4. Juli 2018, Mittwoch

17:02
Mittags eine winzige Tütensuppe und Wassermelone, abends Reis mit Gemüse… 59,2 Kilo um 6:45 Uhr. Dankeschön… Ein Kilo mehr…

Den neuen Fernsehsessel ausprobiert und mal eben mindestens 2 Stunden darauf geschlafen. Schön und gut; aber das passt alles nicht zusammen; das Sofa halbiert, bringt das neue Möbelstück nichts als Unruhe in den Raum. Sieht noch unordentlicher aus. Kaum auszuhalten.
Den Mittwoch mit Freitag verwechselt, sagte ich doch allen ernstes zu Sebastian, als er mittags nach Hause kam: „Hast du die nächste Woche überstanden…?“. Weil er abends für 1 Stunde weg gehen will. Die Nachwehen der gestrigen Tablettenexkursion? Es passte einfach alles zusammen, als sei Freitag, und ich sah mich bereits heute Abend ganz lange am Video arbeiten.

Völlig verpeilt. Total neben der Spur. Ausblicke in ein Paralleluniversum. Nicht mehr wissen, wo ist unten und oben, wo Hier und Jetzt…
Links an der weißen Kunststoffverkleidung vom Rollstuhlreifen, unter dem sich der Motor verbirgt, eine Blutspur. Der nächste Tropfen auf dem Boden gelandet. Unfähig, es wegzuwischen. Als spiele es keine Rolle. Als sei ich dermaßen depressiv, dass mir alles egal ist.
Wollte ich nicht hinaus? Eine Runde fahren? Der Wind hatte mich abgeschreckt, aber augenblicklich scheint er doch nachgelassen zu haben… Mich wieder schlecht fühlen? Rein in den nächsten Zwiespalt? Als drohte bereits der Winter in den nächsten zwei Tagen damit, mich wieder für Monate ins Haus zu sperren? Wie bescheuert!
Aber wie ich hier so sitze, immer noch müde, fühle ich mich bereits wie in Beton gegossen. Unbeweglich. Die Psyche erstarrt. Der Körper tot. Die Augen glotzen ausdruckslos nach draußen, Dissoziation als Standarddroge.

Durchs offene Wohnzimmerfenster draußen irgendwo in Hausnähe den Schwarzspecht rufen hören. Früher wäre ich schon los, wäre längst draußen gewesen, in der unbelehrbaren Erwartung, ihn irgendwo sehen zu können. Aber Bewegung scheint meiner Natur zu widersprechen. Als hätte diese nie in meinem Dasein stattgefunden.

17:35
Sebastian badet, ich mit beiden Händen an den Rand geklammert, die Knie abgewinkelt, stützen sich an der verfliesten Wand der Wanne ab. Kann mich nicht halten, nicht aufrecht halten, die Beine brechen unter meinem Gewicht zusammen, als würde ich 200 Kilo wiegen…
Aber meine Haare müssen gewaschen werden…
Mehrmals kam es zu kritischen Situationen. Nach hinten fallen, mit dem Kopf in die Glastür der Dusche…?

Daran bist du selber schuld, du faule Sau!!!

Andere geben sich mehr Mühe. Andere kämpfen mehr. Ich mache gar nichts mehr. 15 Jahre lang gekämpft und jetzt ist der Ofen aus? Oder auch das ein Symptom der Depression…

Umso besser! Dann bringst du dich hoffentlich bald um!!!

Kopfschmerzen. Während ich da noch instabil und wackelig vor der Wanne stand, drängte sich mir ein Gedanke auf: „Diese ganzen Medikamente, mich damit abzuschießen, hat zu viele Nebenwirkungen, Nachwirkungen. Aber was bleibt mir denn sonst??…“.
Und ich sah die Rasierklinge.

Aber wenn du nicht einmal DAS richtig hinbekommst!!!

Null Alternativen. Außer mich wieder dermaßen in meine Suizidfantasien hineinzusteigern…

17:55
Er fährt. Ich bin allein, für mindestens eine Stunde. Die Abenddosis fällt beinahe „standardmäßig“ aus. Die einzigen Abweichungen wären ein Hydal 2,6 mg und statt 15 eben 20 Tropfen Tramal. Mich auf meine Standardmittel verlassen, als ob diese in letzter Zeit nicht auch zu massiver Spastik geführt hätten. Aber irgendwie, irgendetwas brauche ich…
Beim Anblick des Lichteinfalls, der kleinen Sonnenblume auf der Terrasse drifte ich wieder ab… Mich jetzt aufschlitzen? Später aufschlitzen? Oder mir diese Option für schlimmere Zustände aufheben?

18:47
Eine leichte Betäubung setzt ein…
ABER… WIE KONNTE ICH ES WAGEN, DIES ANZUMERKEN!!!

PANIK…

19:57

Panik und Betäubung liefern sich einen rasanten Schlagabtausch. Beim Kopieren der letzten Aufnahme die beiden Fotos von der Geburtstagsfeier gesehen…
Wenn überhaupt einen winzigen Augenblick lang, und das nur ganz klein, kaum zu erkennen… Aber ich sehe sie sterben! Ich sehe meine Mutter schon wieder sterben!!! Die Augen werden geflutet…

Die beiden Fotos vom T-Shirt, welches sie vor 20 Jahren, im für den Rest meines Lebens entscheidenden Jahr 1998, zum 50. Geburtstag bekommen hat.

Ich sterbe…
Aber viel zu langsam, es ist kaum zu ertragen!
Sebastian ist zurück, ist oben, wird noch ein bisschen brauchen. Panik, Dämpfung, Verlustängste, noch mehr Panik, weniger Dämpfung, noch viel mehr Verlustängste… Usw. und so fort!!!

Den Rollator umdrehen. Himmel! Wenn da mal jemand aus Versehen einen Blick hineinwirft… Was wird diese Person von mir denken? Auf Verständnis darf ich wohl kaum hoffen. Unzählige Tücher und ein großes Handtuch, Strumpfverbände… Und allesamt blutgetränkt…

Ich brauche…
Ich muss…
Es geht nicht anders…

Dabei meine rechte Hand völlig verkrampft, eine Faust, schwach und gelähmt, die Finger lassen sich ohne äußere Gewalteinwirkung nicht strecken.
Eine Faust ist jedoch allemal besser als ein Streckspasmus in meiner Rechten. Perfekt, um die Rasierklinge doch noch irgendwie zu halten.
Sicherheitshalber zu Beginn gleich den Strumpf überstreifen; meine liebe Not mit diesem lächerlichen Handgriff.
Draußen geht die Sonne unter. Lebenslänglich.

Du wertloses Stück Dreck!!!

Bei dem Gedanken, dass er wieder runterkommt und somit symbolisch den Tag beendet, kommt mir die Kotze hoch vor lauter würgender Angst. Wie ein Strick um meinen Hals, und am anderen Ende hängt Rumpelstilzchen, schaukelt wild hin und her, dabei wird er immer schwerer und schwerer…

Auf jedes Geräusch von oben achten…
Nervös…
Singdrossel und Amsel singen ihr allabendliches Requiem. Einmal tief durchatmen…
Den Kopf schütteln, als würde es jemand beobachten, als würde ich dies für irgendwen tun…

Wieder zu feige! Es tut mir leid. Sie stirbt. Stattdessen sollte ich abkratzen.
Bei jedem lächerlichen Schnitt automatisch, unwillkürlich, reflexartig die Luft anhalten…

Und es wird 20:17 Uhr und auch wenn die ersten vier Kratzer auf der wahrlich verbrauchten Unterseite kaum Anstalten machten, für mich zu weinen, tun es die weiteren vier auf der Oberseite umso mehr.
Dicke, dicke Blutperlen werden aus den fragilen Strichen gequetscht. Wehmut kommt auf… Ich hätte den Arm auf einen der wenigen Flecken vom Frottee legen sollen, der mir zumindest verraten hätte, ob ich meine Schuldigkeit zumindest ansatzweise getilgt habe.

Der dreckige Strumpf, obwohl noch vor drei Tagen nagelneu, rettet die Welt! Kaschiert, was keiner sehen will, was nicht sein darf, denn: „… anderen Menschen geht es so viel schlechter, verhungern, sind Kriegen ausgesetzt, und ich dämliche Kuh tue gerade so, als wäre gerade MIR IRGENDETWAS zugestoßen!!“…

NICHTS UND WIEDER NICHTS!!
Du kannst dich ja nicht einmal erinnern!!!

Erneut die wenigen Spuren von den rechten Fingern lecken. Gleich werde ich tief Luft holen und es wird sich anfühlen, als hätte ich die letzten 20 Minuten nicht mehr geatmet. Im besten Fall, und das hoffe ich inständig, wird sich zumindest für einen Augenblick so etwas ähnliches wie Frieden in meinem Schädel, in meinem ganzen Körper einnisten.
Ich hasse mich. Und ich halte meine Stimme nicht mehr aus…

21:22
Es glich einer Erlösung, als er meinte, noch bis 10 oben zu tun zu haben.
Aber was habe ich davon?
NATÜRLICH ist es unvernünftig, den ganzen Tag bewegungslos auf einer Stelle zu verharren!
NATÜRLICH ist es ungesund!

Hasstiraden erfüllen den Raum. Die Tastatur fällt runter. Sie nicht mehr aufheben können. ALLES wird zur Belastung! Der Saustall links von mir! Die Unordnung vor mir auf dem Tisch! Das Durcheinander rechts in der Küche! Der penetrante Gestank nach Essig, Salatsauce!!!
Mir wird schlecht! Immer schlechter!
Schmerzen! Schmerzen erfüllen den ganzen Körper! Dagegen sind die armseligen Kratzer ein Flohhusten!!! Der Rücken, die Verspannungen, Kopfschmerzen und erst recht der Ischias!!!
NICHTS GEHT! NICHTS FUNKTIONIERT! UND SCHEINBAR IST ES ZU VIEL VERLANGT, WENIGSTENS HIER SITZEN ZU WOLLEN UND MIT VIEL MÜHE, DEN LÄHMUNGEN UND WIDERSTÄNDEN ZUM TROTZ, EINIGERMASSEN PRODUKTIV ZU ARBEITEN, WENN DAS OHNEHIN DURCH DIE BESCHISSENEN UMSTÄNDE STÄNDIG VERZÖGERT, DOPPELT UND DREIFACH IN DIE LÄNGE GEZOGEN WIRD!!!
NICHTS UND WIEDER NICHTS!!!

Mein Dasein kotzt mich an. Da bietet sich einmal die Chance auf Ablenkung, ABER NICHT FÜR MICH! WIE KONNTE ICH ES NUR WAGEN, DIES ÜBERHAUPT IN ERWÄGUNG ZU ZIEHEN, FÜR MICH, MICH STÜCK SCHEISSE!!!!

Die Zeit verrinnt, rieselt mir durch die Finger und ich unfähig, auch nur eine Sekunde festzuhalten. Wie kann ich mir bloß anmaßen, dergleichen in Anspruch zu nehmen, zu fordern, nur darum zu bitten!!…

Es wird heiß. ZU heiß. Ich beginne zu schwitzen. Aber (auch wenn Sebastian nun sagen würde, dass das NICHTS damit zu tun hat) ZU DÄMLICH, den Ventilator einzuschalten.

Du beschissener Krüppel! Du bist eine Lachnummer! Eine Belastung! Bring es endlich zu Ende!!

Unfähig, den Ventilator aufzustellen, nachdem ich ihn umgeschmissen habe. Unfähig, ihn an irgendeiner Stelle in die Hände zu nehmen, festzuhalten!! Mein Schädel droht zu bersten, wenn ich mich bücke. Alles in mir drückt. Kopf, der Magen, die Gedärme, der Ischias.

Überzeugungsarbeit wird sozusagen geleistet.
Aber ich…-allmählich gehen mir die Worte aus, die auch nur ansatzweise beschreiben könnten, WIE wertlos und dreckig und nutzlos und belastend und beschissen usw. und so fort ich bin- …bleibe ernsthaft am Leben!

