31. Dezember 2015, Donnerstag 13:05

Was war zu erwarten? Nachts vor dem Zubettgehen ein letztes Mal der Waage gestellt und eine dicke Ohrfeige geerntet: 55,9. Davon konnte man vielleicht 200 oder 300 g abziehen, aber mehr nicht. Und als ich morgens mit den Klamotten in der Hand immer noch 55,8 hatte, schien aus der Befürchtung eine Tatsache zu werden. Die Blase gut gefüllt, hatte mich bereits seit Stunden im Bett geärgert. Und es spielt überhaupt keine Rolle, wie ich liege-es tut einfach nur noch alles weh. Aufs Klo gesetzt, auch noch der Unterhose entledigt und zurück auf die Waage: 54,8 um 8:45. Soll ich nun dankbar sein? Verdammt, warum hat die Tage, die zurückliegen, dass alles mit den Entwässerungstabletten so dermaßen prima funktioniert, mich bei 53 gehalten und nun ganz plötzlich das? Hatte ich nicht alles Überflüssige wieder ausgespuckt?

Starke Kopfschmerzen. Vielleicht habe ich auch einfach nur die Klimaanlage im neuen Auto nicht vertragen. Ein Aspro geschluckt, Diana auf Stirn und Schläfen verteilt und an die Arbeit gegangen. Über eine Stunde nicht vom Fleck kommen… so gefällt mir das. KOTZ! Ein schleichendes Herantasten an das Endprodukt und nicht zufrieden geben mit einem „Etwa“. Mir erneut wie ein Steinmetz vorkommen, doch im Gegensatz zu ihm Schichten auftragen. In die entgegengesetzte Richtung sozusagen. Wolfgang bemerkte ganz richtig, dass dieser Prozess auch etwas Meditatives an sich hätte. Der Weg das Ziel sei. Wenn ich da nicht dazwischen immer so dermaßen verzweifeln müsste und aus der Haut fahren würde.

Die Finger beider Hände schmerzen. Ein seltsamer Schmerz, vielleicht die Knochen. Ich sollte unbedingt darauf achten, regelmäßig meine Osteoporosemedikamente einzunehmen, denn gar zu gerne lasse ich dieses Thema schleifen. Und vielleicht spüre ich das Wetter. Denn wie kalt es tatsächlich draußen war, habe ich im Bett nicht gespürt. Erneut konnte ich mich nicht von seiner Decke befreien, es dauerte Minuten, ich ächzte und keuchte, bis ich mich endlich umgedreht hatte. Als ich so nach Stunden aufwachte, schmerzte die Seite fürchterlich, aber nun vermochte ich erst recht nicht, mich auf den Rücken zu drehen. Ich bin wie ein Käfer auf dem Rücken! Egal, in welcher Position ich liege. Die Beine stocksteif, lassen sich nicht anwinkeln und alles andere an mir bekleckert sich ebenfalls nicht mit Ruhm. So frustrierend und die Selbstmordgedanken anheizend. Also wieso um den Osteoporoseschutz kümmern? Gekümmert habe ich mich definitiv um die Neuroleptika. Auf meinem fahrenden Servierwagen die Tablettendose und mein Glas mit einem Schluck Wasser. Dieser war dann der eigentliche Indikator dafür, wie kalt es auch im Schlafzimmer dank offenem Fenster geworden sein musste. Ich benötigte zu meinem Glück nichts davon und nutzte es für die Morgendosis. Erst nach endlosen Sekunden im Mund wurde mir klar, wie eiskalt das Wasser geworden sein musste. Kein Unterschied zu jenem aus dem Kühlschrank! Also wie kann es immer kälter werden und ich des nächtens immer mehr schwitzen? Es waren -8,4°C. Aber jetzt wieder strahlender Sonnenschein, der mir das Malen mehr als nur erschwerte.

Nach dem Frühstück betrachtete ich Sebastian, wie er auf dem Sofa lungerte. Er besteht nur noch aus Bauch und ich mache mir große Sorgen. Weil ich nicht verstehen will, wie man so unvernünftig sein kann. Gestern fragte ich ihn noch, als es in der Nachrichtensendung um Herzinfarkt ging, ob ich jetzt umschalten soll. Darauf er ganz ungewohnt: „Brauchst du nicht.“. Ich wartete darauf, dass er aufsteht und rauchen geht. Dass er ganz klassisch wegläuft. Doch er blieb sitzen. Und nach meiner Ansprache heute, dass ich ihn lieben würde, aber nicht mit seiner Körperfülle klarkommen könnte, zeigte er sich wie so oft einsichtig. Erzählte, dass ihm die Sendung gestern doch sehr zu denken gegeben hatte. Dann verstehe ich aber nicht, warum er erneut eine Prinzenrolle gekauft hat. Warum er die eine Tüte Lakritze auf einen Sitz aufgefressen hat. Warum, warum, warum.

Wie so oft wird sich nichts ändern. Es bleibt dabei und auch wenn er meint, sein Gewicht seit Jahren zu halten, bin ich ganz anderer Meinung. Vermutlich baut auch er Muskeln ab und so kommt es zu dem Phänomen, dass die Zahl auf dem Display stagniert, aber seine Wampe immer mehr an Umfang gewinnt. Er ist der perfekte Herzinfarktkandidat! Oder Diabetes! Oder Schlaganfall! Oder Krebs! Was für eine beeindruckende Bandbreite.

