16. Februar 2019, Samstag „Wochenendarbeit…“

11:06
Ist es gut, mein Gewicht nicht zu wissen? Oder wäre es besser? Könnte vielleicht ein gnädiges Ergebnis jenes beim Blick in den Spiegel relativieren? Ich sehe… Sehe nichts anderes als einen UNFÖRMIGEN Fettklops! Aber dem nicht genug! Da wäre ja noch meine Visage!! Die von vorne, frontal, vielleicht ab und an auszuhalten ist. Ganz abgesehen von der widerlichen Haut… Aber kaum ins Seitenprofil gewechselt…

WAS FÜR EINE HACKFRESSE!!! WAS HAST DU NUR FÜR EIN UNENDLICH LANGES GESICHT??!!! DEINE PROPORTIONEN SIND TOTAL FALSCH!!! DU HAST GENAU SO EIN LANGES GESICHT WIE DEINE MUTTER!!! DU SIEHST AUS WIE JIM CAREY IN „DIE MASKE“!!!
UND DU WILLST EINE FRAU SEIN?!!!
ZUM KOTZEN!!!!!!

Ohne Frage, er ist laut. Sehr laut. Seit ich hier angekommen bin. Seit ich es wage, meine gute Laune, die wie immer ein Schauspiel darstellt, auf mich selbst abfärben zu lassen. Man ist sofort drin im Trubel, erst recht, wenn man die Hälfte der Patienten von früheren Aufenthalten kennt.
Aber heute ist etwas anders, zumindest war es das zuvor. Ich wurde später aus dem Bett geholt. Ich fühle mich ohnehin scheußlich, meine Haare müssten gewaschen werden… Vielleicht sollte ich jetzt anfragen, ob jemand Zeit hat? Ob ich Rumpelstilzchen seine Bühne biete, jetzt oder nachher, um über ihn zu berichten, und was er mir noch so an den Kopf wirft, spielt keine Rolle. Die Dauerbeschallung wird schon dafür sorgen, nichts „Essenzielles“ bis dahin vergessen zu haben… Wenn ich Zeit habe… Eigentlich will ich gerade nur… „Leben“?

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14. Februar 2019, Donnerstag „Jetzt geht’s los…“

9:04
Morgens recht früh aus dem Bett gerissen worden; Blutabnahme stand auf dem Programm. Ich fragte mich bereits, wieso dies nötig sei; die Befunde vom Krankenhaus sind doch noch „warm“.
Mir bleibt vielleicht noch eine Dreiviertelstunde, dann müsste ich mich auf den Weg machen, der erste „Kurs“ steht an…

Mein Rücken bringt mich um. Die Kopfschmerzen bringen mich um. Und irgendwann heute Nacht hatte ich wieder einen Dissoziativen. Da war keine Uhr, um mich nun fragen zu müssen, ob ich das alles nur geträumt habe. Ich träumte davon, dass mein Zimmer hier im Gasthaus war, in meinem Kinderzimmer, und permanent rüttelte jemand an der Türklinke (die Schwestern kamen häufiger rein um mir beim Umlagern zu helfen), mitten in der Nacht, ich erschrak jedes Mal fürchterlich und konnte im Traum nicht wieder einschlafen. Soweit ich mich erinnere, habe ich meiner Mutter dafür Vorwürfe gemacht, und Missbrauch kam auch in irgendeiner Form vor…

Eigentlich macht das Diktieren hier überhaupt keinen Sinn! Sebastian wird ja nicht fertig mir von den Vorzügen dieses Notebooks vorzuschwärmen, weil dieses doch ACH so teuer war, nicht zu vergessen ACH so leistungsstark! Davon bemerke ich gerade nichts…

Gestern… Die ersten Worte meines Taxifahrers, als er den Rollstuhl suchte, und ich ihm mitteilen durfte, dieser würde erst nachmittags von Sebastian hinterher gebracht werden, und ihm sichtlich ein Stein vom Herzen fiel (wie ich vorausgesagt hatte): „Gott sei Dank! Ich hatte heute Nacht schon Albträume!“.
Es ist schön irgendwo hinzukommen und man kennt sich bereits, wird freundlich begrüßt. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich spätestens abends wie der einzige Mensch auf diesem Planeten. Abgeschnitten dank diverser Derealisationen. Aber so ist es oft, je mehr Menschen mich umgeben.

Was es vielleicht noch festzuhalten gilt… Wie viele Deutsche hier arbeiten! Arbeitsflüchtlinge? Vor allem Ossis.
Highlight war definitiv die pflegerische Aufnahme durch eine Schwester: Sie saß mir in meinem Zimmer gegenüber, sah in ihre Akte, hatte bereits einige Fragen abgeklärt, sah mich an, wieder aufs Papier, und dann ziemlich unbeholfen: „Und… Und wie geht es Ihnen… Ihnen eigentlich mit ihrer… Mit der Schizophrenie?“.
„Bitte… Was?“, und riss die Augen ganz weit auf. DAS ist ja mal was ganz Neues! Aber, man muss fast sagen, schon beinah etwas Erfrischendes nach all den Jahren „Borderline-Stempel“…

Genau! Davon hatte ich auch geträumt! Dass ich im Traum anfing mich selbst auseinanderzunehmen, jeden meiner Gedanken, jeden meiner Sätze, Bewegungen, immer unter der Fragestellung: Bin ich nicht DOCH Einer???!! Mit dem Endergebnis, manipulative Züge an mir wahrgenommen zu haben, und mir des Gegenteils nicht mehr sicher zu sein!!!

Das steht da aber nicht ernsthaft, oder?“.
„Doch…?“, zaghaft, sie las noch einmal genau den Satz: „Entschuldigung! Da steht, dass SCHIZOPHRENIE nicht vorhanden ist…“.
Das nenne ich mal eine Steilvorlage: „Und ich dachte schon, dass sie ernsthaft glauben, Siegmund Freud…“, und ich zeigte auf den Sessel rechts neben mir: „… würde nicht wirklich neben mir sitzen!“.

Warum dies in meiner Akte vermerkt war? Ob der erwähnten Stimmen in meinem Kopf. So erläuterte ich auch ihr gegenüber noch einmal den Unterschied zwischen einer Halluzination, die man von außen wahrnimmt, und verinnerlichten Stimmen und Personen.

Zweites Highlight die Aufnahme durch eine junge Ärztin. Sie hörte nicht wirklich zu, das konnte ich recht schnell nach nur wenigen Sätzen feststellen. Aber was sie mir dann sagte, überforderte mein Verständnis vollends! Welche der drei Sorten Hydal ich denn nun schlucken würde. „Je nach Bedarf? Wenn Sie auf die Retardtabletten anspielen, die habe ich natürlich, wie es empfohlen wird, bereits eingenommen, morgens und abends, und ich war ein Zombie, ein unbrauchbarer!“.
„Wenn Sie abends 1,3 nehmen, und die reichen nicht, dann sind sie falsch eingestellt und müssen 6 Stunden warten, bis sie die nächste Tablette nehmen dürfen.“.
Ich runzelte die Stirn und sah sie mit schiefgelegtem Kopf an: „Wieso das bitteschön? Das habe ich ja noch nie gehört.“.
„Das ist so! Steht genauso im Beipackzettel nachzulesen! Man kann nicht einfach die unterschiedlichen Tabletten mischen und durcheinander nehmen! Also wenn 1,3 nicht reicht, müssen sie nach 6 Stunden noch einmal 1,3 nehmen und beim nächsten Mal 2,6! Bis Sie eben richtig eingestellt sind, die Menge reicht, die Schmerzen damit zu ertragen sind, und genau DIE Menge nehmen Sie dann jeden Tag!“.

Ich fiel vom Glauben ab! Wie kann ich ein Präparat, das ohnehin so viel diskutiert ist wie Morphium, permanent in einer hohen Dosis einnehmen, weil ich eben an einem Abend von unzähligen stärkere Krämpfe hatte??? Wenn ich doch an den anderen 80 % Abenden weniger oder gar keine Krämpfe bekomme??? Dafür dieses Präparat abnutzen, zumal gerade von Morphinen bekannt ist, wie schnell sich der Körper daran gewöhnt??? Und mir dann jedes Mal gefallen lassen, ich sei ein Schmerzmitteljunkie??? Welchen Sinn hat das??? Dann hätte ich jetzt bereits eine Standarddosis erreicht von… Weiß der Teufel was??? Bei DEN Beugespasmen im Sommer???
Sebastian meinte, die ist vermutlich frisch von der Uni, Lehrmeinung. Da dachte ich doch, es ginge ihr wie gewohnt um die Kombination von Tramal und Hydal. Und, da sie mir wie schon erwähnt nicht richtig zuhörte, machte es überhaupt keinen Sinn, all die Ärzte aufzuzählen (darunter Universitätsprofessoren), die mir das so verschrieben, abgesegnet haben, damit mehr oder minder konform gehen, weil es mir hilft? Warum sollte man aus 1,3 mg nicht 2,6 machen können??? Zu 2,6 noch 1,3 dazu zu nehmen, wenn die Situation es erfordert???