22:06
Immer noch allein. Mir ist schwindelig. Aber ich sollte dennoch ein paar Schritte gehen…

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11. Mai 2018, Freitag

13:20
Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, ehe ich das Diktierprogramm zum Laufen bringe. Erst recht bedarf es mehrerer Anläufe! Draußen Sonne und Regen. Mein erklärtes „Lieblingswetter“. 59,8 Kilo…
Ein freudscher Versprecher. 58,9 Kilo um 9:00 Uhr. Gefühlt wenig geschlafen. Eingeschlafen erst irgendwann nach 1:00, aufgewacht kurz nach 4:00 Uhr. Ich kam mir vor wie zu besten Cortisonzeiten! Nur sorgte dieses Mal für Schlaflosigkeit und Magengeschwür Sebastians Schnarchen. Da hilft mir sein „Entschuldigung…“ herzlich wenig, wenn er nichts dagegen unternimmt (also nicht abnimmt). Danach vorwurfsvoll „Du hast doch deine Ohrstöpsel!“; als ob die sein Sägen abhalten könnten. Dazu muss man mir schon die Gelegenheit geben, wieder einzuschlafen. Und jedes Mal, wenn dieses penetrante Geräusch, leider häufiger frequentiert durch seine beschleunigte Atmung, in meine Ohren drang, spürte ich an der Oberfläche meines Magens eine kleine Explosion, ein Brennen.
Die erste Singdrossel beginnt etwa um 4:00 Uhr zu singen, um 4:25 Uhr fährt der „Thermenland-Express“ hinter zwei oder drei Hügelketten gen Steiermark über einen schrankenlosen Bahnübergang und seine „Hupe“ ist bis nach Henndorf zu vernehmen. Es klingt beinahe bedrohlich und ich sehe in meinem Kopf die Gleise, darauf ein Auto, einen Selbstmörder, und die Bahn rast heran, aber Mann oder Frau reagiert nicht auf das Warnsignal…

Das, was Sonja in einer Dreiviertelstunde an Schmerz aus mir rausgeknetet hat, ist in 5 Minuten wieder da. Wie kommt es zu der Meisterleistung? Vom Zähneputzen! Gleich nach 1 Minute verspannt sich irgendetwas unter dem rechten Schulterblatt, und es ist scheißegal, ob ich aufrecht stehe, gebückt oder vielleicht sitze, ob ich mich bewege oder nicht, und diese Verspannung löst eine Kettenreaktion im gesamten Kreuz aus. Und die Kopfschmerzen sind mir auch für heute gewiss. Bereits mit Kopfschmerzen aufgewacht. Und diese viel zu lange genossen, dank seiner „Holzarbeiten“. Aber noch besser…
Kaum war meine Physiotherapeutin (oder wie Sebastian sie nennt: „Folter-Barbie“) weg, krampft die Blase das erste Mal. Fange ich jetzt an, tatsächlich wie eine 95-jährige wetterfühlig zu werden? Meine Füße sind kalt. Regelrecht klamm. Und es krampft und krampft und ich sitze hier wieder mit Blasentee und kann eigentlich den ganzen Tag bereits in die Tonne treten.

Eine winzige Notiz im Kalender… Krakelig, unleserlich, verschmiert. Unfähig, den Kugelschreiber zu halten. Das in Gesicht, auf Dekolleté, Schultern und Rücken nun eindeutig als Steroidakne identifiziert. Vom Nasenspray, ernsthaft?

Das Kohlmeisenmädchen endlich vor die Kamera bekommen, dessen Auge aussah, als säße darüber eine fette Zecke oder es sei entzündet… Heute stellt sich die Situation so dar, dass ihre rechte Gesichtshälfte durch den Fleischwolf gedreht worden scheint. Ist die Zecke geplatzt? Oder doch der Augapfel? Die Aufnahmen werden es zeigen. Wenn ich sie mir denn noch ansehen werde. Mein Hintern schmerzt. Hatte die gut gemeinte Idee, mir einen Wecker zu stellen, der mich spätestens alle 60 Minuten daran erinnert, aufzustehen und zwei Runden im Flur zu gehen. Aber sobald ich mich erhebe, drückt die Blase. Die Verspannungen bauen sich wieder auf und ziehen auf direktem Wege ins Hirn. Der Lichteinfall und das unliebsame Wetter erinnern mich an die zweite Augustwoche, seit Tagen nicht geschlafen wegen dieser seltsamen Missempfindungen in den Beinen. Dass sie sich selbstständig machen…

Es zieht mich aufs Sofa, vor die Glotze. So ich die Arbeit am Video aufnehme, weiß ich doch ohnehin, was mir blüht. Schmerztechnisch. Für was ich Novalgin schlucke, zusätzlich, bleibt fraglich. Natürlich mag einer da die Frage aufwerfen, ob ich schmerzmittelabhängig sei. Nichts von dem ganzen Mist arbeitet gegen den Schmerz. Der Pirol sitzt provokanterweise auch jetzt gerade wieder im Garten vor dem Küchenfenster. Die Kälte der Füße scheint mit den Schmerzen im Unterleib einen guten Draht zu haben. Vor fehlender Durchblutung pocht es in den Gliedmaßen, um kurz darauf auch eine Reaktion der Blase wahrnehmen zu müssen.
Ein monströser Jumbojet donnert übers Haus hinweg. Da fällt mir ein, bei meiner ebenfalls für Cortisonzeiten typischen Aufzählung die vermaledeiten Flugzeuge vergessen zu haben. War es 4:45 Uhr oder 5:45 Uhr, als die erste Maschine zu hören war, und kaum verklungen, kam aus der anderen Richtung die nächste?

Die Waschmaschine geht hinten im Flur in die finale Phase. Meine Kopfschmerzen streben nach mehr. Die Heizdecke unter den Arm geklemmt, rasch in die Hausschuhe geschlüpft, verziehe ich mich nun zum zweiten Tod meiner Beweglichkeit… Der Couch.

20:39
Es wird dunkel. Abendkonzert in Stereo. Etwa vor einer Dreiviertelstunde auch noch die Pirole; links vor dem Wohnzimmerfenster und rechts vor dem Küchenfenster jeweils ein karibisch anmutender Sänger. Erst recht als es anfing dunkel zu werden, flatterten sie hier vorne hin und her, gar nicht scheu…

Das Diktierprogramm versteht mich nicht, funktioniert nicht, aus welchem Grund auch immer. Das eindeutige Zeichen, es ist Zeit, sich von dieser erst jüngst erworbenen Schrottkiste für 50 € zu trennen. Angeblich hätte ich heute bereits den neuen Kasten bekommen sollen. Ich wiederum lag auf dem Sofa, eine Ewigkeit. Irgendwann konnte ich mich endlich aufraffen, alles natürlich nur mit Hilfe. Wollte nur kurz sitzen. Aber ich starrte in die Glotze. Werbeblock, das Gerät ausgeschaltet. Und tatsächlich eingeschlafen. Doch viel schlimmer als das hinterher aufzuwachen und eine noch längere Ewigkeit völlig daneben getreten ins Nichts zu schauen.

War die Sitzung gestern zu heftig?
Nun scheine ich wenigstens etwas wach. Aber mein Hintern schmerzt, mein Rücken schmerzt. Sebastian genötigt, für mich Abendessen zu kochen, ehe er mit seinen beiden Freunden ausging. Reis und Gemüse… Ich hatte so einen Heißhunger auf Gemüse!

Aber was macht die dämliche Kuh? Frisst zu viel davon und schmeißt den Rest auf den Boden!!!

Ich sitze mit dem Rollstuhl mittendrin und weiß noch nicht so recht, wie ich aus dieser Umklammerung entkommen kann, ohne alles an Reifen und Füßen kleben zu haben. Hatte ich nicht zu Sebastian gesagt, lediglich 40g Reis? Und er anschließend: „Das waren ja NUR drei Esslöffel! Ich hab dir einen mehr reingemacht!“. Und diese Portion liegt nun auf dem Fußboden.

Das dringende Bedürfnis, in Aktion zu treten, endlich irgendetwas in Angriff zu nehmen, ehe ich hier nicht mehr sitzen kann. Aber… Ach, wie verleitend den Blick abschweifen zu lassen und völlig bewegungslos offenen Augen Körper und Geist auf Standby zu schalten.
Vor dem Essen noch, während er durch die Küche wuselte und sich gleichzeitig fertig machte, packte mich die Resignation und vermutlich auch ein Stück weit die Depression. Immer diese Schmerzen, immer wiederkehrend diese Tiefpunkte, und die Höhepunkte dazwischen immer weniger hoch… Erneut wollte ich aufgeben.

Aber zumindest Rumpelstilzchen zu ermahnen, jetzt keinen Bock auf Panik zu haben, scheint eine dämpfende Wirkung zu haben… Oder ich habe soeben mit diesem Satz wieder alles widerlegt, ihn sozusagen herausgefordert, mir prompt das Gegenteil zu beweisen. Wie es bei jeder Sache ist, die ich positiv bemerke…

Es wird 20:54, der letzte Solist ein Rotkehlchen, begleitet von einem Orchester von Grillen, Zikaden und Heuschrecken.

5. Juli 2017, Mittwoch 8:35

59 Kilo um 7:00 Uhr. Ich kann nicht. Ich kann einfach nicht. Plattiert wie ein Schnitzel. Unbrauchbar. Dabei fühle ich mich regelrecht machtlos. Sebastian hatte versprochen, morgens die Küche aufzuräumen, und als ich noch im Bad war, hörte ich ihn hier drin rumoren. Aber nun alles beim Alten. Der Herd ist dreckig, die Arbeitsplatte ist dreckig und das Geschirr hat er vielleicht zusammengestellt, aber nicht in die Maschine geräumt. Dreck soweit das Auge reicht. Mir ist schlecht. So kann ich nicht arbeiten. Ich denke, ich müsste selbst zur Tat schreiten, um anschließend wieder zu der Erkenntnis kommen zu dürfen, mir damit selbst den Genickschuss verpasst zu haben. Die Heizdecke einmal angelegt, schon wanderte sie zurück in den Karton. Es ist in der Tat dieselbe, die mir Sebastian zu Weihnachten schenken wollte. Auch diese hatten wir zurückgeschickt. So viele Dinge sind offen, unerledigt, dazu der Saustall… Es bedürfte wohl gleich 2 Beruhigungstabletten! Zudem entsetzt dabei zusehen, wie aus Halb in Windeseile Dreiviertel wird. Auch mein Tisch völlig überladen mit Sachen, die da nicht hingehören. Dabei müsste ich die Leinwand umdrehen. Aber wie, kein Platz! Mir ist schlecht, hätte mir das Frühstück sparen sollen…

ERNSTHAFT, DU FETTE SAU!!

Alles zur Seite schieben, am liebsten mit dem großen Mülleimer durch den ganzen Raum gehen und alles, was schmutzig ist und dort steht, wo es nicht hingehört, wegschmeißen! Warum nicht gleich mit einem Hochdruckreiniger! Sebastian kriegt es nicht hin. Völlig unsortiert, orientierungslos. Und da geht es nicht darum, „dass ICH es anders machen würde“. Es geht auch gar nicht darum, dass ich dasselbe Endergebnis erwarte. Ich erwarte mir irgendein Endergebnis, aber dazu kommt es fast nie. Was bin ich für ein Stück Scheiße an ihm rum zu mäkeln, wo er doch alles für mich tut. Oder wie ich immer zu hören bekomme: Er ja noch nicht weggelaufen sei! Heute Psychotherapie und ich schäme mich zudem in Grund und Boden dafür, wie es aussieht. Tja, selber schuld. Ich hab die Volkshilfe reduziert!

Mein rechtes Bein beginnt zu krampfen und da wird es tatsächlich 8:45. Ich hasse mich. Aber diesbezüglich noch eine kurze Randnotiz: Meine Ärztin hat mir wohl aus dem Beipackzettel die Gegenanzeigen vom Sativex geschickt. „Persönlichkeitsstörung“. Was soll der Scheiß? Wie oft, wie lange denn noch diese Debatte? ICH HABE KEINE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG!! SIE WAR ES, DIE MICH ZU IHREM KOLLEGEN GESCHICKT HAT UND DER HAT AUS BORDERLINE EINE DISSOZIATIVE BEWEGUNGSSTÖRUNG GEMACHT!! VERDAMMT, WAS SOLL DER SCHWACHSINN?!!