Wo ich schon beim Essen wäre. Heute Abend soll es ganz klassisch Nudelsalat geben. Ich kriege dieses Zeug nicht mehr runter. Insofern spekuliere ich soeben damit, mittags (um 14:45) eine Schale Schwarztee und 2 Scheiben vom wunderbar frischen Vollkornbrot mit Hummus zu essen. Das ist seit Monaten einfach meine Lieblingsspeise. Wieso auch immer. Weil es mitunter das Erste war, das ich mir nach meiner Hungerphase erlaubt habe? Prompt werden die Augenlider erneut schwer und links im Rücken meine Standardverspannung am Start. Vom Rollstuhl aufs Sofa wechseln, Glotze an und hoffen, heute irgendwann noch einmal den Absprung zu schaffen.

16:37

Meine Rechte gelähmt, meine liebe Not damit haben, die Wasserflasche aufzuschrauben. Draußen ein blasses Abendbrot, im Raum wird es dunkel und prompt fallen die Augen erneut zu. Mich gezwungen sehen, eine weitere Schale Tee zu trinken. Viel zu lange auf dem Sofa hängen geblieben. Hätte längst hier sitzen und arbeiten können. Stattdessen jetzt? Die nächste Pause. Pause von was? Vermutlich wäre es das Beste gewesen, für einen Augenblick kalte Luft zu tanken. Raus aus diesem stickigen Raum.

Die Augen fallen zu, sie brennen und die Kopfschmerzen setzen erneut ein. Vermag kaum zu gehen, die Beine lassen sich keinen Millimeter anheben. Sie unter oder hinter mir her schleifen. Mir ganz plötzlich mit allen Facetten meiner aussichtslosen Situation bewusst werden und mir wird schlecht. Ablenkung suchen oder durchdrehen… oder einschlafen.

17:51

Das Diktierprogramm verweigert die Zusammenarbeit.

Deine Gedanken sind ohnehin wertlos!

Die Kopfschmerzen nehmen zu. Statt Hydal zusätzlich 6 Hübe Tramal. Nochmals Diana auf die Stirn und ans Werk…

21:30

28 Stunden, machen 3:45 für heute. Draußen eine Rakete nach der anderen zu hören. Den Tag beenden. Und es sei nur soviel gesagt, dass die Tablette heute scheinbar alles nachgeholt hat, was ihre Vorgänger die Tage zuvor verabsäumt hatten. Inklusive kleinem Kreislaufkollaps.

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30. Dezember 2015, Mittwoch 16:12

54,8 um 8. Und es steigt und steigt und steigt. Zum Kotzen! Und was ist das heute für eine Einlage? Wir sind um 8 aufgestanden, um uns pünktlich wie vereinbart um 9 mit meinen Eltern in Fürstenfeld im Café zu treffen. Also vielleicht eine halbe Stunde früher als die letzten Tage. Warum tut mein Körper so, als sei es 4 Uhr gewesen? Warum könnte ich jetzt ganz plötzlich erneut einschlafen? Und warum zum Teufel spuckt er das mittags getrunkene Wasser (mindestens 1,5 l) nicht mehr aus? Obwohl ich sogar zusätzlich zum Furosemid gegriffen habe? Und warum kann ich überhaupt nicht mehr sitzen?!

Wie schon morgens Kopfschmerzen, die soeben immer heftiger werden. Ein Hydal geschluckt, eigentlich für das rebellierende Gesäß. Soll ich hoffen, dass es auch etwas gegen das Dröhnen und Hämmern in meinem Schädel auszurichten weiß oder muss ich zusätzlich Aspirin nehmen? Spüre ich das Wetter? Bis vor einer Stunde war der Himmel bewölkt und die Landschaft in dichtem Nebel versunken. Bis eben die Sonne mehr oder minder plötzlich durch das Wolkendickicht gebrochen kam. Der Anblick zumindest für mich unerträglich. Hatte eine Stimme in mir doch tatsächlich versucht mich bei der Hinfahrt davon zu überzeugen, dass es auch seine Vorzüge hätte, nun keinen Sport mehr betreiben und somit auch nicht das Haus verlassen zu müssen. Was für ein Schwachsinn! Jeden dick eingepackten Sportler, der uns begegnete, konnte ich einfach nur beneiden. Bei einem Radfahrer: „Der Glückliche…“. Und als eben die Sonne den Dunst aufzulösen begann, sah ich mich zwangsläufig mit meiner Vergangenheit konfrontiert.

Noch keine Sekunde am Bild gearbeitet. Ich kann heute noch weniger. Mich unsagbar geschlaucht fühlen. Und jetzt gerade kann ich die Idee, gleich zum Pinsel zu greifen, wahrlich begraben. Wahrscheinlich sollte ich tatsächlich erst eine Schale Tee trinken. Und währenddessen hoffen, dass die Schmerzmittel den Aufruhr in diversen Körperpartien zu befrieden wissen. Denn sonst… Was dann? Und wie soll das dann erst nach Sebastians Urlaub laufen, wenn wir wieder regulär um 7 Uhr aufstehen? Vermeintlich bohren sich meine Sitzhöcker gerade durch mein Fleisch. Das neue Kissen wertlos. Doch auf dem viel weicheren Sofa war es noch schlimmer. Als die Nachmittagssendungen liefen, rutschte ich unaufhörlich vor und zurück. Wahrlich nicht mehr auszuhalten. Oder heute Nacht? Wir gingen um 2:30 ins Bett. Um 3:30 schlug ich die Augen auf und in meiner linken Wade eine höllische Neuropathie, die nicht allzu lange fackelte und in Krämpfen ausartete. Mir wurde schlecht, ich bekam Angst und erst recht Suizidgedanken. Das sollte es also schon wieder gewesen sein mit den neuen Medikamenten?! Hatte ich doch erst 1 Stunde zuvor 50 mg eingeworfen. Der Grund der Krämpfe? Meinen Beinen war es allem Anschein nach unter seiner und zusätzlich meiner Decke zu heiß geworden. Es kostete mich gefühlte Minuten, bis ich die Beine soweit freischaufeln konnte, dass sie nur noch unter meiner Dünnen lagen und rasch abgekühlten, womit sich auch die Schmerzen reduzierten.

