31. August 2016, Mittwoch 20:16

Wirklich nur ganz kurz… Rücken und Hintern bringen mich um! Den halben Tag über den Tisch gebeugt konzentriert gearbeitet, den Rest davon bei der Geburtstagsfeier meines Vaters verbracht. Kurzerhand hatte man sich entschlossen, doch essen zu gehen. Zur Feier des Tages endlich den Beutel gewechselt, der abends endgültig den Geist aufgegeben hatte. Und was war mit dem Neuen?! Kaum waren wir nachmittags wieder daheim, löste sich Stöpsel von Katheter beim Aussteigen aus dem Auto. Und das sollte am laufenden Band noch mindestens sechsmal so passieren. Endlich Gudrun erreicht. Auch eine andere Klientin hätte ihr heute schon gesagt, dass sie sie seit 2 Wochen mehrmals anzurufen versucht hat, aber auf ihrem Telefon seien keine Anrufe verzeichnet gewesen. Dafür dauerte unser Telefonat gleich 25 Minuten oder länger. Ich zählte all meine Katheterprobleme auf, sie gab Ratschläge und abschließend: „Vielleicht solltest du mal eine andere Marke ausprobieren. Gut möglich, dass Beutel und Katheter eigentlich nicht zusammen passen, denn das dürfte nicht passieren.“, suchte eine Ewigkeit im Internet nach Alternativen, die ich dann notiert habe. Jedes Mal die beiden Öffnungen in Desinfektionsmitteln ertränkt. Aber genauso bin ich doch auch beim Ersten verfahren, und dennoch stellten sich jedes Mal nach gleich 2 Tagen Infekte ein. Aber ich kriege doch kein Antibiotika mehr runter!

Das Gewicht morgens eine Schande, nach 2 Entwässerungstablette: 54,8 um 8:30. Die Verdauung erneut in Winterschlaf gegangen. Mich dafür nachts noch ordentlich weiter mit dem Eierlikör besoffen. Heute auf der Rückfahrt aus dem Supermarkt einen Batida de coco für 16 Euro mitgenommen, liegt bereits im Kühlschrank. „Wenn die Tage so mühselig und frustrierend sind, man wieder nur glaubt, alles würde erneut den Bach runter gehen und dazu diese elenden Schmerzen, diese beschissenen Panikattacken… Da darfst du mir glauben, dass ich einen Abschuss dringend nötig habe! Anstatt noch Schlimmeres zu machen…“. Wie er schon mehrmals gesagt hat: „Jedem steht ab und an ein Rausch zu!“.

Ich trug heute eines der neuen Oberteile. Kleidchen/Tunika in schwarzbraun mit zarten Blümchen, schwarze Overknees, dazu meine Birkenstock und den neuen Hut. Als mein Vater mich sah, sagte er etwas für seine Verhältnisse wirklich Ungewöhnliches: „Mein Gott, du siehst ja gut aus! Total schick!“. Darauf ich: „Zur Feier des Tages, NUR wegen DIR habe ich heute sogar einen neuen Katheterbeutel angelegt!“. Er grinste… Als Kind bekam ich von ihm nie ein Geschenk. Die Päckchen, auf denen „von Papa“ zu lesen war, zeugten von der Handschrift meiner Mutter und erst recht im übertragenen Sinne das Geschenk an sich darin. Irgendwann wusste ich nicht mehr, was man den beiden schenken soll. So hat man damit aufgehört… Doch heute, heute habe ich mich nicht lumpen lassen. Intelligenter wäre gewesen, es gestern in Angriff zu nehmen. Nicht heute irgendwann nach 10:30. Denn tatsächlich blieben meine Hände bei der Feier leer, er ging leer aus.

Zufrieden bin ich nicht, ich hätte ein Foto von ihm gebraucht. Aber mit der Beschaffenheit der neuen teuren Anschaffung zuletzt im Geschäft für Künstlerbedarf! Hat sich definitiv rentiert! Auf dem Zeichenblock in Leinwandqualität lässt es sich wunderbar arbeiten!

2016-08-31-VatersGeburtstag

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30. August 2016, Dienstag 17:01

Fix und fertig, ich kann nicht mehr. Nicht stehen, nicht gehen, nicht sitzen. Die Gedankengänge fallen schwer, noch schwerer die Augenlider. Sonne, Wolken, das Gezwitscher der Meisen klingt nach März. Auch die Stille drum rum. Einschlafen… War die Nacht so anstrengend? Nicht lang genug? Kaum ins Bett gegangen ein einziges, winziges Stechen im linken Bein und schon krampfte es die nächsten 2 Stunden. Erst Restex, dann Hydal, alles ohne Flüssigkeit, lediglich mit meiner Spucke runter gewürgt. Morgens erneut schweißgebadet aufgewacht. „Deine Stirn hat förmlich geglänzt!“. Meine Beine klatschnass und ich stank zum Himmel. Endlich nach all den Tagen ein Lebenszeichen meiner Verdauung. Dem vorausgegangen Sebastians Fahrt ins Dorf, um die restlichen Dinge für mich zu erledigen und Frühstücksgebäck zu besorgen. Ich meinerseits war allein im Bett zurückgeblieben, erst etwas orientierungslos, weil zu plötzlich aus dem Traum gerissen worden. Nervös fixierte ich die bedrohlich rot leuchtenden Ziffern auf dem Radioweckerdisplay, dann stand ich auf, ganz allein und sogar mal ohne mehrere Versuche dafür zu benötigen. Vermutlich die nächtlich zusätzlich eingeworfenen Opiate, die mir wie eine Art Sprit dienten. Mir die Haare gewaschen, aufs Klo, erneut auf die Waage, 54,7 um 9:15, angezogen und das Spezialshampoo ausgewaschen. Mir selbst vorwerfen, es gestern Abend übertrieben zu haben? Mir einreden, dass dieser Zustand heute eben noch anhalten, aber sicher nicht von Dauer sein wird? Wie schon gestern und vorgestern? Oder erneut die Fassung verlieren, alles hinschmeißen wollen? Unfähig… Nach dem Frühstück gleich 2 Furosemid konsumiert. Die Dame beim Bandagisten hätte Sebastian erklärt, dass die Beutel erfahrungsgemäß lediglich eine zweiwöchige Lebensdauer aufweisen. Welche nachzukaufen kostet etwa 6 Euro und auch deswegen sind pro Katheter von vornherein 2 Säckchen angedacht.

Absurderweise hält das Aktuelle wieder dicht. Das muss man nicht verstehen.

Nach 1,5 Stunden vormittags am Bild wollte ich draußen ein paar Runden gehen, doch kam lediglich zu einer unglaublich verlangsamten Hausrunde, die mich 20 Minuten und die letzten Kraftreserven gekostet hat. Die Rollstuhlrampe beinahe nicht mehr nach oben geschafft. Aufs Sofa geplumpst und dort den ganzen Nachmittag vor der Glotze vergeudet. Schon ist es 17:18, der Hintern erinnert sich an seinen Schmerz und nichts geleistet. Gudrun zu erreichen ein Ding der Unmöglichkeit, sie hebt nicht ab und so wird donnerstags wohl keiner kommen, um zu putzen. Ihn mittags gebeten, mit mir gemeinsam in der Wohnküche klar Schiff zu machen. Mir ekelt so dermaßen vor jedem Krümel, jedem Staubkorn… und erst recht vor mir selbst!! Zum Frühstück eine Semmel, zu Mittag dasselbe Menü wie am Vortag (zum Glück eine etwas kleinere Portion gegessen und dennoch für meine Verhältnisse viel zu viel, viel zu weit über den Tellerrand meines eigentlichen Sättigungsgefühls hinaus) und dann fatalerweise die morgens ebenfalls mitgebrachte Topfengolatsche (ein riesengroßes Stück) auf einen Sitz verputzt. Gefolgt von viel zu viel Kandiszucker!! Ich konnte gar nicht mehr aufhören!! Also welcher Ekel ist widerlicher? Jener vorm Dreck oder vor mir und meiner schwachen, unendlich schwachen Persönlichkeit?! Die Sicht vor meinen Augen verschwimmt, der Schmerz unter meinem Gesäß ebenfalls, macht sich breit, noch breiter, wird allumfassend. Ich könnte jetzt stante pede einschlafen. Die 3. Flasche Wasser in mich hinein pumpen. Es tut mir leid, alles tut mir leid! All das, was ich gerade draußen verpasse. Weil ich mich einfach nicht aufraffen kann. Zu nichts. Und die Nachrichten im Posteingang vergammeln vor sich hin, aber ich kann nicht. Momentan fehlt es mir sogar an Energie, den Hintern ab und an zu spannen, um das Schmerztreiben kurzfristig zu unterbrechen. Schlafen, nichts als schlafen…

Dabei hat meine Standpredigt heute Morgen gefruchtet: „Mich nervt einfach nur, wenn du wieder und wieder sagst, dass du jetzt hinausgehst und etwas machen wirst! Aber letztendlich kommst du mit deinem Handy nie weiter als bis zur Hollywoodschaukel! Und ich sitze hier in meinem Gefängnis, alles ist so unordentlich, ich bin völlig von dir und deinem guten Willen abhängig, aber schlussendlich passiert gar nichts! Du redest immer nur…“. Hat er doch ohne Vorankündigung damit angefangen, das Carport ENDLICH zumindest ansatzweise aufzuräumen… und sich dabei ordentlich in den Finger geschnitten. Er kam mit blutigen Händen zurück ins Haus. Was für ein gravierender Unterschied, wenn man sich selbst verletzt, es dabei und hinterher nicht einmal spürt. Doch kaum geschieht das jemand anderem, fühlt man das Brennen, das Stechen… So erfassten mich mehrere Wogen von Parästhesie in beiden Händen, als ich nach Verbandsmaterial suchte und er tat mir so leid. Erst recht, weil er NIE etwas hat! Konnte mit dieser vermeintlich banalen Situation überhaupt nicht umgehen. Aber ebenso auch nicht mit der soeben Eintretenden: Und wenn ich mich im Grab umdrehe, ich kann nicht mehr sitzen!!