Abends, als Sebastian fuhr, hatte ich ihn noch begleitet, Kamera und Stativ im Anschlag. Und tatsächlich, im Park Krähen in flagranti erwischt. Dann noch wunderschöne Sonnenuntergangsaufnahmen. Wenn ich also bei besserem Licht einfach im Park warte, kommen meine Seelenvögel, und ich bekomme bestes Material!

Da wird es bereits 9:40 Uhr. Die Blutabnahme ist ausgefallen. Der deutsche Arzt war ja noch selbstsicher, doch nach einem einzigen Stich und dem vorausgegangenen Suchen hatte ich ihn gebrochen… Dann genügte ihm, davon zu berichten, eine Notärztin eine halbe Stunde lang beschäftigt zu haben, ehe sie mir zwei intraossäre Zugänge hatte legen müssen (also mein Schienbein zweimal angebohrt hat), und erst recht meine Ansage, warum die Befunde von zuletzt nicht genügen. Es wurde herum gerannt, gesucht… Hatte sie mir am Vortag nicht zugehört? Nicht genau geschaut? War der Meinung, die Ergebnisse seien trotzdem zu alt? Als sie dann endlich gefunden waren, bei mir auf dem Tisch in dem Stapel Befunde, und er noch sah, dass sie vom 22. Januar stammten: „Das genügt doch total!! Was hier quälen!!!“…

(Mit einem verschmitzten Schmunzeln meinerseits) vorrangig sich selbst… 🙂

Angeblich habe ich 36,9 °C. Meine Hände sind völlig durch. Und so viel gegangen wie gestern bin ich schon lange nicht. Das muss ich lediglich aufrechterhalten, wenn die Zeiten es zulassen.

12. Februar 2019, Dienstag „Totalcrash…“

11:31
59,2 Kilo um 9:30 Uhr. Es hatte zu Mittag doch den restlichen Gemüseeintopf gegeben, eine große Portion davon… Nichtsdestotrotz, kurz vor der Sitzung wurde mir flau. Vernunft oder Lust?
Nicht immer ist „gesund“ auf Dauer „gesund“: „Ach, gib mir lieber einen Apfel statt den Milchreis…“. Diese Entscheidung sollte ich bitter bereuen dürfen.
Meine Verspannungen wurden immer schlimmer. Meine Kopfschmerzen wurden immer schlimmer. Die Blasenkrämpfe wurden immer schlimmer. Und es schien bereits entschieden, die Sitzung kurz zu halten, um anschließend die Rettung anzurufen. Oder mit Sebastian nach Oberwart zu fahren. Mehrere Pläne waren bereits geschmiedet worden.
Endergebnis? Gleich nach Beginn der Therapie riet ich Markus, er solle auflegen. Da das dumme Tablet ja auf meinen Fingerdruck so gut wie nie reagiert. Aber er legte nicht auf, hatte mich falsch verstanden. So konnte ich mich mit diesem verpesteten Echo von Skype würgen, röcheln, kotzen und spucken hören… Den Kübel, der schon seit Monaten nur noch im Wohnzimmer steht, hier direkt vor dem Tisch zwischen meinen Beinen… GEIL!!! Wenn ich die Wiederholung meiner eigenen Stimme schon nicht ertragen konnte!!! Dann legte ich eben auf, was wieder dauerte, durch den Brechreiz eine einzige Spastik geworden! Natürlich ging alles in die Stirnhöhlen; das hat unplanmäßiges Brechen so an sich, kommt bei herbeigeführtem, zumindest in meinem Fall, nicht so oft vor. Ich musste meinen Liebsten bitten, mit mir ins Bad zu fahren, um kurz meine Nase zu spülen… Natürlich fühlte sich das besser an danach. Aber heute? 37,8 °C. Draußen Sonnenschein und es stürmt und stürmt. Meine Augen brennen. Nacken und Schultern noch mehr verspannt. Kopfschmerzen. Auf meinem Tisch immer noch ein heilloses Chaos, ein Zustand irgendwo zwischen HIER und bereits DORT… Das muss alles noch mit, das bleibt hier, usw. und so fort…

Ich war so müde. Wieder. Ich las noch ein paar Zeilen im Buch, nickte dabei immer wieder für Sekunden ein. Zumal ich mit noch mehr Kindheitserinnerungen bombardiert worden war. Also beschloss ich, Licht aus, Augen zu und im Dialog mit meinem Innenleben die Bilderflut über mich kommen zu lassen, um ab und an Nachfragen anzustellen…
Was wiederum daraus resultierte? Panik! Wie bereits die Nacht davor. Wieder erschrak ich vor eigenen Körperregungen, vor Sebastians Bewegungen, Atemgeräuschen usw.! Zu Tode!! Jedes Mal wurde mein Körper ohne Vorwarnung einmal kräftig durchgeschüttelt!! Und/oder lag es auch daran, mich bereits in einem Halbzustand hin zum Schlaf befunden zu haben? Die Erinnerungen kamen immer detaillierter, traten immer noch belanglos auf, harmlose Situationen meiner Vergangenheit, und ich sah mich als Kind, fühlte mich als das Kind, ich war wieder dort, zugleich Beobachter… Aber dazwischen, wie der klassische „JUMP-SCARE“, tauchten mittendrin grausige Bilder auf, nicht länger als eine Hundertstelsekunde! Gerade so viel, dass man sich erschreckt, zusammen fährt, ohne genau sagen zu können, was man da gesehen oder gefühlt hat!
Resultat? Mehr oder minder bis 5:00 Uhr war ich wach. Sein Schnarchen für komplizierte das Einschlafen umso mehr. Heizstrahler an, aus, an, aus, Ohrstöpsel rein, raus, Heizstrahler auf Ventilator, abdecken, zudecken…

FUCK!!!
Ich erschrak davor, dass es nachts nach Öffnen meiner Augen einmal hell war draußen, und dann beim nächsten Mal stockdunkel, um wiederum beim darauffolgenden Mal wieder hell zu sein… Hatten wir Vollmond? Und starken Wolkenzug?
Alles in mir im Aufruhr!! Und ja, ich war ein kleines, verschrecktes Kind…

Markus meinte gestern wieder, dass Patienten mitunter zehn Jahre lang in Therapie sind, ständig würde an den Symptomen herum gedocktert, diese werden behandelt, aber nicht das eigentliche Problem. Und wie wichtig es sei, eine Abreaktion herbeizuführen. Denn sonst könnte das Trauma niemals heilen…

Ich empfand ihn wieder als wortkarg. Dass er einfach nicht mehr weiß, was er sagen will, sagen soll… Einerseits gab ich mir die Schuld: „Weil bei mir nichts weitergeht!“. Andererseits nährte es wieder meine Skepsis: „WER oder WAS ist er? WAS treibt ihn an? Oder ist er selbst psychisch krank und ich gewissermaßen sein Opfer??? Er ein Betrüger???“. In dem kurzen Zeitraum, in dem ich träumte, lief ein Radio, Ö1, Österreichs Kultursender. Hatte gerade noch gesagt, dass ich ihm nicht traue. Und nun lief da doch tatsächlich eine Sendung über ihn, man hatte ihn zu Hause besucht, erzählte von seiner Krankheit, auch seine Freundin wurde zu Wort gebeten, aber auch er selbst sprach von seiner Arbeit, ohne Namen zu nennen von der Therapie mit mir…

Ich überlegte noch, im Traum. Aber nahm ihn dann doch für bare Münzen. Wohl gemerkt „wieder einmal vorerst“…

Sebastian hat morgens für mich gleich einen Termin beim ortsansässigen Urologen besorgt. Um 17:00 Uhr… Jetzt holt er gerade Wäsche und Koffer von oben, wurde auch Zeit…

Und JUST mitten in diesem Satz fühlt es sich wieder so an, als würde mir jemand in den Hals pusten, ich fremde Luft schlucken, oder irgendetwas anderes schlucken und für 1 Sekunde bin ich kurz davor, wegzutreten… Fange mich aber wieder. So ging das schon das ganze Frühstück über… Und wieder hat Schlafmangel damit zu tun, und wieder frage ich mich, ob es nicht Epilepsie ist, genauso an wen ich mich denn nun noch wenden könnte, um diese Frage endlich zu klären…