9:20
Etwa 20 Minuten durch die Küche gewirbelt. VERFLUCHT! Ich hab meine Tage, da halte ich Unordnung noch weniger aus! Er hat das Geschirr nicht eingeräumt, weil die Maschine voll ist. Dazu hätte man sie erst entleeren müssen. Nun habe ich wenigstens alles noch ordentlicher zusammengestellt und den Dreck weggewischt. Aber es wird nicht besser. Bin ich bereits ein Junky und rede mir nur ein, es eben nicht zu sein? Die nächste Temesta, ehe ich mich setzen darf. In mir zittert alles. Erinnerungen überfluten mein Gehirn. Musste die Musik ausmachen. Wie unter Cortison, oder besser gesagt in der Entzugsphase hinterher. 10 Minuten hatte ich den Pinsel in der Hand, um einen einzigen Unfall zu produzieren. Keinerlei Feinmotorik. Der Rücken schmerzt, aber noch viel mehr der Ischias, beidseits. „Du musst deine Übungen machen!“. Mir läuft die Zeit davon! Die Panik steigt in mir auf wie tausende Hände, die alle nach meinem Hals grabschen, mich erwürgen wollen! Ein äußerst fragwürdiges Räucherstäbchen („Rose“) stinkt gegen die Geschirrspülmaschine an. In mir rotiert alles. Ich will mein Leben zurück, ich will gar nicht mehr leben, ich weiß nicht, was ich will! Stress, Stress und nochmals Stress! Vor und zurück schaukeln. 9:27, mir läuft die Zeit davon, der Tod rückt näher, gefühlt stehe ich in einer Sackgasse, ganz plötzlich, die Augen werden geflutet, aus heiterem Himmel…

Also doch emotional instabil, wie?!!

Tief Luft holen… Gleicht eher einem nach Luft Schnappen! Mir wächst alles über den Kopf und ich wünsche nur, die Tablette würde anfangen zu wirken. Was ist denn heute los mit mir?

Was ist IMMER mit dir los??!!

Vorgestern, als ich nicht schlafen konnte, meine ich mich daran erinnern zu können, dass ich in dieser Zwischenphase von Traum und wach ein Geschenk gesehen habe, dass mir als Kind gemacht wurde. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich Angst. Todesängste. Und wie damals erwähnt blieb der Schlaf aus, die folgenden Stunden. Es war doch nur Traum, hatte nichts als symbolischen Charakter… Oder? Den Zustand gerade kennen wir doch allzu gut, ist doch nichts Neues! „Mach deine Übungen!“. Alles zu viel, viel zu viel, der Tag zu kurz, meine Kräfte zu spärlich. Es wird nie besser werden, nur noch schlechter und ich bin selber schuld!!

Halbherzig erst eine und dann die 2. Übung. Die Hand klimpert. Die Waschmaschine schleudert und hält die Unruhemaschine tief in mir erst recht in Betrieb. Aus mir kommt nur noch Kauderwelsch raus! 9:38!! Die Wärmeflasche wieder kalt. 4 unterschiedliche Meisen auf dem einzigen Knödel. Ich möchte sie beobachten, ich möchte draußen sein, aber ich muss was leisten, um mein Dasein zu rechtfertigen…

SCHLITZ DICH AUF!!

9:46
Gedankengänge: Mein letzter feiner Pinsel hat Spliss, diese Pinsel gibt es nur beim Libro, der in Jennersdorf abgebrannt und wird auch nicht mehr aufgebaut, alles geht kaputt, man lebt nur noch fürs Wochenende, es ist schon wieder Mittwoch, wie kann man sich bloß darüber freuen, dass Zeit vergangen ist, und plötzlich stirbt einer, irgendetwas passiert, früher oder später… Nervenzusammenbruch! In Tränen absaufen! Zum zitternden Kind mutieren!

Was willst du von mir??!!

Und abends in der Therapie wieder grinsen und Witze machen!! Und Brigitte wird sagen, du bist viel besser drauf als früher, nicht so depressiv eingeengt. Die Hand klimpert immer schneller. Das ist keine gedankliche Sackgasse mehr, ich sitze in einem schwarzen Loch voll mit Treibsand.

10:12
Die Brille längst abgenommen, Tränen tropfen auf die Leinwand neben das Schwarz. Eine lebenslange Beerdigungsfeier! Eine volle Dosis Tramal obendrauf.

UND DU WILLST NICHT ABHÄNGIG SEIN??!!

An die Videos der zurückliegenden Jahre denken. Es gibt keinen Monat ohne Tief. Es fehlt nicht mehr viel und wenn der ganze Mist mich nicht abstellt, muss es die Klinge tun. In 10 Jahren wird man zurückblicken und sagen: „Wenn man das damals gewusst hätte!“. Tod, Tod, TOD!!!!!! Rationale Gedanken funktionieren nicht mehr. Ein Kind ist nicht rational. Und scheinbar bin ich gerade das Kind.

Minutenlang ins Nichts schauen. Ich kann nicht mehr…

15:48
Eine Tasse Guarana-Mate-Tee. Davor eine Dose Energydrink. Konnte mich selbst nicht wach halten. Der Strohhalm fällt zum 2. Mal, die Maus hüpft ebenfalls hinterher. Ein Rollstuhl taugt nicht, um sich mit Kabeln zu umgeben. Bin ich wach geworden, als ich gerade eben erst meine Visage im Spiegel ansehen musste? Was bist du für ein Stück Scheiße?! Dermaßen abartig!! Ich verabscheue mich selbst! Mit Rumpelstilzchen, ohne Rumpelstilzchen. Eigentlich wollte ich längst eine Entwässerungstablette einwerfen, wenigstens irgendetwas tun! Draußen ist es erneut viel zu warm geworden, der linke Arm krampft. Mit oder ohne Schnitte. Es wurden derer mindestens 50! Die letzten 20 bluteten stark, eine nagelneue Rasierklinge und ich mit dem Rollstuhl in der offenen Terrassentür, die Sonne auf dem Schoß. Mir ist schlecht, erneut völlig blockiert. Als wäre ich vorher gestorben und warte nur noch auf die Verwesung. Brigitte kommt in einer halben Stunde. Bis dahin kann man noch viel anstellen. Zuvor, und man darf es als Kommentar darauf sehen, meine hässliche Hackfresse ertragen zu müssen, beim Abwaschen vom Blut den Wunden mit meinen Fingernägeln zu Leibe gerückt. Sie brachen auf, bluteten erneut. Fühle ich mich gerade näher bei mir als sonst? Wenn die Tabletten aus mir ein funktionierendes, lächelndes Etwas gezaubert haben?

UND DAS BRAVE MÄDCHEN HAT DIE MITTAGSDOSIS AUSGELASSEN!!

Ich fühle mich immer noch zubetoniert. Beim Wühlen in der kleinen Holzschatulle unter meinem Tisch, in der unterschiedliche Blisterpackungen zu Hause sind, erst einmal gesehen, WIE VIEL Temesta ich in den zurückliegenden Wochen bereits konsumiert habe. Ich hätte gedacht, es wären weniger…

Da siehst du es!! Du kannst überhaupt nicht objektiv einschätzen, ob du abhängig bist oder nicht!!

Das, was ich in einer Stunde an der Leinwand verbrochen habe, gleicht einem Kinderpfusch. Wie passend, wenn ich doch dabei das emotionale Verhalten des Kindes an den Tag gelegt habe.

Das sieht immer so stümperhaft aus, weil du es nicht kannst!! Weil du GAR NICHTS KANNST!!

Die Klinge sitzt locker. Die Haut einigermaßen weich vom letzten Wasserkontakt. Sebastian gerade beim Chirurgen, WEGEN MIR, um sich seine beiden Warzen im Gesicht entfernen zu lassen. Erinnern mich zu sehr an Willi, und dessen Rolle in meiner Kindheit erscheint mir immer noch zu diffus, um ihn von irgendetwas freisprechen zu können. Das Gesicht eines Pädophilen. Schwer atmen. 25 Minuten auf dem Laufband. Anschließend das Gemetzel. Zum Finale wieder funktioniert. Obwohl ich es ausgesprochen habe, dass ich mich abstellen musste; auch womit und wie viel. Selbst von den Tränen, den Sterbefantasien. Er hat mich geküsst und ich mich zwischen den Zeilen entschuldigt: „Seit Jahrzehnten immer und immer wieder derselbe Scheißdreck…“. Kein Ende, bis ich daran zugrunde gehe.

Zuvor drehte ein junger Sperling interessiert eine große Runde in unserem Wohnzimmer. Er war von Fine unentdeckt geblieben, sie hat ihn verschlafen, insofern blieb sein Ausflug seinerseits sehr entspannt und fand unaufgeregt nach Abschluss seiner Runde wieder den Ausgang. Bin ich nur müde? Oder total stoned? Der Körper sehnt sich nach dem Ventilator, der Himmel zieht zu im Süden, obwohl die Sonne unbeirrbar auf uns herab grinst. Die Rechte spielt ohne Pause Klavier. Meine neue Bekanntschaft schickt mir eine Unterschriftenliste zum Thema Pflanzenschutzgifte. Ich vermag nicht einmal es mir durchzulesen… Unterdes fällt der Strohhalm ein 3. Mal. Eine Viertelstunde noch. Mich samt Notebook in Richtung Sofa begeben. Es hatte Sebastian nervös gemacht, dass ich noch mit dem Rollator unterwegs war, als er fahren musste. Es scheint ja unmöglich, mir den Schädel einzuschlagen… Und ich will sterben und habe doch Angst vor dem Tod…

18:13
Erst Brigitte den E-Mail-Verlauf vorgelesen und dann vom heutigen Tag berichtet, um erneut zum Kind zu mutieren. Sie setzte sich neben mich, streichelte mein Bein, tröstete mich. Zu meiner Ärztin sagte sie: „Die kann sich überhaupt nicht auf dich einlassen! Die denkt, du bist ein Borderliner und fühlt sich durch diesen Schreibverkehr darin erst recht bestätigt!“. Abschließend dann noch: „Das geht überhaupt nicht! Dir erst die Zusage erteilen, dass du es machen kannst, und dann, sobald sie die Verantwortung dafür hätte, einen Rückzieher machen! Das kann man nicht machen!“. Es fielen noch mehr Worte… Allesamt zu meinen Gunsten, aber ich fühle mich nicht besser. „Jedes Mal wenn du dort Termin hattest und mir dann davon erzählt hast, habe ich mich gefragt, warum du den Arzt nicht wechselst!“. Ob es denn keinen anderen Fachmann gäbe, fragte sie, und ich entsann mich meiner 1. MS-Ärztin aus Oberwart, die dann das Krankenhaus verlassen hat, um Wahlärztin zu werden. Sie hatte damals kurz bevor sie gegangen ist mit ihrer Nachfolgerin häufiger in meinem Fall darüber diskutiert, ob es nur Psyche sei oder man handeln müsse. „Psyche hin oder her, das interessiert hier nicht!“, hat sie damals gesagt und die andere Ärztin in ihre Schranken verwiesen. Damals 2008, als sich meine MS sechsmal verschlechtert hatte und ich ihretwegen sechsmal die Chance erhalten hatte, Cortison zu bekommen. Versuchen, einen Termin bei ihr zu erhalten?

