4. Juli 2018, Mittwoch

17:02
Mittags eine winzige Tütensuppe und Wassermelone, abends Reis mit Gemüse… 59,2 Kilo um 6:45 Uhr. Dankeschön… Ein Kilo mehr…

Den neuen Fernsehsessel ausprobiert und mal eben mindestens 2 Stunden darauf geschlafen. Schön und gut; aber das passt alles nicht zusammen; das Sofa halbiert, bringt das neue Möbelstück nichts als Unruhe in den Raum. Sieht noch unordentlicher aus. Kaum auszuhalten.
Den Mittwoch mit Freitag verwechselt, sagte ich doch allen ernstes zu Sebastian, als er mittags nach Hause kam: „Hast du die nächste Woche überstanden…?“. Weil er abends für 1 Stunde weg gehen will. Die Nachwehen der gestrigen Tablettenexkursion? Es passte einfach alles zusammen, als sei Freitag, und ich sah mich bereits heute Abend ganz lange am Video arbeiten.

Völlig verpeilt. Total neben der Spur. Ausblicke in ein Paralleluniversum. Nicht mehr wissen, wo ist unten und oben, wo Hier und Jetzt…
Links an der weißen Kunststoffverkleidung vom Rollstuhlreifen, unter dem sich der Motor verbirgt, eine Blutspur. Der nächste Tropfen auf dem Boden gelandet. Unfähig, es wegzuwischen. Als spiele es keine Rolle. Als sei ich dermaßen depressiv, dass mir alles egal ist.
Wollte ich nicht hinaus? Eine Runde fahren? Der Wind hatte mich abgeschreckt, aber augenblicklich scheint er doch nachgelassen zu haben… Mich wieder schlecht fühlen? Rein in den nächsten Zwiespalt? Als drohte bereits der Winter in den nächsten zwei Tagen damit, mich wieder für Monate ins Haus zu sperren? Wie bescheuert!
Aber wie ich hier so sitze, immer noch müde, fühle ich mich bereits wie in Beton gegossen. Unbeweglich. Die Psyche erstarrt. Der Körper tot. Die Augen glotzen ausdruckslos nach draußen, Dissoziation als Standarddroge.

Durchs offene Wohnzimmerfenster draußen irgendwo in Hausnähe den Schwarzspecht rufen hören. Früher wäre ich schon los, wäre längst draußen gewesen, in der unbelehrbaren Erwartung, ihn irgendwo sehen zu können. Aber Bewegung scheint meiner Natur zu widersprechen. Als hätte diese nie in meinem Dasein stattgefunden.

17:35
Sebastian badet, ich mit beiden Händen an den Rand geklammert, die Knie abgewinkelt, stützen sich an der verfliesten Wand der Wanne ab. Kann mich nicht halten, nicht aufrecht halten, die Beine brechen unter meinem Gewicht zusammen, als würde ich 200 Kilo wiegen…
Aber meine Haare müssen gewaschen werden…
Mehrmals kam es zu kritischen Situationen. Nach hinten fallen, mit dem Kopf in die Glastür der Dusche…?

Daran bist du selber schuld, du faule Sau!!!

Andere geben sich mehr Mühe. Andere kämpfen mehr. Ich mache gar nichts mehr. 15 Jahre lang gekämpft und jetzt ist der Ofen aus? Oder auch das ein Symptom der Depression…

Umso besser! Dann bringst du dich hoffentlich bald um!!!

Kopfschmerzen. Während ich da noch instabil und wackelig vor der Wanne stand, drängte sich mir ein Gedanke auf: „Diese ganzen Medikamente, mich damit abzuschießen, hat zu viele Nebenwirkungen, Nachwirkungen. Aber was bleibt mir denn sonst??…“.
Und ich sah die Rasierklinge.

Aber wenn du nicht einmal DAS richtig hinbekommst!!!

Null Alternativen. Außer mich wieder dermaßen in meine Suizidfantasien hineinzusteigern…

17:55
Er fährt. Ich bin allein, für mindestens eine Stunde. Die Abenddosis fällt beinahe „standardmäßig“ aus. Die einzigen Abweichungen wären ein Hydal 2,6 mg und statt 15 eben 20 Tropfen Tramal. Mich auf meine Standardmittel verlassen, als ob diese in letzter Zeit nicht auch zu massiver Spastik geführt hätten. Aber irgendwie, irgendetwas brauche ich…
Beim Anblick des Lichteinfalls, der kleinen Sonnenblume auf der Terrasse drifte ich wieder ab… Mich jetzt aufschlitzen? Später aufschlitzen? Oder mir diese Option für schlimmere Zustände aufheben?

18:47
Eine leichte Betäubung setzt ein…
ABER… WIE KONNTE ICH ES WAGEN, DIES ANZUMERKEN!!!

PANIK…

19:57

Panik und Betäubung liefern sich einen rasanten Schlagabtausch. Beim Kopieren der letzten Aufnahme die beiden Fotos von der Geburtstagsfeier gesehen…
Wenn überhaupt einen winzigen Augenblick lang, und das nur ganz klein, kaum zu erkennen… Aber ich sehe sie sterben! Ich sehe meine Mutter schon wieder sterben!!! Die Augen werden geflutet…

Die beiden Fotos vom T-Shirt, welches sie vor 20 Jahren, im für den Rest meines Lebens entscheidenden Jahr 1998, zum 50. Geburtstag bekommen hat.

Ich sterbe…
Aber viel zu langsam, es ist kaum zu ertragen!
Sebastian ist zurück, ist oben, wird noch ein bisschen brauchen. Panik, Dämpfung, Verlustängste, noch mehr Panik, weniger Dämpfung, noch viel mehr Verlustängste… Usw. und so fort!!!

Den Rollator umdrehen. Himmel! Wenn da mal jemand aus Versehen einen Blick hineinwirft… Was wird diese Person von mir denken? Auf Verständnis darf ich wohl kaum hoffen. Unzählige Tücher und ein großes Handtuch, Strumpfverbände… Und allesamt blutgetränkt…

Ich brauche…
Ich muss…
Es geht nicht anders…

Dabei meine rechte Hand völlig verkrampft, eine Faust, schwach und gelähmt, die Finger lassen sich ohne äußere Gewalteinwirkung nicht strecken.
Eine Faust ist jedoch allemal besser als ein Streckspasmus in meiner Rechten. Perfekt, um die Rasierklinge doch noch irgendwie zu halten.
Sicherheitshalber zu Beginn gleich den Strumpf überstreifen; meine liebe Not mit diesem lächerlichen Handgriff.
Draußen geht die Sonne unter. Lebenslänglich.

Du wertloses Stück Dreck!!!

Bei dem Gedanken, dass er wieder runterkommt und somit symbolisch den Tag beendet, kommt mir die Kotze hoch vor lauter würgender Angst. Wie ein Strick um meinen Hals, und am anderen Ende hängt Rumpelstilzchen, schaukelt wild hin und her, dabei wird er immer schwerer und schwerer…

Auf jedes Geräusch von oben achten…
Nervös…
Singdrossel und Amsel singen ihr allabendliches Requiem. Einmal tief durchatmen…
Den Kopf schütteln, als würde es jemand beobachten, als würde ich dies für irgendwen tun…

Wieder zu feige! Es tut mir leid. Sie stirbt. Stattdessen sollte ich abkratzen.
Bei jedem lächerlichen Schnitt automatisch, unwillkürlich, reflexartig die Luft anhalten…

Und es wird 20:17 Uhr und auch wenn die ersten vier Kratzer auf der wahrlich verbrauchten Unterseite kaum Anstalten machten, für mich zu weinen, tun es die weiteren vier auf der Oberseite umso mehr.
Dicke, dicke Blutperlen werden aus den fragilen Strichen gequetscht. Wehmut kommt auf… Ich hätte den Arm auf einen der wenigen Flecken vom Frottee legen sollen, der mir zumindest verraten hätte, ob ich meine Schuldigkeit zumindest ansatzweise getilgt habe.

Der dreckige Strumpf, obwohl noch vor drei Tagen nagelneu, rettet die Welt! Kaschiert, was keiner sehen will, was nicht sein darf, denn: „… anderen Menschen geht es so viel schlechter, verhungern, sind Kriegen ausgesetzt, und ich dämliche Kuh tue gerade so, als wäre gerade MIR IRGENDETWAS zugestoßen!!“…

NICHTS UND WIEDER NICHTS!!
Du kannst dich ja nicht einmal erinnern!!!

Erneut die wenigen Spuren von den rechten Fingern lecken. Gleich werde ich tief Luft holen und es wird sich anfühlen, als hätte ich die letzten 20 Minuten nicht mehr geatmet. Im besten Fall, und das hoffe ich inständig, wird sich zumindest für einen Augenblick so etwas ähnliches wie Frieden in meinem Schädel, in meinem ganzen Körper einnisten.
Ich hasse mich. Und ich halte meine Stimme nicht mehr aus…

21:22
Es glich einer Erlösung, als er meinte, noch bis 10 oben zu tun zu haben.
Aber was habe ich davon?
NATÜRLICH ist es unvernünftig, den ganzen Tag bewegungslos auf einer Stelle zu verharren!
NATÜRLICH ist es ungesund!

Hasstiraden erfüllen den Raum. Die Tastatur fällt runter. Sie nicht mehr aufheben können. ALLES wird zur Belastung! Der Saustall links von mir! Die Unordnung vor mir auf dem Tisch! Das Durcheinander rechts in der Küche! Der penetrante Gestank nach Essig, Salatsauce!!!
Mir wird schlecht! Immer schlechter!
Schmerzen! Schmerzen erfüllen den ganzen Körper! Dagegen sind die armseligen Kratzer ein Flohhusten!!! Der Rücken, die Verspannungen, Kopfschmerzen und erst recht der Ischias!!!
NICHTS GEHT! NICHTS FUNKTIONIERT! UND SCHEINBAR IST ES ZU VIEL VERLANGT, WENIGSTENS HIER SITZEN ZU WOLLEN UND MIT VIEL MÜHE, DEN LÄHMUNGEN UND WIDERSTÄNDEN ZUM TROTZ, EINIGERMASSEN PRODUKTIV ZU ARBEITEN, WENN DAS OHNEHIN DURCH DIE BESCHISSENEN UMSTÄNDE STÄNDIG VERZÖGERT, DOPPELT UND DREIFACH IN DIE LÄNGE GEZOGEN WIRD!!!
NICHTS UND WIEDER NICHTS!!!

Mein Dasein kotzt mich an. Da bietet sich einmal die Chance auf Ablenkung, ABER NICHT FÜR MICH! WIE KONNTE ICH ES NUR WAGEN, DIES ÜBERHAUPT IN ERWÄGUNG ZU ZIEHEN, FÜR MICH, MICH STÜCK SCHEISSE!!!!

Die Zeit verrinnt, rieselt mir durch die Finger und ich unfähig, auch nur eine Sekunde festzuhalten. Wie kann ich mir bloß anmaßen, dergleichen in Anspruch zu nehmen, zu fordern, nur darum zu bitten!!…

Es wird heiß. ZU heiß. Ich beginne zu schwitzen. Aber (auch wenn Sebastian nun sagen würde, dass das NICHTS damit zu tun hat) ZU DÄMLICH, den Ventilator einzuschalten.

Du beschissener Krüppel! Du bist eine Lachnummer! Eine Belastung! Bring es endlich zu Ende!!

Unfähig, den Ventilator aufzustellen, nachdem ich ihn umgeschmissen habe. Unfähig, ihn an irgendeiner Stelle in die Hände zu nehmen, festzuhalten!! Mein Schädel droht zu bersten, wenn ich mich bücke. Alles in mir drückt. Kopf, der Magen, die Gedärme, der Ischias.

Überzeugungsarbeit wird sozusagen geleistet.
Aber ich…-allmählich gehen mir die Worte aus, die auch nur ansatzweise beschreiben könnten, WIE wertlos und dreckig und nutzlos und belastend und beschissen usw. und so fort ich bin- …bleibe ernsthaft am Leben!

22:06
Immer noch allein. Mir ist schwindelig. Aber ich sollte dennoch ein paar Schritte gehen…

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24. März 2018, Samstag „Tief in meiner Psyche…“

9:37
61,3 Kilo um 9:00 Uhr. Meinem Körper ist scheißegal, wie viel oder wie wenig ich esse. Aber dabei handelt es sich ja schlussendlich um ein viel zu oft erwähntes Dauerproblem.

Zu gestern: Ganz harmlos fing die Sitzung an, man hat sich mit Medikamenten auseinandergesetzt, über Alternativen nachgedacht und kam schlussendlich nur noch zu einem Ergebnis, seitens Markus: „Betablocker… Die könnten gegen das gefühlte Herzrasen helfen. Fraglich nur, wie sie sich mit den Antidepressiva und den Opiaten vertragen. Und wer sie dir verschreiben wird.“.
Ich erwähnte während dieser ersten halben Stunde immer wieder, welche Worte und Gedanken gerade Panikhiebe austeilen würden. Dann sprach Markus von einem Kreislauf, in dem ich mich befinde… Von da an ging es abwärts! „Ich sehe keinen Kreislauf, das ist eine Spirale…“.
Die Zusammenfassung: Ich sah mich als ein weißes Waschbecken. In diesem eine Flüssigkeit, die Lebenszeit. Da für ein Kind die Zeit langsamer verläuft sind die äußeren Kreise auch viel langsamer, weil auch größer und von der Warte des Kindes aus erscheint der Abfluss unendlich weit weg. Markus fragte mich, wie so ein Waschbecken bei normalen Menschen, denen es nicht so ginge wie mir, aussehen könnte. „Die sitzen als kleines Figürchen am Rand ihres Waschbeckens, halten ihre nackten Füße in die Lebensflüssigkeit, erfreuen sich über den Sonnenschein, manchmal regnet es, dann sind sie auch traurig, senken den Kopf und werden sich der Lebenszeit unter ihnen bewusst, aber dann kommt die Sonne wieder raus und sie genießen den Moment, den Augenblick, wie gut die Sonne auf der Haut tut…“. Ab dem Wort „Kreislauf“ war ich bereits in Tränen ausgebrochen. Erst recht bei der thematisierten Erkenntnis, keine Sekunde meines Daseins wirklich voll und ganz genießen zu dürfen. In meiner Flüssigkeit, in den Ringen näher am Abfluss, treiben Sebastian, meine Mutter, mein Vater, mein Bruder… Und warum sehe ich das so genau? Weil MICH jemand als kleines Kind vom Rand meines „Lebens-Waschbecken“ geschubst hat, hinein in diesen Strudel. Und da die kleine dreckige Kinderhure beschmutzt wurde, verseuchte sie die ganze Lebensflüssigkeit, diese wurde schwarz und umso besser kann ich jetzt die immer schneller werdenden Kreise gen Abgrund der anderen sehen. Er fragte mich, was passieren würde, würde er seine Hände in diese Flüssigkeit eintauchen. „Deine Hände würden depressiv werden…“. Darauf er: „Wie sehen depressive Hände aus?“. Sie lassen den Kopf hängen, sie lassen alles hängen, sie bewegen sich nicht mehr, sind unfähig… Und siehe da! Schon waren wir bei der MS, bei den Lähmungen. Wir sprachen über meine eigene Angst vor dem Tod. Und mit viel Schluchzen kam ich wieder zu der Aussage: „Dieser dunkle, schwarze Abfluss… Der ist so beängstigend und außerdem wird da wieder etwas mit einem gemacht, ohne dass man es beeinflussen kann. Darum erscheint es leichter, das Waschbecken zu zerstören, es geht zu Bruch, die Lebensflüssigkeit landet auf dem Boden, der Kreislauf endet und all das fühlt sich so befreiend an… Daher aus Angst vor dem Tod der Gedanke, ihm den Suizid vorzuziehen. Um mich nicht EIN ZWEITES MAL UMBRINGEN ZU LASSEN, von einem anderen!!! Ich bin ja schon tot! Wie ich da in dieser schwarzen, zähen Suppe herumgewirbelt werde! In meiner Panik immer wieder mit dem Kopf unter Wasser gerate und keine Luft mehr bekomme, nichts mehr sehen kann…“. Mit meinem Selbstmordversuch ist im Waschbecken, im Porzellan ein Riss entstanden. Und jedes Mal wenn besagte Personen oder eben die Eckdaten des Jahres (Ostern, Geburtstag meiner Mutter, Geburtstag meines Vaters, mein beschissener Geburtstag, gefolgt von Sebastians, gefolgt von Weihnachten und Silvester, die alle mit dem Bedürfnis, der Fragerei, dem Fordern zwischen den Zeilen der Familie verknüpft sind, mich endlich wieder zu sehen, zu haben, zu besitzen) nun eben an diesem Riss vorbeiziehen, wird die Sehnsucht nach dem selbst gewählten Tod so unglaublich laut. Es wäre doch ein Einfaches, den Riss ausweiten zu lassen. Mit mehreren Versuchen und am Ende bestenfalls wenn aus Versuch ein abschließendes Ergebnis resultiert.

