aber dermaßen Tumult und verscheucht regelmäßig alles und jeden.
Die Arme verschränkt. Das Erdnusssäckchen ist der Renner schlechthin. Die neue Räucherstäbchenpackung morgens mit einem alten Skalpell geöffnet. Da meldete sich schon die Sehnsucht.
Aber es bringt doch nichts! Die Rasierklingen schärfer, wie auch immer das sein kann. Hätte ich andere bestellen sollen, vielleicht nicht so billig?

Sebastian zeigte sich gestern doch ein wenig entsetzt, dass ich mich erneut abgestellt hatte. Er würde das jedes Mal merken, hat der schon oft gesagt. Wirklich? Vermag er Depression von Dröhnung zu separieren?

Während ich mehrfach und mühevoll das letzte Hauptwort korrigieren muss, meldet sich die Panik. Ist sie nun eine Werkzeug Rumpelstilzchens oder tatsächlich ein eigener Anteil, also Symptom eines Anteils…

Nein! Was schwafelst du von Anteilen?? Das ist nichts als ein Symptom!! Und selbst das bildest du dir nur ein, um Aufmerksamkeit zu bekommen!“

Mir läuft die Zeit davon! Gleich ist es 11. Süßstoff in den Tee. Ich könnte die Heizdecke unter das besudelte Handtuch legen; vielleicht bringt es was.

Da fällt der Kopf plötzlich in den Nacken. Heroin auf Rezept, freundlichst gesponsert von IHRER burgenländischen Gebietskrankenkasse! Der Mund bleibt offen. Ich bin so schlecht und ich sollte tot sein. Angesichts dessen, was da auf mich zukommt, was es noch an Schritten zu tun oder zu bewältigen gilt, wäre es definitiv zum Wohle aller, die da von mir schäbigerweise noch mit reingezogen werden, wenn nicht sogar ein großer Segen, ich würde endlich den Mund halten und mich töten.

Endlich mit dem „kleinen Tod“ anfangen…
Dabei in den letzten Tagen so viel wie noch nie mit Sebastian über meinen ersten Suizidversuch gesprochen. Und erst recht über meine ständigen Ankündigungen, was diese mit ihm anrichten.

Es wird 11:04; versuchen, das Handtuch irgendwie behelfsmäßig zu falten. Jene Seite, mit den frischen und noch feuchten Flecken nach oben, um das weiße Kleid nicht in Mitleidenschaft zu ziehen und so mich selbst zu verraten. Ich hätte schon viel früher auf die Idee kommen sollen, mir schwarze Stulpen zu bestellen…
Von der blauen mit der Aufschrift „Salmix- Salmiakpastillen N“- zur goldenen „Fishermans’s Friend“-Büchse der Pandora wechseln. Ich hatte in der letzten Zeit einen hohen Verschleiß. Unzählige Klingen geöffnet und wieder in ihr Kuvert gesteckt, nicht sicher, ob sie schon komplett verbraucht seien. Erneut Zeit fressen und in der Dose aufräumen. Ich könnte ja auch mit den gut 20 blutbesudelten Stücken wieder eine Art „Kunstinstallation“ machen, sie auf die aktuelle Leinwand kleben. Da sind doch so viele weiße Leerstellen…

11:12
Nun wird es aber endgültig Zeit! Mit der rechten Hand auf den Unterarm klopfen. Gleicht eher einem Akt des Verprügelns. Hoffentlich klingelt es nicht an der Tür. Meinen speziellen Selbstmordordner in die Playlist ziehen. Verdammt! Es ist Mai! Da gehört das dazu!!! Der eine Typ, an dessen Geburtstag sich der Sänger von Linkin Park das Leben genommen hat, hatte seinerseits für den eigenen Selbstmord ebenfalls den Mai gewählt! Meine Oma starb am 23., ich versuchte es am 21. und die kleine Amsel, die damals, als ich selbst ein kleines Mädchen war und im Frühlingsregen unter dem Fliederbusch saß, in meiner Hand ganz langsam dahin siechte und dann ganz wie in Zeitlupe die Augen für immer schloss, eben DIE kleine Amsel, die zum Synonym für mich als kleines Kind, das ich gerade doch selbst noch war, wurde, DEM kleinen Kind, „das irgendjemand seelisch umgebracht hatte“… Das wird wohl auch Mai gewesen sein. Ich hatte das hübsche Kleidchen von der Erstkommunion an. Oder die Feierlichkeiten von jemand anderem, von einer Familie, deren Kind Erstkommunion feierte… Erstkommunion ist doch im Mai?
Es war definitiv Frühling, weit fortgeschrittener Frühling. Der Flieder blühte…

Die Musik läuft. Die nagelneue Rasierklinge zur Hand. Der Schädel voll mit Watte. Wie viel Kontrolle wäre ich unbewusst „unterworfen“, würde die Taubheit auch den Arm erfassen?
Wäre nur nicht alles so kalt, so eiskalt…

Mit derselben Kante beginnen wie gestern schon. Die Haut wie trockenes, rissiges, uraltes Papier. Oder Pergament.
Plötzlich huscht ein Lächeln über meine Lippen… Zögern. Das ist für dich, inneres Kind. Erinnerungen überschwemmen mich, Bilder aus besseren Zeiten. Wie der oft zitierte Film, der vor den Augen eines Sterbenden im letzten Moment vor dem Exitus abläuft…

Doch dann geht der Blick auf die Uhr, 11:31 Uhr, Herzrasen… Warum kann Sebastian nicht wegbleiben? Warum lässt man mich nicht allein?! Warum immer zeitlichen Grenzen unterworfen?

Die Kante ist zu sachte. Und das Blut läuft kalt über den scheinbar noch kälteren Arm… Das Werkzeug umdrehen. Beim achten Schnitt etwas fester, aber die Rasierklinge versinkt nicht. Aufgehalten von einem dichten Maschendrahtzaun aus Narben. Das Blut gerinnt zu schnell. Wieder, immer noch eine Anämie. Ich fantasiere von zumindest dem EINEN Schnitt, wie jedes Mal. Und wie jedes Mal zum Scheitern verdammt?…

Das Kernbeißerweibchen wagt sich endlich ins Restaurant.
Es riecht nach Blut. Ich müsste einmal richtig „ausholen“, nicht schneiden, stattdessen die Klinge ins Fleisch schlagen… Versuche es schnell. Versuche es langsam. Die Haut auseinanderziehen… Lächerlich! Unterm Arm eine kleine, aber dicke Pfütze. Ich denke, ich müsste draußen in der Sonne sitzen, müsste ganz viel getrunken haben, der Körper müsste aufgeheizt sein, und dass jeder weitere Versuch von vornherein zum Scheitern verdammt ist, unter diesen aktuellen Umständen. Die Zeit rennt nebenher. Kommt er früher, kommt er später? Mir nur noch einen letzten Versuch gewähren…

LOS!!!! DU BIST SO EINE ENTTÄUSCHUNG!!!

Aus einem werden vier weitere Schnitte. Aber sie bleiben nicht ernstzunehmende Linien.

Nach einer Überdosis würden sie das im Krankenhaus nicht einmal bemerken!!
HAST DU GEHÖRT, DU WIDERWÄRTIGE SCHLAMPE??!!
Das wäre NIEMANDEM auch nur eine Notiz wert!!

Dabei will ich doch nur, dass es jemand sieht, „die Zeichen erkennt“ und mich endlich erlöst…

WAS BIST DU?!!!! EIN BABY???!!!