Mir läuft die Zeit davon…

27. Juni 2017, Dienstag 8:51

59,8 um 7. Es ist ein Witz, und entbehrt dabei jedoch jeglicher Komik! Es juckt einmal ganz kurz unterm Sockenbund, schon breitet sich die Neuropathie wie ein Lauffeuer auf das ganze Bein aus und es krampft. So wie es abends nicht aufhören wollte zu krampfen. Dazu kamen noch heftige Kopfschmerzen; ich möchte es nicht Migräne nennen, weil ich genau weiß, dass Verspannungen dem Ganzen zu Grunde liegen. Aber was soll ich tun? Für Sonjas Übungen fehlt mir die Kraft, ich schaffe sie einfach nicht! Mich nach allen Regeln der Kunst abgeschossen, auf 4,6 mg Hydal insgesamt kam noch ein Mexalen. Für einen Augenblick herrschte Stille und zufriedenstellende Betäubung. Bis die Krämpfe vom einen aufs andere Bein wechselten. Der Tag war zu viel, machen wir uns nichts vor! Zweieinhalb Stunden gemalt, 65 Minuten Spazieren und dabei so ein Missgeschick fabriziert, dass es mir beinahe den Katheter aus dem Bauch gerissen hat, zu allem Überfluss ich ebenso beinah auf der Straße umgefallen wäre. Ein einziges Mal war ich stehen geblieben, für eine einzige Aufnahme. Den Rollator eingebremst, aber auf dem Gefälle rollten die riesengroßen Vorderräder trotz allem weiter, ich auf mein Gefährt gestützt wurde aus dem Gleichgewicht gerissen, als dieses unter mir davon fuhr, im Straßengraben landete und den Katheter auf eine doppelte Länge strapazierte! Ich stand da locker 5 Minuten leicht nach vorne gebeugt, um nicht umzukippen, und kam erst einmal nicht an das beschissene Vehikel heran! Ganz zu schweigen vom Katheterbeutel, der sich mit Schnur und vermaledeiten Haken überall festgehalten hat, der Schmerz dementsprechend. Ich konnte doch auch keinen Schritt tun, ohne mich an irgendetwas zu klammern. Aber woran sollte ich?

Irgendwann hab ich’s dann geschafft. Bin weiter gegangen, obwohl ich längst nicht mehr gehen konnte. Diese 5 Minuten haben den Rücken endgültig abgeschossen; das haben die 2 Stunden am Bild zuvor nicht geschafft, in denen ich das gesamte Thema von A bis Z noch einmal überarbeitet habe. Nachmittags Sebastian entgegen gefahren, ins Dorf hinein. Es war ein schöner Ausflug, währenddessen bemerkte ich auch noch nichts. Aber es war definitiv zu heiß, und dass das zumindest Folgen haben würde, war mir klar. Richtig schlimm war dann die Autofahrt nach Hause. Mir war schlecht, das Sodbrennen zerlegte meine Speiseröhre und ich plumpste nur noch halbtot aufs Sofa, während Sebastian den Anrufbeantworter anwarf: „Hallo, bin nur ich, Markus; vielleicht magst du ja zurückrufen.“. Ich konnte nicht. Bat Sebastian, ihm eine Mail zu schicken. Zum Abendessen gab es Rohkost mit Kürbiskernöl, was wirklich lecker war und selbst davon zu viel gefressen. Aber warum ich eine ganze Tafel Schokolade verdrücken musste? Aus Frust über die Defizite?

Augenblicklich weiß ich nichts mit mir anzufangen. Da ist eine kleine Stelle am Schuh, die ich noch korrigieren muss. Aber das Bein krampft, schmerzt, sorgt für Unruhe, und draußen die jungen Bussarde und Pirole. Noch wäre es auf der Terrasse auszuhalten und schon so viele Chancen sind an mir vorbeigeflogen, ungenutzt! Ist es doch kaum auszuhalten auf dem Rollstuhl, mit dem tanzenden Bein unterm Tisch! Beim Gehen und abends auch im Ruhezustand bei jeder Bewegung meines Kopfes diese einschießende Neuropathie ins linke Bein. Wann kracht es endgültig, wann kommt der Bandscheibenvorfall, oder ist er das bereits?

Meine Stimme bricht zusammen. Sebastian hat wohl mein Stativ im Auto vergessen. Welchen Sinn hätte es dann sich in die Terrassentür zu setzen? Ich kann die Kamera nicht ruhig halten und diese Spezialfunktion, die das ausgleichen soll, ist bei allen Stürzen definitiv in Mitleidenschaft gezogen worden.

9:40
Na bitte, und was hatte ich nun davon? Ein bisschen frischen Wind? Ich hielt es ja doch nicht aus, riskierte, die Terrassentreppe runter zu fallen. Weil auf der Terrasse alles unordentlich ist und ich wenigstens im Ansatz etwas daran verändern musste. Dieser Zwang, etwas zu leisten, lässt mir keine Ruhe. Aber zumindest mit der Hilfe von Oma Berta (meinem Holzstock) den Wäscheständer umgeworfen und so an das Rollstuhlkissen herangekommen. Der Himmel zugezogen und ich habe keine Lust, dass es erneut nass wird! Mein Ischias braucht dringend Tapetenwechsel und das Teure scheint er einfach nicht länger zu präferieren.

Vermeintlich bin ich noch ruhig. Die Rechte klimpert aber schon wieder. Ich habe 0 Ahnung, was ich mit dem Bild mache. Umgebe ich „mich“ mit einer schwarzen Aura? Was für Tiere kommen auf die Leinwand? Eine Kohlmeise flattert kurz ins Wohnzimmer und Fina stellt von einer Sekunde zur anderen von Schlaf auf Jagd um. Kann man das aus Katzen nicht raus züchten? Jetzt liegt sie vor dem Restaurant und schleckt sich das Maul vor Geifer. Was mache ich? Bin so blockiert, dass mir nichts als Unsinn in den Sinn kommt. Wie zum Beispiel die Rasierklingen, die Beruhigungstabletten und angesichts der Schmerzen eine weitere Dosis Tramal. Halte ich Domian aus? Halte ich Musik aus? Der Baulärm der Nachbarn ist definitiv unerträglich. Dieses Rumoren unentwegt… Weckt in mir die Panik, jemand könne die Einfahrt hoch fahren, jemand könne an der Tür stehen, klingeln. Etwas könne passiert sein. Im Traum kam sogar mein Video vor und das ganze Projekt war kaputt. Wollte ich gestern doch endlich eine Aufnahme machen, aber nichts geschafft. Meiner Hand beim Klimpern zusehen. Ich bräuchte einen Tritt in den Arsch! Am besten links, Isolde Ischias direkt in die Fresse!

10:18
Der Himmel bewölkt, es ist angenehm. Gehe ich ihm entgegen und riskiere damit, den Rest des Tages wieder in die Tonne zu treten? Bleibe ich da und tue nichts? Gehe ich aufs Laufband? Was mitunter dermaßen zum Kotzen ist? Das Gefälle! Dieses kostet mich immer den Rest! Den Rollator festzuhalten… Wäre es nur gerade.

Mein Herz stolpert spürbar. Und eigentlich könnte ich schlafen, zurück in meine Träume. Der Weihnachtsmann hatte mich in eine Parallelwelt entführt und im anderen Traum war alles auf meiner Leinwand unscharf.

Speisepläne hätte ich auch zu schreiben und vermutlich ruft Markus heute noch einmal an. Die Heizdecke thront auf meinen Schultern; sie sogar mit ins Bett genommen, um irgendwie Linderung zu erfahren. Die Wärme drückt mich runter, schläfert mich ein, macht mich noch lethargischer. Ich sehe meine Felle davon schwimmen. Das Training ist zu viel, aber ohne Training… Was bleibt dann von mir übrig? Mir wird schlecht. Und ich hatte ernsthaft vor, eine Entwässerungstablette zu nehmen. Hätte es besser abends tun sollen. Fine träumt vor mir auf ihrem Schlafplatz, die Augen zucken nervös und die Pfoten greifen nach Traumgespinsten. Da jagt der Turmfalke den Mäusebussard. Die nächste Aufnahme verpasst. Scheinbar habe ich mich nun auch dafür entschieden, um mich herum erst einmal mit schwarzer Farbe weiter zu arbeiten. Damit die Farben besser hervorstechen, einen größeren Kontrast bekommen als nur mit dem schmutzigen Weiß vom Leinen. Aber ich sitze trotzdem nur hier und keine Aktion folgt. Würde ich einen Spaziergang anstreben, müsste ich mich alsbald in Richtung Badezimmer in Bewegung setzen. Wie dumm ist es, all das hinauszuschieben, vielleicht auf den Nachmittag? Wie wird das Wetter dann sein? Wieder erschlagende Hitze, mit anschließend Krämpfen bis zum Abwinken? Fragen über Fragen. Ich befürchte, die Müdigkeit wird siegen…

16:25
Zurück von einer wirklich winzigen Ausfahrt. Ich kann nicht mehr. Das, was nach dem Spaziergang noch einigermaßen passabel ausgesehen hat, gilt nun als hinfällig. Aber die Sonne kam raus, und auch wenn ich nur wenige Strahlen davon abbekommen habe, weil ich versucht war im Schatten zu bleiben, bin ich nun ein Zombie. Ein toter Zombie. All meine Pläne unmöglich. Zumal mich nun auch noch die Müdigkeit erschlägt.

ABER FRESSEN GEHT??!!

Erst eine Entwässerungstablette und nun Schokolade. Schon wieder. Ich lege es wohl darauf an, zuzunehmen.

Das linke Bein beginnt zu krampfen. Ich hoffe, er meldet sich nicht mehr. Schon wieder so spät, es gibt bald Abendessen und Fußball. Ich will nur noch alles abschließen; nicht einmal den Nerv, die Aufnahme von vorher für den heutigen Tag zu sichten.

5. November 2016, Samstag 14:42

Bitte! BITTE, BITTE, BITTE TU DAS NICHT!!!“. Den Körper auf Knien anflehen, den Dachschaden oder Rumpelstilzchen oder wer auch immer dafür zuständig ist. „Nein, nein, nein, NEIN!! Nicht schon wieder!!“. Schwer atmen. Die Ereignisse schreien eigentlich förmlich nach einer Aktion meinerseits. Es darf nicht bei Tatenlosigkeit bleiben. Irgendetwas muss geschehen. Eine Stunde gemalt, danach wie so oft Abbruch. Ebenfalls wie so oft in den letzten Tagen dabei zusehen müssen, wie mein neues Lebenskonstrukt Stück für Stück demontiert wird. Die rechte Hand gelähmt, schwach und ohne Gefühl. Die Beine noch spastischer. Der Schwindel noch stärker. Henne oder Ei… Wildgänse flogen zuvor übers Haus in Richtung Süden. Saisonal zur rechten Zeit kommt die Depression angekrochen und will mir das Genick brechen. Zumindest hat sie schon einmal die Säge angesetzt. Woher sie nun genau kommt, bleibt unklar. Aus dem Norden? Oder nicht doch eher aus den Untiefen meiner dunklen Seele? Oder ganz klassisch dem Lichtmangel in den vor uns liegenden Monaten anzurechnen? Wie eigentlich bei jeder Depression? Ich habe Angst. Angst vor dem Abend, vor der Nacht, wenn es wie in den zurückliegenden Tagen mit der Panik am schlimmsten wird. Allein bei dem Gedanken daran bleibt mir jetzt schon die Luft weg. Dabei würde die Mittagsdosis gerade eben ihre Hängematte ausbreiten, um mich einzuladen, darin Platz zu nehmen. Die Sonne versteckt hinter Wolken, es ist kalt und windig. Nachts waren es -1,3 °C. Hatte ich morgens nicht groß getönt, ich wolle heute spazieren gehen? Gut eine weitere Stunde damit verplempert, im Internet weitere Sachen zu bestellen, Geld auszugeben, für Dinge, deren Nutzen bis dato noch unklar ist. Und warum gräme ich mich wegen der E-Mail im Posteingang? Diesem Herren in Oberösterreich geschrieben, dass wir spätestens am Montag erfahren, wie das mit der Spedition und dem Laufband funktionieren wird. Und seine Antwort? „Ich habe das Laufband bereits am Donnerstag verkauft.“. Unverzüglich…

DU BRAUCHST ES JA OHNEHIN NICHT!! SCHAU DICH MAL AN!!