Endaussage: Ich wurde als Kind zerstört. Zumindest das scheint nun allmählich in Stein gemeißelt. Ich kann mich als Kind nicht selbst dreckig gemacht haben. Mich selbst bis in die kleinste Pore besudelt haben!!

Als wir weiter sprachen, sah ich in mir plötzlich ein Bild: Ich stehe als kleines Kind auf dem Parkplatz hinter dem Gasthaus, vor den Garagen und unter dem großen Essigbaum. Markus wollte wissen, was ich sehe, wenn ich hinunter gucke. Vermeintlich/gefühlt trug ich einen Jogginganzug, eben etwas, das man beim Spielen schmutzig machen konnte, rote Sandalen ohne Socken. Da lagen Blätter. Altweibersommer. Wie zu meinem Geburtstag. Ich sollte ihm sagen, wie es sich anfühlt: „Ginge ich nach links, käme ich ins Gasthaus. Gerade aus in die Garage. Entweder zu meiner Mutter oder auf dem anderen Weg zu meinem Vater. Aber hinter meinem Rücken ist die Straße. Nach rechts geht sie den Hügel hoch und man kann vom Gasthaus und erst recht von der Küche aus mich den Kilometer bis zur Kurve um den Hügel flüchten sehen. Einfacher wäre es die Straße runter, 100 m Bundesstraße, den Berg hoch und nach Hause! Das würde keiner sehen! Und alles in mir will flüchten, will wegrennen! Aber ich kann nicht!!!“. Ich stehe da wie eine Statue, in den Asphalt gegossen. Er fragte mich, was dieser große Baum wohl gesehen hat, wenn ich darunter gespielt habe. „Dieser hat wohl als Einziger beobachtet, wie ich immer wieder in der Schräge der Wiese unter ihm ein kleines Loch gegraben habe, meine Kunststofftierchen beinahe am Erfrieren waren und dann glücklicherweise diese Höhle fanden, mit Lagerfeuer, keine Gefahr mehr, sie waren sicher, ihr Leben war gerettet. Und das habe ich wieder und wieder und wieder gespielt…“, um wahrscheinlich mich selbst zu retten, wäre ich eines dieser Pferdchen gewesen. Wieder brach ich in Tränen aus…

13:13
Es gab Frühstück und ich war 1 Stunde lang spazieren. Um vielleicht 300 m zu schaffen? Jetzt ist wieder das linke Bein schlechter als das rechte.

Die Imaginationsübung ging weiter. Was für ein Pferd wäre ich gerne gewesen, fragte er mich, nachdem sich klar offenbart hatte, dass ich versuchte mich selbst in diesen Spielzeugpferdchen unaufhörlich in Sicherheit zu bringen. Erst fragte ich, ob es egal ist, dass die Entscheidung von späteren Erfahrungen beeinflusst ist, was er bejahte. „Ich wäre ein Isländer… Immer draußen, wilde Mähne, hat mehrere Tanzschritte drauf, robust, wild und frei, eigenständig…“. Daraufhin fragte er mich, wo wir beide mit den Isländern hin reiten würden.
Das Ergebnis wieder in einer Kurzfassung: Hier über das gesamte Hügelland, bis runter in die ungarische Ebene, durch die Wälder, über Wiesen… Aber nicht auf ein Ziel hin. Ich wollte nirgendwohin. Ich wollte hierbleiben. Hier im sanften Vulkanland. Die Berge würde ich nicht mögen, sagte ich. Ich war kurz davor, die Assoziation selbst auszusprechen, aber er tat es: „Diese spitz nach oben gereckten Steine haben auch irgendwie etwas von einem Phallus… Oder nicht?“. Ich beschrieb es so, dass man an den Bergen die Naturgewalten sieht, als hätte es damals zu „Mutter Natur“ auch noch etwas Männliches gegeben, gewaltige Kräfte prallten da ohne Rücksicht auf Verluste aufeinander… Insofern würden mir Berge Unwohlsein bescheren. Aber das Hügelland hier, das hat etwas Weibliches. Wie eine weibliche Silhouette und für mich ist die Natur definitiv weiblich, eine Mutterfigur, die beschützt. Wir „ritten“ weiter, aus Herbst wurde Winter und wir fanden eine Höhle, in der wir alle Platz hatten und natürlich ein Lagerfeuer. Interessante Assoziationen zu dieser Aussage: Es ist eine natürliche Höhle, kein Haus, kein Stall, den wir gesucht haben. Die Öffnung kann ruhig offen bleiben, in der Naturhöhle ist man sicher.
So unterhielten wir uns auch über Tag und Nacht, über die unterschiedlichen Qualitäten von Dunkelheit, die ich relativ klar zu unterscheiden wusste. Auch wenn er fragte, ob uns da draußen im Wald in der Höhle nicht irgendeine Gefahr lauern würde. Mein Gefühl sagte mir einfach, in der Natur bin ich sicher, draußen bin ich sicher. Und selbst wenn die Nacht noch so dunkel sein sollte, etwas Restlicht bleibt immer. Darauf bezog er sich auf meine Ängste, die in mir entstehen, wenn ich daran denke, dass der Himmel eigentlich nicht blau ist und es dahinter unendlich weitergeht und man eigentlich noch nichts weiß. „Draußen ist der Sonnenaufgang schön und auch der Sonnenuntergang schön. Im Haus und erst recht in den zurückliegenden Jahren wird die Sonne morgens eher als Verräter verstanden, weil sie abends wieder verschwindet, mich im Stich lässt, den Tod meiner Mutter androht… Und in der Dunkelheit der Nacht eigentlich eben auch meinen Eigenen.“. In der Nacht sind da die Sterne und der Mond und es hat nichts Bedrohliches an sich. Das sind wie Fixpunkte, an denen man sich festhalten kann. Aber im großen weiten All, wo keine Sonne ist, können auch keine Sterne leuchten… Also diese Qualität von Dunkelheit meine ich, die dieselbe ist wie in einem dunklen Raum. Es wird in einer finsteren Nacht draußen nie so finster sein wie in einem abgedunkelten Zimmer!! DAS ist die Dunkelheit, die von Menschen gemachte Dunkelheit!! Darum wohnt die Panik nicht draußen in der Natur, sie wohnt hier, hier im Haus… Und erst recht in meiner Vergangenheit, von der sie zehrt, und in diesem beschissenen Gasthaus!!

Ich glaube, das fasst im Groben die gestrigen 150 Minuten zusammen, die mich an manchen Stellen fast dazu getrieben hätten, während des Gesprächs meine Arme aufzuschneiden… Der Schmerz war so unerträglich. Und dennoch weiß ich, erst einen scheuen Blick in dieses Grauen erheischt zu haben und dass es noch viel, viel schlimmer und schmerzhafter werden wird. „Es ist in deinem Fall gut, dass es langsam passiert. Weil da ja auch noch die MS, das Gefühl, körperlich auch in der Realität völlig ausgeliefert zu sein, besteht. Und es in Österreich nun mal leider KEINE EINZIGE VERNÜNFTIGE NOTFALLPSYCHIATRIE gibt, wenn dann die ersten Erinnerungen auftauchen und mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass Suizidversuche stattfinden werden.“.

16. März 2018, Freitag „und die nächste Hälfte überschritten…“

8:30
61,1 Kilo um 6:45 Uhr. Es regnet, es ist grau, ich bin müde und der warme Tee trägt seinen Teil dazu bei. Dabei wollte ich nun unverzüglich ohne Umschweife an die Arbeit. Während der Sitzung 1 Stunde lang gemalt. Ohne Ergebnis. Nicht mehr als ein sich vorsichtiges Herantasten. Vor der Terrassentür eine schreiende Katze, in meinem Schädel jede Menge Watte. Bis zur Nacht hin kam es zu einer großzügigen Ansammlung von kleinen Panikzuständen. Ich soll sie personifizieren und anfangen, mich mit ihr zu unterhalten. Ich denke, dem voraus muss eine Zeichnung gehen. Um mir das alles besser vorstellen zu können.

Aber wenn ich nicht nun nahtlos den Pinsel in die Hand nehme, habe ich wieder verloren…

10:41
Die Speisepläne geschickt bekommen. Setzt mich erneut unter Druck, obwohl mir sonst niemand Druck macht. Der eigentliche Plan war es, mich nun aufs Sofa zu legen und zu schlafen. Erst die Speisepläne?

Ich weiß nicht, was ich denken soll. In meinem Schädel kreist ohnehin nur eine einzige Idee, und die hat mit Analgetika und Psychopharmaka zu tun. Um diesen Zustand auszuhalten.

15:21
Der Mäusebussard schraubt sich in die Lüfte, über ihm eine mit blassen Sonnenflecken marmorierte Wolkendecke. Ich bin todmüde. Dabei denselben Scheiß soeben ein zweites Mal diktieren; der Computer war erneut abgestürzt. Bis Sebastian nach Hause kam, waren es beinahe 2 Stunden, die ich auf dem Sofa geschlafen habe. Unverzüglich war ich eingepennt. Mich wie auf Droge fühlen. Keinerlei Kontrolle über den Körper, und so bedurfte es erneut mindestens 6 Minuten oder länger, ehe ich mich aufs Sofa montieren konnte. Gerade eben hinten im Badezimmer gleich mehrfach mit meinem nicht vorhandenen Gleichgewichtssinn in einen Clinch geraten; ich konnte schon die Beule an meinem Hinterkopf fühlen.

Träge, unbrauchbar und innerlich aufgerieben, unruhig. Die Situation schreit nach einer Aktion. Zwar sitze ich jetzt hier, die Wärmedecke im Rücken macht es wohlig angenehm, aber das grundsätzliche Debakel lässt sich damit nicht vertuschen. Wie damit umgehen?

Zurück an die Videoarbeit und dann weiter sehen. Brigitte kommt um 18:00 Uhr… Auch nicht mehr weithin.

Es wird 15:38 und mich ereilt eine Derealisation, als ich Sebastian hinten im Badezimmer mit sich selbst reden höre. Dann verschwindet er nach oben und ich kann sagen, was ich sagen muss. Er kam sehr spät nach Hause, zeigte auf den dunklen Weidenkorb und entschuldigte sich… Meine Mutter hatte ihn angeschrieben und gefragt, ob er Brathähnchen haben möchte. Ich kann nicht beschreiben, was da binnen Sekunden in und mit mir ablief. Dass ich nichts davon essen würde, war klar. Also blieb ich vermeintlich ruhig und fragte ihn: „Fragt sie denn nie nach, warum ich sie nicht sehen will?“. Er druckste herum, doch dann: „Ja, schon, natürlich. Aber dann sagt sie immer, wie sehr sie Sehnsucht nach dir hat, dass sie es nicht verstehen würde, aber dich nicht bedrängen wird.“,… […..]

Als Sebastian gerade hinter mir stand und redete und redete, schwieg ich. Ich starrte hinaus ins Nichts. Wieder der Gedanke, was könnte ich ihr schreiben… […..]

Die Sonne kommt raus, das Blau zerreißt die Wolken. Wäre ich jetzt allein. Wäre es jetzt 13:00 Uhr. Ich würde hinausfahren, eine Überdosis schlucken, meine Arme massakrieren und dann wegtreten. Vielleicht noch mit einem kleinen Zettel in der Hand: „Lieber Sebastian, es tut mir leid…“.

Fakt ist: Der physische Zustand ist nicht mehr zu ertragen. Dieses Zerren um mich, das ja angeblich nicht stattfindet, nicht mehr erdulden können. Diese scheinbar so heile Familie… Von Außen sowie von Innen… Und ich bin die Einzige, die da nicht reinpasst, nicht funktionieren will. […..] Wann fährt Sebastian endlich weg?… Den lächerlichen Auftakt, den halbherzigen Initiationsritus nach einer langen Zeit der „Abstinenz“ vorgestern… Mit einer neuen Klinge sollte sich das doch retten lassen, oder?

[…..]

Noch 2 Stunden bis zur Sitzung. Panik. Und am Abwägen, was ich schlucken könnte. In mir sind alle Lebensfäden bis zum Zerreißen angespannt und darunter mischen sich wie aus heiterem Himmel plötzlich auftauchende Kindheitserinnerungen. Die Rechte klimpert nervös. Ich hasse mich. Und ich kann mir noch so oft sagen, dass meine Symptome eine klare Sprache dafür sprechen, was passiert sein muss. Aber ich will lieber sterben, als die Theorie in meinem Kopf zu Bildmaterial werden zu lassen. Ganz zu schweigen davon diese an den Mann zu bringen. Was las ich da gestern? Eine Frau hätte sich beinahe umgebracht, hatte einen Atemstillstand von einem ganzen Fläschchen Psychopax und 15 Lorazepam. Verheißungsvoll… Aber am schlimmsten ist ja wohl, dass mir das Holen vom Essen meiner Mutter seitens Sebastians beinahe wie ein Verrat vorkommt. Dass der vermaledeite Korb jetzt da drüben steht und ich meine Mutter wieder sterben sehen muss, weil ich so böse und garstig bin. Und bald geht die Sonne unter… Zur Rasierklinge greifen und egal, ob er mich in flagranti erwischt?

Damit er sich wegen dir Psycho noch schlecht fühlt??!

Bei einem Selbstmordversuch nach dieser Situation wäre es nichts anderes. Ich sehe nach draußen und blicke in das Antlitz meines Endes. Lasst mich alle allein! Entbindet mich all der Verantwortung für euer Wohlbefinden!

Wieder schraubt sich der Bussard in die Lüfte.
Hätte eine schöne Aufnahme abgegeben. Aber spielt keine Rolle mehr. Was werde ich schlucken? Ich stehe in einer Sackgasse, die Visage so dicht in die Ecke gedrängt, ich kann nicht mehr denken, nur noch hoffen, alsbald zu ersticken…

2,6 mg Hydal. 5 mg Gewacalm. Zehn Hübe, 50 Tropfen Tramal. Über 30 Tropfen Psychopax. Mit einem Tuch und der Rasierklingendose vors Haus fahren. Mir fehlen die Worte, meiner Mutter zu erklären, was sie mit mir macht. […..] Und es mir zugleich so unendlich leid tut. Weiß ich doch selber nicht einmal, wer ich bin.

16:44
Ich war kurz draußen, bis Sebastian fuhr und mich alleine ließ. Kann er mein Verhalten, mein Schweigen nicht lesen? Es ist ein wunderschöner Abend, der Gesang der Vögel, der Duft in der frischen Luft… Wären die Räder nicht so dreckig, hätte ich ins Bad fahren können, den linken Unterarm mit heißem Wasser baden, damit die Haut etwas weicher, geschmeidiger wird. So wie ich da draußen gerade ein Teil meiner Natur war, gab es nur noch eine Antwort auf all meine Fragen. Der letzte Weg, der letzte Schritt, das Leben dauert doch ohnehin schon viel zu lange.

Aus der gelben Schachtel ein neues Kuvert ziehen. Es tut mir jetzt schon leid darum, weil ich ihr nicht gerecht werden kann und man sich zwangsläufig in jüngere Jahre zurücksehnt, als Selbsterhaltung und Kontrolle zumindest diese Sparte betreffend noch nicht von Bedeutung waren.

Einmal tief Luft holen und seufzen. Die Hände eiskalt. Noch 1 Stunde bis zur Therapie. Sebastian meinte zuvor abschließend, er würde sich Mühe geben, bis 20:00 Uhr zurück zu sein. Es ist mir egal. Je größer das Zeitfenster, desto besser. Und es tut mir leid zugleich. Warum tue ich so, fühle mich so schlecht, als wäre ich jemals Bestandteil einer heilen Familie gewesen? Das ist doch nicht mehr als eine Lüge!