Nun ist es bereits 16:53 und ich darf alsbald die restlichen Medikamente hinterher schaufeln. Die Nadelreizmatte erneut auf die Sitzfläche ausgeweitet. Immer noch Kopfschmerzen und schwere Augenlider und im Süden ein kleines Farbspektakel. Mir eine Schale Tee zubereitet. Beim ersten Versuch die Milch ein einziger Schleim.

20 Tropfen Tramal direkt in den Mund appliziert. Mit den Neuroleptika noch warten. Ob ich heute noch malen werde? Oder der Leinwand das erste X aufbürde? Kopfschmerzen und unglaublich entnervt. Aufgerieben und durchaus aggressiv. Zu Mittag gab es die andere Hälfte der Lasagne. Was beim Mittagessen nicht so reibend funktionierte, war mir sehr wohl beim Frühstück gelungen. Pro Person sind ja mindestens 2 Stück Gebäck gedacht. Ich aß von einem meiner beiden Brötchen lediglich die Hälfte. Dazu hatte es auch ein gekochtes Ei gegeben. Also warum nicht auch noch bei der Süßspeise mir selbst Einhalt geboten? Warum so viele Süßigkeiten in mich hineinstopfen? Ich scheine diesbezüglich aktuell kein Ende zu kennen. Insofern brauche ich mich über mein Gewicht überhaupt nicht zu wundern.

Erneut fallen die Augen zu. Warten auf den großen Tramalrausch. Mir zum Tee irgendeine Sendung ansehen? Wach auf du dumme Kuh!! Mit den Fingern auf die Stirn klopfen. Ich kann sie nicht einmal strecken.

Wie immer dabei zusehen, wie alles geschmeidig langsam den Bach runter geht.

18:12

Die Sperenzchen vom Diktierprogramm nehmen ganz neue Auswüchse an. Die Kopfschmerzen immer noch nicht beseitigt, obwohl ich vor mindestens 20 min zusätzlich ein Aspirin geschluckt habe. Jetzt gerade auch noch das Haarband abgenommen, aber es ändert sich nichts daran. Was wird das? Eine ganz neue Spielart einer anstehenden Periode oder was?! Oder tatsächlich das Wetter, der prophezeite Wetterumschwung? Keine Ahnung, was ich mittlerweile intus habe. Aber davon merken? Nichts? Außer vielleicht, dass ich keine Krämpfe habe. Noch nicht. Noch ein Hydal? Der Hintern ist vielleicht ein wenig verstummt, was aber allein an der Matte liegen könnte. Stattdessen wird mein Rücken vorlaut. Wie wäre es mal mit einem Tag ohne Symptome? Zu viel verlangt? Hat der Tee wach gemacht? Ich weiß es nicht, muss vermutlich erst zum Pinsel greifen und es testen. Dennoch… werde gleich noch zum Regal fahren und mir dort aus der Schachtel eine weitere Blisterpackung der stärkeren Opiate holen…

Noch ein Hydal und auf 4 mg aufstocken, Diana auf die Stirn und das Geburtstagsgeschenk auf den Rücken geschnallt. Vielleicht so…

20:51

Wer weiß, eventuell hatte Regina recht, als sie vor 2 Tagen beim Telefonat meinte, dass die kommenden Tage der Winter hereinbrechen könnte. Die Temperatur ist jetzt rapide abgefallen, nun schon bei -3,4°C. Ich habe mich exakt zwei Stunden am Daumen mehr oder minder mit Geduld ausgetobt-ohne Ergebnis und erst recht ohne Fortschritt. Mein Kopf dick zugekleistert. Leider auch dahingehend, dass der Schwindel erneut massiv in Erscheinung tritt. Aber ohnehin egal, jetzt ist Schluss. 24:15. Die Finger der linken Hand ordentlich verkrampft; sie ständig dehnen, um sie wenigstens wieder etwas gebrauchen zu können. Zum Abendessen gibt es noch ein oder zwei Kiwis und dann noch einen halben Becher Joghurt mit vermutlich viel zu viel Müsli und anschließend viel zu vielen Bonbons. Um auch morgen begeistert feststellen zu dürfen: Ich bin eine fette Sau! Und da die Entwässerungstablette so gut wie nichts bewirkt hat, muss ich mich auch als Mastsau bezeichnen, da die Zahl auf dem Display mit großer Wahrscheinlichkeit noch höher ausfallen wird. Viel zu lange habe ich dieses Gewicht gehalten, das war ja schon längst wider jeglicher Logik.

30. Dezember 2015, Mittwoch 16:12

54,8 um 8. Und es steigt und steigt und steigt. Zum Kotzen! Und was ist das heute für eine Einlage? Wir sind um 8 aufgestanden, um uns pünktlich wie vereinbart um 9 mit meinen Eltern in Fürstenfeld im Café zu treffen. Also vielleicht eine halbe Stunde früher als die letzten Tage. Warum tut mein Körper so, als sei es 4 Uhr gewesen? Warum könnte ich jetzt ganz plötzlich erneut einschlafen? Und warum zum Teufel spuckt er das mittags getrunkene Wasser (mindestens 1,5 l) nicht mehr aus? Obwohl ich sogar zusätzlich zum Furosemid gegriffen habe? Und warum kann ich überhaupt nicht mehr sitzen?!

