4. Juli 2018, Mittwoch

17:02
Mittags eine winzige Tütensuppe und Wassermelone, abends Reis mit Gemüse… 59,2 Kilo um 6:45 Uhr. Dankeschön… Ein Kilo mehr…

Den neuen Fernsehsessel ausprobiert und mal eben mindestens 2 Stunden darauf geschlafen. Schön und gut; aber das passt alles nicht zusammen; das Sofa halbiert, bringt das neue Möbelstück nichts als Unruhe in den Raum. Sieht noch unordentlicher aus. Kaum auszuhalten.
Den Mittwoch mit Freitag verwechselt, sagte ich doch allen ernstes zu Sebastian, als er mittags nach Hause kam: „Hast du die nächste Woche überstanden…?“. Weil er abends für 1 Stunde weg gehen will. Die Nachwehen der gestrigen Tablettenexkursion? Es passte einfach alles zusammen, als sei Freitag, und ich sah mich bereits heute Abend ganz lange am Video arbeiten.

Völlig verpeilt. Total neben der Spur. Ausblicke in ein Paralleluniversum. Nicht mehr wissen, wo ist unten und oben, wo Hier und Jetzt…
Links an der weißen Kunststoffverkleidung vom Rollstuhlreifen, unter dem sich der Motor verbirgt, eine Blutspur. Der nächste Tropfen auf dem Boden gelandet. Unfähig, es wegzuwischen. Als spiele es keine Rolle. Als sei ich dermaßen depressiv, dass mir alles egal ist.
Wollte ich nicht hinaus? Eine Runde fahren? Der Wind hatte mich abgeschreckt, aber augenblicklich scheint er doch nachgelassen zu haben… Mich wieder schlecht fühlen? Rein in den nächsten Zwiespalt? Als drohte bereits der Winter in den nächsten zwei Tagen damit, mich wieder für Monate ins Haus zu sperren? Wie bescheuert!
Aber wie ich hier so sitze, immer noch müde, fühle ich mich bereits wie in Beton gegossen. Unbeweglich. Die Psyche erstarrt. Der Körper tot. Die Augen glotzen ausdruckslos nach draußen, Dissoziation als Standarddroge.

Durchs offene Wohnzimmerfenster draußen irgendwo in Hausnähe den Schwarzspecht rufen hören. Früher wäre ich schon los, wäre längst draußen gewesen, in der unbelehrbaren Erwartung, ihn irgendwo sehen zu können. Aber Bewegung scheint meiner Natur zu widersprechen. Als hätte diese nie in meinem Dasein stattgefunden.

17:35
Sebastian badet, ich mit beiden Händen an den Rand geklammert, die Knie abgewinkelt, stützen sich an der verfliesten Wand der Wanne ab. Kann mich nicht halten, nicht aufrecht halten, die Beine brechen unter meinem Gewicht zusammen, als würde ich 200 Kilo wiegen…
Aber meine Haare müssen gewaschen werden…
Mehrmals kam es zu kritischen Situationen. Nach hinten fallen, mit dem Kopf in die Glastür der Dusche…?

Daran bist du selber schuld, du faule Sau!!!

Andere geben sich mehr Mühe. Andere kämpfen mehr. Ich mache gar nichts mehr. 15 Jahre lang gekämpft und jetzt ist der Ofen aus? Oder auch das ein Symptom der Depression…

Umso besser! Dann bringst du dich hoffentlich bald um!!!

Kopfschmerzen. Während ich da noch instabil und wackelig vor der Wanne stand, drängte sich mir ein Gedanke auf: „Diese ganzen Medikamente, mich damit abzuschießen, hat zu viele Nebenwirkungen, Nachwirkungen. Aber was bleibt mir denn sonst??…“.
Und ich sah die Rasierklinge.

Aber wenn du nicht einmal DAS richtig hinbekommst!!!

Null Alternativen. Außer mich wieder dermaßen in meine Suizidfantasien hineinzusteigern…

17:55
Er fährt. Ich bin allein, für mindestens eine Stunde. Die Abenddosis fällt beinahe „standardmäßig“ aus. Die einzigen Abweichungen wären ein Hydal 2,6 mg und statt 15 eben 20 Tropfen Tramal. Mich auf meine Standardmittel verlassen, als ob diese in letzter Zeit nicht auch zu massiver Spastik geführt hätten. Aber irgendwie, irgendetwas brauche ich…
Beim Anblick des Lichteinfalls, der kleinen Sonnenblume auf der Terrasse drifte ich wieder ab… Mich jetzt aufschlitzen? Später aufschlitzen? Oder mir diese Option für schlimmere Zustände aufheben?

18:47
Eine leichte Betäubung setzt ein…
ABER… WIE KONNTE ICH ES WAGEN, DIES ANZUMERKEN!!!

PANIK…

19:57

Panik und Betäubung liefern sich einen rasanten Schlagabtausch. Beim Kopieren der letzten Aufnahme die beiden Fotos von der Geburtstagsfeier gesehen…
Wenn überhaupt einen winzigen Augenblick lang, und das nur ganz klein, kaum zu erkennen… Aber ich sehe sie sterben! Ich sehe meine Mutter schon wieder sterben!!! Die Augen werden geflutet…

Die beiden Fotos vom T-Shirt, welches sie vor 20 Jahren, im für den Rest meines Lebens entscheidenden Jahr 1998, zum 50. Geburtstag bekommen hat.

Ich sterbe…
Aber viel zu langsam, es ist kaum zu ertragen!
Sebastian ist zurück, ist oben, wird noch ein bisschen brauchen. Panik, Dämpfung, Verlustängste, noch mehr Panik, weniger Dämpfung, noch viel mehr Verlustängste… Usw. und so fort!!!

Den Rollator umdrehen. Himmel! Wenn da mal jemand aus Versehen einen Blick hineinwirft… Was wird diese Person von mir denken? Auf Verständnis darf ich wohl kaum hoffen. Unzählige Tücher und ein großes Handtuch, Strumpfverbände… Und allesamt blutgetränkt…

Ich brauche…
Ich muss…
Es geht nicht anders…

Dabei meine rechte Hand völlig verkrampft, eine Faust, schwach und gelähmt, die Finger lassen sich ohne äußere Gewalteinwirkung nicht strecken.
Eine Faust ist jedoch allemal besser als ein Streckspasmus in meiner Rechten. Perfekt, um die Rasierklinge doch noch irgendwie zu halten.
Sicherheitshalber zu Beginn gleich den Strumpf überstreifen; meine liebe Not mit diesem lächerlichen Handgriff.
Draußen geht die Sonne unter. Lebenslänglich.

Du wertloses Stück Dreck!!!

Bei dem Gedanken, dass er wieder runterkommt und somit symbolisch den Tag beendet, kommt mir die Kotze hoch vor lauter würgender Angst. Wie ein Strick um meinen Hals, und am anderen Ende hängt Rumpelstilzchen, schaukelt wild hin und her, dabei wird er immer schwerer und schwerer…

Auf jedes Geräusch von oben achten…
Nervös…
Singdrossel und Amsel singen ihr allabendliches Requiem. Einmal tief durchatmen…
Den Kopf schütteln, als würde es jemand beobachten, als würde ich dies für irgendwen tun…

Wieder zu feige! Es tut mir leid. Sie stirbt. Stattdessen sollte ich abkratzen.
Bei jedem lächerlichen Schnitt automatisch, unwillkürlich, reflexartig die Luft anhalten…

Und es wird 20:17 Uhr und auch wenn die ersten vier Kratzer auf der wahrlich verbrauchten Unterseite kaum Anstalten machten, für mich zu weinen, tun es die weiteren vier auf der Oberseite umso mehr.
Dicke, dicke Blutperlen werden aus den fragilen Strichen gequetscht. Wehmut kommt auf… Ich hätte den Arm auf einen der wenigen Flecken vom Frottee legen sollen, der mir zumindest verraten hätte, ob ich meine Schuldigkeit zumindest ansatzweise getilgt habe.

Der dreckige Strumpf, obwohl noch vor drei Tagen nagelneu, rettet die Welt! Kaschiert, was keiner sehen will, was nicht sein darf, denn: „… anderen Menschen geht es so viel schlechter, verhungern, sind Kriegen ausgesetzt, und ich dämliche Kuh tue gerade so, als wäre gerade MIR IRGENDETWAS zugestoßen!!“…

NICHTS UND WIEDER NICHTS!!
Du kannst dich ja nicht einmal erinnern!!!

Erneut die wenigen Spuren von den rechten Fingern lecken. Gleich werde ich tief Luft holen und es wird sich anfühlen, als hätte ich die letzten 20 Minuten nicht mehr geatmet. Im besten Fall, und das hoffe ich inständig, wird sich zumindest für einen Augenblick so etwas ähnliches wie Frieden in meinem Schädel, in meinem ganzen Körper einnisten.
Ich hasse mich. Und ich halte meine Stimme nicht mehr aus…

21:22
Es glich einer Erlösung, als er meinte, noch bis 10 oben zu tun zu haben.
Aber was habe ich davon?
NATÜRLICH ist es unvernünftig, den ganzen Tag bewegungslos auf einer Stelle zu verharren!
NATÜRLICH ist es ungesund!

Hasstiraden erfüllen den Raum. Die Tastatur fällt runter. Sie nicht mehr aufheben können. ALLES wird zur Belastung! Der Saustall links von mir! Die Unordnung vor mir auf dem Tisch! Das Durcheinander rechts in der Küche! Der penetrante Gestank nach Essig, Salatsauce!!!
Mir wird schlecht! Immer schlechter!
Schmerzen! Schmerzen erfüllen den ganzen Körper! Dagegen sind die armseligen Kratzer ein Flohhusten!!! Der Rücken, die Verspannungen, Kopfschmerzen und erst recht der Ischias!!!
NICHTS GEHT! NICHTS FUNKTIONIERT! UND SCHEINBAR IST ES ZU VIEL VERLANGT, WENIGSTENS HIER SITZEN ZU WOLLEN UND MIT VIEL MÜHE, DEN LÄHMUNGEN UND WIDERSTÄNDEN ZUM TROTZ, EINIGERMASSEN PRODUKTIV ZU ARBEITEN, WENN DAS OHNEHIN DURCH DIE BESCHISSENEN UMSTÄNDE STÄNDIG VERZÖGERT, DOPPELT UND DREIFACH IN DIE LÄNGE GEZOGEN WIRD!!!
NICHTS UND WIEDER NICHTS!!!

Mein Dasein kotzt mich an. Da bietet sich einmal die Chance auf Ablenkung, ABER NICHT FÜR MICH! WIE KONNTE ICH ES NUR WAGEN, DIES ÜBERHAUPT IN ERWÄGUNG ZU ZIEHEN, FÜR MICH, MICH STÜCK SCHEISSE!!!!

Die Zeit verrinnt, rieselt mir durch die Finger und ich unfähig, auch nur eine Sekunde festzuhalten. Wie kann ich mir bloß anmaßen, dergleichen in Anspruch zu nehmen, zu fordern, nur darum zu bitten!!…

Es wird heiß. ZU heiß. Ich beginne zu schwitzen. Aber (auch wenn Sebastian nun sagen würde, dass das NICHTS damit zu tun hat) ZU DÄMLICH, den Ventilator einzuschalten.

Du beschissener Krüppel! Du bist eine Lachnummer! Eine Belastung! Bring es endlich zu Ende!!

Unfähig, den Ventilator aufzustellen, nachdem ich ihn umgeschmissen habe. Unfähig, ihn an irgendeiner Stelle in die Hände zu nehmen, festzuhalten!! Mein Schädel droht zu bersten, wenn ich mich bücke. Alles in mir drückt. Kopf, der Magen, die Gedärme, der Ischias.

Überzeugungsarbeit wird sozusagen geleistet.
Aber ich…-allmählich gehen mir die Worte aus, die auch nur ansatzweise beschreiben könnten, WIE wertlos und dreckig und nutzlos und belastend und beschissen usw. und so fort ich bin- …bleibe ernsthaft am Leben!

22:06
Immer noch allein. Mir ist schwindelig. Aber ich sollte dennoch ein paar Schritte gehen…

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29. Juni 2018, Freitag „Henkersmahl…

8:26
58,2 Kilo um 6:45 Uhr; ohne Entwässerungstablette und ohne Stützstrümpfe. Die Verdauung liegt weiter im Koma. Habe ich es geschrieben? Dass sich in der Situation mit dem starken Durchfall in Deutschland, im Zusammenspiel mit diesem Missbrauchstraum, als die riesige Hand zwischen meinen Kinderbeinen lag, gefühlt einen prägenden Eindruck hinterlassen hat? Weil ich doch an mir runter sah und dem Kind passierte nichts! Ich durfte Teil daran haben, wie die Kleine ihren missbrauchten Unterleib abgespaltet hat! Wie sich im Weltall ein Raumschiff von seinem Raketenantrieb löst…

Habe ich oder habe ich nicht? Mieke fragte mich gestern, ob ich denn nichts spüren würde. Von wegen Völlegefühl, Druck auf dem Bauch, Blähbauch… Aber eigentlich nicht.

Die Krämpfe nehmen zu, machen mich krank. Die eine Temesta war kurzfristig eine kleine Hängematte für die Seele. Ich habe die Idee mit der Selbstverletzung so lange hinausgezögert, bis er nach Hause kam. Wir gingen ins Bett. Dieses empfand ich erneut als unerträglich, ekelhaft, widerlich, DRECKIG! Und die Beine krampften… 2 mg retard und 2,6 mg vom normalen Morphin. Zusätzlich eine volle Dosis Gewacalm, 5 mg. Also… Volle Dosis an dieser Stelle gleichzusetzen mit einer Tablette.
Ich war wach, ich schlief, ich wurde durch Epochen meiner Vergangenheit geschleudert, ich träumte von der Vergangenheit. Um nun nichts mehr auseinanderhalten zu können, im eigentlichen Sinne auch nichts festgehalten… Alles weg.
Der graue Himmel, die Vögel draußen, leisten ihren ganz eigenen Anteil an dem Prozess. Die meiste Zeit des Tages bin ich nur noch 4 und dann wieder 15, mal neun Jahre alt, dann 11 und zurück zum vermeintlich entscheidenden Alter von sechs Jahren. Ich bin nicht mehr im Jetzt. Ich bekomme nichts mehr mit. Merke mir nichts. Außer vielleicht dass ich der dummen Tabletten wegen mich heute noch unsicherer bewegen kann. Meine Augen verdrehen sich, wollen schlafen. Aber ich habe abends noch mit der Animation begonnen. Das soll ja schlussendlich auch nach etwas aussehen…
Um 10 Gespräch mit Markus. Wenn sie mal pünktlich kommt, um 11 Therapie mit Sonja. Meine Augen driften ab, bleiben noch häufiger und latenter ihm Nichts kleben. Wie Fliegen in einem Spinnennetz und es kostet dermaßen Überwindung, Kraft und Anstrengung, den starren Blick loszureißen. Da meine ich mich plötzlich erinnern zu können, das wäre bereits als Kind und Jugendlicher so gewesen…

17:22
Der Himmel weiß nicht so recht. Ich weiß nicht so recht. Hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, auszuruhen, weiter am Video zu arbeiten und erst recht draußen zu verweilen, um nicht alles zu verpassen…
Mittags für Sekunden eingeschlafen. Dann kam er nach Hause, es gab etwas zu essen und das linke Bein trieb wieder seine Spielchen mit mir: es krampfte bestialisch!! Drauf klopfen, den Oberschenkel verprügeln, Ventilator… Alles sinnlos.
Was habe ich geschluckt? 1,3 mg Hydal? Ein Säckchen Magnesiumgranulat. Und dann, als die Unruhe auf dem Sofa angeheizt durch die neuropathischen Schmerzen immer schlimmer wurde, erneut 1 mg Temesta. Nebenbei erwähnt die verspätete Mittagsdosis vom Tramal bestand wieder aus 20 Tropfen. Nicht wie gewöhnlich 15.

Auf meiner Oberlippe herum kauen. Dabei kann und wird es nicht bleiben dürfen. Selbst wenn es dazu beiträgt, meinen Körper noch instabiler zu machen. Ich nicht aufstehen, nicht stehen und nur sehr schwer gehen kann.
Habe ich es erwähnt? Markus hat mir angeboten nach der Feier mit mir eine Sitzung abzuhalten. Schlimmstenfalls werde ich diese auch benötigen. Ich vermag den Gedanken nicht abzuschütteln, mich bestrafen zu müssen und dort NUR mit einem blutenden Unterarm antanzen zu dürfen.
Damit man mich nicht falsch versteht: Ich will und werde damit niemanden unter Druck setzen. Nicht drüber reden und erst recht nicht zur Schau stellen, was ich mit mir selbst angestellt habe. Aber ich brauche scheinbar die beruhigende und zugleich pochende Gewissheit, dass ich ein schlechter Mensch bin und erst recht an allem schuld!