Was ich ernsthaft in Erwägung ziehe? Mir zur Abenddosis einen großen Schluck von Miekes übrig gebliebenem Eierlikör einzuverleiben! Und so stehe ich zweimal auf und falle noch schneller zweimal wieder in den Rollstuhl. Dort scheine ich hin zu gehören… und das tut weh.

Im Papierkorb unter meinem Tisch liegt mindestens die Hälfte meiner Haare. Ihn morgens nach der Haarwäsche gebeten, sie mir abzuschneiden. Radikal. Ich habe noch kaum welche auf dem Kopf und rede mir ein, dass sie so vielleicht besser wachsen würden. Aber wie viele Jahre hat es gedauert, bis sie diese Länge erreicht hatten? Ich bin ein hässliches, fettes Ungetüm. Und am liebsten würde ich noch mehr fressen, weil ich so deprimiert bin, weil nichts mehr geht, außer Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen… Na?! Selbstmitleid?!

18:22

Im Mund landeten gleich 50 Tropfen Tramal, zweieinhalb mal so viel wie gewohnt und wieder wusste ich nicht, ob ich bereits ein Gilenya geschluckt habe oder nicht. So sind es im schlimmsten Fall auch da zu viel. Durch den langen Flur schleichen, im Badezimmerspiegel meine Visage…

WAS FÜR EINE AUFGESCHWEMMTE, ALTE, HÄSSLICHE HACKFRESSE!!

Auf dem Rückweg ein Stopp in der Vorratskammer, unseren Alkoholvorrat ganz oben auf den Regalen durchforsten. Nichts Vernünftiges. Aus dem Kühlschrank den Likör geholt und auf einem neuen Einkaufszettel gleich mehrere alkoholische Getränke notiert, die ich unbedingt kaufen möchte. Für den Fall der Fälle. Es gibt Tage, da geht es mir gut. Und es gibt Tage, die sich stapeln und über meinem kümmerlichen Dasein zusammenbrechen, wie eben heute. Dann bedarf es irgendwelcher unlauteren Mittel. Ich hasse mich viel zu sehr, als dass ich ernsthaft andere Strategien bis jetzt ersonnen hätte.

Den Elektrozobel unter meinem Gesäß parken. Bereits nach nicht einmal einer Minute scheint sich dadurch das neurologische Chaos erst recht zu entfalten. Also habe ich tatsächlich kein einziges Mittel in der Hand, um dagegen irgendetwas auszurichten.

Einer meiner bestellten Damenhüte ist gekommen. Dieser passt wenigstens auf meinen Flachschädel. Nicht umsonst jene Stücke gewählt, die eigentlich für den asiatischen Markt gedacht waren. Sebastian meint, er würde mir gut stehen. Das wiederum wage ich zu bezweifeln. Aber fürs Malen ist er optimal geeignet… komme ich noch dazu? Panikattacke!!…

18:50

Der Alkohol immer noch unangetastet. Immer noch auf der Heizdecke ausharren. Eine der Katzen springt über die Terrasse und mein Nervenkostüm gefriert für den Bruchteil einer Sekunde. Es zumindest versuchen und die Schälchen abdecken… Dass ich die letzten 300 Stunden immer nur an winzigen Ausschnitten gearbeitet habe, sah man spätestens heute daran, dass die Abstimmung der einzelnen Farbtiefen völlig aus dem Ruder gelaufen ist und in der Gesamtschau schlicht und ergreifend von vorne bis hinten nicht zusammenpasst! Ganz zu schweigen davon, dass der Kontrast zwischen brauner Hose und schwarzem Oberteil viel zu gigantisch geworden ist, nicht zusammenpassen will. Ich sag es doch immer wieder: Ich bin ein Dilettant und wäre die letzte, die sich ernsthaft Künstlerin schimpfen würde!! Auch wenn ich seit über einem halben Jahr nichts anderes mehr mache, als an der verfluchten Leinwand zu sitzen!!… Dieser poplige Gedanke stürzt mich in die nächste Panikattacke… Es nimmt kein Ende.

19:05

Der erste Schluck Alkohol, im engen Reigen mit den Opioiden, betäubt wie beim ersten Mal und die Musik lauter und lauter…

21:22

341:30, 3 Stunden. Seit Monaten wieder mit Musik. Sie tat so weh, weinend zusammengekracht. Wegen dem Laufen, wegen dem Selbstmordversuch, den ich ihm angetan habe, um zeitgleich ihn sterben zu sehen. Ja, sogar Mieke. Auch wurde mir bewusst, WIE erschütternd heute Sebastian bluten zu sehen eigentlich war… Wie sehr ich ihn liebe… Dass wir doch alle an Krebs abkratzen werden… In der Hoffnung, sollte er zuerst gehen, es dann wenigstens „richtig anzustellen“, um ihm zu folgen…

Vollends zusammenbrechen…

29. August 2016, Montag 10:37

Ein Furosemid. Wenn das mal reicht. Auch gestern Abend der Spann beidseits dezent geschwollen. 54,7 um 9 Uhr. Nachts musste ja schlussendlich auch noch ein riesengroßes Stück Wassermelone sein. Die Plastiktüte, in die ich meinen Katheterbeutel gestern gesteckt habe, war heute Früh klatschnass und stank nach Urin. Wo sich nun genau das Leck befindet, ist immer noch ein Rätsel, aber sollte mich nicht mehr allzu lange beschäftigen. Dann wechsle ich einfach den Beutel. Das wird auf die Dauer ein teurer Spaß, wenn ich ständig welche nachkaufen muss und noch nicht einmal weiß, wie viel die Dinger kosten. Die Nacht blieb erstaunlicherweise mehr oder minder schmerzfrei. Aber bevor man mit zu viel Euphorie überschüttet werden kann, hakt es an einer anderen Stelle. Ich kann nicht gehen. Oder nur sehr schwerfällig. Noch im Bett leichter Druck auf der Blase und eine miese Vorahnung. Wenn der ganze Preiselbeersaft, den ich gerade inflationär konsumiere, nichts bewirkt? Ich mir mit der kurzen Einheit Antibiotika richtig renitente Bakterien heranzüchte? Ich fühle mich unwohl, um mich rum herrscht erneut Saustall. Ich bin der Meinung, irgendetwas stinkt. Als 1. im Verdacht natürlich die Trennmauer unter der Arbeitsplatte, neben der der Kühlschrank steht und zuletzt geschimmelt hat und vermutlich auch wieder tut. Jeder noch so kleine Fleck (sei es auf dem Boden, in der Spüle oder auf der Platte), egal wie auch immer geartet, dreht mir einmal elegant den Magen um. Die äußere Unordnung, der äußere Schmutz wandert in mich hinein. Wenn einem da nicht schlecht wird!

Es brennt unangenehm im Untergeschoss, ständig muss ich aufstehen und den Schlauch neu in der Unterhose platzieren. Herr und Frau Ischias sind erneut standesgemäß angepisst und ich sollte mich alsbald an die Arbeit machen, sonst komme ich auch heute zu nichts. Aber erst einmal aufstehen und die Kabelage umschlichten…

17:17

Das Unwetter in der Ferne, kündigt seit einer Stunde sein Kommen an. Mir ist schlecht, Panikattacke. Eine Schale Kakao, als hätte ich zu Mittag nicht bereits viel zu viel gegessen. Meine Eltern zurück vom Kurzurlaub kreuz und quer durchs Land und über dessen Grenzen hinaus. Insofern gab es heute wieder heißes Mittagessen. Vollkornhörnchen, Letscho, gebratene Putenbrust mit Kartoffel-Endiviensalat. Warum habe ich fettes Schwein diese Monsterportion aufgefressen? Warum gab es kein Halten für mich? Etwa 2 Stunden nach dem Frühstück (eine Semmel) wollte ich am Haus eine Runde drehen. Das sollte ich bitter bereuen müssen. Konnte so schon nicht gehen und das Klima mehr als tropisch, schwül und schwer drückte der Himmel, ich wurde immer langsamer… Um erneut ins Anfangsstadium eines weiteren Kollapses zu geraten. Insofern die Frage danach, wann ich essen möchte (er war gerade nachhause gekommen, während ich mich noch auf dem qualvollen Rückweg ins Haus befunden habe): „SOFORT! Sonst muss ich wieder kotzen!“. Wie praktisch, mit dem Putzeimer ohnehin bereits unterwegs zu sein. Darin der Kathetersack.