11. Februar 2019, Montag „Ein mechanisches Problem…“

14:59
59,5 Kilo um 7:50 Uhr. Blasenkrämpfe. Ziemlich klar verifiziertbar, dass es sich da um ein Problem mit dem Katheter handeln muss. Denn dieser ist sogar wieder glasklar, obwohl er direkt nach dem Legen vor fast sechs Wochen unverzüglich belegt gewesen ist. Und ich voller Erstaunen gerade vorhin erst feststellen durfte, dass die Antibiotikarunde auch den Schlauch „gereinigt“ haben muss. Aber nun? Seit gestern Abend? Diese Krämpfe, die definitiv darauf zurückgehen, dass der Urin nicht abläuft, die Blase voll ist. Teilweise muss ich meinen Oberkörper gen Schoß bewegen, mich nach vorne beugen… Als würde ich mein Ausscheidungsorgan ausquetschen… Also hat er sein Ablaufdatum doch pünktlich erreicht? Ich versuchte zuvor den Urologen zu erreichen, aber keiner hat abgehoben.
Beim Blick nach draußen unverzüglich zu klimpern beginnen. Irgendetwas klappert draußen. Es ist fast genauso windig wie gestern, nur jetzt scheint sogar wieder die Sonne. Der Ausflug gestern war auch ziemlich von Stürmen sabotiert worden und dauerte lediglich 40 Minuten? Teilweise schob der Wind den Rollator vor mir her! Und eigentlich wollte ich auch jetzt draußen sein, ein paar Schritte gehen, aber der Wind… Die Kopfschmerzen gestern…
Damit abgefunden, aufs Laufband zu gehen, schaffte ich es wenigstens bis ins Bad, um beim Zähneputzen bemerken zu müssen, wie schlecht sich mein Zustand heute präsentiert. Vergleichsweise. Dann Blasenkrampf, und tatenlos zurück ins Wohnzimmer. 37,2 °C. In beiden Ohren. Leichte Ohrenschmerzen rechts, wie gehabt.

Wieder klimpern, noch mehr klimpern, die Zeit läuft davon. Ich muss doch die Synchro noch einmal machen…
Unverwandt zusammensacken. Krampf. Ich muss noch so viel machen. Durch das Treiben im Inneren beginnen unverzüglich Krämpfe im linken Bein.

Schlaf, wer braucht schon Schlaf… Lag wieder wach, mindestens bis 3:00 Uhr, wieder Gesicht und Hals blutig kratzend, wie besessen. Allmählich glaube ich auch, mir den Haaransatz wegzukratzen. Die Folgen der Serie nachts waren so „inspirierend“, erst recht danach im Buch noch dieser Abschnitt, in dem sie beschreibt, wie sie sich allmählich wieder an ihr Trauma erinnert… Und ich hoffte und hoffte und hoffte auf einen Traum, der Antworten liefert. Aber nein? Nur seltsame Traumsymbolik? Auslegungssache? Mit lediglich einem Schwerpunkt: das Gasthaus.
So erschlagen, so müde; legte mir ein Kissen auf meinen Tisch, um zu schlafen, bis die Volkshilfe kommt. So gestresst, so voller Panik: „Darf ich noch kurz schlafen? Habe ich noch Zeit? Ist es schon so weit? Geht hinten gleich die Tür auf? Kommt jemand ins Haus? Kommt sozusagen über mich? Keine Fluchtmöglichkeiten? Oder darf ich noch 5 Minuten?“…
Um mit diesem Cocktail die Augen zuzumachen, um 9:35 Uhr (in etwa) wieder aufgewacht, die Augen wieder geschlossen, unfreiwillig… Weggetreten!!!
„Aber epileptische Absenzen kommen gerade in der Aufwachphasen vor!“…
Nicht mehr wissen, was ich glauben darf. Hin- und hergerissen; der Himmel macht irgendetwas mit mir. So wie eben das Fernsehprogramm nachts. Eine frühe Erinnerung nach der anderen wurde serviert. Jetzt muss ich wieder an Klavierunterricht denken. Zuvor hatte ich ein Bild, eine Situation aus meiner Kindheit gesehen. Das, was ich da gedacht habe… Dachte weiter. Diesen Fetzen habe ich doch schon so oft gesehen. Und bereits früher habe ich gedacht: „Ach… Es war nur so… NUR so… Mehr nicht…“, sah mein Leben wie eine Linie. „MEHR war da nicht…“…

Was hat das zu bedeuten? Oder eine Fehlschaltung? Verdrehung von Tatsachen? Realität? Rumpelstilzchen freut’s…

Siehst du??!!!
Auf Teufel komm raus willst du mehr aus dir machen, als DU BIST!!!
Durchbetriebene Schlampe!!!

Und zugleich, ganz vorsichtig, habe ich dabei das Gefühl, dass diese Lebenslinie „mit Gewalt“ wieder zurechtgebogen, gerade geklopft worden sein muss. Dass da eben ETWAS nicht stimmt…

Und so hätte ich gestern wohl auch nicht äußern dürfen, mich auf die Reha zu freuen. Weil ich der Meinung war, jetzt käme zum Vorschein, dass unter der Sinusitis noch so viel Potenzial zu schlummern scheint, und noch lange nicht alles vergebens sei…

9. Februar 2019, Samstag

21:26
58,9 Kilo um 10:30 Uhr, in etwa. Scheiße geschlafen. Ich muss aufhören, im Bett diese zuckerfreien Pfefferminzepastillen in mich reinzustopfen… Wie ein Karnickel auf Speed! Panik, Unruhe, Krämpfe. Obendrauf eine ganze Entwässerungstablette… Dafür sieht das Ergebnis aber wirklich mau aus…

Ich dachte, ich werde nichts schaffen, aber wir fuhren nach dem Frühstück zum Einkaufen, dann konnte ich dort meine 50 Minuten insgesamt gehen. Ein älterer Herr sprach mich amüsiert an, als ich gerade einen Schluck aus meiner Wasserflasche trank, mit dem langen Strohhalm: „Das ist aber ein praktisches Gefährt…“. Ich grinste zurück: „Das ist mein fahrender Getränkewagen!“. Kaum war’s gesagt, Panik. In einem fort fing ich mir eine Panikohrfeige nach der anderen ein! „Zu viel geplappert, zu viele Witze gemacht, zu viel Aufmerksamkeit erregt…“… Hass! Hass! Hass!

Der Tag hätte so dermaßen schief laufen können. Aber heute kamen endlich die Elektroden für das Tens-Gerät, meine linke Schulter kam, wenn man so möchte, gleich zweimal hintereinander „auf den elektrischen Stuhl“. Später dann das Oberteil ausgezogen und die Wärmelampe draufheizen lassen… Ich bin so eklig! Auch als wir von unserem Ausflug zurück kamen, der flüchtige Blick in den Spiegel… Ja, schmale Beine, aber dermaßen erneut mit einem Schwangerschaftsbauch versehen… Acht Ferkel? Oder 9?

Sebastian protestierte soeben gegen meine Feststellung, widerlich zu sein. Sinnlos! Zu was bin ich noch zu gebrauchen?

Den Rollstuhl dann nicht mehr verlassen, nur noch das Video im Kopf… Und es nun tatsächlich fast vollständig Musik versehen… Machen dennoch erst 43 Minuten und die nächsten vier Wochen wird das Projekt ohnehin brachliegen…

Er bereitet uns gerade einen schönen Salat zu, mit Mozzarella. Es ist NUR Salat, hauptsächlich Grünzeug, Blattwerk… Und dennoch werde ich morgen dermaßen viel liegen, ich weiß es jetzt schon…

8. Februar 2019, Freitag „Keine Luft…“

10:30
Mir wie ein Verbrecher vorkommen, weil zum Zeitpunkt des Schreibens die Uhr noch auf 10:29 Uhr stand. Und selbst wenn spätestens beim Wort „Verbrecher“ diese auf 30 sprang, fühlt es sich falsch an. Scheiß Neurosen! Scheiß Zwänge! Scheiß Ticks!

59,9 Kilo um 8:30 Uhr. Warum esse ich zwei Scheiben Roggenbrot, wenn ich nach einer längst satt bin? Zeitgleich trudelt Arbeit vom Büro ein. Der Computer schnarrt laut. Penetrant, wie ein Zahnarztbohrer, der sich langsam in den Schädel frisst! So viele Dinge sind zu bedenken, umzudisponieren, zu organisieren. Abends teilte er mir mit, einen Termin vergessen zu haben, und mich am Mittwoch doch nicht zur Reha fahren zu können. Nun in der Kürze noch das Taxi zu bekommen scheint unmöglich. Warum ich mir an einem Montag den Termin in der Urologie geben hab lassen, bleibt ebenfalls ein Mysterium, und lässt sich höchstens damit erklären, in der Hoffnung gewesen zu sein, die Volkshilfe zu verpassen. Aber daran, dass er ja montags aktuell arbeitet, hat die dumme Kuh nicht gedacht! Als er mich aus dem Bett holte, und auch das ganze Frühstück über ging es mir noch einigermaßen gut. Im Bett, im eiskalten Schlafzimmer, habe ich diese „Atemprobleme“ scheinbar nicht. Aber kaum aufrecht, blockiert irgendetwas… Insofern der Verdacht, dass es mit Verspannungen und Abnutzungen im Bewegungsapparat zusammenhängt, nicht von der Hand zu weisen. Nur… DAS vermögen diese „Nebenschauplätze“ nicht: Gestern Mittag bis zum Abend bis zu 38,2 °C; aber nur am rechten Ohr, das nebenbei erwähnt auch ein wenig schmerzte!
Wieder war das Thermometer unfähig, meine Temperatur zu messen. Schlussendlich kam es vor dem Frühstück auf 36,4. Vertrage ich das warme Getränk nicht? Die Milch nicht? Peu à peu nahm das Hitzegefühl im Gesicht zu. Dann komme ich noch mit meinem Unverständnis daher, warum es heute SCHON WIEDER so dreckig ist, und schwinge den Staubsauger… Teilweise sogar ohne Rollator, was eigentlich ein sehr gutes Zeichen wäre. Aber jetzt bin ich im Arsch. Und gleich werde ich das Thermometer wieder zurate ziehen!