18. Juni 2018, Montag „Ein neuer Kreislauf…“

8:40
57,5 Kilo ohne Entwässerungstablette um 6:45 Uhr. Was sagte ich gestern beim Frühstück? „Oh je, siehst du das da am Schlauch?“; es doch tatsächlich wieder einmal gewagt, etwas Positives anzuerkennen: „Gestern noch war der Urin glasklar. Und nun sind da die ersten Trübstoffe… Das ist kein gutes Zeichen.“. Dann krampfte es zum ersten Mal. Und jetzt gerade hört es nicht mehr damit auf. Wegen dieser Botoxspritze anfragen? Oder macht diese überhaupt keinen Sinn, weil es die Krampflöser schon nicht schaffen?
Preiselbeersaft in mich hineinschütten. Spätestens morgen sehe ich mich wieder nach Oberwart pilgern. Mir wird jetzt schon schlecht.
Während ich diktiere weitere Musik runterladen. Dabei sollte ich mir bewusst machen, damit den ganzen Entstehungsprozess nur noch mehr zu verkomplizieren. Die Auswahl wird so noch umständlicher…

Der Traum heute Nacht war ganz versöhnlich. Ich war auf der Bundesstraße nach Königsdorf mit einem Lehrer und einer weiteren Schulkollegin mit einem Segelschiff unterwegs. Und jeder Ackerweg links oder rechts führte zu einer Insel. Definitiv waren wir auf Hawaii.
Und als ich mir soeben beim Sprechen auf die Zunge beiße, fällt mir ein, in einer Psychiatrie/einem Schulheim gelegen zu haben. Weil ich Anfälle hatte. Der derben Sorte. Aber da waren auch Millionen andere Anwärter für einen Therapieplatz; warum sollte also gerade ich vorgereiht werden? Ich versuchte zu erklären, was da mit mir passiert… Träumte ich mitten am Tag? Immer wieder sah ich Dinge auf mich zukommen, Ungeheuer, dunkle Gestalten, die mich vor Schreck erstarren ließen. Und ich war davon überzeugt: Das ist jetzt echt!! Oder noch viel schlimmer die Sache mit der Schlange… Aus heiterem Himmel spürte ich eine monströse Würgeschlange um meinen Hals, die ihren muskulösen Leib immer enger und enger um meine Kehle zog. Ich drohte zu ersticken, obwohl sie reine Einbildung war! Aber man nahm mich nicht ernst…

Mich dem Video widmen. Da sind 35 Minuten Material, die auseinandergenommen und wieder zusammengefügt werden müssen…

16:23
Wie kurz davor bin ich, den linken Unterarm wieder zu zerschneiden?

Manchmal gibt es Zufälle, die gibt es eigentlich nicht. Das Krampfen wurde immer heftiger…
Es klingelt an der Tür. Ich hatte doch den Termin für heute abgesagt. Ich hatte doch dem Taxiunternehmer gesagt, dass die Fahrt heute ausfällt, weil ich doch vor über zwei Wochen früher dort war als geplant.
Es war Josef, der Fahrer, um mich abzuholen. Und in der Tat hatte ich mit dem Gedanken gespielt, irgendwie nach Oberwart zu fahren, wenn das so weiter ginge. Umso besser. Erst recht, weil ich mir die Erwartungshaltung samt Panikzuständen so erspart habe.
Sogar im Krankenhaus stand mein Termin noch… War ich wirklich so blöd? Oder hat ein anderer geschlampt?
Mühselig und nicht zielführend.
Der Katheter wurde gewechselt, ein neues Urikult angelegt, zu dem noch ein pflanzliches Präparat verschrieben bekommen. Doch bei der Heimfahrt war Josef irgendwie mies gelaunt. Oder wieder nur Einbildung meinerseits, weil ich tatsächlich immer noch glaube, Einbildung sei auch eine Art Bildung??

Vor dem Mercedes entbrannte eine kurze Diskussion, als er mir unter die rechte Achsel griff und ich wohl „zu schroff (?)“ protestiert habe? Er für meinen Geschmack entnervt: „WO darf man dich ÜBERHAUPT noch ANFASSEN??“.
Dieselbe Debatte hatte ich wenige Minuten zuvor im Untersuchungsraum mit einer netten Schwester geführt. „An den Händen.“. Darauf begrabschte er mit seinen Händen hastig meine Oberarme, Unterarme und monierte seinerseits: „WIESO?! Das ist doch alles HAND!“.
Spätestens jetzt kippte die Situation, definitiv für mich, und aus Harmlos wurde Bedrohlich. „Nein?“, als würde ich mich mit einem einfältigen kleinen Kind unterhalten: „Das da oben sind meine OBERARME!! DAS meine Unterarme!! Da unten…“, und schüttelte meine Hände: „… DAS sind meine Hände!“.
Diese BESCHISSENE Unsitte in der österreichischen Dialektik, Arme als Hände und Beine als Füße zu bezeichnen!! Ich war definitiv bedient! Und saß im Taxi die ganze Heimfahrt über zusammengekauert an die Beifahrertür gepresst, meinen linken Arm so weit wie möglich von ihm weg haltend!
NATÜRLICH ist das wieder ganz allein MEIN Kopfkino!! Ich kann mir sonst wie viel Schuld an der Situation geben!! Mich ermahnen, Vernunft walten zu lassen!! Aber die Gefühlswelt hält nichts von Ratio, und ich fühlte mich dermaßen unwohl mit ihm im Auto… Kaum zu Hause der erste Weg ins Bad, Händewaschen. Und dann, als ich mich für die Ausfahrt mit Sonnencreme einschmieren wollte, als mir diese hinunter fiel und ich mehrfach versuchte, sie aufzuheben, sie mir aber ständig zwischen den Fingern entglitt, gaben auch noch die Knie nach und ich stürzte zum ersten Mal seit einer Ewigkeit auf den Rücken…

Wie konnte ich es auch nur wagen, in den letzten drei Tagen (genau wie im Fall der Blase) einmal den Gedanken zuzulassen, dass ich schon lange nicht mehr umgefallen sei. Noch besser: die Überheblichkeit! Ich dachte ernsthaft, jetzt nicht mehr so dumm zu sein und besser aufzupassen…

Du bist so dämlich!

Ich war kurz weg, es viel zu heiß, meine Füße brannten und mir war draußen auch irgendwie ganz anders. Mit jedem Stückchen näher zurück ans Haus nahm die Beschimpfungsfrequenz frappierend zu. Ein „nettes Wort“ nach dem anderen aus meinem eigenen Mund zu mir zurück oder direkt an mein Spiegelbild gerichtet!
Ich hätte mir das sparen sollen. Mein Rücken schmerzt. Vom Sitzen oder meinem UMfall? Meine Hände klimpern, ich fühle mich wieder im Sumpf der Lethargie gefangen. Das Bild wird nie fertig werden. Und ebenso wird es auch dem Video ergehen…

Offiziell verbleiben mir noch etwa 20 Minuten, bis mit Sebastian zu rechnen ist. Ich will, ich kann nichts…

Mich zum Sofa schleppen und dort dahin schmelzen…

Was für eine träge, fette Sau!!!

Man frage bloß nicht, wie ich mich fühlte, als die zierliche Daniela mich wieder auf die Beine stellte… Zum Glück war sie noch da…


20:06
Heilige Scheiße!!
WAS WAR DAS GERADE?????

Ich bin immer noch 9, bin immer noch im Gasthaus, RIECHE das Gasthaus. Exakt dasselbe Licht, aber es ist nicht abends, es ist morgens, vormittags an einem Mittwoch, Ruhetag und ich in der riesen Burg ganz allein…

Ich fragte Markus: „Weißt du in etwa WANN ich gesagt habe, jetzt geht’s los??“.
„Vor etwa einer halben Stunde…“.
MEINE FRESSE!!!
Die Blase verkrampft sich schmerzhaft, aber ich vermag partout nicht die kleine gelbe Tablette aus der Blechdose zu fischen. Meine linke Hand völlig verkrampft, die rechte nicht minder gelähmt.
„Leider muss ich dir sagen, dass diese Somatisierungen in nächster Zeit wohl zunehmen werden.“, mein Analytiker trocken.
Das heißt, um etwa 19:30 Uhr bin ich plötzlich weggetreten und vermochte genau wie gestern diese Tatsache ins Off hinein kundzutun. Darauf folgten, wie von mir gestern gewünscht, konkrete Fragen. Eine Reise zurück in meine Kindheit. Eine Reise durch die große Burg, durch das kleine Häuschen meiner Oma. Gerüche, Geschmack, Geräusche. Tatsachen tauchten auf, die ich so nicht mehr auf dem Schirm hatte.

[…]

Mir ist schlecht. Mein Schädel dröhnt. Irgendwie immer noch weggetreten.
Was ich als Erstes gesehen hätte, hat er gefragt…
Als würde man auf meinen Kopf schauen. Die Schädelplatte entfernt. Aber der freigelegte Schädel ergibt keine Kontur, hat Löcher. Ich sehe darin die Neun liegen. Ich verschiebe die Konturen, die Neun hat eine Kurve und lässt sich perfekt einfügen. Zugleich hat sie aber auch ein Auge, und dieses ist blind. Die Acht hingegen erscheint friedlicher…
Er meinte, die Acht wäre ja 2 × 4, also meine vermeintliche „Glückszahl“. „Die Acht hat gleich zwei blinde Augen. Aber man kann sie zumindest durchmalen, sie ergibt einen geschlossenen Kreislauf, den man nachzeichnen kann, bis man sich in Trance versetzt, sich selbst beruhigt. Aber die Neun wie kastriert, wie abgeschnitten…“. Und was sich mir noch aufdrängte, war folgender Gedanke, den ich auch aussprach: „Sie sieht aber auch aus wie ein Spermium…“.

Das Programm vermag das Wort nicht zu schreiben. Kann es „nur“ ein Zufall sein, dass bei Öffnen der Korrektur das richtige Wort auf Platz 4 steht????

Die Neun sei beängstigend. Mein Alter?
Ich bin regelrecht verstört. Neben der Spur. Und ich will nur noch die Glotze anschmeißen und aufhören zu denken…

9. Mai 2018, Mittwoch

8:27
Die Pumpe kommt auf Hochtouren. Vor 90 Minuten 20 mg Inderal, Betablocker geschluckt. In meinem Brustkorb scheint die Nachricht, dass das Zeug beruhigen soll, noch nicht angekommen zu sein. Oder mein Herz überschlägt sich förmlich vor Freude, vor Vorfreude über den nahenden Wellnessurlaub.

Nebenher versuchen herauszufinden, wie das Spasmolyt zu dosieren ist. Aber keine näheren Informationen dazu finden. Hingegen ein spannendes Detail, das ich bis dato wohl übersehen habe: Tachykardie! Beschleunigter Herzschlag. Allmählich wird mir das alles zu viel… Vor allem: Was von dem ganzen SCHEISS wirkt denn jetzt?

Mich soeben kaum konzentrieren können. Malen oder diktieren? A oder B?
Die Stoppuhr noch einmal zurücksetzen. Sollte ich die Tabletten nicht gleichzeitig einnehmen? Die Unruhe zerlegt mich in meine Einzelteile…

Wo fange ich an? Gestern? Nachts?
Erst einmal versuchen, den neuesten Pinsel zu erwischen. Und ich fange mit der Nacht an. Ungewollt kam ich zum Handkuss; lag lange wach und las endlich wieder ein paar Seiten im Standardwerk zur multiplen Persönlichkeit. „Der innere Verfolger“… Diese zwei Seiten beschreiben exakt ALLES, was seit 2001 mit mir, in mir abläuft. Ich habe das Bedürfnis, die Seiten zu kopieren, oder gleich zu diktieren! Und Sebastian morgens schon einmal vorgewarnt, dass er das wird lesen müssen. Um mich besser zu verstehen…?
Aber nun zurück zu den „glücklichen“ Umständen, die mir diese Erleuchtung ermöglicht haben. Er war bereits eingeschlafen, ich vermutlich auch seit einigen Minuten. Dann war Schluss. Aufgewacht, Blasenkrampf, angepinkelt! Felsenfest der Überzeugung, die riesengroße Einlage hätte erneut nicht gehalten, was sie versprochen hat. Zu allem Überfluss begann das linke Bein zu krampfen. Licht an, weitere 1,3 mg Morphium. Und eben ein viertes Spasmolytikum, nicht wissend, ob das nun klug ist oder nicht. Eine gefühlte Ewigkeit beobachtete ich, wie der Urin vom Katheter aus meiner Blase befördert wurde. Wartete darauf, dass das linke Bein ohne Decke ausreichend kalt wurde. Ich war wach, putzmunter und voller Panik. Sah mich schon wieder mit der Rettung ins Krankenhaus fahren. Nahm das Buch zur Hand, beschäftigte mich damit etwa eine halbe Stunde und versuchte verzweifelt wieder einzuschlafen. Ich träumte davon, mit meiner Mutter erst Markus im Auto zu verfolgen, um herauszufinden, wo er wohnt, um schlussendlich wieder und wieder ein Pferd zu retten, das mitten in der Nacht von seiner Weide ausbrach.

Zu gestern: Ohne die Notizen, die ich mir abends hastig gemacht habe, wäre ich nun aufgeschmissen.
In der Nacht zuvor träumte ich von einer Sportveranstaltung. Die Pärchen wurden ausgelost und Arnd Peiffer hatte beim Biathlon die besten Chancen zu gewinnen. Wenn er nicht mich als Partnerin gezogen hätte. Mich, den wertlosen Krüppel. Und ich versemmelte natürlich ALLES. Man befand sich in einer riesengroßen seltsamen Halle und meine Eltern waren unter den Zusehern. Meine Mutter fing sofort an, mich zu beschimpfen: „Wenn du nur nicht so ein Weichei wärst! Immer nur am Jammern!! DU BIST DOCH GAR NICHT KRANK!! ALSO STELL DICH NICHT SO AN!! DU HAST ALLES KAPUTT GEMACHT UND MAN KANN SICH NUR FÜR DICH SCHÄMEN!!!“. [….]

Dann waren wir gerade beim Vereinbaren des nächsten Termins. Die Fenster waren offen und ganz sicher hat irgendwo irgendwer eingeheizt. Aber dieser Geruch fand in der Realität nicht statt! Ich sah in meinen Kalender, sah die Zahlen, hörte Markus sprechen, hörte mich plötzlich selbst nur noch wie aus weiter Ferne und mir stieg ein scharfer Rauchgeruch in die Nase, breitete sich sogleich penetrant in meinem Gaumen aus und zugleich sah ich ein Bild, eine Erinnerung: Irgendwann 1980, ich bin noch klein, ich sehe Häuser, schneebedeckt, dicht aneinandergedrängt, sehe viele Schornsteine (obwohl mir das Wort soeben total absurd erscheint), es ist früh am Morgen, bitter kalt.

Für wenige Sekunden stand ich kurz davor, wegzutreten. Da war wieder diese vermeintliche „Aura“, um im Epilepsiejargon zu verbleiben. Mir wurde schlecht. Aber eben nur 3 oder 4 Sekunden lang, Geruch und Geschmack so dermaßen heftig, zugleich vertraut, heimelig… Und wie sie gekommen waren, verschwanden sie auch wieder. Ich war wieder im Jetzt, konnte wahrnehmen, was für ein Geruch tatsächlich in der Luft lag. Ganz klassisch: eine „Sensation“!

Ich wartete darauf, tatsächlich entweder (das ist ja noch immer unklar) einen kleinen epileptischen Anfall oder eine dissoziative Absence zu erleiden. Aber da kam nichts. Auch im Traum nicht.

Kopfschmerzen. Das Herzflattern hat etwas nachgelassen. Aber ich sehe nicht richtig, irgendwie nur verschwommen. Ebenso verschwommen den Rehbock vorne an der Grundstücksgrenze. Mich seit beinahe 1 Stunde an (kurz nachzählen) exakt acht winzigen Federn abmühen. Nein! Sogar noch besser!! Lediglich an deren Konturen, am Versuch, sie richtig zu positionieren!!