Nach einer 2. Stunde Malen zwecks Arschkrampf eine weitere Flucht unternommen. Bis vor die Haustür kam ich, nur in Socken, um dort auf dem Rollator zu landen, die neue Kamera mit einem Band um den Hals fixiert und beim Blick in all das Grün nur noch gedacht: „Ich will nicht mehr…“.

Die behinderte Blaumeise auf einem der neuen Zweige, während um 17:30 Regen einsetzt. Der kleine Vogel sitzt einfach da, sieht zu mir herein ins Wohnzimmer, wie ich da hocke an meinem total vermöhlten Arbeitstisch, bei Lampe und Teelicht im Stövchen. Und fliegt genau in dem Moment auf, als es stark vermodert zu stinken anfängt. Durch beide offenen Fenster dringt dieser unangenehme Geruch. Nachmittags durften wir erst einen Schwarzspecht in der jungen Saalweide fast direkt vor einem der Fenster bewundern. Sebastian versuchte, ihn mit der Kamera zu erwischen. Er hatte den Schnabel weit aufgerissen, strebte eindeutig den Badewannenteich an. Kurz darauf landete an selbiger Stelle ein Grünspecht, der keinerlei Starallüren zeigte und sich nicht filmen lassen wollte. Die verkrüppelte Meise ist wieder da und der Schmerz in meinem Gesäß nimmt konkrete Formen an.

Liegt es an den Wolken? An der heutigen Verfassung? An der missglückten Strategie, mir einzureden, dass die Symptomatik heute lediglich einer Tagesform zuzusprechen sei?

Die nächste Panikfront zerlegt mich in meine Einzelteile. Mich umbringen, alles umsonst…

Dem vorausgegangen ein Gespräch mit ihm darüber, ob wir uns für unser erspartes Geld etwas leisten sollten. Zum Beispiel einen Wintergarten, in dem ich dann noch mehr draußen wäre, während ich arbeite… „Eigentlich absurd! Wie lange kann ich noch malen?“. Man könne es ja trotzdem weiter benutzen, sagte er. Aber so viel Geld ausgeben und dann im schlimmsten Fall mein Gefängnis erneut nicht verlassen dürfen? Oder wäre ein Glaskasten auf der Terrasse bei den Lichtbedingungen nicht wie eine Lupe? Wenn man es so schon tagsüber da draußen nicht aushalten kann? Natürlich klingt es verheißungsvoll, und wir kamen auf dieses Thema erst als man die Spechte durch die beiden Fenster nur unzufriedenstellend beobachten konnte und ich sagte: „Würden wir noch einmal bauen, der Raum wäre doppelt so groß und die Fenster ersetzt durch große Glasfronten, um am Leben draußen immer teilhaben zu können.“… Utopie! Stattdessen aufgeben und Frieden im Suizid suchen. Es regnet, das Licht schwindet und ich werde depressiv… Nebst nicht funktionierenden Beinen die rechte Hand ebenfalls an ihrem Limit angekommen. Meine Drogen einschmeißen und eigentlich wollte ich die zurückliegende Zeit damit nutzen, dem neuen Video ein wenig Struktur zu verpassen. Aber nichts ist geschehen, weil ich nichts mehr schaffe!

Elender Versager!

Und fett… oder? Den Eindruck nicht los werden, der linke Oberarm sei erneut dicker als sein Kollege. Kopfschmerzen bekommen und es regnet weiter, während mein Hintern der Schmerzen wegen regelrecht „das Gesicht verzieht“…

18:27

Ich weiß nicht, wie viel Tramal da soeben in meinem Mund gelandet ist. Das Fläschchen geleert… Mindestens das Doppelte? Nächste Attacke, während ich am Video zugange bin…

20:23

Der Hintern nervt, erneut das Werkzeug weglegen. Und als hätte es nicht erst vor einer dreiviertel Stunde Kakao gegeben, kollabiere ich aufs Neue. Panik, der Arsch im Arsch und der Blutzucker den Harakiri praktizierenden Samurai mimend… was nun? Abschließen, Eiweißshake und Wassermelone? Oder geht da noch was?

Die Antirutschmatte aus dem Schlafzimmer besorgen und im Türrahmen Übungen machen. Mal sehen, was der Arsch dazu sagt. Auch wären da sicher noch ein paar Ideen für den Film in meiner gedanklichen Kreativwerkstatt zu finden, die erprobt und umgesetzt werden möchten… Heavy Metal mit Within Temptation!

21:01

Programmänderung: Nightwish und 100 Wiederholungen.

538:30, machen für heute 2 Stunden und 30 Minuten.

28. August 2016, Sonntag 15:55

Ich müsste… aber irgendwie kann ich nicht. Ich bin fertig, und das obwohl wir bis 10:30 im Bett lagen. Das Frühstück unser Mittagessen wurde und ich noch verdammt gut drauf war, auch körperlich. Nach einer Stunde am Bild zwang mich mein Hintern zu einem Spaziergang, 4 Hausrunden habe ich geschafft, 30 Minuten und anschließend körperlicher Abfall. Auch sitze ich wieder auf dem Rollstuhl, was wie gewohnt keinerlei Erleichterung schafft. Abends wurde mir gar so speiübel, dass der Eimer erneut neben dem Sofa geparkt wurde und die Beine hörten nicht auf zu krampfen. Irgendwann nach 10 brachte mich Sebastian ins Bett, wo ich immer noch allein um 01:05 aufwachte, von Krämpfen gebeutelt. Exakt eine halbe Stunde habe ich das Bein geknetet, massiert, darauf herum geklopft und es unter der Decke heraus lugen lassen, damit die kalte Luft vom Ventilator es ordentlich abkühlen konnte. Um 01:35 durfte ich aufhören und erneut versuchen zu schlafen. Spätestens als er irgendwann nach 3 nach kam, in beiden erneut das Potenzial, mir den Rest der Nacht zur Hölle zu machen. Das Gewicht morgens mit geschwollenen Füßen und einem Alkoholikergesicht -aufgedunsen, aufgeschwemmt- bei 55,1. Der Eimer begleitete mich dazu noch ins Schlafzimmer: Der bekloppte Beutel hat tatsächlich wieder ein Loch! Das ist doch nur noch lächerlich!

Um mir jetzt nach kurzem die Frage stellen zu müssen, wie ich nun die Stunden noch eintragen soll. Kann wieder nicht sitzen, der Schmerz pocht ordnungsgemäß und eigentlich wollte ich noch malen…

17:00

50 Minuten für die Eintragungen. Mein Hintern schmerzt. Albträume wegen dem scheiß Sitzkissen! Im Traum war es kaputt gegangen und der Orthopädiefachmann sagte: „Klar nehm ich es mit, zurück, nur jetzt wird es noch teurer… 1000 oder mehr…“. ARG!!!

19:20

In der kläglichen einen Stunde, die ich am Bild verbracht habe, war ein Gefühl vorherrschend: Panik! Damit einhergehend Unruhe und das Bedürfnis, alles hinzuschmeißen. Auch jetzt ist die Panik die dominierende Emotion. Die laufende Geschirrspülmaschine trägt das ihre dazu bei. Der neue Ast, den meine Eltern bei einer Fahrradtour entdeckt und später für mich mitgenommen haben, taugt überhaupt nicht. Augenblicklich liegt er auf dem Restaurant und gibt ein trauriges Bild ab. Das Futter mehrere Tage nicht mehr aufgefüllt, weil ich darauf gewartet habe, dass Sebastian endlich die Äste austauscht. Das Alte wurde gestern entfernt, den Hühnern zum Fraß vorgeworfen und durch Neues ersetzt. Weniger Sittichfutter, das mundet den Herrschaften nicht. Aber der Betrieb lässt zu wünschen übrig, muss zwecks Neueröffnung erst per Schnabelpropaganda seine Runde ums Haus machen.

Kaum hatte Sebastian meinen Esstisch vor mir und über mich gestellt, schimpfte erst der linke Ischias (so es sich dabei eben um diesen tatsächlich handelt) und wenige Minuten später tanzte das ganze Bein. Nach dem Abendbrot wie so oft im Kreis gelaufen, im Badezimmer meine rot gefleckte Gossenvisage von ihrem Fettfilm befreit, mit eiskaltem Wasser und duftendem Duschgel. Dennoch Panik. Eine weitere Schicht Diana gesellt sich auf meinem Hintern zu all ihren Vorgängerinnen, die mehr oder minder wirkungslos geblieben waren. Auch jetzt geht das Theater von Neuem los, obwohl ich das Sitzkissen gegen eines meiner alten ausgetauscht habe. Um nicht noch mehr schlaflose Nächte wegen dem Teuren beschert zu bekommen.