Die Flecken auf der Brille machen mich wahnsinnig. Die Neue ist schon wieder kaputt; dieses Gummiteil für den Nasenrücken ist verschollen. Rief gestern beim HNO-Arzt an, und mir wurde gesagt, er würde sich zurückmelden. Es wurde 19:45 Uhr? War sehr dankbar, dass er nach scheinbar so einem anstrengenden Tag (er hätte bis jetzt gearbeitet) noch die Muse hat, zum Telefon zu greifen. Berichtete ihm vom Ergebnis des Labors und dass ich das Gefühl nicht los werde, die Antibiotika umsonst einzuwerfen. Ließ aber auch nicht meine Rückenprobleme aus, noch die erneut erhöhte Temperatur aus heiterem Himmel. Dass es in meinem speziellen Fall wie so oft ein Rätsel mit gleich mehreren Lösungsansätzen wäre. Er gab mir einen guten Tipp: Ich solle unbedingt ein MRT meines Schädels machen lassen, um den Erfolg der Operation überprüfen und auch den Status meiner MS festhalten zu können, und dann solle ich mich an die Infektiologie in Graz wenden (die kümmern sich auch um Tropenkrankheiten, sah ich gestern auf der Seite, und bekam justament ein Dejavue: Wollte nicht Markus damals schon, dass ich mich dort melde?), anstatt wahllos irgendwelche, und ganz besonders die falschen Antibiotika einzunehmen. Jetzt bräuchte ich noch einen Arzt, der das alles mitmacht. Meine Neurologin? Da erwarte ich mir ehrlich gesagt gar nichts mehr… Tue ich ihr Unrecht? Doch die letzten Male wollte sie von einem Verlaufs-MRT nichts wissen: „Das sagt nichts aus… Wir wissen doch, wie es aussieht…“.

Meine Finger klimpern. Ich fühle Stress. Leichtes Herzrasen. Den Termin in der Urologie musste ich nun absagen; in der blauäugigen Hoffnung, dass das reibungslos bei der Reha erledigt werden wird. Auf meinem Tisch stapeln sich unzählige Zettel, der riesengroße Berg an Krankenakten und Buchhaltung immer noch nicht aufgearbeitet. Zwei Jahre schon nicht!!! „Also bei MIR gab es das nie!“.
Klimpern. Gerade wusste ich noch, was ich sagen will, doch dann habe ich die letzten Zeilen noch einmal zu Korrekturzwecken überflogen. Und nun ist es weg… Kann also auch nicht wichtig gewesen sein…

Ach ja! Der Schmerz erinnert mich an das Thema! Die Nacht ohne Heizdecke versucht; es lief gut. Dafür wieder „Frühlingsgefühle“… Oder schimpfe ich sie „Frühlingsallüren“? Krämpfe. Zumindest dezent, als müsse man sich erst wieder einstimmen, warm werden…!!! 3,3 mg Morphium. Und meinem Rücken ging es sogar noch sehr gut beim Frühstück. Beim Staubsaugen meckerte eine andere Stelle, aber auch nur muskulär. Doch kaum auf den beschissenen Rollstuhl gesetzt, geht es schon wieder los mit dieser Schmerzzange!!! Einerseits fühle ich mich schlecht. Ich muss doch noch Zähneputzen. Warum habe ich das noch nicht erledigt??!!! STRESS!!! Warum nicht versucht, gleich nach dem Frühstück spazieren zu gehen???!!! PANIK!!!! WARUM hocke ich wieder hier wie ein vor sich hin faulender Kartoffelsack????? Wir kennen das doch alle, oder nicht? SO FAUL, DASS ER ZUM HIMMEL STINKT!!!
Denn so sei eben auch nicht verschwiegen, auf irgendeine verwegene Art und Weise auch froh zu sein, dass es mir schlecht geht; denn dann habe ich ja die Legitimation mich auf meinen faulen Arsch zu pflanzen… Und ich spüre unsagbare Müdigkeit… Und ich bin froh, dass ich nun nicht laufen müsste, nicht spazieren, NICHT MALEN!!! Zugleich setzt mich wiederum die Arbeit im Posteingang unter Druck, obwohl ich ganz genau weiß, dass es scheißegal ist, wann ich diese erledige!!! Es fühlt sich an wie eine offene Wunde, die ich auf Teufel komm raus so schnell als möglich schließen muss!!! Unterdes interne Diskussionen darüber, ob ich mich zurückhalte; dann könnte ich während der Reha kurze Ärmel tragen… Oder, ob ich es nicht kann, nicht WILL…

Wie gestört muss ein einziges, bedeutungsloses Individuum sein???
Eigentlich wollte ich gestern abhauen. Aber das Warten auf den Rückruf des Arztes zwang mich dazu, zu Hause zu bleiben. Und jetzt sage ich einen Satz, für den ich mich selbst übers Knie legen müsste: „Um dann die Volkshilfe auszuhalten…“!!!

WAS BIST DU FÜR EIN UNDANKBARES MISTSTÜCK???!!!

Was bin ich für ein undankbares Miststück… Leichte Dissonanzen gleich eingangs, gewisse „Glaubenssätze“ betreffend… Von wegen „Impfgegner/-verweigerer“ oder „die Pharmaindustrie ist an allem schuld“… Und ich mahnte: „Ich hoffe, du bemerkst dabei schon, wie schmal da der Grad ist hin zu Verschwörungstheorien?“. Genauso gut hätte man mir mitteilen können, sich ebenfalls ein mit „heiligen Einhornschwingungen beseeltes Spray“ besorgt zu haben, das nun, „auch wissenschaftlich im Internet getestet und bewiesen“ Krebs heilt, amputierte Gliedmaßen wieder nachwachsen lässt, aus einer Oma einen Teenager macht!!! Eigentlich hatte ich überhaupt keinen Bock mehr auf Unterhaltung. Es wurde zu viel geredet, viel zu viel… Ich stopfte mir dann schon die Stöpsel in die Ohren, weil ich doch für mein Video Musik raussuchen musste… Aber in dieser Causa irgendjemandem den schwarzen Peter zuzuschieben, wäre wahrlich ungerecht. Ich habe doch mitgemacht! Ich habe nicht gesagt, ich will nicht reden! Mit keiner Silbe! Lediglich versteckten Signalen (siehe Kopfhörer)… Oder so Anmerkungen wie: „O. k., jetzt zum dritten Mal… Hatte ich das Lied schon oder nicht?…“, zu mir selbst, aber laut hörbar. […]

Robert ruft an; Taxi für Mittwoch organisiert. Da die Herrschaften alle „Rücken“ haben, will Sebastian mir meinen Rollstuhl nachmittags nachbringen…

Draußen kommt Sonne zum Vorschein, ich diktiere also diesen Satz von oben und plötzlich geht die Schlinge um meinen Hals schlagartig zu, erdrosselt mich… PANIK!!!

17:05
Davon überzeugt, nicht mehr atmen zu können…
Um die Mittagszeit herum ging es mir wieder schlechter; durch die Sonneneinstrahlung wurde es hier am Tisch aber auch sowas von unangenehm warm, also kein Wunder. Mit einem Apfel im Gepäck fuhr ich kurz nach draußen und stellte mich in die Sonne… Frühling…
Etwas abgekühlt sofort den Entschluss gefasst: JETZT muss ich spazieren gehen!!