Ich merke soeben… Ich kann und ich will nicht mehr. Meine Lippen sind dermaßen trocken, die Zunge nach jedem Schluck Wasser unverzüglich wieder ein Stück staubtrockenes Leder! Auf das Bild kann ich mich ohnehin nicht konzentrieren. Ich habe den „Einstieg“ verpasst, oder besser gesagt mit dem Festhalten meiner Gedanken „verpatzt“. Ich bin längst draußen, längst mit dem Rollstuhl unterwegs, auf der Jagd nach neuem Filmmaterial.

Mittlerweile ist es ja bereits 9:41 Uhr. Ich frage mich, was all diese Gefühle, Gedankenfetzen und erst recht Erinnerungsschnipsel zu bedeuten haben. Oder ob sie bedeutungslos sind, alles eine „Verschiebung“. Mir ist schlecht, mir war beim Frühstück schlecht. Die Nougatcreme war mir zu süß…

ZU SÜSS??? BIN ICH KRANK???
Erst da kommt mir in den Sinn, dass das Nasenspray mit Cortison des Rätsels Lösung sein könnte.

Markus stellte gestern eine berechtigte Frage: „Sebastian sagte zuletzt, er würde dich ja lange genug kennen, er würde DAS ALLES ja schon kennen. Aber bzw. und da fragt er sich nie, warum seine Freundin seit 20 Jahren kotzt, sich aufschlitzt und lieber sterben will als zu leben?“. Warum er, so wie gestern im Gespräch, bei anderen das Thema Missbrauch zulassen kann, nur bei mir hat er Probleme damit. Weil ihm das „zu nah ist“? Er erzählte ja völlig aufgebracht von diesem scheußlichen Missbrauchsfall, der soeben in Wien verhandelt wurde. Dass Vater UND Mutter die eigenen Kinder prostituiert hätten. Und SIE ernsthaft beteuerte, nie etwas mitbekommen zu haben. Markus abends hatte dem noch etwas Zündstoff hinzuzufügen: „Die Mutter sitzt im Rollstuhl!“. Ich konnte es mir nachmittags nicht verkneifen, sagte zu meinem Liebsten: „Jetzt sei bitte nicht beleidigt. Aber darf ich dich daran erinnern, dass du -nachdem ich dir Passagen von meinen Missbrauchsbüchern erzählt habe- mehr als nur einmal zu mir gesagt hast, ob das denn alles auch wirklich so stimmen, den Wahrheiten entsprechen würde? Und nun, wenn du es im Radio hörst, nicht von mir, bist du aufgebracht und völlig erschüttert und stellst nichts infrage?“.

Eine Stunde ist um, die zwei Pinsel, die zum Einsatz kamen, mit Spezialseife reinigen. Aus und vorbei. Der Gaumen vertrocknet. Nichts und wieder nichts… Ich bin ein Versager. Und es ist wie mit dem Laufen… Schrittweise weniger und weniger und weniger, um schlussendlich zu kapitulieren. Kurz entflammen Schuldgefühle, weil ich könnte nun auch Physioübungen machen. Aber ich ergebe mich kampflos diesem Zustand, werde noch meine Zähne putzen und dann aus dem goldenen Käfig flüchten…

17:52
Einen Becher Sauermilch mit Mango in mich hineinschaufeln…

KLAR!! FETTE SAU!!!

Was habe ich mich selbst beschimpft. Nach dem Zähneputzen wäre ich um Haaresbreite fast gestürzt. Ironie des Schicksals? Wenige Sekunden zuvor hatte ich mich gefragt, wann ich wieder mal den Boden knutschen würde.
Meine Hände griffen nach der ersten Stütze neben der Toilette und verfehlten diese. Die Zweite vermochte die rechte Hand zu packen… Mir standen die Haare zu Berge! Eigentlich wäre ich rücklings auf den harten Fliesenboden geknallt, mit dem Hinterkopf voraus.

Was stellst du dich so an?!

Ernsthaft. Was stelle ich mich an?

Ich kam mir so dermaßen blöd vor, kaum draußen, das Stativ mit der Kamera zwischen die Beine geklemmt, auf dem Rollstuhl… Und jetzt kommt noch der Kracher schlechthin! Was hatte ich mir gedacht? Dieses Mal mache ich mit dem neuen Video alles richtig! Was für ein Schwachsinn!! Und wieder… Weil ich gefühlt keine Zeit habe, mir die Zeit davon läuft… Die letzten fünf Aufnahmen allesamt für die Tonne!! Mal ganz zu schweigen davon, wie beschissen ich aussehe. Aber der Ton ist absolut nicht zu gebrauchen! Wie so oft eine falsche Einstellung gewählt, nicht drauf geachtet oder weiß der Teufel was!! Und ich dumme Kuh habe hinterher nicht kontrolliert, was ich da produziert habe!

Aber ich konnte mich selbst nicht ertragen, nicht ansehen, erst recht nicht, ohne Panik zu bekommen!
Jetzt mache ich Späßchen. Gebe mich lustig, aufgedreht und sprühe vor! Aber tief in mir drinnen? Völlig zerrissen. Den ganzen Tag schon. Müsste drinnen sein, um zu arbeiten, müsste zugleich draußen sein, um nichts zu verpassen, und hin und her und rauf und runter und alles gleichzeitig und sowieso und überhaupt!!

Die erste Stechmücke war der beste Grund, wieder in den Käfig zu fahren. Schultern und Nacken völlig verspannt. Ich habe Kopfschmerzen, musste das Haarband abstreifen. Will gar nicht wissen, wie ich jetzt aussehe… Und weil ich das alles nicht ertrage, ertragen wollte, eine doppelte Dosis Tramal, 40 Tropfen und obendrauf 2,6 mg Hydal. Ich habe Halsschmerzen. Und kann nicht denken. Permanent vergesse ich, mitten im Satz, was ich sagen will. Ich verblöde. Komme mir ein bisschen vor wie damals unter den Antiepileptika. Habe ich zu Mittag Spasmolytika geschluckt?

Mir die Aufnahmen von vorhin ansehen. Eine andere Toneinstellung gewählt. Und vermutlich damit die nächste Katastrophe angerichtet. Beim Gedanken ans Video bekomme ich Angst und Herzrasen. Keine Zeit! VERDAMMT, ICH HABE DOCH KEINE ZEIT, KEINE ZEIT MEHR, MIR LÄUFT DIE ZEIT DAVON!!!

Währenddessen draußen ein wunderschöner Abend. Kein Wind. Grandiose Aufnahmebedingungen. Von den ganzen Opioiden heftige Gesichtszuckungen ernten…

18:17
HIMMEL!!!! DER TON NOCH SCHLIMMER!!!
Um 19 Uhr Sitzung. Nichts geschafft!! Panik!!!!

18:31
Und die „vermeintlich guten Aufnahmen“???
Fette Plautze und der Ton vom Winde verweht!!!

21:59
Bis jetzt Sitzung. So vieles erscheint logisch, aber darf doch nicht sein. Und mein Täterintrojekt…

ALLES NUR EINBILDUNG!!!

geht auf die Barrikaden. „Unterhalte dich mit ihm.“, die wiederholte Aufforderung. „Aber das macht doch überhaupt keinen Sinn. Er ist ich, ich bin er, alles nur Einbildung, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Was soll er mir schon groß erzählen? Er weiß nicht mehr als ich, denn es gibt ihn gar nicht!“.

Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Und beim vorletzten Satz wurde mir noch schlechter…

21. April 2018, Samstag „Haltlos…“

19:11
59,3 Kilo um 9:45 Uhr. Abends eine und frühmorgens mindestens zwei Absenzen. In Dauerschleife ein und derselbe Satz „Das kenne ich schon, das kenne ich schon, das kenne ich schon, das kenne ich schon…“.

NATÜRLICH könnte es noch schlimmer sein, NATÜRLICH hätte ich mich den ganzen Tag zusätzlich auch noch anpissen können, NATÜRLICH, NATÜRLICH, NATÜRLICH!!!!
Wohin mit mir? Als ich auf dem Sofa schlief, als ich um 15:02 Uhr die dritte Absenz hatte, begann es in mir zu brodeln…

Du hast schon wieder nicht gemalt!
Dir läuft die Zeit davon!
Draußen warst du auch nicht, der Frühling geht vorbei!!
Bewegt hast du dich auch schon lange nicht mehr, du wirst alles verlieren!!! Alles wird den Bach runter gehen und dann wirst du auf mein Angebot zurückkommen!!!…

Mir ist schlecht. Kopfschmerzen. Dezent Halsschmerzen. Der Schleim hängt im Gaumen fest. Meine Befindlichkeit vom neuen Spielzeug abhängig machen: 37,8°C. Die 37°C gar nicht mehr verlassen. Nichts hinbekommen. Nichts leisten können. Völlig wertlos in den Tag hinein. Mit der blauen Blechdose in der Hand meine psychische Schräglage in Augenschein genommen: Welcher Schritte bedarf es? Vorerst 2,6 mg Hydal und eine volle Dosis Tramal. Dazu ein Erkältungsmittel. Meine Hand klimpert. Was war das für ein grandioser Tag?! Was für ein Wetter?!!
Nach dem Frühstück wollte er mit mir nach Fürstenfeld fahren. Endlich schafften wir den Weg zu einem Optiker, aber die Brillenfassung, die ich präferiere, gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Da kam mir ein Gedanke, warum ich so renitent bei gewissen Dingen an einem Stil festhalte: Weil meine Mutter, als sie mich noch wie eine Puppe permanent angezogen hat, mich von einem Trend in den nächsten gejagt hat? Immer mit der Aussage: „Das ist gerade so modern!“. Bedeutet Gleichschritt. Alle rennen so rum. Und ich will doch verdammt noch mal nichts anderes sein als ICH SELBST!! MICH SELBST FINDEN, ENDLICH!!! Und was waren das für Modesünden mitunter, Karottenhosen… Abgesehen davon, den aktuellen Modetrend als „fürchterlich“ zu empfinden. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Wie ein Sprung in drei Rotkreuz-Säcke.

Wir fuhren zur Eisdiele, ich wählte eine Kugel Eis mit Joghurt und es war viel zu viel und noch mehr zu viel. Eigentlich hätte ich hinterher kotzen müssen. Mein Magen meinte doch bereits nach fünf Löffeln es sei genug. Dabei unfähig, die Finger zu strecken. Es war heiß. Für die Jahreszeit viel zu heiß. Auf der Heimfahrt traf mich halb der Schlag, schreckliche Ohrenschmerzen, Kopfschmerzen und völlig unbeweglich. Als wir zu Hause in unserer Idylle ankamen, auf dem Weg zurück ins Haus, blutete mein Herz. Ich müsste draußen sein, NICHT SCHON WIEDER IN DIESEM KÄFIG GEFANGEN, IN DIESEM KÖRPER GEFANGEN, IN DIESEM ZUSTAND!!!…

Der Ausflug morgen ist für mich gegessen, bleib allein zu Hause; Sebastian wird nicht fertig mir gegenüber zu äußern, dass ihm das gar nicht gefällt, er sich Sorgen macht, ein mulmiges Gefühl hat. Dagegen ich male mir aus, was ich alles mit mir anstellen könnte!
Die Sonne ist untergegangen, der Abend legt sich übers Land. Ich müsste draußen sein… Allein dieser Satz, und ich löse mich in Tränen auf. Will mein Leben zurück. Alles kaputt. Blutzucker? Depression?…

SELBSTMITLEID???!!

Der Mund durch gleich zwei Sorten Spasmolytika staubtrocken, die Lippen aufgerissen. Die Singdrossel schmettert ihr wehmütiges Lied in den Abend hinein. Die Mönchsgrasmücke wird nicht müde, Predigten zu halten. Abends Lärm vor dem Fenster, da war wohl der Igel an den Katzennäpfen… Panik. Bald ist Sommer, dann Herbst und schon wieder Winter. Der Tod rückt immer näher, aber eben nicht meiner. Der Geburtstag meiner Mutter… Mein beschissener Geburtstag…
Eine Sache ist mir aufgefallen: Traumaopfer scheinen mit ihrem Geburtstag auf dem Kriegsfuß zu stehen. Ich möchte mich aus der Verantwortung stehlen. Weil jetzt Abend ist und es dann beinahe schon ganz klassisch keinen anderen Ausweg zu geben scheint?
Montag mit dem Taxi in die Urologie. Montag in Erfahrung bringen, ob es erneut Antibiotika bedarf. Am 6. Mai Termin in der Universitätsklinik, HNO und wieder Antibiotika? In mir dreht sich alles. Scheißegal, wie viel Wasser ich in mich hineinschütte, die Lippen tun weh, die Zunge eine Ledersohle. Ich habe eine hässliche Zunge, widerwärtig! Total aufgerissen, seit Kindertagen schon. Die Hand klimpert schneller.

19:57
Ihn nach unten bitten, um mir Tee zu machen, das Fenster zu öffnen, damit ich die Vögel hören kann, um mir neues Wasser zu geben, die Abläufe von morgen zu erläutern, ebenfalls den Montag zu besprechen, und ihn abschließend noch um eine Blisterpackung Temesta bitten. In der Dose nur noch Gewacalm. Er erzählt mir, ihm morgens direkt nach einer Absenz eben von dieser erzählt zu haben. Ich weiß es nicht mehr. Bin wieder eingeschlafen und alles hat sich mit den Träumen vermischt, um mit Aufwachen schlussendlich in der Versenkung zu verschwinden. Wieder habe ich mich entschuldigt: „Es tut mir leid, aber würdest du bitte kurz runterkommen?…“. Er sparte sich dieses Mal seine Brüskierung, dass ich damit aufhören soll… Wie ein Bittsteller vor ihm zu kriechen, mich für alles zu entschuldigen, als sei ich NICHTS ANDERES ALS EINE ÜBERDIMENSIONALE BELASTUNG. Aber davon bin ich überzeugt. Für mich selbst scheinbar noch nicht ausreichend; warum sonst wäre ich noch am Leben? Habe noch keinen Schlussstrich gezogen?

Mich ganz kurz zusammen gerissen für die Minuten seiner Anwesenheit, den Rest verbarg das Zwielicht im Raum. Nicht aufhören können zu weinen.

BESCHISSENE DRAMAQUEEN!!!

Mein Schädel platzt. Die Wunden von gestern, das Werk der neuen Klinge, nicht der Rede wert…

Selbstmitleid und noch mehr Selbstmitleid und nichts anderes als SELBSTMITLEID!!!

Markus meinte freitags, dass in meinem Fall eine Portion Selbstmitleid durchaus angebracht sei. Um Empathie für mich selbst zulassen zu können. Die Hand zählt bis 4, verzweifelt und unaufhörlich damit beschäftigt, Spannungsabbau zu betreiben. Es zumindest zu versuchen. Beim Gedanken, was ich nun tun sollte, wie es weitergeht, der schüchterne und vorsichtige Blick 1 mm voraus in die Zukunft löst unverzüglich Panik aus.

BESCHISSENER KRÜPPEL!!!

Hatte ich heute Nacht im Traum nicht gedacht, dass es im Traum besser sei, ich gleich dortbleiben sollte, anstatt wieder aufzuwachen, zurückgeworfen ins Fiasko? Dabei nicht mitbekommen, Sebastian an meiner Seite zu haben. Um mich selbst irgendwann mit der Frage konfrontiert sehen zu müssen, warum ich so ignorant war, dass jetzt alles zu spät ist, viel zu spät…

Zusammenbruch, keine Stimme mehr. Ich sehe ihn sterben. Erst recht als er sein Eis aß. Er mit seiner Gesundheit so einen liederlichen Umgang pflegt. Das kleine Kind in ihm. Das Kind, das umgebracht wird. Und in meinem Kopf stirbt er und stirbt und stirbt!! Wie zu Beginn unserer Beziehung! Wie damals mit sechs Jahren, als es aber meine Mutter war, die im Sonnenuntergang ihr Leben lassen musste. Zurückgeworfen… So erscheint mir das alles gerade. Regression! Wie geistesgestört mit dem Kopf rhythmisch immer wieder nicken. Der personifizierte Tod scheint soeben hinter mir zu stehen und sein Fingerzeig zeichnet mir all die zu erwartenden Tode um mich herum. Dass man nur hoffen kann, von ihm vorher gerichtet zu werden.

Wer weint jetzt? Die Hülle, die sich erwachsen schimpft? Das innere Kind?
Das Stofftaschentuch von Sebastians Opa voll rotzen.

