18. Dezember 2018, Dienstag

8:50
Abendessen: Salat.
Ein Kilo mehr.
Schlafen und versagen?
Oder zum Aufbruch in ein neues Puzzleteil ansetzen?

15:37
Das Telefon hat geklingelt; keine Ahnung, wer das war. Macht mich unruhig, löst Panik aus. Dabei war ich nach dem Mittag auf dem Sofa eingeschlafen. Aber Ischias und Krämpfe waren gegen meine Ruhephase…

Tatsächlich 2 Stunden gemalt, und was hat mich das wieder für Überwindung gekostet, diesen blöden Schmetterling erst einmal irgendwo auf der Leinwand zu positionieren; vermeintlich ist dies ohnehin eine Fehlentscheidung gewesen!
Und da versuchte ich mich an einer Aufnahme gerade eben, wusste nicht, wie und wo ich die Kamera postieren sollte, und empfand mich selbst auf dem Minidisplay als UNTRAGBAR! Meine Stimme, meine Stimmfarbe als UNERTRÄGLICH! Und das, was ich sagte, als völlig WERTLOS!
Währenddessen geht im Hintergrund die Sonne unter, über den Hügeln immer bunter werdende Lichtfetzen unter der Wolkendecke. Alles kreist um eine einzige Frage: „Was stelle ich jetzt mit mir an?“. Mich wieder abschießen, wie gestern?
Meine Hände klimpern. Einen ekelhaften Kloß im Hals. Soll mir das sagen, die Angst sei mit Ekel verknüpft? Vielleicht hätte ich liegen bleiben sollen, oder besser gesagt mich ordentlich auf meinen Sessel packen, wo die Schrottkiste nicht sofort zu schreien anfängt?
Die Aufnahme zu wiederholen, zwecklos… Es ist zu dunkel, ganz zu schweigen von meinem Aussehen, das im Spiegel noch gnädiger bewertet wurde als nun hier durch die Kameralinse, erst recht in dieser Perspektive.
Ich hätte wohl gerne Tee, aber fühle mich augenblicklich wieder völlig starr und unbeweglich. Versuchen zu malen? Videoschnitt? Ablenkung, ehe ich mich wieder in die nächste Spirale hinein treibe?!
Kindheitserinnerungen und Kindheitsträume vermischen sich mit Kinderprogramm.
Dunkel, dunkler, finster… Kopfschmerzen setzen ein. Nun will das linke Bein zu krampfen beginnen.

Du laberst nur SCHROTT!!!

16:26
Farben portionieren.
Farben am Himmel.
Und plötzlich sehe ich alles zusammenbrechen. Nichts bleibt von mir übrig. Ich will weinen…

https://youtu.be/zc9FrHWz8Kc

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17. Dezember 2018, Montag

8:45
58,7 Kilo um 6:45 Uhr. Kopfschmerzen. Kaum geschlafen. Allerhand Zustände. Aber jetzt, in diesem Augenblick, scheint nur zu zählen, dass ich absurderweise völlig aufgekratzt bin und meinen Körper besser kontrollieren kann als die Tage zuvor… Aus heiterem Himmel… Von ein „bisschen“ Cortisolausschüttung die ganze Nacht hindurch…

11:31
Nichts. Sechs Buchstaben. Einfach nur NICHTS. Außer die Leinwand mühevoll vom Tisch zu montieren; bei diesem Saustall muss man ja schon fast davon sprechen.

DU SIEHST AUS WIE DEIN VATER!!!

Ein abschätziger Blick gen Leinwandkopie. Kein großer Unterschied zu dem, was er gerade eben zum Spiegelbild gesagt hat.
Ich hasse mich.

Ekelhafter Faltenhund, du fette Sau!!!

Mich haben die Aufnahmen vom Essen schockiert. Obwohl ich es doch besser hätte wissen müssen. Kaum den Kopf gedreht, legt sich alles in Falten. Und ich sage zu mir selbst: „Widerwärtiges Stück Scheiße…“. Und bei jeder winzigen Bewegung überstrecke ich den Kopf.

DU SIEHST SO SAUDUMM AUS, DU BLÖDER KRÜPPEL!!!

Die Kopfschmerzen vorprogrammiert?

Lediglich ziemlich orientierungslos nach weiteren Motiven fürs Bild gesucht. Dabei macht es auf mich den Eindruck, es sei alles vergebene Liebesmühe, weil ich nicht mehr malen kann. Gelbe Klebezettel auf die Leinwand gemacht, Schmetterlingsarten, dort, wo ich sie positionieren wollte oder sollte.
Bin ich in meiner Verfassung nicht zurechnungsfähig? Vermag mir kein objektives Urteil darüber zu erlauben, wie und ob es weitergeht? Jetzt? Jetzt ist alles kaputt, liegt in Scherben vor mir. Kaum die Zähne putzen. Kaum den Weg zurück geschafft. Wieder völlig bewegungslos und tot.
Zugleich dachte ich mir wenige Minuten davor bei Verlassen des Wohnzimmers, als ich die Tür öffnete, und mir bewusst machte, dass es „meine Tür“ ist, dass ich für diesen ganzen geschenkten Reichtum noch nicht genug leide. Markus wollte in seiner E-Mail wissen, was Rumpelstilzchen dazu sagt, dass meine Eltern bei einem Suizid meinerseits ebenfalls leiden würden. Und ich verspürte eine Blockade in meinem Kopf, konnte mir das nicht vorstellen. Ich habe mein ganzes Leben damit zugebracht, sie sterben zu sehen, in allen erdenklichen Situationen. Aber das geht nicht. Diesen Gedanken kann ich nur für Sebastian zulassen, ab und an. So dachte ich mir auch vor 2 Stunden, es wäre an der Zeit…
Beim Frühstück eine Dokumentation über Missbrauch in der Kirche, und das 14-jährige Mädchen, dem es dann immer schlechter ging, auch anfing, sich zu verletzen, hätte wohl mehrere Selbstmordversuche unternommen. Meine Quote ist schlecht. Als müsse ich mithalten.

So oft wie du davon quatscht und NIE in die Tat umsetzt!! Jedes Mal zu feige bist!!!

Ich möchte mir was antun. Mir irgendwie schaden.
Wieder fällt der Blick auf die Leinwand, die vor mir steht. Das Licht scheint im oberen Teil durch das weiße Leinen, und lässt gemalte Passagen lückenhaft erscheinen. Fast sechs Monate Pause… War das zu lang?

Nachts schluckte ich erst 2 mg retard, dann obendrauf noch 1,3 normales Hydal. Im Schlafzimmer wurde das Fenster lediglich gekippt, das war zu wenig. Als ich die Augen das erste Mal schloss, und wieder Kindheitserinnerungen durch meine Gedanken rasten, die aber allesamt am Tag stattfanden, fragte ich wieder in mich hinein: „Was ist mit der Nacht? Da hat es ja schlussendlich auch Nächte gegeben, was ist mit diesen Erinnerungen??“. Und ich war wohl kurz davor, einzuschlafen, als er sich bewegte, herum drehte… Und in diesen unruhigen Minuten, sicherlich nicht mehr als zwei, erschrak ich bis ganz tief tief in mein Innerstes. Vielleicht war es das innere Kind. Mehrmals hintereinander. Und das nur, weil er eine winzige Bewegung machte! Danach war es vorbei mit Schlaf. Ich schluckte weitere 20 Tropfen Tramal, weil die Ischiasschmerzen des Liegen unmöglich gestalteten, später kurz vor 2:00 Uhr ein halbes Gewacalm, eine halbe Stunde später die andere Hälfte. Aber keinerlei Wirkung. Kaum machte ich knipste ich meine Lampe an, las ein paar Zeilen, nickte ich ein. Doch kaum das Licht gelöscht nur noch Stress und Panik!
Licht an, Licht aus, Licht an, aus, dann sogar überlegt, mit Licht zu schlafen, aber selbst das funktionierte nicht.

Einfach nur Stress, blanker Stress. Die ganze Nacht. Als ich morgens endlich für einen Moment schlief, träumte ich erneut davon, mich in der Schule anzumelden. Ich hasste mich dafür. Aber kämpfte beim „Aufnahmegremium“ aus Direktor und Lehrer darum, dass sie mich auf gar keinen Fall zum Borderliner machen dürfen.

Bei der Erzählung von der Nacht triggert es mich mehrmals, mehrmals stolpere ich in Gedanken und drohe abzustürzen. Schlagartig werde ich auch müde, obwohl ich gerade doch noch überlegt hatte, irgendetwas einzuwerfen. Genauso hatte ich im Sinn, nachts ins Wohnzimmer zu gehen und dort auf dem Sofasessel zu schlafen. Das Wohnzimmer scheint ungefährlicher, weniger belastet. Das zur neuen Gewohnheit zu machen, um zumindest von Sonntag auf Montag dort zu pennen.

Und allein beim Denken des nächsten Satzes, dass ich schon wieder Krämpfe im rechten Bein habe, setzt in meinem Kopf für den Bruchteil 1 Sekunde irgendetwas aus.
Meine Augenlider werden schwerer und schwerer, und prompt sehe ich die Erinnerung, als meine Mutter oben die Kinderzimmer gestrichen hat? An den Radio, die Musik, den Geruch?
Ich kann nur hoffen, die Sitzung nicht zu verschlafen…

15:23
Die Sonne senkt sich erneut. Wandert gen Hügelkette, und alsbald fällt der letzte Vorhang. Ein Farbspektakel mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit zu erwarten.
Erst ganz zaghaft… Zehn Tropfen vom Tramal, eine halbe Dosis. Und da die Krämpfe nicht aufhören wollten, 1,3 Hydal.
Doch keine Minute später, eigentlich mit Schließen der Eingangstür hinter sich, und ich wieder allein, griff ich erneut zum Opiat. Kurz noch abgewogen, ob es möglicherweise/oder zusätzlich etwas anderes sein sollte, doch noch Temesta extra. Oder vielleicht irgendetwas anderes aus meinem breiten Fundus an Psychopharmaka. Doch das Pumpfläschchen erst einmal angesetzt, erst einmal eine volle Dosis, vier Hübe intus, machte ich wie selbstverständlich weiter…

Da wurden es mal eben 40 Tropfen. Doppelte Einzeldosis. Und natürlich gilt diese Hochrechnung ohne die 20 Minuten vorher bereits geschluckten Tropfen.
Nach dem Mittagessen (Milchreis und eine Birne) fuhren neu Lebensgeister in meinen Körper, die Müdigkeit wich, wie sie zuvor gekommen war: Unangekündigt.

Nachrichten geguckt und immer unruhiger geworden. Aber dann kam Ramida, zum Glück. Und selbst wenn wir wieder über Laufen sprachen, besserte sich meine Laune zusehends. Und wäre ich nicht so lahmarschig gewesen, hätte ich doch tatsächlich mit einem der neugewählten Schmetterlinge anfangen können…

Aber nun läuft mir erneut die Zeit davon. Wie früher, während der Sitzung weiter arbeiten, geht nicht mehr. Obwohl… Was töne ich hier großartig von „Arbeit“… Noch nicht einmal den Bleistift in der Hand gehabt…

Alles nur wüste Spekulationen!!! DU KANNST NICHTS MEHR!!! UND DIESES ABENDROT SOLLTE DEIN LETZTES SEIN!!!

Schlagartig erfasst mich Panik. Und wenige Augenblicke davor -wie auch heute schon so oft- das Gefühl, im Geiste zu straucheln, an einem meiner Wörter hängen zu bleiben. Und das Bedürfnis, noch nicht fertig zu sein…

PLÖTZLICH knackt die Tür!! Das Holz bewegt sich und ich fahre vor Schreck zusammen, inklusive mit Herzkasper im Kleinformat. Jetzt schmerzt auch noch die Pumpe.

Klimpern. Aufschlitzen und dann wieder seine Fragen aushalten müssen: „Warum hast du das gemacht? Aus welchem Gefühl heraus?“?
Eigentlich wäre ich genau in diesem Moment so wunderschön breit. Zugleich scheint in meinem Schädel der Kochtopf erneut in Betrieb genommen, mein Gesicht fühlt sich total heiß an, als hätte ich starkes Fieber.
Mittags war ich verleitet, ihm zu schreiben, dass ich heute nicht kann.
Und davor noch, mich zu entschuldigen und zu bedanken, richtig schön dick aufgetragen DRAMATISCH, um sodann mich mit irgendetwas etwas „intensiver“ über den Jordan zu jagen…

19:40
Panikwellen die Sitzung hindurch. Wurde mehrmals ausgeblendet, verlor den Faden. So meinte ich auch ihm gegenüber: „Entweder DU hast recht, oder ich werde dement…“.
Nein, „völlig normal“, und zitierte die von mir neu entdeckte Seite…

https://distanzblog.wordpress.com/

Sie erzählt sehr ausführlich von der Alltagsamnesie… Worum es sich bei dir auch handelt.“.

Ich hielt es nicht aus; auch, wenn die letzte halbe Stunde von 150min gescherzt, gelacht wurde und locker sich Alltäglichkeiten widmete.
Nicht, dass der schöne Rausch von den Ängsten in Form/Begleitung von anfallsartiger „Dejavue-Übelkeit“ zunichtegemacht worden war.
Wieder 1,5 Dosen. 30 Tropfen.
Bei jedem Gedanken in Richtung „Was mache ich als Nächstes?“ Panik.

16. Dezember 2018, Sonntag

11:28
Trommelwirbel…
58,3 Kilo um 9:30 Uhr? Aha? Mit den dick geschwollenen Fußgelenken? Und DAS ist lediglich nur die eine Stelle, wo es einem sofort ins Auge sticht…

Bis tief in die Nacht hinein die letzte Videoaufnahme in ihre Einzelteile zerlegt und mir wie ein Verbrecher vorkommen, weil ich selbst Gesagtes aus dem Kontext gerissen und neu zusammengefügt habe. Und DAS war mal eine Tortur… Dabei dermaßen konzentriert, ich vergaß völlig zu trinken. Der ausschlaggebende Faktor für mein Gewicht?