Zuvor gesellten sich zur Mahlzeit nach 20 Minuten zu 1,3mg weitere 1,3 Hydal. Da mir sonst nichts anderes mehr zur Verfügung steht, was ich noch nicht gegen die „Arschkrämpfe“ versucht habe, 5 Tropfen vom Dronabinol. Die zahllosen Runden in Flur und Wohnküche trugen keine Früchte. Deshalb viel zu früh die zweite Hydal 2mg hinterher. Trotz unzähligem Starten wird das mit dem Diktierprogramm immer schlimmer. Warum zum Henker hat er auch die Spülmaschine angeworfen? Wie oft schon gesagt, dass sich das mit dem Diktieren nicht verträgt? Aber eigentlich gibt es doch ohnehin nichts mehr zu sagen. Es reicht schon, wenn mich entweder Gesäß oder Extremitäten außer Rand und Band in den Wahnsinn treiben. Also noch versuchen ein wenig zu arbeiten, bis mich einer von den beiden genannten Störfaktoren wieder hoch scheuchen… Der Schmerz im Hintern legt ordentlich vor und die Entwässerungstablette hat so gut wie gar nichts bewirkt. Da freut man sich regelrecht auf das Wiegen morgen Früh…

21:41

2 Stunden geschafft. 536 insgesamt. Meine Sitzfläche arbeitet fleißig gegen mich. Was ich heute alles gegessen habe: ein Aufbackbrötchen und eine halbe Waffel, 2 Nektarinen, einen Eiweißshake, eine Birne und zum Abendessen gab es Tomaten-Bohnensalat mit Käse, gekochtem Ei und einem weiteren Aufbackbrötchen. War das zu viel? War es etwa ein Fehler, nach dem letzten salzigen Gericht noch eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank zu holen und in mich hinein zu schütten? Wider jeglicher Vernunft ein weiteres Furosemid geschluckt. Ich hasse mich, meinen Körper, diesen widerlichen Bauch! Und die Flechte? Expandiert! Bedingt durch das täglich mehrmals stattfindende Einschmieren hat sich die Scheiße richtig schön auf der Rückseite meiner Oberschenkel, angefangen bei den Kniekehlen hoch bis zu den Pobacken, verteilt. Gestern Nacht im Spiegel bei einer meiner nicht enden wollenden Fluchtversuche vor den Schmerzen im Spiegel am Hals und sogar im Gesicht weitere Herde entdeckt. Die Kortisonsalbe kam zum Einsatz, nur die besonders anhänglichen Flecken links und rechts auf meinen Hüftknochen (die trotz dieser Schwabbelwampe immer noch hervor ragen) und immer unter der Unterhose versteckt sitzen, wurden vergessen. Aber heute sind sie dran. Wie oft schon behandelt? Wie oft waren sie weg und kamen wieder? Eine Videoaufnahme gemacht und dabei noch nicht einmal die letzte mit dieser speziellen „sprachbetonten“ Funktion wiederholt. Geschweige denn die Probefassung unterwegs beim Spaziergang angehört, ob der Ton tatsächlich so gut ist. 2 Tage habe ich wohl noch, um das Gerät zurückzugeben. Aber ich komme zu nichts, alles lasse ich schleifen. Ich versage. Ich Versager. Und eigentlich hätte es heute bei der 1. Hausrunde wirklich Sinn gemacht, davon eine kurze Aufzeichnung zu machen. Denn die 1. Runde sah für meine Verhältnisse wieder richtig normal aus. Ehe alles zusammenbrach. Ich Ruhe benötigt hätte, sie aber nirgends finden durfte.

Ein Rehbock hatte bellend die Nacht begrüßt, der Waldkauz die Dunkelheit besungen und unser Haus- und Hofigel die Katzen draußen angefaucht. Ich hätte draußen sein müssen, aber war es nicht. Morgens hatte mich Sebastian vor die Wahl gestellt: „Möchtest du drinnen oder draußen frühstücken?“. Meine Entscheidung fiel zu Gunsten meines Gefängnisses und ich wusste da schon, dass ich es irgendwann bereuen werde müssen. Auch ist es tragisch, dass Sebastian den 1. Zettel mit dem, was in der Verordnung für den Elektrorollstuhl stehen hätte müssen, verschmissen hatte. Seit 4 Wochen hätten sie im Orthopädiefachgeschäft längst bei der Krankenkasse meinen Wunsch einreichen können. Das dauert doch ohnehin immer viel zu lange. Ich hätte… Bei unserem letzten Spaziergang unten bei der „Ruine“ von Tutu all die Schmetterlinge auf den Disteln gesehen. Würde ich ernsthaft mit dem neuen Gefährt und der neuen Kamera mich alleine auf den Weg machen? Oder am Ende doch nur hier sitzen bleiben?

27. August 2016, Samstag 11:29, Nichts und wieder nichts!

54,5 um 9:15. Vom Ende der Therapie bis heute Morgen gekrampft, selbst im Schlaf, wie Sebastian bemerkte. So kann man auch abnehmen oder das Gewicht (zumindest) drücken: stundenlang schweißgebadet und unfähig zu trinken. Oder eben bewusst weniger saufen. Gerade eben noch die Speisepläne hastig diktiert. Gestern lediglich zu einer Stunde und 30 Minuten Malen gekommen. Insofern sollte ich nun rasch den Pinsel in die Hand nehmen, ehe ich wieder nicht sitzen kann…

15:27

Mir den Schädel mit Morphium zupflastern. Nur für den, anderswo kommt es nie hin. Im besten Fall kappt es die Leitung (und das ich auch mein Wunschdenken) zu den Beinkrämpfen. Sitzen kann ich so oder so nicht mehr und ist wie in den zurückliegenden Tagen eigentlich zu 80% der Grund, abzubrechen. Einen weiteren Versuch mit Keilkissen und Nadelreizmatte starten. Die Sitzgelegenheit zu wechseln blieb nur von kurzer Wirkdauer und in den 53 Minuten bin ich mindestens fünfmal aufgestanden und im Kreis gerannt…

19:29

Das wird ein kurzer Eintrag. Ich kann nicht mehr sitzen und kaum eine Stelle an meinem Körper benennen, die nicht Ärger macht. Auch mein Schädel droht zu platzen. So komme ich auf lediglich eine Stunde und 27 Minuten. Lächerlich. Den gestrigen Tag zusammenfassen: Von 14 angefangen bis 22 Uhr in einem fort gespuckt. Es wird zu spät kam ich drauf, dass es sich dabei um eine Nebenwirkung der Antibiotika handelt, die ich nebenbei erwähnt wieder abgesetzt habe. Darauf bauen, dass sie bereits angeschlagen haben könnten. Den ganzen Tag durch Preiselbeersaft getrunken. Ich kann ihr nicht sitzen, die Kopfschmerzen immer stärker und das linke Bein beginnt zu krampfen… 533:57 insgesamt. Abschließen, bevor ich der Verspannungskopfschmerzen wegen kotzen muss!

 

25. August 2016, Donnerstag 20:06

Ich bin es leid… Ein Tag des Versagens. Ganz plötzlich bekomme ich Kopfschmerzen, Schicht im Schacht, obwohl sich das fette Schwein soeben auch noch eine Schale heiße Schokolade gönnen will.

Bei der Figur hat sie es nötig!!

Scheinbar ja… Das Diktierprogramm anbrüllen, der Geduldsfaden längst gerissen! Irgendwie kein Wunder. Mit der Reinigung heute Morgen nicht unbedingt zufrieden gewesen. Die von mir gestern produzierten Flecken auf dem Fliesenboden, auf die ich sogar noch explizit hingewiesen hatte, sind trotz Wischen immer noch an Ort und Stelle, ganz zu schweigen davon, dass ich den ganzen Tag über immer wieder zum Staubsauger greifen musste, und erst recht ganz abgesehen davon, dass es in Flur und Badezimmer immer noch dreckig ist. Allein die Waschmittelreste auf und neben meiner Personenwaage. Hätte ich gewusst, wie lange Sebastian morgens ausbleiben würde, ich hätte definitiv gleich mit der Arbeit anfangen sollen. War ohnehin etwas irritiert, als die Dame von der Volkshilfe sich erst zu mir aufs Sofa setzte und mich insgesamt zweimal fragte, wie es mir gehen würde. Ich stand auf und gab somit ein eindeutiges Startsignal. Die Zeiten, in denen ich mich mit den bezahlten Besuchen unterhalten wollte, sind über ein Jahr her.

Die nächste Attacke!…

Das Gewicht morgens trotz erneuter Entwässerungstablette ein Fiasko: 55,2 um 8. Das nächste Furosemid und eine Stunde später ohne Flüssigkeitszufuhr weitere 600 Milliliter im Beutel gelandet. Aber es lief alles anders, als geplant. Warum plane ich überhaupt noch? Bin ich so dämlich?