20:58
Zugedröhnt. Ein bisschen, einen klitzekleinen Frieden verspüren. Mir die Augen aus dem Kopf geweint. Lauter Erinnerungen meiner Kindheit tanzen in meinem Schädel ums unerträgliche JETZT herum und ich vermag nicht mehr zu erfassen, was oder wer ich bin. Andererseits gespannt jedes Geräusch von oben registrieren. Wann kommt er, wie lange noch allein, muss ich mir wenigstens einmal vor seiner Rückkehr in den Arm schneiden? Alles ist leer, ausgefressen, ausgehöhlt. Mein Dasein ohne Form. Ein Skelett. Was richte ich an, wenn ich weiterhin diesen Pfad beschreite, um auf Teufel komm raus ans Tageslicht zu zerren, was des nachts zur Zerstörung meiner Integrität geführt hat?

Mit offenem Mund, Maulaffen feilhalten, die Mimik eingefroren, ausdruckslos und zugleich wie vom Teufel höchstpersönlich versteinert.

21:29
Er kommt runter. Mein Herz beginnt zu rasen. Dann teilt er mir mit, noch in die Badewanne zu steigen. Jede seiner Fragen, jeder Satz ist augenblicklich zu viel für meine zerstreute Aufmerksamkeit. Im Internet nach weiteren Beruhigungsmitteln Ausschau halten. Zugleich im Hinterkopf, ob ich irgendjemanden davon überzeugen könnte, mir die Wirkstoffgruppe zu verschreiben. Um abschließend den Teil mit der Überdosierung beinahe gierig zu lesen. Niedriger Blutdruck, Bewusstlosigkeit, Koma… Wunderbar.

Ich wollte etwas sagen, aber es ist vergessen, verloren gegangen. Mir ein Räucherstäbchen angesteckt. Wozu? Um ehrlich zu mir selbst zu sein: Ich wollte zum ersten Mal das glimmende Stöckchen, wie wohl bereits vor zwei oder drei Tagen in Betracht gezogen, auf meiner Haut ausdämpfen. Ganz vorsichtig, wie ein Anfänger… Zweimal berührt die glühende Spitze den linken Arm. Eine kleine Brandwunde entsteht. Meine Füße kollidieren mit den Fußstützen, Krämpfe sind die Folge.
Ist nun wieder alles in Butter? Alles wieder gut? Ist obsolet? Ich weiß es nicht. Aber mich in Sicherheit wähnend aus dem Rollator das letzte Highlight des Tages zaubern. Ich vermag nicht mehr geradeaus zu denken. Zugleich stößt mir bitter auf, wie viele Sätze selbstverliebt, egozentrisch mit ICH eingeleitet werden. Sebastian, ich bin deiner nicht wert!

Die Hände zu Klauen deformiert, habe ich Mühe, das neue Stück aus der Dose zu fischen, ganz zu schweigen vom Auszuwickeln aus dem kleinen, orangefarbenen Kuvert. Seine Geräusche hinten machen mich nervös.

In mir nach Antworten suchen und zugleich die musikalische Untermalung des Computerspiels, dass er sich gerade gönnt, nicht aushalten. Noch surrealer kann eine Situation nicht wirken! „Mach es mir nicht kaputt!“. Die Augen wollen schlafen. Quer, gerade, diagonal oder horizontal…? Keine Kraft. Das Blut kalt. Ich prüfe mich, teste mich selbst am Schmerz. Das neue Stück könnte so wundervolle Dinge vollbringen. In die Tiefe eintauchen und den Schmerz, der sich vor mir zu verbergen beliebt, herauskratzen.

21:44
Und spätestens die Nummer Sieben entgleisen lassen. Im Rahmen meiner Möglichkeiten. Das gleiche Spektakel wie beim letzten Schnitt gestern. Das Tuch unter mir immer mehr getränkt. Schlimmstenfalls sickert es durch bis zur Hose. Es tut mir leid, eigentlich nicht meine Intention, damit irgend jemandem zu schaden. Meine Augen brennen, kratzen und die Zeit, gnadenlos wie immer, läuft mir davon…
Aus irgendeinem Grund alles besudelt, Hosenbeine, Armlehne, Tischdecke. Meine Stimme wird tiefer, schnarrt verbraucht, wie die eines abgenutzten, kaputten Opfers. Dabei bin ich gerade Täter.

Bitte verzeiht mir, aber ich wüsste nicht wohin sonst mit meinen Gedanken…

16. April 2018, Montag „Lebenszeit = abzusitzende Haftzeit“…

8:32
59 Kilo um 6:45 Uhr. Erneut hat sich viel zu viel Krempel auf Leinwand und Tisch angesammelt, die Farben in den Schälchen nach zwei Tagen angetrocknet. Katzenhaare aus der schwarzen Tunke zupfen. Moderate Kopfschmerzen, schlaflose Nacht. Ich las bis kurz nach Mitternacht. Vermochte nicht einzuschlafen, irgendwie war es so warm, zu warm, Licht wieder an und das Buch abgeschlossen. Jetzt kann ich es Gerald wenigstens zurückschicken. Mit der ganzen Materie vermochte ich nicht sonderlich viel anzufangen. Lediglich am Schluss bei den Fallbeispielen erkannte ich diverse Überschneidungen. Zumindest „gefühlt“, wenn das überhaupt irgendetwas wert ist…
Dann entgleist mein Gedanke, ist flüchtig bei der Volkshilfe und die erste Panikattacke prescht über mich hinweg wie ein vom Teufel besessener Rasenmäher. Meine Hand klimpert, dabei sollte sie jetzt malen. Versuchen, an der Spitze zwischen den beiden Pinseln den neuen auszumachen. Vor allem die schwarze Farbe hat gelitten. Ich weiß gar nicht, wo, womit ich anfangen soll. Immer angesagt sind Korrekturen am Weiß der Leinwand. Obwohl dieses auch nur noch dreckig und abgenutzt aussieht.

In meinem Traum ging es um eine Art Weltuntergang, am Dreiländereck gab es ein Flüchtlingslager. Das Wort „Lager“ darf man dabei wortwörtlich nehmen! Chinesen, Japaner, syrische Flüchtlinge, Afrikaner… Und ich irgendwie die ganze Zeit auf der Flucht vor meinen Eltern. Es war Weihnachten und zugleich mein Geburtstag. Birgit war gekommen, ins Lager, um mit mir zu feiern. All die anderen Schulkollegen, Freunde hatte ich mittlerweile erfolgreich vergrätzt. Mich nie auf Glückwunschkarten, Geschenke erkenntlich gezeigt, geschweige denn geantwortet. Bravo! Meine Eltern ließen auch nicht locker, jagten mich regelrecht. Wo ich war, waren sie mir dicht auf den Fersen. Eine Art Zeltfest fand statt. Währenddessen rebellierten draußen die Flüchtlinge. Es kam zu Völkerwanderungen, die Chinesen versuchten sich mit den Japanern zu verständigen, anzufreunden. Sie hatten doch ähnliche Kampfsportarten. Hinterm Zaun gegenüber waren die Afrikaner eingesperrt. Beiderseits wurde versucht, die hohe Hürde zu überwinden. Es gab Tote, Verletzte und zugleich sah das Gelände aus wie jenes in Graz beim Krankenhaus. Meine Mutter wollte unbedingt ganz nah an mir dran sein. Ich war gerade aufgestanden, um etwas zu trinken zu holen. Da musste ich an ihr vorbeigehen.

[….]

Es folgte eine Verfolgungsjagd. Aber das Jugendamt holte mich aus dem Auffanglager, schnappte mich meiner Mutter vor der Nase weg. Als ich abgeholt wurde, steckte ich mir noch hastig ein kleines gelbes Kuvert in die Hosentasche. Eine Rasierklinge, für den Fall der Fälle.

Ein weiteres Produkt aus Fernsehprogramm, Lesestoff und sich ohnehin im Kreis drehenden Gedanken? Meine Kopfschmerzen werden immer stärker. Ich sollte mir unbedingt ein Fieberthermometer fürs Ohr besorgen. Nachts hat es geregnet, der Himmel ist grau, die Vögel zwitschern und der Blumensamen von Daniela schien bereits gestern zu sprießen, als ich einen intensiven Blick auf die Wiese warf und an diversen Maulwurfshaufen lauter kleine Keimlinge entdecken durfte.
Der Schleim läuft eifrig den Rachen hinab. Mir erneut einen Termin beim HNO-Arzt besorgen. Damit der mich nach Graz überweist. Die nächsten Termine, der nächste Stress, das nächste Gerenne… Panik. Und die Frage: Hört das denn nie auf? Obwohl anders gefragt: Würde ich eine Ruhepause überhaupt registrieren und zu goutieren wissen?!

Jetzt mit Musik versuchen, Konzentration zu finden…

Das erste Lied der Liste ein „Klassiker“ bei den Sprinteinheiten. Ambivalente Gefühle strömen durch meinen Körper. Die Augen wollen weinen, die Beine meinen, Endorphine zu verspüren, und beide Hände, Arme werden schlagartig taub, ein Teil in mir will sie aufschlitzen, um den Schmerz auszutreiben, zu tilgen, um mir die Endorphine anderweitig zu holen…

Beruhigen! Irgendwie beruhigen!… Ein Räucherstäbchen anstecken und dann doch wieder nur wie gebannt auf die Flamme starren, in mir der dringliche Wunsch, diese an meinem Unterarm auszudämpfen…

14:31
Mein Schädel platzt. Ich wollte, ich sollte den Arzt anrufen, neuer Termin, aber ich bin unfähig zu denken. Genauso wie ich unfähig war, auf dem Sofa einzuschlafen. Der Hintern dermaßen am Schmerzen. Die Füße schmerzen. Gefühlt presst der Druck im Schädel meinen rechten Augapfel mindestens einen halben Zentimeter aus seiner Höhle. Das Aspirin wirkungslos. Als nächstes Mexalen… Und dann „Open-House-Analgetika“?! Nur um den Körper nicht mehr spüren zu müssen!! Der Himmel bleibt grau. Mein Nacken steif. Wieder drücken sich die Sitzbeinhöcker durchs Fett meiner Arschbacken. Wohin mit mir?

[….]

Die Kirschbäume beginnen zu blühen. Neue Nuancen mischen sich ins frühlingshafte Duftbild. Und ich möchte mich gerade am liebsten nur abschießen. Richtig, mit allem drum und dran. Mir die Birne wegblasen!
Aber das darf ich nicht… Sonntag steht der große Ausflug an, nach Graz, zu einem internationalen Dartspiel, von dem er bereits seit einem halben Jahr redet. Was könnte ich einwerfen? Abends Sitzung. Kann ich einen Termin beim HNO vereinbaren und Sebastian fährt mit mir dorthin? Brauch ich die Rettung? Oder lass ich es sein? Tritt doch ohnehin wieder nur die nächste Lawine los: Arzt, CT, Arzt, dann vielleicht Klinik… Wenn es doch bereits letztes Jahr wirkungslos geblieben ist?

Meine Rechte klimpert unablässig. Die Spannung muss irgendwo raus. Bedingt durch das Technokonzert in meinem Gehirn scheint alles an mir zu glühen. Ebenso meine Arme. „Ein Thema für die Therapie basteln!“… Auch mein Untergeschoss pulsiert, seit gestern schon. Vermittelt mir den Eindruck, ich würde mich jede Sekunde anpinkeln.

Ich sehe mich selbst, wie mein Blick starr und gebannt am ersten Rinnsal haften bleibt. Wie sich der Kopf schlagartig leert, und es gibt nur noch die Gier nach noch mehr Blut und bestenfalls einen dicken Schuss Endorphine, körpereigenes Morphium… Bereits bei diesen Worten wird es in mir ganz still. Kurz. Eine kleine Vorschau. Aber das Hauptprogramm muss erst einmal gestartet werden, um tatsächlich in den Genuss kommen zu können… Es ist doch ohnehin alles egal, scheißegal. Ich sehe das Wetter draußen, sehe August 1998, ich krank im Bett mit perversen Neuropathien in den Beinen. Der Anfang vom Ende… Und meine Mutter macht mir Vorwürfe, warum ich mich nicht darüber gefreut habe, weil die beiden unerwartet nach bereits drei Tagen von ihrem angeblich einwöchigen Ausflug zurückgekommen sind. Wie sie mir eine Szene macht und ich in meiner Verzweiflung vermutlich geschrien habe: „Ich kann seit zwei Wochen keine Sekunde mehr schlafen!! Weil meine Beine ständig brennen!! Wie soll ich da gut drauf sein?!“…

Ich habe den Geschmack von Eistee im Gaumen. Wie damals. Mir wird schlecht…

Nachts vor dem Zubettgehen stand ich kurz im Flur vor dem großen Spiegel, nur in Unterhose, und betrachtete voller Entsetzen meinen Rücken. Die dicke Schwangerschaftswampe mal außen vor lassen… Aber von hinten sehe ich aus wie ein somalisches Hungerkind, wie Gollum!!! Meine Schulterblätter ragen weit hervor, die Rippen präsentieren sich in voller Pracht, wie ein abgenutztes Waschbrett. Zumindest die Ausschau auf meinen Rücken täuscht vor, ich wäre anorektisch! Was ist das? Muskelschwund „at it’s best“ oder eine weit fortgeschrittene Osteoporose??!! Wie eine hochgradig bedenkliche Skoliose!! Zwangsläufig musste ich an „Ötschi“, unsere nationale Gletschermumie, denken. Wunderschön…

DU BIST ZUM KOTZEN!!! ZOMBIE, FETTER!!!

Die Hand öffnet die Dose, besudelte Tücher werden ausgebreitet, der linke Armwarmer abgestreift. Der Himmel bleibt grau. Der Kopfschmerz zieht in die Ohren, in die Stirnhöhlen hinein, kriecht über die Nase in den Kiefer. Einhalt gebieten!! Es langt!! Den linken Unterarm gestern mit einem Einwegrasierer mehr oder minder vom Schorf befreit. Dieses Jahr, mit dem kleinen Weg zum neuen Teich, könnte ich mich tatsächlich mit dem Rollstuhl -wie vor drei Jahren eigentlich geplant- unter den Hollerbusch stellen und mich abschießen… Der Strauch wie die schützenden Arme von Mutter Natur, daran hängen die ersten Dolden, kurz vor dem Erblühen…

Die Rasierklinge markieren; heute keinen Nerv auf allzu lange Experimente! Die erste Wahl scheint die richtige zu sein!… Nach zwei Testschnitten in mich gehen, um nach dem Gefühl Ausschau zu halten, das den Antrieb hierfür leistet… Verzweiflung? Hass? Die Schnauze voll zu haben?

SCHLAPPSCHWANZ!!!

Mit dem Rollstuhl ins Bad und den Arm mit heißem Wasser verbrühen? So ein scharfes Werkzeug und dann versagen… Mich vor mir selbst schämen! Zehn Kratzer und die letzte Kante hätte es wahrlich in sich, wäre ich nur nicht so feige!!! Das Blut gerinnt. Die Heizdecke abmontieren und auf dem Weg ins Badezimmer irgendetwas konsumieren…

15:22
Strafregister: eine doppelte Dosis Tramal, 40 Tropfen, 2,6 mg Morphium, Hydal. Die Arme sehen aus wie gekocht. Die neue Rasierklinge im Wohnzimmer vergessen, mich am alten Stück versucht. Insgesamt komme ich jetzt auf 15 Schnitte; zumindest die letzten fünf brannten unter dem heißen Wasserstrahl. Von den ersten zehn Kratzern sieht man eigentlich gar nichts. Ich bin… Ich weiß es nicht, was ich bin. Verstört? Der Schädel hämmert weiter und fast lieblich das Aroma der Opiattropfen am Gaumen. Und wie leicht ging es mir von der Hand, die Pumpe achtmal zu betätigen. Als würde ich jeden Tag nichts anderes machen…
Die Vögel zwitschern. Amsel, Rotkehlchen, diverse Meisen… Auf ein Neues!… Der Counter läuft… Nummer 4 sinkt tiefer. Ich müsste eine Kerbe in den Arm schlagen, um Spuren zu hinterlassen, ein Stück herausschneiden… Aber ich kann so was nicht. Bei jedem einzelnen Schnitt lediglich darauf hoffen, ungestüm genug zu sein. Aber das Blut gerinnt schon wieder. Ich werde immer zärtlicher… Das ist doch absurd! 18 Stück. Zumindest das Muster über dem Handgelenk blutet ein wenig, die Haut noch nicht wie totes Leder. Die Klinge in der Hand wenden und ihr die Schuld geben.

