25. Juli 2017, Dienstag 8:33, „Dilemma“…

59,4 um 7:00 Uhr. Und das, obwohl ich abends eine weitere volle Dosis Diuretika geschluckt hatte. Und DAS, obwohl ich mir von Sebastian abends die Stützstrümpfe anziehen habe lassen. Ich bin fertig, fix und fertig… Klar, ich könnte mich zusammenreißen, an die Arbeit gehen und „alles würde gut werden“. Mein Körper hat in den zurückliegenden Tagen immens an Spastik zugelegt. „Ich komme dir mittags mit dem Rollator entgegen!“, lautete die Devise. Doch kaum hatte er mich angezogen nickte ich auf dem Sofa ein und wollte nicht mehr aufstehen. Jetzt beim Frühstück keinerlei Lebensgeister getankt. In mir drinnen ein Streitgespräch, ein Prozess: „Darf ich meinen Rausch ausschlafen oder nicht?“. Die Krämpfe hatten nicht aufgehört und ich inflationär Hydal unterschiedlicher Stärken in meinen Organismus gepfeffert, unterm Strich waren es locker über acht Milligramm. Zusätzlich Tramal. Nicht zu verschweigen die 30 Schnitte. Zu diesen hatte mich ein Telefonanruf veranlasst, ich längst aufs Sofa geparkt, Sebastian längst um ein Temesta gebeten. Und dann klingelte dieses elende Höllending! Er ging oben ran, scheinbar galt ihm der Anruf, aber für mich war es Anlass genug den 20 Kratzern weitere 10 hinzuzufügen.

So, das ganze Strafregister aufgezählt? Ich bin so müde und wieder veranstaltet die Panik eine Hetzjagd in einem Körper; ein falscher Gedanke, ein falscher Blick, ein falsches Wort… Ich muss Markus schreiben. Das sollte ich sofort erledigen. Seine Gebrechlichkeit in allen Ehren -aber ich kann das so nicht machen!

Die Nachbarn heizen ein, es riecht nach Herbst und neben mir auf dem Boden liegt bereits das dicke Kissen. Den Tag wegschmeißen. Bei der Überlegung wird mir speiübel. Die Unruhe kocht hoch, wird zu Panik und ich weiß weder ein noch aus… Was werde ich heute schlucken müssen? Für die Angst ist klar: Ich muss mich an die Leinwand setzen und den Pfusch von gestern versuchen aufzuarbeiten. Der Körper will Ruhe, will schlafen… Du Schrottkiste! Wenn du dich nicht bewegst, kann man dich noch schneller in die Tonne treten!! Wie ich es mache, ist es falsch. Den Strumpf vom Arm ziehen; da blutet nichts mehr. Kissen auf den Tisch und gegen das Brodeln in mir versuchen mit Schlaf anzugehen. Wie immer in der Hoffnung auf Träume, die Klarheit schaffen.…

10:01
Mein Geist lässt mich nicht schlafen. Vor etwa 20 Minuten wieder zur Beruhigungstablette gegriffen. Dann flog eine Kohlmeise in die Küche und fand den Weg nicht mehr hinaus. Fine vertrieben und dann den Lotsen gespielt. Jetzt drängt sich mir der Donnerstag auf, wenn die Volkshilfe wieder vor der Tür steht. Mein Herz erlebt kurzzeitig einen Kollaps und ich möchte entweder ein zweites Temesta oder gleich Gewacalm obendrauf schmeißen! Ich hätte malen sollen, alles nach Plan machen sollen!!

Die nächste Kohlmeise, wieder aufstehen, wieder erst die Katze vertreiben und dann den Vogel hinauskomplementieren. Jetzt ist es amtlich! Ich habe alles falsch gemacht! Eine volle Dosis Tramal. Ich muss mich aufschlitzen, ich halte die innere Anspannung nicht mehr aus, nicht die Panik, nicht die konfusen Gedanken und Erinnerungen die ganze Zeit! Ich bin gescheitert!

Verbrenn die scheiß Leinwand endlich und wirf den ganzen Krempel auf den Müll!!
Du konntest nie was und jetzt kannst du erst recht nichts mehr!!
Lass es sein!! Verschone die Welt!!
Bald wird jemand sterben, du wirst schon sehen!!

Für einen Moment innehalten, um dann die Klingendose zu öffnen. Mit einem Schlag meiner Daseinsberechtigung beraubt. Die Hände eiskalt, das wird nicht bluten. Aber die Klinge ist neu. Draußen ums Haus Baulärm. Von überall her kommt der Krach, ich scheine umzingelt. Mir ein „Thema für die Sitzung heute basteln“. Markus die Schuld geben, weil mit ihm alles angefangen hat? Eine fadenscheinige und zugleich undankbare Aussage. Meine Handbeuge ansehen. Wieder drängt sich mir der Gedanke an die Volkshilfe auf und in mir eskaliert etwas. Die aktuelle Kante gestern mit einem Tropfen Blut markiert. Ob ich in diesem Rauschzustand versuchen darf zu spazieren?

Der erste Schnitt ist lächerlich. Der Zweite dezent besser. Zu zaghaft, zu vorsichtig, zu kontrolliert…

FEIGE SAU!!

30. Die Haut wie Leder. Lediglich mit der kalten Hand über den blutigen Rinnsalen kann man spüren, wie heiß zumindest mein Lebenssaft ist. Er strahlt regelrecht Wärme ab. Mich verachten und keinerlei Betäubung. Es bleibt der Zwiespalt, ob ich mich alsbald auf den Weg mache oder mir endgültig mit Benzos das Licht ausknipse. Mühselig, nun nach einem Auslöser zu suchen. Der gestrige Tag, mein Versagen, das Wetter… Ich halte mich nicht aus!!