Scheiße, wir waren zu langsam… Aber wozu hätte ich es kaufen sollen? Ich kann noch gar nicht mehr gehen…“, und die Laune sackte weiter ab. Davor mit dem Staubsauger im Wohnzimmer unterwegs und elend gescheitert. Keinen Schritt, keinen Fuß gehoben bekommen, die Hand viel zu schwach, das Rohr festzuhalten, ganz zu schweigen davon, mich selbst am Rollator aufrecht zu halten. So sank ich eben völlig erschöpft auf die Couch und holte mir die Ohrfeige mit dem Trainingsgerät ab.

Dass der Traum heute Nacht harmlos geblieben ist, grenzt an ein Wunder…

WIESO?!! DIR IST NICHTS PASSIERT!!

Das Telefonat mit Markus gestern… Es ging unter die Haut, wortwörtlich an die Unterwäsche und dafür, dass ich ihm immer noch nicht traue, habe ich gestern aber alle Hüllen fallen lassen. Eigentlich wollten wir schon Schluss machen, uns verabschieden, doch da fragte er: „Ist der Rumpelstilzchen auch da?“. Den männlichen Artikel erhielt er seines Naturells wegen und weil ich immer wieder gesagt habe, er bestünde hauptsächlich aus männlichen Anteilen. „Ja?“. „Kann ich ihm ein paar Fragen stellen?“. „Natürlich… er wartete förmlich darauf.“. Auch nach dieser halben Stunde fragte ich meinen Analytiker: „Was war das jetzt? Ein Schauspiel? Bin ich der geborene Schauspieler? Lasse ich mich so sehr auf die Thematik ein, ganz allein aus dem Antrieb heraus, dass ich so zu etwas Besonderem werde? Bin ich so scheiße und so schlecht?“. Ich kann das alles nicht wiederholen, das geht zu sehr unter die Gürtellinie, im Genre würde man von einem „Snuff-Video“ sprechen. Die Frage lautete nämlich: „Wie würde sich Rumpelstilzchen Biancas perfekte Bestrafung vorstellen?“. Bezugnehmend auf diese eine Folge Domian, die ich ihm geschickt hatte. Mein Körper sank tiefer zurück in die Kissen auf dem Sofa, die Augenlider senkten sich ebenfalls ab, bis zur Hälfte, Stimmfarbe und Vokabular veränderten sich drastisch. Scheinbar (oder lediglich eingebildet) zog sich meine „Alltags-Persönlichkeit“ in meine rechte Hand zurück und versuchte klimpernd zu überleben. In einem fort und unaufhörlich bis 4, während eine Etage höher mein Urteil gesprochen wurde. Und Markus reizte es immer weiter aus, diese Vorstellung, dieses Bild, welches immer drastischere Ausmaße annahm. Nun fragte er doch tatsächlich wie es wäre, würde die kleine Bianca daneben stehen und müsste zusehen. Noch vernichtender DIESES Urteil…

DIE KLEINE FOTZE?! Die ist ja keinen Deut besser!! Kann gleich mitmachen, herhalten!!

Die Hand klimperte schneller und schneller, Tränen quetschten sich aus meinen Augenhöhlen, aber der Blick blieb gleichsam starr, voller Zorn, vor Boshaftigkeit lodernd und die Worte peitschten weiter, beschimpften weiter, würgten weiter, vergewaltigten weiter, holten den ganzen Dreck aus mir raus, um ihn mir sodann wieder einzuflößen, hinein zu stopfen, mich damit einzuschmieren, zu kontaminieren… Wie viele Pädophile hätten da ihre helle Freude daran?! „Belassen wir es dabei und steigen wir nun aus diesem Bild wieder aus. Wo ist die kleine Bianca? Wie geht es ihr?“. Sie saß immer noch in der Ecke, zitternd und sich doch bewusst, dass die Strafe gerecht war. Berechtigt war. Dass sie schuldig ist.

2012 wäre ein derartiges Gespräch nicht möglich gewesen. Aber mein Vokabular hat sich seit dem noch mehr explizite Schubladen zugelegt.

Dies sei nun eine leichte Trance gewesen, meinte er. Ich war fertig. Und hätte… Aber habe nicht. Hatte doch mein eingebauter Terrorist bemängelt, dass ich es nie richtig mache, zu feige bin, zu wehleidig und es besser wäre, ich würde es ihm überlassen. Damit dabei wenigstens mal „ein Ergebnis“ resultieren kann.

Der Schädel dröhnt. 56,4 Kilo und heute das letzte Essen von meiner Mutter. Das Püree war versalzen und die Entwässerungstablette hatte mir 1 h zuvor schon den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich dementsprechend bedient und ließ es links liegen. Mir genügte schon der Gedanke an die Gasthausküchenspüle, mir wurde schlecht und bewusst, dass wenn ich diese Vorstellung im Kopf weiter forciere, werde ich keinen einzigen Bissen mehr von ihren Sachen runter kriegen!!

Mario rief an und erzählte von einem ehemaligen Zivildiener, der nun seine Krankenpflegerausbildung beenden würde, dass es in dessen Diplom um MS ginge und er nicht gewagt hätte, an mich heran zu treten. Ob er mir ein paar Fragen stellen dürfe. Natürlich?

NATÜRLICH??! Egozentrisches Miststück!!

Den Faden verloren… Was wollte ich noch sagen? Das Video! Konvertierte heute Nacht erneut über 6 h. Endergebnis heute Morgen? Die Tonspur ist verrutscht. Irgendetwas sabotiert mich, will nicht, dass dieses Filmchen in die Welt hinausgeschickt wird. Heute Nacht ein weiterer Exportvorgang, obwohl mir allmählich wirklich die Strategien ausgehen. Warum wird aus dem wunderschönen, scharfen Material eine unscharfe Plürre? Warum klingt der Klang so verzerrt?

Wieder und wieder wandert der Blick hinaus zum Himmel. Ich fühle mich krank und müde. Es wird bei der 1 h am Bild bleiben. Meine ganzen Pläne hinfällig. Beim Putzen meiner Zähne artig am Stand gegangen und dabei mehrmals wie so oft um Haaresbreite die Möglichkeit für einen spektakulären Sturz verpasst. Wie krank muss man sein? In meinem Schädel nichts Gutes. Das destruktive Sortiment erfährt Förderung. Ich möchte mich wie auch mein interner fragwürdiger Freund zerschmettert auf dem Boden liegen sehen. Zersprungen in 1000 Scherben, irreparabel, vernichtet. Hoffnung war gestern.

Du bist müde…

Keine Ausrede.

Meine alte Schultasche gestern beim Schuhmacher abgeholt. Die eigentliche Rollatortasche ausgeräumt. Im Relikt der Gymasiumzeit verschwinden ein Pinsel, 2 Handtücher, mehrere Verbände, ein Skalpell, die Dose mit verbrauchten und jungfräulichen Rasierklingen… Bin ich durchtrieben oder schlichtweg scheißegal?

16:41

Dekompensieren!!

Der hilflose, verzweifelte Versuch, dieses Chaos in mir irgendwie abzuführen. Ich halte meinen Gestank nicht aus. Ich kann nichts! Auf volles Risiko gehen, es scheinen keine Gewissensbisse, keine Grenzen, keine Vorbehalte mehr für mich zu existieren. Er ist oben und ich setze mich aufs Sofa, als sei ich ganz allein. Nun wirkt der Blick fast liebevoll, als von gebrauchter zu neuer Kante gewechselt wird, als sich die Blutperlen zu feinen Rinnsalen sammeln, der Blick beinahe so unschuldig und interessiert wie der eines kleinen Kindes, wenn es Benzin über einen Ameisenhaufen gießt und diesen dann abfackelt… Mir ist schlecht und es reicht nicht. 22 Kratzer und sie reichen nicht. Alle Register ziehen… Pro forma zum Hydal greifen? Es ist die stärkste und effektivste Waffe, die ich noch zur Hand habe. Alles andere würde mir das Licht ausknipsen. Während ich noch am Schneiden war, die Überlegung, ich müsse endlich duschen. Aber ich halte erneut die Unordnung um mich herum nicht aus und die Panik wie ein pflichtbewusster Beamter pünktlich zur Stelle. Ich bin allein, der Kühlschrank voll mit Sünden, ich könnte irgendetwas fressen und dann den Pinsel… Hauptsächlich leicht zu Erbrechendes, wie Pudding, Mousse au Chocolat… Warum nicht?

Weil es keine Lösung ist…

Ich könnte mich hinsetzen, ans Bild, und darauf hoffen, dass mich die Beschäftigung ablenkt. Ich könnte hier ausharren und weiter durchdrehen.

Na?! WONACH ist dir?!

Eine gefährliche Schwelle erreicht? An der Erinnerung geschnuppert und einen Riegel vorgeschoben bekommen? Warum nicht Glotze an und Augen zu? Ich stecke vermeintlich in einer Sackgasse, die Sonne kam nicht mehr raus und jetzt kurz vor 5 wird es ohnehin dunkel. Die rechte Hand klimpert, die linke tut so, als sei sie klinisch tot. Eine Entscheidung müsste gefällt werden. Schwer seufzen. Der Schmerzreiz im Untergeschoss nimmt zu. Der Katheter zerreißt vermeintlich wieder alles. Wie könnte ich mir nun etwas Gutes tun? Genauso gut könnte man mich fragen, wie die Lottozahlen morgen ausfallen werden… Ich weiß es nicht!!

Nach einer Alternative für das Laufband suchen…

Noch mehr Geld ausgeben, du Schlampe!!

18:29

Immer weiter abdriften. 15 min gemalt. 15 min, in denen ich den Pinsel nicht halten konnte. 15 min, in denen ich Domians infantiles Geschwafel nicht aushalten konnte. Zurück am Ausgangspunkt. Meinen Gestank nicht aushalten, das laute Klappern vom Ventilator im Heizstrahler nicht aushalten. Anstatt blindlings in eine Fressattacke zu steuern mir das restliche Apfelkompott von vorgestern geholt. Immer noch keinen Einblick auf mein Konto genommen. Nun fehlt der entscheidende Zettel mit dem entscheidenden Datum. Zuvor das Hydal 2 mg zu früh eingenommen. Keinerlei Auswirkung. Wonach mir ist? Wie eine Geisteskranke vor und zurück schaukeln, ohne Ende. Das Novalgin geht erneut zur Neige, ganz zu schweigen davon, dass man es nicht als Dauermedikament einnehmen sollte. Da fällt mir ein, wonach ich noch suchen wollte… Beim Ausdrücken der fehlenden Tabletten vor wenigen Minuten die Beipackzettel in der Hand. Wollte meinem Lieblingshobby frönen, die Überdosierung abchecken, aber ich vermochte die vermaledeiten Zettel nicht auseinander zu falten!! Ja, jetzt ist es wieder soweit! Und jetzt kommen die Tränen…

Weil sich das Stück Scheiße ja so leid tut!!

Ich will nicht mehr, ich schaffe das nicht mehr, ich kann nicht mehr… Mit was für rationalen Ansätzen sollte ich mir jetzt in dieser Situation noch kommen? Exakt dieselbe Scheiße wie letztes Jahr! Die Hand klimpert. Ein Notausgang, jetzt einen Notausgang… Mich entkleiden, Überdosis Mirtazapin… Wie geplant! Mein Bruder stellte fatalerweise die Frage nach meiner Befindlichkeit. Ich antwortete ehrlich: „Seit ein paar Tagen leider nicht mehr so gut…“. Darauf seufzte er. Er hat das Wochenende frei, hat er gesagt, das wären doch die besten Bedingungen… Sebastian erneut ein Briefchen schreiben, ihn beruhigen, dass meine „Abwesenheit“ keinem Suizid gleichkäme, lediglich dem Abschalten meines Systems und dass er -wenn er der Meinung ist- auch die Rettung rufen kann, um mich einweisen zu lassen.

Ja, genau! Ihn mit der ganzen Scheiße wieder allein lassen!! Ihm die ganze Verantwortung mit einem Mal vor die Füße spucken!! Wie schäbig wäre das?!!