Den entblößten Arm auf das Tuch, welches ich über den Schoß gebreitet habe, legen und mit Blick nach draußen abwarten. Meldet sich schon die Mischung im Kopf? Ich will mein Leben zurück… und die Klinge setzt zum ersten Schnitt an… Nicht tief genug. Vier Tropfen Blut. Der Schwerste davon macht sich auf den Weg. Ins Badezimmer fahren…

Nach wenigen Minuten mit krebsroten Händen wiederkehren. Ansetzen… Den Schmerz gewähren lassen… Fünf… Draußen ruft der Schwarzspecht… Die Haut ist verbraucht, Leder oder Gummi. Wo bleibt der „Ausrutscher“?… Die Aufnahmen im neuen Video dienen vermutlich auch nur dem einen Zweck, unter Beweis zu stellen, was für ein Blutbad sich mit oberflächlichen Kratzern anstellen lässt. Fine streift um mich herum wie eine Verbrecherin. Mit einer alten Klinge über die Haut schaben, die einzelnen Rinnsale zu einem großen zusammen kratzen. Das Licht auf der Landschaft wird abendlich und ich weiß nicht, ob 15 Schnitte schon genügen.

Nein. Es reicht nicht. Wie eben auch der Rausch nicht reicht. Im Hinterkopf immer noch den Orangenlikör in der Vorratskammer. So schade um die neue Rasierklinge. Warum kann ich mir vorstellen, mich umzubringen, aber schaffe es nicht, tiefer zu schneiden? Weil ich mit dem Suizid keine Schmerzen verbinde, weil ich in meinem Leben genug Schmerzen erdulden musste?

Auf dem Sofa schnarcht Martha. Mir bleibt noch eine Dreiviertelstunde. Die Pfütze auf dem alten Geschirrtuch wird größer und größer. Nichtsdestotrotz beginnt das Blut zu gerinnen. Ein letzter schöner Schnitt… Aber ich denke viel zu lange darüber nach. Watte kriecht in meinen Schädel. 16 und 17 mit mehr Nachdruck, näher an den Schmerz heran. Zwecklos. Der linke Unterarm hat seinen Dienst getan, verbraucht. Dann sind es 20 und keine einzige der Wunden klafft auch nur dezent auseinander. Ich müsste die breite Seite nehmen. 24. Als sei die Klinge stumpf, mehrmals in Gebrauch gewesen. Die Kante wechseln.

Bei 32 ist Schluss. Der Arm überreizt. Er sähe hässlich aus, wurde mir gesagt. Ich sehe das anders.

17:29
All das, was mich verraten könnte, verschwindet in seinen Verstecken. Fine ist ganz unruhig, ums Haus alles voll mit diversen Katern. Darunter sogar eine Angorakatze. Ich sollte Brigitte tunlichst nicht die rechte Hand geben. So ich es nicht mehr ins Badezimmer zum Händewaschen schaffe. Keine halbe Stunde mehr. Was werfe ich noch ein, was stellt mich ab, besänftigt die Teile in mir, die nach Suizid schreien?…

Weitere 40 Tropfen, also eine doppelte Dosis Tramal.

18:56
Sie hat mir die Hand ohnehin nicht gegeben, weil sie sich krank fühlt. Es dauerte nicht allzu lange, eigentlich direkt nach Beichten meiner pharmazeutischen Sünden in Tränen ausgebrochen und mich nicht mehr unter Kontrolle gebracht. Unterdes einen Apfel gegessen, weil mir von den letzten Tramaltropfen ganz schlecht geworden war. Ich fühle mich leer. Es würde wieder besser werden, hat sie gesagt. Beim Abschied meine Schulter gestreichelt. Ich bin ratlos und der Korb steht immer noch da, evoziert Bilder in mir…

Meine Mutter und ich beim Spazieren und sie wickelt mich in die eine Hälfte ihrer weiten Strickweste, Arm in Arm und sie erzählt Geschichten von früher, ich lausche gespannt und auch etwas bewegt.
Meine Mutter fährt mit mir und einer meiner Freundinnen mit dem Auto durch die Landschaft, in irgendwelche Waldstraßen hinein, oder an der überschwemmten Lafnitz entlang, durch riesengroße Pfützen, das Wasser spritzt, man wird im Auto hin und her geworfen und es ist ein Heidenspaß!
Ich sehe meine Mutter, wie sie abstreitet, ihr jemals von den drei Übergriffen erzählt zu haben.
Wie sie dementiert gesagt zu haben, diese Männer könne man nicht anzeigen.
Wie sie dann die Schuld in der zeitlichen Epoche gesucht hat, „dass es damals so war“ und abschließend der Vergleich, ich sei ja viel sensibler (hypersensibler) als sie, also selber schuld.
Wie sie anfing, einen Konkurrenzkampf aus meiner MS mit ihrer zu machen.
Wie sie nach Auszug ins neue Haus 1000 mal am Tag angerufen hat, bis ich Nervenzusammenbrüche davon bekommen habe.
Wie sie mir das Gefühl vermittelt hat, alles haben zu müssen, was ich habe. Ob im Guten oder Schlechten.
Und die ganzen Sterbefantasien, seit 33 Jahren, beinahe mein ganzes Dasein hindurch…

Um mir abschließend die Frage zu stellen: Tür und Tor stehen weit offen, die Arme breit geöffnet, also warum höre ich nicht auf damit, ein Psycho zu sein? Das Leben aller wäre doch gleich so viel einfacher! Gefühle sind doch keine Erinnerungen und erst recht keine Fakten… Was muss ich mich dermaßen wie ein Spalter, ein Monster, wie Rumpelstilzchen selbst aufführen?

Meine Antwort darauf? Ich bring mich um und alles ist gut.

Wir sehen uns nächste Woche…?“, Brigitte mit ernstem Blick und gerunzelter Stirn. „Mal sehen…“, lautet darauf meine regelrecht nach Aufmerksamkeit schreiende Antwort…

DU BIST SO SCHEISSE!!! KAPIER DAS ENDLICH UND ZIEHE KONSEQUENZEN DARAUS!!!

20:09
Sebastian ruft an; er kommt wohl erst in ner Stunde.
Zum Skalpell greifen… Unterdes Musik für’s Video runterladen…

Die Packung ist offen; keine Ahnung, wie lange schon.

Und was wird das jetzt?!! Willst du dich noch mehr der Lächerlichkeit preisgeben??!!

Wahrscheinlich. Mich fühlen wie ein ausgestopftes Exponat in einem Museum für makabere Absonderlichkeiten. Ob die Betäubung vom Hirn hinunter reicht bis in den Unterarm? In der Dunkelheit bellt ein Hund. Der Probeschnitt am Verbandsstrumpf hinterlässt keine Spuren. Meine Augen fallen ständig zu und das dulde ich erst recht nicht. Also setze ich erneut an… Wie viele waren es vorher? 34? Ich kann mir nichts merken, aber es waren scheinbar 32. Ich spüre meinen Rücken nicht, ebenso ist der Ischias verstummt und die Verspannungen im Nacken vermeintlich nicht mehr existent.

Dieses Werkzeug liegt besser in der Hand, zwecks langem Griff. Dennoch im Vergleich zur Rasierklinge „schneidet es signifikant schlechter ab“. Da klafft nichts. Obwohl ich langsam und mit Druck zu Werke gehe.

Das wird wieder ein Tagebucheintrag, den die Welt nicht braucht.

Nach drei Stück landet das Werkzeug wieder in seiner Plastikfolie. Darauf warten, aus Versehen alles mit meinem Blut zu besudeln. Auf der Suche nach einer offenen Folie von der anderen Sorte. Was wäre, käme Sebastian herein…? Die Kerze im Stövchen erlischt; der Tee steht ja auch nur bereits 3 Stunden darauf und noch nicht einmal zur Hälfte getrunken. Nächster und vermutlich letzte Anlauf… Mir meine Schlechtigkeit unter die Haut meißeln!…

Meine Güte! Das Ding ist noch stumpfer! Zehn. So ich überhaupt noch fähig bin korrekt mitzuzählen.
Zu schwach, den Verband überzustreifen. Sebastian wird wohl wieder sagen: „Ich hätte dir gar nichts erzählen sollen! Das wäre besser gewesen! Warum fragst du mich dann auch immer, wenn es dir danach so schlecht geht?!“. Und wahrscheinlich wird er sich auch noch entschuldigen.

Der geborene Masochist…

Also es tut mir leid! Mit tut alles leid! Ein großes Entschuldigung die ganze Welt! In China ist der Reissack umgefallen? Sorry, das war wohl auch ich…

9. März 2018, Freitag „Perversionen…“

8:37
Was um Himmels Willen ist in mich gefahren??!

DU BIST KEIN OPFER!! DU BIST DER POTENTIELLE TÄTER!!

In den letzten Tagen so häufig darüber gesprochen, warum ich keine Kinder möchte. Vor allem Markus hört nicht damit auf (in der Psychoanalyse nennt man das wohl Ausloten der Widerstände), sagt, ich komm in Teufelsküche, wenn ich mich sterilisieren lassen. Weil Traumaopfer oft diesen Weg wählen und so erst recht nicht zu einem weiblichen Körper finden können. Diese endlosen Debatten ermüdeten mich gestern und das ständige Wiederholen, warum man dann nicht „einfach ein Kondom nimmt“ in Kombination mit seiner krankheitsbedingt verschleimten Stimme, seiner „Stimmfarbe“ waren irgendwann nicht mehr auszuhalten. Ich fühlte mich von ihm regelrecht „vergewaltigt“. Als würde er mein Hirn ficken! Das teilte ich ihm auch gleich zu Beginn mit, dass seine ständigen Zerlegungen meiner Chronik, wie ich als Teenager war, und eben keinen Bock auf Disco und Rauchen und Saufen hatte, keinen Bock auf Jungs, ein Männerhasser war, eine Feministin und lieber im Wald, als mich mit Freundinnen stundenlang vor dem Spiegel aufzudonnern, denn schlussendlich hatte ich sowieso den zukünftigen Lungenkrebs und Besoffene permanent um mich zu Hause! Und er dann immer so tut, als sei es völlig normal, während der Pubertät „völlig aus dem Ruder zu laufen“. Aber ich weiß, das gehört zur analytischen Arbeit dazu und es war mir gestern eben wichtig ihm mitzuteilen, mich zu erklären, zu entschuldigen, warum ich dann mitunter sehr entnervt und bisweilen aggressiv reagieren würde: „Das fühlt sich für mich so an, als würdest du mein komplettes Leben infrage stellen!“. So sagte ich ihm eben auch, dass es mir jetzt reichen würde. Wenn er noch einmal das Wort Kondom in den Mund nimmt, würde ich kotzen. So auf der Suche nach einem Widerstand- bitte sehr, da war er und ich wollte partout nicht mehr weiter darüber diskutieren! Brigitte hatte ja mittwochs erneut das, was meine Mutter mit mir gemacht hat, mich wie eine Puppe zur Schau zu stellen, um sich selbst zu profilieren, qualitativ sehr wohl mit einer seelischen Vergewaltigung verglichen. „Ob es einen tatsächlichen Missbrauch gegeben hat oder nicht!“. Wieder dieses Anzweifeln und die Tatsache, dass man eine DIS nicht von einem Dasein als Püppchen in den ersten Jahren bekommt! Also zweifelt sie auch wieder die Diagnose an und unterstützt mich dabei, selbst nicht daran glauben zu können… So kam es eben auch gestern wieder, als ich ihre Worte Markus gegenüber wiederholte, zu einer weiteren Wiederholung seiner Sichtweise. Darauf ich: „Aber wenn das doch alles eingebildet ist? Und das Bisschen schon ausreicht?… Ich eigentlich nur der Rolle entsprechen will, der Aufmerksamkeit wegen, oder um mich abzugrenzen??…“; ich stockte, dachte kurz nach und dann: „Aber andererseits… WARUM all diese Zeichnungen und Bilder vor, während und nach der ersten Psychotherapie? Immer dieselbe Symbolik, die man eben GENAU SO bei Missbrauchsopfern findet… Als von Missbrauch noch keine Rede war, nur ein aufkeimendes Gefühl?“. Ich kann mir gut vorstellen, dass Markus sich zurück lehnte, als er sagte: „Da siehst du’s. Du gibst dir alle Antworten selbst!“.

Also das alles sei meinen Träumen vorausgeschickt! Ich traf Ute, die entfernte Nachbarin und ich durfte ihr Bauernhaus betreten, das plötzlich riesengroß war, ein monströser Gutshof, und in ihrer Küche wie in einem Gasthaus Tische und Bänke und die ganzen Nachbarn kamen und gingen, wie sie wollten; es war ein riesengroßes Saufgelage! Ute und ein paar ihrer Gäste machten sich gemeinsam mit mir auf den Weg nach Hause. Wir liefen los und ich freute mich, immer weiter laufen zu können, nicht zu stürzen und auch sie fragte mich ganz erstaunt, wie ich dieses Wunder zustande gebracht hätte: „Ich habe jeden Tag trainiert, immer ein bisschen mehr, nur NIE aufgegeben!“. Wir erreichten unsere Einfahrt. Der Asphalt war mit Tonnen Sand bedeckt. Sand und Schnee. Das hatte den neuen Weg zusammenbrechen lassen. Alles war kaputt. Dem Haus ging es nicht besser: Wie eine der Bauernhausruinen, die wir als Kinder immer wieder aufgesucht hatten, so schön unheimlich! Holzbalken brachen über uns zusammen, Mauern stürzten auf uns herab… Aber ganz plötzlich verwandelte sich das Haus in die winzige Wohnung im Gebäude der Volksschule. Und war zugleich ein riesengroßes, unheimliches Hotel! Auch ich wechselte die Gestalt… Ich war plötzlich nicht mehr ich, ich wurde zu einer schwarzhaarigen Femme fatal!! Ich hatte ein Rendezvous. Diesen Mann schickte ich in das erste Zimmer und sperrte von außen zu. Ich war total notgeil!! Ins nächste Zimmer ließ ich mir einen kleinen Jungen bringen. Der war sicher nicht älter als acht oder zehn. An die genauen Details kann ich mich nicht erinnern, da waren noch andere Leute und wahrscheinlich haben die ihn ausgezogen, bis er nackt auf dem Bett lag. Ein Pädophiler hätte seine Freude mit den Beschreibungen!! Ich stürzte mich auf ihn. Der Junge weinte bitterlich, er stand Todesängste aus und ich geilte mich daran auf, an seiner Unschuld, wie ein Vampir zehrte ich an seiner Angst und dem Schaden, den ich in seinem Leben hinterlassen würde!! Im dritten Zimmer ließ ich mir ein kleines Mädchen bringen. Ich ging ihr an die Wäsche, griff ihr zwischen die Beine. Ich spürte, was das Kind spürte. Ich fühlte, wie das Kind irritiert war von der Erregung, die so überhaupt nicht zu ihrer Angst passte und dass ihr Körper sie zu verraten schien! Ich zwang die Kleine mich zu befriedigen. Noch nicht fertig ging ich wieder zurück zum ersten Zimmer, in dem ich das Rendezvous eingesperrt hatte. Ich war nackt, er mir fremd und ich wusste, ich muss bestraft werden.

[…..]

Draußen im Flur waren viele Menschen. Die konnten durch die Jalousie ins Zimmer hinein sehen. Draußen wurde gefeiert, getrunken, es war wie in einem Bordell. Ein Butler kam ständig zur Tür herein, sah zu und tat gleichzeitig seine Arbeit, wechselte Handtücher aus. An den eigentlichen Akt kann ich mich nicht erinnern. Lediglich nur noch daran, dass ich auf dem Boden saß und unter mir war alles voller Blut. Nun war ich es, die wimmerte, die das Opfer war.

Ein unglaublicher Druck in meinem Bauch. […..]

Und DU glaubst, DAS Opfer zu sein???!!
DU BIST SO KRANK IM HIRN!!!

Wenn ich sage, dass ich keine Kinder will, habe ich nicht Angst, sie zu missbrauchen! Ich spüre lediglich (wenn man da überhaupt von „lediglich sprechen darf) das unkontrollierbare Potenzial, dem Kind an die Gurgel zu gehen!! UND DAS IST DER HAUPTGRUND, WARUM ICH KEINE KINDER WILL UND HABEN DARF!!! UND WARUM ICH NICHT DARÜBER DISKUTIEREN WILL, WARUM ICH MICH STERILISIEREN LASSEN MUSS!!! So schleppend wie das gerade vorangeht, brauche ich wohl auch 20 Jahre, bis ich im Ansatz Zusammenhänge herstellen kann!!