Ich bekam schlechte Laune, als ich die Augen aufmachte und draußen blauen Himmel und Sonnenschein sehen musste…
Eine beschissene Nacht. „Ich habe gewagt zu denken…“… Dass während dem gesamten Videoschnitt die Beine völlig unauffällig geblieben waren. Spätestens dann irgendwann um 22:30 Uhr (oder 23:00 Uhr) beim „Abendessen“ wurde ich wieder einmal eines Besseren belehrt, oder bestraft -Auslegungssache. Kein Tramal zur Abenddosis. Und mir wieder einmal eine Grundlage geschaffen, um mir selbst diese eine Frage nicht beantworten zu können, die mich vermutlich ab 2:00 Uhr Ewigkeiten wach gehalten hat!
„Ich nehme kein Hydal… Die kalte Decke wird’s schon richten…“.
ABER zu fehlenden Medikamenten gesellt sich eine zweite Möglichkeit für stundenlange Krämpfe: eine Kuscheldecke.
In der Nacht davor meinte Sebastian, unsere Stromrechnung würde explodieren wegen meinem Heizstrahlergebrauch. Und in der Tat läuft das Ding manchmal (viel zu oft) die ganze Nacht durch, weil ich einschlafe, das Ding nicht ausschalte. Deswegen die zweite Decke.

War es die Wärme, die durch die Decke besser gespeichert wurde?
Oder der Mangel an Medikation?
Dritte Option: Weil die Kombination aus Kälte und grob verteilter Wärme (eine Wärmeflasche zum Beispiel wäre ZU punktuell und löst erst recht Schmerzen aus) durch den Heizstrahler mir einfach besser bekommt?

Krämpfe, Krämpfe, Krämpfe. Ich weigerte mich, die nur einen Griff entfernten Tabletten zu schlucken. Stattdessen wach gelegen und alle 4-10 Sekunden am rechten Beingurt gerissen, gezerrt.

Und eigentlich wollte ich das hier wieder kürzen, um es dann doch in die Länge zu ziehen… Nur noch ein paar…
Mit offenem Mund nach dem Wort suchen…
Es fällt mir nicht ein. So viel zum hehren Ziel, mich wortgewandt auszudrücken… Für’n Arsch!
Mein Traum -lediglich ein kleiner Teil aus der Mitte gerissen:
Ein Film, den ich mir anschaute. In einer winzigen Wohnung, ich war völlig gelähmt und mein Bein krampfte. Eine Krimireihe aus den siebziger Jahren. Eine Frau hatte ein Buch darüber geschrieben, dass sie plötzlich mit 30 das Gefühl bekam, sie müsse missbraucht worden sein. Ein Polizist trat mit ihr in Kontakt und kritisierte sie harsch: „Was tun Sie nur ihrem ganzen Umfeld an? Sie können doch nicht wegen einem GEFÜHL Familie und Freunde unter Generalverdacht stellen!!!“. Und sie fühlte sich so schlecht und schuldig und „was sie nicht ihren Lieben alles angetan hatte mit ihren Vorwürfen“, dass das doch nichts als ein Hirngespinst sei.
Alles vermischte sich, ich wurde zu dieser Frau, ich versuchte, sie zu verteidigen. Akte X, erneut tauchten Mulder und Scully auf und ermittelten in dieser Causa. Ich rechtfertigte ihre Mutmaßung, auch/erst recht Sebastian gegenüber: „Vor 40 Jahren hatte man noch keine Ahnung davon, dass so ein popliges Gefühl sehr viel bedeuten kann! Das sagt gar nichts! Oder…?“, um dann doch kleinlaut in meiner Meinung zusammenzubrechen. Um mir selbst und auch dieser Frau vorzuwerfen: „Ist das nicht gerade regelrecht eine Mode geworden? Sonst nichts?“…

Wieder vielleicht nur vier Seiten gelesen. Über den Tag, der ihr letzter hätte sein sollen. Darüber, wie sie erklärte oder rechtfertigte, mit sarkastischem Unterton, WARUM keiner gesehen hat, wie sehr sie leidet. Dass sie ja SELBER SCHULD SEI, zu perfekt hätte sie ihre Rolle gespielt, und wie oft man ihr gesagt hätte: „Dein Leben möchte ich haben!“ -ein Satz, der in dem Zusammenhang sich wahrlich unter die Haut ätzen kann, wenn man dazu verdammt ist, dazu auch noch lächeln zu müssen!!! Und dass sie nun all diese „leichtgläubigen Menschen“ gewaltig vor den Kopf stoßen würde, mit ihrem Suizid!!!

Und ich brach in Tränen aus, identifizierte mich gewissermaßen… Abgesehen mal von der MS,… ICH HABE JA AUCH ALLES!!! EIN PERFEKTES, WUNDERBARES LEBEN!!! WAS BESCHWERE ICH MICH?!! WAS STELLE ICH MICH SO DÄMLICH AN?!! IST MEIN VERHALTEN NICHT EINFACH NUR EIN ZEICHEN DAFÜR, DASS ICH UNDANKBAR BIN?!!! DENN „ANDEREN GEHT ES SCHLECHTER“!!!!!!!!!!!!


Und zumindest in diesem winzigen Moment spürte ich wieder ganz genau, dass mein Leben einen gewaltigen Schlag erhalten haben muss. Dass diese kruden Theorien von diesem Spinner in Wien nicht an den Haaren herbeigezogen sein können…

Beim Schnitt diverse Sequenzen so oft hintereinander gehört, bzw. in kürzester Zeit wieder und wieder nur die ersten zwei oder drei Worte, dass mir mitunter schlecht wurde, vom Gefühl heimgesucht: „Gleich kippst du! Gleich trittst du weg! Gleich hast du entweder einen Flashback, eine dissoziative Absenz, oder von mir aus einen epileptischen Anfall!“. Als hätte ich mich selbst damit ansatzweise in Trance, Hypnose versetzt. Richtig heftig wurde es, wenn zwei Tonspuren übereinanderliefen und ich mich doppelt hörte…

Aber nun ans Bild. Extra noch nicht die Zähne geputzt, weil ich sonst wieder unfähig bin… Wenn ich mich nicht sowieso bereits in diesem Zustand befinde; ich weiß es noch nicht. Die Leinwand muss abgeräumt werden, ich mir Überblick, einen Gesamteindruck verschaffen, wie es nun weitergeht…
WENN es denn weitergeht… Und nicht auch diese Leinwand „abrupt mittendrin“ zum Verrecken verdammt ist, wie ihr Vorgänger…

12:42
Gerade noch geschafft, ein paar Tasten zu drücken… „Ende Gelände“…
Weil die Sonne so tief steht? Durch die Fensterscheiben direkt in mein Gesicht knallt und mich aufheizt?

Wurde zum Klo zitiert. „Durchfall in Zeitlupe“. „Entschleunigung mal anders“. Oder „Bianca, du bist so unappetitlich!“?
Nach welchen Maßstäben werden Toiletten, also Kloschüsseln genormt? Gibt es da Sonderbeauftragte, Fachfrauen und Fachmänner, einen Doktortitel, Labore, die sich ausschließlich DAMIT ihre Brötchen verdienen?
Ich bin, im Vergleich zum „genormten Durchschnittsmenschen“, ein Gartenzwerg, mit meinen 1,64. Lässt mich zumindest Sebastian immer wieder gönnerhaft wissen.
Natürlich abgesehen von meiner Schuhgröße.
Aber ich schaffe es jedes Mal dieses Ding zu verstopfen.
Und dachte ich erst, Grund zur Freude zu haben, die letzten Tage wenigstens nicht Opfer der „hinterfotzigen“ Obstebation geworden zu sein, wurde ich wieder einmal eines Besseren belehrt.
„Du bist so negativ!“… Sagt wer? Sagt GERADE MIR ein GESUNDER?! Ich lach mich tot!
Die Schmerzbotschaften, und anders scheint mein Körper nicht mehr mit mir zu kommunizieren, die in der Schaltzentrale aufgezeichnet wurden, suggerierten durchaus den Eindruck (um nun nicht wieder sagen zu müssen, „ich hätte das Gefühl gehabt, als…“), meine Blase würde nach außen gestülpt. Blutpartikel im Katheterbeutel.
Verdammt, wie lange saß ich auf dem „beschissenen Topf“? Als ich nämlich wieder aufstand, konnte ich spätestens jetzt jegliche Tagesplanung in die Tonne treten. Schwindelig und schlecht.
Aber wenigstens etwas… (Den Negativismus scheine ich dann doch nicht so konsequent durchzuziehen!)… Endgewicht: 58 Kilo.
„WAS? DU WIEGST DEINE SCHEISSE AB?!!“…
Genau genommen… Oder wenn man so will…
HALLO?!! Ich hab immer noch seit 20 Jahren eine Essstörung?!! Da ist gar nichts peinlich oder unnormal. Ich erinnere mich da nur an meine obskure Kotztechnik von anno 2001. DAS wäre mal was für einen Videoeintrag!  Handstand über Eimer; unfähig, mir etwas in den Hals zu stecken. Bzw. wirkte das nicht. „Noch“ nicht. Oder die Mineralwasserflaschen, die ich „voll gekotzt“ habe, um sie dann unter meinem Computerstich zu verstecken?

Warum ich sie nicht weggeräumt habe? Dass man sie findet? Die Umwelt mit dem Gesicht in die „Scheiße tunkt“? „Erde an Mond! Hier gäbe es eventuell, vielleicht, möglicherweise, wenn man mal ein bisschen genauer hinsieht, aber nur wenn man mag, was wirklich ZU freundlich wäre, aber ich will ja keine Umstände machen, denn NICHTS läge mir ferner als das, ein klitzekleines Problemchen?“…

Sarkasmus stirbt zuletzt.
Gerade eben noch, kaum vom Klo zurück, 37,8 °C. Mein Schädel wie eingeengt in einem Schraubstock, links und rechts an den Schläfen bohren sich allmählich die Schrauben tiefer in den Knochen, die Schrauben werden sozusagen fester gezogen. Wie Brei. Matsch. Wertlos.
Gestern mit dem Kortisonspray aufgehört, wie verordnet. Und weiter die Nase gespült. Gestern Nacht maximal 37,5 °C geschafft…
„DAS IST NOCH KEIN FIEBER! MAN MUSS 0,5 °C ABZIEHEN!“…
Diesen Satz nicht aus meinem Schädel bekommen; wortwörtlich.

Du suchst doch nur nach einer billigen Ausrede für deine Faulheit, du fette Sau!!!

Ein Indiz dafür, dass ich mich eben nicht nur schlecht fühle, sondern eventuell auch physische Gründe dafür habe? Krank.

Da mir nun ja unverhofft noch Zeit vergönnt sei, noch ein kleiner Anhang:

Im Traum telefonierte Sebastian mit meiner Mutter. Sie wollte etwas von mir wissen und ihm war zu blöd, meine Antwort/Botschaft zu erklären, so reichte er einfach mir das Telefon, egal, wie vehement ich auch abwehrend mit den Händen fuchtelte. Wieder entschuldigte sie sich einerseits, andererseits machte sie mir Vorwürfe, fing zu weinen an, ich verstand nichts mehr und legte einfach auf. Da sie nun also mich persönlich bereits zumindest akustisch in Beschlag genommen hatte, verschaffte sie sich im nächsten Augenblick unaufgefordert Zutritt zu unserer Mikrowohnung.
(Hatte, wie im Buch gelesen zuerst, eingängig geklopft -in dem Fall war es der Vater, der dann einfach das Zimmer betrat und nicht kapierte, dass seine Tochter eine Überdosis Schlaftabletten geschluckt hatte- und ich, völlig bewegungslos, konnte ja nicht öffnen.)
Überfiel mich regelrecht, ihre Visagistin im Schlepptau. Meine Mutter hatte sich zum Ziel gesetzt, Sebastians Oma das beste und größte Geschenk zu machen. Ich sollte die Hauptattraktion sein. Gepimpt, aufgemotzt, sollte ich in einer Schokoladenkutsche vorgefahren werden und ihr mit unterschiedlichen Kleidern Stationen ihres Lebens noch einmal ins Gedächtnis rufen, diese ehren, und ihr immer und immer wieder danken, danken, danken! Ich verstand nicht, was sie plötzlich für ein inniges Verhältnis zu Oma Helga hatte. Aber ihr junges Mitbringsel machte sich sofort an die Arbeit. Scheißegal, ob es Krämpfe auslöste oder nicht.
In Gegenwart meiner Mutter und auch Sebastians waren diese mittlerweile UNERTRÄGLICH geworden, ich bekam vor Schmerzen keine Luft mehr bei jeder einzelnen Kontraktion. Und versuchte zugleich mein neues Elektrogerät anzuschließen. Insgeheim hoffte ich ja, das junge Mädel würde einen Stromschlag bekommen, während sie meine Beine enthaarte.
Aber zugleich fühlte ich mich schlecht, SO SCHLECHT. War ich zu streng im Tonfall meiner Mutter gegenüber? Dachte die junge Kosmetikerin schlecht über mich, WAS dachte sie bloß über mich? Ich MUSSTE das wieder gerade biegen!! Mich „anbiedern“!!!!

Und dann ging sie mir doch tatsächlich noch wortwörtlich an die Wäsche. Nahm meine beiden nackten, gelähmten Beine in eine Hand, hob sie ohne große Mühe hoch… Das sah nicht nur aus wie eine klassische Handbewegung im Umgang mit einem Baby, ICH MUSS AUCH DIE GRÖSSE EINES BABYS GEHABT HABEN!! Wenn ich nicht sogar eine Windel trug, oder sowieso oder plötzlich nackt war!!
Mir ging eine Frage durch den Kopf: „Wenn ich doch noch in Haute Couture gesteckt werde, warum müssen dann die ganzen Haare ab? Warum sollte Oma Helga meine Schambehaarung stören???“.
Das ging mir zu weit! Vorne rum hatte ich es NUR bis „zur Scham“ zugelassen, was bereits mit Unverständnis goutiert worden war. Außerdem fühlte ich mich ZIEMLICH ausgeliefert, zugleich vorgeführt und sowas von missbraucht!!! Mein Hinterteil hing in der Luft, wenn man so will, genau vor dem Gesicht meiner Mutter. Logenplatz bester Güte! Zuckersüß fragte ihr Anhängsel: „Aber diese Haare müssen doch auch ab!“.
Ich protestierte mit giftiger Stimme: „NEIN!! NIEMAND fässt mir dorthin!!!“. (Erinnert mich gerade sehr an die Situationen bei der Reha!)
Verspürte unverzüglich eine gewisse allgemeine Enttäuschung. Fühlte mich wieder schlecht. Und ließ mir Szenarien durch den Kopf gehen, wie alt ich noch werden müsse, um das locker hinnehmen zu können, welche Umstände herrschen sollten und freundete mich allmählich mit dem Gedanken, zur allgemeinen Befriedung, an…

Na bitte! Zuvor hatte ich im Traum noch Sebastian die Schuld gegeben, dass die Elektroden zu schnell kaputt gehen, weil er sie schlampig auf die Haut klebt.
Das war, nachdem er mir auch keinen Glauben geschenkt hatte, was den Film betrifft…
Nun, glatt wie ein Babyarsch, hafteten diese wie neu!…

Der Schleim läuft mir hinten den Hals runter. „Schnupfen mal andersherum“ oder „Australischer Schnupfen“? Es wird 13:48 Uhr. Die Sonne verschwindet hinter den Wolken und Sebastian kommt von oben; Biathlon, athletischen Menschen beim Sport zusehen… Ich könnte kotzen…

16:25
Kindheitserinnerungen, Gedanken, die unverzüglich Assoziationen hervorrufen, die in Windeseile entweder Panik oder fast das Wegtreten evozieren.
Zuvor bei meiner unfreiwilligen „Sitzung“ hatte ich ungläubig auf die gelbe Verpackung eines Herstellers von Babyfeuchttüchern gestarrt. Das darauf abgebildete Baby, der Inbegriff von polarisierenden Empfindungen und Gedankengängen! „Soll das Kind niedlich sein?“. „Kann man da überhaupt von Kindchenschema sprechen?“. „Was stimmt mit mir nicht, wenn ich ernsthaft sagen kann, ich finde es hässlich?“… Usw. und so fort. Und dann wusste ich die Antwort!
Dieser kleine, kahle Schädel erinnerte mich total an einen alten Mann, nicht an ein unschuldiges Kind, und erst recht nicht weiblich!! Ein alter, widerlicher Sack, der mir gefährlich werden könnte!… Oder bereits WURDE!!
Und wieder wäre ich beim Lebensgefährten meiner Oma, Willi, diesem ekelhaften Typen. Diesem „Maulwurfmörder“! Oder geht es allgemein nur darum, dass es für mein Auge, meine tiefsten Emotionen einen MANN repräsentierte? Einen Mann, der so tut, als sei er ganz klein, harmlos, unschuldig…?!