Wie schon morgens Kopfschmerzen, die soeben immer heftiger werden. Ein Hydal geschluckt, eigentlich für das rebellierende Gesäß. Soll ich hoffen, dass es auch etwas gegen das Dröhnen und Hämmern in meinem Schädel auszurichten weiß oder muss ich zusätzlich Aspirin nehmen? Spüre ich das Wetter? Bis vor einer Stunde war der Himmel bewölkt und die Landschaft in dichtem Nebel versunken. Bis eben die Sonne mehr oder minder plötzlich durch das Wolkendickicht gebrochen kam. Der Anblick zumindest für mich unerträglich. Hatte eine Stimme in mir doch tatsächlich versucht mich bei der Hinfahrt davon zu überzeugen, dass es auch seine Vorzüge hätte, nun keinen Sport mehr betreiben und somit auch nicht das Haus verlassen zu müssen. Was für ein Schwachsinn! Jeden dick eingepackten Sportler, der uns begegnete, konnte ich einfach nur beneiden. Bei einem Radfahrer: „Der Glückliche…“. Und als eben die Sonne den Dunst aufzulösen begann, sah ich mich zwangsläufig mit meiner Vergangenheit konfrontiert.

Noch keine Sekunde am Bild gearbeitet. Ich kann heute noch weniger. Mich unsagbar geschlaucht fühlen. Und jetzt gerade kann ich die Idee, gleich zum Pinsel zu greifen, wahrlich begraben. Wahrscheinlich sollte ich tatsächlich erst eine Schale Tee trinken. Und währenddessen hoffen, dass die Schmerzmittel den Aufruhr in diversen Körperpartien zu befrieden wissen. Denn sonst… Was dann? Und wie soll das dann erst nach Sebastians Urlaub laufen, wenn wir wieder regulär um 7 Uhr aufstehen? Vermeintlich bohren sich meine Sitzhöcker gerade durch mein Fleisch. Das neue Kissen wertlos. Doch auf dem viel weicheren Sofa war es noch schlimmer. Als die Nachmittagssendungen liefen, rutschte ich unaufhörlich vor und zurück. Wahrlich nicht mehr auszuhalten. Oder heute Nacht? Wir gingen um 2:30 ins Bett. Um 3:30 schlug ich die Augen auf und in meiner linken Wade eine höllische Neuropathie, die nicht allzu lange fackelte und in Krämpfen ausartete. Mir wurde schlecht, ich bekam Angst und erst recht Suizidgedanken. Das sollte es also schon wieder gewesen sein mit den neuen Medikamenten?! Hatte ich doch erst 1 Stunde zuvor 50 mg eingeworfen. Der Grund der Krämpfe? Meinen Beinen war es allem Anschein nach unter seiner und zusätzlich meiner Decke zu heiß geworden. Es kostete mich gefühlte Minuten, bis ich die Beine soweit freischaufeln konnte, dass sie nur noch unter meiner Dünnen lagen und rasch abgekühlten, womit sich auch die Schmerzen reduzierten.

Nun ist es bereits 16:53 und ich darf alsbald die restlichen Medikamente hinterher schaufeln. Die Nadelreizmatte erneut auf die Sitzfläche ausgeweitet. Immer noch Kopfschmerzen und schwere Augenlider und im Süden ein kleines Farbspektakel. Mir eine Schale Tee zubereitet. Beim ersten Versuch die Milch ein einziger Schleim.

20 Tropfen Tramal direkt in den Mund appliziert. Mit den Neuroleptika noch warten. Ob ich heute noch malen werde? Oder der Leinwand das erste X aufbürde? Kopfschmerzen und unglaublich entnervt. Aufgerieben und durchaus aggressiv. Zu Mittag gab es die andere Hälfte der Lasagne. Was beim Mittagessen nicht so reibend funktionierte, war mir sehr wohl beim Frühstück gelungen. Pro Person sind ja mindestens 2 Stück Gebäck gedacht. Ich aß von einem meiner beiden Brötchen lediglich die Hälfte. Dazu hatte es auch ein gekochtes Ei gegeben. Also warum nicht auch noch bei der Süßspeise mir selbst Einhalt geboten? Warum so viele Süßigkeiten in mich hineinstopfen? Ich scheine diesbezüglich aktuell kein Ende zu kennen. Insofern brauche ich mich über mein Gewicht überhaupt nicht zu wundern.

Erneut fallen die Augen zu. Warten auf den großen Tramalrausch. Mir zum Tee irgendeine Sendung ansehen? Wach auf du dumme Kuh!! Mit den Fingern auf die Stirn klopfen. Ich kann sie nicht einmal strecken.

Wie immer dabei zusehen, wie alles geschmeidig langsam den Bach runter geht.

18:12

Die Sperenzchen vom Diktierprogramm nehmen ganz neue Auswüchse an. Die Kopfschmerzen immer noch nicht beseitigt, obwohl ich vor mindestens 20 min zusätzlich ein Aspirin geschluckt habe. Jetzt gerade auch noch das Haarband abgenommen, aber es ändert sich nichts daran. Was wird das? Eine ganz neue Spielart einer anstehenden Periode oder was?! Oder tatsächlich das Wetter, der prophezeite Wetterumschwung? Keine Ahnung, was ich mittlerweile intus habe. Aber davon merken? Nichts? Außer vielleicht, dass ich keine Krämpfe habe. Noch nicht. Noch ein Hydal? Der Hintern ist vielleicht ein wenig verstummt, was aber allein an der Matte liegen könnte. Stattdessen wird mein Rücken vorlaut. Wie wäre es mal mit einem Tag ohne Symptome? Zu viel verlangt? Hat der Tee wach gemacht? Ich weiß es nicht, muss vermutlich erst zum Pinsel greifen und es testen. Dennoch… werde gleich noch zum Regal fahren und mir dort aus der Schachtel eine weitere Blisterpackung der stärkeren Opiate holen…