Die Hand klimpert bis 4. Es tut mir so leid, leid um Sebastian. Der kommt nach Hause, hat eigentlich immer gute Laune, gibt sein Bestes, mich am Leben zu halten, und von mir kommt nur DRECK! Egal was ich gerade denke, es bereitet Angst! Sollte ich noch Schnaps dem Giftcocktail hinzufügen und mir weismachen, morgen sei wieder alles in Ordnung?
Die Augen wandern zur Leinwand…

VERSAGER!!

Aufstehen, gleich 10:45, das blutige Geschirrtuch verschwinden lassen, meine Zähne putzen, Schuhe anziehen und raus… Weglaufen!

15:13
Hat sich gelohnt… Jetzt ist es ein Vollrausch! Beim Ausflug wurde mir immer schwindeliger. Mittags eine volle Dosis Tramal, um nach dem Essen einzuschlafen. Mich fühlen, als hätte mich ein Zug erfasst und mitgeschleift. Äußerst riskant der Gang ins Badezimmer, mehrmals derart schwanken, dass es an ein Wunder grenzt, nicht umgefallen zu sein. Den verwundeten Arm mit heißem Wasser und Seife abgewaschen. Noch nicht fertig mit mir. Brigitte kommt in über einer Stunde und ich treibe dieselben Spielchen wie mit Sebastian jedes Mal: „Wie lange bin ich noch allein?“. Was soll sie mit mir anfangen in diesem Zustand? Erinnerungen drängen sich mir auf, ich fühle mich wie damals in der Situation. Diese Verzerrung wirft die Frage auf, ob ich überhaupt noch lebe. Die Dose mit den Rasierklingen aus der Tasche ziehen. Sollte es eine nagelneue Klinge sein? Mir ist schlecht und in der Eingangstür steckt draußen der Schlüssel… Jedes Knacken im Flur lässt mich zusammen fahren. Dejavue… Mir reicht es! So setze ich ein weiteres Mal an, sollte es doch den Arm hinab laufen und von den Fingerspitzen tropfen. Der seltsame Lichteinfall, nicht Fisch, nicht Fleisch, und wieder bei der einen Fahrt nach Pinkelfeld. In meinem Schädel scheint sich etwas auszudehnen, ein Vakuum. Nach den ersten 4 mich für ein noch in Folie verschweißtes Stück entscheiden, ein noch nicht angebrochenes kleines Kuvert.

Wie krank bist du?!!

Wenn ich das wüsste… 20 und es blutet kräftig. Es brennt dementsprechend, über die frische Wundfläche zu schneiden. Was für ein Massaker…

16:05
Hätte ich auf das Tuch verzichtet, hätte ich das Blut auf den Boden tropfen lassen, was wäre das für eine wunderschöne, große Lache geworden. Die unteren Schnitte dunkelblau. Kurzatmigkeit, während die Augen zufallen. Zugleich fühle ich keinen Ausweg, sehe um mich rum wieder nur eine Sackgasse. Keinen einzig klaren Gedanken fassen können, von produktiv endlos entfernt. Erinnerungen weiterhin auf dem Vormarsch. Ostern, irgendwelche Feierlichkeiten, das Wetter schlägt um, bedrohlich die schwarzen Wolken, die da über dem Gasthaus aufziehen. Ich sitze im Wohnzimmer auf dem Fußboden und spiele mit den unterschiedlichen Figuren aus dem stinkenden Schrank unterhalb vom Fensterbrett. Oder die Knetmasse…

Draußen klingt es, als stünde jemand vor der Tür. Ich hatte zuerst die Flecken unterm Tisch weggewischt. Ganz sporadisch mit Klopapier und Spucke. Der ganze Körper war besudelt, beide Beine, beide Arme… Sicherlich habe ich irgendwo etwas übersehen. Dann meine ich mich erinnern zu können, was für Geschenke es gab. Zu diffus das Bild davon, und genauer hinzusehen verstärkt den Druck, der auf meinen Magen ausgeübt wird. Ich erinnere mich an die Serie „Narnia“, an mich auf der Couch beim Gucken. Welche Rolle spielen die anderen? Welche die Nacht?! Bei diesen fünf Buchstaben stockt mir der Atem. Weil es etwas zu bedeuten hat ODER ich darauf förmlich getrimmt wurde?

Brigitte gegenüber so tun, als sei alles in Ordnung? Jetzt bin ich beim Kochunterricht nachmittags in der Hauptschule. Wie man spät nach Hause kommt. Reisauflauf. Hirn aus, Glotze an.

16:28
Zum dritten Mal klingelt das Telefon, diese verfluchten Telefonterroristen. Ob ich mich geirrt habe und nur aus Versehen den Termin mit meiner Therapeutin heute statt morgen eingetragen zu habe? Die Pumpe kommt auf Hochtouren, zusätzlich knallt eine Kohlmeise mir vis-a-vis gegen die Fensterscheibe.

18:36
Zum Abendessen erneut eine volle Dosis meiner Opioide. Die Panik zerlegt mich und ich wünsche mich zurück in diesen blutenden Zustand. Was bleibt mir nun? Mit dem Rollstuhl rauszufahren, abzuhauen… Ich halte mich, ich halte nichts mehr aus, als hätte ich einen Cortisonentzug am Start!