Noch absurder… Fast zeitgleich regten wir uns zuvor über die Tröten bei dem Biathlonrennen auf. Ich meinte: „Das klingt beinahe wie das Geschrei eines Babys! Eines PENETRANTEN Babys!“.
Nun der Assoziationsweg:
Erst dachte ich an Mütter, die mit einem sogenannten „Schreibaby“ zu tun haben.
Wie oft schmeißen die wohl ihre Nerven weg?
Gehen dem Kind an die Gurgel?
Würde ich handgreiflich werden?
Ganz sicher hätte ich mich nicht im Griff!
Man sollte das Kind filmen, damit es später sehen kann, wie anstrengend es war.
Wie oft das schon passiert ist, also so etwas gemacht wurde?
Ich würde mein Kind filmen.
Sein Aufwachsen dokumentieren.
Damit es ALLES sehen kann, die ganze Kindheit…

Und genau an dem Punkt wurde mir schlecht, meine Augenlider flatterten bereits tendenziell für den Bruchteil einer Sekunde, Panik stellte sich ein, dieses Dejavuegefühl und ich sah mich selbst, wie ich mein eigenes Leben von der Geburt an in einem Stummfilm betrachte, sah mich als Baby, sah mich mit drei Jahren…

Weiter kam ich nicht. Denn ich trat nicht weg, blieb im Hier und Jetzt. Natürlich etwas „verschoben“, wie immer nach so einem Zustand, aber trotzdem einigermaßen klar bei Verstand.

Der Lichteinfall, noch vor etwa einer halben Stunde, als man noch von Licht sprechen konnte (jetzt wird es dunkel), machte mir Angst und verstärkte den Eindruck, dass ich nicht ohne Grund immer wieder zur selben Weihnachtsfeier in meinen Erinnerungen zurückkehre. Dass es etwas mit dieser Jahreszeit zu tun hat, haben muss!

Die Arme verschränkt, verkrüppelt, spastisch verkrampft. Irgendwann um 14:30 Uhr 25 Tropfen Novalgin geschluckt. Die Temperatur ist gesunken auf 37,4 °C. Ich halte meinen Anblick nicht aus. Ich halte diese Starre nicht aus! Diese Bewegungslosigkeit! Und dabei gleite ich doch unentwegt ab in eine leichte, oberflächliche Dissoziation, wenn mein Blick sich an einem Punkt festfrisst, ich scheinbar willkürlich die Augen davon nicht abwenden kann, meine Sehnerven mir nicht mehr gehorchen (und plötzlich wird mir bewusst, dass es mir so bereits in Kindheit und Jugend erging), und/oder sich alles auf das beschissene Klimpern meiner Finger konzentriert. Das wie immer keine physiotherapeutischen Qualitäten erkennen lässt; man kann es ja nicht mal sehen, nur ich spüre es. Augenblicklich hasse ich mich wieder wie die Pest.
Und zuvor, als er mir aufs Sofa helfen wollte, brach ich mehrmals dümmlich kichernd in mich zusammen und plumpste zurück auf den Rollstuhl! Und konnte und konnte damit nicht aufhören, und mich unterdes erst recht nicht bewegen!! Um dabei nicht mal einen Grund dahinter nennen zu können!! Außer vielleicht dem Gefühl (schon wieder), dass ich eigentlich nur noch flennen will, weil nichts geht, schon wieder nichts geht…

15. Dezember 2018, Samstag

14:12
59 Kilo. Die Sonne guckt verschlafen durch einen seichten Wolkenvorhang. Schneeflocken rieseln vom Himmel, und die Frage, ob ich male, mir selbst mit ein paar Minuten Staubsaugen erspart; aber wenigstens nachdenken könnte ich, wie es weitergeht, was ich mir bereits alles gedanklich zurechtgelegt habe… „Wenn Markus nicht recht hat, und dass kein Symptom dessen ist, dass augenblicklich der gesamte Fokus nur noch nach innen geht, um mich zu erinnern, dann werde ich definitiv dement!“; gerade eben noch auf dem Supermarktparkplatz. Ich weiß nicht mehr, was ich malen wollte, welche Symbole aufs Bild sollten. Vergessen.

Die Hände klimpern unentwegt. Für Schneefall recht wenig Betrieb am Restaurant. Bin ohnehin zu dumm, die Kamera zu halten. Bis tief in die Nacht hinein am Video gearbeitet. „Arbeit“… Mindestens 1 Stunde an einer Tonspur herum gebastelt, um dann alles mit einem Schlag wieder rückgängig zu machen. Die Tonspur ist scheiße, die Bildqualität ist scheiße. ICH darauf bin scheiße.

Sebastian fuhr vorher die kleine Umfahrung ums Ortszentrum. Dieses exakt 1 km lange Straßenstück mit neuem, perfektem Asphalt. MEINE Strecke, MEINE Rennstrecke, fürs Intervalltraining… Selbst das ist übertrieben, wie zuvor das Wörtchen Arbeit. Es war DAS Stück, welches ich nach ein oder zwei Stunden Laufen für Sprinteinlagen genutzt habe.
Ich weiß, ich wiederhole mich und wiederhole mich und wiederhole mich… Um alles andere zu verdrängen und zu vergessen…
„Oh… Mein Lieblingsweg…“. Darauf er: „Also ich bin jetzt nicht hier lang gefahren, um dich depressiv zu machen!“. Ich, mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen: „Keine Sorge, Superman, die rosa Tablette von heute Morgen, Mister Efectin kämpft gerade wie ein einsamer Held auf einsamem Posten gegen die Überflutung mit Serotonin und Noradrenalin -oder was auch immer da ausgeschüttet wird- und schaufelt tapfer mit einem winzigen Eimer die ganzen Botenstoffe aus dem Fenster…“. Was für eine „putzige“ Vorstellung.
Aber spätestens jetzt kommt die Wehmut, um meinen Sport, mein Leben. Und der Rollstuhl um mich rum bereitet noch mehr Schmerzen.

14. Dezember 2018, Freitag „Glatteis…“

8:50
Der Tag beginnt mit einer kleinen Katastrophe; die halbe Furosemid war machtlos…

Fett kann man nicht ausschwemmen!!
Du fette Sau!!!

59,4… Oder waren es 59,5? Ich merke mir nichts mehr. Ob man das als Selbstschutz bezeichnen darf?
Ein Katastrophenzahnrad greift in das nächste.

Dieser Satz lässt mich kurz wegtreten. Kindheitserinnerungen an Weihnachten drängen sich mir ganz plötzlich auf. Gegenfrage, wie so oft: Hat das etwas zu bedeuten?
Also erst dieses Gewicht. Dann, so blöd wie ich bin, beim Sortieren der unzähligen Kabel jenes der Maus verkokelt; war aus Versehen auf dem Stövchen gelandet. Der nächste Schritt die Fehler-Karriereleiter hinauf: Der Computer reagierte nicht mehr, kein Lebenszeichen zum Wechsel der Maus. Wieder einmal ließ er sich nicht ausschalten. Alles dauert viel zu lange.

Habe ich gestern etwas geschluckt? Ja? Ich weiß es nicht mehr…
Im Traum sah ich mich mit meinem jugendlichen Alter Ego konfrontiert. Noch ganz zart, und aus irgendeinem Grund war sie nackt, bis auf den Schlüpfer. Ich wollte ihr einen BH leihen, aber nichts gefiel ihr. Ganz zu schweigen davon, dass ihr 75 B ohnehin zu groß gewesen wäre. Ich träumte von der Kindheit, dass ich Tagebuchvideos gemacht hätte, und zugleich eine Persiflage auf irgendeine Serie meiner Mutter. Vermutlich war es wie auch in echt wieder „Reich und schön“. Ein Dreiteiler. Freundinnen von damals tauchten auf und wollten allesamt alle Teile haben…

(Während ich das diktiere, trete ich erst recht um Haaresbreite weg!!!)
Einerseits war die Story fiktiv, andererseits erzählte sie meine Geschichte. Dieses junge Mädchen, das ich mal war, fing an, essgestörtes Verhalten an den Tag zu legen. Das Gasthaus, im ersten Stock der Flur mit den drei Gästezimmern auf der einen Seite und dem Elternschlafzimmer links, war plötzlich ein Krankenhaus, eine psychiatrische Klinik. Ich versuchte ihr ein „schlechtes Beispiel“ sein, sie zu warnen, was da noch alles auf sie zukäme, und es doch viel zu schade sei, ihr Leben jetzt schon wegzuwerfen. Und immer noch war sie oben ohne, so jung, mit ganz zartem Brustansatz. Ich träumte von einer Burg, einer Burgruine, einer Festung hoch oben auf einem Hügel. Ich war Ronja Räubertochter. Ich war ein Ritter. Und versuchte, unser Land vor Angriffen zu beschützen. Zugleich die Grenzen auszuweiten. Gleichzeitig war die Burg die Bar im Gasthaus. Was für ein Durcheinander…

Aber was ich nun vergessen habe, chronologisch ebenfalls durcheinander bringe: Noch während der Küchenschlacht, noch vor dem Absturz, es war gerade 8:20 Uhr und ich sah Ralf Zacherl, wie er soeben damit begann, die gekochten Gerichte zu verkosten und bewerten…
Mir den Teil, der zum Trigger wurde, hinterher noch einmal angehört. Aber da war NICHTS! Absolut NICHTS, in dem ich irgendeinen Schlüssel oder Zusammenhang aus reiner Logik heraus erkennen hätte können.
Nichtsdestotrotz: Dieses Mal ganz langsam weggetreten, in mir versunken, der Schlag auf die Nase, der Geruch von innen heraus, die Übelkeit, der Druck auf meinen Magen und irgendein seltsam rhythmisches Pulsieren tief in mir kommen schleichend, mir erst gar nicht sicher, ob das jetzt was Halbes oder Ganzes wird, seine Worte dabei im Kopf synchron mitsnuschelnd, nur ergaben sie dort, also in mir einen ganz anderen Sinn, den ich mir wie immer nicht merken konnte. ABER ich sah ein Bild! Nein, ich spürte dieses Bild, roch dieses Bild! Der lange dunkel geflieste Flur im Gasthaus. Zum Hintereingang. Die drei Stufen runter. Links erst das Magazin, also die Vorratskammer. Dann folgt rechts die Damentoilette, gefolgt vom Pissoir und dann geradeaus die Tür. Ich nahm also mit allen Sinnen dieses Bild wahr. Nur der Flur war viel zu eng, oder wurde immer enger. Und irgendwo mittig wurde ein kleines Mädchen wie zwischen zwei Tischtennisschlägern hin und her und hin und her geworfen. Geschlagen. Geschleudert. Oder wie in einem Flipperautomaten?…

(Den Flipperautomaten habe ich gerade nachträglich beim Korrigieren eingefügt, und dieser zieht mich erst recht runter in diesen undefinierbaren Sumpf, der mich ersticken will! In meiner Kindheit gab es immer wieder solche Geräte in der Gaststätte…)

Der nächste Anflug von Dejavue und Kontrollverlust über meine kognitiven Fähigkeiten, meinen Verstand und mein Bewusstsein! Und erneut das Gefühl, in einer Weihnachtsfeier meiner Kindheit festzustecken…

Meinen Text korrigiert, überflogen, und selbst währenddessen stecke ich wieder und wieder in viel zitierter Weihnachtsfeier von damals mit der ganzen Familie…

„…mit der ganzen Familie…“; während dem Formulieren bekomme ich aus heiterem Himmel deutlich spürbares Herzklopfen! Herzrasen! Ich sehe mich vor, nach dem Weihnachtsabend im Wohnzimmer auf dem Boden sitzen, mit den Geschenken, vor den Schränken unter der Fensterbank, die so muffig stinken, darin aber alte große Süßigkeitendosen, bunt gemischt mit allerhand Spielzeugkleinkram, zum Beispiel aus Überraschungseiern, und da gibt es auch ein Behältnis mit meiner Knetmasse, die wie gewöhnlich grau ist. Hatte nie lange seine Farbe behalten, weil ich immer alles zusammen gemischt habe. Diese stinkt erst recht, aber aus irgendeinem Grund mag ich den Geruch, er beruhigt mich fast… Schwäne knetend. Die tragische Geschichten erleben und am Ende stirbt mindestens einer!

Hast du doch gehört und selbst gesagt!!!
DAS kommt ALLES von dem scheiß Kinderfernsehen, das nicht für Kinder geeignet war!!!
Und gerade DU!! HYPERSENSIBEL bis zum „get no more“!!!
SCHEISS PSYCHO!
SCHEISS HYPOCHONDER!!!