Kleinlaut, geläutert, geduckt, beschämt die Rasierklinge in ihr gelbes Kuvert einschlagen. Einen Strumpf überstreifen. Dabei rutscht der halbe Ärmel wieder in die letzten Wunden. Ein Wunder, dass man von außen das Blut nicht durchsickern sieht. Und ich soll jetzt ernsthaft gleich wieder funktionieren? Aber was sonst? Wie solle ich meine Situation nachvollziehbar erklären?
Die linke Hand eine Faust. Die Finger der rechten lassen sich auch nicht mehr strecken. Wie immer hoffen und im guten Glauben, keine sichtbaren Spuren hinterlassen zu haben. Tuch und Klingen wandern zurück in meine ehemalige Lederschultasche. Wagte jemand einen Blick hinein, würde er entsetzt und angewidert zurückschrecken und sich wohl spätestens dann das korrekte Bild meiner Wenigkeit in seinem Kopf zeichnen. Was bin ich schon?

ABSCHAUM!…

Den rechten Zeigefinger in den Mund stecken. Wie auch den Daumen; alles voll mit Blut, um sodann mit dem nassen Finger auch die Flecken vom linken Oberarm auslöschen.
Und draußen schließt die Sonne die Augen, ist fertig mit mir.

https://www.youtube.com/watch?v=wVIXlo845zA

17:31
Ich hielt es neben Sebastian auf dem Sofa nicht aus. Meine Gedanken rutschten ab, ich dachte an die abendliche Sitzung und die Panik strangulierte mich. Wieder und wieder riss sie mich hoch, meine Füße baumelten in der Luft, sodass ich außerstande war etwas anderes zu denken, als DAS ALLES nicht überleben zu können! Ich fühlte mich schuldig, als ich aufstand. Zu allem Überfluss. Irgendwann würde ich sagen, die Zeit mit ihm nicht bewusst wahrgenommen zu haben. Käme zu der schmerzhaften Erkenntnis, dass es nun zu spät ist. Ich weinte; ganz kurz. Dann schluckte ich zwei Betablocker. Einfach nur ein Symptom oder das Kind? Wieder das Gefühl, mir in die Hose zu machen. Blasenskrämpfe.

Ihn mit einer Einkaufsliste losgeschickt. Ich selbst fuhr nach draußen, hinter mir versteckt einen kleinen Frotteefetzen, in meiner Bauchtasche die Rasierklingendose und ein Skalpell ebenfalls im Gepäck. Ich stand mit dem Rollstuhl bereits vor dem Wannenteich unterm Hollerbusch, hatte Stulpe und Verbandstrumpf abgestreift, als er plötzlich wieder zurück kam. Ich erkenne unser Auto am Motorengeräusch und erst recht an Sebastians Fahrstil. Was nicht heißen soll, dass er rast. Hastig stülpte ich zumindest den schwarzen Schlauch wieder über und tat so, als würde ich den Teich beobachten.

Er hatte ein Formular für den Hausarzt vergessen, das ich ausfüllen hatte müssen. Dann war er wieder weg, ich sah auf die Uhr, berechnete einen realistischen Zeitrahmen, zog das Skalpell aus seiner Plastikfolie und begann zu schneiden… Quer über die zuvor entstandenen Reihen.
Also das ist des Rätsels Lösung!! Diesen vermaledeite dreckigen Körper ausgetrickst!! Was hat er gemacht? Versucht, den von mir verursachten Schaden zu heilen. Hatte die Durchblutung im Unterarm verstärkt, angeheizt.

Und genau dieser Umstand kam mir zugute! Die Schnitte waren sicherlich nicht tief. Nicht tiefer als jene zuvor. Insgesamt zwölf lange Schnitte. Der 13. entstand aus Versehen, als ich das Blut mit einer doch noch scharfen Klinge vom Arm schabte und mir dabei ins Handgelenk geschnitten habe. Ich blutete in den Teich. Minute um Minute. Wie eine abgestochene Sau…

Was du ja eben auch BIST!! UND NICHTS ANDERES!!!

Und blutete und blutete und blutete…

Nach 20 Minuten den Stofffetzen auf den Boden geworfen, nun die Suppe darauf tropfen lassen. Und es blutete und blutete und blutete. Heiß lief mein Leben die weiße, kalte Haut hinab. Verklumpte zwischen meinen verkrampften Fingern. Ließ sich aber nicht aufhalten. Blutete und blutete und blutete.
Die Socken, die Hose, den Rollstuhl, den Asphalt, das helle Blech vom Teich mit meiner Schuld vollgespritzt.
So wurden es wohl 30 Minuten, eine halbe Stunde. Notdürftig drehte ich das nasse Laub auf dem Boden um, auf dem ich Spuren hinterlassen hatte. Fuhr zurück ins Haus, im Spiegel mein Gesicht vermeintlich blass. Gut 10 Minuten am Waschbecken meine Hände und den Lappen so gut es ging gewaschen, um letzteren dann in die Waschmaschine zu stecken. Zum krönenden Abschluss wieder alles vertuscht, die Armstulpe mein treuer Verbündeter.

Pünktlich. Er kam gerade zurück und ich gab mich völlig normal. Es donnerte und begann zu regnen; den ganzen Computerkrempel wieder ins Haus geschleppt, mit seiner tatkräftigen Hilfe. Und jetzt, da nur noch 3 Minuten bis zur Sitzung bleiben, erneut das Gefühl, jemand drücke mir die Kehle zu. Weg der Rausch von den Tabletten, erst recht die Betäubung vom Blutverlust. Wieder die blaue Dose holen. 2,3 mg Morphium.

Am Schluss: Morgens per Zufall gelesen, dass eine Überdosis mit Lioresal sehr häufig letal ausgeht. Gerade das Medikament, von dem die Ärzte nichts wussten und sich wunderten, warum die Antagonisten nicht anschlugen.
Dem Tod doch näher gewesen als gedacht? Stolz drauf?…

20:24
Im schwindenden Licht sitzt der Kuckuck oben am Waldrand und ruft. Die Sitzung war… so schmerzhaft.

Die Panik als Ritterrüstung inneren Kindes, in schwarz-weiß und voller Zorn auf mich. Weil ich unser beider Versprechen nicht eingehalten habe. Mich (uns) mit 18 nicht umgebracht. Nein, es sogar noch schlimmer gemacht! Sebastian kennengelernt und so getan, als könne ich ein sexuelles Wesen sein!! Und das Kind damit erst recht ein weiteres Mal verraten!!

Markus platzierte dieses in dem Bild, mit dem wir arbeiteten, an meinen Maltisch. Mir vis-a-vis. Er saß rechts am Kopfende, Rumpelstilzchen auf der anderen Seite. Hasstiraden wurden hin und her geschickt, mir wieder und wieder klargemacht, ich müsse mich zum Wohle aller umbringen… Weil ich doch so ein schlechter Mensch sei, eine Gefahr für das Kind, das Kind hätte vor mir…

Ehe sich einige Veränderungen auftaten.
Ganz ehrlich? Gleich zu Beginn ließ mich die Panik am kurzen Strick in der Luft baumeln, verzweifelt nach Luft ringend. Und ich teilte meinem Psychoanalytiker mit: „Mir ist gerade danach, unverzüglich aufzulegen!“. Mich zu drücken. Zu flüchten. Wegzulaufen… Weg vor der Angst, der Wahrheit, dem Ungemach, direkt hinein in den nächsten Rausch, die nächste Betäubung, unverzüglich hinein in den Tod.