Noch ein Hydal und auf 4 mg aufstocken, Diana auf die Stirn und das Geburtstagsgeschenk auf den Rücken geschnallt. Vielleicht so…

20:51

Wer weiß, eventuell hatte Regina recht, als sie vor 2 Tagen beim Telefonat meinte, dass die kommenden Tage der Winter hereinbrechen könnte. Die Temperatur ist jetzt rapide abgefallen, nun schon bei -3,4°C. Ich habe mich exakt zwei Stunden am Daumen mehr oder minder mit Geduld ausgetobt-ohne Ergebnis und erst recht ohne Fortschritt. Mein Kopf dick zugekleistert. Leider auch dahingehend, dass der Schwindel erneut massiv in Erscheinung tritt. Aber ohnehin egal, jetzt ist Schluss. 24:15. Die Finger der linken Hand ordentlich verkrampft; sie ständig dehnen, um sie wenigstens wieder etwas gebrauchen zu können. Zum Abendessen gibt es noch ein oder zwei Kiwis und dann noch einen halben Becher Joghurt mit vermutlich viel zu viel Müsli und anschließend viel zu vielen Bonbons. Um auch morgen begeistert feststellen zu dürfen: Ich bin eine fette Sau! Und da die Entwässerungstablette so gut wie nichts bewirkt hat, muss ich mich auch als Mastsau bezeichnen, da die Zahl auf dem Display mit großer Wahrscheinlichkeit noch höher ausfallen wird. Viel zu lange habe ich dieses Gewicht gehalten, das war ja schon längst wider jeglicher Logik.

29. Dezember 2015, Dienstag 17:55

54,5 um 8:30.

Na fette Sau?!

Wie wär’s auch heute mit Entwässerungstabletten? Ich fühle mich nun definitiv nicht so, als ob ich noch viel länger am Bild werde arbeiten können. Mein Kopf ist unendlich träge und schwer und der Schwindel wie schon gestern nicht von schlechten Eltern. Abends war ich davon ausgegangen, dass es vom Pregabalin käme. Insofern die Tablette jetzt erst geschluckt und davon nur eine. Aber wie man sieht, war das wohl nicht ausschlaggebend.

Der Tag ist und bleibt eine Katastrophe. Ging weiter, wie er begonnen hatte. Ab 8 war ich wach und das linke Bein krampfte. Also nahm ich nach dem Aufstehen gleich 50 mg, setzte mich aufs Sofa und wartete darauf, dass Sebastian von seinem kurzen Trip zu meinen Eltern und dann zum Supermarkt zurück kommt. Aus seinen geplanten zwanzig Minuten wurde eine Stunde. Ich saß auf dem Sofa und wartete auf ihn und nun krampfte auch noch zusätzlich das rechte Bein. Ich schluckte weitere 50 mg. Dasselbe Dilemma wie vor einem Jahr. Aber zum Glück greift der neue Stoff wenigstens irgendwann. Nach dem Frühstück fuhr er nochmal nach Jennersdorf, um bei der Versicherung unseren alten Golf abzumelden. Mein Vater hat einen Käufer dafür gefunden. Ich kam vom Sofa und der Glotze nicht weg. Einfach zu träge für alles oder das Programm zu interessant. Der Tag kam schleppend in die Gänge, lediglich eine Stunde gemalt. Seinerseits war mehr los. Er spülte das ganze Geschirr und kochte, ich schnappte mir dann den Staubsauger und sorgte für sauberen Boden im ganzen Raum. Das hat mich einiges gekostet. Beim Essen mehrmals angekleckert, wie ein kleines Kind und dann das Highlight: den Saft genommen und neben das Glas geschüttet. Sind meine Augen mittlerweile wirklich so schlecht? Ich bekam einen Schreikrampf und drehte dann vollends durch! Prügelte mit meiner rechten Faust so dermaßen auf meinen Kopf ein, dass ich hinterher Kopfschmerzen bekam. Wäre ich alleine gewesen… vielleicht hätte ich es dieses Mal geschafft, mir richtig böse Wunden zuzufügen. Aber ich war es nicht. Auch gerade eben nicht… Wolfgang wollte etwas von Sebastian und unterhielt sich dann doch wieder mehr mit mir. Über Kunst & Co. Er meinte: „Ich könnte dir stundenlang dabei zusehen, wie du malst.“. Ein nettes Lob.