Ein Zirkuspony lässt sich schneller herrichten als deine Alte…“. Was für ein Theater, bis ich startklar bin. Und nebst dem Umstand, nonstop gequatscht zu haben, hielt ich plötzlich meine Stimme wieder nicht aus, monierte an ihm herum, dass er dies oder jenes falsch oder nicht richtig oder gar nicht gemacht hätte, um dann zu dem Schluss zu kommen: „Im eigentlichen Sinne soll das nur heißen, dass ich mit MIR ein Problem habe…“. Außerdem hatte mich in den Minuten bis ich endlich vor der Tür stand schon wieder diese beschissene Mittagsschwäche gepackt. Ich marschierte los, kam bis zum Carport, da fielen mir mal einige Sachen runter, wie zum Beispiel mein Handy, war unfähig, es aufzuheben, und die Stoppuhr ließ sich nicht bedienen, ICH konnte sie nicht bedienen… Als mir die Kopfhörer ständig aus den Ohren rutschten, fing ich bereits an zu flennen. Doch das mit der Stoppuhr war das absolute Highlight! Hatte nicht er zuvor nach mehrmaligen Versuchen meinerseits nur einmal den Knopf betätigt und das Ding ging an?! Ich murmelte Flüche in meinen imaginären Bart und nun musste dieses beschissene Chinateil dran glauben… Hatte es in der einen Hand und hämmerte es mehrfach auf den Tisch, voller Zorn…

Um am Ende wimmernd in mich zusammenzubrechen… Meine Gedanken? Ich gehe jetzt noch ein paar Schritte ums Carport, damit man mich vom Eingang aus nicht sehen kann, ebenso nicht von der Straße unten, hole eine der Rasierklingen aus meiner neuen Bauchtasche und verpasse meinem Unterarm ein paar kräftige Seelenventile… Die dann von mir aus vor sich hin bluten sollen, in den schwarzen Ärmel hinein, ist mir doch alles scheißegal!!!…

Aber nein. Ich ging weiter. Die Einfahrt runter, die Straße hoch und anschließend den ganzen Weg wieder zurück. 55 Minuten. Vom Gehen ist nun die Schulter wieder dermaßen verspannt, als hätte man meinen Körper in eine Schraubzwinge gesteckt! Bei dem Gedanken daran, mich noch auf die Sitzung um 19:00 Uhr vorzubereiten, vorbereiten zu müssen oder zu wollen, bekomme ich Panik. Dazu draußen Abendhimmel; zum Glück nicht so farbintensiv wie sonst. Eine volle Dosis Tramal, gegen die Schmerzen. Und im Hinterkopf mit den Rasierklingen noch nicht fertig. Oder mit der Überlegung, zum Temesta zu greifen…

6. Februar 2019, Mittwoch „Alles im Arsch!“

14:14
Schönstes Wetter, und obwohl ich mich vormittags schlecht fühlte, 37,5 °C und dank Sebastians Schnarchen viel zu wenig und schlecht geschlafen, möchte ich doch einen leichten Aufwind zu Mittag. Hatte es mir gar nicht erst ZU bequem an meinem Tisch gemacht, quälte ihn nur dafür runter, um mich anzuziehen, einzupacken. Was für eine Nervenbelastung für ihn, mir Handschuhe anzuziehen. Aber kaum war ich draußen, erwischte mich wieder diese „Schlaglähmung“. Als hätte mir einer eine Holzlatte über den Hinterkopf gezogen. Oder um es bildlich noch drastischer auszudrücken: Einen Baseballschläger voll in die Fresse! Dieser Vergleich passt besser zum Hitzegefühl in Wangen und Nasenrücken. Und der Schleim läuft und läuft, aber es sei ja angeblich nur Spucke… Welche meiner Befunde sollte ich mitnehmen zur Reha? Alle? Um leidige Diskussionen im Keim ersticken zu können?

Ich ging trotzdem weiter, auch auf die Gefahr hin, vor lauter Schwindel umzufallen. Das beschissene Handy war der Überzeugung, der Akku sei fast leer. Es nun angeschlossen, und lediglich nach 10 Minuten sei dieser bereits wieder voll gewesen… Was für ein Scheiß!
In der Einfahrt meinte ich, da mir die Sonne gerade so schön auf den Pelz schien, ich könne ja die Straße runter schlurfen, müsse ihm nur vor Bescheid sagen, dass er mich in einer halben Stunde dort abholen soll. Leichtes Gefälle, nicht so eine Anstrengung… Erst bekam ich das Handy nicht aus der Jackentasche. Dann vermochte ich nicht die richtigen Knöpfe zu drücken. Abschließend rief ich noch zweimal im Haus an; lediglich kurz, um meine Kosten bei Null zu halten. Früher war das kein Problem, aber jetzt, mit der Wertkarte, weiß ich nie, wie viel Guthaben ich noch habe oder schlimmstenfalls schon wieder im slowenischen Netz hänge.
Und zwischen den Versuchen wartete ich minutenlang auf den Rückruf, der nicht kam. Dementsprechend stand ich dann schon wieder zu lange und meine Beine, mein ganzer Körper zeigten mir die rote Karte. Zurück im Haus, nach popligen 15 Minuten (abzüglich Stehzeit), unfähig mir auch nur irgendwas von den ganzen Sachen auszuziehen. Alles ging schief, jeder Handgriff. Einer der neuen Äpfel ist unterm Bett gelandet. Fürs Anstecken vom Handy brauchte ich Minuten. Ebenso für den Transfer der Speicherkarte zurück in die Kamera.
Dafür bekomme ich gerade Krämpfe… Ganz toll…

Und morgens? Eigentlich war es 9:45 Uhr, nach dem Aufstehen? Schon wieder das Klo verstopft! Was ist denn, wenn ein großer, wirklich großer Mann mal auf die Tablette muss? Das sind doch standardisierte Maße, oder? Verstopft der dann auch mit einem Mal alles?
59,9 Kilo um 10:00 Uhr. Hurra… Kotz!

Ich fühle mich nicht gut beraten, erst recht nicht gut behandelt mit diesem Präparat durch den Hausarzt. Das war mir irgendwie zu sehr zwischen Tür und Angel, muss ich gestehen. Sollte ich den HNO-Arzt anrufen? Dort noch ein bisschen nerven?

19:30
Mittlerweile zieht der Schmerz nach vorne in den linken Brustmuskel. Unter der Achsel hindurch arbeitete er sich den ganzen Tag über in Richtung Pumpe…
Ja! Ich weiß! Ich bin wie meine Mutter!

Nachmittags, erfasste mich wieder so eine Panikattacke. Mit Ratio war ihr nicht beizukommen. Diese Doku zum dritten Mal gesehen, während ich einen Milchreis löffelte. Sah mich regelrecht gezwungen, wieder einen Kommentar zu schreiben. Dass die Bilder der Protagonisten meinen total ähneln, dass doch bei Missbrauchsopfern immer dieselbe Symbolik auftauchen würde. War es die Doku? Oder dass ich selbstverliebter Gockel wieder einen Link zu meinem Fernsehbeitrag hinzugefügt habe? Mein Satz, dass das alles doch so eindeutig sei, nur ich könne es für mich nicht zulassen?!

Sebastian war mit dem Aufräumen oben fertig und nahm mich erst einmal in den Arm, anschließend mit, zum Müllplatz, um endlich Glas und Alu wegzubringen. Ich blieb auf dem Beifahrersitz, die Kamera in den kalten Händen. So richtig unangenehm wurde es dann, als er noch kurz bei seiner Arbeit vorbeischauen musste, und aus „nur einem Moment“ wurden mal eben locker 20-30 Minuten? Meine Füße wurden immer kälter, meine klammen Finger krallten sich an das obere Ende vom Katheterschlauch, um wenigstens ein bisschen Wärme vom eigenen Urin zu bekommen, ehe dieser auf seinem langen Weg runter in den Beutel ebenfalls kalt würde. Geschmacklos? Vor lauter Kälte verspannte ich mich mehr und mehr und der Schmerz wurde immer heftiger. War er nicht heute Morgen weniger geworden?

Wieder dieses Gefühl, vor bestimmten Personen zu Kreuze kriechen zu müssen, mich für ALLES und erst recht mein DASEIN entschuldigen zu müssen, um mich anschließend unverzüglich und konsequent auszuschalten. Endgültig. Unerträglich… Wäre ich zu Hause geblieben, hätte ich vielleicht nicht riskiert, der Blase auch noch „ans Bein zu pinkeln“. Aber die Alternative? Meine Rasierklingen?…

Meine Videos ineinander schieben, also die einzelnen Tagesabschnitte auf eine Spur verfrachten (natürlich mehrere untereinander). Da kann ich nächstes mal sehen, wie lange das „verunglückte Baby“ mittlerweile schon dauert…

5. Februar 2019, Dienstag

11:25
Verunglückt. Mehr oder minder verunglückte gestern so einiges. Oder alles.
Da erst fällt mein Blick auf den Befund vom Krankenhaus zuletzt, der vor mir auf dem Tisch liegt… Steht da doch tatsächlich IMMER noch Borderline??? Na bitte, da wird mir doch gleich „ganz warm ums Herz“ und ich könnte mir den Strom für die Heizdecke sparen!!! WANN KOMMT DAS IN DEN KÖPFEN ALLER ÄRZTE ENDLICH AN??!!! SVV IST EBEN NICHT GLEICH BORDERLINE!!! VERDAMMTE SCHEISSE!…
Nebst erneut diesem Unfug von „multiplen Suizidversuche“…

Zu gestern. Ich wollte ihm mittags entgegengehen. Aber als ich mich endlich um 11:00 Uhr erhob, schien ich bereits zu lange gesessen zu haben. War steif. Spastik vom feinsten. Im Badezimmer angekommen, wurde es noch mit massiver Schwäche versüßt. Ich nannte es dann „Schlag-Lähmung“. Der sogenannte „Mittagsklassiker“. Das Zähneputzen eine Kunst. Erst recht dabei zu stehen. Und anschließend nach dem Toilettengang meine Hose wieder hochzuziehen…

Du fettes Stück Scheiße!!! Du bist eine Fettkugel!!!