24. Juli 2017, Montag 9:35

Die Hand pendelt von 1,3 zu 2,6 Milligramm Hydal, hin und her, zögert. Irgendwie direkt nach dem Aufstehen bereits beschlossen, dass heute ein Tag für einen Abschuss gegeben ist. Die höhere Dosis einwerfen. Es krampft seit mindestens einer halben Stunde. Mir mein eigenes Video noch einmal angehört, jenes mit der Domian-Folge. Da fingen die Krämpfe an. Kausaler Zusammenhang oder nicht -unterm Strich egal. Das Essen gestern hat mein Gewicht zerschossen, 60,2 Kilogramm um 7:00 Uhr. Abends gefressen wie ein Schwein, total maßlos, mich selbst nicht mehr unter Kontrolle. Es regnet, regnet immer noch, ab und an hallt ein Donner über die Hügel, obwohl die Wolkendecke im Süden bereits aufbricht. Meine Träume waren so… Konfus? In einem Teil entdeckte ich alte, längst vergessene Videokassetten mit Filmprojekten von mir. Relativ schnell war klar, dass eine davon aus der Zeit direkt nach der Diagnose stammen musste. Meine Freundin führte die Kamera und ich inszenierte mich oben auf meinem Hügel zu depressiven Gedanken, die ich von mir gab. Die Kamera wanderte um mich herum, während ich im abendlichen Sonnenschein den Strumpf vom Arm streifte… Die Schnitte tiefschwarz, tief, breit. Mein Gedanke im Traum dazu: „Da habe ich es wenigstens noch ordentlich gemacht!“, sicherlich inspiriert vom Missbrauchsbuch, in dem ich gestern erst las, wie die Protagonistin für sich die Selbstverletzung entdeckt und dann noch einen Selbstmordversuch wagt, indem sie sich die Pulsadern aufschlitzt. In einer anderen Sequenz sollte ich vom Gasthaus ausgehend die Straße runter fahren, in Richtung Fürstenfeld. Die Straße wurde zum Sinnbild für die Zeit und ich wusste ganz genau, würde ich dort bei der einen Kurve ankommen, würde meine Oma sterben. Es war berechenbar, es war klar, dass sie nicht älter werden würde und ich sie dort tot antreffen müsste. Wie immer glaube ich auch heute, dass da zwischen den Zeilen einiges verloren gegangen ist, also ich nicht erinnern kann. Vor allem etwas, das entscheidend wäre.

Ich komme am Bild nicht voran, ich drehe mich im Kreis, Male ständig dieselben Passagen.

Dilettant!!

Mich an meinem Perfektionismus aufhängen oder sind die Makel „wahrhaftig“ und müssen verbessert werden? Ständig daneben malen, ausbessern, daneben malen, ausbessern. Ein Zustand abends; diese Mischung aus Panik und Erinnerung lag mir schwer im Magen. Vielleicht auch dagegen angefressen. Also die Domian-Folge ein Schlag in die Magengrube und man darf sich fragen, warum ich das absichtlich mache. Hinterher, wie nach einer Initialzündung, nur noch das Bedürfnis, mir Dokumentationen über Missbrauch nebenher anzusehen/anzuhören. Teilweise schon x-mal konsumiert.
Der Eingang vom Katheter schmerzt. Nachts im Bett feststellen müssen, dass das Loch eitert. Im besten Fall kam das Blut zuletzt im Schlauch davon und nicht von einer Blasensinfektion. Mein Rücken ist beleidigt. Eingeschlafen meiner Meinung nach auch erst um 2. Alles perfekte Voraussetzungen mich erstens abzuschießen und dann schlafen zu legen. Steht heute wieder Entwässerung an? Wenn ich meinen Körper schon vergifte, dann richtig? Zum Abendessen zwei Stück Blechkuchen von meiner Mutter, dann noch einen Becher Sauermilch mit Mango, dann noch eine Milchschnitte, drei Bonbons und später zu allem Überfluss eine Lakritzschnecke!

FETTE MASTSAU!!

Ich bin nicht wirklich müde, aber ich möchte so gerne in meinen Träumen nach Antworten suchen. Ich sollte ernsthaft aufstehen und ein paar Schritte gehen. Aber ich klebe fest und überlasse es der Pharmaindustrie, meine Probleme zu lösen. Beziehungsweise mein aktuelles Hauptproblem im rechten Bein.

Von Thema zu Thema springen, unkoordiniert, chaotisch…

BORDERLINER!!!!

Die Rechte klimpert. Ich will nicht denken, mich nicht erneut in zusammenhangslosen Erinnerungen verlieren müssen.
Die Heizdecke, die sich nach 90 Minuten ausschaltet, erneut in Betrieb nehmen. Den Schmetterling fixieren… Ich bräuchte Farben mit mehr Pigmenten! Jene, die ich habe, decken nicht. Ein winziger Fehler erfordert stundenlanges Ausbessern, unzählige Schichten, die aufgetragen werden müssen. Das Dunkelblau draußen geht in Weiß über. Glänzend hängen Himbeeren in den Sträuchern. Die Stoppuhr anschmeißen und weitermachen. Wahrscheinlich wäre Musik besser für mich und das Bild…

Zusammenhangsloser Scheißdreck!!

Erinnerungen… So wie ich abends an meine Eltern dachte, sie auch nur als Opfer ihrer Eltern und Umwelt wahrnehmen konnte, jeden für sich mit seinen menschlichen Marotten und mir tat alles leid, warum ich allen das Leben so schwer machen muss, es könnte doch so einfach sein, mit einem Augenzwinkern hinnehmen, wie der andere ist, anstatt aus allem ein Drama zu produzieren… Und schlussendlich sie sterben zu sehen…
Schwer schlucken müssen. Geh an die Arbeit!