Wieder klebe ich am, oder besser gesagt im Rollstuhl fest. Brigitte kommt um 11 Uhr; hatte nicht damit gerechnet und war etwas erschrocken, so unvorbereitet beim Umblättern im Kalender auf diesen Termineintrag zu stoßen.
Und wenn ich den Vormittag wieder wegschmeiße? Mich hinlege, bis sie mich weckt? Und bestenfalls weiter träume, eventuell mit weiteren Flashbacks?…

WANN HÖRST DU ENDLICH MIT DIESEM STUSS AUF???!!!
Du hast einen Dachschaden!! Nichts anderes als einen DACHSCHADEN!!!
„Funktionelle Störung“ – HAST DU GEHÖRT, DU DUMME FOTZE??!!!
EPILEPSIE!!!

9:46
FUCK!!!
Wollte soeben abschließen, hatte den Text online gestellt, in eine Mail an Markus verlinkt, eine mir unbekannte Melodie im Kopf, dumm und simpel, wiederholt sich und wiederholt sich und ich trete weg!! Wie ein „sanfter Schlag“ von hinten mit einem Baseballschläger!! Eine übermenschliche Kraftanstrengung, die Augen zu schließen, während sich die Melodie verselbstständigt und in meinem Schädel seine Runden dreht. Ich sehe den gefliesten Flur zu den Gästetoiletten…

MINDESTENS 1 Minute?!! Atemlosigkeit…

Kind, sprichst du jetzt mit mir?…

ALLES EINBILDUNG!!!

12:03
Mir mein Traumtagebuch vorlesen lassen, während ich mit einem Kissen auf dem Tisch zu schlafen versuchte. Für Minuten schlief ich scheinbar immer wieder ein, und als Brigitte hereinspazierte, war ich wie aufgekratzt. Und schleuderte ihr Bruchstücke der zurückliegenden Woche entgegen, vor allem die zurückliegenden Tage betreffend. Kreuz und quer, ohne kausalen Zusammenhang, selbst völlig verwirrt, zwischen wagem Erinnern und Vergesslichkeit gefangen. Keine einzige Aussage „mit Sicherheit treffen können“…

Vielleicht fehlte dir auch einfach nur noch ein bisschen Schlaf! Warst nur noch zu tief drinnen in deinen Träumen… Sonst nichts!“

Ja ja, rührt alles nur von den Tabletten, oder, um gleich die Schuld nur bei mir selbst zu suchen, von meiner Gestörtheit!

Gerade als ich mir das Kissen geholt hatte, bemerkte ich draußen die ersten Schneeflocken. Wie idyllisch…
Aber eben nur so lange, bis ich meine Standardgedanken wieder durchsickern lassen, zulasse, an Krankheit und Tod und was ich wem wie antue, und dann eben noch anstehend Weihnachten, „Familienfeiertage“, und ich völlig auf dem Rückzug, abgetaucht, zugänglich oder erreichbar für NICHTS und NIEMANDEN!

Als würde es Spaß machen, mich zu isolieren. Kann ich wirklich nichts dafür, dass mir diese Isolationshaft mehr Sicherheit vermittelt als Gesellschaft anderer?

16:55
Es war bereits so spät, als wir mit dem Mittagessen fertig waren. Er schlief sofort ein. Bei mir dauerte es etwas. Ich fing an Banalitäten auseinanderzunehmen. Nachträglich betrachtet müsste ich nun jeden Verschwörungstheoretiker verstehen können. Was natürlich meinen Theorieansatz unterstreicht, dass das zum größten Teil alles „Opfer“ im klassischen Sinne sind.
Mir war plötzlich nicht mehr logisch, warum man in einem Satz, in dem man vielleicht eine kleine Sache zum Ausdruck bringen will, so viele einzelne Wörter benötigt. Es erschien mir plötzlich nicht mehr „normal“. Meine Gedanken flogen weiter, andere Tatsachen wurden bis auf die Grundfesten nackig gemacht und demontiert… Nur wie so oft, längst vergessen, worum es sich nun genau gehandelt hat.

Was wiederum mehr als deutlich in meiner Erinnerung geblieben ist: Die erneute Überflutung mit Ausschnitten meiner Kindheit, sobald ich einen gewissen Geisteszustand erreicht hatte, bzw. zuließ. Es fühlt sich jedes Mal so an, als müsste ich „die Kontrolle über meinen Kopf abgeben, über meine Gedanken“, in mir einen Schritt zurücktreten, zum Zuschauer werden…
Und die Assoziationen flogen nur so! Eine Sequenz jagte die nächste. Und ALLES wurde beleuchtet! Als hätte man diese Momente, wie bei einer winzigen Flashanimation, diese paar Sekunden in einem Glas eingefangen und konserviert!!! Denn alles ließ sich betrachten, spüren, schmecken, riechen… Sogar die Gedanken, die mir in diesen Augenblicken durch den Kopf gingen, waren greifbar!! Mitunter ging es soweit, dass ich sogar sehen konnte, wie von links ein Schmetterling vorbeigeflattert kam und meine Aufmerksamkeit in Beschlag nahm, oder welcher Vogel gerade da oben am Baum zwitscherte!

Ist das nun DAS entscheidende Zeichen, dass es weitergeht, sich etwas regt?

Auf meinem Tisch stapelt sich mittlerweile lauter China-Krempel von Amazon. Heute kam auch noch mein USB-Spitzer… Was für ein Quatsch! Aber wenn die banale Tätigkeit des Spitzens bereits so viel Kraft kostet?

Und immer mehr Müll, den du zurücklässt, der Sebastian dann belastet…!!

Da wird wohl oder übel etwas vertauscht, würde ich sagen. Denn es ist MEINE Angst, MEINE kindliche Angst, schon damals in jüngsten Jahren, wenn ich meiner Mutter dabei zusah, wie sie sich ihre Endorphine wie von Sinnen über Einkäufe von außen zuführte! Ich immer und immer und immer und immer wieder von dem Gedanken heimgesucht wurde, dass das alles, DAS ALLES zurückbliebe, wenn sie denn stürbe, und ich unfähig, etwas wegzuwerfen, wegzugeben, weil es sich so anfühlen würde, als befördere ich ein Stück von ihr in den Müll!! Als würde ich sie wegschmeißen!! Dass jedes noch so mickrige Teil mich auf ewig an sie erinnern würde!! Aber nicht positiv, sondern als suchte mich ihr Hab und Gut regelrecht heim!! Und jeder Kochlöffel und jede Socke und jeder Lippenstift und erst recht die 100.000 Klamotten und Schuhe erinnerten mich daran, DASS ICH SCHULD BIN!!
ICH WÄRE SCHULD, DASS SIE TOT IST, ABER ICH NOCH LEBE!!…

In Tränen ausbrechen… Im Seelenschmerz, in der gefühlten Schuld absaufen…

Aber -man muss ja fast sagen- ZUM GLÜCK stellt sich dem sogleich ein körperlicher Schmerz entgegen! Die Augen brennen und ich kriege mich wieder ein. Oder… Schiebe das Kind zur Seite?

2008-03-03-das Leben ist vergiftet

13. Dezember 2018, Donnerstag

8:45
ALLES! Ausnahmslos ALLES triggert mich, mein Gehirn, ein unentwegtes „Stolpern“ meiner Gedanken!
Und diese nun auch noch laut auszusprechen, fühlt sich noch mehr danach an! In meinem Hals steckt dieser Kloß! Und ein wenig Schleim; die Sinusitis noch nicht überwunden.
Sebastian findet es amüsant, sich nachts mit „meinem“ Tablet zu unterhalten: „Alexa, wie wird das Wetter morgen in Jennersdorf? Alexa, sing ein Gutenachtlied!…“. Worauf der Kasten immer „Weißt du wie viel Sterne stehen…“ ausspuckt, und das mehr schlecht als recht. „ALEXA, HÖR AUF!!!“.
Aber auf diesem Wege erfahren, dass der Himmel heute ganztägig stark bewölkt sein soll. Im Süden über den letzten Hügelketten (Slowenien) zeichnet sich aber ein heller Streif ab, der mich unruhig macht. Genauso wie die Tatsache, dass Donnerstag ist. Und Donnerstag ist wie Montag. So wie beide Tage jedes Mal den Ausnahmezustand von vornherein für sich gepachtet zu haben scheinen! Wie auch jeder dieser beiden Tage mit der Frage einhergeht: „Abschießen oder nicht?“.

Flucht, Kampf, Totstellreflex… Von vermeintlich gönnerhaften drei Optionen nur eine einzige im Rahmen der Möglichkeiten. Wäre nur Sommer…

Meine Hände klimpern. Der Computer hat wieder nicht funktioniert; scheiß Updates! Musste um den Tisch herum fahren, um den Stromstecker einmal aus- und wieder einzuschalten.

In meinem Traum starb ein Mann: eine Mischung aus Hannes, der bei der Krankenkasse sitzt, unserem damaligen Berater und Fachmann für die sanitären Installationen im Haus (und dessen Vorname mir gerade nicht einfallen will), und zugleich dem Sänger von Linkin Park. Im Traum saß er in Fürstenfeld in einer Touristikzentrale und erzählte jeden Tag von geschichtlichen Ereignissen der Stadt. Bis er Selbstmord beging. Und ich trauerte, so wie ich versuchte, seine Gründe für diese Tat ans Licht zu bringen. Für mich war von vornherein klar: Kindheitstrauma! Und so wurde seine Vergangenheit beleuchtet, sein Leben mit seiner Freundin und deren Vater in einer winzigen Wohnung. Wie einen Film sah ich mir das an, eine Dokumentation, immer wieder, und wollte eben auch, dass Sebastian es sieht. Denn er bestritt vehement, dass da „SCHON WIEDER mein LIEBLINGSTHEMA dahinterstecken sollte“. Er wollte unbedingt Recht behalten, ließ sich auf meine Theorie nicht ein. Daraufhin sagte ich: „Schau doch bitte mal ganz genau hin!… Nein! Dabei brauchst du dich nicht einmal anstrengen! Das sieht ein Blinder mit Krückstock!!“. Dieser junge Mann und seine Freundin wollten einen schönen gemütlichen Fernsehabend machen. Aber ihr Vater rief sie ständig zu sich ins Zimmer. Um sie dort zu küssen, ihr an die Wäsche zu gehen… Er machte sich ja nicht einmal die Mühe, es zu verstecken, und vergewaltigte sie in der Küche, sozusagen hinterm Rücken ihres Freundes. Sie hoffte nur, dieser würde nicht eifersüchtig werden und ihr vergeben. Ich sah Rückblenden, kurz vor seinem Suizid, dass er ständig in der Psychiatrie gewesen sei, auf der hoffnungslosen Suche nach sich selbst.
Dann war er eben tot und sie versuchte verzweifelt, sich von diesem Vater zu lösen, und eigentlich versuchten beide sich gegenseitig umzubringen, weil jeder am Schluss als Opfer dastehen wollte…
Mal im Ernst: Das stand NUR ihr zu! Aber wäre sie tot, hätte man das Verhalten des Vaters als Notwehr auslegen können…
In einer Szene kam er auf sie zu gekrochen, kletterte erst über das linke Bein und, „um dazwischen den Boden wieder berühren zu können“, musste sie zwangsläufig die Beine spreizen… Gesehen hat man das nicht, aber ich habe geschlussfolgert. Ich habe „gefühlt“, wie ihre Beine „mit Gewalt“ (oder zumindest mit „Druck von außen“) gegen ihren Willen gespreizt wurden. Der Täter war im Vergleich riesengroß. Als stünde ich einem 2 m-Hünen gegenüber. Keine Ahnung, wem er ähnelte. Lang, schlaksig, schwarze Haare, Ansatz eines schwarzen Bartes, Dreitagebart mit Schnauzer.

Und auf diese Weise wieder wunderschön alles verarbeitet, was wir abends in der Glotze gesehen haben. „Preacher“. Nicht zu vergessen die vier Seiten im Buch „Kinderspiel“, auf denen sie „von der NÄCHSTEN Vergewaltigung berichtet“, in einer Seitengasse hinter einer Kneipe, von einer flüchtigen Bekanntschaft. Zitat: „Ich setzte mich nicht zu Wehr, kräftemäßig war er mir um Längen überlegen…“. So oder so ähnlich.
Die Agenten von Akte X tauchten am Ende auch auf. Ich war Scully, zugleich das Opfer. Und alles fand auf einem Dachboden statt, der nur mit maroden Leitern zu erreichen war. Das „Bühnenbild“ erinnerte zugleich aber auch an das Haus von Novotny, den Besitzern meines Pflegepferdes, an den ersten Stock (ehemals sicherlich Dachboden) des umgebauten Bauernhauses. Die Leiter aus Holz brach beim Besteigen in sich zusammen, und jene aus Aluminium verbog sich ständig… Es war so ein Akt, diese „Ebene zum Missbrauch“ zu erklimmen. Zugleich waren die Räume von Abgründen geteilt, was natürlich erforderlich machte, die Verbindungsstücke, wie auch die Leitern, zu zerstören. Damit er, der Täter, oben gefangen blieb und nicht runterkommen konnte, wenn er sich schon nicht umbringen ließ, zäh war wie eine Zecke…

Erst jetzt mir meiner Wortwahl bewusst werden und was für eine tiefschürfende Aussage diese trifft. Die Dissoziation sozusagen rechtfertigt…?

Der Täter stürzte auch unentwegt ab. Schien tot. War aber unzerstörbar!!

Meine Mutter würde jetzt vermutlich sagen: „Das hast du alles im Fernsehen gesehen und im Traum ganz einfach noch einmal erlebt…“. Mehr nicht.
Alles nur Einbildung? Fiktives Produkt meiner Assoziationen?

Mir läuft die Zeit davon…

9:51
Plötzlich, oder schleichend, wie aus heiterem Himmel mich plötzlich tutti completti UNFÄHIG fühlen. Das Wort „UNFÄHIG“ scheint mich augenblicklich vom Scheitel bis zur Sohle zu 100 % zu beschreiben, auszufüllen. Vielleicht, weil ich müde bin? Vielleicht wegen der Sinusitis? Fieber habe ich kaum noch. Vielleicht, weil mein Leben keinen Sinn mehr macht? Vielleicht, weil es sich in einem leicht dissoziativen Zustand besser aushalten lässt als in der Realität? Einfach nur da zu sitzen, völlig bewegungslos, bis auf die Kauleiste, die zum Zwecke des Formens von Vokalen und Konsonanten auf und zu geht? Leichte Zahnschmerzen. Und plötzlich der Gedanke, wann ich wohl bereits meine Dritten bekomme. Vielleicht, weil es schon ZU spät geworden ist? Weil ich wirklich nicht weiß, wie es mit dem Bild weitergehen soll, und dabei noch mehr kostbare Zeit verschwende; nachmittags werde ich keinen Pinsel mehr halten können?