Um mich kurz zu halten. Das innere Kind hasst mich, verabscheut mich. Aber ich keinen Deut besser. Und am Schluss der Therapie saß das Kind in seiner Erdhöhle mit den Spielzeugpferdchen. Geschrumpft, um darin Platz zu finden und sich verschanzen zu können, und die Pferde zum Leben erwacht. In der Höhle war es vermeintlich sicher… Wie ich es immer wieder zu Kinderzeiten gespielt habe. Um die Höhle herum nun ein Stacheldrahtzaun. Die Panik als Stacheldrahtzaun. Eine Art Prüfung. Das Kind, so schien es mir, erwartet, dass ich mich in den Zaun stürze und dort verharre, dem Schmerz zum Trotz, den schrecklichen Ängsten zum Trotz… Um ihm zu beweisen, stark genug zu sein, gemeinsam mit ihm die Erinnerungen aufzudecken, gemeinsam mit ihm diesen schwierigen Pfad zu beschreiten. Ohne es weiterhin eine Hure zu schimpfen. Es als Kind wahrzunehmen. Ein Kind, das nichts dafür kann, was ihm widerfahren ist.

Während der Sitzung zusätzlich mindestens 20 Tropfen Tramal eingeworfen. Vielleicht waren es auch mehr, ich weiß es nicht.
Die Fragestellung, wie soll ich mit der Angst umgehen… Ich wünschte, und das teilte ich ihm auch mit, mich dann jedes Mal an den Zeichenblock setzen zu können und ohne nachzudenken vor mich hin zu kritzeln. Intuitiv das Unterbewusstsein seine Sprache finden lassen… ABER…

Er wiederum meinte, ich könne die „Bilder“, die ich nicht zeichnen oder malen kann, weil die Hände gelähmt sind, auch im Tagebuch mit Worten entstehen lassen.

Hoffnung?
Meine Augen verdrehen sich, machen einen Knoten. Ich habe ganz seltsame Schmerzen, ein seltsames Gefühl. Nicht unbedingt im Gedärm, aber darüber, und unterhalb vom Magen. Es brennt, es drückt und breitet sich nach rechts aus, in Brust und schlussendlich Oberarm. Die Augen verdrehen sich, kein Licht an und ich könnte unverzüglich einschlafen. Die Reste vom Tee trinken.
Nahtlos an das Gespräch Sebastian zu mir ins Wohnzimmer zitiert, gebeten, ihn angefleht, mit lediglich einer Bitte: „Bitte!! Halte mich einfach für einen Moment ganz fest!!!“.

Da sehe ich mich als Kind in einer Erinnerung, es sieht aus wie eine Bildspur im Videoprogramm, aber die Untertitel verändern sich plötzlich…

Im Wachzustand zu träumen beginnen. Jedes Mal, wenn sich meine Augen beim Blinzeln länger schließen als gewollt, und selbst dann, wenn ich verzweifelt versuche sie aufzuhalten. Ich bin fertig. Fertig mit diesem Tag. Fertig mit der „Scheiße“? Morgen alles anders machen? Es zumindest versuchen? Und tatsächlich Urlaub vom Bild nehmen?

Mich verunsichert fühlen und irgendwie bekomme ich gerade einen Schweißausbruch. Doch darüber nachzudenken, tritt die nächste Angstlawine los…

Mir selbst einreden, in mich hinein sprechen: „Inneres Kind, ich nehme deine Ängste wahr. Ich habe dieselben Ängste. Aber gemeinsam ist man standhafter, dem Paniksturm ausgesetzt, als allein dagegen anzukämpfen oder schlimmstenfalls aufzugeben!! Ich möchte versuchen, dich zu verstehen! Ich möchte für dich die Erwachsene sein. Keine Schlampe, wie auch du keine Nutte sein kannst! Dich schützen…“.

Rumpelstilzchen sagt, das sei alles esoterische Kacke! Aber angestrengt versuchen, nicht darüber nachzudenken. Nicht jetzt, nicht mehr heute… Für heute war es eindeutig genug. Ich kann und ich will nicht mehr, und draußen beginnt es zu regnen…

Alles ist in Ordnung. Die Welt geht nicht unter. Alle leben. Keiner tut mir etwas an. Das Kind sicher in der Höhle. Am warmen Lagerfeuer, zusammen mit den Pferden. Während draußen der Regen stärker und stärker wird… Will nur noch aufs Sofa, etwas essen und Sebastians Hand halten.

2013-06-29-schnappschuss

6. Mai 2018, Sonntag

11:49
Alles in mir sperrt sich dagegen, mich hier an den Tisch zu ketten. Ein einziges Widerstreben, ich will jetzt nicht malen, ich will nicht im Haus gefangen sein, nicht die Büroarbeit machen und nicht meine Gedanken festhalten. Ich muss raus! Ein wunderbarer Tag, kein Wind, Sonnenschein und immer noch auf der Jagd nach den Einzelteilen meiner Träume. 59 Kilo um 10:00 Uhr. Nach dem Aufstehen ein einziges Wrack. Erhebe mich von der Toilette und falle insgesamt dreimal auf diese zurück. In mir ein unbändiger Drang. Beim Blick aufs Bild will mir die Kotze hoch kommen! Was den Bürokram betrifft geht es mir nicht viel anders. Obwohl diesen könnte ich immer noch mit nach draußen nehmen. Werde ich wahrscheinlich auch. Die täglichen Sitzungen engen mich dermaßen ein, ich will sonst keinen Besuch, will keine Vereinbarungen, keine Termine, keine Treffen… Lasst mich alle allein! Irgendwelche Arrangements mit mir selbst treffen…

12:20
In mir selbst alle Überlegungen mit einem Schlag verworfen!
Der Stoffwechsel kündigte Wünsche an, dementsprechend den Aufenthalt im Badezimmer gleich mit dem Zähneputzen kombiniert, was so viel hieß wie: „Malen kann ich mir jetzt in die Haare schmieren!“. Das Gewicht lautet nun 58,6 Kilo. Ich will raus! Ich will raus!! ICH MUSS RAUS!!!

Mir fehlt augenblicklich sogar der Atem, um zu sprechen. Ich will nur noch raus und weg und wie im Traum am besten draußen draufgehen, überfahren werden…

Das schlechte Gewissen, nichts geleistet zu haben, wird mich früher oder später in den Boden rammen… So oder so. Und für leidige Diskussionen mit dem Diktierprogramm zwecks Korrekturen diverser Wörter fehlt mir erst recht die Luft. Nicht reden müssen, raus und Fokus auf all das um mich herum. Zumindest für einen Augenblick weg von meiner eigenen stinkenden Scheiße, die sich mein Leben schimpft.

18:20
Von außen betrachtet, nichts und wieder nichts geleistet. Aber ich will, ich wollte, ich musste raus, raus aus diesem Haus, bevor es mich erdrückt, zwischen seinen Wänden voller Schuldgefühle zermalmt!!

4 Stunden war ich unterwegs. Meine alten Laufstrecken entlang. Was für eine Folter! Und zugleich war es so schön, der Duft zu betörend, versetzte mich zurück in meine Kindheit, in eine scheinbar heile Kindheit. Wie ein Rauschmittel das Aroma der falschen Akazien… Aber dann kam die Zeit, die Zeit, die mir im Nacken hing. Ich war zornig. Ich bin immer noch zornig. Auf Markus, weil er den Termin mit mir machen will. Auf Brigitte, die morgen Abend Termin machen möchte, obwohl ich sie eigentlich längst absägen möchte. Aber auch auf Sebastian und seine Tagesroutine, von der ich völlig abhängig bin. Nicht wie früher, bis spät in die Nacht hinein arbeiten kann… Wer zieht mich dann um? Legt mich ins Bett? Wer holt mich dort wieder raus, wenn ich länger schlafen muss?

Sebastian betont, dass er der letzte ist, der von mir irgendetwas fordert: „Dann bleib doch draußen! Wegen MIR musst du deinen Alltag nicht umstellen!“.

Sicherlich gäbe es für alles eine Lösung. Aber ich will nicht mehr. Mir undankbar vorkommen und irgendwie Meilen davon entfernt, irgendetwas in mir zutage zu fördern, das als Antwort taugen könnte.