Ich fuhr mit dem Rollstuhl nach draußen und stand dort im Sonnenschein mindestens 20 Minuten. Das Hitzegefühl in meinem Schädel nahm ab; messbar war es doch ohnehin wieder nicht. Vielleicht war auch die Sonne zu stark, ZU warm, als ich noch am Tisch saß. Es gab Tassensuppe aus der Tüte, und als er wieder zur Arbeit fuhr, streifte ich mir meine dicken Wollstulpen über die langen Ärmel meines Hemdes, die Kopfhörer in den Ohren, meine Laufmusik auf Anschlag, ein letzter Blick in den Spiegel: „Na bitte? JETZT scheine ich ja meinen Stil gefunden zu haben! Ich bin MINDESTENS die coolste Rollatorfahrerin des ganzen Südburgenlandes!“. Um mich auf den Weg zu machen. Im Sonnenschein war es frühlingshaft, schlichtweg traumhaft. Man vermisste keine Jacke. Und meine mir so wohl vertrauten Klänge donnerten in meinen Schädel hinein, und ich fühlte mich wie damals, vor nun neun Jahren; am liebsten hätte ich laut mitgesungen, beließ es aber wie schon damals beim Laufen bei tonlosem Mitsprechen. Ich war arschlangsam, aber hatte Spaß, war guter Dinge, gut gelaunt. Erste Frühlingsgefühle eben, wie jedes Jahr. Je näher ich der Straße kam, desto stacksiger mein Gangbild. Steifer, noch steifer, bewegter Stillstand. Am Haus der Nachbarin vorbei machte ich eine Pause. Hatte mir eine Karamellwaffe zur Belohnung mitgenommen. Dann Kehrtwende, zurück. Mich allein von der Präsenz des Hauses beobachtet gefühlt; langsamer und noch langsamer. Aber dann, oh Wunder, kaum die Hälfte unserer Einfahrt geschafft, konnte ich „wieder gehen“. Also ohne Unterbrechung nach jedem einzelnen Schritt. Dann eben nur noch nach jedem Dritten oder Vierten.
52 Minuten hatte ich geschafft. Aber nun war ich platt und wollte nur noch in den Rollstuhl und wieder raus, fliehen, ehe die Volkshilfe kommt. Insofern gut, dass genau dann Daniela kam und mir in meinen neuen Rollstuhlsack helfen konnte. Genauso wie in die Jacke. Sie packte mich sozusagen warm ein, füllte mir noch die Wärmeflasche voll, diese auf den Schoß gelegt und ich fuhr los. Immer noch guter Dinge. Obwohl der beschissene Rollstuhl bereits am unteren Ende unserer Ausfahrt stehend wegrutschte. Die Jacke blieb nicht zugeknöpft; Sebastian hatte mir seine hingelegt, weil sie schön groß und kuschelig warm ist. Hatte den Nachteil, die Ärmel viel zu lang; kämpfte ich doch schon permanent mit den Stulpen, um meine Hände zu befreien. Oben am Hügelkamm war der Wind bissig, und die Sonne hatte sich natürlich wieder hinter Wolken versteckt. So richtig problematisch wurde es dann beim „Abgang“. Im Wald, bergab. Sehr vertrauensvoll: Ging ich sozusagen vom Gas, also wenn die Motorbremswirkung einsetzte, rutschte mir mein fahrbarer Untersatz regelrecht unterm Hintern weg, mehrere Meter unkontrolliert über den Asphalt. Da gab es sowieso nur zwei Optionen: Entweder links in den Straßengraben oder rechts steil den Hang hinunter. Mein Körper versteifte sich immer mehr vor Anspannung. Endergebnis? Im bekloppten Sack, dazu in den riesigen Stiefeln, angetrieben von der durch Kälte und erwähnter Anspannung ausgelösten Spastik, Streckspastik wohl gemerkt, rutschten meine Füße von den Fußstützen, die auch immer wunderbar eine riesengroße Lücke zwischen sich gewähren, in die man „abgleiten“ kann. Diesen neuen Sack also zum zweiten Mal für eine Ausfahrt genutzt und zum zweiten Mal kam es zum selben Fiasko! Meine Fußsohlen, der nagelneue Sack, schliff auf dem Asphalt. Noch dazu der steilste Teil der Straße noch vor mir. Unfähig, meine Beine abzubiegen. Anzuwinkeln. Wieder auf die Stützen zu zerren. Unter Rollstuhl ließ sich überhaupt nicht mehr kontrollieren, rutschte nur noch ab. Versuchte sogar noch, ihn einmal zu wenden; in der Hoffnung, wenn die Beine oben sind, also höher als der Körper, würde es mir vielleicht leichter gelingen, ihrer Herr zu werden. Pustekuchen! Und nach minutenlangem Kampf musste ich Sebastian anrufen. Ihn von der Arbeit wegholen, schon wieder. Was für ein Theater, mich erst mal aus dem Sack auszubauen…

Und ich war sauer! Sauer auf den Orthopädiefachmann, auf die ganze Firma! Weil sie den Rollstuhl eben nicht vor einem Jahr während der Reha in Ordnung gebracht haben! Weil er nicht wie abgemacht sich im März gemeldet hat! Weil kein Schwein auf meine unzähligen Mails reagiert hat! Weil der Rollstuhl eigentlich schon vor eineinhalb Jahren einmal generalüberholt werden hätte sollen!!!

Aber nein! Ich trage ganz allein die Schuld! Denn WARUM habe ich nicht mit mehr Vehemenz auf mein Recht gepocht? Warum habe ich nicht ein einziges Mal zum Telefonhörer gegriffen und immer nur dezent und vorsichtig per E-Mail mein Problem kundgetan? Da muss man doch telefonisch hinter sein… Blablabla!

Meine Schulter brachte mich bis zum Abend hin um. Auch brach ich die Sitzung nach 1 Stunde ab. Empfand Markus als… Wortkarg? Nicht bei der Sache? Und ich wusste doch auch nicht mehr, was ich sagen sollte. Dazu die Kopfschmerzen…
Es gab gleich im Anschluss Abendessen, und danach war ich fix und fertig. Na zumindest 37,6 °C… Damit man nicht wieder sagen kann, ich würde mir das Hitzegefühl in meinem Schädel und die damit einhergehende MS-Schwäche nur einbilden! Musste mich hinlegen, um mir alte Videos von mir selbst anzusehen
. Mir TATSÄCHLICH die Frage erlaubend, „dass ich doch gar nicht so schlimm bin“… ODER?

Als ich nämlich vom Spazieren zurück gekommen war, keinerlei Körperaufrichtung mehr, zusammengefallen zu einen unförmigen Kartoffelsack (womit ich es gerne Vergleiche), wieder konfrontiert mit meinem Spiegelbild, meinem „Seitenprofil“, und es war Rumpelstilzchen, der mir da entgegen brüllte…

SCHAU DICH DOCH AN, DU FETTE MASTSAU!!!
DU und COOL??!!!
DU BIST EINE EINZIGE LACHNUMMER, WENN MAN NICHT GLEICH BRECHEN MUSS BEI DEINEM ANBLICK!!!

Hatte ich mich nicht gerade eben erst noch freundschaftlich mit meinem Körper, mit meinen Beinen unterhalten? Mich erkundet, warum sie jetzt steif werden, was ihnen über die Leber gelaufen sei, ihnen sogar noch gut zugeredet…?!
Ab dann ging irgendwie schon wieder alles schief… „Selffullfing Prophecy“… Hausfrauenpsychologie…

Augenblicklich befinde ich mich nämlich wieder in besagter Pattsituation. Zu diesem Zweck lasse ich Sebastian immer seinen Handrücken auf Stirn und Wangen legen: „Hab ich recht? Das fühlt sich doch heiß an, oder?“, worin er mich auch bestätigen kann, während die Temperatur, gemessen vom neuen Thermometer, grundsätzlich auf etwa 37,2 °C beharrt.
Sebastian selbst fühlt sich heute miserabel. Oder, wie er es gerade noch einmal nannte, „moll“. Tee wird gekocht und ausgeteilt.
Die Verspannung im Kreuz fühlt sich beinahe so an wie etwas „Organisches“. Es kann ja alles von allem Möglichen kommen… Das Gefühl, dass die Nase zu ist, von den Verspannungen. Die Schwäche von der vermeintlichen Hitze. Oder doch alles von diesem Bakterium? Der Spaziergang zu anstrengend? Der Wind zu kalt? Oder jedes einzeln für sich von Bewandtnis? Mein Schädel raucht…

15:05
Soeben in meinen „Hausapotheken-Annalen“ gewühlt. Bei den meisten Sachen weiß ich nicht mehr, wogegen ich sie verschrieben bekommen habe. Seractil finde ich definitiv keines. Also wird es Deflamat. Die ganzen Psychopharmaka, die an mir ausgetestet wurden… Unglaublich, was ich schon alles mit mir machen habe lassen. Andererseits… Die nächste Überdosis kann kommen, ich bin gewappnet!