Aufgehalten werden von anstehenden „Prozessen“: Zähneputzen, Video, Leinwand, Volkshilfe, Unordnung, Zähneputzen, Zähneputzen, Bewegen, Kopfschmerzen, Physioübungen, Sonne, Vogelbeobachtung!!!!
Als würde auf einem Fließband zu viel auf einmal in die Hauptmaschine geliefert werden, die Projekte stapeln sich, stapeln sich, meterhoch, verstopfen den „Prozessor“… Und während die Sonne plötzlich immer kräftiger anschiebt, kommt alles zum Erliegen, verstopft, „ERROR!! ERROR!!“ lautet der schrill ertönende Warnhinweis, das System überlastet, Klimpern, Kindheitserinnerungen legen sich wie schmutzige Ablagerungen betäubend auf die Fleischwunde und vermitteln den Eindruck, den drohenden Absturz zu rechtfertigen. Wie ein kleiner Tod, Opiate werden ausgeschüttet, Endorphine verkleistern die Denkabläufe, das weiße Licht in greifbarer Nähe, zieht die letzten Energiereserven magisch an, wie eine Laterne die Motte… Vernunft ist abgestellt, abgeschafft. Drohende Schmerzen durch fehlende Bewegung außer Sichtweite. Alles will nur noch ERSTARREN…

Während die Sonne aus dem „stark bewölkten Himmel“ ein Babyblau zaubert, mir zukünftige Schuldgefühle Morddrohungen entgegenschleudern, die ich aber in meinem Zwischenzustand nicht mehr hören kann, zumindest JETZT NOCH NICHT hören kann, mir wohl oder übel ein Kissen holen und mich für die nächsten 2 Stunden verabschieden…

Käme mir da nicht gerade ein Gedanke: „Ich könnte Sebastian entgegengehen…“…

Der erste Peitschenhieb der Schuldgefühle erreicht sein Ziel. Stranguliert mich.

Du musst dich bestrafen!!! Du faule Sau!!!

Verdammt! Da wird es schon 10:22 Uhr! Die nächsten Schuldgefühle strafen mich ab!
Rechtfertigungsversuche: „Ja, aber… Was soll ich denn anziehen? Was KANN ich anziehen? Es ist doch viel zu kalt? Das kostet mich ja schon die meisten Kraft? Der Schleim läuft den Gaumen runter? Vielleicht habe ich doch Fieber…?“…

Vögel, Vögel, Kamera, Zähneputzen, Leinwand, Vögel, Büroarbeit, Sonne…

Und plötzlich erschlagen werden! Wie aus dem Hinterhalt, wie hinter meinem Rücken, ein Steilhang der unverwandt abbricht, zu einer Lawine wird und mich unter sich begräbt… Die Spirale, erst einmal in Gang gekommen, zieht sich enger und enger zusammen; im Zentrum dessen diese kleine, weiße Tablette. Noch enger die Rasierklinge. Und am absoluten toten Punkt die Überdosis.

2012-02-25-Messiwohnung

Zähneputzen, Kamera, Spazieren, Sonne, 4, Starre, Zähneputzen, Unordnung, Vögel, 37,5 °C…

Da werden aber 0,5 °C abgezogen!! Das ist kein Fieber!!“

Die Stimme der Gesellschaft, die Stimme der Schwestern und Ärzte bei der Reha, die mein Gefühl, krank zu sein, nicht ernst nehmen. Denn „37 °C ist ja beinahe normal“…
Wieder die Kamera in der Hand. Kein Kissen. Viel zu langsam!

Das wird lustig…!!!
Du wirst dich SO HASSEN!!! Und ich auch!!!

Keine Leistung“ = Todesurteil!

Und dann kommt auch noch die Volkshilfe…!!!
Das wirst du nicht aushalten!!! Weil du nicht sagen kannst, dass du nicht reden willst!!! Weil GERADE DU die ganze Zeit quatscht!!! Weil du die Stille nicht aushältst!! Dir unhöflich vorkommst, weil es auch unhöflich ist, weil DU unhöflich bist!!!

Als würde ich handlungsunfähig dabei zuschauen müssen, wie meine letzten Sekunden auf der Uhr verstreichen, die den Augenblick meines Todesurteils anzeigt!
Mich an die Kamera klammern!

Aber das Urteil scheint gefällt. Die Vernunft geht zehn Schritte zurück. Doktor Ratio dreht sich um, wendet sein Antlitz angewidert von mir ab.

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Wo sind die Tabletten?…

10:45
Warum ich davon Fotos mache, weiß ich nicht. Die Unruhe in mir steigert sich ganz von selbst, es bedarf keinerlei Anstrengungen oder Bemühungen meinerseits, das Geschehen voranzutreiben.
Der Himmel ist unruhig. Unentschlossen. Der Himmel macht mich krank. Wieder dieses „Licht an, Licht aus, Licht an,…“!!

Natürlich…

Du hättest dich auch ganz einfach ablenken können, anstatt dich selbst mit deinem Tagebuch immer weiter reinzusteigern!! Denn das machst du immer!! Dich in etwas REINSTEIGERN!!!“

SELBER SCHULD!
SELBER SCHULD!!
SELBER SCHULD!!!

UND DANN GIBT DIE DUMME SAU AUCH NOCH SO VIEL GELD AUS!!! FÜR WAS BRAUCHST DU DEN GANZEN SCHEISS?!!! MORGEN BIST DU SOWIESO TOT!!!

Allerhand Sachen bestellt. NOCH MEHR Sachen bestellt, als hätte ich eine Zukunft…

Für 1 Sekunde lasse ich den Gedanken zu, aufzustehen… Und knalle gefühlt mit 200 gegen eine Betonwand! Als bestünde ich nur noch aus meinem Gehirn, vielleicht noch meinem Kopf als solchen, und jemand käme zu mir, um mich mit vollem Ernst aufzufordern: „Geht schon! Lauf los!!!“… Ich klebe am Rollstuhl!

16:32
Alles umsonst… Eine winzige Strecke mit dem Rollator zur Terrassentür, um die Katze rauszulassen. Bei diesen wenigen Schritten eine Spur der Verwüstung hinter mir gelassen. Die ganze Arbeit von 90 Minuten umsonst.

Andrea war da.
Während dem Mittagessen entflammte eine hitzige Diskussion darüber, ob ich nun in meinen Beiträgen gewisse Leute mit Namen nennen darf oder nicht. Ich wollte nicht einsehen, ausnahmslos alles konsequent zensieren zu MÜSSEN, wenn ich doch über die jeweilige Person erstens nichts Böses erzähle, und außer dem Namen schon nicht viel mehr Privates der Öffentlichkeit preisgebe…

Beim Versuch, die gerade eben erst runtergefallene Kerze aufzuheben, beinahe vom Rollstuhl fallen! Das habe ich davon, von meinem krankhaften Bedürfnis nach wahrlich schlecht geeigneter Kontrolle…
Wieder am Feuerzeug scheitern…

Schaut euch diesen saudummen, wertlosen, überflüssigen sowie fetten und hässlichen Krüppel an!!!
Was fällt einem da noch zu ein…
Höchstens ein müdes „ERSCHLAGT SIE! Schlagt sie zu Tode, bis nichts mehr von all dem Übel übrig ist!!!“ mehr wert!!!

Ich wollte zu Andrea nur sagen, dass sie immer so liebevoll mütterlich und zugleich freundschaftlich daherkommt. Was meine Panikattacken gut einzudämmen weiß. Aber dennoch… Dabei längst die Reihenfolge aus den Augen verloren… Hatte ich erst 2,6 mg Hydal genommen, weil keine 1,3 mehr in der Dose waren, und das Bein nicht aufhören wollte zu krampfen, trotz Magnesium und ein bisschen Bewegung? Und anschließend die zweite Beruhigungstablette? Andersrum? Schnurzpiepegal?

Nervöser Blick auf die Uhrzeit, 16:42, draußen wird es dunkel, eingehüllt in Nebel voller Fragen und Ängste. Darin verbergen sich noch mehr Kindheitserinnerungen, die mal lauter, und mal eben noch leiser zu hören und zu sehen sind. In einem Dauerdejavue gefangen.
Die Tabletten wollen dafür sorgen, dass ich einschlafe. Mich bei der Videoarbeit selbst anzusehen, schon ziemlich grenzwertig. Nun mal abgesehen davon, dass sich die Qualität des Bildmaterials wahrlich sehr in Grenzen hält (zu dunkel). Aber… Ich darf ja nicht einmal ganz leise flüsternd anmerken, in all der Menge auch Stellen entdecken zu können, an denen ich mich „erträglich finde“.
Wiederum eine sehr, sehr laute Stimme in mir schreit mir flüsternd zu, gerade erst recht der eben gesprochenen Worten wegen, dass es heute noch zu einer kleinen Krönung kommen muss. Rasierklinge…

Sebastian wollte direkt nach der Arbeit noch kurz in die Kneipe, um sich dort mit Jan zu treffen. Doch als ich ihm von meinem Zustand vormittags erzählte, meinte er, dann wohl doch lieber zu Hause zu bleiben…
Das wollte ich ihm nicht antun: „Ich sage dir Bescheid, wie es mir geht, o. k.?“. Und genau das werde ich jetzt tun… Um mir dann noch ein Zeitfenster zu eröffnen, in dem ich Schmerz oder Blut, bestenfalls beides, zu den Werkzeugen meines Hasses, aber auch zugleich meiner Selbstheilung zu machen!

Ich bin so krank…

17:01
Warten auf eine Antwort, eine Bestätigung, dass er nun sicher noch weggeht. Die Hände klimpern nervös.

Wenige Minuten später lässt er mich wissen, dass dieses Arrangements wohl abgeblasen wurde. „Ich komme gleich nach Hause…“, mit unerschütterlicher Freude in der geschriebenen Stimme. Und mit einem Lächeln sowie Witz auf den Lippen wird er erneut das Haus betreten, und ich überfordert ein Resümee ziehen: „Ich habe ihn gar nicht verdient!…“…

19:33
Eine weitere Schicht Unruhe legt sich auf mein verunglücktes Tageskonstrukt. Zeit für die Abenddosis. In der blauen Blechdose ein halbes Novalgin ausmachen und ebenfalls schlucken. Zu Krampflösern für Beine und Blase, und um noch ein bisschen mehr „fragwürdigen Spaß“ zu haben, eine volle Dosis Tramal, 20 Tropfen. Die letzten Minuten noch irgendwie überstehen. Das Thema Rasierklinge abgehakt?

Gesagt… Und beinahe weggetreten…

Mit meinem Fokus beim Video bleiben. Sonst…
Wer weiß, was sonst noch vonnöten wäre… Ich fühle mich nicht gut.

2008-08-08-Kapitulation

12. Dezember 2018, Mittwoch „Gnadenloses Zeitverrinnen…“

9:02
Eine Entwässerungstablette, wieder zu früh ins Bett, angepinkelt um 6:00 Uhr, der Beutel hatte erneut sein Pensum überschritten… 58,5 Kilo um 6:45 Uhr. Gut geschlafen, schlecht geschlafen. Kunterbunte Träume ohne Aussage. Ab 2:00 Uhr wach bis etwa 3:00 Uhr. Gelesen, im Internet gesucht, Kandiszucker gelutscht, während er geschnarcht hat. Total erschlagen und müde. Der Himmel unentschlossen, gaukelt einen Januartag vor. Januartag voller Kindheitserinnerungen. Beide Hände klimpern. Die Inkontinenzmatte liegt hinten in der Waschmaschine und müsste noch einmal geschleudert werden, ehe ich sie auf die Wärmepumpe verfrachten kann. Im Wohnzimmer heilloses Chaos. Zunehmende Unruhe. Das Geklimpere nimmt Fahrt auf, während die Sonne sich ihren Weg durch die Wolkendecke bahnt. 37,1 °C. Die Hühnerbrühe am Wochenende DER Durchbruch, was das Fieber betraf? Was mache ich, was lasse ich, was MUSS ich??

An die Leinwand? Schlafen?
„Ich freue mich schon auf heute Nachmittag, mit dir gemeinsam auf dem Sofa dösen… Also noch nicht vorausschlafen?!“.

Während der Küchenschlacht Käse- und Nutellabrot futternd bei Amazon allerhand Sachen bestellt. Wie im Rausch. Im Nu war der Warenkorb voll, um ihn danach schnellstmöglich wieder zu leeren, bis eben nur noch essenzielle Dinge übrig geblieben sind. Aber eine Rollstuhldecke war nicht dabei. Nachts schon nichts Brauchbares entdecken können. Warum sind diese Dinger immer blau? Und dann noch so ein hässliches BLAU? Warum unten immer zu, wie ein Schlafsack? Wie sollen da die Füße auf den Fußstützen fixiert werden? Und was für Klamotten müsste ich mir anschaffen, deren ich tatsächlich auch Herr werden könnte? Ein-Mann-Zelte? Pullover und Jacken in XXXL? Aber zu schwer darf das ganze Material auch nicht sein? Hatte ich doch schon meine liebe Not gestern mit Sebastians Weste, die ich mir in einer minutenlangen Prozedur vor dem Spaziergang auf den Leib gequält hatte…

Fine ins Haus lassen, damit die Vögel in Ruhe fressen können. Ein paar Dinge von A nach B schieben. Im Regal hinter mir, unten bei den Malutensilien, zwei volle Blisterpackungen Temesta entdecken, als ich der Katze auch noch die Flurtür zum Futter öffne, um bei dessen Bergung zu riskieren, umzufallen. Schrecklicher Durst, um morgen wieder schön viel mehr wiegen zu dürfen.
Dezent Kopfschmerzen und schlechte Sicht; entweder der Müdigkeit wegen oder die Brillengläser zu verschmiert. Aber das sind alles Dinge, die der Aufmerksamkeit eigentlich nicht wert wären. Die Unruhe in mir wird immer schlimmer.

Ich erinnere mich… Kurz nach Abbruch des Gymnasiums, wie ich da Anfang des Jahres 99 allein im Gastzimmer saß, dieselben Lichtbedingungen, und statt Stress einfach nur NICHTS!…

Bei dem Gedanken, den Pinsel in die Hand zu nehmen, schnürt mir etwas die Kehle ab. Und ich weiß nicht was oder wieso oder warum. Festzustehen scheint nun DAS: Scheißegal, was ich jetzt mache, ES IST FALSCH!