Ich fühle mich so schlecht… Dabei konnte ich erst gar nicht einschlafen und träumte abschließend bevor Sebastian mich aus dem Bett holte davon, dass mein Bruder und ich zur Schule mussten morgens. Er ging voraus, es war schon viel zu spät, aber ich musste noch meine Schuhe anziehen, die unten vor der ersten Stufe vom Treppenhaus im Gasthaus standen. War schon wieder Nikolaus?! In jedem Schuh lagen mindestens 50 €!! Was soll der Scheiß? Wie oft hatte ich gesagt, meine Mutter soll aufhören mit diesen Geschenken die ganze Zeit! Mir unentwegt Geld zuzustecken!! Als müsse sie mich bezahlen, kaufen oder schmieren!! Ich kramte das Geld und den restlichen Krempel aus meinen Schuhen und schlüpfte in diese hinein, als ich von oben die Musik einer Violine hörte. Ein Musikstück von einer CD, die ich mir mit 17 gekauft habe; gälische Lieder. Hatte sie sich sogar meine Musikrichtung einverleibt, um unbedingt wie ich zu sein? Dann stand sie neben mir und ich war froh, dass sie endlich aufhörte zu spielen. Ihre Musik schmerzte in den Ohren. Was wollte sie von mir? Was hat sie gesagt? Im Traum dachte ich nur, dass ich es nicht mag, bereits morgens auf meine Eltern zu treffen. Dass ich diese Phase vor der Schule für mich ganz allein brauche. Nicht sprechen möchte. Und erst recht nicht irgendwelche Konflikte ausbaden…

Was für eine Nacht! Was für ein Traumkino! Ich fühle mich so schuldig und so dreckig und schlecht, allein dafür möchte ich mich jetzt aufschlitzen! Ein weiterer Grund: 60,6 Kilo um 6:45 Uhr!

Die Sonne scheint. Und ich ahne schon, wie mein restlicher Vormittag verlaufen wird…

20:15
Allein. Sonja sagte, meine Schultern, mein Rücken hätten sich verändert: „Viel weniger Muskulatur.“. Alles geht zugrunde…

20. Dezember 2017, Mittwoch „Zwei Tage noch…“

8:31
59,6 Kilo um 6:45 Uhr. Der Stoffwechsel streikt seit beinahe einer Woche. Faule Ausrede, wie? Der Himmel ist bewölkt, die Augenlider schwer, das fette Klappergestell will zurück ins Bett. Zurück in diesen absurden Traum. An einem großen Tisch saßen Sebastians Freunde und einer davon war besonders vorlaut. Sebastian sagte zu diesem ganz provokant, mit Blick in meine Richtung: „Frag sie doch mal nach einem Marathon!“. Das tat er auch, sein Tonfall noch zynischer: „Bist du jemals einen Marathon gelaufen, wenn du doch so viele Jahre damit verbracht hast?“. Ich antwortete, jede Menge Halbmarathondistanzen auf dem Buckel zu haben. „Was?! NUR Halbmarathon? Keinen vollwertigen Marathon?!“. Ich stand auf und sah diesen Freund streng in die Augen: „Ich will DICH sehen, wie du mit einer Lähmung 1 km läufst! Wie du 21 läufst, nachdem du fünfmal gestürzt bist!!“, um mich sodann Sebastian zuzuwenden: „Also das hätte ich von dir nicht gedacht! Dass du mir so in den Rücken fällst, mich dermaßen verletzt! Ich bin sehr, sehr enttäuscht von dir…“, wandte mich ab und verließ diese Szene, um mich irgendwie und irgendwo im Rehagebäude zu verlaufen. Ich wusste, Sebastian würde mir hinterher laufen, um sich zu entschuldigen. Aber ich wollte ihn schmoren lassen. Da war eine Therapeutin, bei der ich Sitzung hatte. Aber ich trat nur ein, warf ihr eine zerfledderte „Bahnhofsbibel“ auf den Tisch, sagte wohl, dass das alles keinen Sinn mehr macht, setzte mich ans andere Ende der Bank, ganz weit weg von ihrem Tisch, setzte meine Kopfhörer auf, vor mir erschien ein kleiner Fernseher und ich sah mich bei der Grazer Messe „The rose“ von Bette Middler singen. Wann war das… 1998? Wurde ich doch tatsächlich ein zweites Mal eingeladen, für einen Wettbewerb, die zweite Runde, bei der man ein kleines Auto gewinnen konnte, einen Ford KA. Ich war damals mit Birgit bei der Messe, es gab vom Radiosender Ö3 eine Karaokebühne. Was hatte mich das Überwindung gekostet, mich anzumelden und da hinaufzugehen… Spricht das für eine Narzisstin?

Dieses Erlebnis hatte ich doch längst vergessen. Also fange ich jetzt schon an im Traum Erinnerungen aufzuarbeiten? Auf jeden Fall sollte ich in die Endausscheidung kommen. Aber ich bin dann nie hin! Warum? Wegen Sebastian? Frisch verliebt? Keine Ahnung, ich weiß es nicht mehr. Im Traum aber sang ich total schief. Und konnte nicht verstehen, warum sie mich ein zweites Mal eingeladen haben. Plötzlich wache ich auf, im Traum, sehe die Uhr vor mir, eine halbe Stunde um. Viel zu lange hatte ich die Therapeutin in Beschlag genommen. Ich stand auf, verabschiedete mich und wunderte mich erst gar nicht darüber, warum sie und ihre Assistentin mich völlig verdattert anstarrten. Erst nachdem ich das Zimmer verlassen hatte und die unendlich lange Schlange an weiteren Klienten vor der Tür sah, dämmerte mir, dass ich die ganze Sitzung hindurch kein einziges Wort gesprochen hatte. Entweder war ich da auf der Bank eingeschlafen oder in einen dissoziativen Zustand verfallen. Es folgte eine unheimliche Reise durch die Klinik. Im Lift tropfte Öl von der Decke, alle Insassen, mich inklusive, dachten schon, er würde nun abstürzen. Aber wir schaffen es hinaus, heilfroh stolperten wir aus der Tür, aber bevor wir jemanden warnen konnten, waren wiederum andere Menschen in den Lift gestürmt und die Tür schloss sich. Sie würden abstürzen, das wussten wir. Danach wurde ich in mein Zimmer geführt. Eigentlich war es ein langer Flur voller Betten! Einen Teil der Patienten kannte ich noch. Diese berichteten mir davon, dass es nachts zu unheimlichen Vorkommnissen gekommen sei. Das nachts eine schwarze Gestalt durch das Zimmer schleichen würde und sich vereinzelte Patientinnen aussuche, um ihnen mit seinen schwarzen Händen, seinen langen, schwarzen Fingern zwischen die Beine zu greifen. So manch eine Patientin, die ich vom letzten Mal noch kannte, hatte bereits Selbstmord begangen. Man war dieser Gestalt ausgeliefert. Kaum hatte die letzte Schwester die Station verlassen, kaum würde es dunkel, käme er um uns zu holen… Ich erinnerte mich im Traum. „Das kenne ich irgendwoher, kenne ich schon…“; Dejavue. Erneut spürte ich die Finger auch an meinem Untergeschoss und es war grausig…

In DEN Traum möchte ich zurück? Heute Morgen noch kein Kortisonspray benutzt. Ob das der Grund für meine starken Kopfschmerzen ist? Abends auf dem Sofa begann es erneut im linken Bein zu krampfen. Ich schluckte 2 mg retard und 3,9 mg vom normalen Hydal. Es war zwar bereits nach Mitternacht, als wir ins Bett gingen, aber ich wollte noch ein paar Zeilen lesen. Es genügten die ersten 3 und eine Panikattacke drohte mich zu erschlagen! Dafür habe ich aber gut geschlafen. Zumal ich Sebastian gestern „vorgeworfen“ habe, dass er so unfreundlich zu mir war. Er erinnerte sich nicht einmal an die Situation nachts und entschuldigte sich mehrmals. Insofern absurd, ihn im Traum zum Täter werden zu lassen.
Ich weiß jetzt schon, dass mein Rücken das nicht mehr lange mitmacht. Meine Augen erst recht nicht, ausgetrocknet und so unsagbar müde. Dabei bereits beinahe eine Stunde gemalt, Fortschritt kann man lange suchen, Fortschritt ist für mich ein Fremdwort! Plötzlich sehe ich ein Bild meines Bruders, das er in der Hauptschule gemalt hat. Ich sehe die Hauptschule, die winzigen Details auf dem Bild, ich bin ganz neidisch. Und während ich mir diese Erinnerung für 2 Sekunden ansehe, schiebt sich der düstere Lichteinfall in mein Unterbewusstsein, der Himmel ist bewölkt, es ist wie damals, bei der viel zitierten Weihnachtsfeier, die mir seit mindestens einem Jahr immer wieder mit Panik im Gepäck „hoch kommt“, als die Muppetshow in der Glotze läuft. Mein Bruder und ich sehen ganz gebannt hin. Er versteht die Witze schon, ich finde nur die Puppen lustig. Wieder sehe ich mich mit meiner Mutter erst in die Apotheke und dann daneben in die kleine Drogerie gehen. Dort bekomme ich als Weihnachtspräsent eine winzige Ledertasche, in die man normalerweise Schminke reintun kann. Darauf der Name der Drogerie, ein klassisches Werbegeschenk. Ich sehe die Familie, das dunkle Gasthaus, keine Gäste, über die Feiertage geschlossen. Ich sehe Schnee und das halbe Dorf ist beim Sportplatz, um dort den steilen Hang zum Fußballplatz hinunter zu rodeln. Manche haben Säcke gefüllt mit Stroh, die extra lustig sind, weil sie so schnell werden. Ich habe einen Bob, er ist pink und ich habe ihn Artax genannt, wie das Pferd aus der unendlichen Geschichte. An den Bremsen Schnüre angebracht; wie Pferdezügel. Aber ich glaube, den besitze ich bei dieser Weihnachtsfeier noch nicht. Tanja, die Nachbarstochter (zwei Jahre älter) ist auch da, mit ihrem kleinen Bruder. Plötzlich bekommt sie Nasenbluten. Alles voll mit Blut; auch in der Schule immer wieder teils ohne ersichtlichen Auslöser Nasenbluten. Für sie endet der Spaß im Schnee. Zurück zur Weihnachtsfeier, es wird Abend. In meinem Kopf vermischen sich die Bilder von Momo und der unendlichen Geschichte. Es entsteht ein unheimlicher Brei, von dem ich wohl als Kind
träume…

Während ich mich hier meinen Assoziationen hingebe, werden meine Kopfschmerzen immer heftiger, der Tee nicht weniger, die Lider kratzen über die Augäpfel, werden 1000 mal dieselben Pinselstriche ausgeführt, mikroskopisch klein, und wieder verworfen, um den Fortschritt so weit wie möglich von mir wegzuschieben. Ich bräuchte tatsächlich eine Lupe und einen Pinsel mit lediglich einem Haar. Überall sind Farbflecken! Auf dem Headset, der Maus, der ganze Rollstuhl ist verziert mit Farbe!

Das Nasenspray holen… Brigitte kommt abends, das Dokument für die Therapie umfasst aktuell neun Seiten. Wenn ich den Traum von heute und den Schrott von gerade eben hinzufüge, wird es noch mehr. Als ich mich zurücklehne, über die Rückenlehne biege, krachen meine Wirbel lautstark. Aber das erlösende Gefühl auf Lunge und Schädel hält nur wenige Sekunden an. Entweder lege ich mich jetzt hin oder suche mir eine Ablenkung bei der Arbeit… Den Rest von der Sektendoku?
15:41
Der Himmel bekommt Farbe. Durch das gekippte Fenster kann man die Elster hören. Bis Sebastian nach Hause kam waren es sicherlich 2 Stunden, in denen ich geschlafen habe. Der Katheterbeutel platzte beinahe. Noch nicht einmal Zähne geputzt. Ich halte meine Visage im Spiegel ohnehin nicht aus… Den Haarschnitt, den sie mir freitags verpasst hat, war definitiv für offene Haare angelegt. Umso bekloppter sieht es aus! Ein großer Teil meiner Haare hat aktuell zu wenig Länge und steht wild von meinem Kopf ab, lässt sich nicht mit dem Haargummi bändigen. Das macht mich nicht nur wahnsinnig, ich sehe total BESCHISSEN aus! Mein Rücken zetert und es sind zwei Elster, die sich nun auf den drei Eichen an der Grundstücksgrenze herumtreiben. Wie genial wäre es, würden sie zu Gästen meines Etablissements?

Nach dem Mittagessen einen großen Schluck vom Abführmittel genommen. Eigentlich müsste ich auch noch (kontraproduktiv, ich weiß) Entwässerungstabletten schlucken. Meine Füße waren abends so dermaßen angeschwollen, auch heute, wieder in Stützstrümpfen, fühlen sie sich viel zu dick an.

Die Lampe einschalten. Wenn ich wollte, könnte ich noch stundenlang an demselben Teil des Bildes herum feilen. Aber genauso gut könnte ich mir ein Freizeichen geben und sagen, dass es nun gut, dass es fertig ist, um mich sodann den Schwanzfedern zu widmen. Wieder Erinnerungen… Die Augen kratzen immer noch und über dem Süden, über dem Tal liegt ein glühender Farbstreifen. Genauso gut könnte ich mich den Sterbefantasien zum Fraß vorwerfen… Nachts im Bett den Verband vom Arm gerissen, es brannte und blutete von Neuem. Während mich weitere Erinnerungen überfluten, mir selbst wie ein totaler Freak vorkommen. Es folgt eine Derealisation, alles um mich herum löst sich auf, nichts ergibt mehr Sinn. Oder bin ich es selbst, die aus den Fugen gerät?

Es dauert eine Ewigkeit, es wird 15:54, ehe ich die Leinwand zu mir ziehe und die Farben vorbereite…

18:46
Das war ja mal was ganz anderes. Ich kam relativ unstrukturiert und durcheinander mit meinen „Erklärbär-Floskeln“ um die Ecke, also Rumpelstilzchen-Style, Wortlaut, und nun war sie es, die sagte: „Aber das reicht ja alles nicht! Allein dass du Lücken in deiner Erinnerung hast, sagt doch schon so viel darüber aus, dass es etwas Schlimmes gewesen sein muss!“.

Ich habe nichts geschafft. Nicht einmal die Deckel von den Petrischalen zu nehmen. Nachdem ich auf dem Weg vom Sofa zum Tisch noch einen großen Schluck Abführmittel genommen hatte, kam mein Stoffwechsel endlich in die Gänge. Kaum auf der Toilette fertig, wurde mir speiübel. Daraufhin putzte ich mir die Zähne, wusch mir das Gesicht, das ganze Fett von der widerwärtigen Hackfresse… Die ganzen Haare, die nun von meinem Kopf abstehen und eigentlich in den Pferdeschwanz müssten, lassen mich so dermaßen beschissen aussehen! Sie hat viel zu viel eben viel zu kurz geschnitten! Dieses Trauma reicht erneut mindestens für zwei Jahrzehnte Friseurabstinenz! Also ich hielt meinen eigenen Anblick nicht aus. Ich konnte während der Zahnhygiene kaum stehen, die Zahnbürste kaum oben halten. Zurück im Wohnzimmer konnte ich mir all meine Pläne „in die Haare schmieren“! Eine volle Dosis Tramal. Vielleicht war die Halbe mittags zu wenig. Aber ändert nichts daran, dass ich müde und erschlagen bin. Ob es 10 oder 20 Tropfen gewesen wären, spielt keine Rolle für die Gesamtkonstitution, die leider traurig aussieht.

Jammer nicht rum, du bist selber schuld, weil du dich nicht bewegst!!

Der hat ja gut reden! Oder ist es wirklich so einfach? Müsste jemanden engagieren, mindestens mit Schuhgröße 50, um mir mit schweren Stahlkappenschuhen einmal kräftig in den Arsch zu treten?
Meine Gedanken gleiten kurz ab, ich höre oben seinen Computer, sitze hier allein in der Dunkelheit der Wohnküche und denke daran, dass er bald runterkommen wird… Panik am Ende dieser Sackgasse. Wieder verzweifelt irgendetwas anderes einwerfen? Die Kopfschmerzen nehmen zu. Was könnte ich schlucken, was würde mich beruhigen… Mal ganz ehrlich zu mir selbst sein: ICH habe NICHTS, das wirklich adäquat die Situation verändern könnte! Und ganz plötzlich wieder eine Erinnerung, nur ein Lichtblitz, irgendein Ausflug in Graz mit meiner Oma und deren Lebensgefährten, ich sehe uns mit einem Auto irgendwo entlang fahren… Panik! Ehe ich sie festhalten kann, löst sie sich bereits wieder auf und hinterlässt einen Fettfleck der Angst. Dass man sagen kann: „Da, an dieser Stelle wurde etwas überfahren!“.