Der Himmel bricht auf, längs entstehen helle Lichtstreifen in Weiß. Schöner Himmel. Jetzt müsste ich oben am Hügel sein. Oder unten in der Ebene, da sieht der Himmel noch bombastischer aus, man kann noch weiter kucken.

Vielleicht sollte ich mir Musik anmachen, dann höre ich mit der idiotisch anmutenden Bewegung meines linken Armes nicht jedes Mal nach wenigen Wiederholungen auf. Meine rechte Hand ist gelähmt. In der Tat fühle ich mich nun wacher und nicht mehr so „ans Kreuz genagelt“ wie zuvor, ABER… Immer noch sehr schlecht auf den Beinen. Beim Zähneputzen war es unmöglich, frei zu stehen. Eigentlich musste ich mich regelrecht wieder einmal ans Waschbecken klammern; einer meiner Lieblingssätze.
Alles, was ich geschafft habe, war, noch eine Inkontinenzunterlage für den Rollstuhl bei Amazon rauszusuchen. Da er mir ja nicht gewünscht zwei bestellt hatte, sondern lediglich eine Schwarze. Und ein Tischstativ. Was ist das jedes Mal für eine unendliche Suche… Und davor ein Foto, das bereits ins Video eingebaut wurde, dank Photoshop bearbeitet. Es kommt noch mehr Bewegung in die Animation. Also ein bisschen mehr…
Meine Stimme kracht erneut in sich zusammen. Wenn ich erst einmal anfange, werde ich mit Räuspern nicht fertig! Also wie kann es sein, dass der Facharzt NICHTS gesehen haben will? Und nun schmerzt auch noch eine andere Stelle am Rücken, der Schmerzpunkt weitet sich aus. Wie eine Krake, mit ihren unzähligen Tentakeln, grabscht sich der Schmerz alles, was in Reichweite ist.

16:55
Ja! Ich habe Schiss davor, ein Druckgeschwür zu bekommen! Weil mir auch noch niemand sagen konnte, dass es sich um was anderes handelt!
Die Fersen (eine scheinbar prädestinierte Stelle für einen Dekubitus) schmerzen dann auch noch den ganzen Tag über, und es sei ja auch nur nebenbei erwähnt, bereits ohne zu langen Druck in der Nacht auf ein und dieselbe Stelle so oder so massivste Durchblutungsstörungen zu haben, erst recht in Händen und Füßen! Und das am Hintern, das ist auch jenseits von Ischias und Co.! Mit diesem Schmerzfiasko wieder mal mehr oder minder alleingelassen werden… So kommt es mir zumindest vor. Oder selber schuld, wie immer… Müsste ich wieder zu 1000 Ärzten rennen? Am besten privat, um auch noch ordentlich Geld zu verplempern???

Vom Deflamat nichts gespürt. Auch meine „Hampelmannaktion“ vergebene Liebesmüh‘. Draußen bricht der Himmel wieder auf und ein paar Abendfarben zeichnen sich dezent an den zerrissenen Wolkenrändern ab. Worüber ich nachgedacht habe, ehe ich wieder auf den Rollstuhl ging? Durchaus inspiriert von den vorher erst entdeckten Psychopharmaka? Erst recht den unzähligen Packungen Gewacalm? Mir jetzt Temesta reinzuschmeißen… Ich belasse es bei 2 mg Morphium… „Belassen“…
Ich lach mich tot!!

Aber „es funktioniert nicht“!

2 mg deswegen, weil die Retardfassung immer noch die bessere Wahl wäre, anstatt gleich 2,6 vom „Turbomorphium“ zu schlucken! Und 1,3 waren keine mehr da, also keine mehr in meiner blauen Blechdose…

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19:12
Mein Tee steht jetzt schon seit 16:00 Uhr. War es zuvor der Satz über den Abendhimmel? Oder doch das flüchtige Öffnen von Facebook, und die Nachricht unserer Nachbarin zu sehen? Was mich gleich wieder in meinen Schuldgefühlen absaufen hat lassen? Weil ich eben nicht fähig bin, mich „zu binden“, „verbindlich“ in Kontakt zu treten? Weil ich mir jetzt schon Kopfzerbrechen leiste, darüber, in zwei Monaten wieder am Haus vorbei zu fahren und mit ihr ein Gespräch anzufangen, oder sie fängt es mit mir an, da ich ja grundsätzlich den Kopf einziehe und zusehe, so schnell es möglich davon zu kommen, weil ich eben NICHTS und NIEMANDEN sehen will? Außer vielleicht Ute und Achim; da ist es nicht so schlimm. Oder völlig Fremde…
Und das Gespräch dauert und dauert und ich unfähig, noch nicht einmal freundlich zu sagen, dass ich weiter will? Weiter muss? Dass die Panik mich schon wieder auffrisst? Geschweige denn von einer UNFREUNDLICHEN Absage??!!!

Entweder das oder weil es Abend wurde… Plötzlich die nächste heftige Panikattacke; gefühlt kurz davor, sich dahingehend auszuwaschen wie zuletzt. Ich musste während meiner viel zu akribischen und perfektionistischen Schrauberei an erneut einer nur Sekunden dauernden Animation, in die ich aber dann so viel Physik und Detailliebe hineinlege, dass man es fast UNGESUND nennen muss, eine BELANGLOSE Dokumentation im Hintergrund anmachen! Irgendetwas, das ablenkt!
Aber es kam noch besser! Da meine Standardfloskeln in mich hinein keinen Effekt hatten, auch nicht mir jetzt bewusst vorzunehmen, noch geschäftiger und noch beschäftigter am Video zu arbeiten, kam ich unverhofft zum Handkuss: In der Doku ging es um eine Frau, die als Pflegemutter in einem Pflegeheim zu arbeiten beginnt. Mir fällt das Wort gerade nicht ein, wie so oft. Und da war ein kleines blondes Mädchen. Es war trotzig und weinte bitterlich. Ich sah mir die Kleine an, ganz genau, und sagte zu mir selbst, zu allem in mir, was dagegen Protest anmeldete: „Schau dir dieses Kind an!!! DIE soll dreckig sein??! DU warst genau so!!!…“; das Kinn begann zu zittern, die Augen wurden ganz heiß. Obwohl sich in mir Widerstand regte…

Das kleine Miststück?? Schau doch, wie aufsässig sie ist!!! Wenn sie erwachsen ist und diese Aufnahmen sieht, wird sie sich dafür in Grund und Boden schämen!!!
Und DU warst noch viel schlimmer!!! Deine armen Eltern, was die sich von dir gefallen lassen mussten, du dreckige Schlampe!!!

Aber ich hielt am Bild fest… Wieder eine Affirmation: „Das ist nur ein Kind! NUR ein Kind! DU warst NUR ein Kind!!!“…

Jetzt aber…

DU FÄLLST NUR AUF DAS SCHEISS KINDCHENSCHEMA REIN!!!

Halt die Klappe!!!

Meine Hand wurde immer gelähmter; kein Wunder, wenn sie seit Stunden auf der Maus liegt, der Zeigefinger nonstop gestreckt und in Aktion…

Was für eine dumme Ausrede!!!
Alles ist vorbei!!! Das Bild kannst du dir in die Haare schmieren, und zeichnen wirst du auch bald nicht mehr können, du wirst NICHTS mehr können, du VERFLUCHTER KRÜPPEL!!!

Ich war im Badezimmer, zuvor erst. Um wieder alle meine Brillen zu waschen. Ich hielt die Alte nicht mehr aus, drückte am rechten Ohr. Die ist doch noch aus Kindertagen, Hauptschule. Obwohl ich von damals bis jetzt nicht sonderlich an Größe zugelegt habe…

Deine Hackfresse ist fetter geworden!!!

