21. Mai 2018, Pfingstmontag

20:04
Kaum die Überschrift korrigiert, setzt Panik ein. Mein eigenes Tagebuch löst in mir Ängste aus. Schöne Grundvoraussetzungen.

Ich will nicht unerwähnt lassen, wie mein gestriges Gewicht die Tageslaune einigermaßen beeinflussen konnte. Nachts ein ganzes Furosemid… Morgens der Beutel am Bersten, vor der Explosion. 57,9 Kilo um 8 oder so. Aber die körperlichen Defizite holten auf, holten mich bereits vormittags ein, hatte nicht einmal 1 Stunde Malen geschafft, lediglich 45 lachhafte Minuten. Dieses so inflationär missbrauchte „NICHTS ging mehr“ kam zum Handkuss. Die Zahnbürste nicht im Mund halten können. Den rechten Arm immer weniger und weniger und noch weniger heben können.
Es kam zu mehreren Eskalationen, mit irgendwelchen Gegenständen, mir und meinem Täterintrojekt…

Du beschissener Krüppel!!! Stirb endlich!!!

Kann nicht zählen, wie oft er das wiederholt hat, und sei das Missgeschick noch so lächerlich und unscheinbar gewesen. Er zeichnet mir eine düstere Vorschau auf eine Zukunft, die ich eigentlich nicht habe.
Wieder brach ich zusammen, in Sebastians Gegenwart, sprach davon, so nicht leben zu wollen. Seine erste Reaktion: er rannte weg! Als er dann wieder neben mir stand, begann ich zu weinen und brüllte ihn vermutlich an, nachdem er geäußert hatte, eben nicht zu wissen, wie er da drauf noch reagieren soll: „Hör auf, davonzulaufen und halte mich zumindest ganz fest!…“

Heute über 2 Stunden Psychoanalyse. Die zwei Tage Pause war unbedingt notwendig. Erst recht, was die Träume betraf. Dabei den meisten Müll der zurückliegenden Nächte nicht einmal festgehalten. Es erscheint nur so wichtig, aber eben noch wichtiger, mein Überleben bis zum Abend hin garantieren zu können, UNBEDINGT aus dem Haus flüchten zu müssen, rein in die Natur, mich von dieser ablenken lassen… Und da geht die nächste Scheiße los: Die Kamera nicht mehr halten können. Aufnahmen misslingen, brauchen viel zu viel Zeit, das Objekt der Begierde währenddessen längst verschwunden, kurzfristige Clips, um spontan auf spontanes Auftauchen eines Tieres zu reagieren, kann ich mir in die Haare schmieren. Mich heute gar nicht erst an die Leinwand gesetzt.

Draußen sein… Das scheint DIE essenzielle Überlebensstrategie dieser Tage!!
Wie oft wanderte das Notebook mit nach draußen, und blieb verwaist?

Der Traum von vor einigen Tagen:
Am Schluss der Reise, der verzweifelten Suche auf all diesen unterschiedlichen Zugängen und Wegen, kam ich ja in der kleinen Wohnung meiner Oma in Graz an. Diese hatte zusammen mit ihren ganzen Ärztebekanntschaften beinahe einen Kinderpornoring betrieben. Als meine Mutter und deren Schwester die Wohnung nach Omas Tod ausgeräumt haben, fanden sie im Traum eindeutige Fotos von diesen perversen Treffen. Da hätte man einige Würdenträger locker ins Messer rennen lassen können. Und das Opfer? Das war wohl ich.

Aber was machten die beiden? Sie verbrannten die Fotos und schworen sich, nie wieder darüber zu sprechen. Erst recht mir gegenüber, NIEMALS ein Wort darüber zu verlieren!!

In dem Traum von Samstag auf Sonntag war das Gasthaus ein einziger Sündenpfuhl! Das war keine ländliche Gaststätte mehr, es glich eher einem verruchten Puff. Da trieb es jeder mit jedem.
Bei einer Rückblende sah ich meine Mutter, als sie noch ganz jung war. Sie sang vor dem Publikum und hatte eine grandiose Stimme. Ich wunderte mich nur, warum sich diese dann so stark verändert hätte. Und ganz abgesehen davon, den Rest vom Traum bereits vergessen zu haben, kann ich wenigstens noch die eine Frage retten, die ich mir ebenfalls gestellt habe, während ich schlief: „Da, aus diesem von Orgien zehrenden Hort, soll ICH allen ernstes heil rausgekommen sein?? Schwer vorstellbar!“. Da war noch mehr, vielmehr, aber…

Was ABER? Wie immer, keine Zeit? Oder vielleicht doch die innere Protestbewegung gegen das Aufdecken des Traumas? Warum zum Henker benutze ich nicht das neue Diktiergerät, unverzüglich nach Erwachen in so einem Traum?!

Hinter mir ruft der Kuckuck, oben am Waldrand, und zu meiner Rechten singt in der großen Esche die Singdrossel. Unterwegs hielt ich vor einem überfahrenen Rosenkäfer, dabei plumpste mir der Hut vom Schoß. Die Dame, die soeben vorbeifuhr, hielt unverwandt, stieg aus dem Auto an und fragte, ob sie ihn mir wieder aufheben soll.

Wie nett…

Kurz vor Ende meines Ausflugs traf ich unten bei der Nachbarin Spaziergänger. Einer der beiden mit Kamera und er auch an meiner interessiert, was ich damit machen würde. Ein Gespräch entfachte, ich zauberte eine meiner Visitenkarten aus der Bauchtaschen, unterhielt mich noch ein bisschen und fühlte mich unverzüglich BESCHISSEN. Die letzten 400 m nach Hause eine Dauerbeschallung in meinem Schädel…

Du narzisstische Sau!! Dass du dich immer noch nicht schämst!! Das gerade war nur peinlich! Weil DU peinlich bist!!!…

Nun singt hinter mir auch noch eine Amsel. Mein linkes Bein krampft, bereits seit mindestens einer Stunde. Zu der Therapie und Erläuterungen zum großen Traum zuletzt, erst recht die Entschlüsselung der kindlichen Zeichnung… Ich habe nicht die Zeit, zumal ich den größten Teil davon ohnehin nicht veröffentlichen dürfte.

Mein Körper schmerzt. Es auf dem Rollstuhl nicht mehr aushalten und hier draußen wird es kalt. Zuvor noch, vor 2 Stunden Sebastian um eine kleine Tablette aus meiner Dose gebeten, die ich selbst nie herausbekommen hätte, um sie mir nach den Worten „Na und? Andere betrinken sich!“ in den Mund stecken zu lassen und dann noch hinzuzufügen: „Ich will diesen Körper, DIESEN Zustand nicht spüren müssen!…“. Aber vom Temesta kaum etwas wahrgenommen…

Denn… HALLO?! Ich vermag nicht einmal mehr den Zeigefinger zu strecken, um in meiner Nase zu bohren!! Wie viel tiefer soll es denn noch gehen?…

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