Also wie so oft in mich hinein fragen: „Kind, bitte sprich mit mir… Du kannst mir deine Geheimnisse anvertrauen… Niemand wird dir wehtun…“.
Und mir dabei wie so oft selten dämlich vorkommen…

Und? Musst du nicht auch noch trainieren? Sonst geht alles den Bach runter!“

Schlechtes Gewissen stellt sich ein und lähmt zusätzlich. Mit den Tabletten die nächste Spirale in Gang gesetzt? Die mich nun dazu verleitet, die mich blockierende Unruhe wiederum mit Tabletten zu bekämpfen, einzudämmen, um IRGENDETWAS in Angriff nehmen zu können?

2001-04-08-zahnrad

Der Gedanke, nicht mehr malen, NICHT MAL MEHR ZEICHNEN zu können, jagt mir eine Heidenangst ein! Als würde man mir den Mund zunähen!
Denn EIGENTLICH, eigentlich würde ich die ganze Zeit jeden Gedanken hastig mit einer Skizze auf Papier bannen! Die Bilder in meinem Kopf externalisieren, rauslassen, alles rauslassen und zugleich auf diese Weise konservieren, um mir die Puzzleteile später ansehen zu können, und bestenfalls irgendwann in der Lage zu sein, diese ENDLICH zu lesen!

Früher fragte ich mich immer wieder: Wie kann man nach Kindheit und Schule bloß aufhören zu zeichnen?!… Es erscheint mir unerträglich, gleich drei Zeichenblöcke auf meinem Tisch liegen zu haben, um diese 99 % der Zeit links liegen zu lassen… Lassen „zu müssen“… Gerade Gedanken, die sich nicht in Worte fassen lassen, wie auch Gefühle… Alles geht ungefiltert und unverstanden an mir vorbei… Vergeudete Chancen…

03

Aber da wird es bereits 9:38 Uhr… Musik anmachen und mir die Option mit den Tabletten offen lassen…

Sebastian gestern: „Hast du was genommen? Na sicher, hast du irgendetwas geschluckt! Das merke ich doch sofort…“.
„Es gab nur zwei Optionen… In einem moderaten Rahmen abstellen oder Genickschuss…“.
Er hat nur genickt, es hingenommen, akzeptiert, als „kleineres Übel“…

17:57
Was ist passiert???

Augenblicklich weiß ich nicht, wo vorne und hinten ist, ob es sich um Panik oder doch den Entzug jeglicher Daseinsberechtigung handelt!

Beim Zähneputzen im Badezimmer, bzw. danach, als ich meine Nase spülen wollte, rutschte mir der Teppich unter den Füßen weg, und ich rutschte ganz langsam mit der Waschmaschine im Rücken gen Boden. Musste den Notrufknopf drücken. 8 Minuten später war Sebastian da.
Über 1 Stunde später kam er von der Arbeit. Wir hatten Spaß, lachten, unterhielten uns…
Und dann plötzlich, wie aus dem Nichts -ich brach in Tränen aus! Als ich ihm nämlich davon erzählen wollte, vormittags beim Shoppen im Netz plötzlich den Gedanken nicht mehr losgeworden zu sein, wie viele Sachen sich ein Mensch im Laufe seines Lebens so aneignet, wie viel er anhäuft und erst recht was da alles zurückbleibt, wenn er stirbt! Und genauso plötzlich erschien es mir eine dumme Entscheidung -so man sie denn hätte, sich für ein Leben zu entscheiden, von dem man nie wisse, wie es weiter, und erst recht nicht, wie es ausgehen würde!!! „Für was lebt man, wenn es doch jederzeit schlagartig vorbei sein könnte??“, unter Tränen stammelnd.
Er musste mich in den Arm nehmen und trösten, und wir sprachen über die ganzen Zeichentrickserien, die wir als Kinder zu sehen bekommen hatten, und die allesamt dermaßen deprimierend und traurig gewesen sind, dass man allein davon bereits einen Schaden davontragen hätte müssen!
In mir wütete eine unerträgliche Unruhe. Bereits da konnte ich nicht sagen, ob es sich dabei um Panik oder tiefste Depression handelt.

Dann klingelte das Telefon!!! In mir schien alles zu zerreißen!!!
Er holte das Telefon von oben, telefonierte weiter, während er die Treppe runter und dann zurück ins Wohnzimmer ging, und ich wusste nicht, mit wem oder was er sprach und erst recht nicht warum!!! Ich saß da, mit weit aufgerissenen Augen, und bekam keine Luft mehr…
Unternahm den Versuch, diese Gefühle zu analysieren: Es schien nicht mehr diese klassische Angst DAVOR zu sein, dass irgendjemandem etwas passiert sein könnte, und nun per Telefon eine Hiobsbotschaft überbracht würde. Das hatte eine ganz andere Qualität, dessen war ich mir gewiss… Und so kam ich zu dem Schluss, dass dieses Gefühl, umgebracht zu werden, alleine der Erwartungsangst entspringt, „jemand könne etwas von mir wollen“!!! „Etwas von mir fordern“!!! Von mir aus… Aufmerksamkeit, Zeit, ein Ohr… Ob ich will oder nicht! Ob ich bereit bin oder nicht! OHNE Vorwarnung!!! „Da wird einfach hereingeplatzt und über mich verfügt“!!!

Während ich ihm das sagte, war ich mir bereits meiner eigenen Wortwahl sehr bewusst… Und eben erst recht, was diese auszudrücken versucht… Zwischen den Zeilen oder mit einer Faust direkt zwischen die Augen…
Ich dachte, ich verrecke nun von selbst…

Aber wir schliefen ein, alle beide…
Bis sein Termin beim Friseur anstand. Er hatte bereits vor Tagen gesagt, dass ich mitkommen soll, und heute nahm ich dieses Angebot gerne an… Alleine Zuhause im Sonnenuntergang? Ich wäre durchgedreht…
Im Ort trennten sich unsere Wege, er ging in den Laden und ich machte mich auf den Weg gen Sonnenuntergang, zwei Kameras im Gepäck. Es war etwas enttäuschend, fand nirgends eine gute Position, um das Spektakel gebührend einzufangen.
Wieder zurück, begann es bereits zu dämmern, und die Friseuse beendete soeben ihre Arbeit. Ich wollte mich in der Drogerie noch nach Duschgel umsehen…

BUMM!!
Diverse Leute gingen soeben an mir vorbei, ich stand da zwischen den Regalen, und auf der anderen Seite eines solchen, mir gegenüber, tratschte eine Mutter mit ihrer Tochter…
Ganz langsam, GAAANZ langsam…
„Das kenne ich schon… Das kenne ich schon… Das kenne ich schon…“…
Ich trat weg! Musste die Augen schließen! Und konnte in meinem Kopf vermeintlich voraussagen, was eben diese Mutter gleich zu ihrer Tochter sagen würde…
Aber das alles fand nur meinem Kopf statt! Denn in Wirklichkeit verstand ich kein einziges Wort mehr! In Wirklichkeit hörte ich nur noch mir fremde Sprachen!! Während sich vor meinem inneren Auge ein Szenario aufzubauen schien, das in mir Todesängste auslöste!!…
Obwohl es auf den ersten Blick, und obwohl es sogar gefühlt völlig banal erschien… Was auch immer ich da gesehen habe. Irgendetwas… mit Weihnachten?!

2008-01-27lkh

Sebastian bog gerade um die Ecke, ging auf mich zu, sagte irgendetwas… Aber ich, die Augen mit viel Mühe wieder geöffnet, starrte ihn nur ausdruckslos an.
Später im Auto, wieder einigermaßen bei Verstand, fragte ich ihn und er meinte, er hätte sofort gewusst, was mit mir los sei.
Gefühlt hat es unendliche Minuten gedauert, ehe ich meine Sprache wieder fand! Aber… Hohle Sätze wurden gebildet, in denen sich klaffende Lücken auftaten! Adjektive, Verben… Aber ein gravierender Mangel an Nomen! Verzweifelt versuchte ich zu umschreiben, was ich sagen wollte, aber scheiterte kläglich. Wieder für Minuten und eine gefühlte Ewigkeit. Dauerte sicherlich 10 oder so… Und hinterher ein noch viel größeres Loch dort, wo sich gerade plumpe Umschreibungsversuche gestapelt hatten. Was hatte ich gesagt? Was wollte ich sagen?

Wir waren dann noch in zwei anderen Geschäften, aber die Derealisation hat sich dadurch nur noch mehr manifestiert! Und nun, wieder zu Hause, starke Kopfschmerzen und so heftige Panik… Ich will mich umbringen! Oder abschießen!
Und allein während des Diktierens von „so heftige Panik“, fühle ich wieder diesen Druck auf der Nase, IN der Nase, wie eine erdrückende Übelkeit binnen Sekunden in mir hoch quillt, um mich zu ersticken!!!

Na los!! Gib mir den nächsten Anfall, den nächsten Aussetzer!!!

Das kommt alles von deinen Tabletten, von gestern!!!
MEHR IST DAS NICHT!!!
Also hör endlich auf, die irgendeinen Schwachsinn einreden zu lassen, oder dir selbst einzubilden!!!

Mittlerweile 18:48; meine Abenddosis genommen. Hat sich die Krisensituation zumindest ansatzweise entschärft? Kaum mit dem Rollstuhl zuvor an meinen Tisch herangefahren, war für mich glasklar: ICH BRAUCHE EINE BERUHIGUNGSTABLETTE!!!

Aber bis dato nichts geschluckt. Ich wollte am Video arbeiten, er hat mir eine schöne, heiße Schale Tee gemacht… Meine Birne droht zu Bersten! Kindheitserinnerungen tun sich auf. Gäbe es nur ein Patentrezept, eine konkrete Anleitung, wie es „SO oder genau SO abzulaufen hat“…

DIR IST NICHTS PASSIERT; WANN RAFFST DU ES ENDLICH???!!!
WAS DU NUR ALLEN ANDEREN ANTUST WEGEN DIESEM SCHEISSDRECK!!! ALLE MÜSSEN LEIDEN!!! NUR WEGEN DIR!!!

Zu guter Letzt doch noch eine Temesta?…

11. Dezember 2018, Dienstag „Etwas ist anders…“

8:41
59,4 Kilo um 6:45 Uhr. Dasselbe Dilemma. Ich träumte allerhand obskure Sachen, einmal war ich beim HNO-Arzt, verzweifelte dort, wurde nicht ernst genommen und entschuldigte mich mehrfach beim Gehen für mein ungebührliches Verhalten. „Aber es geht doch schlussendlich um mein Malen…“. Dafür bekam ich Kekse geschenkt… Ist doch auch was, oder?
In einem anderen Teil war Henndorf zu einem totalitären Staat geworden, lediglich in Jennersdorf rannten die Verbannten und Geflüchteten herum. Ich versuchte zurück ins Dorf zu kehren, ohne von meinen Eltern gesehen zu werden. Der Busfahrer griff mir, bevor ich überhaupt einsteigen konnte, unentwegt auf den Hintern, sagte rotzfrech mir gegenüber, dies sei doch völlig normal, lachte mich aus… Bis ich ihm in die Eier trat! Und als er sich vor Schmerzen vor mir krümmte, begrabschte ich ihn am ganzen Körper und schrie ihn dabei an: „Na?! NA??! Macht das Spaß??!!“.
Ab diesem Zeitpunkt ließ er mich in Ruhe. Einerseits fuhr ich, andererseits lief ich… Mein Rollator war verschwunden. Auf der Busfahrt allerhand Tiere auf der Straße gesehen, Wildschweine, Füchse, unterschiedlichste Vögel; beinahe wie eine Safarifahrt… Nur blieb der Bus leider exakt unter dem Gasthaus stehen. Oben konnte ich meine Eltern törstern hören. Ich duckte mich, damit sie mich nicht sehen. Und um die Straße überqueren zu können und dabei nicht erkannt zu werden, warf ich mir einen schwarzen Umhang um die Schultern, obwohl es so dermaßen heiß war, und band mir einen Einkaufskorb auf den Kopf. Um den Eindruck zu vermitteln, ich sei ein altes Weib. Ich hatte nichts zu trinken und drohte zu verdursten. Als ich den Berg endlich geschafft hatte, kam ich oben im Haus meiner ehemaligen Schulkolleginnen unter. Dort wurde ich unter einem Schreibtisch versteckt, genauso wie die Tochter, die schwanger war, es aber nicht sein durfte. Regelmäßig kam ein Kontrolleur und sah nach, ob alles in Ordnung war, oder schlimmstenfalls Leute versteckt wurden.
Spätestens bei der dritten Kontrolle wurde ich entdeckt. Aber es stellte sich zügig heraus, dass ich keine Gefahr darstellte. Scheinbar hatte man nur Angst, dass man aus Jennersdorf Krankheiten einschleppen würde… Eitel Wonne!

Das Keyboard funktioniert nicht mehr, die Batterien sind leer. Und nachdem ich Markus gegenüber gestern fast zweieinhalb Stunden die Ohren voll gesungen habe, dass ich nicht mehr kann, und nachdem ich sogar noch davon geträumt habe, scheine ich absurderweise gerade etwas Kontrolle zurückbekommen zu haben… Oder liegt es an den Blasentabletten? Die ich morgens weggelassen habe? Um augenblicklich wieder in einen Konflikt mit diesem Ausscheidungsorgan zu geraten?
Die Blase drückt und es brennt, Harndrang, als würde nichts ablaufen.

Geläutert meine Tablettendose aufsuchen, um das Präparat einzuwerfen. Aufstehen müssen, ich drohe Dank einsetzendem Krampf mich und den Rollstuhl anzupinkeln! Hatte ich doch erst vor zwei Tagen gewagt, diese beschissene und viel zu große Inkontinenzmatte von meinem Gefährt zu entfernen.

Wie sieht der Plan aus? Versuchen zu malen. Ernsthaft? Ich weiß doch gar nicht, wie es weitergehen soll! Da dachte mir doch bereits gestern, dass ich die letzten Tage -egal wie hoffnungslos sie auch waren- wenigstens dafür hätte nutzen können, mir ein paar Gedanken diesbezüglich zu machen. Ich hatte noch keinen Pinsel in der Hand…
Vermag ich diesen zu halten? Hatte ich weniger Probleme damit, meine Brote zu schmieren? Ich muss endlich Zähneputzen; dazu war ich gestern einfach nicht in der Lage! Aber alles muss/will genau geordnet und geplant werden…

Tragischerweise wäre da noch dieser Himmel. Der schon wieder alles mögliche in mir in Aufruhr bringt. Ebenso tragisch, vom Temesta gestern leider nicht viel bemerkt zu haben. Etwas einwerfen, nur, um diesen Rausch sozusagen nachzuholen, weil er mir vorenthalten, man ihn mir sozusagen schuldig geblieben ist?