Die neue Fassung aber erst recht beschmutzt. Auch machte ich eine Nasendusche und bekam eine Vorschau auf das, was nun beinahe zwangsläufig folgen muss (früher oder später): Ich werde mich irgendwo festhalten, die Hand wird ausrutschen, oder loslassen, weil sie zu Faust wird, ich werde umkippen und mir den Arm brechen…
Mit eiskaltem Wasser konfrontierte ich meine glühende Visage… Meine Lippen knallrot, auch die Hände ins kalte Nass gehalten. Alles vergebens, mein Kopf blüht schon wieder, die Haut wird dementsprechend in Windeseile ebenfalls wieder total fettig sein.
Ich dachte an die Videos von gestern. Ja, da war schon Wehmut, ob der verlorenen Jahre. Aber nun ging ich noch weiter, ging (schleppte mich) nach draußen vor den hellen Fichtenholzrahmen im Flur, um hineinzuschauen und mit meinem Spiegelbild zu sprechen. Oder sprach das Spiegelbild mit mir? „SO schlimm bist du doch gar nicht, ODER?“.
Also kein Wunder, ob Rumpelstilzchens Präsenz augenblicklich…

4. Februar 2019, Montag

8:35
Es sei nicht viel gesagt, aber zumindest so viel, ZU viel, mir vor Besteigen der Waage mein eigenes Grab geschaufelt zu haben. Das Abendessen, das war eine große Portion. Püree und Gemüse und Fisch. Bei jedem Bissen vom toten Tier wurde ich das Gefühl nicht los, schuld an der Überfischung der Meere zu sein. Ganz zu schweigen davon, Sebastian zu beobachten, bei jedem einzelnen Bissen, und jeder davon fühlte sich an, als sei es sein letzter.

Dann musste ich ja noch einen Becher Joghurt essen. Natürlich, nur wegen den Antibiotika…

Und dann noch eine holländische Karamellwaffel…

Der Katheter nur spärlich befüllt. Zumal der nagelneue Beutel schon wieder kaputt war. Also durfte ich mir auf den vier Schritten vom Klo rüber zur Waage schon mal meine Gedanken machen. Und ich gab wie so oft einen Tipp ab. Und ebenfalls unbestreitbar, dass ich „gerne Recht behalte“…
Zeichnete ein Horrorszenario.
Erntete ein Horrorszenario.
Wie lange ist es her, wenn man nicht sogar von Jahren sprechen muss, so viel gewogen zu haben???

Waren es nun 60,7 oder 60,6 Kilo??? Macht den Braten nur unbedeutend weniger FETT!!! Die 60 gesprengt… Ich könnte kotzen!

Warum tust du es dann nicht?!!!

Wieder huscht so ein neurotisches Zucken über meine Lippen. Na, ich freue mich schon auf die Reha, auf die Waage dort… Die vermeintlichen Kommentare, vermeintlichen Blicke, die nur ich wahrnehmen kann…

Aber augenblicklich fühle ich mich unfähig, meine Energie in Selbsthass zu investieren. Alles, was zählt, ist dieses bescheuerte Video. Da habe ich nun so viel Zeit in den Schnitt investiert, wieder und wieder, um die Filmstrecken zu kürzen, und dann baue ich eine Animation, über Tage hinweg, die nun wiederum verlangt, dass die entscheidende Lücke dafür wieder größer gemacht wird!

Sonnenschein, blauer Himmel. Der Regen von gestern vergessen. Auch, oder besser gesagt zum Glück, ist es wieder kalt geworden. Abends auf meinem Fernsehsessel wie eine Verrückte gekrampft. Da erscheint es erst recht einem Selbstmordkommando zu gleichen, nun vorsichtig anzumerken, dass ich mich körperlich ein wenig besser fühle? Zumindest heute? Zumindest bevor ich die Heizdecke auf meine Schultern gelegt habe?

Nachts zum Glück mehr oder minder schmerzfrei. Bis auf diese diffusen Missempfindungen in den Fußsohlen…
Ich hasse dieses Wort, eigentlich hasse ich beide Wörter: Fuß und Sohle!!! Füße… Was soll das sein? Oder besser gesagt: Warum lösen diese ständig Derealisationen aus?

Also diese Stellen tun weh. Wieder die Frage, ob sich da die ersten Anzeichen eines Druckgeschwürs bemerkbar machen. Aber viel wichtiger, die Heizdecke mit ins Bett genommen zu haben, ich lag auf dieser, und die Wärme befriedete meine Schulter. Wie gnädig. Hatte aber auch schon so einiges an Morphium intus; der Krämpfe wegen und weil das Magnesium dieses Mal nicht half, also dessen Mangel nicht das Problem war.

Ich träumte davon, lieber meine Oma mit ins Bett genommen zu haben. Aber auch sie hat geschnarcht, penetrant, und machte mir dann um 5:00 Uhr morgens Vorwürfe, wiederum sie mit meinen Krämpfen und meinem permanenten Strampeln wachgehalten zu haben.
Kaum wach, erinnerte ich mich daran, wie ich als Kind bei ihr im Bett gelegen habe. Die dicken Daunendecken, der seltsame Geruch, nach Rheumasalbe und Franzbranntwein und alten Menschen. Das Szenario vor Augen, wurde eine Frage aufgeworfen: Habe ich auch da ins Bett gemacht? Habe ich bei meinen Eltern ins Bett gemacht? Oder dort eben nicht, weil sie mich nachts ins Klo trugen? Mit 18 wusste ich das wohl noch. Aber jetzt? Weg…

4. Februar 2019, Montag

8:35
Es sei nicht viel gesagt, aber zumindest so viel, ZU viel, mir vor Besteigen der Waage mein eigenes Grab geschaufelt zu haben. Das Abendessen, das war eine große Portion. Püree und Gemüse und Fisch. Bei jedem Bissen vom toten Tier wurde ich das Gefühl nicht los, schuld an der Überfischung der Meere zu sein. Ganz zu schweigen davon, Sebastian zu beobachten, bei jedem einzelnen Bissen, und jeder davon fühlte sich an, als sei es sein letzter.

Dann musste ich ja noch einen Becher Joghurt essen. Natürlich, nur wegen den Antibiotika…

Und dann noch eine holländische Karamellwaffel…

Der Katheter nur spärlich befüllt. Zumal der nagelneue Beutel schon wieder kaputt war. Also durfte ich mir auf den vier Schritten vom Klo rüber zur Waage schon mal meine Gedanken machen. Und ich gab wie so oft einen Tipp ab. Und ebenfalls unbestreitbar, dass ich „gerne Recht behalte“…
Zeichnete ein Horrorszenario.
Erntete ein Horrorszenario.
Wie lange ist es her, wenn man nicht sogar von Jahren sprechen muss, so viel gewogen zu haben???

Waren es nun 60,7 oder 60,6 Kilo??? Macht den Braten nur unbedeutend weniger FETT!!! Die 60 gesprengt… Ich könnte kotzen!

Warum tust du es dann nicht?!!!

Wieder huscht so ein neurotisches Zucken über meine Lippen. Na, ich freue mich schon auf die Reha, auf die Waage dort… Die vermeintlichen Kommentare, vermeintlichen Blicke, die nur ich wahrnehmen kann…

Aber augenblicklich fühle ich mich unfähig, meine Energie in Selbsthass zu investieren. Alles, was zählt, ist dieses bescheuerte Video. Da habe ich nun so viel Zeit in den Schnitt investiert, wieder und wieder, um die Filmstrecken zu kürzen, und dann baue ich eine Animation, über Tage hinweg, die nun wiederum verlangt, dass die entscheidende Lücke dafür wieder größer gemacht wird!

Sonnenschein, blauer Himmel. Der Regen von gestern vergessen. Auch, oder besser gesagt zum Glück, ist es wieder kalt geworden. Abends auf meinem Fernsehsessel wie eine Verrückte gekrampft. Da erscheint es erst recht einem Selbstmordkommando zu gleichen, nun vorsichtig anzumerken, dass ich mich körperlich ein wenig besser fühle? Zumindest heute? Zumindest bevor ich die Heizdecke auf meine Schultern gelegt habe?

Nachts zum Glück mehr oder minder schmerzfrei. Bis auf diese diffusen Missempfindungen in den Fußsohlen…
Ich hasse dieses Wort, eigentlich hasse ich beide Wörter: Fuß und Sohle!!! Füße… Was soll das sein? Oder besser gesagt: Warum lösen diese ständig Derealisationen aus?

Also diese Stellen tun weh. Wieder die Frage, ob sich da die ersten Anzeichen eines Druckgeschwürs bemerkbar machen. Aber viel wichtiger, die Heizdecke mit ins Bett genommen zu haben, ich lag auf dieser, und die Wärme befriedete meine Schulter. Wie gnädig. Hatte aber auch schon so einiges an Morphium intus; der Krämpfe wegen und weil das Magnesium dieses Mal nicht half, also dessen Mangel nicht das Problem war.

Ich träumte davon, lieber meine Oma mit ins Bett genommen zu haben. Aber auch sie hat geschnarcht, penetrant, und machte mir dann um 5:00 Uhr morgens Vorwürfe, wiederum sie mit meinen Krämpfen und meinem permanenten Strampeln wachgehalten zu haben.
Kaum wach, erinnerte ich mich daran, wie ich als Kind bei ihr im Bett gelegen habe. Die dicken Daunendecken, der seltsame Geruch, nach Rheumasalbe und Franzbranntwein und alten Menschen. Das Szenario vor Augen, wurde eine Frage aufgeworfen: Habe ich auch da ins Bett gemacht? Habe ich bei meinen Eltern ins Bett gemacht? Oder dort eben nicht, weil sie mich nachts ins Klo trugen? Mit 18 wusste ich das wohl noch. Aber jetzt? Weg…