Die Schmerzen im Gesäß setzen wieder ein, erinnern mich daran, dass ich ohne die Schmerztabletten aufgeschmissen wäre. War das gestern unklug? Dieses Aufschlagen eines weiteren Kapitels? Zu früh? Wollte ich es denn nicht so?! Die Hand klimpert immer schneller. Mir bleibt die Luft weg. Benzos? War das vorgestern riskant, als sie mich sitzen hat lassen? Oder wie immer nur ganz allein mein Fehler? Weil ich etwas missverstanden habe? Zu blöd war? Eben nur Bittsteller? In Gedanken setze ich die Rasierklinge an der Handbeuge an…

Er kommt wieder nach Hause…

18:55

Er nimmt am anderen Ende vom Sofa Platz, ahnungslos, und ich schweige. Beim Überfliegen meiner Zeilen reißen mich immer wieder kleine Wellen von Panik mit sich und wollen mich absaufen lassen. Die Idee mit dem Psychopax noch nicht vom Tisch. Dabei setzt im Augenblick der Rest der Abenddosis ein. Aber es genügt der beiläufige Blick nach rechts zur Schüssel mit den Resten vom Kompott und das Herz schaltet gleich 2 Gänge höher. So lange auszuhalten versuchen, wie noch möglich? In meinen Ohren pocht es, die Nase zugekleistert, die Stimme nasal. Am besten wäre dem eigentlichen Trieb nachzugehen: einschlafen.

20:27

Mich wieder einkriegen… Es tut mir leid, ich bin scheiße…

Meine Chronik…

Alles der Reihe nach…

6. Oktober 2016, Donnerstag 12:49

Sonja musste mir berichten, dass die Haselmäuse nacheinander verstorben seien und was für einen Aufriss sie wegen den 5 Babys gemacht hätten; sie und ihr Ehemann. Nächte durchgemacht, auf dem Sofa geschlafen, sogar einen Fußwärmer haben sie gekauft. Bis Sonntag waren alle tot und viele, viele Tränen wären geflossen. Das tut mir so leid. Ich bot ihr diverse Betäubungsmittel oder 50 Minuten bei mir auf dem Sofa an, ich mit übergeschlagenen Beinen und die Brille unten auf den Nasenflügeln sitzend: „Wie hat sich das angefühlt?“.

Mein Hintern tut weh, nichtsdestotrotz 2 Stunden gemalt. Von Vorankommen wie immer keine Rede. Aber zum Glück kam eine Dame von der Volkshilfe und hat in einer Stunde und 15 Minuten das Haus auf Vordermann gebracht. Tragischerweise im Flur aber so schlampig (oder es lag auch daran, dass sie mit Straßenschuhen durchs Haus gelaufen ist), dass ich 2 Minuten nach dem sie gegangen war selbst noch einmal mit dem Staubsauger und ohne Rollator Gang und Wohnzimmer noch einmal einer Nachreinigung unterziehen musste. Letztendlich wird man damit ohnehin nie fertig.

Neben 56,6 Kilo auf der Waage sei vielleicht auch noch mein Traum erwähnt. Es war eine schlechte Nacht, obwohl es auf 4 Grad Celsius abgekühlt hatte, lag ich da mit Schweißausbrüchen und schlussendlich Krämpfen in den Beinen. Aber dazwischen absurdes Zeug geträumt. Meine Mutter und ich schliefen in einem Bett, während wir auf Übernachtungsgäste warteten, die sich irgendwann um 2 Uhr nachts angekündigt hatten. Es erschien mir gar nicht seltsam, dass meine Mutter nackt hinter mir lag. Auch nicht, dass ich wieder ein Kind war. Jedoch etwas unwohl war mir dabei, als sie sich zu mir legte und jedes Mal wenn sie sich umdrehte. Es fühlte sich an, als würde sie zwischen uns noch etwas anderes legen. Einen Körperteil, etwas Warmes, auf Höhe meines Gesäßes. Es war definitiv etwas mit Haut. Ich versuchte mich damit zu beruhigen, dass auch meine Brust im Alter hängen würde und sie definitiv 3 Körbchengrößen mehr hat als ich. Doch ich erschrak im Halbschlaf immer wieder, weil ich auch von vorne etwas zwischen meinen Beinen spürte. Was war das?

Nur eine winzige Szene in diesem skurrilen Traum, aber sie erscheint mir wichtig zu sein. Leider weiß ich jetzt nicht mehr, ob das am Vorabend tatsächlich stattgefunden hat oder auch nur ein Traum war. Hat Sebastian mich mit Salbe eingeschmiert und ich plötzlich etwas vorne zwischen den Beinen gespürt, als würde jemand an meinem Katheter ziehen? Habe ich mich erschrocken oder alles nur Illusion? Halluzination?

Das Telefon klingelt, Markus ruft an. Es soll Zufälle geben? Das fällt immer schwerer zu glauben. Er hätte Neuigkeiten was den Bilderverkauf betreffe und ich muss ihn auf abends vertrösten. Mein Plan? Auch in Fürstenfeld alles mit dem Rollator zu schaffen, obwohl mein Schädel erneut dröhnt.

17:07

Den Tag zum Teufel gejagt! Wie, wo und wann das Elend seinen Anfang nahm? Vermutlich bereits mittags bei Sonjas Eintreffen. Eigentlich wollte ich noch einen Apfel essen, aber dazu kam ich nicht, musste ich doch staubsaugen. Kaum war sie da und fing an zu erzählen, kollabierte mein Blutzucker. Es ist eben ein gewaltiger Unterschied, ob man morgens zum Frühstück Vollkorngrissini oder weißes Toastbrot isst. Zweiteres puscht den Blutzucker ungemein, so dass er umso tiefer stürzen kann. Und genau das passierte mit mir, ich musste Traubenzucker lutschen. Zum Mittagessen wieder etwas Salziges. Hätte ich das gewusst, ich hätte definitiv Furosemid eingenommen. Davon wieder viel zu viel, anschließend noch Sahnejoghurt und eine Pflaume und noch fataler die Rippe Schokolade!! Von einer 300 Gramm Tafel, um einmal die Dimensionen klarzustellen! Sebastian schlief auf dem Sofa und ich nutzte die letzten Minuten im Badezimmer, um meinen Durchfall zu zelebrieren, mich umzuziehen und mir einen der Pinsel tief in den Rachen zu stecken. Mal eben so mit dreimal Würgen mich eines halben Kilos entledigt! Aber die Schokolade ließ sich nicht ausspucken. Dann war schon so spät, Sebastian musste relativ zügig fahren und obwohl wir einen Behindertenparkplatz direkt vor der Praxis erheischen konnten, hatte diese wiederum keinen Lift und stattdessen 16 Stufen. Den 1. Teil hat er mich nach oben geschleppt, den 2. ich mich selbst. Dabei war mein Gesicht noch wenige Minuten zuvor bläulich angelaufen gewesen. Ich vermochte kaum zu gehen, nicht einmal die wenigen Schritte bis zum Eingang, völlig erstarrt. Die Anspannung, die Aufregung. Der Osteopath teilte mir noch ganz andere Sachen mit, die er im Befund lesen konnte und bis dato noch keiner erwähnt hat. Da gäbe es wohl einen Strang, an der Wirbelsäule, der verdickt sei. Die Behandlung an sich mutete schon etwas seltsam an. Den 1. Teil hielt er seine Hand unter meinen Rücken (ich lag auf der Therapieliege), die restliche Zeit die Hand auf meinen Bauch. Daran soll ich glauben können? Aber er hatte gute Musik, Oliver Shanti und wir unterhielten uns über diesen elenden Kinderschänder. Bei der Verabschiedung konnte ich es erneut nicht lassen, ihm meine Visitenkarte in die Hand zu drücken. Wieder und wieder hatte ich betont, wie viel ich malen und was es mir bedeuten würde und er nicht einmal nachgefragt…

Weil es ihn einen feuchten Kehricht interessiert!!!

Ja, ja, ich arrogante Schlampe. Ich elender Versager. Ich Dilettant.

Auf der Rückfahrt holte er beim Tierarzt Entwurmung für die Katzen und unsere „Ziege“, für 17 Euro. Die Sonne kam den ganzen Tag über nicht so recht zum Vorschein und seit wir zuhause sind, fallen meine Augen zu. Ich könnte stante pede einschlafen und sitzen vermag ich ohnehin nicht mehr. Durch meinen Schädel jagen Blitze, diese schlagen schlussendlich im rechten Ohr ein und explodieren. Was hab ich getan? Warum bin ich so lange sitzen geblieben nach dem Essen? Warum so viel in mich hineingestopft? Und das Schlimmste: Ich will gleich so weitermachen! Die Sucht will mich dazu treiben! Auch noch den Rest der Schokolade, sicherlich noch mal 150 Gramm oder mehr auf einmal in mich hineinstopfen und anschließend kotzen. Keinerlei Motivation! Keinerlei Bedürfnis, diesem Elend zu entfliehen! Keine Energie mehr, um meinen Zustand aktiv zu verbessern! Die Hände ohnehin gelähmt. Der Kopfschmerz pocht. Die Gesäßschmerzen pochen. Der Himmel, der Herbst, das kühle Wetter, der Lichteinfall… noch mehr Erinnerungen zum Beispiel an die Hauptschulzeit, Nachmittagsunterricht, Fach Hauswirtschaft… Längst vergessene Geburtstagspartys… Ich möchte einschlafen, die Augen zufallen lassen. Ich kann nicht mehr…

594:30, 2 Stunden und der nächste Tag vertan…

29. September 2016, Donnerstag 15:15

Mich fühlen, als hätte ich noch nichts geleistet, als sei es ein Verbrechen, nun hier draußen zu sitzen und die Natur zu genießen. Dramen spielten sich ab im Haus zu 3 Eichen. 56,6 Kilogramm morgens auf der Waage und das, obwohl der Durchfall heute fröhlich in die Verlängerung geht. Wie im Krankenhaus, als ich zweimal täglich Darmschmeichler zu trinken bekommen habe und vor ein paar Tagen auch zuhause damit anfing. Es ist ja schön, wenn der Körper auch wieder mal etwas los wird. Aber daran zu glauben, dass meine Wampe dadurch eventuell reduziert werden könnte, fällt mir mehr als schwer. Noch ein Wort zu gestern: Als ich ins Haus ging und er noch einmal kurz zu seinem Freund fahren wollte und er mich fragte, ob er mir gleich den Computer nach bringen solle, hatte ich lediglich geantwortet: „Brauchst du nicht, ich mache jetzt die Wäsche.“. Darauf er: „Das brauchst wiederum du nicht, habe ich längst erledigt. Auch in der Küche habe ich angefangen, aber du bekommst in die Geschirrspülmaschine immer mindestens doppelt so viel rein wie ich…“. Friede Freude Eierkuchen? Abends gemalt, eine ganze Stunde. Auch heute Morgen eineinhalb Stunden. Aber ich wurde mehrmals aufgescheucht, von Krämpfen gebeutelt im Flur auf und ab marschiert. Während Ramida aus Thailand von der Volkshilfe den Staubsauger durchs Haus schleppte, wollte ich noch ein paar Runden am Haus auf und ab gehen, ehe Sonja käme. Ich kam nicht weit, schon hörte ich Martha durch das Gestrüpp stapfen, miauend mit vollem Mund auf erfolgreiche Jagd hinweisend. Ich sah nur einen Grasball und ahnte schon, was sie sich erneut geangelt hatte. Ich kämpfte mich mit dem Rollator über die Wiese bis zum Hang, warf mit alten Maiskolben, Steinen, um sie abzulenken oder im besten Fall zu verscheuchen. Doch die Haselmaus war längst aus dem Nest gesprungen und zu ihrem Opfer geworden. Ich war zu langsam, sie hat sie getötet. In diesem Augenblick kam Sonja, wunderte sich über mein Gezeter. Dann griff ich zum Kugelnest und sah hinein: 4 kleine rosarote Würmchen drängten sich aneinander. Meine Physiotherapeutin nahm mir das Nest ab und warf ebenfalls einen Blick hinein: „Nein, es sind 5!“. Das tote Elterntier auf dem Rollatorsitz hatte Zitzen, es war die Mutter. Was ich nun damit machen würde… Ich wusste es nicht? Trotz all meiner Tierliebe und Naturverbundenheit hatte ich bis dato keinerlei Erfahrung diesbezüglich sammeln können. Vermutlich hätte ich es schlussendlich der Katze überlassen… Wie ich diese Viecher hasse! Gerade in so einem Paradies haben diese Biester nichts verloren! Es macht mich regelmäßig so wütend, dass ich den beiden Fellmonstern am liebsten an die Gurgel gehen würde und mir jetzt schon sage, keine Katzen mehr haben zu wollen! Aber Sonja: „Das kann man ja nicht machen! Ich würde sie gleich mitnehmen, aber ich muss sie ja danach aussetzen, wie damals mit dem Eichhörnchen, aber das hätte ich auch schon fast nicht übers Herz gebracht…“. Ich redete so lange auf sie ein, bis sie endgültig beschloss, das Leben der Kleinen retten zu wollen. So was von froh darüber! Noch vor der Therapie kam das Nest in einen Vogelkäfig und davor die Rotlichtlampe.