FEIGE SAU!!!

30 oberflächliche Linien in Rot. Kann mir eigentlich den Verband sparen. Der falsche Moment? Es später noch einmal mit der anderen Klinge versuchen?

DU BIST EINFACH FÜR ALLES ZU DÄMLICH!!!

Kurz innehalten, zusehen, wie die zähe Pampe aus den letzten Ventilen läuft. Von „gepumpt wird“ kann gar nicht die Rede sein. Schlägt mein Herz überhaupt noch?

45 Versuche und kein einziger Treffer. Schlechte Quote. Die war schon mal besser…

Davon träumst du wohl!!

Den blutigen Krempel liegen lassen. Sebastian ist erst irgendwann nach 17:00 Uhr zu erwarten. In mich zusammensinken und um zumindest eine Mikrodosis Endorphine flehen… Bitte! Stell mich ab! Stell diesen Körper ab!

15:57
Im Internet nach Schlauchverbänden suchen. Ich müsste eine Ausfahrt allein nach Jennersdorf machen, zum Bandagisten, um dort neues Material zu bekommen.
Ein wenig Watte macht sich im Schädel breit. Aber die Schmerzen zeigen sich unbeeindruckt. Kortisonspray in die Nase. Verätzt unverzüglich den Hals, er beginnt zu kratzen.

16:26
Leichenhallenklänge… Endlich abdriften! Markus hat völlig recht, wenn er von „Heroin“ anstatt Opioiden spricht. Das war jetzt mein Schuss. Werde ich dadurch depressiver? Oder nur gleichgültiger?
Ich sehe das Licht, ich höre die Vögel, die Musik und wieder hänge ich im menschenleeren Gasthaus fest, das Raunen des Windes und ich der letzte Mensch auf Erden. Ein kleiner Mensch, ein Kind. Erinnerungen tun sich auf und ich sitze hier mit offenem Mund und starrem Blick nach draußen, irgendwo im Nichts endend, sich dort verlierend. Anstatt die mit Flecken übersäten Tücher wegzuräumen, ein weiteres Mal zur Klinge greifen… Ein Tropfen Blut klebt an der grünen Wasserflasche.

Meine Fresse! Geh arbeiten, dann langweilst du dich nicht und hörst auf mit dem Scheiß!!“

Was für ein wertloses Stück Dreck!!! VERRECKE!!!!

Die Augen wie kuschelig in Watte gepackt. Die andere Klinge. Zwei Wunden brechen auf, als ich den Verband abstreife.

…16 Schnitte. Der Körper hat versucht, sich zu heilen, den Arm gut durchblutet… Sein Pech. Es krachte ganz leise bei jedem Schnitt, wenn sich die scharfe Kante durch das verkrustete Blut seinen Weg bahnte, bis zur Haut, in die Haut, unter die Haut… Der Fleck auf dem alten Geschirrtuch wird größer und größer. Die Letzten erwecken nun wenigstens den Anschein, da müsse irgendwo ein Herz schlagen und verzweifelt versuchen, mich am Leben zu halten. Obwohl ich so gerne das Band abschneiden würde. Abschneiden, reißen lassen, loslassen, mich fallen lassen…

Na wenigstens das bekomme ich hin: Mit der alten Klinge brachial über die Wunden schaben, sodass das Stück Metall immer wieder einsinkt, die Ventile offen, am Laufen hält. Mittlerweile bilden sich blutige Erhebungen auf dem Tuch. Ich will, ich MUSS es hinunter tropfen sehen! Als sei das die Bestätigung, dass der Dreck auch wirklich meinen Körper verlassen hat…

Warum diktiere ich jedes Detail, muss alles haarklein festhalten? Was für eine Perversion steckt wohl dahinter? Als müsse ich beweisen: „Ich habe zumindest gekämpft…“. Worum? Um dieses Leben? Um dessen Ende, den Tod?

DRECKIGE SCHLAMPE!!!

Die Atmung steht still. Meine Schande verschwindet in der Lederschultasche, verkriecht sich unter einer langen, schwarzen Wollstulpe. Verräterisch lediglich Blutspuren rechts an den Fingern. Auch mein Herz scheint stillzustehen.

Alles wäre perfekt, doch dann kommt die Panik. Bald nicht mehr allein, bald Therapie und es wird mir zu viel. Markus wird wieder fragen: „Wie fühlt sich das an?“. Augenblicklich definitiv so, als müsse ich noch mehr konsumieren. Obwohl/weil das soeben immer noch verdammt wenig ist für meine „Störungsgruppe“… Die Kopfschmerzen fangen wieder an…

17:53
Ich musste mein Gesicht waschen. Mit dem Rollstuhl, gehen funktioniert wohl nicht mehr. In der Küche Tee für mich zubereitet, meine Medikamente geholt. Die Milch lässt sich aus der neuen Packung nicht ohne zu kleckern in die Teeschale gießen. Eigentlich geht der größte Teil der Milch auf Boden und Hosenbein. Die Tabletten aus der Dose landen ebenfalls auf dem Boden.

Dumme FOTZE!!
Du dumme FOTZE!!!
DÄMLICHE FOTZE!!!!

Gleich muss ich ihn anrufen. Mein Schädel dröhnt…

20:07
Ende der Sitzung. Heftige Sitzung. Mir für meine letzten Worte noch einmal Musik anmachen. Die Kopfschmerzen waren mal stärker, mal schwächer. In den letzten Minuten ging es um meine Sexualität in der Partnerschaft. Ich sollte mir diverse Dinge vorstellen. Aber es war mir schier unmöglich, ohne nicht gleichzeitig sehr heftig den Wunsch zu verspüren, die Version von mir in der Vorstellung zu zerstören. Auch erzählte ich ihm, dass ich allein beim Anblick von Füßen zerstörerische Derealisationen bekomme. Kaum erwähnenswert, was das erst recht für Füße bei der Sexualität bedeutet. Ich benutzte das Wort „grotesk“. Dass sich für mich die Körper in Einzelteile auflösen. Nichts gehört mehr zusammen, nichts ergibt Sinn, keine Einheit wiederherstellbar. Ich halte Sexualität am Tag, beleuchtet nicht aus. Die verzerrten Leiber, entstellten Gesichter… WIDERLICH, ABSTOSSEND, BEÄNGSTIGEND, ERSCHRECKEND und kann einfach nicht wahr sein!!! Ich habe noch nie einen „schönen“ Sexualakt gesehen. Menschen werden zu Tieren. Zu unheimlichen Gespenstern. Monstern. Sie grunzen, stöhnen, sabbern, schlabbern, schlecken… Ganz zu schweigen von den Geräuschen, die aufeinander treffende Massen und Körperflüssigkeiten verursachen…

Die Kopfschmerzen nehmen wieder zu. Ebenso die Halsschmerzen. Meine Rechte hält den linken Unterarm am Handgelenk fest und klimpert auf den Wunden herum, die sich da unter der schwarzen Wolle verbergen. Die Rotlichtlampe steht seit über 2 Stunden vor mir und gibt ihr Bestes. Ich hätte den verdammten Arzt anrufen sollen! Draußen beginnt es zu schütten.

Hinter mir knackt es, ich erschrecke und ein schmerzhaftes Brennen fährt durch den ganzen Körper. Ich kann nicht mehr…

11. April 2018, Mittwoch

8:39
„Wie ruiniert man einen Vormittag mit einem einzigen Wimpernschlag?“…

Darf man noch als gnädig bezeichnen, Frühstück und Morgensendung beenden zu dürfen? Ich wollte soeben die Arbeit aufnehmen. Stattdessen darf ich mir das Gemeckere der Notrufstation anhören. Etwa alle 5 Minuten informiert mich der Kasten darüber, nicht verbunden zu sein. Lautstark. Was ebenfalls toll ist: Nun werde ich mir erst recht der Unordnung alleine auf der Sofalandschaft bewusst und erst recht, WIE abhängig man mittlerweile vom Strom ist! Ein beinahe choreografiertes Klacken geht durch den ganzen Raum und sicherlich 30 unterschiedliche Gerätschaften werden ausgeschaltet. Kein Strom. Wir haben kein Unwetter und auch die Uhrzeit ist doch immer dieselbe, der Weg zum Sicherungskasten wäre überflüssig; also darf ich davon ausgehen, dass der Stromanbieter wieder irgendwelche Arbeiten am Netz durchführt. Das kann schnell gehen. Schlimmstenfalls bis kurz vor Mittag dauern.

Ich hatte recht! Dieses Mal auf die Uhrzeit geachtet und es sind tatsächlich exakt 5-Minutenabstände. Jetzt darf ich dem Wind zuhören, wie er durch die wertlose Dunstabzugshaube pfeift. Jedem einzelnen, beschissenen Flugzeug darf ich meine Flüche hinterher schicken. 59,5 Kilo um 6:45 Uhr. Abstruse Träume. Von Leichen, Leichenbergen auf dem Zebrastreifen unterhalb vom Gasthaus. Das Überqueren der Straße war tödlich. Aber ich weiß nicht, ob diese Menschen überfahren wurden oder eher im übertragenen Sinne „Leichen im Keller“ entsprächen. Waren es Zombies? Halbtote? Ich musste an diverse Dokumentationen über Konzentrationslager nachdenken. Da das eine riesengroße Sauerei bedeutete, hatte irgendjemand die Leichen erst auf die Bushaltetasche geschoben. Etwas später waren die Kadaver 3 m weiter oben auf dem Hügel hinter der Thujahecke verschwunden. Irgendjemand hatte sie verschwinden lassen. Interessant… Aufs Grundstück vom Gasthaus? Lediglich ein halber Kopf und ein Arm waren von der Straße aus zu sehen. Auf dem Asphalt selbst waren nur noch Flecken zu erkennen und kurz lag da vielleicht auch noch eine Hand. Die Raben würden sich darum kümmern und „kein Hahn danach krähen“! Ich war mit Birgit und meinem Hund spazieren. Im Feuerwehrhaus gab es ein Dorfmuseum, voll gestopft mit Reliquien aus dem Gasthaus. Eigentlich war es das Museum meiner Mutter, wenn man so möchte. Ich wollte laufen. Ich lief, ganz langsam, sodass Birgit ruhig neben mir her gehen konnte. Kreuz und quer durchs Dorf. Dreh- und Angelpunkt, wer hätte es gedacht, das Gasthaus. Ich bekam Erinnerungen, gemischt mit einem mulmigen Gefühl. Auch jetzt gerade ist es nicht anders. Der seltsame Lichteinfall. Semesterferien oder unter der Woche krank und zu Hause von der Schule? Ich sah Stücke, die früher im Kurzwarenladen meiner Großeltern verkauft wurden. Eine Mappe, einen Stift, um den Papier gewickelt war wie bei einer Zigarre. Ich erzählte Birgit, als Kind bereits einmal druntergekuckt zu haben. Nun rollte ich das Papier erneut auf. Es war unheimlich. Ich hörte das Raunen des Windes im leeren Gasthaus. Ich hörte dieses eine Musikstück von Lisa Gerrard, bei dem ich mich immer als Kind genau in dieser Situation im Gastzimmer allein und verloren stehen sehe. Mir wurde schlecht, mir wird schlecht. Irgendwo unter dem Papier befand sich ein Zeitungsschnipsel von 1980, exakt zwei Wochen nach meiner Geburt. Aber darauf stand nichts Wichtiges. Werbung? Aktien? Definitiv etwas, womit ich nichts anfangen konnte. Weil ich noch nicht so weit bin, die Zeilen zu lesen? Oder weil ich enttäuscht war, dass meine Eltern für mich keine Zeitkapsel angelegt hatten?

Es dreht sich doch alles um diese paar Erinnerungsfetzen: das leere Gasthaus, irgendwelche Vorbereitungen für den Ballettunterricht, das „Spielzimmer“, welches meine Mutter uns unten in der alten Bar eingerichtet hat. Das „Spielzimmer“, welches sie später auf dem Dachboden zurecht gemacht hat. Den markanten Geruch von Bar und Dachboden in der Nase. Dahinter, drumrum IMMER dieses Pfeifen des Windes und das Gefühl, völlig allein gelassen zu sein am Tag. Alle sterben. Vielleicht rührt daher die Angst. Oder geht eben noch tiefer… Das Licht draußen, wie vormittags in der Gasthausküche vor der großen Glasfront, auf dem Hocker an der Arbeitsplatte sitzend. Einfach nur froh, dass Stille herrscht, keine Gäste, kein Trubel. Aber zugleich ein bedrohliches Gefühl, als ob diese Stille selbst etwas Bedrohliches in sich birgt.

Wenn alles still ist, du selbst still bist, hört dich niemand schreien. Stille kann ohrenbetäubend sein. Stille kann wie Watte sein und alles verschlucken. Dunkelheit und Stille werden zu einer zähen, schwarzen Flüssigkeit; erst bleibst du nur stecken, dann versinkst du langsam, manchmal über Jahre hinweg, ehe du einen letzten Atemzug tust und endlich untergehst. Du bist tot. Und lebst doch noch, irgendwie. Aber du erinnerst dich nicht mehr daran, wie die Sonne schmeckt. Auch weißt du nicht mehr, an welcher Stelle sich Dunkelheit und Stille gegen dich verschworen haben. Wann wurde dieser Pakt geschlossen? Wann wurden Dunkelheit und Stille zu einer Flüssigkeit, die in jede deiner Poren eindringt, dich kontaminiert, vom Scheitel bis zur Sohle, keinen noch so winzigen Fleck an dir „unberührt und rein“ lässt?

Du bist besudelt. Du bist Schmutz. Bist der Inbegriff von Dreck. Du kannst nicht mehr denken. Leichen denken nicht…

Das könnte ich nun ewig so fortspinnen, erneut würde so ein Monolog das Produkt sein, welches ich bereits vor 20 Jahren von mir gab, mehr oder minder in der gleichen Form.
Draußen ruft der Kuckuck und die Sonne scheint sich gegen die Wolken zu bewähren. Nach draußen fahren und hoffen, den Kindermörder zu erwischen? Ich fühle mich schlecht. Schuldig. Warum arbeite ich nicht? Ich könnte es zumindest ohne Vorlage versuchen. Pro forma ein paar Grundierungen anbringen. Aber ich tue es nicht. Bin wie gefesselt, versteinert, gelähmt und völlig unbeweglich. Dafür hasse ich mich. Muss mich jetzt hassen; hatte ich doch gestern Nachmittag genug Schlaf! Wie paralysiert den ganzen Hass auf mich ein prasseln lassen. Als würde man stillhalten, würde man verprügelt. Weil man weiß, dass man es nicht anders verdient hat. Der Schrei nach Konsequenzen trägt erste Blüten; Tramal, Hydal oder Benzos? Für die Klinge zu wenig Flüssigkeit intus. Der Kasten schreit auch nicht mehr, als hätte er mich die letzten 40 Minuten belauscht. Der Ischias schmerzt, der Rücken schmerzt, ich ertappe mich selbst dabei, immer wieder die Luft anzuhalten. Ein gesunder Mensch könnte mir so viele Alternativen aufzählen… „Warum nimmst du nicht dein Handy, da ist Musik drauf und für die Zeitmessung die Stoppuhr um deinen Hals? Oder warum fährst du nicht nach draußen? Warum putzt du dir nicht jetzt die Zähne? Wieso absolvierest du dein Gehtraining nicht gleich? Für was all diese Lethargie?! Könntest auch versuchen, das Sofa aufzuräumen. So vieles könntest du… Aber eben du versuchst es ja nicht einmal!!“.
Will fressen. Dann kotzen. Der nächste ruinierte Vormittag. Was den ganzen Tag aus den Angeln heben wird; wie montags und all die Tage, die eben nach diesem Schema abgelaufen sind bis jetzt!

ARMES, ARMES OPFER!!!

Zuvor hätte ich noch schlafen können. Aber nun? Alles kaputt, alles verraucht und alternativlos…

Sei doch nicht immer so negativ!“

Selber schuld. Aber zu dem Schluss bin ich ja bereits gekommen. Worauf warten… Dass der Strom doch noch angeht und ich doch noch arbeiten kann, und nur deswegen darf ich jetzt nichts anderes machen, um meine Hand, bzw. deren Ressourcen nicht vorzeitig zu verschwenden? Alles eine Sache der Einteilung? Alles minutiös geplant? Und deshalb so fehleranfällig und erst recht zerbrechlich?