Nach 1,5 Stunden war sie fertig. „Fertig“. Er kam nachhause, ich setzte mich zum Frühstück, ein einziges, leichtes Pieksen und ich dazu verdammt, etwa 10 Minuten im Kreis zu laufen und weitere 1,3 Milligramm Morphium einzuwerfen. Alsbald kam Sonja… Mein Herz längst auf Hochtouren. Aber da wir uns so wunderbar unterhalten haben, bat ich sie gleich nächste Woche um einen weiteren Termin. Kann mir dann ja 3 Tage vorher schon wieder einzureden versuchen, dass meine Panik irrational sei. Was haben wir gemacht… Erst hat sie mich gedehnt, dann mit mir und dem Dynaband Übungen für die Arme gemacht. Mir wieder einmal vornehmen, das in Zukunft regelmäßig zu machen… Was für eine Utopie, Heuchelei!! Ich malte eine Stunde, pflanzte mich aufs Sofa, mit Obstgarten und einem Apfel den Blutzucker korrigieren und anschließend stand erneut ein Spaziergang auf dem Programm. Was habe ich mir nur gedacht? Wie konnte ich nur sagen, dass es heute besser „gehen“ würde? Das Schöne an der ganzen Angelegenheit letztendlich die Vielfalt an Störungsfaktoren, die mir das Genick brechen wollten. Die neue Kamera war auch dabei und Sebastian entdeckte eine Funktion, mit der man die Tonaufnahmen in die Richtung filtern kann, dass sich das Gerät hauptsächlich auf die Sprache und nicht die Umgebungsgeräusche konzentriert. Ebenfalls wunderbar die ganzen Schmetterlingsaufnahmen, die er gemacht hat. So erhob ich ihn zu meinem „Kamerakind“. Wenige Schritte und dann… Der eingewachsene Zehennagel rechts begann im Schuh bestialisch zu schmerzen. Daraus resultierend so heftige Krämpfe, die mich beinahe um geschmissen hätten! Dabei blieb es aber nicht… Blasenkrämpfe!! Mit so einer Wucht, dass ich erneut wieder und wieder erstarrte, festgefroren bin, nicht mehr vom Fleck kam. Zu guter letzt kurz vor dem Auto musste er mich mehrmals auffangen, dieses Potpourri wollte mich der Erdanziehung zum Fraß vorwerfen. Zuhause kam mich zu nichts mehr. Wieder auf die Couch, wieder die Glotze, das Nagelbett entzündet, blutete und dann… ja, und dann erst recht eine Katastrophe! Vom Versandhandel mittlerweile für 170 Euro etwa 6 Stück unterschiedliche Hosen gekommen. Fing an, sie anzuprobieren und zum Glück hatte ich soeben die 3. ausgezogen. Denn nun folgte ein heftiger Krampf, es schoss in beide Hände, brannte bestialisch, während im Untergeschoss die Blase den Katheter auszuquetschen versuchte… Und so kam es eben dazu, dass aus welchem Grund auch immer eine beträchtliche Menge Urin den Katheterschlauch hinab lief, erst die Unterhose und dann auch noch das Sofa unter mir nass machte. Verzweifelt ins Badezimmer, am Schlauch gezogen, es krampfte weiter und noch mehr tropfte in die Toilette. Was soll der Scheiß?! Ein Teststreifen ergab eine leichte Harnwegsinfektion. Bei aller Liebe: WARUM läuft es dabei regelmäßig daneben? Aus welchem Grund hält der Katheter nicht mehr dicht? Die Haushilfe heute gebeten, wiederum ihre Chefin zu bitten, mich im Laufe des Tages -so sie Zeit hat- anzurufen. Kein Anruf.

Der Hintern schmerzt mittlerweile so dermaßen (das Sitz- gegen das Keilkissen ausgetauscht, zwecks eventuellem Umtausch), dass sich weitere Krämpfe in den Beinen einstellen. Aufstehen müssen, den Kakao noch nicht einmal zur Hälfte getrunken. Und da wäre ja noch dieser Traum von heute Nacht, der wichtiger Bestandteil der morgigen Sitzung sein wird. Ob ich das schaffe? Sebastian und ich wohnten im Gasthaus, es war unser Haus und ich hatte oben in meinem Kinderzimmer auf meinem Kajütenbett Therapie. Meine Mutter total penetrant, wollte unbedingt daran teilhaben, zuhören, lauschen. Ich erzählte Brigitte soeben davon, was wenige Minuten zuvor noch unten im Heizkeller mit mir in ihrer Gegenwart abgelaufen war. Zu eben diesem Zeitpunkt blieben mir nur noch 5 Minuten, bis sie eintrudeln würde. Aus irgendeinem Grund habe ich mich umgezogen und war schlussendlich nackt. Ich weiß nicht warum. Auf jeden Fall kam sie und ich musste sie bitten, kurz draußen zu warten, ehe ich mir einen Pullover überstreifen konnte. Dann saß ich erst neben ihr, sie erzählte von einer Verletzung aus dem Urlaub an ihrer Hand und ich total ignorant nur damit beschäftigt, mein Programm abzuziehen… Und ganz plötzlich hatte ich mich gespalten, in 2 Versionen von mir. Die eine saß neben der Therapeutin und log das Blaue vom Himmel, während die andere gegenüber saß, das Schauspiel beobachtete und zu Rumpelstilzchen wurde. Erst nur im Kopf: „So ein egozentrisches Miststück! Dafür muss man sich doch schämen! Und so langweilig, dabei könnte man wirklich einschlafen…“. Genau in diesem Moment tauchte eben meine Mutter auf, im Schlepptau meinen Vater, und darum waren wir beide nach oben in mein Kinderzimmer geflüchtet. Doch sie folgte uns, kroch auf dem Boden herum, während ich Rumpelstilzchens Sichtweise in den letzten Sekunden der Sitzung zu erläutern versuchte. Meine Mutter wollte sich unbedingt dazwischen drängen, sie war eifersüchtig, wollte mich ganz für sich allein haben, packte Brigitte bei den Händen, es kam zu einer Rangelei, ich versuchte wie ein Hund nach ihr zu schnappen, erwischte dabei aber meine Therapeutin, ich entschuldigte mich und versuchte sodann meine Mutter mit Fußtritten loszuwerden, damit sie endlich abhaut, uns alleine lässt, sich nicht einmischt!!! Die Therapie zu Ende, meine Mutter ging nach unten. Dort stand sie mit meinem Vater und Sebastian in der Küche. Der Kühlschrank weit offen und darin lauter Obstgarten und Pudding mit Sahne, was sie alles für uns besorgt hatte. Bei dem Gedanken, davon nur einen einzigen Löffel essen zu müssen, sah ich mich währenddessen schon mich massakrieren. Anders wäre es wohl nicht auszuhalten. Und dann beschimpfte ich sie, sagte zu ihr, dass sie eine Heuchlerin sei. „Du hast ja so recht…“, sie gekünstelt, ich habe ihr das nicht abgekauft, es kam so dermaßen falsch rüber und zugleich hatte ich das Gefühl, sie würde alles eingestehen, nur um erneut Kontrolle über mich haben zu können. „Du bist eine Lügnerin!“. „Du hast ja so, so recht…“. Mittlerweile stand ich in der offenen Tür: „Und ich weiß, dass DU ETWAS WEISST!! Dass du das Geheimnis kennst!! Aber den Täter schützt!!“. Darauf folgte eine weitere klassische Szene, wie ich sie neben der Tür, die sich nicht abschließen lässt, immer wieder träumen muss: Ich floh! Rannte durch das Gastzimmer, zur Hintertüre hinaus und die Straße runter…

Um schweißgebadet endlich aufzuwachen.

Nun habe ich es doch geschafft. Einfach nur alle Gedanken der letzten Tage verarbeitet? Dieses Gefühl, dass da doch mehr hinter meinem Schaden stecken muss? Oder wie gewohnt jemandem Unrecht tun?

Eine Stunde gemalt, 531 insgesamt und mich wie ein Versager fühlen.

24. August 2016, Mittwoch 11:08

Und wieder wird es nach 11, ehe ich zu irgendetwas komme. Panikattacken am Start, weil morgen gleich zwei nette Menschen, die trotz aller Sympathie als Invasoren in meinem Schutzraum empfunden werden, mit Uhrzeit im Kalender für den 25. verzeichnet sind. Ein Horrorvormittag!

11:11 und ich muss mich sputen…

21:15

Mein Schädel droht zu platzen. Aus heiterem Himmel. Die Blase zelebriert den nächsten Stau. In der Küche auf dem Fliesenboden eine riesige Sauerei…

DU BLÖDE FOTZE!

DU DÄMLICHER KRÜPPEL!!!

DU VERFRESSENES, FETTES STÜCK SCHEISSE!!!!!

Auf dem Tisch ein gefrorenes Gelpack, eingewickelt in ein Geschirrtuch und darauf die rechte Handfläche und daran ein Arm, der viel zu schwach ist, um sich überhaupt gestreckt zu halten. Mir eine kleine Schale Kakao gemacht, der Weg von der Mikrowelle zum Rollator viel zu weit, mir die Finger erst an der Keramik und anschließend noch am über den Rand schwappenden Heißgetränk verbrannt. Sebastian kommt von oben und die nächste Panikattacke rollt über mich hinweg. Was soll diese beschissene Marotte?! Genügt denn nicht schon das Herzrasen, wenn ich an morgen Vormittag denke? Nein? Noch nicht genug bestraft?!

Das Gewicht morgens 54,8 um 9. Die Visage im Spiegel nicht erkennen, weder morgens noch abends. Meine Maße für die Hosenbestellung zu nehmen, scheinbar ein gravierender Fehler… Aber mal im Ernst: So blind kann nicht mal ich sein, um den ganzen Speck auszublenden!!