10:12
Unten fährt der Müllwagen vorbei, heute wird Papier abgeholt und ich bekomme schlagartig Panik. Unterdes krampft das Bein unterm Tisch ambitioniert und unbeeindruckt weiter. Das Licht wird heller und heller und zugleich spüre ich die Dunstglocke, die sich dank Morphium auf mein Haupt senkt. Heller wird zu ersten Sonnenstrahlen, mein Rücken total angepisst.

JAMMER, JAMMER, JAMMER!!

Wie meine Mutter… Wie eine Oma. Jetzt wird mir auch noch schlecht. Der eventuelle Plan, aufs Laufband zu gehen, wiegt schwer auf mir wie ein schlechtes Gewissen. Wann wohl Markus anrufen wird? Er will diese Woche mit einem speziellen Verfahren beginnen, mit leichter Trance; ich habe vergessen, wie man das nennt. Es genügt der Gedanke an das Klingeln vom Telefon -Panik!! Das habe ich ihm auch letzte Woche verdeutlicht und erst später musste ich mir klarmachen, dass ICH es war, die ihm eine Mail geschickt hatte nach dem ersten Gespräch am Montag oder Dienstag (ich weiß es nicht mehr), wie schlecht es mir hinterher gegangen sei. Ganz schön undankbar von mir…

Miststück!!

Und was war das gestern für eine Glanzleistung? Mir diverse Leute bei Facebook angeguckt, diverse Kommentare geschoben, lediglich um auf mich aufmerksam zu machen, mich anzubiedern und dann SCHLUSSENDLICH mein eigenes Profil zu studieren, um zu sehen, was die jeweilige Person dann zu sehen bekommt, ob es sie interessieren könnte usw. und so fort… Ich soll kein Narzisst sein?! Schwer vorstellbar! Und allein dafür hätte ich mich aufschlitzen sollen!!

11:19
Zwei Stunden gemalt, 0 Ergebnis, nur noch mehr Fässer aufgemacht. Jetzt Zähneputzen und dann noch aufs Laufband? Der Himmel ist wieder grau, die Dunstglocke hat sich vor geraumer Zeit auf den gesamten Körper ausgeweitet und mein Bein befriedet. Diese Baustelle erneut aufreißen?

11:49
Unten bei Emma und Rudi meine Arbeitskollegen, wie von ihr angekündigt helfen sie dabei das Holz einzuräumen. Es machte mich unruhig, zumal ich nachts auch noch von ihnen geträumt habe, vom Büro, dass man mir diverse Akten auf meinen Tisch geknallt hätte, also Arbeit, die ich machen hätte sollen, dabei ich nicht einmal in der Lage umzublättern. Noch ganz andere haarsträubende Sachen spielten sich da ab, es kam zu einem Traum im Traum. Also die Stimmen unten zu hören löste in mir Unruhe aus. Also noch mehr. Die Zähne geputzt und sodann der Blick in den Spiegel zu tief: „Was für ein Wrack!“…

WAS FÜR EINE ALTE, DRECKIGE HACKFRESSE!!

Anstatt aufs Laufband zu gehen zurück ins Wohnzimmer, den kleinen Tischspiegel im Gepäck. Der Anblick wurde nur schlimmer und ich kann nichts daran ändern! Mich dafür entschieden, um wenigstens etwas zu leisten jetzt meine Physiotherapie durchzuziehen. Etwas ausführlicher als sonst. Vom aufrecht Sitzen stellen sich alsbald noch mehr Schmerzen ein. Wie so ein altes Waschweib!

Und immer nur DU, DU, DU!!!!

Wieder ein falscher Gedanke, versinnbildlicht Abrutschen und keine Luft mehr bekommen. Was war es jetzt? Gleich Mittagspause, Sebastian kommt nach Hause, es gibt irgendetwas zu essen, ESSEN?! Er sieht mich… „Du hast schlichtweg zu viel Zeit, nachzudenken! Du brauchst eine ordentliche Beschäftigung!“. Mir einreden, auch später noch Spazieren zu können. Mir weismachen, das Gewicht käme auch von den stark geschwollenen Füßen gestern. Mir glaubhaft machen, zumindest oben rum bei den Schultern das Spiegelbild betreffend nicht so schlimm auszusehen wie in meiner Vorstellung von mir. Die Hand klimpert bis 4, das junge Rotkehlchen sitzt am Ende vom Wäscheständer und wagt sich nicht so recht ans Buffet, auch wenn es da allerhand Leckereien für seinen spitzen Insektenfresserschnabel zu holen gäbe. Die Mehlmotten, die Haferflocken und Nüsse, die in dem kleinen durchsichtigen Container mittlerweile von Mottenlarven durchsetzt sind; es gibt also lebendiges Eiweiß zu futtern. Eine der jungen Kohlmeise hatte zuvor eine Ewigkeit den Schnabel voll mit Spinnweben, was durchaus amüsant zu beobachten war. Typisches Schlechtwetter: die Insekten fliegen nicht und so ein Ausflug ins Restaurant kommt da gut an.
Ich höre unseren Golf…

