11. Juli 2018, Mittwoch „Siechtum…“

(nicht korrigiert!)

9:39
Der Körper besticht mit einem neuen Spektrum an Schmerzqualitäten… Die letzten 60 Minuten saß ich auf der Toilette.

Abends ein Säckchen Molaxole, meinen Darmschmeichler. Um 4:00 Uhr wachte ich auf. Im Gedärm steckte eine riesengroße steinharte Kugel. Es schmerzte, was wiederum Krämpfe in den Beinen auslöste.
Gleich morgens saß ich 20 Minuten auf der Toilette. 58,5 Kilo das vorläufige Endergebnis. Beim Frühstück dissoziierte ich mehr als zu essen. Um dann mit dem Rollstuhl hastig wieder ins Bad zu fahren… Für eben eine Stunde…

DU DRECKSAU!!!

Ich habe das Klo verstopft!! Und zu allem Überfluss, die Bauchschmerzen fangen schon wieder. Wäre es wenigstens Durchfall…
Sebastian hatte mich morgens aus dem Traum gerissen. In diesem war ich soeben auf der Suche nach einer Toilette, längst dabei, mich anzuscheißen. Lediglich ein Teil erschien wichtig: Ich hatte den Rollator auf meinem Weg nach Jennersdorf verloren. An einer Stelle des Waldes hörte ich in der Nähe einen Traktor, der immer näher und näher kam, aber ich vermochte nicht auszumachen, aus welcher Richtung…

10:16
Gesagt, getan! Durchfall! Aber zum Glück löst sich endlich die Verstopfung in der Toilette!!
Morgens bereits 37,7 °C…

Traum:… Also ich wusste nicht, aus welcher Richtung ich den Traktor hören konnte. Ebenfalls waren Kettensägen zu vernehmen. Ich stand an der Kreuzung, 2 km von hier entfernt, und die Situation unübersichtlich und erst recht bedrohlich. Ich musste davon ausgehen, dass jederzeit ein Baum umfallen könnte (weil er umgesägt würde) oder die großen, schweren Maschinen mich übersehen und dann platt walzen könnten!!!
Ganz plötzlich hatte ich eine Idee, bzw. schien es mir logisch, und in meinem Kopf sah ich bereits, wie es ablaufen würde! Der Baum fiele um, würde mich nur um Haaresbreite verfehlen, ich mich fürchterlich erschrecken und durch diese Retraumatisierung würde ich in der nächsten Sekunde abdriften, in eine Absenz stürzen… Und in dieser Trance sah ich bereits irgendwelche Erinnerungen, wie hinter einer Nebelwand, die Stimmen und die Geräusche ganz dumpf und undeutlich…

Jetzt ist es genau wie gestern! Der Tee schmeckt gut. Bis nur noch etwa ein Drittel da ist. Und wie eben schon gestern plötzlich völlig ungenießbar! Bitter wie Galle!! Widerlich!! Und schade drum…
Bin ich krank? Mein Schädel fühlte sich so schwer an, sank ab und an auf der Toilette auf meinen Schoß… Und es brannte und brannte, wie ein Lauffeuer ausgehend vom linken Nasenloch hoch in die Stirnhöhlen, hinein ins Gehirn (vermeintlich). Dann eben auch noch diese Baustelle!
Ob es mir lieb ist oder nicht: Die Fragen tun sich wieder auf wie unterschiedliche Türen in unterschiedliche Richtungen. Man muss sich entscheiden und dann die Verantwortung für den eingeschlagenen Weg übernehmen! Krank? Alles die Tabletten? Ein Schub? Immer noch die Sinusitis? Alles zusammen oder nur einzelne Antworten in Kombination?
Wenn man es selbst nicht erlebt hat, vermag man sich kaum eine Vorstellung davon zu machen: Die Hose jedes Mal wieder hochzuziehen kostet so unglaublich viel Kraft; zumal Stehen fast nicht möglich ist, ständig am Wanken, Umfallen.
Und deswegen habe ich mich jetzt beim letzten Toilettengang ihrer entledigt. Das Oberteil ist nicht so lang, aber um die Windel zu verbergen, reicht es gerade. Im Mund klebt alles zusammen. Selbst das Leitungswasser schmeckt bitter. Der letzte Stand von meinem Gewicht: 57,5 Kilo.

Und da fragt Sebastian morgens ernsthaft: „Was willst du zum Mittagessen haben?“.
ICH WEISS ES EINFACH NICHT!!! NICHTS SCHMECKT MEHR!!! Ich hab so was von ÜBERHAUPT KEINE Idee, worauf ich Lust hätte!!! Ein Bissen und dann abdriften, dissoziieren und mit offenem Mund Maulaffen feilhalten…

Da fällt mir gerade ein, im Traum Fotoalben gesehen zu haben, die Sebastian bei meinen Eltern für mich abgeholt hat. Nur hatte er sie im Auto vergessen. Als ich sie sah, bekam ich bereits einen Flashback, obwohl ich mich zugleich nicht an die Alben erinnern konnte. Was würden sie mir für Erkenntnisse eröffnen?