Zwei Tage noch. Zwei Tage bis zur längsten Nacht des Jahres. „Danach wird alles besser!“. Der nächste Gedanke entgleist: „Das Jahr ist bald zu Ende. Es ist so schnell vorbeigegangen…“. Entgleist und verkommt: „Auch das neue Jahr wird schnell vergehen, noch schneller als das letzte!“. Noch mehr Panik. Denn: „Der Tod wartet schon!!“. Ablenkung suchen…

https://youtu.be/fmkOV9ZSVXY

19:55
Sebastian ist in die Wanne gegangen. Meine Arme müssten gut aufgeheizt sein, zumindest mein Schädel fühlt sich an, als würde der ganze Körper glühen. Ich könnte mich jetzt verletzen. Wenn ich nur zuverlässig darauf bauen könnte, dass es die Ängste eindämmt. Aber das kann ich nicht. Auch nicht mit den Benzos oder den Schmerzmitteln. Meine Rechte klimpert ohne Pause. Die Anspannung wird stärker und stärker. Ich werde scheitern, dessen bin ich mir gewiss. Einen scheuen Blick unter die schwarze Armstulpe wagen… Wo sollte ich ansetzen? Ein Wirrwarr aus dunkelroten bis bläulichen Linien. Ich fühle mich total krank.

20:09
Die ersten 4 blockiert von der Erwartung, dass er jeden Moment im Wohnzimmer stehen könne. Bis zum neunten Schnitt alles nur halbherzige Kinderkacke. Dann die Rasierklinge umgedreht, zwei unberührte Kanten hat sie noch. Und die schneiden, lautlos und mühelos. 20. Einen frischgewaschenen, blütenweißen Strumpf über den blutbesudelten Seelenacker streifen. Es kostet Mühe, den ganzen Körper Anstrengung; die Rechte zur Klaue verkrampft, unfähig.

Da klingelt plötzlich neben mir das Telefon und der Schreck fährt wie ein Blitzeinschlag vom Scheitel hinab bis zur Sohle und lässt den Zellhaufen zusammenzucken. Ich höre ihn im Badezimmer husten, sich räuspern, aber ganz plötzlich legt sich Betäubung aufs Gemüt… Der zerschnittene Arm unter Verband und Maskerade fühlt sich kühl an. Das Hirn schüttet Endorphine aus. Ich wünschte, diese gäbe es auch mit einer Retardwirkung, am besten in Tablettenform. Der Mund wird ganz trocken. Hätte ich das Fläschchen Tramal nicht aus Versehen auf den Boden gepfeffert, hätte ich vermutlich davon eine weitere Dosis in diese Schrottkiste investiert. Meine eigenen Videos anzusehen war vielleicht nicht so klug. Die Eckpfeiler des Abbaus, des Körperverlustes… Alles geht zu Grunde, alles den Bach runter. Ich hasse mich!

16. Dezember 2017, Samstag

16:48
59,1 um 9:00 Uhr. Der Tag verliert seine Farben. Ein Sonnenscheintag. Aber ich… Ich habe den entscheidenden Teil verschlafen. Um mich nun zu fühlen, als hätte ich eine Überdosis intus.
Gleich nach dem Aufstehen machten wir uns auf den Weg nach Feldbach, in einen der billigen Möbelläden; ich wollte die Suche nach großen Tassen noch nicht aufgeben. So ein weiter Weg für zwei Stück Teeglück für Mieke und mich. Aber es war lustig, wir hatten Spaß, ich habe gefroren, und dann zu Hause nach dem ersten Essen an diesem Tag weggebrochen. Vielleicht wäre ich früher aufgestanden, vielleicht hätte ich das Abendrot einfangen können, als es noch am gewaltigsten war. Wären da nicht die Krämpfe gewesen, die unaufhörlich meinen Schlaf torpedierten. Nach 2 Stunden dieser Tortur nahm ich Morphium; wie bei einem Placeboeffekt dauerte es gefühlt keine 5 Minuten und Frieden kehrte ins System. Ins kaputte System. Dann vielleicht ohnehin nur 30 Minuten durchgeschlafen, aber das Bild am Himmel bereits am Zerfließen. Ich hätte draußen sein müssen, es hatte Frühlingstemperaturen. Aber ich habe es nicht geschafft. Ich denke, ich möchte doch unbedingt den ganzen Tag kreativ sein, meine Potenziale ausnutzen, aber ich schaffe nichts davon.
Panik.
Diese hat aktuell ihre Qualität erneut verändert, hat noch einen Zahn zugelegt. Auch heute Nacht hatte ich vor dem Einschlafen eine konfuse Reise durch meine Kindheit durchgemacht. Im Traum kam der vermeintliche Täter vor… Aber gleich mit Schwinden der nächtlichen Geister hatte sich auch dieser aufgelöst und vermutlich erscheint mir der nächtliche Film bedeutender, als er tatsächlich war. Aber nach der Sitzung?

Dabei bin ich jetzt schon wieder wütend auf mich selbst, weil es bereits nach 5 ist und noch nichts geschafft. Hatte ich mich nachts doch tatsächlich an den Zeichenblock gesetzt und vermutlich ist es eine faule Ausrede zu behaupten, die Qualität vom Papier sei der Grund, warum ich nichts zustande brachte. Außer das Gesicht des Kindes, die Augen hohl und schwarz. Gerade eben, als ich 15 Tropfen Tramadol schluckte, der Tag draußen im Sterben lag, hatte ich das Gefühl, ich muss viel mehr genommen haben. Mein Rücken schmerzt. Die Heizdecke gibt ihr Bestes, aber das reicht wohl nicht.
Panik.
Mich der Leinwand stellen. Wollte ich doch ein neues Videoprojekt beginnen… Aber nach der Konfrontation mit mir, meiner UNgestalt gestern, wäre dies vermutlich ohnehin nicht gut gegangen… Der Befund vom Röntgen scheint unauffällig, die Schmerzen sind aber da. Hirngespinst? Oder eine Weichteilproblematik? Die Dame, die gestern im Warteraum neben mir saß, fragte ganz leise und vorsichtig: „…Das sieht mir sehr nach Unfall aus… Habe ich recht?“, mit Blick auf mich samt Polenporsche. Ich lächelte. Und klärte sie auf. Da meinte sie: „Meine Güte! Was hat sich der da oben dabei wohl gedacht?“. Ach, der Christengott ist dafür verantwortlich? Na endlich habe ich einen Schuldigen!…

Mich aufrecht hinsetzen. Ich versuche es zumindest. Und endlich an die Arbeit gehen…

17:52
Ich verliere den Boden unter den Füßen.

18:11
Sebastian kommt soeben zurück. Ihn bitten müssen, die Terrassentür zu öffnen und mich einmal kurz ganz fest zu halten. Als ich mich erhebe, wird der Schwindel noch schlimmer. In all den Büchern die zurückliegenden Tage immer wieder gelesen, dass man Sachen macht und sich nicht mehr daran erinnert, bei der DIS. Und für einen kurzen Augenblick lasse ich den Gedanken zu, bereits jede Menge Tramal konsumiert zu haben.:: Blödsinn!
Mein Blutzucker! Genauso wie gestern nach dem Friseur! Eine plötzliche Hitzewallung, Schwindel, weiche Knie… Im ersten Moment glaubt man, stoned zu sein. Er stellt mir Apfelspalten, Schokolade und eine geschälte Clementine auf den Tisch. Klopft meinen Rücken kurz weich. Macht eine Nasenspülung im Bad und sagt mir immer wieder, wie wunderschön ich bin und dass ich es nicht nötig habe, mich so fertig zu machen. Ich aber prophezeie ihm, dass es noch schlimmer kommen wird. Dass das gerade nur die Spitze vom Eisberg sei. Er will mir das nicht glauben, oder nicht wahrhaben. „Wenn du wieder festgehalten werden möchtest oder irgendwas brauchst, klingel oben an!“. Hastig die kleine Citrusfrucht vertilgen. In mir zittert alles. Da drauf eine ganze Entwässerungstablette… Der Kollaps könnte kommen! Es folgt eine Derealisation. Nicht die Erste und sicherlich auch nicht die Letzte an diesem Tag. Meine Abendtabletten nehmen. Mein Rücken schmerzt immer mehr, verspannt sich, verknotet sich immer mehr. Ich sehe die Benzos auf dem Boden der Dose. Die Sehnsucht kommt angerannt und reißt mich mit sich. Irgendetwas will mich erneut blockieren, ausbremsen. Meine kleine Floskel bemühen: „Ganz auf den Zug aufspringen und behaupten, dem zugrunde läge eine abgespaltene Persönlichkeit oder ein Selbstanteil.“? Die Farben neu befeuchtet…
Panik. Ich brauche Ablenkung! Dachte ich wirklich, der Scheiß der zurückliegenden 20 Jahre, vielleicht auch noch den Mist mit den Sterbefantasien der Kindheit mit eingeschlossen, machen 31 Jahre, wäre schon die Krone des Sadismus? Ernsthaft?! So etwas wie eine Panikattacke hätte ich mir in dem Maß nie vorstellen können! Scheinbar ist es an der Zeit. Mich endlich zu erinnern und aufzuarbeiten oder zu sterben…
18:43
https://www.youtube.com/watch?v=m9_7BBn_7mk

Mir die Seele aus dem Leib singen. In Gedanken längst am Verbluten, damit dieses schreckliche Gefühl endlich aufhört, ein Ende nimmt!!!!!!

https://www.youtube.com/watch?v=PBvwcH4XX6U

Ein Schrei wird zum Himmel fahren
Schneidet sich durch Engelsscharen
Vom Wolkendach fällt Federfleisch
Auf meine KINDHEIT mit Gekreisch…“

Mir kommt die Kotze hoch…

20:27
Und kurz, nach dem tosendem Sturm, kommt nun Stille. Als sei es nie anders gewesen, hätte NIE einen Grund gegeben, zu hadern, zu verzweifeln, an Selbstmord zu denken, mit der Familie zu brechen, mich „so anzustellen“… Wie trügerisch die Flaute.
Jetzt erst recht einer Derealisation anheim fallen. Was ist echt, was Realität, Traum oder Wahnsinn?

2 Stunden. 1162h und 30min. Endlich etwas essen…

13. Dezember 2017, Mittwoch

8:38
Die Welt zu Gast im „Chez Paridae“! Mir fällt das Grissini aus dem Mund, als ohne Vorwarnung vermutlich dieselbe Elster, die sich seit Tagen hier herumtreibt, vielleicht 3 m von mir entfernt kurz auf der Terrasse landet. So gefällt mir das. Die Heckenbraunelle wohnt längst dort, zu allem Überfluss taucht dann auch seit langem wieder die erste Schwanzmeise auf, während die typischen Gimpelrufe zu hören sind, als ich dann noch das Buffet neu bestücke. Im Hintergrund, auf der Nachbarswiese stehen Rehe und grasen…

Wie idyllisch! Jenseits meines Gewichts… 59,6 Kilo um 6:45 Uhr. Heute stinke ich sogar wie ein halber Zoo. Setzt mich unter Stress, wie filetiert mein Vormittag schon wieder ist, der Vormittag, der eigentlich ganz allein mir und der Leinwand gehören sollte! Um 10:00 Uhr kommt Ramida mit ihrem Mann, vor allem er will sich das alte Laufband, das ich nicht mehr gebrauchen kann, ansehen. Um 11 geht es schon weiter mit der Sitzung. Ich Vollidiot war der Meinung, wir hätten heute Termin beim Friseur. Aber das alles findet doch erst am Freitag statt, wenn auch das Röntgen von meinem Fuß gemacht werden kann. Bin orientierungslos, weiß soeben nicht, wie der nächste Schritt auszusehen hat… Ach ja! Ich wollte etwas nachmessen… Das auf der Leinwand scheint korrekt zu sein.

Schlechte Nächte bedeuten erst recht, morgens wie ein Stinktier zu riechen. Meine „Stressachsel“ (die rechte) hatte wieder ordentlich zu tun. Erst recht mit dem Traum, den ich wiedereinmal nicht posten kann. Ganz abgesehen davon, zwischen 2:00 und 3:00 Uhr wach gelegen zu haben, die ganze linke Seite schmerzte, als würde ich auf dem harten Fußboden schlafen. Punktuell schmerzt es zumindest, an den Stellen, die den meisten Druck abbekommen. Und diese Druckpunkte lösten wiederum im linken Bein Krämpfe aus. Wie vermutlich schon die Nächte zuvor. Doch auf dem Rücken kann ich auch nicht liegen und dann wieder umdrehen… UNMÖGLICH! Sebastian hatte sich ganz dicht an mich gedrängt, was bedingt durch sein Gewicht zu einer Mulde inmitten der Matratze führte und ich versank in dieser. Als ob ich auf einer geraden Unterlage nicht schon genug zu tun hätte, die Seite zu wechseln. Mich „bergauf“ umdrehen… Er wachte durch mein Ächzen auf und half mir. Das linke Bein, bzw. des Knie abgedeckt, in die kalte Luft des offenen Fensters gehalten, ließen die Krämpfe nach, ich schlief wieder ein und bekam einen formschönen Albtraum…

Sebastian und ich, wir beide in Rollstühlen, standen im Dorfzentrum zwischen Volksschule und Sportplatz. Auf der Wiese vor der Schule spielten Schulkollegen von mir ein seltsames Outdoor-Computerspiel. Ich bekam auch einen Joystick und durfte mitmachen. Nun hatte ich mich aber bereits (zwangsläufig) dem Gasthaus zu weit genähert. Ich wollte nachsehen, was meine Mutter jetzt so treibt, jetzt, da es im Traum eine neue Kontaktsperre gab. Einerseits vor, andererseits hinter dem Gasthaus oder gleich vor der Volksschule befand sich ein kleines Fahrgeschäft, ein überdimensionales Glücksrad, wenn man so möchte, auf dem sie saß und seit geraumer Zeit auf dem „Dorfkanal“ moderierte. Einerseits hatte sie eine Mini-Playback-Show, die Kinder aus ganz Österreich durften bei ihr singen und die Sendung hatte wohl gute Einschaltquoten. Zeitgleich machte sie aber auch Wetterberichte und Christof Spörk (er hatte ja 2013 den Satz geprägt, ob Markus ein Sektenführer sei) besorgte den Rest, koordinierte alles, war für die Nachrichten zuständig. Meine Mutter benutzte für Absperrungen auf diesem Riesenrad große Fässer mit Salz, zog damit irgendwelche Linien nach, innerhalb derer die Kinder sich hinzusetzen hatten. Dasselbe Präparat, das wir für das Spiel benutzt haben (das war eine Mischung aus dem Nasenspülsalz, das ich bestellt habe, und den Folgen „Supernatural“, die wir uns jeden Abend zu Gemüte führen, und in denen Steinsalz immer zum Bannen von Dämonen eingesetzt und verstreut wird). Scheinbar hatten wir einen größeren Verschleiß als sie. Ich versuchte ihr das zu erklären, aber sie sprach in einem fort nur von ihrer Flasche, die noch voll sei, wie sparsam sie sei, wie man das richtig mache. Darauf monierte ich, dass sie immer nur von sich selbst reden würde, mir nicht richtig zuhört. Und selbst danach sprach sie nur von sich selbst. Sie gab Christof, der unten in der Schaltzentrale vor der Volksschule sein Studio hatte, ein Signal, dass er übernehmen solle. Darauf kletterte sie von dem Gerüst; ich war schon längst abgestiegen und mir drehte sich alles. Die Apparatur stand nun auf dem Hügel vor dem Fußgängerüberweg, dort, wo die große Werbetafel steht. Sie kletterte über den Gartenzaun direkt darüber und eigentlich wollte ich sie ein Stück begleiten…
[…….]
Sebastian fragte mich beim Abendessen: „Möchtest du vielleicht den Film mit Tom Cruise zu Ende schauen?“. Darauf ich nur: „Ja, gerne! Die ganzen Zeitsprünge, Flashbacks evozieren super Träume hinterher!“. Auch darf man nicht vergessen, dass die Dokumentation gestern ebenfalls ihren Eindruck hinterlassen hat.

Du würdest schon sehen! Wenn man bei dir ein MRT machte, würde sich da gar nichts zeigen, wenn du dir einbildest, mich zu hören!!
Du hörst mich nämlich nicht!