Die nächste Erinnerung. Meine Familie mit uns Kindern in einer Gaststätte in Loipersdorf. Wir sind wohl mit dem orangen Cabrio unterwegs. Ich rieche das Leder, den festen Stoff der Sitze, schwarz und weiß. Sommer. Wo ist da die Bedrohung? Sehen wir nur das UFO über unseren Köpfen nicht?…

Da wird es 9:40 Uhr, ich muss endlich eine Entscheidung treffen. Der Akku macht ohnehin nicht mehr lange mit. Außerdem trocknet mir der Gaumen aus. Ich muss mir irgendeine Form von Absolution erteilen!! Dringend! Sonst vermag ich diese Pattsituation nicht zu verlassen!! Diese blöden Arschlöcher! Ist es heutzutage zu viel verlangt, per E-Mail darüber verständigt zu werden, dass der Strom abgestellt wird? Vielleicht einen Tag oder zwei davor? Ich hätte mich besser vorbereitet!

Klar! Jetzt sind wieder alle anderen Schuld, wenn du zu faul bist, du fette Sau!!

In mir vibriert alles, wenn ich nach außen hin auch völlig ruhig hier in den Rollstuhl zusammengesunken hocke wie eine alte Frau, die auf den Tod wartet! Die Rechte klimpert immer schneller. Was habe ich gestern dank Internet gelernt? Die Zahl 4 bedeutet in vielen ostasiatischen Ländern Unglück. Wie treffend!

Das wertlose Stück Scheiße labert weiter Scheiße… HALT ENDLICH DIE FRESSE!!!

12:09
Die Reihenfolge spielt keine Rolle. Also gehe ich davon aus, erst ins Badezimmer gefahren zu sein, die dicke Fettschicht von meiner aufgedunsenen Fettvisage gewaschen zu haben. Mir war so kalt, ich hatte versucht zu schlafen. Nun endlich heißes Wasser und auf dem Rückweg einen Pullover im Gepäck. Dann schluckte ich erst etwa 20 Tropfen vom Tramal; die Pumpe war leer. Aus dem neuen Fläschchen sicherlich 30-40 Tropfen. Die Ausschau auf das Wetter draußen, mal ein bisschen Sonne mit ganz viel Wind, dann wieder nur grauer Himmel und Wind, vergrätzte mir auch noch das letzte bisschen Willen, dann eben raus zu fahren. Ich blieb am Tisch und konnte doch längst nicht mehr auf dem Rollstuhl sitzen. Ischias, Rücken… Ich nahm das Buch zur Hand, las weiter über die Multiple Persönlichkeit, stopfte mir ab und an in das Blut von kleinen Orang Utans getauchte Waffelröllchen in den Mund (Palmölprodukte) und wartete auf die Betäubung. Um 11:45 Uhr gingen alle Starkstromgeräte wieder in Betrieb. Der Rest blieb stumm. Ich drohte ohnehin schon wieder auszulaufen; schlurfte ins Badezimmer, wechselte die riesengroße Einlage und sah im Stromkasten, dass die Sicherung für die Wohnküche außer Betrieb war. Jetzt leuchtet wieder alles und ich darf mich sicher fühlen… (Ironie aus!)

Es wäre Idiotie gewesen, spazieren zu gehen. Das Handy funktioniert hier nicht und der Notrufkasten außer Betrieb. Bei meinem fragwürdigen Glück?…

Ich bin nicht betäubt. Lediglich müde. Gerade eben beim Anstecken der Kamera wäre ich beinahe umgefallen. Starker Schwindel. Spaziergänge damit für den heutigen Tag von der Liste gestrichen. Ich dachte auch darüber nach, warum ich nicht zum Zeichenblock greife, anstatt tatenlos zu sein und mich hinterher noch mehr hassen zu dürfen. Was weiß ich… Wie in mir gefangen! Während des Lesens fielen mir noch Details meines Traumes ein… Hatte ich nicht immer wieder in den Spiegel geguckt und eine ganz andere Frau darin gesehen? Und nur noch gehofft, dass der Albtraum endlich aufhört? Die Frau war älter und nicht unbedingt mit wohlproportionierten Gesichtszügen gesegnet (gestern bei der Trödelsendung eine Dame, die meiner verstorbenen Arbeitskollegen gewissermaßen ähnelte und ein total plattgedrücktes Gesicht hatte, gesehen und angestrengt darüber nachgedacht, ob sie sich hübsch findet, ob ihr Mann sie hübsch findet) und vermutlich von der Sendung inspiriert.
Des weiteren sah ich Schwarzspechte im Kampf mit Raubvögeln, doch ich vermochte die Kamera nicht zu halten, kein einziges scharfes Bild hinbekommen, alles verwackelt und verschwommen und dabei die Bewegungen der Tiere wie in Zeitlupe, nebulös und geheimnisvoll, als wollten sie mir etwas sagen… Als tanzten sie in einem Theater! Die Baumgruppe war jene hinter dem Haus. Und doch befand sie sich neben dem Feuerwehrhaus, also dem Museum meiner Mutter, und die beiden Welten passten überhaupt nicht zueinander. Als hätte man eine klare Trennlinie gezogen aus Asphalt, über die hinaus keine Geheimnisse und Erinnerungen an das Wirrwarr in dem Wäldchen dringen konnten. Sie verendeten, verwesten, verblüten, vertrockneten, wurden zu Staub auf dem heißen Asphalt, gleich nachdem sie die grüne Schwelle überschritten haben, und früher oder später vom Regen weggeschwemmt oder von braven Bürgern mit dem Besen weggefegt… Hier, wo das halbe Dorf von der Hügelkette auf der einen Seite und jener auf der anderen Seite hinab ins Tal zum Sportplatz mit dem Feuerwehrhaus daneben, darüber thronend das Gasthaus auf dem Hügel davor, gucken kann, zusehen kann… Und keiner tut was, keiner reagiert… Diese Welt von Biedermännern, links und rechts, die akkurat gepflegten Gärten um die ebenso akkurat hingestellten Häuschen, jedes mit einem Zaun umringt, alles sauber, alles fein, kein Schmutz, alles entspricht der „Norm“. Da passt dieses wilde Wäldchen aus dem Graben hier unten bei uns nicht dazu. Dort sieht man nur, was man sehen WILL! Was sozusagen in den eigenen quadratischen „Mikrokosmos“ passt. Sonst werden die Vorhänge vorgezogen. Sonst ist man nicht zu Hause. Als ob es in diesen Häusern nicht auch unzählige Erinnerungswälder gäbe, in den Köpfen der Kinder, der Eltern, die mal Kinder waren, usw. und so fort. Alles „heile Welt“!… Und dann komme ich daher mit diesem anarchistischen Chaos, dem Aufruhr, dem Durcheinander, in dem NICHTS schön und ordentlich ist, und die Welt vermag aus den Angeln zu heben… Wie kann ich es wagen! Kurzum: ICH bin der Störenfried! Also warum daraus keine Konsequenzen ziehen und das Übel entfernen?…

17:34
Eigentlich wollte ich malen, es zumindest versucht haben. Aber dann war es bereits nach 5, als ich nach Hause kam, die Verspannung in meinem Rücken dermaßen heftig, ich bekomme kaum noch Luft. Tramal, Novalgin und jetzt noch Morphium. Sebastian ist kurz weggefahren. Statt Pinsel die Rasierklinge in der Hand. Ich fühle mich so gehetzt. Die ganze Ausfahrt über Stress, Stress, Stress!!!

Die Haut wie Gummi, wie nicht durchblutet, die Hände trotz Waschen mit heißem Wasser vor wenigen Minuten erneut eiskalt. Keinen Spaß haben werden… Aber darum ging es ja eigentlich auch nicht! Den langen Armwarmer nach oben geschoben, er schiebt seinerseits die Haut zusammen. Ein Bündel aus unzählbaren Narben…

Da kommt Sebastian plötzlich herein geplatzt! Hastig alles vertuschen, ist ohnehin noch nicht viel passiert. Ein Kratzer, zwei Kratzer? Jetzt kann ich die Rasierklingen nicht mehr auseinanderhalten!
Ein Test und schnell ist klar, welche der beiden verbraucht ist. Warum ich das jetzt mache? Um Markus eins auszuwischen? Um die Betäubung zu vertiefen? Weil ich mich in einer Pattsituation wähne, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Außer alles zu zerstören!

Das ist doch mal ein Argument! Aber alles an mir ist wie erfroren und ich sowieso wie immer zu feige…

Es wird 17:45, 20 Kratzer, nicht der Rede wert. Die Klingendose verschwindet in der Ledertasche und da ich kein Taschentuch habe, werde ich mir das Blatt von der Küchenrolle, welches ich bereits seit Monaten zum Abtupfen meiner Pinsel benutzt habe, auf die blutige Wundfläche kleben. Die Verspannung wie ein viel zu enges Korsett. 2,6 mg Hydal. Nun versuchen, irgendwie die schwarze Stulpe darüber zu streifen. Aber es missglückt. Sollte Sebastian noch einmal hereinschneien, kann ich den Arm ja unterm Tisch verschwinden lassen.

Meine Augen wandern immer wieder nervös zur Uhrzeit. Wird immer schlechter, die Panik kreist in meinem Schädel, wirbelt wild herum, will mich aus der Fassung bringen. Dabei setzen die ersten Anzeichen der Betäubung ein. Die Angst in mir will, dass ich die Therapie abbreche. Will, dass ich endlich so tue, als sei alles in Ordnung! Es ist Frühling! Alles lebt! Ich will mich nicht über Dinge unterhalten, die nicht mehr als Hypothesen sind, Kopfkino, Fantastereien und infame Assoziationen!!! Ich bin keine Multiple! Mir ist nie etwas zugestoßen! Alles, was ich will, ist Aufmerksamkeit!!!

Mir selbst einen weiteren Grund genannt, wem oder was die 20 Schnitte dienen. Mir bleibt die Luft weg, allein beim Gedanken, erst das penetrante Rauschen der schlechten Leitung und dann seine Stimme hören zu müssen. Wieder nicht auseinanderhalten können, was meint er ernst, was ist Provokation, womit will er mich jetzt aus der Reserve locken oder ist er wirklich so verrückt… Keine Minute mehr…

20:14
Als ich gerade ins Badezimmer fahre, Sebastian liegt in der Badewanne, tut er so, als sei für mich in den zurückliegenden 120 Minuten nichts vorgefallen. Als würde man die verheulten Augen nicht sehen können. Als würde man die gedämpfte Stimme nicht hören können. Bin ich enttäuscht? Fühle mich allein? Ich weiß es nicht…

Seine erste Reaktion auf Markus‘ Wunsch, ich solle unbedingt erneut meine Invalidität feststellen lassen, um sodann ebenfalls erneut um eine Invaliditätsrente anzusuchen und bei zu erwartender Ablehnung auf einen „Härtefall“ plädieren, fällt leider für mich katastrophal aus. Er gibt eigentlich nur ein Geräusch von sich, einen Ton, der mir sagt: „Ach, ernsthaft?! Das macht doch gar keinen Sinn?!“. Abschließend versucht er sich scheinbar zu retten, sagt: „Ich kenne mich da überhaupt nicht aus,… Aber ich stehe voll hinter dir!“.

Scheiße nur: Der erste Eindruck zählt… Ich fahre wieder. Meine Haare wäscht er mir morgen früh. Ich glaube, jetzt muss ich mich erst recht verletzen. Die lange Stulpe abstreifen. Alles verschmiert, aber die Spuren glänzen auf der Haut. Würde ich den Rauschzustand noch weiter vertiefen, würden die Panikattacken nicht weniger. Ich aber vermutlich zügig einschlafen. Er sagte, er würde nicht lange baden. Reicht das aus, um behände dem verunglückten Kunstwerk noch ein paar letzte Veränderungen hinzuzufügen? Die Ohren fühlen sich ganz heiß an, pulsieren unter dem Headset. Gefühlt ist er gerade Lichtjahre von mir entfernt. Aber „ich muss ja verstehen, er ist müde, ich komme schon wieder mit der gleichen SCHEISSE wie immer um die Ecke“ usw. Ihm gegenüber nicht fair? Wieso? Ich tue ja nur mir weh.

Kaum war ich wieder vorne, höre ich wiederum ihn hinten einmal laut seufzen, ächzen oder stöhnen. Ihn gefragt, ob er mein Video heute sehen möchte. Natürlich beziehe ich die Lautäußerung wie gewohnt auf mich. Und wenn er noch so oft sagt, ich solle das bleiben lassen.

Da sind zwei offene Kuverts; welches davon enthält die nagelneue Klinge? Ist er schon aus der Badewanne raus?

Das gewählte Stück sieht zwar abgenutzt und dreckig aus, ist aber das richtige! Wieder wie ein heißes Messer in Butter… Ich hätte in der Erwartung, dass es eine Stumpfe ist, ohne nachzudenken anfangen sollen zu schneiden… Jetzt bin ich wieder befangen, zu sehr…

Beschissenes Weichei!!

Wie wahr, wie wahr… Auch die nächsten, gut gemeinten Versuche gehen ins Leere. Obwohl… Jetzt blutet es wenigstens. Wenigstens ein einziges Mal… So werden es 20. Kein Einziger von Erfolg gekrönt. EIN MAL!!…

Nummer 25 stellt mich ansatzweise zufrieden. Zudem hängt mir die Zeit im Nacken. Ich vermag die Finger nicht mehr zu strecken, um so zu kontrollieren, wie tief das Finalwerk geworden ist. Da es sich aber um die Unterseite handelt, wird es nicht lange bluten und wohl oder übel keine Narbe hinterlassen. Ehe er kommt und mich in flagranti erwischt… Vielleicht ahnt er auch, was ich treibe, und bleibt deswegen dem Wohnzimmer länger fern…?

Ich bin so eine Belastung… Es tut mir leid!

16. März 2018, Freitag „und die nächste Hälfte überschritten…“

8:30
61,1 Kilo um 6:45 Uhr. Es regnet, es ist grau, ich bin müde und der warme Tee trägt seinen Teil dazu bei. Dabei wollte ich nun unverzüglich ohne Umschweife an die Arbeit. Während der Sitzung 1 Stunde lang gemalt. Ohne Ergebnis. Nicht mehr als ein sich vorsichtiges Herantasten. Vor der Terrassentür eine schreiende Katze, in meinem Schädel jede Menge Watte. Bis zur Nacht hin kam es zu einer großzügigen Ansammlung von kleinen Panikzuständen. Ich soll sie personifizieren und anfangen, mich mit ihr zu unterhalten. Ich denke, dem voraus muss eine Zeichnung gehen. Um mir das alles besser vorstellen zu können.

Aber wenn ich nicht nun nahtlos den Pinsel in die Hand nehme, habe ich wieder verloren…

10:41
Die Speisepläne geschickt bekommen. Setzt mich erneut unter Druck, obwohl mir sonst niemand Druck macht. Der eigentliche Plan war es, mich nun aufs Sofa zu legen und zu schlafen. Erst die Speisepläne?

Ich weiß nicht, was ich denken soll. In meinem Schädel kreist ohnehin nur eine einzige Idee, und die hat mit Analgetika und Psychopharmaka zu tun. Um diesen Zustand auszuhalten.

15:21
Der Mäusebussard schraubt sich in die Lüfte, über ihm eine mit blassen Sonnenflecken marmorierte Wolkendecke. Ich bin todmüde. Dabei denselben Scheiß soeben ein zweites Mal diktieren; der Computer war erneut abgestürzt. Bis Sebastian nach Hause kam, waren es beinahe 2 Stunden, die ich auf dem Sofa geschlafen habe. Unverzüglich war ich eingepennt. Mich wie auf Droge fühlen. Keinerlei Kontrolle über den Körper, und so bedurfte es erneut mindestens 6 Minuten oder länger, ehe ich mich aufs Sofa montieren konnte. Gerade eben hinten im Badezimmer gleich mehrfach mit meinem nicht vorhandenen Gleichgewichtssinn in einen Clinch geraten; ich konnte schon die Beule an meinem Hinterkopf fühlen.

Träge, unbrauchbar und innerlich aufgerieben, unruhig. Die Situation schreit nach einer Aktion. Zwar sitze ich jetzt hier, die Wärmedecke im Rücken macht es wohlig angenehm, aber das grundsätzliche Debakel lässt sich damit nicht vertuschen. Wie damit umgehen?