Und ist nun erst mal Ruhe, bitte? Mich hinlegen, auf das neue Möbelstück, für etwa 350 €. Wieder wird nichts fertig. Alles bleibt liegen. Soll ich froh sein, dass es seit gestern Abend regnet? Meine Stimme versagt, der Hals kratzt, die Lippen miteinander genauso wie die Zunge an den Gaumen getrocknet, haften aneinander. Das Gefühl in der Nase wird schlimmer. Es pocht, obwohl ich aufrecht sitze.

12:00
DIE KRÖNUNG!!…
Rumpelstilzchen hatte seine Freude, ich sah mich Selbstmord begehen, Sebastian verhältnismäßig routiniert, und hielt mich ganz fest…

Nach dem letzten Satz zuvor wieder gen Toilette gerast. Und während ich aufstehe, mühevoll, nach dem Bund der Unterhose, der Windel greifen will, kuckt mich meine Linke an, als wäre sie senil, oder ganz perfide, darauf wartend, dass die Katastrophe einfach geschieht und sie tut nichts, um eventuell die Auswüchse nicht so schlimm werden zu lassen…
Eine Faust! Eine völlig verkrampfte, tatenlose Hand!! Unterdes scheiße ich mir in die Hose, volle Breitseite, und kann nichts dagegen machen. Dann sitze ich irgendwann, alles verteilt sich und es dauert gefühlt Stunden, ehe ich Entscheidungen treffen kann. Verzweifelt versucht, wegzuwischen, was sich wegwischen ließ. Aber spätestens beim Ausziehen der Unterhose landet alles auf den Beinen!! Und ich DARF sogar noch FROH sein, zuvor die lange Hose ausgezogen zu haben!!! Meine Beine krampfen, mir ist schwindelig, und ich soll mich bücken?

Auf den Rotkreuzknopf gedrückt… Kein Lebenszeichen!
Unser Telefon funktioniert schon seit Tagen nicht mehr, aber da der Kasten vom Roten Kreuz eben nicht wie gewohnt geschimpft hat, dass er keine Verbindung hat, war ich davon ausgegangen, alles sei in Ordnung. Ein großes Handtuch auf den Rollstuhl gelegt. Damit ins Wohnzimmer, noch einmal gedrückt… Und kurz leuchtet es am Knopf… Aber das war es dann schon! Mein Handy aus der Tasche gekramt. Eingeschaltet. „Akku leer! Akku leer!! Akku leer!!!“. Normalerweise habe ich hier im Haus keinen Empfang. Sebastian geht nicht an sein Telefon. Es bei der Firmennummer versucht, endlich hörte ich seine Stimme, und keuchte dagegen stimmlos: „Der Knopf funktioniert nicht, kannst du bitte, bitte kurz kommen? Ich hab eine Sauerei angerichtet…“.

Es wäre unvernünftig gewesen, allein unter die Dusche zu gehen… Oder?! Hätte ich mir doch nicht einmal mein Oberteil und geschweige denn die Socken ausziehen können!!
Er half mir, ich entschuldigte mich unentwegt, er wiederholte, ich solle das sein lassen, und ständig drohte ich umzufallen, das Gleichgewicht zu verlieren. Ganz abgesehen davon, gleich zu Beginn anstatt warmes ganz heißes Wasser „aus Versehen“ aufzudrehen, unfähig, das Wasser abzudrehen, fiel mir der Brausen kopfstattdessen aus den Händen und der schmerzhafte Strahl traf meinen nackten, hyperempfindlichen Beine. Abschließend dann konnte ich die Brause wieder nicht mehr halten, sie fiel mir aus der Hand und knallte links auf den Nagel der großen Zehe… Erst ein Schrei und dann fiel ich nach hinten auf den Sitz. Dermaßen auf die Kante, ich wäre die nächsten Sekunden runtergerutscht!! Der Schmerz hatte mir wortwörtlich die Beine weggezogen. Er packte mich hastig, hob mich hoch, stellte mich hin, aber beide Beine spastisch verkrampft, stocksteif, landete der eine Fuß auf dem anderen. Jegliche Berührung der Fußsohle löst unverzüglich schmerzhafte Krämpfe aus!!! Dann war der scheiß Katheterschlauch wieder im Weg, ALLES STELLTE SICH IN DEN WEG!!!
Ich brach in Tränen aus, nachdem mein Täterintrojekt eingängig geäußert hatte, was er von mir hält. Nun war es Sebastian, der fluchte: „Meine Fresse!! Es kann sich einem doch nicht alles in den Weg stellen!!!“. Ich umklammerte seinen Hals und weinte. Er umarmte mich ganz fest. In diesem Augenblick hätte es nur eines Fingerschnipsen meinerseits bedurft, so es so einfach ginge, und ich hätte mir den Garaus gemacht!
Aber er war da und hielt mich fest…
Und…-weil es ja noch nicht reichte- begannen meine Augäpfel wieder dermaßen zu brennen und zu kratzen, als seien meine Tränen eine ätzende Säure.

Die Schnauze voll. Kopfschmerzen. Rückenschmerzen. Und egal, wie viel ich trinke, der Gaumen bleibt trocken, der Hals kratzt.

HEILIGE SCHEISSE!!! WAS BRAUCHST DU NOCH???!

Mal im Ernst: WIE soll meine Zukunft aussehen?…

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