Jetzt gerade ist Jan da und später kommt Mieke, sie möchte etwas mit mir besprechen. Na? Bedarf es meiner Arbeit nicht mehr? Im Büro gibt es seit kurzem diesen neuen Jungen, der nächstes Jahr probeweise die Rechnungen schreiben soll. Vermutlich habe ich das schon geschrieben. Mir eben erst eine Schale Tee gegönnt, in der Hoffnung, aufzuwachen. Mein Hintern tut weh und auch mein Schädel dröhnt. Die Schläge waren offensichtlich kräftig genug. Also zusätzlich noch ein Aspro. Ich müsste dringend noch den neuen Kalender anlegen, die Mülltermine und auch jene mit Brigitte, Sonja und der Neuro eintragen. Auch die ganze Buchhaltung gilt es einzusortieren. Aber ich kann einfach nicht. Während ich mich mit Wolfgang unterhielt, merkte ich, dass ich für den Malprozess höchste Konzentration benötige. Er als Grafiker konnte mir ein paar Tipps geben, wie man die Qualität der Vorlagenfotos beim nächsten Mal (sehr witzig) verbessern könnte. Aber in der einen Stunde nachmittags kam ich keinen Millimeter voran. Und mein Tagebuch? Immer noch allein und das wird wohl oder übel so bleiben. Insofern fand ich es gestern gar nicht tragisch, gar nichts geschrieben zu haben. Es ist alles egal, obsolet. Sebastian hinterher angerufen, ob er noch im Dorf sei (was zum Glück der Fall war) und bat ihn, unbedingt eine neue Tastatur für mich mitzubringen. Sie ist gut… bis ich die nächste Flüssigkeit drüber schütte. Er reagiert mittlerweile überhaupt nicht mehr auf meine cholerischen Anfälle, obwohl ich mir durchaus wünschte, er würde mich trösten. Vermutlich hält er es überhaupt nicht mehr aus, was er mitunter auch verbalisiert, um mir im selben Atemzug mitzuteilen, dass es durchaus verstehen könnte, in meiner schwierigen Situation. Ob ich alles aufgeschrieben, gesagt habe? Das, was ich nur alleine sagen kann? Ich hätte mich verletzen sollen und irgendwie hänge ich in dem Gefühl fest, es verabsäumt zu haben und dringend nachholen zu müssen.

Aber vorerst richtig aufsetzen und zurück an die Arbeit…

20:40

Nichts geschafft! Dafür aber ein schönes Gespräch mit meiner Chefin. Jetzt gerade fängt es aber an pervers in der linken Wade zu krampfen und ich werde noch mehr einwerfen müssen. Tja, abends reichen 50 mg nicht. Dabei keine Entwässerungstablette geschluckt… ob das ein Fehler war? Dabei gab es zum verspäteten Mittagessen erneut diese Kirschlasagne, komplett ohne Salz. Vielleicht hätte ich mein Gewicht zumindest oberflächlich bis morgen sanieren können… ich blöde Kuh. Mieke hat mir eine Flasche Baileys mitgebracht. Könnte mich auch besaufen. Zur Feier des Tages und auf all die Medikamente obendrauf. Zwei Stunden und 15 Minuten, machen 22:15.

28. Dezember 2015, Montag 20:13

Sebastian hat den Computer aufgeräumt. Meine Tastatur ist hinüber und im ersten Laden, in dem wir waren, gab es zwar welche, aber sie sagten mir nicht zu und im zweiten gab es dann keine mehr. Demnach ohne neue Tastatur nachhause gefahren.
Die neuen Fotos von heute sind aufschlussreicher als ihre Vorgänger. Macht mich das nun schneller? Ich glaube nein. Mich millimeterweise voran tasten, Fortschritt ist nicht auszumachen. Und so sind es heute 20 h geworden. 4 für diesen Tag. Katastrophentag… morgens 54,6 kg um 8:45. Peinlich genug, es aufzuschreiben. Mein Gesicht sieht aus, als hätte ich in Cortison gebadet. Und ich bin maßlos…

23. Dezember 2015, Mittwoch 10:04

Ich war so wütend auf mich! Nachts noch die übrig gebliebene Hälfte vom Himbeerjoghurt gegessen. Erst hatte ich mich noch im Griff und ließ das Knuspermüsli links liegen… oder genauer genommen rechts stehen. Doch bei der Hälfte der Hälfte überkam es mich regelrecht und ich aß viel zu viel davon. Endergebnis? 54,9 auf der Waage, bevor ich ins Bett ging. Und so viele Klamotten zum Abrechnen hatte ich da nicht mehr an. Ich war soeben beim Zähneputzen, als Sebastian nachhause kam. Er ging noch hoch und ich ins Bett. Und nun am Schluss wäre ich lieber liegen geblieben. Träumte soeben davon, dass ich die Bundesstraße in Richtung Königsdorf laufe, über die Brücke, deren Gehsteig plötzlich mit Leitplanken links und rechts eingepfercht war, die Sonne knallte vom Himmel herab… ich wurde schwächer und schwächer und schwächer. Aber ich lief, irgendwie und ständig hielten neben mir irgendwelche LKWs und es war klar, dass von ihnen, also von den Fahrern eine Gefahr ausging. Das alles interessiert nicht, denn ich bin gelaufen. GELAUFEN und konnte das Gefühl in meinen Beinen spüren. Und so soll ich aufstehen, an diesem Punkt, ernsthaft?! Wozu? Um dann in diesem beschissenen Körper zu stecken, der da einfach nur liegt und sich willkürlich in keine Richtung bewegen lässt. Natürlich sind schon Millionen vor mir durch diese Phase gegangen, aber ich bleibe einfach ich und nicht sie und ich will das nicht! Nachts Krämpfe in den Beinen. Selber schuld? Doch dank eines glücklichen Umstandes auf meinem Nachtkästchen die Medikamentendose und ein Glas mit Wasser, ich schluckte gleich 100 mg. Aber gegen die anderweitigen Schmerzen vermochte es nichts auszurichten. Überall am Körper zog es, mal hier, mal da. Eine Quälerei. Auch hatte meine Blase Aufmerksamkeit gefordert und damit die Krämpfe angefeuert. Und dann heute Morgen?! NICHTS! Nichts kommt da raus… Ich konnte mir schon so meine Berechnungen machen, und wurde doch angenehm überrascht: 53,3 um 9:30. Sebastian soeben in die Stadt gefahren, unser Frühstück wird wohl unser Mittagessen sein. Und kaum rede ich davon, wird mir schlecht. Ob ich die Weihnachtstage heil überstehe? Will ich gründlich kotzen, ist dies aber immer mehr mit verräterischem Lärm verbunden. Vermutlich werden alsbald wieder meine Zähne anfangen zu bröckeln, zerbröseln. Egal. In meiner Statistik brauche ich sie ohnehin nicht mehr lange.