Zurück an die Videoarbeit und dann weiter sehen. Brigitte kommt um 18:00 Uhr… Auch nicht mehr weithin.

Es wird 15:38 und mich ereilt eine Derealisation, als ich Sebastian hinten im Badezimmer mit sich selbst reden höre. Dann verschwindet er nach oben und ich kann sagen, was ich sagen muss. Er kam sehr spät nach Hause, zeigte auf den dunklen Weidenkorb und entschuldigte sich… Meine Mutter hatte ihn angeschrieben und gefragt, ob er Brathähnchen haben möchte. Ich kann nicht beschreiben, was da binnen Sekunden in und mit mir ablief. Dass ich nichts davon essen würde, war klar. Also blieb ich vermeintlich ruhig und fragte ihn: „Fragt sie denn nie nach, warum ich sie nicht sehen will?“. Er druckste herum, doch dann: „Ja, schon, natürlich. Aber dann sagt sie immer, wie sehr sie Sehnsucht nach dir hat, dass sie es nicht verstehen würde, aber dich nicht bedrängen wird.“,… […..]

Als Sebastian gerade hinter mir stand und redete und redete, schwieg ich. Ich starrte hinaus ins Nichts. Wieder der Gedanke, was könnte ich ihr schreiben… […..]

Die Sonne kommt raus, das Blau zerreißt die Wolken. Wäre ich jetzt allein. Wäre es jetzt 13:00 Uhr. Ich würde hinausfahren, eine Überdosis schlucken, meine Arme massakrieren und dann wegtreten. Vielleicht noch mit einem kleinen Zettel in der Hand: „Lieber Sebastian, es tut mir leid…“.

Fakt ist: Der physische Zustand ist nicht mehr zu ertragen. Dieses Zerren um mich, das ja angeblich nicht stattfindet, nicht mehr erdulden können. Diese scheinbar so heile Familie… Von Außen sowie von Innen… Und ich bin die Einzige, die da nicht reinpasst, nicht funktionieren will. […..] Wann fährt Sebastian endlich weg?… Den lächerlichen Auftakt, den halbherzigen Initiationsritus nach einer langen Zeit der „Abstinenz“ vorgestern… Mit einer neuen Klinge sollte sich das doch retten lassen, oder?

[…..]

Noch 2 Stunden bis zur Sitzung. Panik. Und am Abwägen, was ich schlucken könnte. In mir sind alle Lebensfäden bis zum Zerreißen angespannt und darunter mischen sich wie aus heiterem Himmel plötzlich auftauchende Kindheitserinnerungen. Die Rechte klimpert nervös. Ich hasse mich. Und ich kann mir noch so oft sagen, dass meine Symptome eine klare Sprache dafür sprechen, was passiert sein muss. Aber ich will lieber sterben, als die Theorie in meinem Kopf zu Bildmaterial werden zu lassen. Ganz zu schweigen davon diese an den Mann zu bringen. Was las ich da gestern? Eine Frau hätte sich beinahe umgebracht, hatte einen Atemstillstand von einem ganzen Fläschchen Psychopax und 15 Lorazepam. Verheißungsvoll… Aber am schlimmsten ist ja wohl, dass mir das Holen vom Essen meiner Mutter seitens Sebastians beinahe wie ein Verrat vorkommt. Dass der vermaledeite Korb jetzt da drüben steht und ich meine Mutter wieder sterben sehen muss, weil ich so böse und garstig bin. Und bald geht die Sonne unter… Zur Rasierklinge greifen und egal, ob er mich in flagranti erwischt?

Damit er sich wegen dir Psycho noch schlecht fühlt??!

Bei einem Selbstmordversuch nach dieser Situation wäre es nichts anderes. Ich sehe nach draußen und blicke in das Antlitz meines Endes. Lasst mich alle allein! Entbindet mich all der Verantwortung für euer Wohlbefinden!

Wieder schraubt sich der Bussard in die Lüfte.
Hätte eine schöne Aufnahme abgegeben. Aber spielt keine Rolle mehr. Was werde ich schlucken? Ich stehe in einer Sackgasse, die Visage so dicht in die Ecke gedrängt, ich kann nicht mehr denken, nur noch hoffen, alsbald zu ersticken…

2,6 mg Hydal. 5 mg Gewacalm. Zehn Hübe, 50 Tropfen Tramal. Über 30 Tropfen Psychopax. Mit einem Tuch und der Rasierklingendose vors Haus fahren. Mir fehlen die Worte, meiner Mutter zu erklären, was sie mit mir macht. […..] Und es mir zugleich so unendlich leid tut. Weiß ich doch selber nicht einmal, wer ich bin.

16:44
Ich war kurz draußen, bis Sebastian fuhr und mich alleine ließ. Kann er mein Verhalten, mein Schweigen nicht lesen? Es ist ein wunderschöner Abend, der Gesang der Vögel, der Duft in der frischen Luft… Wären die Räder nicht so dreckig, hätte ich ins Bad fahren können, den linken Unterarm mit heißem Wasser baden, damit die Haut etwas weicher, geschmeidiger wird. So wie ich da draußen gerade ein Teil meiner Natur war, gab es nur noch eine Antwort auf all meine Fragen. Der letzte Weg, der letzte Schritt, das Leben dauert doch ohnehin schon viel zu lange.

Aus der gelben Schachtel ein neues Kuvert ziehen. Es tut mir jetzt schon leid darum, weil ich ihr nicht gerecht werden kann und man sich zwangsläufig in jüngere Jahre zurücksehnt, als Selbsterhaltung und Kontrolle zumindest diese Sparte betreffend noch nicht von Bedeutung waren.

Einmal tief Luft holen und seufzen. Die Hände eiskalt. Noch 1 Stunde bis zur Therapie. Sebastian meinte zuvor abschließend, er würde sich Mühe geben, bis 20:00 Uhr zurück zu sein. Es ist mir egal. Je größer das Zeitfenster, desto besser. Und es tut mir leid zugleich. Warum tue ich so, fühle mich so schlecht, als wäre ich jemals Bestandteil einer heilen Familie gewesen? Das ist doch nicht mehr als eine Lüge!

Den entblößten Arm auf das Tuch, welches ich über den Schoß gebreitet habe, legen und mit Blick nach draußen abwarten. Meldet sich schon die Mischung im Kopf? Ich will mein Leben zurück… und die Klinge setzt zum ersten Schnitt an… Nicht tief genug. Vier Tropfen Blut. Der Schwerste davon macht sich auf den Weg. Ins Badezimmer fahren…

Nach wenigen Minuten mit krebsroten Händen wiederkehren. Ansetzen… Den Schmerz gewähren lassen… Fünf… Draußen ruft der Schwarzspecht… Die Haut ist verbraucht, Leder oder Gummi. Wo bleibt der „Ausrutscher“?… Die Aufnahmen im neuen Video dienen vermutlich auch nur dem einen Zweck, unter Beweis zu stellen, was für ein Blutbad sich mit oberflächlichen Kratzern anstellen lässt. Fine streift um mich herum wie eine Verbrecherin. Mit einer alten Klinge über die Haut schaben, die einzelnen Rinnsale zu einem großen zusammen kratzen. Das Licht auf der Landschaft wird abendlich und ich weiß nicht, ob 15 Schnitte schon genügen.

Nein. Es reicht nicht. Wie eben auch der Rausch nicht reicht. Im Hinterkopf immer noch den Orangenlikör in der Vorratskammer. So schade um die neue Rasierklinge. Warum kann ich mir vorstellen, mich umzubringen, aber schaffe es nicht, tiefer zu schneiden? Weil ich mit dem Suizid keine Schmerzen verbinde, weil ich in meinem Leben genug Schmerzen erdulden musste?

Auf dem Sofa schnarcht Martha. Mir bleibt noch eine Dreiviertelstunde. Die Pfütze auf dem alten Geschirrtuch wird größer und größer. Nichtsdestotrotz beginnt das Blut zu gerinnen. Ein letzter schöner Schnitt… Aber ich denke viel zu lange darüber nach. Watte kriecht in meinen Schädel. 16 und 17 mit mehr Nachdruck, näher an den Schmerz heran. Zwecklos. Der linke Unterarm hat seinen Dienst getan, verbraucht. Dann sind es 20 und keine einzige der Wunden klafft auch nur dezent auseinander. Ich müsste die breite Seite nehmen. 24. Als sei die Klinge stumpf, mehrmals in Gebrauch gewesen. Die Kante wechseln.

Bei 32 ist Schluss. Der Arm überreizt. Er sähe hässlich aus, wurde mir gesagt. Ich sehe das anders.

17:29
All das, was mich verraten könnte, verschwindet in seinen Verstecken. Fine ist ganz unruhig, ums Haus alles voll mit diversen Katern. Darunter sogar eine Angorakatze. Ich sollte Brigitte tunlichst nicht die rechte Hand geben. So ich es nicht mehr ins Badezimmer zum Händewaschen schaffe. Keine halbe Stunde mehr. Was werfe ich noch ein, was stellt mich ab, besänftigt die Teile in mir, die nach Suizid schreien?…

Weitere 40 Tropfen, also eine doppelte Dosis Tramal.

18:56
Sie hat mir die Hand ohnehin nicht gegeben, weil sie sich krank fühlt. Es dauerte nicht allzu lange, eigentlich direkt nach Beichten meiner pharmazeutischen Sünden in Tränen ausgebrochen und mich nicht mehr unter Kontrolle gebracht. Unterdes einen Apfel gegessen, weil mir von den letzten Tramaltropfen ganz schlecht geworden war. Ich fühle mich leer. Es würde wieder besser werden, hat sie gesagt. Beim Abschied meine Schulter gestreichelt. Ich bin ratlos und der Korb steht immer noch da, evoziert Bilder in mir…

Meine Mutter und ich beim Spazieren und sie wickelt mich in die eine Hälfte ihrer weiten Strickweste, Arm in Arm und sie erzählt Geschichten von früher, ich lausche gespannt und auch etwas bewegt.
Meine Mutter fährt mit mir und einer meiner Freundinnen mit dem Auto durch die Landschaft, in irgendwelche Waldstraßen hinein, oder an der überschwemmten Lafnitz entlang, durch riesengroße Pfützen, das Wasser spritzt, man wird im Auto hin und her geworfen und es ist ein Heidenspaß!
Ich sehe meine Mutter, wie sie abstreitet, ihr jemals von den drei Übergriffen erzählt zu haben.
Wie sie dementiert gesagt zu haben, diese Männer könne man nicht anzeigen.
Wie sie dann die Schuld in der zeitlichen Epoche gesucht hat, „dass es damals so war“ und abschließend der Vergleich, ich sei ja viel sensibler (hypersensibler) als sie, also selber schuld.
Wie sie anfing, einen Konkurrenzkampf aus meiner MS mit ihrer zu machen.
Wie sie nach Auszug ins neue Haus 1000 mal am Tag angerufen hat, bis ich Nervenzusammenbrüche davon bekommen habe.
Wie sie mir das Gefühl vermittelt hat, alles haben zu müssen, was ich habe. Ob im Guten oder Schlechten.
Und die ganzen Sterbefantasien, seit 33 Jahren, beinahe mein ganzes Dasein hindurch…

Um mir abschließend die Frage zu stellen: Tür und Tor stehen weit offen, die Arme breit geöffnet, also warum höre ich nicht auf damit, ein Psycho zu sein? Das Leben aller wäre doch gleich so viel einfacher! Gefühle sind doch keine Erinnerungen und erst recht keine Fakten… Was muss ich mich dermaßen wie ein Spalter, ein Monster, wie Rumpelstilzchen selbst aufführen?

Meine Antwort darauf? Ich bring mich um und alles ist gut.

Wir sehen uns nächste Woche…?“, Brigitte mit ernstem Blick und gerunzelter Stirn. „Mal sehen…“, lautet darauf meine regelrecht nach Aufmerksamkeit schreiende Antwort…

DU BIST SO SCHEISSE!!! KAPIER DAS ENDLICH UND ZIEHE KONSEQUENZEN DARAUS!!!

20:09
Sebastian ruft an; er kommt wohl erst in ner Stunde.
Zum Skalpell greifen… Unterdes Musik für’s Video runterladen…

Die Packung ist offen; keine Ahnung, wie lange schon.

Und was wird das jetzt?!! Willst du dich noch mehr der Lächerlichkeit preisgeben??!!

Wahrscheinlich. Mich fühlen wie ein ausgestopftes Exponat in einem Museum für makabere Absonderlichkeiten. Ob die Betäubung vom Hirn hinunter reicht bis in den Unterarm? In der Dunkelheit bellt ein Hund. Der Probeschnitt am Verbandsstrumpf hinterlässt keine Spuren. Meine Augen fallen ständig zu und das dulde ich erst recht nicht. Also setze ich erneut an… Wie viele waren es vorher? 34? Ich kann mir nichts merken, aber es waren scheinbar 32. Ich spüre meinen Rücken nicht, ebenso ist der Ischias verstummt und die Verspannungen im Nacken vermeintlich nicht mehr existent.

Dieses Werkzeug liegt besser in der Hand, zwecks langem Griff. Dennoch im Vergleich zur Rasierklinge „schneidet es signifikant schlechter ab“. Da klafft nichts. Obwohl ich langsam und mit Druck zu Werke gehe.

Das wird wieder ein Tagebucheintrag, den die Welt nicht braucht.

Nach drei Stück landet das Werkzeug wieder in seiner Plastikfolie. Darauf warten, aus Versehen alles mit meinem Blut zu besudeln. Auf der Suche nach einer offenen Folie von der anderen Sorte. Was wäre, käme Sebastian herein…? Die Kerze im Stövchen erlischt; der Tee steht ja auch nur bereits 3 Stunden darauf und noch nicht einmal zur Hälfte getrunken. Nächster und vermutlich letzte Anlauf… Mir meine Schlechtigkeit unter die Haut meißeln!…

Meine Güte! Das Ding ist noch stumpfer! Zehn. So ich überhaupt noch fähig bin korrekt mitzuzählen.
Zu schwach, den Verband überzustreifen. Sebastian wird wohl wieder sagen: „Ich hätte dir gar nichts erzählen sollen! Das wäre besser gewesen! Warum fragst du mich dann auch immer, wenn es dir danach so schlecht geht?!“. Und wahrscheinlich wird er sich auch noch entschuldigen.

Der geborene Masochist…

Also es tut mir leid! Mit tut alles leid! Ein großes Entschuldigung die ganze Welt! In China ist der Reissack umgefallen? Sorry, das war wohl auch ich…

6. Februar 2018, Dienstag

9:45
Nicht sonderlich erfreut, als die Pflegehelferin morgens das Zimmer betrat. 6:45 Uhr und ich noch lange nicht fertig mit meinem Traum. Rausgerissen, das Band zur Nacht zerrissen und nur noch Fragmente in meinem Gedächtnis. Träumte ich von einem Film? So etwas ähnliches wie die Muppetshow? Oder waren das alles Kinder um mich herum, Schulfreunde? Nur zwei Details: War es draußen im Garten, auf meiner Schaukel? Ein Pulk von Kindern, sie wurden mehr und mehr, wie eine Welle schwappten sie in den Garten, umringten mich. Ich sah plötzlich beide Hände des Täters auf mein Becken zukommen, er berührte mich, kitzelte mich… Ehe er plötzlich verschwand, seine Konturen verschwammen, er sich auflöste und ich befand mich ganz allein im Garten, da waren keine anderen Kinder. Da war auch kein Täter. Es war nicht Nacht, es war Tag und vom Wetter her vermutlich ein Morgen im März. Ich spürte die Hände noch, eine Ahnung von Erregung. Aber es war Morgen, alles war gut, keine Ängste, keine bösen Geister, niemand starb und es muss ein Traum gewesen sein.