http://www.mecklenburgenland.de/12Untermieter/Krabbelmaxe.htm

15:55

Er kam zurück und ich tat meine Zerrissenheit kund. Ob ich rein will oder draußen bleiben… Ich konnte ihm diese Frage einfach nicht beantworten! In mir drin irgendein Fass am Überlaufen und ich sah mich schon wieder mit der Rasierklinge hier sitzen, um den Unfrieden auszutreiben. Was mir dann am Ende doch nicht gelingen wird. Schlussendlich holte er mir ein Hydal gegen die vermaledeiten Krämpfe, machte mir eine Thermoskanne Tee und holte auch noch den 2. PC. Zu allem Überfluss noch so wunderbar auf die Bank gesetzt, um alles im Blick haben zu können… und ich kann nicht mehr sitzen! Unverzüglich zieht der Schmerz vom Gesäß in das andere Bein und nun fängt dieses an zu krampfen. Warum hatte ich Sonja gestern nicht mit im Krankenhaus? Während sie meinen Rücken malträtierte, begann es im rechten Oberschenkel zu schmerzen. Sie drückte mit dem Finger tief und fest in den schmerzhaften Punkt hinein. Doch hätte es sich dabei um einen Muskel (wie gestern in den Raum gestellt) gehandelt, hätte die Triggerpunktmassage bewirkt, dass der Schmerz weniger wird. Aber er wurde mehr und spricht deswegen eindeutig für eine Nervengeschichte. Ärgerlich auch, dass es Osteopathen in näherer Umgebung zu finden gegeben hätte. Auch wies mich meine Therapeutin daraufhin, dass es gut wäre einen Therapeuten zu finden, der seine Behandlung mit der Kasse abrechnen würde, sonst würde es teuer werden.

Und prompt kann ich nicht mehr denken, es verschlägt mir die Stimme, die Angst kommt angekrochen wie ein monströses Schlangentier, wickelt sich um meinen Hals und drückt zu. Ich bekomme nichts gebacken! Gar nichts!…

19:50

Erneut schlägt mir das Herz bis zum Hals. Nichts mehr geschafft, aber so was von gar nichts! Am Video nicht vorangekommen, am Bild keinen einzigen Strich mehr getan. So bleibt es bei 585 Stunden und 30 Minuten. Ich muss aufhören zu diktieren, mein Schädel droht zu platzen. Blutzuckercrash? Oder recht herzlichen Dank an meine Mutter für ihre Gene! Wie sie im selben Alter damals mit den Stirnhöhlen Probleme bekommen. Gefühlt die Nase wie zubetoniert, als hätte ich schwer über Nase und Gesicht und letztlich auch Ohren einen Verband geschnallt. Und die ganzen Abnutzungen in meiner Wirbelsäule (und Sonja gab mir heute recht, dass ich das Kreuz einer uralten Frau habe) habe auch ich ihr zu verdanken. Aber was war das da im Nebenbefund vom großen MRT im Krankenhaus? Den unzähligen Nebenbefunden? „Chronisch beherdete Zähne“??? Was??? Mein ganzen Gebiss latent entzündet??? Auf der Suche nach den Fotos meiner Haselmaus alle Fotoordner der letzten 10 Jahre durchforstet. Ich will mein Leben zurück…

28. September 2016, Mittwoch 15:50

Er fährt soeben weg und ich greife zur Klinge. Mich hilflos ausgeliefert fühlen. Erst recht dieser kleine Augenblick zuvor, als er verschlafen auf dem Sofa saß, sich die Augen rieb und um ihn herum ein einziges Chaos! Der Inbegriff von Kontrollverlust und er ein Teil des Problems, keinerlei Lösung. Und deswegen muss ich mich jetzt verletzen. Noch auf die Uhrzeit kucken, um einschätzen zu können, wie lange er ausbleiben wird. Im Rollator alles griffbereit. Angefangen bei Rasierklingen, einem Stoff zum Unterlegen, bis hin zu Verbandstrümpfen. Die kalten Hände werden dabei keinen guten Dienst tun. Aber ich brauche jetzt diesen Schmerz, um die Ausweglosigkeit ansatzweise zu blockieren, ehe sie mich innerlich so dermaßen ausfüllt, dass ich keine Luft mehr bekomme. Auch werde ich mir jetzt nicht klarmachen, dass dieses Gefühl lediglich das Produkt eines Ungleichgewichtes darstellt, mir mit Realität und dergleichen kommen. Ich wollte es vorgestern, aber da hatte ja Markus mich aufgefangen. Das nächste beschissene Flugzeug donnert übers Haus und ich suche die neue Klinge heraus, in der nagelneuen Blechdose wühlend. Notfalls gibt es gleich eine Neue, wenn die zuletzt benutzte nicht mehr taugen sollte… Der Zeitdruck wie Dünger für meine Panik. Ich bin dieses Leben leid. Als hätte ich nicht alles, hätte gar keinen Grund, mich zu beschweren. Aber der Haushalt, der Saustall, die zu erledigenden Arbeiten… alles überfordert mich jetzt gerade maßlos! Ansetzen…

Nach 4 Kratzern zu einer Erkenntnis gelangen: die Haut komplett verbraucht. War die 4 heute doch meine Glückszahl. Demnach muss ich weiter schneiden… Alle Kanten testen… Bei der Zweiten hängen bleiben. Trotz zarter Blutflecken darauf schneidet sie gut. Nur ich wie so oft zu feige. Und so werden kurzerhand aus 10 20 Kratzer. Was für ein Glück, es ist wieder Lange-Ärmel-Zeit! Der Schmerz im Gesäß nimmt zu. Die unzähligen roten Rinnsale werden unverzüglich zu Eisbächen, aber 20 reichen noch nicht, fangen mich noch nicht auf… Die nächsten 10 aus Versehen mit einer falschen Kante. 36, 37, 38, Kopfschmerzen setzen ein, noch 2 Chancen, die Hand auf dem Tisch abstützen, ich muss es runter tropfen sehen, zusehen, wie das Leben mich verlässt, der Dreck aus mir raus läuft, die Angst sich verflüssigt, die 39 wird nicht minder tiefer, einmal, wie damals 2001, ausholen und die Klinge wirken lassen… Die ganzen Befunde durchforstet, ich bin ja „nur mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, Typus: Borderline“ geschlagen. Als ob der Borderliner was dafür könnte, dass er Borderline hat. Das Blut verklumpt auf dem Arm, die Kratzer färben sich dunkelviolett, die Eichelhäher ratschen ihr Herbstlied. Ein letztes Mal ansetzen… unspektakulär. Der Arm geschwollen? Wie der Rest von mir? Der Hals sieht aus wie mit Steroidakne verziert, die Visage aufgedunsen wie bei einem Mondgesicht (oder das eines Säufers), der Bauch aufgeblasen lässt in spätestens 2 Monaten Kindersegen erwarten und selbst die Beine sind dicker als sonst. So werden es 41 Schnitte, Kratzer und hinter mir raschelt es im Gebüsch. Ich kann und ich will nichts mehr machen. Keinen einzigen Schritt mehr, keinen einzigen Handgriff im Haus. Wird von niemandem gewürdigt außer mir selbst. Wird von niemandem wertgeschätzt, und somit auch nicht für nötig befunden, es wieder in den Zustand zu versetzen. Ein weiteres Mal ansetzen… quer über die Schnittfläche… der Psycho mag nicht mehr… 42 muss länger werden, wenn schon nicht tiefer… Schon sind es 45 und zumindest wenn man sie auseinander zieht, sehen sie kapital aus. Ein weiteres Flugzeug. Nichts gebacken kriegen und mich weiter in meine Spirale hinein triggern. 47, nun ist es auch schon egal, und der Schmerz treibt es an die Spitze! Bei der 50 (für meine Verhältnisse) fest in die Haut gedrückt. Doch diese eindeutig verbraucht. Martha kommt miauend mit einer Maus daher. Ich „genieße noch“ die letzten Tropfen. Der Traktor unten am Acker macht mich ganz unruhig, am Waldrand sitzt eine Ringeltaube, meine Hände klamm, eiskalt und spastisch verkrampft, er kommt zurück und hastig den Strumpf runter gezogen…

16:48

Mit dem Stuhl eine kurze Wanderung unternommen, an die schmale Seite des Tisches, um auch noch sehen zu können, was da hinter mir Krach macht. Dabei um Haaresbreite umgekippt und etwas unglücklich auf dem Stuhl gelandet. Es dauert, bis ich mich aufrichten kann. Auch mein „Verbrechen“ erst in letzter Sekunde vertuscht, schon war er aus dem Auto gestiegen. Goss mir eine Tasse Tee ein, bekundete mit einem Kuss erneut seine Liebe und ächzte hörbar als ich ihn darum bat, mir später beim Wegräumen der gewaschenen Wäsche und des sauberen Geschirrs zu helfen. Oder wie war die Situation zuvor auf dem Sofa, ich zuerst ächzte, er wissen wollte, warum und dann zu meiner Antwort lediglich diesen einen Satz zu sagen wusste: „Und? Was soll ich jetzt dagegen tun?“? Ich hatte darauf gefragt/gesagt: „Vielleicht mal ein paar Handgriffe tun, mal hier und mal da was wegräumen…?“. Seine Antwort auf diese Frage: Er ging hinaus und ließ mich da stehen. Wie kann man nur so gleichgültig sein? Hatte vor seiner Heimkehr erneut gesaugt. Mir den Rücken kaputt gemacht. Doch jetzt scheint meine Zeit hier draußen abgelaufen, ich muss ins Haus, den Fußboden von der Wäsche befreien. Er wirft sie neuerdings einfach auf den Boden, weil wir ja auch schlussendlich nur 3 Wäschekörbe haben. Schwer seufzen. Und das Geschirr werde ich ebenfalls alleine machen…

Gestern kurzerhand beschlossen, heute zur Neuroambulanz zu fahren. Die Termine bei neuer Neurologin und Orthopäden erst in 2 Wochen, das halte ich nicht mehr aus! Über Umwege schlussendlich sogar meinen Bruder angerufen und ihn gebeten, bei einem Wahlarzt einen Termin für mich zu besorgen. Aber selbst dieser erst in 2 Wochen. Als ich dann abends mit meinem Taxiunternehmen telefonierte, meinte dieser von seinen Ischiasbeschwerden durch Osteopathie befreit worden zu sein. Jetzt wollte ich gleich alles abdecken. Morgens natürlich zu allem Überfluss Durchfall und nicht mehr vom Klo runter gekommen. Mir sogar in die Hose gemacht hab ich! In der Neuro wieder diese bezaubernde Ärztin. Ich ging in den Fluren auf und ab, 25 Minuten, sah zweimal meine Psychologin und erst am Schluss erkannte sie mich wieder. Wir unterhielten uns kurz und ich berichtete von dem Erfolgserlebnis nach dem Absetzen der ganzen Medikamente. „Das ist aber auch ein Teufelszeug!“, hat sie darauf gesagt. Die tolle Ärztin rief dann tatsächlich meinen Namen auf, obwohl ich den anderen Arzt ebenfalls noch von der Reha kannte. In Untersuchungszimmer Nummer 4: „Ist das jetzt Fluch oder Segen?“. Sie fragte nach und ich erklärte ihr meine kleine Neurose mit der zahl 4, meinen Tick. Sie hat definitiv mehr getan als all die anderen Ärzte, die ich bis dato mit diesem Problem konsultiert hatte. Erst meinte sie, das müsse die Hüfte sein, doch bei der dazu gehörigen Untersuchung keinerlei weitere Hinweise darauf.