Unzufriedenheit, Schmerzen und unfähig. Das Gehen wollte heute den ganzen Tag schon nicht sonderlich funktionieren. War es das ungeplante Aufeinandertreffen mit etwas entfernten Nachbarn, mit denen ich (man muss es fast so sagen) seit Jahren nicht mehr gesprochen habe? Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem Auto die Straße runter, bis zum letzten Waldstück und dem eingefallenen Jägerhäuschen. Dort wollten wir spazieren gehen, ich trainieren, doch dann kamen Ute und Achim vorbei, hielten und sie stürzte sich regelrecht auf mich, um mich zu umarmen, 2 Küsschen auf die Backen zu drücken… und dann war es eigentlich ganz allein mein Fehler, aber ich hatte ja nicht damit gerechnet, dass wir uns so lange unterhalten würden. Na definitiv war ich zu blöd dafür, mich währenddessen auf den Rollator zu setzen. Das lange Stehen bekam mir gar nicht. Hatte ich diese Fähigkeit doch bereits beim Zubereiten meines Mittagessens völlig abgenutzt. Und wie lange standen wir da? Mindestens 15 Minuten, wenn nicht länger. Das Gehtraining konnte ich mir anschließend redlich stecken. Etwa 20 Minuten, aber zumindest den Duft des Waldes mitgenommen. Gemalt habe ich 4 Stunden, 530 insgesamt. Nachts jedes Bein mit einem Riemen versehen, um so ein wenig Kontrolle über meine Position im Bett zu bekommen. Leider hielt keiner von beiden so wirklich, erst recht nicht, wenn ich daran ziehen musste. Heute endlich mit dem Orthopädiefachmann telefoniert. Meine Mail sei wohl bei einer Netzwerkumstellung verloren gegangen und erst jetzt wieder aufgetaucht. Die Griffe für meinen Rollator seien bereits unterwegs. Zwecks Ischias hatte er noch 2 Vorschläge in petto: ein aufblasbares oder ein an meine Bedürfnisse und an meinen Körper angepasstes Sitzkissen. Jenes mit Luft wird er mir die nächsten Tage schicken, zur Probe. Ob das Teure zurückgenommen werden kann, müsse er erst mit seinem Chef besprechen… Nun ja, ich habe mich wie gewünscht nach 2 Wochen gemeldet und mein Feedback abgegeben. Man wird sehen. Abschließend fragte ich ihn auch noch, ob er vielleicht auch solche Gurte anfertigen könne, am besten mit extra Griffen dran, um bestmögliche Kontrolle zu erhalten. Da das Schneidermaßband noch neben mir lag, konnte ich gleich meine fetten Oberschenkel abmessen.

Sonja hat wie vereinbart um 7 angerufen und gefragt, ob ich mich morgen dazu in der Lage fühle, ihren Besuch „auszuhalten“. „Da bereits in der Früh die Putzfee von der Volkshilfe kommt, ist mein Herz längst auf Hochtouren. Also ja, klar, komm vorbei!“. Und hätte wohl noch sagen sollen, dass ich sie dann um 11 mit pochendem Herzen erwarten werde.

Meine Zeit hier am Tisch ist abgelaufen. Es fühlt sich an, als würde jemand penetrant und vor allem permanent an meinem Katheterschlauch ziehen. Der Arsch ist „on fire“. Noch kein Abendessen gehabt…

Aber stattdessen Schokolade und dann noch flüssige Schokolade!!

Ja, ich fettes Schwein! Nächste Runde Panik schieben. Mir einzureden, das ginge vorbei, mein Körper, meine Seele sollen sich nicht so anstellen, bleibt ergebnislos. Schon erfasst mich die nächste Welle Panik. Es reicht. Ich wollte noch irgendetwas sagen, aber es scheint vergessen…

Ach ja! Bei Domian heute eine Anruferin, die von ihrer Morphinabhängigkeit berichtet hat. Jürgen war regelrecht darauf VERSESSEN, endlich von ihr zu hören, dass irgendein Organ dadurch stark beschädigt worden war. Und so erzählte sie eben davon, dass ihre Leber arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass man ihr die Bauchspeicheldrüse hat entfernen müssen und die Nieren so kaputt seien, dass sie mittlerweile Dialyse benötigt… Prompt musste ich im Internet nachlesen, welche Spätfolgen die Medikamente haben können. Habe ich nicht immer wieder gelesen, dass es außer einem Gewöhnungseffekt (gleichgestellt mit einem Abstumpfen der Wirkung) und einer eventuellen Abhängigkeit zu keinen anderen schwerwiegenden Folgen kommt? Und auf genau diese Fakten stieß ich erneut. Wenige Minuten später eine andere Anruferin, die regelrecht erbost darüber war, wie er und ihre Vorgängerin die Morphine unbedingt zu verteufeln versucht hatten. Hab ich’s mir doch gedacht…

23. August 2016, Dienstag 18:49

Es darf mir nicht gut gehen. Unter diesem Motto steht mein ganzes Dasein. Nachts beim Bearbeiten der letzten Aufnahmen sehr enttäuscht gewesen – sei es die Bildqualität oder jene vom Ton. Was hat er gesagt? „Im Vergleich zur Canon ist die Tonqualität hundertmal besser!“. Ganz zu schweigen von den Lobeshymnen was die Aufnahme betrifft. Bin ich zu blöd dafür? Falsche Einstellungen? Oder ein einziger Reinfall? Der Ton wanderte vom linken zum rechten Kopfhörer, hin und her, hingegen meine Sprache kaum zu verstehen und klapperte irgendetwas an mir (zum Beispiel das Schlüsselband mit dem Notrufknopf), wurde der Ton automatisch leiser und ebenso automatisch verstand man erst recht nichts mehr von dem, was gesagt wurde… Es sei auch nur nebenbei erwähnt, dass ein penetrantes und vor allem extrem lautes Surren die ganze Aufzeichnung ruiniert hat. Wo auch immer das hergekommen sein soll! Ich kam mir ganz schön verarscht vor und im Gegenzug dazu die letzte Aufnahme mit der Spiegelreflexkamera: Grillen, Heuschrecken, Zikaden und klar und deutlich meine Stimme. Und keine Hintergrundgeräusche sonst. Also hat mich der Verkäufer veräppelt oder bedarf es nur der korrekten Justierung? Morgen bekommt die Kamera noch eine Chance, sonst gebe ich sie zurück und wir müssen eben noch einmal nach Oberwart, der kürzere Weg zum selben Geschäft. Dabei hatte ich beim Verkaufsgespräch sogar gesagt, dass ich kein Problem damit hätte, meine alte Kamera jedes Mal mitlaufen zu lassen, um anschließend Ton- und Videospur zusammenzuschneiden. Aber dies sei ja angeblich nicht nötig, denn… BLABLABLA!!

Meinem Körper auch völlig egal, wie weit ich gestern mit der Entwässerungstablette das Gewicht zu drücken vermocht habe. Um 9:15 waren es 55,1 Kilo. Stante pede das nächste Furosemid. Ich konnte kaum sitzen bei der zweistündigen Arbeit am Bild. Noch vor dem verspäteten Mittagessen (aus dem schlussendlich ein Abendessen wurde) wollte ich einen Spaziergang machen. Wie zu erwarten konnte ich mir den Abstieg unseres Hohlweges ersparen, viel zu schwach dafür und hätte mich gleich zu Beginn abgeschossen. Demnach fuhr er mit mir die Einfahrt runter, parkte unten an der Straße neben unserem Postkasten und wir starteten von diesem Punkt aus unseren Marsch. Eine meiner beiden Laufuhren wieder aufgeladen, die GPS-Funktion ließ wie gewohnt zu wünschen übrig. Aber nichtsdestotrotz… Das Gangbild alles andere als sauber, die Füße schmerzten auch mit den Laufeinlagen (die nach dem 24-stündigen Einweichen in einer Chlorsuppe auch noch ordentlich mit dem medizinischen Desinfektionsmittel -eigentlich für den Katheter- von mir imprägniert worden waren), die Sonne laugte mich aus… Am Ende durfte ich tatsächlich 50 Minuten und etwa 300 Meter verbuchen! Ein Grund für Freude und all das mit lediglich einer kurzen Pause, in der ein Apfel verputzt wurde. DENNOCH folgten darauf unverzüglich heftige Krämpfe im linken Bein. Zuhause 1,3 Milligramm schnelles Hydal. Salat mit Käse und gekochtem Ei. Viel zu viel gegessen. Und noch während der Mahlzeit Krämpfe im rechten Bein. Jetzt gerade zur Abenddosis gleich 4 Milligramm Retard-Hydal. Die Schnauze voll! Sebastian fragte mich, ob er mir den Computer abschließen und draußen wieder aufbauen sollte. Ich wie eh und je gefangen, getrieben, konnte es mir nicht erlauben, wohl wissend, es später bereuen zu müssen. Spätestens dann, wenn der Sommer endgültig vorbei ist und es draußen zu kalt wird. Mein schlechtes Gewissen sagt mir, ich muss noch malen. Es ist bereits nach 7. Kurz vor und erst recht während wir aßen Panikattacken, noch und nöcher! Einmal rief ich laut aus: „Na los! Bring mich doch endlich um!“. Sebastian war irritiert, wusste gar nicht, worauf sich das bezogen hatte. Jetzt bin ich betäubt. Ansatzweise. Das Psychopax blieb gestern wirkungslos, aber als letzten Trumpf im Ärmel bliebe mir das Praxiten. Jeden oder jeden 2. Tag Benzos einwerfen, um mich am Leben zu halten? Rein in die nächste Abhängigkeit? Als würde die Essstörung nicht schon genügen!