14:24
Es ist wohl kaum Sinn der Sache, dass ich den ganzen Tag Panik schiebe, dass Markus anruft. Was ist, wenn er es heute nicht tut? Mich den ganzen Tag von den Gefühlen auffressen lassen, um morgen an selbiger Stelle weiter zu machen? Dieses „Eine Regelmäßigkeit lässt mein Gesundheitszustand nicht zu. Ich kann dir keinen Termin versprechen.“ macht mich krank. Wieder oder besser gesagt immer noch tendenziell damit einverstanden, Beruhigungsmittel zu schlucken. Nebenher die zweite Runde Abführmittel und eine halbe Entwässerungstablette zum Mittagessen. Es hat noch kräftig geregnet, das Fernsehbild war zwischenzeitlich zusammengebrochen, aber jetzt versucht es die Sonne noch einmal. Täte ich gut daran, laut Musik anzumachen und die Arbeit am Bild nahtlos aufzunehmen? Viel zu viel gegessen, gefressen, schon wieder. Zuletzt das alte Video von mir zu kucken, in dem ich berichte, im Krankenhaus wenn überhaupt nur die Hälfte meiner Mahlzeiten zu essen und ich sehe da eine Version von mir, acht Kilo leichter, tat weh. Aber meine Bemühungen, egal in welche Richtung, waren bis jetzt umsonst. Ehe sich die Hand kaputtklimpert lieber den Pinsel ergreifen…

15:42
Was zeichnet sich hier ab? Der Versuch, irgendwie zu überstehen? Bis dato kein Anruf. Eine Stunde gemalt, eine Dreiviertelstunde davon den unteren Flügel aufgebaut, um ihn in den restlichen 15 Minuten wieder zu demontieren, bzw. die Zeichnung mit deckender Farbe ungeschehen machen.

Was bist du für ein Trottel??!!

Ich kann es nicht, kann es einfach nicht, ich bin zu blöd dafür! Die Pinselstriche werden immer zu derb und dann noch unfähig das Muster naturgetreu zu übertragen. Der Himmel ist wieder grau. Mir ist speiübel, was ich mitunter verstehen würde, wäre der Katheterbeutel mittlerweile prall gefüllt. Aber nein! Nichts dergleichen! Mein Gesicht wieder speckig, es wieder waschen, womit ich es sicherlich noch schlimmer mache. Und hatte ich nicht gerade in Erwägung gezogen, vor mir selbst Reißaus zu nehmen, mit dem Buch raus zu fahren, um dort zu lesen? Weit weg von meinen Klingen, meinen Tabletten und ganz besonders meinem „Scheitern“? Genau da setzt der Regen wieder ein.
Sebastian die Einkaufsliste schicken. Noch sicherlich eineinhalb Stunden alleine. Und selbst wenn er da ist, geht er wie gewohnt nach oben und ich immer noch auf mich selbst zurückgeworfen. Verzweifelt rattert es in meinem Schädel… Was nun? Das Licht nicht aushalten. Das Donnern der nicht abreißenden Flugzeuge nicht aushalten. Um mich herum herrscht Unordnung… Unerträglich. Es prasselt und prasselt. Bei dem Gedanken, neues Futter aufzutragen und mich vor die offene Terrassentür zu setzen, Panik. Weil die Dämonen in mir bereits beschlossene Sache mit der Entgleisung gemacht haben? Kann ich es nicht aushalten oder will ich es nicht? Warum versuche ich nicht, dem Saustall Herr zu werden? Weil mir zu einem Teil schrecklich davor ekelt? Dreck in der Küche? Dreck im Abfluss und sofort die Assoziation zu Geschlechtsteilen, zu meinen, zu anderen und prompt stellen sich mir die Haare im Nacken zu Berge, auf den Unterarmen, so sehr, dass es brennt. Was für einen Knall muss man haben!! Ritzen oder Tabletten? Eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei und unendlich…

DU hast die Volkshilfe abbestellt!

Ob Sebastian später ein wenig aufräumt? Ob ich das von ihm fordern darf? Letztens meinte er wieder einmal, ich solle aufhören mich für jeden Scheiß zu bedanken: „Na und? Das hast du früher alles für mich gemacht!!“. Nur sind seine Ansprüche an Ordnung andere als meine. Beruhigungstabletten und dann im besten Fall lesen oder fernsehen? Ich fühle mich so dreckig, der Schädel glüht, obwohl es eigentlich angenehm kühl ist. Eine neue Rasierklinge? Irgendwo im Wäschekorb liegen diverse Verbände, frisch gewaschen. Keine Entscheidung treffen zu können frisst auch Zeit und so wird es 16:11. Die Idee vor mir her schieben, dass es morgen noch viel schlimmer sein könnte, womit eine Temesta eher gerechtfertigt sei als heute? Und das jeden Tag, von Tag zu Tag? Wer weiß, wie viel Morphium ich mir heute noch einschießen darf. Warum schlafe ich nicht einfach? Den Katheter bewegt zieht ein stechender Schmerz zwischen die Beine. Den Beutel entleeren und dann weiter sehen…

16:31
Mein Gesicht gewaschen, meine Hände gewaschen, den linken Unterarm gewaschen, dem Schorf mit dem Einmalrasierer zu Leibe gerückt, abgerutscht und quer über die Innenseite einen oberflächlichen Schnitt produziert. So oder so, die Rasierklinge käme ohne Tablette nicht aus. Die Blechdose in der Tasche auf meinem Rollator. Wozu das alles? Die kümmerlichen Reste abkratzen… NICHTS bleibt zurück! Der Arm verkriecht sich zurück in seinen schwarzen Strumpf.

18:26
Er kommt nach Hause, räumt mir zuliebe auf, und ich ersaufe in der diffusen Angst. 1 Temesta.