Und das Bild? Er darf gerade eine neue Leinwand besorgen. Bleibe ich tatsächlich bei diesem Format oder sind das Gesicht und auch die Hände dann nicht viel zu klein? Aber die 80 × 100 ist so „unhandlich“. Ich komme doch gar nicht an die Mitte heran. Erst recht nicht ohne Rückenschmerzen. Und eigentlich hatte ich nicht geplant, das nächste unfertige Werk zu fertigen. Aber erst einmal den letzten Pfusch veröffentlichen…

12:39

Erneut ist der Computer abgeschmiert. Geht wahrlich dem Ende zu mit der Kiste. Die Aussetzer werden immer häufiger. Und ich? Ich verfressenes Schwein habe viel zu viel zum Frühstück/Mittagessen verdrückt. Der Hunger war maßgeblich daran beteiligt, bei Sebastian 3 Scheiben Brot zu bestellen. Da es frisch war und der Kanten grundsätzlich nicht viel hergibt. Fakt ist, dass ich bereits nach diesem satt war und nicht weiter essen hätte sollen. Bei der 2. Scheibe keuchte ich schon und die 3. Scheibe hätte nun wirklich erst recht nicht sein müssen! Mich wortwörtlich wie ein voll gestopftes Spanferkel fühlen.

Mein Kissen ist da und habe mich soeben draufgesetzt. Im ersten Moment steinhart, aber das Terrorkommando in meinem Hintern scheint konsterniert und schweigt. Vorerst. Es bedarf des Vorhangs, um hier sitzen zu können. Was mache ich? Ich muss mich endlich entscheiden! Groß oder klein? Obwohl die neue Kleine, die er zuvor mitgebracht hat, einen ordentlichen „Schwung“ im Holz hat und ich mir nicht vorstellen kann, wie dieses Ding an der Wand halten soll. „Ich habe die Beste ausgesucht… War auch die Letzte. Irgendjemand hat da ordentlich eingekauft.“. Auch muss ich bemerken, dass die Keilrahmen in der Filiale in Fürstenfeld richtig schön sauber und adrett gestapelt zum Verkauf angeboten werden. In Jennersdorf ist es jedes Mal ein einziger Saustall und kein einziges Stück unversehrt. Hilft mir aber nicht weiter… Groß oder klein? 15 oder 18 cm für das Gesicht? Mehr Platz auf dem Tisch und besser an die Mitte der Leinwand herankommen, dafür aber damit leben müssen, dass alles relativ klein ist, oder das Monstrum?

Ich hänge fest! Verdammt und wie! Selbst die Geräusche der Waschmaschine und das Klappern vermutlich seiner Hose in der Trommel lässt mich leicht abdriften und vermittelt mir das Gefühl eines Dejavues. Schwer seufzen. Alles noch einmal auf Anfang? Die Stunden, die ich mit dem Abmessen an den einzelnen Teilen verbracht habe, wurden nicht gezählt. Müsste das alles noch einmal machen. Dabei finde ich eben den Vorhang vor meinem Gesicht total deprimierend. Das Gefängnis wird noch enger.

Los! Entscheide dich endlich! Oder nutze die Zeit und trage die Stunden ein!

Mich umdrehen und jetzt mittlerweile einen Stapel von Leinwänden betrachten. Draußen eine Schwanzmeise ganz kurz zu sehen. 3 Varianten bieten sich mir, da gäbe es noch einmal 80 × 80. Scheiße, ich weiß es nicht! Ich muss nachdenken, ganz angestrengt nachdenken und abwägen. Vielleicht an fertigen Bildern an der Wand die Gesichter abmessen.

Kurz in mich gegangen, das Vorlagenfoto auf die zweite Größe gebracht, bereits 13:07 und das Prozedere sieht nun wie folgt aus: Die kleine, kaputte Leinwand auf den Boden und die Große auf den Tisch, um sie dort erst einmal mit den Schutzmaßnahmen vorzubereiten. Das wird ausreichend Zeit fressen und vielleicht vermag ich währenddessen eine Entscheidung zu treffen…

15:12

Was habe ich getan? Was?! In Tränen ausbrechen, obwohl ich gerade eben noch Scherze gemacht habe. Wie schon zuvor hier allein, als während der Arbeit eines meiner Lauflieder aus den Boxen dröhnte. Tränen tropften auf das jungfräuliche Leinen. Und jetzt geht die Sonne unter und ich bin ein Scherbenhaufen.

Ich höre sie in meinem Kopf zetern: „Du zerfließt in Selbstmitleid!“. Und ich möchte ihnen allesamt eine gewaltige Maulschelle verpassen. Was wissen die schon. Über mich erst recht nichts! Als würde es einem Regiebuch folgen-das Bild kommt zur rechten Zeit. Wenn ich es überhaupt malen kann…

Erneut zusammenbrechen. Kann gerade ÜBERHAUPT NICHTS MEHR! Das Anbringen von Antirutschmatte, Karton- und Klebestreifen hat mir den kümmerlichen Rest Leben geraubt. „Alternativen suchen.“… Ihr könnt mich alle mal!