15:27
Kaum sitze ich am Tisch, mimt meine Rechte den sterbenden Schwan. Und die Krämpfe… Vor dem Mittagessen sagte ich noch: „Juhu! Es gibt Schuldgefühle mit Sauce! Ironie aus…“. Für Sebastian Fleisch und für mich Topfenstrudel mit Vanillesauce. Gleich als er zur Tür herein kam, ertrug ich den Geruch von seinem Essen nicht! Und von meiner Portion auch nur die Hälfte gegessen… Nein, eher gefressen! Viel zu süß! Das aus meinem Munde, von einer, die grundsätzlich überall noch zusätzlich Süßstoff reinmischen muss! Sebastian schlief ein und mein rechtes Bein begann zu krampfen. Ich schlurfte ins Bad, entleerte den Beutel, kam zurück, schluckte 1,3 mg Hydal. Die Krämpfe verstummten. Lediglich um im linken Bein noch heftiger in Erscheinung zu treten. Sebastian wollte los, kam aber wieder, um mir erst den Brief der Reha-Anstalt zu geben (die Weihnachtsschokolade ist da) und sodann einen Totenzettel auf den Schoß zu legen. „Hast du den von meiner Mutter?“. Nein, sagte er, der sei im Postkasten gewesen. Ich warte darauf… Ich habe darauf gewartet, dass der Schmerz kommt. Mich zu diesem Zeitpunkt stattdessen an einem Tippfehler auf dem Zettel aufgehängt. Mitzi ist tot. Es tut mir so leid. Und der Sonnenuntergang erledigt spätestens jetzt den Rest…

Sie war eine Lichtgestalt unseres Grabens. Die Frau war die Wucht. Gleich nach Einzug ins Haus haben wir sie kennen und lieben gelernt. Meine Mutter kannte sie natürlich… Aber ich war es, die häufig bei ihr in der Küche saß. Bis zu meiner Fehlgeburt, dann brach ich alle Kontakte ab, habe alles und jeden absaufen lassen. Ebenso die arme, einsame Frau. Außerdem haben sich dann die neuen Nachbarn um sie gekümmert, zusätzlich, neben Barbara und dem ebenfalls verstorbenen Rudi. Ab und an bekam ich zu hören, dass sie nach mir fragen würde. Aber mir hatte die letzte Konfrontation mit ihr gereicht, gerade zu diesem Zeitpunkt, diesem Tiefpunkt meiner Psyche. Ich war ihr damals über den Weg gelaufen, obwohl ich bereits da begonnen hatte, die Straße an ihrem Haus vorbei nicht mehr zu frequentieren. Spätestens nach diesem Zusammentreffen nie wieder, solange sie noch in ihrem kleinen Bauernhaus gewohnt hat. Sie hat mich gefragt, wie es hier üblich ist, wenn man jemanden schon lange nicht mehr gesehen hat: „Ach, lebst du auch noch? Ich dachte schon, du bist gestorben!“. Und das leider mit einem sehr zynischen Unterton. Und ich in meiner Depression sagte nur: „Ich wünschte, dem wäre so!“. Und dann kein Kontakt mehr. Die neuen Nachbarn kauften ihr Grund ab, erneuerten den Erdkeller, kauften auch Wiese und Haus, als sie ins Altenheim kam, um diesen Sommer das kleine, feine Häuschen völlig unemotional abreißen zu lassen. Ich hatte mich häufiger mit den jüngeren Nachbarn, die noch mit ihr zu tun hatten, über sie unterhalten. Verdammt, es waren Jahre!! Und gerade dieses Jahr, da ich im Sommer die letzten schönen Aufnahmen von ihrem Haus mit ihren Katzen gemacht habe… Ich wollte mich doch endlich überwinden. Mit der Kamera, dem Rollstuhl ins Altersheim nach Jennersdorf zu fahren, ihr die Bilder zu zeigen… Aber ich tat es nicht! Vor einigen Wochen mit Anni von nebenan gesprochen. Sie erzählte, Maria sei mittlerweile sehr dement, sie würde es auch nicht schaffen, bei ihr vorbeizuschauen, da sie das in ihrem Job als Pflegekraft doch ohnehin tagtäglich mitansehen muss, dieses Elend. Jetzt ist es zu spät. Bereits am 1. Dezember sei sie verstorben, mit 92 Jahren. Wir erkannten sie auf dem Foto kaum wieder. Sie hatte so einen feinen Humor, voller Ironie. Es tut mir wirklich leid, unendlich.

Vom Flennen nimmt der Druck im Schädel erst recht zu. Und das linke Bein krampft und krampft, immer penetranter, schmerzhafter. Bevor ich mich hinsetzen konnte, fiel mir das gerade erst angesteckte Räucherstäbchen aus der Hand, auf den Boden. Ich bückte mich und mein Schlüsselband mit dem Knopf vom Roten Kreuz verhedderte sich am Rollstuhl und ich wäre beinahe umgefallen. Das wäre wenigstens eine kleine Strafe gewesen. Ich sehe das Abendrot und werde erneut darin bestärkt, dass es besser ist, sich auf niemanden einzulassen. Dann kann er oder sie nicht sterben, um dann mit dem Schmerz zurückzubleiben.
Ich denke ja immer noch, dass das mein Grundproblem ist hinter all den Schwierigkeiten, Kontakte einzugehen und erst recht zu halten. Was das betrifft bin ich ebenfalls ein Versager. So wird es bereits 4, die Zeit läuft davon. Zwangsläufig ist meine Nase noch mehr verstopft. Und die Krämpfe hören nicht auf…

17:17
Es krampft. Bin ich selber schuld? Ist es nicht IMMER so?! Sobald ich irgendemandem gegenüber erwähne, meine Schmerzen im Griff zu haben, bekomme ich eine Abfuhr? Als würde sich mein Körper gegen mich aufwiegeln? Als würde Rumpelstilzchen Hebel und Knöpfe betätigen, um mich leiden zu lassen?! Sebastian kam zurück von seiner Tour in Jennersdorf. Beim Hausarzt stand er wohl eine Dreiviertelstunde in der Schlange. Ihn gebeten, mir meine Tablettendose zu reichen. Weitere 1,3 mg Morphium. Aber es krampft und krampft und krampft. Zudem war all das, was ich heute Vormittag gemalt habe, völliger Unsinn! Alles falsch platziert! Jetzt bin ich bei 1154 Stunden und 30 Minuten. Ergeben insgesamt 2 Stunden, die ich eigentlich bereits vormittags hätte leisten müssen. Ich bin wütend auf mich. Wütend und verzweifelt, dann denke ich an die Bürosachen, die Speisepläne, die ich noch eintippen soll, und die Panik packt mich. Vielleicht hätte sich der Schmerz gegessen, würde ich nur endlich aufstehen und im Flur zweimal auf und ab gehen. Aber ich tue es nicht! Ich nehme es eher in Kauf, noch mehr Tabletten in mich rein zu stopfen; einen besseren Grund für einen Rausch kann ich mir selbst wohl kaum liefern!

18:35
Einen großen Schluck aus der Wasserflasche. Die Hände sind eiskalt. Der Bürokram erledigt. Meine Intention? Ins Badezimmer fahren, meine Arme heiß baden und dann, während er sicher für geraume Zeit in der Badewanne liegt, mit mir selbst abrechnen. Die Krämpfe haben aufgehört. Ramidas Mann wollte von Morphium und Opiaten nichts hören. Niemals würde er so etwas nehmen und das Tramal hätte er nicht vertragen. Ich bin gerade wunderschön abgedeckt. Ist es ein Trugschluss, belüge ich mich selbst wenn ich behaupte, NOCH NICHT abhängig zu sein? Er wollte es mir nämlich nicht ganz glauben.

Ins Badezimmer, bevor er runterkommt… Dabei hat mir Sebastian gestern nachträglich ein Geschenk gemacht, bzw. wurde es erst gestern geliefert und sollte ein Nikolauspräsent sein…

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19:24
Es klingt zumindest so, als sei er gerade abgetaucht. In meiner Schultasche herumwühlen. Warum sollte ich mich schlecht fühlen, ich tue doch nur mir selbst weh! Abgesehen von dem Schaden, den ich mit meinen Worten im Internet hinterlasse.

Erst die Dose nicht finden. Darf ich etwas zum Abendessen essen oder nicht? Viele Fragen, keine Antworten und morgen definitiv noch schwerer als heute. Versuchen, das neue Stück zur Hälfte in seinem kleinen Kuvert zu belassen, um die anderen Kanten und Seiten zu schonen. Eigentlich bin ich bereits gut abgedeckt. Die Haut auf meinem linken Unterarm ähnelt jener eines Brandopfers. Total verschrumpelt. Mein Rücken schmerzt; lange kann ich so nicht sitzen. Beim ersten Schnitt merken, dass es mir an Wut und Verzweiflung mangelt. Die Überzeugung fehlt ebenfalls. Was hat diese Aktion als Ziel? Zumindest kurzfristig ins Kissen zu sinken, ehe er mir Gesellschaft leistet und zumindest für einen Moment glauben, Luft holen zu können? 37 Jahre und kein Stück weiter. Das hätte ich mir auch nicht gedacht… Was habe ich gedacht? Dass ich mich mit 18 umbringe. Nichts darüber hinaus.
Es mangelt ein wenig an Kontrolle, das Stück Aluminium nicht direkt zwischen den Fingern zu halten. Das Blut läuft kalt den Arm hinab. Der Hausarzt kommt am Montag irgendwann zwischen 12 und 14:00 Uhr. Zur Blutabnahme. Das wird ihn schon nicht umhauen. Zehn Schnitte reichen mir noch nicht. Scheitern, Scheitern, Scheitern… 20 Stück und nichts davon gibt Halt. Was für eine feige Sau!

Eine fette, feige Sau!!

Wie recht er doch hat! Dabei hatte ich während dem Gespräch mit Ramidas Mann von mir selbst ein Bild im Kopf, als würde ich 70 Kilo wiegen und hätte gerade eine Cortisonstoßtherapie hinter mir. Nachdem sie gegangen waren, war ich mehr als erstaunt, dass das im Spiegel ganz anders aussah. War ich erleichtert?

Na wenigstens einmal tiefer… Schnell oder mit kontrolliertem Druck? 26 und meine Haut ist verbraucht. Mein Rücken zwingt mich zum Abbruch. Gleichzeitig rührt sich hinten was in der Badewanne. Hastig versuchen den festen Strumpf überzustreifen, ohne gleichzeitig alles mit meinem Blut zu verschmutzen. Mein Rücken ist wütend. Sehr, sehr wütend. Alles, was bis dato noch nicht verspannt war, ist es spätestens jetzt. Was will man mehr?! Nicht einmal sitzen kann ich noch!!

Dann bring dich endlich um!!

Alles versteckt, alles verdeckt, alles in Ordnung…

28. November 2017, Dienstag „Ein Plädoyer für die Verstummten“…

8:46
Die Zeit rennt, rennt mir davon…

Und die fette Sau frisst weiter und weiter und weiter!!

Das Nutellaplagiat schmeckt besser als das Original. So oder so, die schöne Farbe und Cremigkeit kommt vom guten Orangutanblut!…
ZAHLTAG! 59,6 Kilo um 6:45 Uhr, -4,4 °C und ENDLICH! Das Video wird soeben hochgeladen. Was aber noch nicht gleichbedeutend ist mit einem Ende der Ärgernisse. Jetzt während dem Malen pro forma das Ganze einer erneuten Sichtung unterziehen, und sollte ich in der Tat irgendwo den nächsten Schnitzer finden, ernsthaft alles wieder auf Anfang! Der Perfektionist will es so!

Im Traum kam es unten im Graben zu einem Genozid und ich war ein Kind und musste es mitansehen, wie eine Volksgruppe (in diesem Fall Slowaken -und ich habe keine Ahnung, wie ich gerade auf Slowaken kam) in eine Gaststätte gesperrt wurden und mein eigener Vater (im Traum ein Schauspieler, denn irgendwie war es auch ein Film) hatte sich von dem Nazi, der vor kurzem aufgetaucht war, völlig verleiten lassen und so half er ihm, die Hütte in Brand zu setzen. Ich sah die Menschen in der Stube, wie sie verzweifelt nach Luft rangen, wie sie auf dem Boden herumkrochen, um irgendwo noch ein bisschen atmen zu können. Eigentlich dachte ich, sie wären alle verkohlt. Doch irgendjemand hatte auf der Hinterseite des Hauses ein Loch in die Wand geschnitten und sie befreit. Ich war so froh. Dabei hatte alles damit begonnen, dass unser Haus nun unten im Graben stand, es zu einer Realitätsverschiebung kam und plötzlich fanden wir es nicht mehr, es war weg, stattdessen die ganze Straße zubetoniert mit kleinen Häusern, die um jeden Millimeter Grund kämpften. Das war dann auch der Auslöser für den Nazimob; diese ganzen, bösen Ausländer… Sebastian meinte vorher, ob ich eine Doku abends geguckt hätte: „Oder ein Blick in dein vorheriges Leben…“.

Noch ein paar Worte zu meinem Video…

Das ist totaler Dreck!! Selbstdarstellung pur!!
Was willst du damit erreichen?! Doch nichts als Mitleid!!
Du bist so jämmerlich…

Meine Intention: Ich habe es auf bestimmte Personen abgesehen. Ich will diese schockieren und zum Nachdenken bewegen. Wie viele Jahre schwafle ich schon von dem Thema? Das Thema Missbrauch, Kindesmissbrauch und die gravierenden Folgen für den Rest des Lebens… Lebt ein sehr verstecktes Dasein. Nur alle heiligen Zeiten kommt wieder etwas raus und alle tun ganz schockiert, entsetzt, sagen sich gegenseitig, sich so etwas nicht einmal vorstellen zu können, und nach kurzer Zeit in aller Munde verschwindet das Thema wieder in der Versenkung. Die Statistiken greifen viel zu kurz. Also muss da wieder der große Bruder USA um die Ecke biegen, um die Thematik salonfähig zu machen. Die Problematik müsste viel häufiger behandelt werden, zu einem Standardanliegen für die Gesellschaft werden! Wenn, werden doch ohnehin immer nur über die Symptome berichtet. Und wenn das Problem eben nichts mehr ist, worüber man schweigt, würde das vielleicht auch das Schweigen von Opfern der Vergangenheit und im besten Fall auch von jenen, die immer noch Opfer sind, aufbrechen! Und darum geht es in meinem Video. Nicht nur um mich, um alle soll es gehen. Mich zeitgleich fragend, wer mir aus welchem Grund eine negative Bewertung verpasst. Ich kann ja noch damit leben, wenn es um eine abweichende politische Meinung geht. Obwohl ich es tragisch finde, Nächstenliebe zu propagieren und dann völlig unempathisch allem Fremden zu begegnen. Oder sind es Leute, die sich einen fröhlichen, erbauenden MS-Bericht reinziehen wollen, das von meinen Videos nicht bekommen, weil sie mit meinen psychischen Befindlichkeiten nichts anzufangen wissen und nicht mehr sehen als Selbstmitleid meinerseits? Es könnte mir egal sein. Aber das ist es nicht. Wie sollte es auch?! Wenn ich doch ständig Selbstbestätigung über meine Umwelt zu erheischen suche, wenn ich mich selbst so sehr hasse, mir selbst nicht traue?

Mein Schädel platzt, Ignatz Ischias wird heute zum Dauerbrenner und ich werde mich spätestens mit dem Veröffentlichen wieder in einem Zustand der „Selbstverunsicherung“ vorfinden, mit mir selbst scharf ins Gericht gehend. Für jeden falschen Blick, jedes falsche Wort, jeden falschen Tonfall, für das ganze Projekt als solches, und dann werde ich mich wieder schämen. Schämen, schämen, schämen… Und Rumpelstilzchen wird sich freuen. Erst recht, wenn die erste negative Bewertung nicht allzu lange auf sich warten lässt. Und damit ist in diesem Fall definitiv zu rechnen, weil das Video kein Happy End hat!

10:37
Das Video ist hiermit offiziell abgesegnet. Noch 15 Minuten, bis ich 2 Stunden Arbeit voll habe, Morgenhygiene, bestenfalls Laufband, um mich sodann dem Upload zu widmen, Beschreibung, Tags. Sebastian hat meine alte Homepage irgendwie auf WordPress umgestellt; ich wage zu bezweifeln diese bearbeiten zu können. Auch weiß ich immer noch nicht, ob die Sperre meiner Kunstseite endlich aufgehoben ist. Ist das Filmchen gut geworden? Darf ich das behaupten? Mir selbst auf die Schulter klopfen dafür, mich selbst in Szene zu setzen?! Das erscheint eine fragwürdige Gratwanderung.