So ein wunderschöner Tag, und alles was ich sagen, was ich schreien will: „LASST MICH ALLESAMT IN RUHE!!! BEACHTET MICH NICHT, IGNORIERT MICH, EIN HALLO REICHT, ABER DANN BITTE STILL SEIN, MICH NICHT AUFHALTEN, NICHT FESTHALTEN, ERST RECHT NICHT FESTHALTEN, LASST MICH GEHEN, LASST MICH EINFACH ENDLICH GEHEN!!!“…

Zu viel verlangt? Ich kann euch doch ohnehin nichts geben, nichts zurückgeben, ich bin ein Versager.

Selbsthass. Eine der wenigen Konstanten in meinem Dasein.

Noch eine halbe Stunde bis zur Sitzung. Mir ohne Indikation, außer der, mich zuzudröhnen, 2,6 mg Morphium und 1 mg Temesta. Nebenbei fällt mir ein, die Abenddosis vom Tramal vergessen zu haben. Die Frühstücksdosis wurde mehr oder minder zu Mittagsdosis, so hatte ich mir während meiner Fahrt unterwegs eine etwas großzügigere Menge meiner Tropfen einverleibt, zusätzlich. In der blauäugigen Hoffnung, die Fahrt genießen zu dürfen. Und weil ich so schön blöd bin, jetzt gleich eine doppelte Menge konsumieren. Ich würde ja so gerne aktiv daran mitarbeiten, das Rätsel tief in mir zu lösen. Aber ich wüsste nicht wie…

20:42
Abendkonzert. Die Schafe stehen jetzt unten auf unserer Wiese und blöken. Grillen, Rotkehlchen, Singdrossel.
Völlig breit. Und das ist gut so. Gleich nach den ersten Worten, gleich nach dem Geständnis, wütend auf ihn zu sein, mir diesen Termin aufzubürden, flossen die ersten Tränen. Solche Sachen teile ich ihm grundsätzlich mit. Nicht, um ihn zu beleidigen oder vor den Kopf zu stoßen. Sondern ihn über die aktuelle Dynamik auf dem Laufenden zu halten. Wir sprachen vom Sterben. Vom Abbau. Von der großen Variablen, wer oder was der Täter ist. Was er getan hat. Worin meine Ressourcen lägen. Er meinte, es wäre gut, meine Ausfahrten zu machen. Das Malen, wenn es dies dieser Tage belastend ist, eben zu lassen, zu pausieren. Und ich unter Tränen wieder, dass ich mir solche Auszeiten in Phasen wie diesen überhaupt nicht leisten dürfte, zu schnell geht etwas verloren, auf immer und ewig- wie damals eindrücklich und schmerzlich beim Laufen zu beobachten war.

Und eigentlich… Eigentlich vermag ich überhaupt nicht zusammenzufassen, worüber wir gesprochen haben. Mein Schädel ist so leer und meine Stimme kracht mittlerweile nur noch unmotiviert und krank.

Sebastian liegt hinten in der Badewanne. Mir Mühe geben, aus der Erwartungshaltung nicht Spannung und Panik erwachsen zu lassen! Den Rausch genießen… Dabei lag bereits die ganze Sitzung hindurch der Zeichenblock vor mir, darauf wartend, mit einem Bleistift anzusetzen und die Seele sprechen zu lassen. Aber ich konnte nicht. Psychisch. Physisch es nicht einmal probiert. Wäre nun Wochenende, würde er nach oben gehen, ausgehen, dann hätte ich längst die Bleistifte gespitzt. Diesen gestreckten Zeigefinger, der so gierig ist, so neugierig und dabei brutal… Die Spitze des Zeigefingers, die mein Leben zerstört. Mit einer Geste.

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Ich könnte so viele Dinge tun, so unendlich viele Ideen… Aber alles bleibt liegen. Weil ich faul bin. Weil ich ein Krüppel bin. Weil die Depression lähmt. So bleibt es bei Listen. Unendlich viele, unsägliche Listen. Dem Vergessen zuwider.

Dabei hat mir unterwegs heute eine ältere Dame etwas zu trinken angeboten. Stand schon eine Weile mit dem Rollstuhl vor ihrem alten Bauernhaus, was sie sicherlich beunruhigte. Aber ich filmte nicht ihr Zuhause, der Fokus war aufs das Telefonkabel gerichtet, darauf Rauchschwalben. Da kam sie nachsehen, was der komische Krüppel da draußen im Rollstuhl treibt, und bat mir ein Glas Wasser an. Das ich mit recht herzlichem Dank ablehnte, meine Wasserflasche in ihre Richtung schwenkend.

So viel gesehen, soviel erlebt, gerochen, geschmeckt, gespürt… Und nun einfach nur dankbar und froh, nichts von alledem mehr zu müssen. Zumindest augenblicklich nicht.

17. April 2018, Dienstag „Und das Licht geht aus…“

8:32
59,3 Kilo um 6:45 Uhr. Wovon? Zwei Vollkorngrissini, mittags eine Semmel und abends fünf Gabeln von der Gemüselasgne, die er mitgebracht hatte…? Beim Frühstück beim ersten Bissen von der Knusperstange bereits satt. Sicherlich nicht auf zwei ganze Stück gekommen. Die erste Mahlzeit des Tages wird ohnehin beinahe schon klassisch mit einer Dissoziation eingeleitet. Ich sitze vor dem angerichteten Tisch und mein Blick verliert sich draußen wieder einmal in diesem Dschungel, das Hirn leergefegt. Jetzt zumindest der Versuch, mich auf der Leinwand zurechtzufinden… Einigermaßen zufrieden mit dem gestrigen Schaffen?

Die Panik überrollte mich abends, kettete mich an den Pranger, strangulierte mich, wollte mich umbringen. Jede einzelne Attacke 2 cm weniger vom Strick um meine Kehle. Das allein genügte, um nicht essen zu können.

Aber dich mit Süßigkeiten voll stopfen, das ging hinterher!! Süßer Speck für die fette Sau!!!

Als ich soeben über den Zuckerkonsum nachdenke, erst recht über den inflationären Gebrauch von Süßstoffen, ein Hauch von Angst, Diabetes zu bekommen. Um mir spätestens an DIESEM PUNKT eingestehen zu müssen, nichts anderes als ein Hypochonder zu sein…

WIE DEINE MUTTER!!!

In meinem Traum heute Nacht sprang sie in die Lafnitz. Sie sprang oder sie fiel hinein. Ließ sich nicht genau differenzieren. Aber der Fluss floss in die andere Richtung. Rückwärts, nicht wie in natura gen Ungarn. Oben auf der Brücke standen die Leute und streckten ihre Arme hinunter, was natürlich nicht sonderlich hilfreich war. Ich wiederum sprang ihr hinterher. Sie lag auf dem Rücken, ging immer wieder unter, drohte zu ertrinken. Aber ich blieb die einzige Person, die ihr wirklich helfen wollte. Ihr Gesicht war ganz blass, ich hielt den Anblick kaum aus. Ich rief ihr zu, sie solle mir entgegen schwimmen. Aber das tat sie nicht! Sie schwamm vor mir davon, und allmählich bekam ich den Eindruck, sie wollte nicht gerettet werden. Ich bekam sie zu fassen. Da schien sie enttäuscht. Aus dem Fluss wurde plötzlich der Bach nebenan und schlussendlich das Rinnsal unten im Bachergraben. Regelrecht enttäuscht kletterte sie die Böschung hinauf. Ich hinterher. Mich erinnernd, ihr bereits mehrmals in den Fluss hinterher gesprungen zu sein. Sie vermeintlich „gerettet“ zu haben. Sie stapfte von mir davon. Als hätte ich ihr etwas angetan. All die Leute, die dort standen, repräsentativ für die Gesellschaft, die Dorfgemeinschaft… Keiner nahm sie mehr ernst. Keiner wollte mehr etwas mit ihr zu tun haben. Sie war wie das kleine Kind, das wohl jeder kennt aus seiner eigenen Chronik, das ständig Lügengeschichten erfindet, welches man anfangs noch zur Geburtstagsfeier einladen wird, aber irgendwann hat man die Nase voll und wird es schneiden, ausgrenzen. Meine Mutter hatte keine Freunde mehr. So wie es aussah, wäre sie gar nicht ertrunken. Alles Theater. Theatralik. Ganz großes Kino.