Blasenkrampf. Es brennt in den Händen bestialisch, die Beine fangen an zu krampfen.

Das Ende vom Lied, einer vermutlich 20 minütigen Besprechung: Es könnte von dem Wirbelgleiten in meiner Wirbelsäule herrühren, könnte einfach nur muskuläre sein, aber auch ganz viele Gründe auf einmal haben. Sie bot mir einen Termin bei der Neurochirurgie an: „Da würde man das Gleiten mit Schrauben verhindern. Aber es könnte auch sein, dass Sie an einen Arzt geraten, der sie nach 2 Minuten rausschmeißt. Ich möchte Sie nur vorwarnen!“. Auch gäbe es eine bildgebende Diagnostik, die Rücksicht auf alltägliche Bewegungen nimmt, auch wie zum Beispiel Sitzen und dergleichen. Auch könnte es sein, dass man es operiert und hinterher immer noch Schmerzen vorhanden sind. Ein Orthopäde wäre da gefragt. Kaum zuhause rief ich die Osteopathiedame an. Aber selbst diese hatte nur Termine in 2 Wochen. Sie würde mich… Den Kopf in den Nacken fallen lassen, eine Krähe fliegt krächzend über mich hinweg… Sie würde mich heute oder morgen noch einmal anrufen und mir genau sagen, wann ich kommen könne. Auch hat mir das MRT noch niemand so genau erläutert wie sie heute. Also die Ärztin. Zudem noch andere Tabletten verschrieben, ich solle es mit denen erst einmal ausprobieren, bevor ich drastischere Mittel in Erwägung ziehe. Es könnte ja durchaus sein, dass diese Bewegung in den Wirbeln durchaus den Ischias im Sitzen bedrängt. Auch gab sie mir einen sehr persönlichen Ratschlag: „Wenn Sie sich das leisten können, möchten, ich hatte damals bei meiner schweren Muskelverletzung gute Erfahrung mit Basenpulver gemacht.“. Auch dieses werde ich mir gleich besorgen, wie gewohnt billiger in der holländischen Apotheke.

Die Zeit vergeht, schon 17:20 und immer noch nichts geschafft. Bis spät in den Abend hinein hier gesessen und allerhand Sachen von Mieke erledigt. Darunter bereits jene Speisepläne, die ich eigentlich erst am Wochenende bekommen hätte. Hinter mir zu diesem Zeitpunkt ein vertrautes Geräusch, das ich nicht einsortieren konnte. Ich rätselte: „Misteldrossel?…“. Ein kurzer Blick brachte die Lösung: Unsere Wintergäste sind wieder da – eine Horde kleiner Schwanzmeisen! Auch jetzt gerade meine ich sie zu hören. Ich wollte noch ein paar Runden gehen, sollte es dabei aber nicht übertreiben, sonst kann ich anschließend nichts mehr. Was mich mittags geritten hat, zum Nudelgericht mit selbstgemachter Paprika-Tomatensauce von ihm noch einen Tomatensalat machen zu lassen und anschließend die ganze Topfengolatsche, die gestern übrig geblieben war, in mich hinein zu stopfen… (und es war nichts anderes als das)… Keine Ahnung! Mein Aussehen? Meine Silhouette in diesem neuen Hemd, dieser halben Tunika, und ich sah aus wie ein Schlachtross?!! Demnach alles schon scheißegal?! Denn Hunger hatte ich längst keinen mehr, es war der pure Frust, der es in mich hineintrieb. Eine klassische Fressattacke ohne klassischem Kotzen danach.

Und man muss wahrlich von STOPFEN sprechen, denn erneut war ich zu langsam auf dem Weg ins Klo, erneut in die Hose gemacht, erneut eine halbe Stunde allein damit verschwendet, mich sauberzumachen. Alles frisst so viel Zeit! Und ich habe die Zeit nicht mehr! Könnte mich schon wieder verletzen, oder fressen und kotzen. Meinen Tee austrinken, in Bewegung setzen und den Abend wegwerfen… mein Herz blutet. Stellvertretend für mich.

24. September 2016, Samstag 15:03

Dem Tagebuch den Vorrang geben. Dabei kann ich wenigstens meinen Blutzucker befrieden. Tonaufnahmen erscheinen ohnehin völlig zwecklos, der Flugverkehr lässt nicht zu wünschen übrig. Ärgernis pur. Als hätte ich sonst keine Probleme…

Der Tag begann viel zu spät um 9:30 mit einem lauten Schmerzenschrei. Sebastian hatte unbedacht meine Beine geschnappt und abgewinkelt. Heilige Scheiße!! Als hätte ich 5 Tage komatös irgendwo in der Gosse gelegen! Ich kann nicht mehr! Aufgerichtet konnte ich kaum gehen, ohne Schmerzen sowieso nicht. Hat sich doch der Ischias gestern sogar in der Bewegung erregt gefühlt. Auf der Waage eine fette Abfuhr; zu erwarten bei meinen tags zuvor stattgefundenen Berechnungen, bei denen der Katheterbeutelinhalt in Clinch mit der Menge Flüssigkeit, die konsumiert wurde, geriet und mir so eine üble Vorahnung ermöglichte: 55,7 um 9:30.

Schon geht das mit dem Vergessen wieder los. Dabei ist das etwas, das man gar nicht vergessen kann! Eigentlich! Wie war das? „Die meisten Patienten sind mit dieser Marke von Kathetersäcken unzufrieden.“, und weiter erläutert wurde diese Aussage nicht. (In die heute gekaufte Zwetschge beißen und stante pede setzt Panik ein. Nicht die Erste an diesem Tag.) Was geschehen war? Der Sack war nachts geplatzt! Und ich Trottel nicht wie mir eigentlich vor kurzem zur Gewohnheit gemacht das Ding nachts in den kleinen Meisenknödeleimer gelegt! Meine Bettseite (daneben und darunter) unter Urin gesetzt. Grandios. Also mussten wir auch noch den Beutel vorm Einkaufen wechseln. Während dem dreißigminütigen Hadsch durch den Konsumtempel wurde das Gangbild zumindest etwas besser. Aber die letzten 2 Stunden lediglich damit verbracht eine Matratzenlösung für mich zu finden. Aber welche in 70 × 200 zu finden und dann auch noch mit meinem Härtegrad (1) unmöglich. Also was blieb? Im Warenkorb von Amazon liegen nun 2 Stück mit H 2,5. Mir graut jetzt schon davor. Aber Anbieter, die genau das haben, was ich suchte, hatten wiederum keinerlei Versand nach Österreich. Mich hat diese Suche den letzten Nerv gekostet. Herzrasen, weil ich die Zeit, meine Zeit ablaufen sah. Wieder nichts geschafft, wieder nichts geleistet, das Video wird nie fertig, das Bild wird nie fertig… und schön rein getriggert in die Angstspirale, mit Ausgang Endstation/Suizid. Oder wiegen die meisten Menschen mittlerweile 70+?

Herr und Frau Ischias wie gewohnt angepisst vom Rollstuhl. Demnach werden wir wohl eher den Alten mit auf unsere Reise nehmen. So bekloppt, ein nagelneuer Rollstuhl und ich kann nicht drauf sitzen! Aktuell habe ich meinen brüskierten Arsch auf das Dekubituskissen gebettet. Neben den beiden Notebooks auf dem Tisch 2 weitere Polstervariationen. Meine Güte, wie eine URALTE Frau!

Und noch so eine Sache, der Tagesamnesie zum Opfer gefallen… Oder zum Selbstschutz ausgeblendet? Abends wie mittlerweile klassisch… (Stromschlag und mir fällt alles aus den Händen)… eine weitere Fressattacke. Aus geplant 2 Lebkuchen wurde der Rest aus der Tüte. Wie ein Schwein mir auch noch die Krümel in den Mund gestopft!! Wie habe ich mich selbst verachtet!! (Der nächste Stromschlag.) Mein Kopf ist plötzlich leer. Bevor es zu kalt wird, sollte ich endlich an die Arbeit gehen. Das Bild heimst ein weiteres X ein.

Noch etwas Entscheidendes ist auf der Strecke geblieben: der Harnwegsinfekt. Wird stärker und stärker, als hätte ich nicht schon ausreichend mein Schmerzkontingent aufgefüllt! Ständig verkrampft sich die Blase, verbeißt sich regelrecht in den kleinen Ballon, der den Katheter in der Anfangsstrecke der Harnleitung fixieren soll. Dabei wird er nach oben gezogen und so soll es laut Gudruns Beschreibung zu diesem „Auslaufen“ kommen. Also stand ich ebenso häufig zu einer Zapfsäule erstarrt vor Tisch, Küchenplatte, Waschbecken oder Rollator, die rechte Hand in der Unterhose, am kleinen Latexschlauch ziehend, um eben dieses Phänomen zu verhindern. Ich kann nicht mehr und schon ist es 15:37, im besten Fall kann ich noch eine halbe Stunde sitzen/es draußen aushalten.

Die faule Sau schafft ja ohnehin nichts!!

Oder mein logisches Denken erneut so dermaßen außer Gefecht gesetzt, um dieselbe Scheiße wie zuletzt zu produzieren. Ein Produkt, das kein solches ist. Oh Mann… Wochenendflieger, die hasse ich genauso wie ihre großen Brüder!!

20:23

Es darf mir nicht gut gehen. Mehr gäbe es dazu eigentlich gar nicht zu sagen. Wie immer werde ich es aber nicht dabei belassen können… Kaum wollte ich darauf zu sprechen kommen, muss ich erneut in Windeseile den Esstisch samt Computer von mir weg stoßen und regelrecht aufspringen! Verzweifelt am Katheter ziehen. Reicht es denn noch nicht?!

Ich hatte gewagt mich zu freuen. Darüber, heute über eine Stunde gegangen zu sein. Zumindest das, was ich mit der Stoppuhr gemessen habe. Am Haus auf und ab und der Einkauf vormittags. Soll ich mich nun bei meinem elenden Ischias bedanken? Weil er mir gar keine Chance gegeben hat, mich hinzusetzen? Und ich so entdecken durfte, welche Ressourcen noch in mir schlummern? Oder wieder in mir schlummern? Training mit Zuckerbrot und Peitsche? Aber ebenso habe ich es geschafft, zumindest 2 Videos (2 Tage) zu schneiden und schlussendlich in ein kleineres Format zu exportieren. Keinerlei Qualitätsverlust wie beim neuen Computer und dem neuen Videoschnittprogramm. Währenddessen verspannten sich meine Schultern, mein Nacken immer mehr und ich durfte früher oder später mit Kopfschmerzen rechnen. Wie auch schon am Vortag, besser gesagt Vorabend. Dies sollte allerdings bis jetzt mein kleineres Problem sein. Seit heute Morgen Schwindelattacken wenn ich den Kopf bewege, die Schäden in der HWS mehr als spürbar. Es folgte ein weiterer Krampf und ich habe mich gelinde gesagt angepisst. Kaum im Haus auf dem Sofa die Schmerzen im Gesäß. Alles tut weh. Eine Windel angezogen. Ich darf mich wohl nicht freuen… Aber zumindest eine andere Seite scheine ich gefunden zu haben, auf der aus Deutschland die geforderten Matratzen auch nach Österreich geschickt werden… Und zum krönenden Abschluss beginnt das rechte Bein zu krampfen und das Herz erneut zu rasen…