23. Juli 2017, Sonntag 11:37

59,5 um 7:15. Wie aus guter binnen Sekunden schlechte Laune wird… Eine Anleitung: Ich malte, nach 75 Minuten produzierte die Hand nur noch Fehler, trotz allem weitere 15 Minuten (weil das Endergebnis besser aussieht), mit dem hehren Ziel, eventuell noch aufs Laufband zu gehen, das Handy auf den Rollator gepackt und ins Bad zum Zähneputzen, dort aber nicht mehr in der Lage die Hand während diesem Prozess hochzuhalten, eigentlich schieben nur meine Wangen die Bürste von links nach rechts, der Sport wird verworfen, zurück im Wohnzimmer setzt sich doch tatsächlich ein junger Zilpalp direkt vor mir auf die Fenstersprosse, wieder und wieder, doch erst vermag ich meine mittlerweile zur Faust verkommene Hand NUR in einer anstrengenden und Ewigkeiten dauernden Prozedur durch die Schlaufe der Kamera zu zwängen, dann spinnt diese wieder, kann die Karte nicht lesen, und dann war’s das mit dem Vogel!! Schon wart der nächste Magengeschwüransatz geboren! Es waren mindestens zwei Minuten, in denen mir der kleine Piepmatz die Chance lieferte, ihn vis-a-vis für immer festzuhalten! Einen jener Vögel, die sich das Jahr über so gut wie nie blicken lassen! Danke auch!

Es brodelt in mir. Würde mir selbst am liebsten in die Hand beißen. Da darf man sich ja direkt aufs Mittagessen freuen… Ich sollte auf Flüssignahrung umsteigen! Beziehungsweise bereits gestern darüber nachgedacht, diese Schaumstoffrollen über die Griffe vom Besteck zu stülpen. Und dann? Deswegen vermag ich immer noch nicht die Gabel zum Mund zu führen! Wenn ich so wenigstens abnehmen würde, aber mein Körper scheint aus weniger Kalorien mehr zu machen! Ist es mehr, ist es weniger, es spielt keine Rolle. Das Stadium der hochträchtigen Mastsau einfach nicht verlassen.
Während ich mich mit Sebastian unterhalte, flattert rotzfrech die junge Blaumeise erneut zur offenen Tür herein und landet für eine Sekunde auf meinem Bildschirm. Dann fliegt sie wieder hinaus, sitzt am äußersten Ast, der der offenen Tür am nächsten ist, schielt herein, setzt ein zweites Mal zum Flug an und macht direkt in der offenen Tür eine Kehrtwende. Dabei im Restaurant das Buffet zuvor erst aufgefüllt. Was sieht sie? Die unterschiedlichen Eimer mit diversen Vogelleckereien? Eigentlich sollte man ihr einen Namen geben. Denn im Gegensatz zu ihren Kollegen fliegt sie ganz zielgerichtet und ohne Panik ins Zimmer und weiß genau, wonach sie Ausschau hält. Die anderen knallen dann regelmäßig links oder rechts an eine der Fensterscheiben, ehe sie wieder den Weg hinaus finden. Na wenigstens eine kleine Ablenkung, weg von der brodelnden Suppe in meinem Magen. Er meinte vorher, das seien jetzt die heißesten drei Tage; abends das Zimmerthermometer auf über 27 Grad Celsius. Es war unerträglich, die Luft stand. Dafür aber die Krämpfe betreffend recht gut weggekommen. Nach kurzer Überlegung kommt man so zu der Schlussfolgerung, dass es besser sei, nie wieder zu trainieren oder spazieren zu gehen, denn das wäre erst die Grundlage der ganzen Scheiße. Und jetzt habe ich die Wahl: den Verfall etwas ausbremsen oder ansatzweise schmerzfrei… Pest oder Cholera!

15:32
Es beginnt zu regnen und eigentlich wollte ich jetzt raus, eine Flasche Wasser, das Stativ und mein Missbrauchsbuch im Gepäck, um mich wieder in der Einfahrt zu postieren, bereit, alles was vorüber fliegt aufzunehmen. Die rechte Hand klimpert auf dem linken Unterarm herum, zählt von 1-4, hoch und runter. Oder versuchen zu malen? Es ist unerträglich schwül und draußen sicher angenehmer als hier im Raum. Wieder so ein Moment, wo ich mir mein Atelier draußen wünsche. Überdacht, aber nach außen hin alles offen. Am besten so, dass die Vögel zu mir kommen können. Ich aber auch meine Sachen dort liegen lassen kann, sich die Seiten irgendwie einfach schließen lassen. Das wäre die Wucht. So bleibt es wieder dabei, dass von den dreien ein Terrassentürflügel geöffnet ist, und das leider auch nicht mir direkt gegenüber. Zu diesem Zwecke müsste man erst die Bank, Fines Schlafplatz, wegräumen. Viel zu viel Aufwand… Die Farben abdecken und es versuchen, während draußen aus der Distanz ein Donner übers Land zieht.

16:57
Martha schleicht in der Küche herum, riecht die Reste vom Hühnchen. Ständig ein Auge auf sie werfen, dass sie keinen Mist baut. Ich halte Sommerregen nicht aus. Nicht den Geruch, nicht die grauen Wolken… In Gedanken wieder bei dieser einen Fahrt. Nur dieses Mal gesellt sich dazu auch noch jene mit meinem Bruder allein mit dem Bus nach Graz zu meiner Oma. Wieder und wieder dieselbe Scheiße. Eine Stunde habe ich noch gemalt, jetzt erneut alles im Arsch. Verzweifelt klammerte ich mich das Bild, an die Tätigkeit, um eben bei diesem Wetter nicht meine Sterbefantasien durchkauen zu müssen. Das Handgelenk sitzt locker, will zum Temesta greifen. Und wieder kann ich nicht benennen, worin sich dieses Unwohlsein begründet… Nun einmal abgesehen von den zukünftigen Todesfällen in meiner Fantasie. Da kann ich wenigstens davon ausgehen, im besten Fall vorher das Zeitliche zu segnen.
Meine fette Wampe heraushängen lassen, um mein Kreuz zu entlasten… Dejavue und die Vorahnung, alsbald wegzutreten… Und als ich das diktiere, wandere ich ungefragt in meinen Gedanken zurück zu einer Situation, das Alter unbekannt, meine Mutter mit uns in der Videothek, Kassetten werden ausgeliehen, für mich gibt es Märchen… Beide Hände klimpern. Alles mögliche vermischt sich, Tatsachen, Träume, beiläufige Gedanken. Jetzt steht meine Mutter am Bügelbrett. Es riecht nach Waschmittel. Fußballspiel und mein Bruder steht im Tor.
In mich hinein fragen: „Und nachts? Was passiert nachts?“. Was war damals, als Mario und ich gemeinsam das Zimmer teilten? Ich kann mich an so gut wie nichts erinnern. So klein war ich doch nicht mehr…