Unser Koch war hier und hat mir aus der Firma ein Geschenk gebracht. Einen Berg Kekse, eine kleine Schachtel und einen Brief. Weder das eine noch das andere genauer angesehen. Und eigentlich hatte ich mir jetzt Tee gekocht, um nebenbei die Stunden einzutragen. Aber stattdessen wieder verschränkte Arme, eine zittrige Stimme und noch mehr Tränen. Ich will mein Leben zurück haben!… Warum ist dieser Schmerz nicht letal? Die Kiwi auf dem Teller bleibt liegen, ich kann gerade nicht, auch wenn mein Blutzucker Terz macht. Warum die verspätete Mittagsdosis nicht einem Junkie würdig gestaltet? Mich wenigstens so abgetötet? Warum nicht jetzt nachträglich noch mehr? Jetzt wäre ich laufen, wäre draußen und nicht hier drinnen eingesperrt, in dem Raum, in dem beschissenen Rollstuhl, ich würde leben und nicht wie ein Zombie darauf warten, endlich erlöst zu werden.

Die Frucht mittlerweile warm geworden. Die Sonne blinzelt ein letztes Mal über den Hügelkamm, durch die schwarze Silhouette des Mischwaldes hindurch. Kaum gesagt, ist es vorbei. Vorbei… alles ist vorbei. Die kleine Dessertgabel nicht halten können, vor Stunden, als der Versicherungsvertreter plötzlich hier war, den Kugelschreiber nicht halten können, den Klebestreifen nicht auseinanderziehen können, nicht anbringen können… usw. und so fort. Jedes Mal ein Schlag ins Gesicht. Will zurück in meinen Traum, will wieder laufen und wenn nicht, dann nichts mehr. Warum lebe ich noch? Warum habe ich das überlebt?

Ich werde von den Keksen essen und mich anschließend wohl erneut übergeben. Die Bulimie mein Weihnachtsbesucher.

17:06

Die Stunden eingetragen. Nach außenhin vermutlich den Eindruck vermitteln, gereizt zu sein, aber in mir drinnen rasend vor Wut und endgültige Verzweiflung. Dunkel ist es, die Nacht am Kommen. Alles, was ich in die Hand nehme, missglückt. Eine Hasstirade nach der anderen. Wieder höre ich sie in meinem Kopf selbstgerecht maßregeln: „Selbstmitleid! Selbstmitleid! SELBSTMITLEID!!“. Eine Stunde für die Vorbereitung auf der Rückseite. Schneller als bei der ersten Fassung. Mit einem zynischen Tonfall: „Wenn da nicht Glücksgefühle aufkommen!“. Euphorie pur!

Bei jedem einzelnen Wort hängen bleiben, in Erwartung einer handfesten Dissoziation. Was hat es mit dieser Jahreszeit auf sich? Waren die Wintertage immer so belastend? Wurde so viel gestritten? Zu viel Stress für ein Kind? Oder mehr?

Hahaha… gib es auf!

Jetzt telefoniert er mit Timm, ich muss tippen und hänge erst recht fest.

18:47

Sprachlos. Gelähmt, gelähmt, gelähmt und nochmals gelähmt. Ich könnte schreien, wenn es daran nur irgendetwas ändern würde. Warum auch die Abenddosis gerade so moderat ausgefallen ist, ein Rätsel. Ich kann nicht mehr. Und beim Abmessen einen einzigen Pfusch abgeliefert. Jedes der 5 Teile, in die ich das Foto geschnitten habe, hat eine andere Länge, wenn man die Abmessungen der Einzelteile zusammen rechnet. Mir ist schlecht, mein Blutzucker im Keller und irgendetwas rieche ich vermeintlich. Vermutlich bin ich es selbst, die stinkt. Vielleicht sollte ich den Tag beenden, aufs Sofa kriechen und mein Versagen feiern. Erneut höre ich diese dämlichen Stimmen in meinem Kopf: „Aber du hast doch einiges geschafft…“. Warum können sie mir nicht egal sein? Warum ihnen nicht den Mund verbieten? Und warum all diese beschissenen Besserwisser internalisiert?!!

Jetzt zu duschen, scheint in meiner körperlichen Verfassung lebensgefährlich… Über meine eigenen Worte schmunzeln. Na dann erst recht, runter mit den Klamotten! Was mache ich nun? Ernsthaft abwarten, dass ich vielleicht noch einmal zumindest ein bisschen Kontrolle zurückerlange? Die Dunkelheit schlägt sich aufs Gemüt, drückt runter, rein in die eigene Scheiße. Diesen Fehler bei den Abmessungen nicht zu korrigieren… Ein unerträglicher Gedanke. 3 oder 4 Kekse von meiner Firma, nur bloß nicht zu viel. Nachmittags eine Entwässerungstablette. Gönne ich mir noch eine Scheibe Brot oder darf ich nicht und muss es bei Joghurt belassen? (Tippen: Geplant war, Kekse zu fressen, zu kotzen und dann eventuell noch Joghurt).

19:31

So… gelöst. WAS hab ich gerechnet?!!!

20:04

Meine Güte! Bereits jetzt sind es 54,1 kg… was mache ich damit? Kein Brot? Um Himmels Willen bloß kein Salz mehr zu mir nehmen? Aber das schöne frische Gebäck…

Du verfressene Sau!

Gerade eben in der Dusche gewesen und als Sebastian ebenfalls das Badezimmer betrat, das kleine Lämpchen über dem Waschbecken einschaltete, explodierte mit einem lauten Knall die Glühbirne und die Sicherung flog im ganzen Haus. Das habe ich auch noch nicht erlebt und wäre ich alleine gewesen, ich wäre stante pede umgefallen, weil ich mich in der Dunkelheit nicht halten kann. Was kann ich eigentlich noch? Antwort: Nichts!!

Angesichts dessen ist es fragwürdig, ob ich nun noch mit dem Messrahmen beginnen soll. Meine Güte, und was darf ich essen? Überhaupt irgendetwas?

20:22

Mein Abendessen betreffend immer noch keine Lösung gefunden.

20:51

Noch nichts gegessen…

BESSER SO!!

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