14. November 2017, Dienstag

8:30
Gut? Nicht gut? 58,4 Kilo um 6:45 Uhr. Es stürmt, stürmt seit gestern, der Himmel klart auf, bzw. versucht es der Wind. Seltsame Träume, Weltuntergang inklusive. Mich an feinen Arbeiten versuchen, um dabei doch nur bereits Bestehendes zu ruinieren. Eigentlich gibt es nichts zu sagen. Außer vielleicht, dass ich wieder nicht schlafen konnte. Mich nerven diese leidigen Debatten nachts auf dem Sofa, ob wir nicht endlich ins Bett gehen könnten. Sebastian schläft seit 2 Stunden, ist immer wieder wach, um dann unterm Strich morgens mit einer schlechten Bilanz was die Schlafqualität betrifft abzuschneiden. Er ist meine ständige Fragerei nach dem Bett ebenfalls leid. So meinte er eben auch gestern wieder, das Problem würde nicht bestehen, wenn wir einen Fernseher im Schlafzimmer hätten. Bis dato habe ich mich dagegen geweigert. So oder so… Ich las noch im Buch, las, dass ihre einzige, beste Freundin Selbstmord begeht und sie daraufhin den Beschluss fasst, „sich ihren Körper wieder zu holen“, mit einer obskuren Idee: Sie wird Hure. Den Teil mit Friedhof und Trauer überlebte ich nicht ohne Tränen. Von außen betrachtet möchte der Eindruck entstehen, meine Mutter wäre meine Kindheit hindurch todkrank gewesen oder hätte permanent mit Selbstmord gedroht, oder jemand anders hätte ihr mit dem Tod gedroht. Ist es so einfach, wie Markus sagt? Eine Verschiebung? Ich sehe in meiner Mutter, sehe in allen, die ich sterben sehe, mich als Kind sterben? Kann es bei den anderen zulassen, aber nicht auf mich selbst anwenden, mich als Kind?

Das Bild fordert Konzentration. Auch sollte man die Lichtbedingungen heute wahrlich ausnutzen. Ob ich zu einem geregelten Tagesablauf finde, mit Training und Co., sollte ich vorerst infrage stellen. Es stürmt und stürmt und ich überarbeite das Auge erneut…

8:57
Leise und unbemerkt erscheint der erste Erlenzeisig am Restaurant. Ein Weibchen. Sitzt da ganz selbstbewusst, als sei es nie anders gewesen… Ich muss endlich aufhören, mit den alten, ausgefransten Pinseln zu arbeiten! Ich mache mehr Schaden als Fortschritt zu produzieren!

10:30
Verunsichert. Der Himmel wird tatsächlich blau, der Wind lässt nach. Gehe ich Sebastian entgegen, wage ich es? Meine Ohren pochen heiß unter dem Headset. Die Eintrittspforte vom Katheter schmerzt, kneift permanent, seit dem Wechsel. Die Wunde nässt auch, unaufhörlich, das Loch in meiner Bauchdecke wird dabei immer kleiner und kleiner, der Körper versucht den Fremdkörper in sich aufzunehmen. Da freut man sich ja regelrecht auf den nächsten Wechsel… Ich weiß auch nicht mehr, was ich noch groß anstellen kann. Kamillenteebeutel auflegen, Betaisodona, Wundsalbe, mir reicht es. Der Schmerz nagt soeben an meiner fetten Wampe. Als ich nachts halb nackt ins Bett kletterte, war ich entsetzt über mich und meinen Körper. Davor vor dem Spiegel der Anblick meiner Oberarme… Alles nur noch zum Brechen! Was für ein Monstrum…

ZUM KOTZEN!!

Hätte ich mich längst beim Urologen melden sollen? Ebenfalls entsetzlich, dass sich die Krätze um die Wunde herum wieder ausbreitet. Am Rücken ist sie mit regelmäßigem Einschmieren mit Feuchtigkeitscreme verschwunden, aber im Dekolleté, um den Katheter herum und erst recht an den Hüften ist das ein Kampf gegen Windmühlen. Immer wieder den paranoiden Eindruck gewinnen, die Krätze wächst durch das Loch unter die Haut hinein.

Die 2 Stunden am Bild waren wertfrei. Wieder und wieder dieselben Striche ausgeführt. Mal in Weiß, mal in Schwarz. Und anstatt einen neuen Pinsel zu nehmen, einen großen neuen mit spitzer Spitze, habe ich mich mit einem 1er-Pinsel herum gequält. Dieser nimmt nicht so viel Farbe auf, diese reicht dann nicht einmal für einen halben Strich, man muss immer wieder neu ansetzen, was zu schlampigen Kanten führt, die wieder ausgebessert werden müssen… Und hin und her und hin und her… Willkommen bei Sisyphus!

Mein Schädel fühlt sich wattig an, schwach und unsicher. Sollte ich gehen, dann definitiv später. Eine ganze Stunde schaffe ich so oder so nicht. Zudem auch die Vorboten der Kopfschmerzen; heute erneut die Nasenspülung vergessen. Ein Teil von mir möchte auch schon wieder die Augen zumachen, möchte untätig bleiben, schlafen und sagt mir, dass das ohnehin alles keinen Sinn mehr macht. Verdammt, ich muss doch noch Zähneputzen, ist gestern völlig auf der Strecke geblieben. Meine dämliche Visage waschen. Aber ich habe Angst vor dem Badezimmerspiegel, vor seiner Kritik. Angst vor meinem eigenen Spiegelbild. Denn ich kann, solange ich hier sitze, nicht sagen, was oder wer mich dort erwarten wird. Ich glaube nicht daran, dass ich es sein werde.

14:01
Was mache ich nur? Völlig zerrissen, bleibe ich hier oder fahre ich raus? 35 Minuten auf dem Laufband geschafft. Beim Mittagessen die Bauchhaut gespannt und direkt am Loch brach die Haut ringsum auf und begann zu bluten. Das kann nicht normal sein.
Wie viel und was müsste ich anziehen? Wo würde ich hinfahren? Um vielleicht die letzten schönen Aufnahmen vom Herbst machen zu können…

Der Computer stürzt erneut ab. Die Unentschiedenheit macht Unruhe, die Sonne im Gesicht Kopfschmerzen und aufrecht zu sitzen verstärkt den Schmerz in der Bauchdecke.

In deiner SPECKSCHWARTE!!

Ja oder nein oder ja oder nein? Angst davor, dass mich das Anziehen bereits zu sehr überfordern könnte. Zwei Pullover. Den Schal. Ich weiß es nicht!! Dabei der Himmel glasklar!!

16:06
Ich war so kurz davor, alles hinzuschmeißen und mich nach dem Ärger lieber mit meinen Rasierklingen zu beschäftigen. Ich vermochte einfach nicht meine Jacke anzuziehen und dann, als ich es endlich geschafft hatte, ebenso wenig den Reißverschluss zuzuziehen. Ein paar nette Worte mit Bekannten, einmal unsere Straße runter und dann wieder hoch auf der anderen Seite, auf der Suche nach Eichhörnchen. Bei der Rückfahrt hielt ich dann eine Weile und stand einfach nur in der Sonne, meine klammen Hände aufwärmend. Es folgte unten noch ein Plausch mit Anni und als ich unsere Einfahrt hoch fuhr und einmal kurz den Wannenteich ansah, setzte sich genau vor mir ein Dompfaff in die Sträucher. Ich war viel zu langsam mit der Kamera. Dieser verschwunden, flog ein kleiner Erlenzeisig in die verworrenen Äste des Holunders über dem Teich, landete auf einem der Steinplatten darin und trank. Vielleicht einen halben Meter vor mir. Noch mehr Gimpel folgten, ein richtiger Schwarm, und dazwischen immer wieder Erlenzeisige. Eine Etage höher diverse Drosselarten unterwegs. Es war schön, aber jetzt bin ich entsetzt. Ich dachte, es wäre später. Da hätte ich ja noch wunderbar Zeit, mich zu verletzen. Warum? Ein Grund findet sich immer, früher oder später. Vielleicht dafür, alleine dermaßen aufgeschmissen zu sein?

Den Vögeln eine zweite Portion angedeihen lassen, natürlich auch in der Hoffnung, ein oder zwei Gimpel ans Vogelrestaurant zu locken. Schlagartig setzen Kopfschmerzen ein, während meine Ohren und Finger allmählich auftauen. Dabei hatte ich das Schaltuch auch als Kopfbedeckung genutzt. Das Loch tut wieder weh, der kleinste Zug darauf fühlt sich an, als würde man mir den Katheter aus dem Bauch reißen. Meine Rechte klimpert, unaufhörlich. Aufs Sofa und am Video weiter arbeiten. Zum Zwecke der Ablenkung.

16:34
Eine volle Dosis Tramal, 20 Tropfen. Meine Hände sind gelähmt, unbrauchbar. Irgendwelche Konsequenzen muss das nach sich ziehen. Aber die Rechte klimpert dennoch weiter. Immer wieder bis vier. Plötzlich bekomme ich Panik. Weil Sebastian gleich kommt, weil sich draußen das Abendrot über den Hügeln entfaltet, weil der Tag zu Ende ist, weil ich nicht mehr lange allein bin, um dann kurzerhand beschließen zu können, mir irgendetwas antun zu müssen? Ich sehe mich als Kind hinter der Garage im Angesicht des Todes. Wieder und wieder und wieder, jeden Abend… Worin liegt der Ursprung dieser Zwangsgedanken? Weil meine Mutter ebenfalls schnell gefahren ist, im Auto nie angegurtet war und wir in der Volksschule doch gelernt haben, dass das wichtig ist? All die dramatischen Tode in diversen Filmen, in denen die Mutter stirbt und die Kinder zurückbleiben? Was ist mit Dumbo? Was mit all diesen doch so traurigen Zeichentrickserien aus Japan in den Achtzigern? Verstehe es einfach nicht… Doch heute Nacht in meinem Traum war es meine Mutter, die dafür sorgte, dass ich keinen Sport machte. Ich wollte gerade loslaufen, bzw. mit einem Fahrrad los fahren. Dann meinte sie, ich hätte auf meiner Sporthose einen Blutfleck. Ich rannte nach Hause, wollte sie wechseln, aber all meine Klamotten lagen seit der Reha in der Wäsche, nichts war gewaschen worden. Schulterzucken, mehr nicht. Und NUR DAFÜR nicht versucht, der Lähmung zu entkommen. Es war mir auch so peinlich und ich ertappte sie doch allen ernstes mit einem vermeintlichen Nachbarn, vor dessen Haus ich zuvor noch mit dem Fahrrad starten wollte, wie sie ihm von meiner Menstruation erzählt und dass meine Hose beschmutzt gewesen sei. Ich reagierte entsetzt, aber sie tat es ab: „Er hat den Fleck doch sowieso gesehen!“. War da ein Fleck? Ernsthaft? Ich war mit den Worten nach Hause gerannt, dass ich doch meine Tage erst gehabt hätte. Hat sie gelogen?

19:13
Zu allem Überfluss erhängt sich jetzt noch das Videoprogramm. Sebastian zuvor um Kakao gebeten; dieser Schussel hat überhaupt keine Ahnung von Küche und derlei Dingen! Was hat er denn jetzt schon wieder gemacht? Die frische Milch in die Vorratskammer gestellt oder eine von den längst abgelaufenen Packungen für den Kakao benutzt? Mir ist ganz schlecht, im Kännchen schwimmt Quark, oder eben Käsebruch in Braun, je nach Gusto! Viel zu viel davon getrunken, hatte ich doch bereits beim ersten Schluck so eine Ahnung. Aber ich dachte, ich sei überspannt, meine Sinne am Rande des Durchdrehens. Nein, auf Nase und Zunge ist Verlass! Mir reicht, dass das Kännchen neben mir steht und ich nicht weiß, wo sich die kaputte Milch befindet, um mich unglaublich unwohl zu fühlen! Er ist oben, ich auch noch zu allem Überfluss total unzufrieden mit meinem Video, vor allem mit mir in diesem Video. Was bin ich für eine fette Sau! Was habe ich für eine widerborstige Stimme! Und ICH hatte ernsthaft in Erwägung gezogen, für die Intro irgendetwas zu singen? Rumpelstilzchen sitzt während der Arbeit nicht neben mir, er sitzt auf meinem Schoß, um ganz genau sehen zu können, was an mir anzukreiden ist!! Und NEIN, ich habe mich vormittags nicht im Spiegel erkannt. Oder mich abgelehnt. Die Meinung zu dieser Person im blauen Holzrahmen war zweistimmig einhellig! Eine Katastrophe…

und eine Missgeburt!

Von oben kommt ein Ruf, mehr brauche und will ich gar nicht: „Ich höre noch das Fußballspiel bis 20:00 Uhr!“. Ich wusch soeben meine Visage; die Haut dermaßen fettig und glänzend, wie ein in Butterschmalz frisch gebackener Krapfen. Kurz ist die Haut trocken, doch jetzt beginnt sie erneut zu schwitzen. Die Arme, die Hände mit heißem Wasser gebadet. Noch 15 Minuten, mindestens. Das dreckige Tuch auf meinem Schoß, die neue Klinge in der Hand, suche ich mir gerade Gründe, warum ich das tun muss… ICH HASSE MICH! ICH VERABSCHEUE MICH!

VIEL ZU VORSICHTIG, WAS MACHE ICH DA NUR FÜR EINEN SCHEISS??!! ES MUSS AUSEINANDERKLAFFEN!!!

ABER DAFÜR BIST DU WIE IMMER ZU BLÖD!

Zehn Schnitte. In mich hinein fragen: „Wer hat dir diesen Schwachsinn, diese Sterbefantasien eingeredet?!“. Das Kind schweigt oder ist nicht da oder existiert überhaupt nicht. Die alten Narben entlang schneiden. 12. Dann sind es 14 und der Arm ist taub, also warum mache ich es nicht richtig?! 17 Kratzer. 18… Endstand. Die Klinge wieder einwickeln. In dicken, beinah schwarzen Tropfen perlt das Blut aus den Wunden…

Eine Minute vor 8, oben regt sich etwas, hastig und überstürzt alles vertuschen, verbergen, verstecken. Bis auf die Blutspuren am rechten Handrücken. Was bin ich nur für ein grottenschlechter Mensch… Die Endorphine breiten sich im Körper aus, ein Junkie auf Droge…

2. November 2017, Donnerstag

8:39
Es ist spät, viel zu spät!! Ich bin wütend auf mich selbst, auf mein marodes Gehirn!! NATÜRLICH habe ich den entscheidenden Teil in meinem Traum vergessen und durch einen nachkommenden verdrängen lassen, in dem Sebastian in meinem Rollstuhl saß, mit seinen Füßen diesen rückwärts vorwärts bewegte, die Bundesstraße entlang, und ich hing an einem Seil am Rollstuhl, so schleifte er mich sozusagen auf dem Boden hinterher, nachdem er mich von der Schule abgeholt hatte. Das erschien die schnellste Variante, nach Hause zu kommen. Bis wir auf dieses kleine Haus am Straßenrand erreichten und auf der breiten Straße ein Streifen voll mit winzigen Küken in allen möglichen Farben, die meisten bereits überfahren, und wir sammelten verletzte, überlebende ein.

Der Reihe nach: gestern 90 Minuten gemalt, mehr war für den Rest des Tages nicht drin, es folgte nur noch das Sofa, das viel zu fettige Festtagsessen meiner Mutter, anschließend den Nachmittag verpennt und abends bei der Sitzung binnen Minuten von Lachen in Weinen übergegangen, um mich die restlichen beinahe 2 Stunden nicht mehr einzukriegen. Nachts im Bett noch gut 1 Stunde lang in diesem Buch gelesen, in dem die Protagonistin beschreibt, was ihr alles mit ihrem sadistischen Freund widerfahren ist, wie sie in Sadomasoclubs auf brutalste Art und Weise misshandelt wurde. Vermutlich hat mich Sebastian deswegen am Rollstuhl hinterher geschleift.

Ein kurzer Einwurf: Auch heute ist es nicht weit her mit meiner Feinmotorik; ehe ich anfange, fallen bereits Pinsel zu Boden, werden unabsichtlich mit dem Stil in Farbe getaucht. Das kann ja heiter werden, zumal die Panik sich in meinem Brustkorb breitmacht, ich keine Luft mehr bekomme und die Sekunden zähle, ehe sich hinten die Tür öffnet und ich meine Aufmerksamkeit weder Tagebuch noch Bild uneingeschränkt widmen kann.