UND DU BIST BESSER?!!!
DU BIST NOCH SCHLIMMER!!!!

Ich versuchte noch, sie irgendwie in Gruppen zu integrieren, die mit mir zu tun hatten. Aber das klappte nicht…

Mir war klar, was Sebastian zu diesem Traum sagen würde: „DU und DEINE Mutter!“. Eindeutig: Für den Ödipuskomplex habe ich das Geschlecht verfehlt.

Ich hätte nachts den Strumpf von den Wunden reißen sollen. Da hätte ich wenigstens noch was davon gehabt. Heute ist „meine eigene“ Vorstellung längst vorbei. Kindheitserinnerungen tauchen auf. Gestern Nacht, jetzt. Blitzlichter. Als würde ich für 1 Sekunde die Augen als Kind in der jeweiligen Situation öffnen und wäre dort, wie durch eine Zeitmaschine für einen winzigen Augenblick dorthin zurückgeworfen. Ich fühle, ich sehe mich stehend. Als sei ich eine Schachfigur. Obwohl ich in diesen Momenten mitunter ganz andere Sachen getan habe. Ich werde zum Betrachter meiner eigenen Erlebnisse. Ich als Kind zum Beobachter meiner selbst.

Schwer atmen. Mir wird schlecht.

WANN ist dir NICHT schlecht??!

Der Kuckuck sitzt oben am Waldrand und, wollte ich zuvor auch noch sagen, was für eine Idylle es hier sei, gilt es nun zu bemerken, dass Menschen ignorante Arschlöcher sind. Traktor; obwohl ich diesem noch eingestehe, hier zu arbeiten. Aber meine Intention war es ja, eine kurze Tonaufnahme zu machen, doch dann das erste Flugzeug, das ich bewusst wahrnahm…

Dienstag, mein heiliger Tag. Wer weiß, was ich heute wieder anstelle. Ob ich Sebastian mittags entgegen gehen kann oder werde, steht noch in den Sternen. Das nächste Flugzeug. Schon wieder, immer noch Kopfschmerzen. Wackelig, als hätte ich gestern das Fünffache eingeschmissen. Kohlmeise, Zilpalp, Amsel, Buchfink, Schwarzspecht, Traktor, Flugzeug. Musik…

11:01
Schimpfende Mönchsgrasmücke und (ganz selten) kein Flugzeug. 2 Stunden gemalt. Meine Physioübungen gemacht, mir selbst dabei weismachen, diese hätten letztes Jahr wirklich gegen die Rückenschmerzen gewirkt. Der Himmel ist grau, eine Frische zieht zur offenen Terrassentür herein. Die Gänsehaut an Armen und Oberschenkeln kam dennoch von der Musik, ein Lauflied nach dem anderen. Eigentlich müsste ich weinen… Der Tag ist lang… Noch. Meine Zähne putzen und mal so verrückt sein, mir einen Zeitrahmen von mindestens 50 Minuten einzuplanen. Die Kopfschmerzen dezent im Hintergrund. Mir hartnäckig versuchen einzureden, die paar Schritte die Straße runter, das sei Sport. Muss ich dumm sein, um das zu glauben, oder echt schon so verzweifelt?

13:51
Mich von der Glotze wegreißen, ehe mir die Müdigkeit wieder den Nachmittag entreißt! Aber das Wetter ist unentschlossen, dicke Wolken und dazwischen lächelt immer wieder die Sonne hervor. Regnet es, bleibt es trocken, Ausflug oder Zuhause bleiben und früher oder später durchdrehen?

Ich hatte mich angezogen, eine neue Weste, die beinahe ein halber Mantel ist. Ich fand, es sah gut aus. Ich fühlte mich gut, passabel, annehmbar. „Cool“…
Bis zum Haus von Emma und Rudi. Das linke Vorderrad macht ein seltsames Geräusch und…

DU und COOL???!!
Gleich wird das Vorderrad kaputtgehen und du mit deiner dämlichen, selbstgefälligen Visage auf die Straße knallen. Dort wirst du dich nicht einmal umdrehen können, und dann können wir ja mal sehen, wer hier COOL ist!!!

Beide Stöpsel in den Ohren, die Musik relativ laut. Er war lauter. Ich darf mich nicht gut fühlen. Als nächstes am Start waren meine Schuldgefühle. Meine armen Eltern, ich böses Kind, wie lange soll die Kontaktsperre noch weitergehen, das kann ich nicht machen, unverzeihlich, sollte mich mal in die Situation der beiden versetzen, sie leiden auch und nicht nur ich, und das alles NUR WEGEN MIR!!! Das sind doch die besten Grundvoraussetzungen um den gestrigen Nachmittag heute in die Verlängerung gehen zu lassen. Der Blick schweift ab nach draußen, gen Himmel: „Was willst du?“. Zu Beginn war ich tatsächlich relativ schnell unterwegs, etwa 500 m in 40 Minuten. Und nun wieder „potenziell“ Kopfschmerzen. Genauso verhält sich die Sachlage mit dem Rücken, den Verspannungen. Ausflug oder nicht? Nebenher wird es 14:00 Uhr und anstatt eine Entscheidung zu treffen, klimpert meine rechte Hand auf der Armlehne herum. Einfach mal rausfahren, probeweise, vielleicht läuft oder fliegt mir etwas über den Weg und lenkt mich ab? Zu Mittag einen Eiweißshake; den guten Ratschlag dazu gab’s ungefragt und GRATIS!…

Für was brauchst DU Eiweiß?! Willst du den SCHEISS ernsthaft Bewegung, eine LEISTUNG nennen??!!!

Meine Augen sind müde, während draußen die Sonne wieder alles beleuchtet. Zu Potte kommen… Plötzlich erst ein Flugzeug und dann mitten im Gedankengang der nächste Panikschub. Ich könnte schlafen, alles verschlafen… Doch ich will nicht! Mein Leben ist doch ohnehin schon vorbei! So viel verschwendet, nicht gelebt, gar nicht realisiert.

Ehe ich mich in meinen Gedanken verliere, das Headset absetzen und zumindest schon einmal hinters Haus fahren…

17:19
Allmählich will Panik einsetzen. Als müsse ich nach einem Ausflug trotz allem noch Zeit für mich alleine im Haus haben, ganz alleine, um mich in Ruhe um meinen Selbsthass kümmern zu können. Aber gerade eben erst nach Hause gekommen. Mich mit einer etwas entfernten Nachbarin unterhalten, die ich eigentlich seit Kindertagen nur vom Gasthaus kannte. Stand dort oben im Wind und ahne bereits, dass mir mein Schädel das übel nehmen könnte. Hatte mir eine neue Flasche Wasser geschnappt und war einfach hinaus. Erst wollte ich nur meine Gehstrecke vom Spazieren messen, fuhr dann aber bei der Gelegenheit den steilen Hügel hoch und hielt Ausschau nach Mäusebussard und Falke. Ganz langsam fuhr ich, um nicht einmal ein Insekt zu übersehen. Ich hatte Glück, traf auf den zweiten Maiwurm dieses Jahr. Da ich bereits eine andere Aufnahme von einem Verletzten habe (der ganz sicher mittlerweile tot ist), kamen mir obskure Ideen für ein neues Video, für die Intro, den Abspann, mit dem Titel „Maiwurm lauf!“. Als Analogie zu „Maikäfer flieg!“. Passend zu meiner Situation der schwer verletzte Käfer, wie er seine Eingeweide hinter sich her schleppt, um zu entkommen.