Und nur noch eine kleine Bemerkung zu einer Bemerkung: Er war oben eingeschlafen und ich hatte hier unten stundenlang auf ihn gewartet und er kam und kam nicht. Als er dann um etwa 00:35 von oben runter kam, ins Bett gehen wollte, zupfte er ganz kurz am Strumpf um meinen linken Unterarm: „Na? Hast du wieder an dir rum geschnipselt?“. „Ich hatte solche Panikattacken, mir blieb keine andere Wahl.“. Entweder hat er das hingenommen oder akzeptiert. Auf der Wundfläche klebt immer noch eine Lage Klopapier. Meine Augen fallen zu, wie direkt nach dem „Training“. Die Sonne geht unter, der Tag endet und es tut weh. An die Arbeit gehen? Obwohl mein beschissener Arsch bereits damit begonnen hat, aufs neue den Terroristen zu mimen…

Panik und Atemlosigkeit…

21:13

Mein Liebster ist immer noch aus. Ist zu Barbara und Günter gefahren, der Blitz hat am Wochenende eingeschlagen und ihren Computer ruiniert. Diesbezüglich gibt es auch noch eine absonderliche Anekdote zu erzählen… Am Samstag war er eben mit seinem Alter Ego Sebastian Nummer 2, Babsi und später auch noch Günther aus. Meine Mutter hatte bei Facebook die Fotos von der Fete gesehen. „Ich kann nicht verstehen, wie Barbara alleine ohne ihren Mann weggehen kann! ICH wäre niemals ohne den Papa ausgegangen!“, und: „Ich habe das damals so gelernt!“. Sebastian konterte: „Aber in unserer Generation ist das anders, kein Problem mehr, ob Mann mit Frau ausgeht. Wer weiß, was du alles in deinem Leben schon verpasst hast.“. „Aber der Papa geht ja nicht mit mir aus und die Nachbarinnen nehmen mich auch nirgendwohin mit…“. Darauf machte er den Vorschlag, sie das nächste Mal mitzunehmen. Absonderlich darauf ihre Reaktion: „Das möchte ich der Bianca nicht antun!“. Ich mutmaßte, dass sie vielleicht Angst hätte, dass mir zuhause allein entweder etwas passiert oder ich passieren lasse. Sebastians Theorie: „Ich hatte beinahe den Eindruck, sie sieht mich mittlerweile als deinen Aufpasser! Als würde ich sonst keinen Zweck erfüllen, außer ihrer kleinen Prinzessin zu Diensten zu sein…“. Oder ging es um Eifersucht? „Erstens: Ich wollte nicht mit und konnte hier schön weiterarbeiten! Zweitens: Hat sie eine Ahnung, wie oft ich hier allein Besuch von Männern bekomme, die sich für die Bilder interessieren oder so?!“. Was für eine wunderliche Aussage. Wird sie im Alter noch richtig schön sonderlich? Oder kommen da erst recht wieder die Ansprüche an mich und meine Person zu tragen, sozusagen ihr Anrecht/ihre Besitzansprüche an meiner Wenigkeit? Ich nichts mehr bin als ihr Besitz? Und nein, ich sitze hier nicht voller Eifersucht! Zu Beginn unserer Beziehung hatte ich ab und an solche Phasen, das war aber eher kindisch als sonst was. Und auch er berichtete von dem einzigen Moment, an den er sich erinnern kann, in dem er von diesem bösen Gefühl zerfressen worden war: „Damals, wir wohnten bereits hier im Haus, auf dem Real-Parkplatz. Dein ehemaliger Schulkollege, der dich da ohne Vorwarnung plötzlich ganz fest umarmt und am Schluss noch abgeknutscht hat!… Und mich hat er links liegen lassen, ignoriert! Mann, was war ich eifersüchtig!!“. Und ich etwas amüsiert: „Was glaubst du eigentlich, wie verblüfft ich erst war! Damals im Gymnasium saß man einfach so in derselben Clique, hat gemeinsam gelernt, sich sporadisch unterhalten und das war es dann. Mit so einer Geste hätte ich niemals gerechnet!“.

In der einen Stunde am Gemälde immer müder geworden. Nach etwa einer halben Stunde stand ich auf, befüllte Wasserflaschen, sah als einzige Hoffnung für mein Schaffen und mich ins Badezimmer zu fahren…

22:11

Er ist in der Zwischenzeit nachhause gekommen. Ich vermochte zuvor kaum den Flur zu bestreiten. Beide Beine stocksteif, beide Arme stocksteif und beide Hände zu Fäusten verkrampft, schier unmöglich, mir diese zu waschen, erst recht meine Visage zu waschen. Das Gesicht im Spiegel… erkannt oder nicht erkannt? Definitiv Klöppse unter den Augen. Das eiskalte Wasser lief lange und gab sich redlich Mühe, meine halbtoten Lebensgeister zu wecken. Die Person im großen Flurspiegel mir völlig fremd. Beide Arme vermeintlich aufgedunsen, geschwollen, befremdlich. Die Grillen, Heuschrecken und Zikaden feiern in der dunklen Sommerwiese. Der Waldkauz hat sich nicht gemeldet. Und auch wenn er zuvor erst eine weitere Schicht Balsam auf meinem nervigen Gesäß hinterlassen hat, auch wenn meine Birne förmlich betoniert ist mit starken Schmerzmitteln, Ruhe finde ich in diesem Leben wohl keine mehr. In beiden Ohren kleine Explosionen und die Schale mit dem Kakao, den ich mir eigentlich gar nicht leisten hätte dürfen, immer noch halb voll. Im Auto zu ihm gesagt, dass es doch kein Wunder sei, wenn der Patient irgendwann zur Selbstmedikation greift: „Wenn einem kein einziger Arzt wirklich zuhört, geschweige denn nicht einmal den leisesten Hauch Willen verspüren lässt, einem wirklich helfen zu wollen… Was bleibt einem da schon groß übrig?!“. Allmählich wieder verzweifeln…

3 Stunden, machen 526 insgesamt.

22. August 2016, Montag 13:55

Na? 56?

56,1 um 9:15!, brüllt mich die Waage. Nach dem Frühstück und -weil wir noch nie was draus gelernt haben- einem ganzen Furosemid auf dem Sofa verpennt, aufgewacht, der Katheterbeutel voll, aufs Klo und et voilà wurden aus Selbstbeschimpfung und Selbsthassgrundlage 54kg. Abends Hosen zu bestellen und meine Maße zu nehmen, mit dem Ergebnis bei meinem Gewicht DENNOCH sage und schreibe Größe 40!!! oder 44!!! in der Sparte Beinbekleidung zu benötigen… und NICHT wie gedacht 36/38, ein kräftiger Schlag in die Magengrube… Die nebenbei erwähnt meine Hauptproblemzone ausmacht, denn ganz im Gegensatz zur Aussage der Bezeichnung geht diese statt in den Minus- mehr als deutlich in den Plusbereich. Kein Wunder DAS, was ich sodann im Spiegel sah. Aufgeschwemmt, aufgedunsen Visage und Oberarme. Ich hasse mich!

Das Abendessen war salzig: Gegrillte Paprika, Zwiebeln, eine Scheibe Bratkäse, 2 vom Knoblauchbaguette und 1,5 Kartoffeln. Viel getrunken. Das Resultat morgens zu erwarten? Aber der Schwangerschaftsbauch… Ich nasche zu viel, esse aktuell ZU VIEL zum Frühstück. Immer mehr als eine Scheibe Brot, ein ganzes Brötchen zum Beispiel, obwohl sich doch bereits nach einer Hälfte Sättigung einzustellen beginnt… ICH BIN ABARTIG!!!

Der Spaziergang wird heute verlegt auf einen Einkauf mit Rollator. Ob meine Profilaufschuheinlagen das heiße Bad im Danchlor überlebt haben? Und ob sie ihren „Fußschimmelpilz“ losgeworden sind? Auf der „To-Do-Liste“ ganz oben steht ein Besuch beim Orthopäden.

18:45

NEIN!! Nein, nein und nochmals NEIN!! Ein klares Nein zu diesen vermaledeiten Antidepressiva!! Was für ein Dreckszeug!! Weder der Psychiater in Feldbach noch die Neurologin im Krankenhaus machen sich dabei einen Kopf, wenn sie mich mit Medikamenten dieser Art voll stopfen! Keiner vergeudet auch nur eine Sekunde, einen einzigen kleinen Gedanken daran, was diese scheiß Tabletten mit meinem maroden Grundsystem anrichten könnten… Und in diesem Fall leider auch in der Tat tun! Ich und meine verblödeten Pläne, ich und der Wunsch, mir etwas vorzunehmen! So was von saublöd! Wie war das? Eigentlich wollte ich mit Sebastian heute unsere Einfahrt runtergehen und schauen, wie weit ich komme. Stattdessen sind wir einkaufen gefahren, mindestens eine Stunde stand ich auf den Beinen, ging in 2 Läden auf und ab. Gleich zu Beginn aber zum Optiker, der einen Augentest machte und mir erfreut mitteilen durfte, dass sich an meiner Sehschärfe seit 2010 und Anpassen der letzten Brille nichts verändert hat. Zwecks neuem Brillengestell meinte er, er könne mir nichts anbieten: „Die Modelle aktuell sind alle riesengroß und passen nicht so gut wie deine.“. Dass meine abgewetzt ist, fand er seinerseits gar nicht so störend. Aber bereits die wenigen Schritte davor aus dem Haus raus eine Katastrophe! Ich war stocksteif, konnte die Beine nicht anheben, keinen richtigen Schritt tun, und der Schwindel… Hatte sich gewaschen!!!! Erst recht als die Sonne raus kam, mich blendete und ich noch mehr die Kontrolle verlor. Mich weiter gekämpft, GAAAAAANZ LAAAANGSAAAAM… Saroten, dieses Teufelszeug!! Gestern Nacht 30 mg. Die Schmerzen waren so penetrant. Und heute? Es wird immer schlimmer und schlimmer. Mittags ein Aspro, jetzt ein Aspro. Der Schmerz pocht, pulsiert in der Unterseite meines linken Oberschenkels. Einmal etwas anders gesessen und dasselbe Spiel lässt sich auch rechts provozieren. Oder warum nicht gleich beide Beine gleichzeitig?! Ich halte es nicht mehr aus, werde nicht fertig, Diana-Balsam zu verteilen und das wird auf Dauer ganz schön teuer, tagtäglich fast ein ganzes Glas zu verbrauchen! Und wozu? Um vielleicht 30 Minuten Frieden zu haben?…