Das zweite Detail, am Schluss, als sie mich aus dem Schlaf riss: Ich befand mich soeben im Tanzsaal. Das Gasthaus war leer, es war Tag und trübes Wetter wie Herbst oder Winter, vielleicht war auch Nacht oder alles gleichzeitig. Da lag ein weißer Teppich. Jetzt kam es definitiv zu einer Vermischung zwischen Zeichentrickfilm und Realität. Die Personen mit mir im Raum waren Zeichentrickfiguren und zugleich meine Schulfreunde, Nachbarskinder. Ich hatte meine Trekkingsschuhe an. Und diese waren im wahrsten Sinne des Wortes dreckig. Da lag so ein riesengroßer weißer Teppich auf dem rot-schwarz farbigem Bodenbelag. Ich kann mich nicht mehr erinnern… Am Ende dessen stand das Bett meiner Eltern. So wie es tatsächlich jetzt der Fall ist. Ich wollte weg davon, oder ins Gastzimmer. Es funktionierte aber nur, wenn ich einmal quer über den Teppich lief. Meine Schuhe versanken in Erde und Matsch. Erst hatte ich versucht, mich nur am Rand des Teppichs entlang zu bewegen. Gegenüber vom Bett war eine Bank oder so etwas ähnliches. Auf der hinter mir und auch unter mir Bilder von mir gelehnt standen. Ich setzte mich. Ich musste mich setzen. Vermutlich wollte ich die Schuhe ausziehen. Dabei berührte ich ständig meine Gemälde, beschmutzte diese mit dem Morast an meinen Füßen. Ich glaube, am Ende rannte ich mehrmals querfeldein über den armen Ausleger, der dann eben gar nicht mehr blütenweiß war. Aber es war ja auch nicht mein Teppich, mein weißer Teppich. Genau da wurde ich geweckt. Ich sagte nichts oder nicht viel, bis selbst die Pflegekraft es nicht mehr aushielt und mich nach meinem Schlaf befragte.

Beim Frühstück lief mein Humor erneut Amok. Ich stand neben mir. Ich konnte zusehen, wie ich mich selbst mit jedem einzelnen Witz zu verraten schien. Die Kluft zwischen mir und der Fassade wurde tiefer und tiefer. Ein neuer Tischkollege, gerade mal 22 Jahre alt, im Rollstuhl. Er fragte mich, ob ich schon oft dagewesen sei, worauf ich nur meinte, 15 Jahre lang gelaufen zu sein und sobald ich dabei zu einer Vollbremsung gezwungen worden war, wäre ich auf Reha gegangen. Viermal. Nach diesem Satz weitete sich der Riss, der durch mich hindurch ging. Als ich den Speisesaal verließ, schlug mir das Herz erneut bis zum Hals. Ich lächelte, begrüßte alles und jeden, konterte, machte selbst Späße und tief in mir drinnen war ich gerade langsam am Verrecken. Dann lief mir noch ein ehemaliger Stammgast über den Weg. Ich so dumm, zu sagen: „Meine Mutter hat schon gefragt, ob nicht irgendwelche Dorfbewohner aktuell auch auf Reha seien…“.

ALLES FÜR DIE KONVERSATION!!!

WARUM ZUM TEUFEL?!!! Als Sebastian von dieser Frage seitens meiner Mutter am Samstag erzählte, hatte ich bereits eine Panikattacke bekommen. Sofort war ich im Kampfmodus! Und Sebastian bereute, sie überhaupt erwähnt zu haben. Nun fragte der ehemalige Stammgast wiederum: „Kommt die Mama zu Besuch?“. Ich schüttelte konsequent den Kopf. „Dann telefoniert ihr aber sicher regelmäßig…?“. Ich lüge nicht gern. Ich hasse Lügen. Darum wurde ich deutlicher: „Ganz sicher nicht! Ich brauche sie nicht, alle beide brauche ich sie hier nicht! Je weniger, desto besser. Das, was ich brauche, ist Ruhe.“. Zu viel verraten? Ich fühlte mich noch schlechter. Zur Panik gesellte sich schlechtes Gewissen. Ich sah den Tod, ich sehe den Tod, wie er da steht und seine nagelneue Digitaluhr mit GPS-Funktion mit seiner zuverlässigen Sanduhr abstimmt. Er rechnet. Ich rechne.

Ich hatte das Gefühl, als ich meine Kollegen und den Speisesaal zurückließ, ich würde zerfetzt werden.

1. Februar 2018, Donnerstag

14:46
Mich trollen. In mein stilles Zimmer zurückziehen.

Ja genau, besser ist es, die dumme Kuh versteckt sich!!

Die Augen brennen immer noch. Der Kollege am Esstisch nebenan, bei dem ich gestern im Gespräch bereits feststellen durfte, dass er sehr, sehr viel durchlitten hat und zum Thema Therapie und Co. einiges zu sagen hat, muss morgen gehen. Seine Prothese wurde nicht rechtzeitig geliefert und eigentlich hätte er hier trainieren sollen, mit dieser zu gehen. Für heute Abend ein Gespräch vereinbart, ich würde so gerne noch mehr von ihm hören… Auch sagte er mittags, er wolle auch von mir mehr erfahren…

ALS OB DU ETWAS ZU SAGEN HÄTTEST!!!

Ein wenig Schokolade in mich hineinstopfen, die Sebastian gestern mitgebracht hat. Aus Rostock, von einem Laden der so ähnlich wie „Andersladen“ heißt und in dem es lauter Sachen zu kaufen gibt, aus der ganzen Welt, die man sonst nirgends erstehen könnte. Außer man fährt in das jeweilige Land. Die weiße Schokolade mit Karamell und gesalzenen Erdnüssen stammt aus Polen und schmeckt köstlich. Aber ich nehme den Geschmack nicht wahr, würdige ihn nicht genug… Stopfe die Süßigkeit nur als Mittel zum Zweck in mich hinein. Damit ich den Magen mit Kohlenhydraten fülle, die wiederum die Wirkung verstärken…

Im Flur klingelt ein Telefon. Ich bekomme abrupt Magenschmerzen; es ist derselbe Klingelton, den wir zuletzt noch auf dem Haustelefon eingestellt hatten. Schlecht ist mir sowieso… War nicht anders zu erwarten.

O. k., ich hatte montags mit der Physiotherapeutin ausgemacht, ich würde heute, nicht wie auf dem Plan um 9:30, bereits um 9:00 Uhr kommen. Damit sie mit einer anderen Patientin 1 Stunde machen könnte, ohne es einzutragen oder so ähnlich. Mein Therapieplan wurde gestern geändert. Bis 11:00 Uhr war keinerlei Termin verzeichnet und für mich damit gegessen, was wir abgesprochen hatten. Ich wollte ja auch mit dem Rollator kommen, aber direkt nach dem Essen konnte ich mir das ohnehin sparen. Wir hatten Spaß am Tisch, den noch jung wirkenden Mitpatienten ein paar Tische weiter, der dort so vereinsamt zwischen lauter alten und schweigenden Patienten etwas verloren gesessen hatte, zu uns an den Tisch eingeladen. Eine Bereicherung mehr.

Also die Gespräche waren erst witzig und dann hochinteressant. Der Mann ohne Bein erzielte von seiner traumatischen Kindheit, und noch so vieles mehr. Deswegen meine Idee, wir sollten heute noch einmal einen Plausch abhalten, bevor er rausgeworfen wird. Die Laune war gut. Die Laune war auch gut, als wir morgens (also die Rettung mit mir) zum Urologen fuhren. Dieser gab mir Recht, dass das ganze Geschmiere am Loch in meiner Bauchdecke kontraproduktiv sei und die Entzündung an sich kein Grund, den sauteuren Katheter zu wechseln. Auch gab er mir einen Tipp, dass der Ballon in der Blase eventuell auch von einem Blasensstein zuletzt kaputt gegangen sein könnte. Würde noch irgendetwas auftreten in den nächsten zwei Wochen, bot er an, das zu untersuchen. Dies wäre nur mit einer gefüllten Blase möglich, sonst würde man auf dem Ultraschall nichts erkennen. Könnte das auch mit den Schmerzen und Krämpfen zusammenhängen, wenn ich aufs Klo muss?

Einmal weit ausgeholt… Ich fuhr nach dem Essen runter zur Physiotherapie. Sie öffnete die Tür und konfrontierte mich gleich mit dem Vorwurf, heute Morgen um 9 eine halbe Stunde gewartet zu haben. Wie ein Oberlehrer, wie schon zuletzt bei unserer Diskussion auf der blöden Matte: „Wenn man etwas vereinbart hat, muss man sich dran halten!“. Das wiederholte sie mehrmals. Ich rechtfertigte mich damit, dass da auf dem Plan nichts stand und ich dementsprechend davon ausgegangen war, das wiederum für sie klar sei, ich würde nicht kommen. Aber nein. Sie hatte erwartet, weil wir eben eine Absprache getroffen hatten, dass ich mich melde. Melden muss. Es klang alles ziemlich harsch in meinen Ohren… Wie eben zuletzt auf der Matte. Wie ein Vorwurf. Ich folgte ihr in den Turnsaal, in dem zur gleichen Zeit von einer anderen Therapeutin ein Mann trainiert wurde. Da war so@ein weißes Gestell, eine Art Barren, mit dem ich Gehtraining machen sollte. Aber ich konnte nicht… Ich brach unverzüglich in Tränen aus…

WAS BIST DU BLÖD!!!

Sie sah mich eindringlich an und fragte mich mit demselben harschen Tonfall: „Bianca! WARUM weinst du jetzt?!“. Ich konnte nicht antworten. Zudem war es mir total peinlich, vor dem anderen Patienten, der anderen Therapeutin. Das machte es noch schlimmer. Sie wiederholte ihre Frage mehrmals, und dann, nicht sonderlich einfühlsam: „Das wegen vorhin, das ist vorbei. Es ist gut jetzt.“. Ich nahm immer noch Wut in ihrer Stimme wahr. Ich sagte nichts, tat, was sie von mir wollte. Zumindest versuchte ich es; in diesem aufgewühlten Zustand war es schier unmöglich, ein Bein vor das andere zu setzen. Am Ende vom Barren stand der Spiegel und sie wollte, dass ich aufrecht stehe, den Kopf hebe und in den Spiegel sehe. ICH KONNTE NICHT!!! Ich starrte meinem Spiegelbild erst auf die Füße. „Kopf hoch!“. Mein Blick ging schnurstracks über meine gespiegelte Schulter. Die Tränen wollten und wollten nicht aufhören, meinen Schmerz auszuspülen. Ich brauchte ein Taschentuch, der Rotz hing mir auf der Nasenspitze. Als ich mich schnäuzte, noch mehr Tränen. Ich machte die Übungen, die sie mir ansagte. Sie lobte mich dezent überschwänglich. Das sollte mich wohl beruhigen, endlich meine Fassung wieder finden lassen. Aber diese hatte ich vollends verloren. Die Therapie war zu Ende, die beiden anderen verließen den Raum und wir blieben kurz zurück, allein. Bei dem Gedanken, jetzt hinausfahren zu müssen, mit meinem verheulten Gesicht, läutete die nächste Runde ein. Und wieder fragte sie für meine Ohren streng, warum ich weine, immer noch weine, schon wieder weine. „Ist das wegen vorhin? Das musst du nicht!“. Ich schüttelte den Kopf. „WARUM weinst du?!“. Verzweifelt rang ich mir ein verunglücktes Lächeln ab, ich sah ihr zum ersten Mal seit 20 Minuten wieder in die Augen, hielt mir den Zeigefinger an die Schläfe und zeichnete damit Kreise in die Luft. Sie verstand es nicht. Sie war definitiv noch nicht auf meiner Seite, hat meine Bilder nicht gesehen, oder will es vielleicht auch nicht verstehen, kann es nicht, aus selbst erfahrenen Traumata. Sie sagte aber etwas, dass sie sich sparen hätte können: „Ist das wegen Mond? Bist du heute sensibel?“. Wieder schüttelte ich den Kopf. Mit meinem Ärmel notdürftig meine Visage abgewischt. „Bis Montag.“. Ganz kurz legte sie mir ihre Hand auf die Schulter. Ich raste so schnell ich konnte zum Lift. Auf Station, ohne einen einzigen Blick in Richtung Schwesternzimmer zu werfen, mit Höchstgeschwindigkeit und gesenktem Blick (um nicht gleich zu sagen, meinen Kopf zwischen den Schultern eingezogen zu haben) in mein Zimmer. Ins Bad. Schiebetür zu. Der Wasserhahn ist zu kurz… Mit einer Tasse mehrmals eiskaltes Wasser über meine roten Augen und nicht minder geröteten Wangen gekippt. Bis es weh tat. Dann griff ich zur Tasche…

DU BIST ZU PEINLICH!!
BESTRAFE DICH!!!

Würde ein Schnitt im Schambereich, am besten noch zwischen den Schamhaaren auffallen? Ich nahm die Pumpe mit dem Tramal. Einmal, zweimal, dreimal… Zehn Hübe? Oder 12? Würde es reichen?…

NATÜRLICH NICHT!!!

2,6 mg Hydal. 1 Sekunde nachgedacht. 1,3 mg Hydal obendrauf.

Bei der letzten Therapie in der Gruppe, und zum Glück waren wir nur zu viert und einer davon besagter Mitpatient. Wieder so tun, als ob… Da fällt mir ein, dass das meine letzten Worte zu meiner Therapeutin waren: „Denkst du, diese pseudolustige Version von mir ist echt???“.

Als ich nach der Mobilitätsgruppe und dem Kegeln den Saal verließ, hielt ich noch kurz bei Josephine, vom letzten Jahr, mit ebenfalls MS und elektrischem Rollstuhl, wechselte mit mir ein paar Worte. Dann mit ganz lauter Musik in den Ohren, meiner Laufmusik, zurück auf die dritte Station, schnurstracks in mein Zimmer. Mit Verlassen und Ablegen meines Schauspiels hatte die Wirkung eingesetzt. Ich bin geplättet und vermutlich könnte ich unverzüglich einschlafen. Es war eine Bestrafung, aber zugleich möchte ich es genießen. Das kann ich nicht, das darf ich nicht. Der Gedanke an die Therapie gleich (mittlerweile ist es 15:37) dreht mir den Magen um. Panik. Woran ich erkannte, dass… Ich habe doch tatsächlich seinen Namen vergessen! Also dass dieser Patient im Rollstuhl mit „Vorgeschichte“ (ich dachte ja, das Bein wäre weg zwecks Suizidversuch -den er in der Tat einmal versucht hatte, aber nicht auf Gleisen) ein perfekter Gesprächspartner wäre, stellte sich gestern oder vorgestern heraus. Nur wenige Worte. Ich sagte, einen Dachschaden zu haben. Er bestätigte, selbst betroffen zu sein.

Du Narzisst!! Jammern und jammern und nach Mitleid wimmern wie ein altes Waschweib!!!

Er fragte mich nämlich, ob ich tief schneiden würde oder ritzen. „Zweiteres…“, aber- beinahe um meine Ehre zu verteidigen- fügte ich hinzu: „Aber ich weiß, wie ich dafür sorgen kann, dass auch oberflächliche Wunden eine halbe Stunde lang bluten!“. Er sagte darauf erst nur „Shit“, und dann: „Das tiefe Schneiden lässt sich leichter behandeln. Ritzen ist eine ganz, ganz schlechte Angewohnheit, die man kaum loswird…“, um wiederum gleich von sich selbst freimütig zu berichten, wie er sich früher Wunden aufgekratzt hatte, sie nicht verheilen ließ, damit sie immer größer und größer wurden… Wie in meiner Verwandtschaft. Auch ich war auf dem besten Weg dorthin…

Übertreib nicht!!!

Erstaunlich auch, was Sebastian gestern am Schluss noch von sich gab. Ich erzählte ihm von meinem Abschuss letztes Wochenende, als ich den Tag drauf von morgens bis abends geschlafen hatte. „Wo denn? Unten in der Sofaecke?“. Ich antwortete: „Nein… Natürlich nicht! Im Zimmer, ein Kissen auf den Tisch gelegt und dort habe ich gepennt.“. Darauf er: „Siehst du?! Und deswegen bist du eben NICHT WIE DEINE MUTTER! Die hätte daraus wohl einen öffentlichen Event gemacht!“.

Ich möchte mir noch Tee holen. Ich habe noch 10 Minuten. Der Flur ist voller Leben, Kinder und irgendwo dazwischen Andreas. Ich bekomme wieder heftiges Herzrasen. Da raus?

15:56
Eine unangenehme Mixtur aus dem Wunsch, mich zu übergeben, und einem winzigen Herzkasper. Ein Taschentuch und die restliche Schokolade zum Tisch geholt, die Heizdecke wieder auf der Rückenlehne montieren. Mir wird schlechter und schlechter und das alles nur wegen dem Termin. Angst, er könnte wieder politisieren? Unendlich, für mein Gefühl? Angst, die Leitung wird wieder so beschissen sein und die Hälfte der Zeit geht für Wiederholungen drauf? Angst,… Ich habe es vergessen… Vielleicht ein letzter Satz: Erinnert mich Tonfall und Stimme meiner Therapeutin an meinen Vater?