Würde ich die Reifen total schmutzig machen, wenn ich doch noch raus fahre? Weg von meinen Ängsten? Meiner Panik?… Ganz kurz blitzt da eine neue Erinnerung in mir auf. Irgendetwas mit Buntstiften. Basteln und Malen in der Volksschule? Entsetzlich! Jetzt sehe ich draußen den Herbst, wie er langsam kommt, um mich zu holen! Meine Atmung wird flacher, schneller. Warum heute Nacht schon wieder vom Haus meiner Schulfreundin geträumt? Auch gestern hatten meine Oma und ich auf dem Feldweg zu Somas Bauernhaus Halt gemacht und ich an der Stelle Schmetterlinge gemalt, ehe von unten ein Bauer kam und eben eine Frage stellte, an die ich mich immer noch nicht erinnere. Ich weiß noch damals, da stand ihr Vater vor dem Haus, splitterfasernackt und streckte sich. Wie alt mag ich gewesen sein? 9-11 oder so? Zu diesem Zeitpunkt habe ich vermeintlich den ersten Penis in meinem Leben gesehen. Ich wusste gar nicht, wo ich hinsehen soll. Für ihn, für seine Kinder war das völlig normal. Diese alten Hippies… War es sein Bruder, der in Indien Selbstmord versucht und dabei mit beiden Händen eine Stromleitung angefasst hatte? Er hat es überlebt, seine Arme nicht. Beide hat es ihm weggerissen und ich war immer wieder fasziniert, wie er sich mit seinen Füßen eine Zigarette ansteckte oder etwas aß. Im Traum immer wieder das Haus, weil es etwas Mysteriöses hatte? Erst recht damals, als ich mit riesigen Ohren draußen stand und mich über die fremdartigen Gesänge gewundert habe. „Sie meditieren.“, sagte Soma zu mir. Das Haus Sinnbild für mein eigenes Rätsel?

Erneut blinzelt die Sonne zwischen der dunkelblauen Wolkenschicht hervor. Raus oder nicht?

22. Juli 2017, Samstag 14:24

59,6 um 8:45. Ich warte. Ich warte nur noch darauf, dass es knallt! Sebastians Schwester mit Mann und Kind waren zu Mittag kurz zu Besuch, machen ab jetzt Urlaub in Ungarn. Statt Frühstück wurde gegrillt, nach dem Essen fuhren sie wieder, ich mit dem Rollstuhl ins Badezimmer, hielt mein Gesicht unter den Wasserhahn und dann kurz davor, abzudriften. Aber es geschah nicht… Weil ich es abgefangen habe, mehr oder minder bewusst? Seitdem sitze ich hier an meinem Tisch, das Headset auf dem Kopf, wühle mich mit dem Diktierprogramm durch diverse Sachen, die ich fürs Büro machen soll, und das Dejavuegefühl reißt nicht mehr ab! In dieser Vorstufe tauchen wieder vor Urzeiten verschüttete Kindheitserinnerungen auf. Wieder fahre ich mit meiner Oma nach Graz. An irgendeine Hochzeitsfeier muss ich denken. Meine Barbiepuppen dabei, meine Mutter „fährt schauen“. Ich sehe einen Bauernhof, höre Musik, Ziehharmonika und Teufelsgeige. Dann wieder 14, Sommerferien, Fernsehprogramm. Hin und her, vor und zurück. Dann mit meiner Oma in diesem Märchenwald, in dem man mit einer Minilok durch die einzelnen Stationen fahren kann. Dann sehe ich den Wald auf dem Weg nach Fürstenfeld, denke an Ballettunterricht, höre im Kopf „den Tanz der Blumenkinder“ von Offenbach, fast zwanghaft dazu das leere Gasthaus, das Raunen, den Wind. Heftiger Druck auf die Magengegend. Genauso bei jeglicher Erinnerung an familiäre Urlaubsfahrten. Na los! Hau mich um! Mach endlich! Was ich nachts geträumt habe, weiß ich nicht mehr. Nur fragmentarisch kann ich berichten, was da zu sehen war. Mein Dorf war zugleich meine Leinwand. Mit meiner Oma aus Fürstenfeld spazierte ich durchs Dorf, machte immer wieder an diversen Stellen halt, wo ich noch nicht zu Ende gemalt hatte. Da kam ein Mann, irgendein Mann und fragte etwas… Was war das bloß? Was ist dann passiert? Ich sehe nur Nebel und der genügt, mir Angst zu machen. Zuvor sehr wohl wieder in Erwägung gezogen, eine Beruhigungstablette zu schlucken. Morgens in der Phase des Wartens ohnehin unmöglich, irgendwelche Dinge in Angriff zu nehmen, nun eben unfähig. Das Essen musste mir Sebastian klein schneiden, die Gabel zum Mund zu führen ein Unding. Für schlechte Laune gesorgt, als ich das kurz ansprach, ein entnervtes Brummen geerntet; mich unverstanden gefühlt zog ich zu diesem Zeitpunkt erst recht in Erwägung, mich abzuschießen. Ein wertloser Tag. Constanze sprach davon, dass die Kleine Verlustängste hätte, mit dazugehörigem Symptomspektrum. Bei mir als Kind war das alles normal… Die ganze ins Bett Pisserei. Vielleicht sollte ich mir wieder das Buch schnappen, in die Einfahrt fahren, um dort zumindest weiter lesen zu können. Bevor ich gar nichts mache, hier kleben bleibe, tatenlos ins Nichts starre und um mich irgendwann für dieses Verhalten bestrafen zu müssen. Ebenso könnte ich mich neben Sebastian setzen, sein Fußballverein spielt, und schlafen… Aber das würde ich mir erst recht nicht verzeihen, oder?
Noch mehr Erinnerungen…