Ich weiß nicht, wo ich meine Wasserflasche stehen hab lassen. Im Badezimmer noch hastig das Blut von gestern abgewaschen. Die Haut etwas gerötet, wie die Oberfläche von einem sich seit vielen Jahren in Gebrauch befindlichen Schneidbrett. Schnitte überkreuzen sich, Schnitte zeichnen andere Schnitte nach… Und irgendwie bin ich erneut der Meinung, auch diesen Tag nicht ohne Verletzung ausklingen lassen zu können. Mein Schädel glüht. Die nächste Erinnerung bei diesem Lichteinfall. Herbst. Ich bin draußen, zurück vom Ballettunterricht, die Sonne geht unter und es wird kalt, Blätter treiben im Wind um mich her…

Auf Sebastian warten. Dass er kommt und nach oben geht. Erst dann fühle ich mich sicher genug das zu tun, was unausweichlich erscheint.

Aber es war doch ein guter Tag…

Schwer seufzen. Ein Klotz in meinem Bauch. Immer wieder blieb ich stehen auf meiner Tour, um lediglich ins Nichts zu schauen. Mich auszublenden. Etwas in mir sagt, ich hätte den Nachmittag auch ertragreicher gestalten können. Rumpelstilzchen die ganze Fahrt über am Toben.

Mein linker Unterarm markiert eine Sehnenscheidenentzündung. Bin sprachlos, ganz plötzlich, und keine Ahnung warum. Die Vorfreude auf die Klinge? Ich will flüchten. Vor mir selbst? Vor den Dämonen in mir? Mir eine Überdosis in den Kopf jagen. Das Gehirn in Tabletten absaufen lassen. Ich kann hier nicht sitzen. Der Körper gibt sich krank, erkältet, die Augenlider schalten auf Schlaf. Der nächste Blick nach draußen fördert auch die nächste Erinnerung zutage. Die Rechte klimpert. Da wären so viele Videos, die ich katalogisieren müsste. Und hatte ich nicht die wahnwitzige Idee, Musik zu machen? Alles verworfen und wertlos, weil längst in einer weiteren Lethargiephase zum Stillstand gekommen?

Sebastian kommt…

18:09
Er verschwindet nach oben; eine volle Ladung Tramal und erneut 2,6 mg Morphium. Eventuell bedarf es ebenfalls einer Erkältungsbrause obendrauf. Zumindest jetzt fühle ich mich krank. Wasser in mich hineinschütten, sonst blutet es ja nicht. Dabei die Hände eiskalt. So oder so vergebens…? Der mit Blutflecken übersäte Strumpf liegt auf dem Tisch vor mir und sieht mich schweigend an.

18:33
Die Sonne kommt raus. Tee trinken und riesengroße Datenpakete von A nach B schieben; Ordnung auf meinem Computer machen. Ein Neuer sei angeblich bereits unterwegs. Etwas seltsam, bei Universal monatelang auf die Ware zu warten. Denn angeblich sei die Tempuraauflage fürs Bett vor Wochen bestellt worden. Oder hat Sebastian wieder etwas falsch gemacht?

Das Verschieben dauert und die Wartezeit nutzen, um noch einmal das Schlachtfeld von gestern zu mustern, und mich dann abzumahnen. Was davon soll bitte schön tiefer gegangen sein? Nichts! Absolut nichts! Alles bedeutungslos, Kinderkacke, Katzenkratzer, nicht der Rede wert…

DU BIST UND BLEIBST EINE FEIGE, FETTE SAU!!!

18:57
Beim Warten den Text korrigiert. Nebenbei durfte ich feststellen, wie angenehm sich das Wölkchen in meinen zerfressen Gehirnwindungen anfühlt… Aber, ach! Wie konnte ich es wagen! Was fällt mir bloß ein!

Panik.

Mich deswegen aufschlitzen? Versuchen, mich „runter zu atmen“? Und da wäre noch die Blase, das Untergeschoss, das soeben noch heftiger von Urinieren fantasiert. Es ist doch egal, was ich sage oder nicht -wird so oder so ins Negative verkehrt! Also war ja zu erwarten, dass die Ruhe zumindest an dieser Front nicht lange währen würde… Ob ich es bis nächste Woche Dienstag schaffe? Da wäre der Termin für den Katheterwechsel.

19:25
Ein Blick auf die Uhr, die nächste Lawine prescht über mich hinweg! Es reicht! Hör auf! Hör auf!! HÖR ENDLICH AUF!!!!…

Keine Luft mehr bekommen. Dann eben anderweitig für Ventile sorgen!!

Wütend sinkt die Klinge zehnmal in die Haut. Dicke, dicke Blutperlen quellen aus den verhältnismäßig fragilen roten Linien. Die von oben betrachtet so harmlos aussehen, als hätten sie nicht das Potenzial, so eine Sauerei anzurichten. Wenn er mich jetzt erwischt, sollte er mich jetzt erwischen, dann sei es eben so. Wieder über die Wunden schaben; dabei fühle ich mit dem Gelenk vom kalten Zeigefinger, der nur wenige Zentimeter über die Haut wandert, dass das Blut heiß Wärme abstrahlt. Die Wunden auseinanderziehen… Das hätte ich direkt nach dem Schneiden machen sollen. Es sah doch tiefer aus, als es jetzt den Anschein macht…

Und schon will es um 19:33 aufhören zu bluten. Noch wütender werden. Die Ratio verteidigt den Körper…

Zu wenig Flüssigkeit im Körper!!

Den schmutzigen Verband überstreifen. Ich bin diese Spielchen leid. Schlussendlich auch noch die Wollstulpe und alles in Vergessenheit geraten lassen. Unten im Graben ruft ein Rehbock. Nun hat der Wind natürlich aufgehört. Ein Räucherstäbchen anstecken…

Sebastian kommt runter. Ich höre seine Schritte im Treppenhaus und meine Pumpe erwürgt mich! Mich bei ihm entschuldigen, wieder und wieder, weil er diese Reaktion in mir auslöst. Und er? Er sagt nur: „Aber ich liebe dich! Über alles!“. Er schmunzelt… Als sei ich ein kleines Kind, das soeben eine übertriebene Geschichte erzählt, in die es sich hinein gesteigert hat. Dann fährt er kurz weg. Sagt, er könne nach seiner Rückkehr ohne weiteres noch ein bisschen oben bleiben. Ich möchte, ich könnte…
Auf den Unterarm einschlagen. Mit den Nägeln über den Strumpf kratzen…

LOS, BLÖDE SAU, BLUTE!!!!

19:53
Einen winzigen Augenblick halte ich inne auf meinem Weg mit dem Rollstuhl zum Tischchen, neben dem Sofa. Die Lauftasche vom linken Oberarm abmontieren und die Nase ganz tief in den Gurt drücken…

Dieser Schweißgeruch, diese Erinnerung ans Laufen, zugleich an meine Kindheit, nachts im Sommer sicher im Arm meines Vaters… Für ein paar Sekunden drifte ich ab, bekomme wieder Luft und zugleich werden die Augen geflutet…

Zur Tablettendosis, und „lediglich“ 1,3 mg Morphium obendrauf. Draußen läutet diese elende Glocke oben am Hügel. Ich hasse sie!! Als ob die innere Uhr nicht schon Folter genug sei!!