Wie so oft eine Uhrzeit nennen oder darüber nachdenken, und Panikattacken ernten!! Scheußlich! Oder so wie gestern Abend? Wie viel Hydal ich genommen hatte und dazu noch der Eierlikör… So kurz der Rausch, die Betäubung und alles umsonst!! Oder gestern Morgen erst Dehnungsübungen gemacht, anschließend noch eine kleine Physioübung… und wozu das alles?! Für Arsch und Friedrich!! Und schon nagt es wieder im linken Gesäß. Den ganzen Ärzten ist scheißegal wie es mir geht!! Allein der Vergleich vom gestrigen Spaziergang und jenem heute wie Tag und Nacht! Im jeweiligen Dokument neben dem heutigen Datum ein X eingetragen. Im Papierfachmarkt gab es ein kurzes Gespräch mit der Verkäuferin zum Thema Farben. Sie meinte, keine davon sei negativ belastet und sie würde alles optimistisch sehen: „Angesichts dessen, was ich mit meinem Kind durchgemacht habe, oder mit meiner Freundin… Ich denke jeden Tag, ich muss ihn so nehmen wie er ist.“. Und ich Trottel? Ich Egozentriker? Drücke ihr beim Bezahlen meine Visitenkarte in die Hand: „Bei Interesse an weiteren Farben…“. Ist das schlimm, wie offensiv ich aktuell diese Karten unters Volk werfen muss?

Die nächste Panikattacke! Mir wird schlecht, die Kehle wie zugeschnürt. Wenn ich an meine Homepage, meine Bilder, Videos und Tagebücher denke, wird mir erst recht angst und bang. Vielleicht denkt mein Körper: „Nun hat sie die Krämpfe irgendwie in den Griff bekommen, dann quälen wir sie anderweitig!!“.

In meinem letzten Traum heute Morgen tauchte erst meine Tante und dann im Schlepptau meine Mutter, ihre Schwester, hier im Haus auf und belagerten mich. Ich teilte beiden mit, dass ich solch unangekündigte Besuche nicht vertragen würde. Mir schlug das Herz bis zum Hals vor Angst. Wie erwartet reagierten beide hysterisch, zutiefst beleidigt, ob meines Versuches, für mich Grenzen zu setzen. Sie weinten und machten mir Vorwürfe, wie herzlos und gemein ich doch sei. Daraufhin blieb mir nur noch eine einzige Lösung. Die beiden standen hinten in der Eingangstür und ich raffte mein Oberteil, um ihnen meine zerschnittene, stark blutende Wampe zu präsentieren: „Glaubt ihr, DAS macht Spaß? Aber genau DAS macht ihr mit mir!!“. Nun floh ich, rannte weg und aus unserem Haus wurde das Gasthaus, ich verschanzte mich im 1. Stock im Badezimmer und versuchte auch dort verzweifelt die Türe abzuschließen, was mir nicht gelingen wollte.

Auf die Uhr schauen und noch mehr Herzflattern. Ich halte es nicht aus, ich muss irgendetwas tun… Bleibt er noch länger oben? Mich aufschlitzen! Mich abschießen!! Ich drehe durch…

Prompt sticht es in der rechten Arschbacke!!

Aus der neuen, kleinen Blechdose die Antiepileptika räumen, diese zur Überdosis in die versteckte Schachtel. Lauter Lamictal, muss Süßstofftabletten weichen. Zuvor allerhand Sachen gekauft, die ich unterwegs immer wieder brauche. Süßstoff sollte immer dabei sein, ebenso Desinfektionstücher, noch ein Lippenbalsam usw. Die Schachtel wird schwerer und schwerer. Auf dem Ast, der den Maschendrahtzaun ums Hühnergehege aufrecht hält, landet kurzweilig ein Zaunkönig.

Definitiv sind es mittlerweile mindestens 100 Gramm Tabletten. Und ich bekomme Lust… Lust auf Benzos. Mich ausschalten. Psychopax? Es wird kalt im Raum, der Sonnenuntergang draußen versetzt mich zurück in meine Kindheit, hinter der Garage, auf diesem Betonstein, in dessen Hohlraum in der Volksschule gebastelte Kerzen stehen und meinen Hintern aufwärmen, und ich schaue in das Abendrot, sehe meine Mutter sterben und beginne zu weinen…

Doch mir scheint im Augenblick zu genügen, dass es einmal unangenehm in der linken großen Zehe piekst und schon ist der nächste Krampf geboren!!

Aufstehen, im Kreis laufen, in Richtung Badezimmer und keine Garantie abgeben, dass es dort nicht zu einem Zwischenfall kommen könnte…

19:56

Ihn wie so oft vor vollendete Tatsachen stellen? Ihn vor den Kopf stoßen? Oder egal? War es das wert, hat es sich überhaupt gelohnt? Nicht umsonst soeben im letzten meiner Bücher das Kapitel Autoaggression bei Überlebenden beackert…

20:13

Er taucht kurz auf, das Telefon klingelt, er redet mit seiner Freundin, ich bekomme erst recht Herzrasen und während er sich noch köstlich amüsiert, greife ich zum Diazepam. 15 Tropfen, die Geschmacksnerven im Arsch. Das Diktierprogramm zum 10. Mal öffnen, es verweigert komplett die Zusammenarbeit. Und obwohl er mich gerade eingeschmiert hat, schmerzt der Hintern erneut. Beinahe jedes 2. Wort korrigieren müssen. Ich habe keinen Nerv dafür!

Meine Beine wollten mich nicht ins Badezimmer tragen, sie stellten sich quer, blockierten mich auf meinem Weg. Aber schlussendlich kam ich an mein Ziel. Die Selbstverletzung begann bereits bei der Entfernung meiner Armhaare. Der Rasierer köpfte die letzten Schnitte, die vom letzten Mal vermutlich übrig geblieben waren und es…

Nächste Runde, das Programm treibt mich in den Wahnsinn!!!

Es blutete zart, heißes Wasser lief über Arme und Hände, heizte sie auf, ich setzte mich auf die Toilette und wiederum die Rasierklinge am Arm an… 30 wenig überzeugende Schnitt und definitiv viel zu wenig, um dieses Gefühlschaos zu kompensieren. Auf die Beruhigungsmittel hoffen?

20:46

Hat er den Strumpf nicht gesehen? Ignoriert? Bei unserer Heimfahrt „warf“ ich ihm vor, dass er immer so emotionslos wirken würde. Als würde ihn nichts tangieren, als sei er immer gleich gut gelaunt und ich sagte auch noch, dass ich vermutlich von ihm regelrecht erwartet hätte, dass ihn irgendetwas berührt und er vielleicht einmal mit mir weint. Aber er hätte immer dasselbe Gesicht aufgesetzt. Nun erklärte er sich doch damit, dass ihn sehr wohl vieles fertig machen würde, er nicht weiß, wie er damit umgehen soll, sich deswegen am liebsten gar nicht erst damit auseinandersetzen will – daher wohl mein Eindruck, er sei total emotionslos. Wieder erzählte er von der einen Situation in seiner Kindheit. Er hätte viel geweint, doch mit etwa 11 hätte seine Mutter zu ihm gesagt, dass er nun wahrlich zu alt für so ein Verhalten sei, woraufhin er aufgehört hat zu weinen. Ganz zu schweigen davon, dass seine Mutter ihn nie umarmt, nie mit ihm gekuschelt hätte. Auch wenn er immer wieder behauptet, seine Oma hätte das aufgefangen. Die Mutter ist und bleibt die Mutter!

Von ihm war damals nach der Überdosis diesbezüglich gar nichts gekommen und ich kam mir vor, als wär ich total egal.

Keinen Nerv mehr, mich mit dem Programm abzuärgern, erst recht nicht, diese Schmerzen zu erdulden… da wird sicher noch einiges geschluckt werden müssen! Oder die Klinge erneut zurate gezogen…

21. August 2016, Sonntag 16:31

Um 6 kommen Mieke und Jan vorbei, wir haben zum Grillen geladen. Die Panik schnürt mir bereits seit einer halben Stunde die Kehle zu und nun oben am Wald Männer schreien hören zu müssen, mehr als kontraproduktiv in dieser Angelegenheit. Außerdem spinnt das Programm erneut, mein Hintern schmerzt, das Sitzkontingent definitiv überschritten.

21:29

Schöner, lustiger Abend… Ein wenig Eierlikör, Morphium, 2 langsam, 2,6 schnell, und ich platt.

2 Stunden gemalt, 523 gesamt, morgens 55,1kg und Schluss für heute…