Meine Hand klimpert unruhig auf der Maus herum. Musik anwerfen…

Hatte ich erwähnt, am Wochenende mitunter 38,1 °C erreicht zu haben?
Den heutigen Tag mit 37,6 °C begonnen, aber aktuell nur noch 37,2 zu haben?

Verdammt! Ich bin mittlerweile süchtig nach diesem Thermometer, und mache alles von der Zahl auf dem kleinen Display abhängig!! Ob ich mich ausruhen darf, ob das Gefühl, mich schlecht zu fühlen, ernst zu nehmen ist oder ganz besonders von Rumpelstilzchen ins Lächerliche gezogen wird? Und ich, so ich trotzdem das Bedürfnis habe, oder mich unfähig fühle und mich dann ausruhen möchte, mit Schuldgefühlen erschlagen werde?

9:32 Uhr
Ein heilloses Chaos auf dem Tisch, die Farben sind hinüber.
Eine Hymne an das Leben schallt durch den ganzen Raum…

Adiemus, wie damals, Anfang 1998, als Hintergrundmusik eines Videoschnitts, als wir dem Sonnenaufgang entgegen geritten sind… Zur selben Jahreszeit, unter dem selben Himmel…
Die Musik packt mich, reißt mich mit sich, aus ganzer Kehle mitsingen…

Um am Ende weinend zusammenzubrechen…

Markus fragte gestern, ob es nicht befreiend sei, zu weinen.
Nein?
Weil es nie aufhören wird. Weil es kein Ende nimmt. Der Schmerz ist endlos…

Welcher genau, bleibt ein Rätsel… Wie so oft.
Der Verlust dieser schönen Zeiten,
der Verlust meines Körpers,
der Verlust der wunderbaren Kindheit
oder hinter all dem doch letztendlich DER Verlust meiner Seele, vor 30, vor 35 Jahren…

11:16

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15:06
„Sie werden es lieben…“, steht auf dem Bildschirm…
NEIN! Ich werde nichts lieben!!! Alles in mir besteht nur noch aus HASS!!!
„Ja kannst du dich nicht dran erfreuen, dass auch mal was gut lief?“…
NEIN!!!!

Meine Wangen schmerzen, die Kiefermuskulatur dermaßen angespannt bei jedem winzigen Handgriff, und natürlich auch je mehr ich vor Verzweiflung und Zorn herumgeschrien habe… Meine Nerven liegen schon wieder blank!!
Scheißegal, 75 Minuten gemalt zu haben!!
Scheißegal, Sebastian sogar 30 Minuten entgegen gegangen zu sein!!
Mir klingeln noch Markus‘ Worte von gestern in den Ohren, genau JETZT in DIESER Situation… „Das ist dann einfach ein Zeichen des Körpers, dass die Entzündungswerte… Und das Immunsystem…“. BLABLABLA!!!

Zu Beginn der Sitzung, wie auch JETZT in diesem Augenblick, denke ich: Schön und gut, er ist zwar auch krank, und ganz besessen von Entzündungswerten und all dem, was er da für sich (und zugleich auch für mich und meinen Fall) zusammengebastelt hat (oder eben auch irgendwo recherchiert hat, ist mir gerade egal), aber ich kann diesen SCHEISS nicht mehr hören!!! Von wegen: „Wenn die Entzündungswerte runtergehen, blablabla… Wenn der Cortisolspiegel sich senkt… Blablabla, Heilung!! Bla bla bla…“!!!
So fuhr ich ihm gestern wohl auch über den Mund: „Was heißt hier EINFACH??? Mir ist scheißegal, was mein Körper mir sagen will, es geht HIER und JETZT nicht SCHON WIEDER UMS IMMUNSYSTEM! ES GEHT UM DIESE BESCHISSENEN SYMPTOME UND ICH KANN EINFACH NICHT MEHR!!!“.

Nichts gelang. Gar nichts.

Die dumme Sau ist nicht einmal fähig, sich eine Jacke anzuziehen!!! Ich lach mich kaputt!!!
WAS WILLST DU NOCH AUF DIESER WELT??!!!
WANN VERRECKST DU ENDLICH?!!!

Minuten mit der Jacke gequält. Als würde ich 100 Kilo mehr wiegen! Dabei gehörte sie vor 30 Jahren meinem Vater!

Konnte dieses nicht…
Konnte jenes nicht…
KANN GAR NICHTS MEHR!!!

Kaum draußen, NATÜRLICH die Sonne wieder weg, eiskalt! Zurück ins Haus, mich nicht ausziehen können, der Teppich verheddert sich tausendfach in den verfickten Rollstuhlrädern!! Wie es zuvor schon der Teppich im Bad unterm Waschbecken beim Zähneputzen getan hat!!!

VERDAMMT NOCH MAL! ICH WOLLTE DOCH NUR KURZ NACH DRAUSSEN!!! UND NUN SIEHT ES IM GANZEN HAUS WIEDER SO AUS WIE GESTERN, BEVOR SIE ALLES FEINSÄUBERLICH AUFGERÄUMT HAT, SAUBER GEMACHT HAT!!!

Die Tastatur fällt mir dreimal aus der Hand. Ich kann den Staubsauger nicht festhalten. Der Gurt der Kamera verheddert sich mit dem dämlichen Schal, den ich nicht ausziehen kann, nachdem ich ihn zuvor nicht anziehen konnte. Ich brülle und schimpfe und schreie und eigentlich will ich nur noch sterben, sterben, STERBEN!!!
Und mein Schädel droht erneut zu platzen!!!

Abendrot!
Ich muss, ich will mich verletzen! Mich aufschlitzen! Mich massakrieren!!!
Ich will mich ausbluten lassen!!!
Ich will mir, diesem verfluchten Körper schaden!!!
Ich will ihn mit einem schadenfrohen Grinsen auf den Lippen vernichten!!!
ER MUSS SO LEIDEN WIE ICH!!!
ER MUSS SPÜREN, WAS ER MIR ANGETAN HAT!!!

So gefällst du mir!!…
Mach weiter!!…

Kein Gedanke an Sebastian. Noch an sonst irgendwen. Ihn habe ich doch vorher sowieso wieder sterben gesehen. Es reicht! Es ist genug! Das Maß ist voll!!!

Vor 25 Minuten 2,6 mg Hydal in meinen Mund gestopft. Ich hätte,… Ich wollte sie mitnehmen… Mir jetzt die ganze Dose holen!
Wieder verknoten sich 100.000 Kabel irgendwo und irgendwie mit diesem beschissenen Rollstuhl, der nur aus Ecken und Kanten zu bestehen scheint!

Ich höre die Klugscheißer mit ihren ätherisch angehauchten oralen Ergüssen: „Immer kleine Schritte! Das wird schon wieder! Sieht doch schon besser aus! Warum bist du nicht froh, dass es dir heute besser geht! Anderen geht es schlechter! Andere wären froh, wenn sie überhaupt einen Rollstuhl hätten! Du bist ja selber schuld, dass es dir so schlecht geht! Wenn du immer alles so negativ siehst! Denk positiv! Du musst dir eben Alternativen suchen! Für alles gibt es eine Lösung!…“…

In der Tat! Und wenn ich mir jetzt die… Obskure Mischung, vielleicht 100 Tabletten, auf einmal reinschmeiße?

Stattdessen ohne jegliche Feinmotorik zwischen Filmtabletten und Kapseln herumwühlen…
In der Schublade weitersuchen und diese auf den Boden befördern. Darin Verbände, Rasierklingen, Skalpelle…

DIE DUMME SAU KRIEGT ES NICHT HIN!!!

Die Schublade darunter ansteuern;… wo sind die verfluchten Tabletten??

Zwei Stück Temesta, während draußen doch tatsächlich der Himmel strahlend blau wird, nur verziert mit kleinen rosa Schafswölkchen…
Die Stimme wird leiser, das Morphium schlägt an…

Ich HASSE dich!
ICH HASSE DEINE STIMME!!!

Noch mehr Saustall, noch mehr Unordnung, noch mehr Unruhe.
Einmal tief Luft holen…

Der Tag vertan…
Runterkommen?…
Ischias und Rücken halten den Rollstuhl nicht mehr aus…
Kindheitserinnerungen… Und zugleich höre ich die Schuldgefühle, die eigentlich immer nur meine Mutter als Dreh- und Angelpunkt haben…
ALLES dreht und drehte sich IMMER nur um SIE!!
WAS tue ich ihr an… WAS NUR… Ich böser Mensch, ich schlechter Mensch…

Du Stück wertlose, überflüssige, durch und durch missratene Scheiße!!!

Das Klimpern hat aufgehört. Ein warmes Gefühl legt sich wie ein Schal um beide Augen herum…

Du hast so hässliche Augen!!!

IHN noch mehr herausfordern, ein Blätterteiggebäck essen. Nicht, weil ich Hunger hätte. Aber um dem ganzen Giftcocktail ein patentes Fundament zu liefern, auf dem es aufbauen kann… Ich will die Schmerzen nicht mehr spüren. Und nicht schon wieder Panik…

10. Dezember 2018, Montag

9:05
59,1kg, abzüglich jeglichen Ballasts.
Auf meinem Tisch, vor meinem Tisch, unter meinem Tisch herrscht heilloses Chaos. Zwei Computer laufen. Einfach wäre ja auch zu langweilig; und zu erwarten, dass mir das Sprachprogramm heute gnädig ist, war vermutlich auch schon zu viel verlangt. Das mitgelieferte Headset gibt allmählich den Geist auf. Aber ist das ernsthaft „der Rede wert“, also um im Tagebuch festgehalten zu werden?

Ein Buchfinkenmädchen mopst einer kleinen Blaumeise einfach unverfroren deren Semmelwürfel, welchen sie sich soeben erst ergattert hatte. Der Himmel ist… Tja, was ist das… Wie ist er… So… Anders? So typisch für die Jahreszeit? Also, das sind Flashbacks, habe ich gelernt. Und diese überfluten mich soeben. Kindheitserinnerungen noch und nöcher…

Ich sitze draußen auf der Wiese vor dem Gasthaus. Ich gehe noch nicht zur Schule. Ich habe heute schulfrei. Es ist Vormittag.
Dieses kleine Mädchen, Runa… Hat der Vater es bei uns im Gasthaus gelassen, damit sie mit mir spielt? Definitiv hatte sie alsbald keine Lust mehr und machte sich ganz allein auf den Weg „nach Hause“. Meine Mutter und ich rannten ihr hinterher, sie viel zu klein, um alleine die ganze Strecke die Straße entlangzugehen. Außerdem wurden sie im alten Bauernhaus ja auch an Feiertagen, waren neu im Dorf, sie kannte sich doch gar nicht aus. Aber sie war stur, bockig, rannte vor uns weg.
Der erste und letzte „Fetzenmarkt“, den Henndorf wohl je gesehen hat. Entweder wurde ein alter Ofen gekauft oder nicht verkauft; er stand dann eine Weile im Garten neben meiner Sandkiste, meine Cousine kam zu Besuch und wir kochten Gänseblümchensuppe.

Und alles IST und alles BLEIBT harmlos, belanglos oder gar schöne Erinnerung. Aber beim Anblick des Himmels, der mir diese Assoziationen regelrecht aufdrängt, aufzwingt, wird mir schlecht, schnürt es mir die Kehle ab und ich warte jede Sekunde auf die Detonation einer gewaltigen Atombombe!!!
Kleine Floskeln und Phrasen kommen mir in den Sinn, die wohl unter so einem Himmel gesagt wurden.
Ich sehe mich im düsteren Wohnzimmer auf dem Boden mit meinen Playmobiltieren spielen. Es riecht muffig, vermutlich waren auch sie entweder unter der Sitzbank verstaut gewesen oder in diesem seltsamen Schränken unter dem Fensterbrett. Früher hat mich dieser Geruch nicht angeekelt. Früher hat mich eigentlich kaum etwas angeekelt. Ganz im Gegensatz zu heute…

Verzweifelt versuche ich seit einer Ewigkeit Sebastian zu erreichen. Weil mich die böse Vorahnung nicht loslassen will, dass er die Papiertonne vergessen hat. Und spätestens um 11:00 Uhr kommt die Müllabfuhr.

Ich sehe mich mit meiner Mutter vormittags unter diesem Himmel nach Jennersdorf zum Großmarkt fahren. Einkäufe fürs Gasthaus. In der Halle riecht es seltsam. Oder vielleicht auch gut? Nach Wurst und Räucherwaren.

Aber was war dann abends? Was geschah hinter der Garage im Sonnenuntergang, wenn der Himmel für mich zu bluten schien? Was, als ich dann ins Bett musste?

Früher gab es ab und zu mal einen Klaps. Es klingt so verharmlost, auf der einen, oder völlig überzeichnet, auf der anderen Seite.

DU ÜBERTREIBST MASSLOS!!!
DAS HAST DU ALLES VERDIENT, MAN HÄTTE DICH RICHTIG VERPRÜGELN MÜSSEN, DU STÜCK DRECK!!!

Ich meine mich zu erinnern, ab einem Alter von etwa zehn oder elf Jahren ganz stolz darauf gewesen zu sein, nicht mehr „geschlagen“ zu werden. Obwohl auch DAS ordentlich differenziert werden müsste. Es waren nie „Schläge“ im klassischen Sinne. Also nicht so, dass man hinterher Schmerzen litt. Eher psychischer Natur. Vermutlich auch weil eine physische Grenze überschritten wurde. Ganz zu schweigen davon, wie schlecht und schuldig man sich fühlte.

Und was für feine Antennen mein Bruder und ich für die Stimmungen unserer Mutter entwickelten. Als seien wir zwei Satelliten, die permanent in ihrer Umlaufbahn kreisten und jeden noch so marginalen negativen Ausschlag verzeichneten. Mit der Konsequenz, darauf zu reagieren, den Kopf einzuziehen, leise zu werden, unsichtbar.
Sie hatte natürlich auch schwere Zeiten; viel Stress mit dem Gasthaus, mit ihrer Mutter, die an Krebs erkrankt war, und ihr auch ohne diesen das Leben schon mehr oder minder zur Hölle machte. Ich kannte die beiden nicht ohne Streit. Dann hatte sie immerzu starke Kopfschmerzen, Trigeminusneuroalgien, und Stress, Stress, Stress.
Macht es ein Kind krank, wenn es permanent von der Mutter folgendes Verhalten miterleben muss?
„… Plötzlich griff sie sich ans Herz. OHNE jegliche Vorwarnung! Mitten in die Stille hinein, während einer Betätigung, oder einem Gespräch. Äußerte mit lauter Schnappatmung, in ihrem Brustkorb linksseitig Schmerzen zu verspüren. Dann natürlich auch, dass dieser Schmerz in den linken Arm ausstrahlt. Gefolgt von der Aussage, sie glaube, sie bekäme jetzt einen Herzinfarkt… Um nach kurzer Zeit ganz normal weiterzumachen wie zuvor. Als sei nie etwas gewesen. Als hätte sie einen Witz gemacht…“.