Ebenso schlagartig verkrümmen sich die Finger, sie werden spastisch. Ich muss daran denken, dass der Tag vorbei ist. Dass ich den Tag nicht so nutzen kann, wie ich eigentlich wollte. Würde noch am PC bleiben, versuchen zu malen, bis in die Nacht hinein, morgens länger schlafen!! Aber…

Der dämliche Krüppel braucht ja Hilfe! Weil er gar nichts mehr kann!!!

Du kannst gerne weitermachen. Ich bringe dich später ins Bett, musst mich eben aufwecken.“, hat er mir schon mehrmals angeboten. Aber dann haben wir überhaupt keine Zeit mehr zusammen. Und ausschlafen kann ich auch nicht; wer soll mich aus dem Bett holen, wer mich anziehen???

Suizidgedanken drängen sich mir im schwindenden Licht auf. Wie so oft. Darin Routine haben, könnte man geschmacklos bemerken…

WIE LANGE NOCH???!!!

Vergessen, die Haare zu waschen… PANIK!!!
Er ist zurück, lässt Martha hinaus, sagt, Fine würde auf dem Hocker schlafen, und dass er noch eine halbe Stunde benötigt. Kaum hat er die Tür geschlossen, kaum ist er in seinem Zimmer oben verschwunden, beginnt die Katze hier im Raum unruhig hin und her zu wandern… PANIK!!!

Erwürgt mich endlich!! Bringt es endlich zu Ende!!!
Und DAS sei erst der Anfang, hat Markus gesagt… Was habe ich verbrochen?
Wie ein Mantra wieder und wieder und wieder und wieder diesen einen Satz herunter beten: „Ich bin schlecht. Ich bin schlecht. Ich bin schlecht. Ich bin schlecht. Ich bin schlecht…“.

Überdosis, mich verabschieden, entschuldigen und auf Wiedersehen!…

Ich will mir auf die Lippe beißen. Nichts mehr finden, woran ich mich klammern kann. Jetzt, spätestens jetzt nehmen die Kopfschmerzen zu.

RAFFST DU ES ENDLICH??!! DU BIST ÜBERFLÜSSIG, EINE BELASTUNG, DRECKIG, EIN GROSSES, STINKENDES STÜCK SCHEISSE, EINE WIDERWÄRTIGE FOTZE!!!!
WORAUF WARTEST DU NOCH, HA??!!
BRING DICH UM!!!!!

Auf den Kollaps warten. Er kommt nicht. Meinen Tee trinken, als sei doch alles in Butter. Mein Innenleben steht in Flammen. Wieder einmal. Würde ich hyperventilieren, hätte ich wenigstens die Chance, bewusstlos zu werden. Aber nein… Ich darf mir den ganzen Scheißdreck in mir ansehen, all das, was ich verbrochen habe, die Vergangenheit -die so harmlos daherkommt, abgesehen von meiner Existenz darin, wie ein Schandfleck- und dennoch keine Zukunft zulässt. Neurotische Entgleisungen meiner Mimik. Natürlich treibe ich mich augenblicklich immer weiter selbst hinein. Natürlich werde ich diesen Mist ins Internet stellen. Natürlich werde ich in einer halben Stunde mit Sebastian auf dem Sofa sitzen und ein Abendessen einnehmen. Als sei nichts gewesen. Genauso natürlich werde ich morgen wieder hier Platz nehmen und alles wird erneut offen sein; der neue Tag, die kastrierten Optionen, dahinter das restliche Leben… Bis zum Tod.

Es wird 20:30 Uhr, mein Schädel füllt sich immer mehr mit Schmerz, aber zugleich auch Watte. Die rechte Hand umschließt den linken Unterarm, die verstummten Wunden darunter, und sie klimpert. Irgendwann werde ich in der Psychiatrie enden, kein Wort mehr sagen, keine Reaktion mehr zeigen, eine Bettkartoffel sein und mein gesamtes Dasein beschränkt sich auf das Klimpern meiner Rechten. Bzw. dessen, was von ihr übrig bleibt.

Draußen wird es dunkel. Oben rührt sich etwas. Die Angst bläst zur Attacke. Ich ziehe den Kopf ein. Die Katze beginnt sich zu langweilen; ihr eine Leckerei in den dunklen Raum werfen. Emotionslos. Gefühlstot… BIS auf die Angst. Meine Augen schließen und versuchen, zu atmen. Mein Leben mag mich nicht. Beruht auf Gegenseitigkeit. Ich hasse es. Bin dessen nicht wert. Erst recht nicht in so einer bequemen Situation mit eigenem, schuldenfreiem Haus, keiner ist krank, alle leben, Eltern, die alles für mich tun würden, dann noch so einen liebevollen Partner zu haben usw. und so fort und sowieso und überhaupt, weil ANDEREN GEHT ES VIEL SCHLECHTER ALS MIR…

Der Kerze im Stövchen das Licht ausblasen. Was wären meine letzten Worte, würde mich morgen ein Auto mit dem Rollstuhl über den Haufen fahren… „Fuck!“ oder „SCHEISSE!“ oder doch vielleicht „Endlich…“?

Es tut mir leid. Ich möchte und muss mich für mich selbst entschuldigen. Nicht nur allein dafür, diesen wortgewordenen IRRSINN ins unendliche OFF des Internets zu rufen. Es tut mir unendlich leid.

Aber nicht einmal weinen kann ich; die Augen zu trocken, brennen, als bestünden meine Tränen aus Säure… Aber was soll schon Vernünftiges aus so einem besudelten, dreckigen Lebewesen herauskommen, außer noch mehr Gülle?

Da zerfließt sie wieder in Selbstmitleid!“

Damit man ihr das Gegenteil sagt!! Was für ein durchtriebenes, manipulatives Drecksstück!!

Kopfschmerzen. Der Katze noch ein Leckerli hin werfen. Er kommt von oben und die Betäubung ist wertlos…

27. März 2018, Dienstag

8:30
60,8 Kilo um 6:45 Uhr. Ich bin so müde… Unsagbar müde… Und ganz im Gegenteil zu früher, als Tramal Beweglichkeit bedeutete, machte es gestern eigentlich nur noch mehr Raum für Spastizität.
Der Himmel ist grau, nachts regnete es und ich hatte nicht sonderlich viel von meiner etwas höheren Dosis; beim Abendessen und dann im Bett die Angstzustände wie eh und je. Als hätte es die Betäubung nie gegeben!
Ich hoffe, die Auflage fürs Bett wird bald geliefert, und es handelt sich dabei nicht erneut um so einen dämlichen Fehlkauf, von denen schon zu viele getätigt wurden. Aber die Sache mit dem Wundliegen, dem Dekubitus lässt mich nicht mehr los und wie ich hören musste, ist die Ferse grundsätzlich eine der ersten Stellen, wo die Krätze ansetzt. Meine Fersen tun verdammt weh, aber vor allem die Rechte, wie auch heute Morgen wieder. Aber ich möchte auch nicht allein im Bett liegen, in einem Pflegebett oder ähnlichem. Dann sollte man wirklich über Einschläfern nachdenken! Sebastian hat mir bereits ein Kissen links neben mir auf meinen Rollschrank gelegt. Und das gerade dienstags… Dem einzigen Tag in der ganzen Woche, der wirklich von Anfang bis Ende mir allein gehört, hier keiner reingeschneit kommt, keine Termine… Die Augen fallen zu, die Stimme versagt…

Das hast du davon! VERSAGER!!