Zurück zum Traum: Scheinbar kam ich gerade von der Reha zurück, aber niemand war zu Hause. So fragte ich die Mutter meiner Freundin unten in der Volksschule, ob ich meine Sachen dort lassen könnte, um sie später abzuholen. Ich betrat das Gasthaus, ging in mein Zimmer und suchte nach Wäsche (das kam in einer etwas anderen Form auch im Buch vor), aber ich fand nichts, keine einzige Unterhose. An der Stelle setzt bereits der Lochfraß ein! Das Gasthaus war tagtäglich gut besucht. Der Parkplatz vorne und hinten voll mit Autos. Meine Mutter hatte aus irgendeinem Grund zwei kleine Kinder adoptiert (Adoption kam in der Fernsehsendung nachmittags vor und im Buch war die Mutter des Opfers wieder schwanger geworden, und so äußerte die Tochter ihre Angst, dass der Vater sich nun auch über das neue Kind her machen würde, sobald er aus dem Knast raus sei). Scheinbar diskutierte ich mit meiner Mutter über diese Kinder, vermutlich in die Richtung, ob sie nun ernsthaft glaubt, an ihnen etwas besser machen zu können. Ganz sicher erwähnte ich, nicht deren Namen zu kennen, geschweige denn mir ihre Geburtstage merken zu können, was sie sehr verwerflich fand. Aber da gab es noch etwas anderes… Ich kann mich nur verschwommen daran erinnern, dass es zu einem handfesten Streit zwischen uns kam. Habe ich auch mit meinem Vater gestritten? […] Dem vorausgegangen war, dass ich nicht im Gasthaus schlafen wollte. Ich fühlte mich draußen wohler, hatte mir unter dieser großen Thuja ein Lager aufgeschlagen, eine Decke auf dem Boden und unzählige Kissen. Es war finster. Ich sah Gäste ein und aus gehen, konnte sie beobachten. Es war so stockfinster, dass ich einmal bei einem Geräusch aufgesprungen war, mich an die Wand gedrückt hatte und plötzlich kam irgendetwas an mir vorbei, blieb direkt vor mir stehen, drückte sich wiederum an mich, ganz fest. Ich fühlte, wie mein Herz zu schlagen aufhörte! Ich spürte, dass ich nicht mehr atmete vor Panik. Es war so, als stünde ich nicht, sondern läge auf dem Boden, und diese Gestalt -viel schwerer als ich- auf mir drauf. Ich sah nichts, ich erkannte nichts, also glitten meine Hände von links nach rechts den Körper vor mir entlang und spätestens am Hinterteil hatte ich plötzlich einen Schwanz in der Hand. Wie eine kupierte Rute bei einem Jagdhund, oder von der Länge her wie ein männliches Glied. Und spätestens da, als ich diesen Teil meiner Hand fühlte, wich die Angst ganz plötzlich. Denn jetzt wusste ich, dass mir das „vertraut“ ist. Wieder ging der Hinterausgang vom Gasthaus auf, meine Mutter und irgendein Gast traten hinaus und das Wesen machte sich mit einem Satz davon. Jetzt wusste ich, dass es „lediglich“ ein Reh war. Und auch wenn die Logik im Traum grundsätzlich nichts mit der Realität zu tun hat, stellte ich mir bereits da zwei schwerwiegende Fehler fest: „Warum war das scheue Reh nicht geflohen und hatte sich so fest an mich geschmiegt? Und Rehe haben doch gar keinen Schwanz… Oder?“. Meine Mutter ging mit dem Gast ums Haus und besprach mit ihm Renovierungsarbeiten, die sie machen lassen wollte, damit die adoptierten Söhne später die Hütte in einem einwandfreien Zustand übernehmen könnten. Vielleicht war das der Grund, für den Streit. Vielleicht aber auch nicht. Sie stand dann in der offenen Tür, mit Rücken zum Flur, dahinter trieb sich irgendwo mein Vater herum. „Hast du ihnen ernsthaft alles überschrieben?!“. […] 

Beschissene Vergesslichkeit! Ich weiß nur noch, dass dann meine Freundin Birgit auftauchte, zusammen mit ihrem Lebensgefährten, der irgendwie Therapeut war und mich massierte, ehe wir gemeinsam runter zur Volksschule gingen (also ich fuhr im Rollstuhl), Marianne öffnete nach langem Klingeln die Tür und meinte, meine Tasche sei nicht mehr da. Ihr Ex hätte sich die ganzen Sachen geholt und bräuchte sie, um sich daraus etwas zu bauen. Wie bitte?! Aus meinen getragenen Unterhosen?! Mir schauderte. „Ich wünsche dir viel Glück dabei, dein Zeug wieder zu bekommen, aber ich möchte nicht an deiner Stelle sein. Mach dich auf einen harten Kampf bereit!“. Ende… Was fange ich jetzt damit an?
Gestern in der Therapie wurde ausnahmslos die Sterbefantasie in ihre Einzelteile zerlegt. Ich wurde mir meiner „Erbschuld“ wieder einmal bewusst. Aber alles, was Markus sagte, ergab Sinn! Mein einziges Problem: die fehlende Erinnerung. Und solange ich diese nicht wieder gefunden habe, kann ich auch nicht zulassen, was dermaßen offensichtlich auf der Hand liegt. […] Ich versuche mir wieder und wieder einzubläuen, dass ich bei JEDER anderen Person SOFORT Bescheid wüsste, unverzüglich 1 und 1 zusammenrechnen könnte! Aber weil es mich selbst betrifft, bin ich auf beiden Augen blind!! Und deshalb habe ich geweint. Aber vorrangig, weil ich meine Mutter ständig sterben sah. Was habe ich ihr angetan? Unablässig diese eine Frage. Warum habe ich als kleines Kind so eine Macht, sie zu töten?

Die Erinnerungen werden kommen, erst bruchstückhaft, dann werden sich die Einzelteile aneinanderreihen, werden Sinn ergeben. Dann kommt der Hass und zugleich der Schmerz, der noch schlimmer ist als alles davor. Aber dann, dann wird es nur noch heilen.“, die Verheißung meines mutmaßlichen „Sektenführers“.

Und oh! Wie grandios! Nur noch eine halbe Stunde bis zum Eintreffen der Volkshilfe! Starke Kopfschmerzen; sehe mich alsbald beim HNO-Arzt sitzen, denn wie gestern zusätzlich Ohrenschmerzen und bei Druck auf beide Wangenknochen Schmerzen bis tief hinein in den Oberkiefer. Freitag am Abend geht die Party weiter. Noch mehr Dinge, über die ich öffentlich nicht sprechen darf. Wieder ein Monstertext, den ich völlig kastrieren muss. So wie ich mich selbst immer wieder beschneiden muss, in Wort und in Gedanken.

Was für ein böses, böses Mädchen!

Mir heute lediglich die Glaspumpe Tramal bereit gelegt. Ob ein wenig Training auf dem Laufband möglich sein wird? Definitiv heute nicht so viel tratschen mit den Damen. Das kostet Zeit, kostet Geld…

14:10
Zuerst wollte ich schreiben, dass ich angestrengt darüber nachdenke, ob ich nicht doch eine kleine Ausfahrt machen sollte…
Zuerst wollte ich festhalten, dass bei jedem Schritt meine Wampe, meine fette, ekelerregende Schweineschwarte von Wampe erzittert, in Wallung gerät, von links nach rechts und wieder zurück schwabbelt…
Aber stattdessen sieht der Anfang nun wie folgt aus: Ein winziger Moment der Unachtsamkeit, und schon ergießt sich eine hasserfüllte Schimpftirade über mich und meine kümmerlichen Reste…

DU DRECKIGE HURE!!
DU DRECKIGE SAU!!
DU BIST DAS LETZTE, WIE KANN MAN NUR SO EINE DRECKSAU SEIN??!!

Das war noch lange nicht alles, minutenlang verstummte er aus meinem Munde nicht mehr, hatte ihn übernommen, okkupiert. Beim Entleeren vom Katheter war er mir von der Klobrille gerutscht und meine stinkende Piste hatte sich auf den zuvor erst frisch gewischten Boden ergossen, eine riesige Pfütze!! Zum Teil stand ich darin, zum Teil der Rollator. Meine Socken hinterließen dreckige Spuren auf den weißen Fliesen, und man frage nicht, wie es sich mit den Rollatorreifen verhielt! Ich war unfähig, den Boden mit einem Lappen einigermaßen trocken zu wischen!! Und er schimpfte und zeterte und machte mich zur Sau und ließ mich seinen Hass spüren…

WENN DER BESCHISSENE KRÜPPEL SICH NICHT EINMAL BÜCKEN KANN!! WAS KANN ER ÜBERHAUPT NOCH??? GAR NICHTS MEHR, VERRECKE ENDLICH!!!

Mein Schädel ist hochrot angelaufen, fühlt sich wie Fieber an. Vor lauter Anstrengung, vor lauter Abscheu und Ekel vor mir selbst. Die rechte Hand klimpert. Das sei gut, meinte Markus, so hätte ich wenigstens eine Strategie zum Spannungsabbau, ohne mir dabei wieder nur zu schädigen. Ich war nicht zu mehr als einer Stunde am Bild gekommen. Ramida fragte mich um Rat, was das Laufen im Winter betrifft. Also doch wieder mehr und länger unterhalten, als geplant. Aber sie arbeitete fleißig weiter und es bereitete mir Freude, wiederum ihr eine Freude zu machen. Indem ich ihr ein Tütchen der Handwärmer schenkte und ihr schlussendlich bei Amazon etwas fürs Handy besorgte. Sie gab mir sogar einen Kuss auf die Stirn. Aber Endorphine, Glücksgefühle… Das darf alles nicht sein! Sonja gebeten, mich heute durchzubewegen. Die 20 Minuten auf dem Laufband… Was für ein elender Scheißdreck!! Das Minimum vom Gerät, gerade einmal 300 m/h (!!!!), war mir zu schnell!! Und dabei einen Puls von mindestens 150!! Nichts geht, gar nichts geht mehr!! Verzweifelt, zornig, wütend, am Ende, kurz vor der absoluten Resignation, und wieder Verzweiflung usw. Fahre ich raus, tue ich mir das an, mich gut eine Stunde lang vorzubereiten, mit meinen letzten Kräften in unzählige Klamotten zu schlüpfen, für ein paar Minuten draußen?! Weil mir dann wieder doch nur zu kalt sein wird, die Spastik zu einer schmerzhaften Erfahrung mutiert??! Sollte ich abhauen, vor mir selbst flüchten??!!! Oder hierbleiben, versuchen zu arbeiten und damit riskieren, bei Scheitern dieses Vorhabens meinem Täterintrojekt, mir selbst voll und ganz ausgeliefert zu sein?!! „Morgen bist du ja draußen.“, meinte Sebastian mittags. Ein Ausflug in den Tierpark ist geplant. Ich kriege keine Luft mehr und dabei steht die Sonne schon so dermaßen tief wegen dieser vermaledeiten Zeitumstellung! Mir erscheint es soeben unmöglich, anstatt mit der Rechten das linke Handgelenk zu umfassen und darauf herum zu klimpern, den Pinsel in die Hand zu nehmen! Kopfschmerzen, ein Druck im Schädel und dazu Schmerzen im Ohr. Totaler Blödsinn, Wahnsinn, dann in die Kälte hinaus zu fahren? Die Sonne scheint mir milde ins Gesicht. Ich kann, ich will nicht… Dissoziieren, für einen Augenblick. Die Zeit verrinnt ungenutzt. Mit jeder Sekunde davon wertloser werden.

Da taucht die Haubenmeise auf, seit Tagen zum ersten Mal wieder, mein Jagdinstinkt ist geweckt, die Kamera im Anschlag. Für einen Augenblick gibt es nur noch das, sonst nichts…

15:08
Die Vögel beobachtet und dann noch einmal gefüttert, ohne Rollator, um dabei alles zu riskieren. Zwei grenzwertige Momente. Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpfmeisen, Kleiber und ab und an eine Amsel an den Ligusterbeeren. Ich kann nicht. Bin immer noch wie gelähmt, unfähig, irgendetwas in Angriff zu nehmen, nichts als hier im Rollstuhl hocken und tatenlos die Vögel anglotzen. Ich ahne, dass der seltene Gast genau dann wieder auftaucht, wenn ich die Kamera weggelegt habe, und der Gedanke macht mich wahnsinnig. Kann ich irgendetwas ohne Zwang machen? Mir heute erst das Blut vom linken Unterarm gewaschen. Die Skalpelle waren wirkungslos. Kindergartenprogramm.

Da fliegt der Rettungshubschrauber vorbei. Was sollte ich an meinem Zustand noch verschlimmern? Ich hätte eine Überdosis nehmen können. Als Statement. Als Hilfeschrei. Als Warnsignal, dass ich nicht mehr kann.

16:02


Abendrot. Ich male und die Musik erfasst mich mit Haut und Haar. Erst sehe ich meine Mutter sterben. Also ich sehe sie lebendig, voller Leben, und dann ist sie plötzlich weg, ausgelöscht, tot. Der enge Familienkreis ist klein. Die ältesten Tante und Onkel, die erst gestern zu Besuch bei meinen Eltern waren. Ich sehe sie sterben. Um schlussendlich alles und jeden sterben zu sehen. Sebastian mit eingeschlossen. Mir bleibt die Luft weg. Ich sehe Friedhöfe, Leichenhallen…

Das letzte Wort ausgesprochen, folgt ein weiterer Zusammenbruch. Stimme versagt. Die Augen ertrinken. Wer hat mich bloß so konditioniert? Oder habe ich als Kind beschlossen, diesen Weg einzuschlagen und nun kann ich ihn nicht mehr verlassen?! Eine Fehlschaltung im Hirn? Wie oft wurde ich heute gefragt, ob ich gestern auf einem Friedhof war? In Gedanken war ich dort viel zu oft! Würde ich nicht dermaßen frieren, ich hätte mich längst aufgeschlitzt, um diesen nicht enden wollenden Schmerz zumindest kurzfristig auszutreiben, ihm einen anderen entgegensetzen, mir selbst körpereigenes Heroin verpassen, je mehr es schmerzt, je mehr es blutet, desto mehr Endorphine werden freigesetzt und heilen zumindest für einen Augenblick diese tiefe, unsagbar tiefe, eiternde Fleischwunde ganz tief versteckt in meiner Seele, in meinem Herzen. Vermeintlich verblute ich seit Kindertagen. Ich bin nicht fürs Leben gemacht, ich soll wohl nicht leben. In mir eingebaut ein Mechanismus, der mich zerstören will. Ist der Sonnenuntergang im Herbst nicht am schlimmsten?

17:08
Es wird schlimmer und schlimmer und noch schlimmer. In der Vorratskammer all die abgelaufenen Milchpackungen, beide Katzen am Schreien, der Kübel mit dem Katzenfutter leer, dahinter der neue Sack, noch unangetastet… Bis ich eine der Milchpackungen geöffnet habe, um die beiden Fellmonster glücklich zu machen, gehe ich vor Schwäche beinahe schon in die Knie. Kurz darauf im Badezimmer unfähig, mich ohne permanent am Waschbecken fest zu krallen stehen zu bleiben. Schwäche, immer mehr verdammte Schwäche. Dann schreien die Katzen vor der Eingangstür, und natürlich brauche ich lange, und umso lauter plärren die beiden. Als würde ich mir absichtlich Zeit lassen… Es macht mich immer aggressiver, zumal jeder Schritt mich 300 % kostet!! Jetzt brülle ich die Katzen an, ich kann nicht mehr!!

Vermag mich die nächste Sinusitis dermaßen runter zu ziehen? Würde ich es wagen, nächste Woche Dienstag ins Krankenhaus zu fahren, oder würde ich vorher bei meiner Ärztin um ein Telefonat bitten und vorfühlen, ob die ganze Fahrt nicht für die Katz wäre, sie mich unverrichteter Dinge wieder nach Hause schickt? Sollte ich erst zum HNO-Arzt??

17:54


Ich bin gestört, ohne Frage. Immer tiefer eintauchen lassen, in meinen ganz persönlichen Wahnsinn. Es tut mir leid, aber es muss wohl so sein… Am Waschbecken erneut den linken Arm gewaschen und dann mit dem Einwegrasierer zu Leibe gerückt… Kinderkacke! Nichts übriggeblieben. Hingegen der Artikel bei Wikipedia über selbstverletzendes Verhalten wahrlich armselig, und auf seine Art verschroben, irgendwie krank. Was soll die Musikliste unten dran? Und warum werden bei Selbstverletzung Borderliner als „Hauptakteure“ angeführt? Markus sagt, das sei Quatsch. Auch die erwähnte Diskussion darüber, ob Endorphine ausgeschüttet werden oder nicht, bzw. dass es in einem Atemzug angezweifelt wird, finde ich erst recht armselig.

2017-11-02

Vermutlich deswegen mein morbides Statement: Aus Kinderkacke ERNST machen; bzw. mich selbst daran erinnern, „dass es auch anders geht“…

18:13

Fieberthermometer seit 7 Minuten am Überlegen, wie viel Temperatur ich hab. Bei 37°C sind wir bereits… HEUREKA!!!! EINE ANTWORT!!!!
Nach 12 Minuten (mindestens) immer noch 37. DIE REICHEN AUCH VÖLLIG, UM MICH UMZUNIETEN!!!!