In meinem Traum heute Morgen war der Trainingsraum der Reha auf dem Jennersdorfer Friedhof… Was für ein idyllisches Ambiente! Aber bereits nach der ersten Trainingseinheit rannte ich los in Richtung Rezeption. Ich hatte mich ja gar nicht angemeldet, und nun wusste ich auch nicht einmal, ob ich einen von der Kasse fertig abgesegneten Schein mit hätte… Würden sie mich wieder rausschmeißen?

Plötzlich sehe ich die Regenpfützen auf dem Parkplatz vor dem Gasthaus. Benzin malt Regenbögen auf deren glänzenden Oberflächen. Ich hocke davor und irgendwelche kleinen Schiffchen schippern über das weite, weite Meer, während unterschiedliche Tiere der Serengeti sich am Strand am Wasser laden… Bis ein Auto kommt, und den Platz für sich in Anspruch nimmt.
Ich sehe mich oben im Schlafzimmer meiner Eltern sitzen, ich spiele Klavier. Die Aufgaben für die Musikschule mag ich nicht machen. Ich spiele lieber das, was ich mag!

In einem Traum irgendwo so um 4:00 Uhr herum schliefen Sebastian und ich in meinem Kinderzimmer im Gasthaus. Permanent konnte ich Stöckelschuhe hören, die sich meinem Zimmer näherten. Ich war davon überzeugt, dass mich meine Mutter überwachen würde, und so riss ich einmal die Tür auf und maulte lautstark in den Flur hinaus: „Also jetzt reicht es wirklich!!!“.
Aber das war nicht sie! Das waren mir fremde Frauen in hochhackigen Schuhen, die scheinbar bei uns zu übernachten schienen, und trotz bereits vorhandener Toiletten in den Gästezimmern zu „unserer“ kleinen pilgerten.
Es war mir peinlich und ich zog mich rasch ins Zimmer zurück. Doch ich hatte Angst. Ich hatte im Traum die ganze Nacht hindurch Angst. Wollte unbedingt zwischen Sebastian und Wand schlafen, bloß nicht am Bettrand. Ich erwartete jemanden…
Und dieser „JEMAND“ tauchte schlussendlich wie erwartet auch auf! Ein mir fremder, wahrlich unappetitlich wirkender alter Mann mit langen Haaren (Marke: Guildo Horn), steckte mitten in der Nacht seinen Kopf zur Tür herein. Wir fuhren beide aus dem Schlaf und wiesen ihn sehr unfreundlich darauf hin, dass das UNSER Zimmer sei, PRIVAT!
Und nun sind wir wieder bei sich wiederholenden Traumsequenzen… Verzweifelt und mit aller Kraft versuchte ich diese beschissene Tür abzuschließen!! Es war plötzlich auch nicht mehr die eigentliche weiß lackierte Zimmertür, sondern eine unserer billigen Fichtentüren hier im Haus. Man schloss ab, man schloss auf, aber der Riegel bewegte sich keinen Millimeter. Jetzt war ich noch nervöser…
Als hätte dieser Mann nur ausgespäht, wo wir uns befinden, betrat er wenig später zusammen mit seiner Frau erneut mein Kinderzimmer und sagte zu uns, die wir da nackt im Bett lagen: „Kommt ihr zwei mit, zu uns ins Zimmer? Ihr könnt dabei zuschauen, wie ich meine Frau putze!“…
Mit „Putzen“ war gemeint, (man verzeihe meine Wortwahl) dass er ihre „Rohrleitungen frei ficken würde“! Mir war sofort klar, dass das ein „Swinger-Pärchen“ war, und ich beschimpfte ihn als „Drecksau“ sowie auch als „Perversen“ und mit gestrecktem Zeigefinger jagte ich die beiden hinaus.

Wir erwachten im Traum. Und keiner von uns beide wussten mehr, ob die Geschehnisse Traum oder Realität. Aber ich war mir mehr sicher als er. Mir kamen immer mehr Erinnerungen.
Als ich dann unten auf diese speziellen Gäste beim Frühstück traf, wollte ich etwas sagen, sie denunzieren… Aber meine Lippen waren versiegelt…

Wie ich es nachts vor dem eigentlichen Einschlafen im Buch „Kinderspiel“ gelesen hatte, als Charlotte bei einem Urlaub während eines Ohnmachtsanfalls von einem Angestellten begrabschte wurde; aber dann, wenige Momente später zusammen mit ihrer Familie, bei Zusammentreffen mit eben diesem Mann, auch kein Wort herausbrachte. Für wen, für was auch? Ihr würde keiner glauben, und keiner würde sie beschützen…

15:49
Erst schreit die Katze hysterisch.
Dann brülle ich…
Schreie…
Keuche…
Wimmere…
…Nervenzusammebruch
.
ALLES stellt sich gegen mich, die Katze, die Heizdecke, der Rollstuhl, der Schädel, der mir gleich platzt, mein ganzer BESCHISSENER KÖRPER, DER ZU NICHTS MEHR TAUGT!!!

Abendrot.
1 Mexalen, 1mg Temesta.

9. Dezember 2018, Sonntag

13:30
Ich möchte einmal um Ovationen bitten: Samstag 60 Kilo um 11:00 Uhr!!!
Die Welt ging im kleinen Rahmen unter. Vor meinem inneren Auge wurden apokalyptische Szenarien gezeichnet, dass Weihnachten der 5 vor meinem Gewicht vollends den Garaus bereiten würde, das Gewicht weiter und weiter und weiter stiege und ich mir schlussendlich auch deswegen die Kugel geben könne!!!

So gab es abends eine Entwässerungstablette. Hatte freitags extra auf die Stützstrümpfe verzichtet, mir sonst was für Illusionen gemacht, von wegen weniger Krämpfe, mehr Ruhe, und und und.

NATÜRLICH!! DEIN BESCHISSENES GEWICHT KOMMT JA NUR VOM NICHT TRAGEN DER DUMMEN STRÜMPFE!!
DU BIST JA NOCH DÜMMER, ALS ICH DACHTE!!!

Tja. Von Schmerzfreiheit und erst recht allem anderen konnte ich nur träumen.
Samstag mir geläutert die Dinger wieder von ihm anziehen lassen. Aber ich war unfähig, zu NICHTS mehr fähig! Den ganzen Tag eigentlich auf meinem Fernsehsessel verpennt. Davon abgesehen, gleich nach dem Aufstehen mit Sebastian etwa 2 Stunden in Fürstenfeld gewesen zu sein; einkaufen. Dabei ging es im Auto los, als ich darin auf ihn wartete, während er im letzten Laden noch die übrigen Sachen besorgte. Da ging es wieder mit den Krämpfen los. Rechtes Bein. 2 Stunden lang, insgesamt. Dann bat ich ihn, mich von den Strümpfen zu befreien. Lag da bereits auf meinem Sessel, zappelte verzweifelt hin und her, Magnesium, massieren, verprügeln, aufstehen und gehen…
Nahtlos gingen die Krämpfe über aufs linke Bein. Es krampfte STUNDENLANG, bis in den späten Abend hinein!

Es sei erwähnt, dass Sebastian bei Amazon einen Rundumschlag getätigt hat; all die Dinge, von denen ich seit Monaten fantasiere, die er angeblich schon mindestens dreimal bestellt hat, hat er nun endgültig „wirklich“ geordert. Angefangen bei Inkontinenzmatten für den Rollstuhl bis hin zu einem Elektrogerät, welches wir auch über die Krankenkasse geliehen bekommen hätten, aber das wäre wieder so ein bürokratischer Aufwand geworden, dass er sich gleich dazu entschied, selbst ein Gerät zu kaufen. 50 €, ein sogenanntes TENS-Gerät.

Seit Jahren!!! rede ich davon, dass irgendjemand eine Apparatur erfinden müsste, die die krampfenden, spastischen Beine nachts bewegt! Oder eben elektrische Impulse an die Muskulatur abgibt, die diese zu einer sanften Kontraktion führen, eben schmerzfrei und dem ganzen System vermittelt/vorgaukelt, die Extremität sei bewegt worden!!!
Nun hoffe ich ernsthaft, mit diesem kleinen Kasten und den Klebeelektroden den Stein der Weisen für mich entdeckt zu haben! Heute endlich will ich es ausprobieren, kam erst gestern mit der Post…

Genauso wie ich meine Beingurte patentieren lassen sollte… So viele Dinge, über die ich im neuen Video „referieren“ möchte, aber ich komme ja nicht einmal zu Notizen diesbezüglich! Das Diktierprogramm ionisiert schon wieder…

Das passt doch! Darum lasse ich es unkorrigiert! Das Diktierprogramm funktioniert schon wieder nur sehr holprig, und ich weiß wie immer nicht warum. Also erscheint dieses auch keine Option, um wichtige Dinge, die ich sagen will, auf diesem Wege festzuhalten.

Aber um das hier abzukürzen, vielleicht noch zwei kleine Anmerkungen:

1. Ich gönnte mir gestern abends eine Entwässerungstablette. Auf nichts mehr hoffend. Heute Morgen waren es tatsächlich wieder 58,4 Kilo um 9:30 Uhr. Heureka…

2. Natürlich befürchtete ich, als ich früher ins Bett ging, dass das schlimmstenfalls über Nacht eine kleine Katastrophe geben könnte. Dass es vielleicht besser wäre, den Katheter geöffnet zu lassen, damit der Urin unablässig in einen großen Eimer ablaufen kann.
So vieles habe ich sogar bedacht… Nur nicht, was ich für ein beschissener Krüppel bin!!…

DU BIST DU NICHTS MEHR ZU GEBRAUCHEN!!!
WAS FÜR EINE DÄMLICHE FOTZE!!!

Lauthals krakeelte Hasstiraden donnerten durchs ganze Haus.
Der Beutel war zum Platzen gefüllt! Ich träumte die letzten 2 Stunden im Bett nur noch davon, dass irgendwo Wasser ausläuft, etwas überläuft, unter Wasser steht. Hastig ließ ich mir aus dem Bett helfen, viel zu spät. Ein einziges Torkeln, im Schneckentempo, gen Badezimmer…
Um dort WAS für eine Glanzleistung abzuliefern?

DU BIST SO SAUBLÖD!!! SO DERMASSEN SAUBLÖD!!!

Ich konnte kaum stehen, so wie ich auch alles andere nicht konnte, schnappte mir aber hastig den kugelrunden Katheterbeutel (nur zur Erinnerung, der war nagelneu, von Freitag, als ich ja den anderen mit dem Rollstuhl ruiniert und ebenfalls zum Auslaufen gebracht hatte).

Aber der dumme Krüppel? Was macht der blöde Krüppel?!!!

Den Beutel in der Hand, war zu schwer, wenn die Hand abends schon nicht einmal eine Salzstange zum Mund führen konnte! Und Hurra! Das Ding rutschte mir aus der Hand, blieb noch 1 Sekunde mit einem Haken am Mittelfinger hängen. Und ich hatte ernsthaft noch so viel Zeit, über die Angst nachzudenken, dass mir das Ding ins Klo plumpst…
Aber „zum Glück“ kam es ganz anders… Die Spastik im Finger gab nach, der Urinballon hatte vielleicht einen Flugweg von maximal 20 cm. Aber die reichten aus, er landete auf dem Fliesenboden, und mit einem lauten Platsch und noch imposanterem Geschrei meinerseits verteilten sich mal locker zweieinhalb Liter gutgereifte Pisse auf dem ganzen Badezimmerboden!!!

Und ich saß auf dem Klo, mit den Füßen eingetaucht in diese gelbe, stinkende Pfütze, und Sebastian war anfangs völlig überfordert, wo er anfangen soll und vor allem wie und mit was. Es wurden gleich die Teppiche genommen, die ohnehin in Mitleidenschaft gezogen worden waren.
Den Rest hat die Bodenheizung getrocknet. Es müffelt im Badezimmer nach Streichelzoo! Die Volkshilfe muss morgen den gesamten Boden mit Chlor aufwaschen.

Jetzt kommt wieder die Sonne raus… Um nun aber wirklich abschließend noch eine Kleinigkeit zu erwähnen. Ich am Tisch, gerade mit der neuen Kamera zugange, er auf dem Sofa, mit einer ebenfalls neuen Gerätschaft für Glotze und Computer beschäftigt… Klingelt da nicht die Station vom Roten Kreuz? Was soviel heißen soll wie: Das Haustelefon klingelt. Entnervt rannte er nach oben, um es zu holen.

[…]

Hatte ich nicht eingängig und wieder und wieder und wieder und deutlich und sowieso und überhaupt klargestellt, was dieses beschissene Teil mit mir anrichtet? Dass ich zu Freundschaften doch ohnehin nicht fähig bin? Ich weiß ganz genau, warum ich dermaßen Hemmungen habe, meine Telefonnummer weiterzugeben…

Unverzüglich schnürte es mir die Kehle zu! Schuldgefühle überschlugen sich mit Schuldgefühlen! Und ich war kurz davor, zur Tablettendose zu greifen und mir mindestens ein Temesta einzuschmeißen!
Sebastian fragte ich, wie es sich für ihn anfühlt. Ob er nun eine leichte Unruhe in sich verspüren würde… „Das ist so, als würde die Polizei anrufen, und das Schlimmste sei passiert!“… (So oder so ähnlich.)
Darauf ich mit leicht ironischem Tonfall: „Willkommen in meiner Welt!! Nur, damit du es weißt: DAS ist auch bereits eine Form von Panik!!“.

Vor dem Frühstück bereits wieder 37,9 °C.
Fieber in diesem Ausmaß seit dem Besuch beim HNO. Ob es da einen Zusammenhang gibt?…
Ich bin schon froh darüber, es heute mal auf den Rollstuhl geschafft zu haben. Hatte einiges vor, zumindest ein bisschen am Video zu arbeiten, und nicht zu vergessen eben einen neuen Beitrag aufzunehmen. Kann ich mir das alles in die Haare schmieren, die er doch erst zuvor frisch gewaschen hat? Ohne ihn bin ich völlig aufgeschmissen… Ein einziges NICHTS!