13:51
Das Wetter sieht ausladend aus. Schien doch zu Mittag kurz die Sonne; vermutlich hat sie nur nachgesehen, ob die faule Sau auch brav den ganzen Vormittag verpennt hat. Und ja, in der Tat! Das hat sie! Kurz nach 10:00 Uhr wachte ich auf, fühlte mich munter und war froh, dass mir eigentlich noch 2 Stunden fürs Arbeiten übrig geblieben waren. Aber dann machte ich den entscheidenden Fehler, zerrte die Wärmedecke von meinem Rücken, um diese aufs Kissen vor mir auf dem Tisch zu legen und gute Nacht.

Bin ich wach?
Bin ich wütend?
Mir selbst aufoktroyiert, UNVERZÜGLICH an die Arbeit zu gehen! Bevor mich meine Hände wieder verlassen! Bevor ich wieder schlafen will! Ein falscher Gedanke nur… Und dieses fragile System bricht in sich zusammen! Froh sein, dass es zu regnen scheint? Ich nicht auch noch dem Druck unterliege, draußen sein zu müssen? Als ich die Katze gerade ins Haus ließ, hätte ich den Vögeln noch frisches Futter geben können… Ich finde immer einen Grund, mich über mich selbst zu ärgern.

15:55
Genau in dem Moment, als ich zum Pinsel griff, kam die Sonne raus und lachte mich aus. Mehrfach musste ich die Lampe am Tisch aus- und wieder einschalten. Nach 1 Stunde Arbeit stand ich relativ zügig auf, ging ins Badezimmer, putzte mir endlich die Zähne, wusch mein Gesicht, wusch meinen linken Unterarm und rückte diesem mit einem Einwegrasierer zu Leibe… Den Schorf entfernt, die neuen Kratzer aufgerissen, die Haare abrasiert. Wenige Minuten nur, die ich da stand… Doch das der Anfang vom Ende. Ich kam zurück ins Wohnzimmer gekrochen, wollte mir Tee machen, und natürlich fiel mir die Milchpackung aus der Hand, und natürlich fing diese gleich an auszulaufen und selbstverständlich rutschte sie mir beim Wegräumen erst recht zweimal aus den Fingern, noch mehr Milch lief aus und ich vermochte sie überhaupt nicht mehr zu fassen.

Die Sonne kommt raus und verhöhnt mich. Jetzt bin ich der perfekte Pflegefall… Ab ins Heim!

Zwei Heckenbraunellen am Restaurant; die eine muss gehen, damit die andere kommt. Die Sonne scheint wie durch milchiges Glas. Fahre ich hinaus oder nicht? Nehme ich die Rasierklingen mit oder nicht? In diesem Zustand gefangen, ausgeliefert… Hilfsbedürftig… Ich halte das nicht aus. Was werfen wir uns heute Schönes rein? Das vorletzte Mal im Gespräch mit Markus, als wir uns über Betablocker unterhielten, hatte er sie bereits erwähnt, am Abend drauf hatte Sebastian eine Sendung kurzfristig am Laufen, „Take your pills!“, in der es um Studenten ging, die allesamt Ritalin schluckten, um besser, fokussierter arbeiten zu können. Was würde mit mir passieren, würde ich diesen Wirkstoff einwerfen? Mir ist mittlerweile ziemlich alles scheißegal. Nur nicht diese Panikattacken und erst recht nicht mich wie Gulasch zu fühlen!

Irgendjemand müsste mit dem Handbesen das ganze alte Vogelfutter vom Restaurant fegen. Bleibt die Sonne oder nicht? Ich bekomme keine Luft mehr. Hätte ich eine Maschine, die mich verletzt… Dafür wäre ich viel zu feige! Aber die Hände klimpern fleißig und versuchen Spannung und Stress abzubauen.

16:27
Eine halbe Runde ums Haus. Eine Horde Eichelhäher treibt sich im Wald herum und mimt den Bussard, der sich soeben wirklich in die Lüfte erhebt. Eine halbe Runde ums Haus und keinen sonnigen Platz gefunden, der windstill wäre. Zurück ins Haus, Hände und Arme im Waschbecken mit heißem Wasser abgeduscht. Das verklebte Tuch wird gefaltet, notdürftig.
Bevor ich das Haus verließ, acht Hübe Tramal direkt in den Mund. Beinahe zu schwach, die Pumpe zu betätigen und so biss ich bei jedem Hub immer stärker in das kleine Kunststoffventil, als würde es mehr Kraft aus mir rausholen.
Die Haut immer noch wie Leder. Die Rotkehlchen singen. Drei neue Kuverts in der sonnengelben Schachtel. Vielleicht genügt es schon, daran zu riechen, würden sie nur nach Schmieröl duften…
Eigentlich weiß ich gar nicht wohin mit den Schnitten, wem nun genau sie gewidmet sind. Den Schuldgefühlen, weil ich meine Eltern nicht sehen will, der aussichtslosen Lage, in der ich stecke und die eigentlich nach Notausstieg schreit, wegen den immer wiederkehrenden Panikattacken, den immer wiederkehrenden Depressionen, den immer wiederkehrenden Gefühlen, die ich nicht einzusortieren vermag und dabei, logisch betrachtet, ein Horrorszenario vor mir auftun, welches ich nur nicht zulassen will? Denn „mir ist doch nichts passiert“, „ich kann mich an nichts erinnern“, „das will ich mir selbst doch alles nur einreden lassen, um besonders zu sein“ usw. und so fort…

Fine legt sich auf der Terrasse auf die Lauer, was mir gar nicht behagt. Die Klinge aus dem Kuvert, viel Zeit bleibt mir nicht mehr. Der Gaumen extra ausgetrocknet von den Spasmolytika, einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche nehmen. Auf gut Glück das neue Werkzeug ansetzen… Mich werden doch nicht Zweifel überkommen? Schwer durchatmen…

Die Haut sehr überreizt, empfindlich.

Du elendes Weichei!!

Alles Einbildung! Das bin „nur ich“!
Hätte ich bloß irgendwie die Möglichkeit, die Haut zu spannen… Dann müssen die Wunden zwangsläufig tiefer werden!
Was für eine Wirkung dieser betörende Rotton hat. Sagt er eigentlich dem gesunden Verstand: „Achtung!“? Was läuft bei mir schief, warum schreit der Anblick von meinem Blut, kaum tritt es zutage: „Mehr!! VIEL MEHR!!! ES REICHT NICHT!!!“?

Sechs Schnitte; die Haut schlecht durchblutet, die Hände eiskalt. Schade um die Klinge? Einmal noch…

DAS nennst du FESTER ANDRÜCKEN??!!
DU behauptest ernsthaft, verzweifelt zu sein?!!
Schau dir doch die Kinderkacke an!!!

Zwei Blaumeisen, eine Kohlmeise und eine Heckenbraunelle am Restaurant. Fine hat sich in den Garten getrollt. Ein paar kleine Flecken auf dem Tuch. Mich aufrichten, dabei rutscht die Gummierung vom Griffreifen und darunter immer noch dieses stinkende Zeug. Na wunderbar… Alle Sachen verschwinden in der Tasche. Bei meiner Beichte gestern, etwas genommen zu haben, meinte Sebastian nur abgeklärt: „Denkst du, das wäre mir nicht aufgefallen?“. Mittlerweile sollte der Tee fertig sein… Das Video wird wieder nicht fertig.

17:41
Anruf von Sebastian zuvor, er bräuchte noch bis 18 Uhr.
Die Singdrossel singt ihr Klagelied um den sterbenden Tag. Undefinierbare Menge Psychopax…

18:56
In der beginnenden Dunkelheit singt das zarte Rotkehlchen. Ich fühle keinerlei Ruhe noch Betäubung. Der Körper funktioniert immer weniger…
20 Tropfen Tramadol, 2,6mg Hydal, 1 Temesta.