17:56
Regen, Sonne, sekundenlanger Weltuntergang, Sonne. Jegliche Hoffnung -so jemals aufgekommen- muss begraben werden. Aus mir, aus meinen Händen ist heute nichts mehr raus zu holen. Nichts außer grobschlächtigen „Handgriffen“. Wie zum Beispiel jener, soeben vollzogen… Sebastian hat uns Eis gemacht, Vanilleeis mit Nektarinenstücken, Schlag aus der Dose und Waffeln. Und wie ich gefressen habe, nur darauf wartend, dass er endlich nach oben geht, sich die Tür hinter ihm schließt und ich mich im Badezimmer verbarrikadieren kann. Also den Löffel in den Rachen zu stoßen, das ging sehr wohl noch. Der Witz ist, mir fallen plötzlich wieder so viele wunderbare Sachen ein, die ich mir kaufen könnte, um sie dann im Zuge einer Fressattacke inflationär in mich hinein zu stopfen. Ausgang bekannt. Ich habe richtig Lust auf diverse Dinge/Lebensmittel/Sünden. Gestern nach dem zweiten Mal zeichneten sich tiefschwarze Ringe unter den Augen ab, und es war gut so. Da erfasst mich die Panik schon wieder. Zeitgleich erinnere ich mich an den Tag, als mir meine Oma in Graz diesen Friseursalon für die Barbiepuppe gekauft hat. Abschließend sei auch noch gesagt, dass sich die Nektarinen nicht wieder hoch holen ließen; lagen zu schwer im Magen. Wermutstropfen, was soll’s. Die Vögel tun schon wieder so, als würden sie verhungern. Alsbald werden sie wie gewohnt gegen die Scheiben knallen. Wollen sie so auf sich aufmerksam machen? Oder vermenschliche ich sie da zu sehr? In mir kämpfen Unruhe und dezenter Rauschzustand. Mein Leben geht den Bach runter, da kann ich nicht ruhig bleiben. Meine rechte Hand klimpert unablässig. Kopfschmerzen stellen sich ein. Dejavue jagt Dejavue. Aufstehen, um meinen Lieblingen neues Futter zu liefern. Man will die Kundschaft ja nicht vergraulen!

Draußen auf der Treppe für einen Moment ins Wanken geraten und zu stürzen drohen. Das habe ich bis jetzt einmal geschafft, die Narbe immer noch am Hals. Der erste Gast ist eine Sumpfmeise; unterdes nimmt der Rauschzustand zu. Dabei nichts Verwerfliches eingeworfen… Nachmittags lediglich gleich 2,6 Milligramm Hydal, die Krämpfe zeigten sich unbeeindruckt von jeglicher Manipulation meinerseits. Gestern Nacht war es gleichsam zermürbend. Erinnerung jagt Erinnerung jagt Erinnerung.

19:31
Nach viel zu vielen Gelatinesüßigkeiten nun auch noch Schokolade! Nach zwei Stückchen davon darf ich nur froh darüber sein, dass sie erstens viel zu weich ist und zweitens ranzig schmeckt! Den widerwärtigen Geschmack nicht mehr aus dem Mund bekommen! Draußen legt sich der Abend übers Land, es wird still am Restaurant. Ich könnte ohne Vorwarnung unverzüglich einschlafen. Zugleich blättert mein Gehirn weiterhin Assoziationen mit Außenreizen durch, liefert mir ein Dejavue nach dem anderen, einhergehend mit Kindheitserinnerungen. Ich sei auf einem guten Weg… Meint Markus, meint Brigitte. Vielleicht sollte ich Wetten anbieten, mit lukrativen Quoten: „Überlebt sie es oder überlebt sie es nicht?!“. Auf dem Wäscheständer eine Kohlmeise, klopft den Sonnenblumenkern zwischen ihren Füßen auf. Es ist so betäubend ruhig geworden, den Übergang von abendlichem Singdrosselgesang hin zu nur noch sporadischen Rufen diverser anderer Vögel einfach nicht mitbekommen. Und jetzt ist der nächste Samstag vorbei. Nichts geleistet, keinen einzigen Strich gemacht. Außer ein paar Mal den Staubsauger zu schwingen… Das muss ich übrigens noch einmal machen, das Sofa voller Krümel. Abends noch ganz besessen an meinem Arm herumgekratzt. So sehr, dass es wieder geblutet hat. Aber nichts ist übrig geblieben, ich zum Versagen verdammt…

Beschissener JAMMERLAPPEN!!

Im Buch gelesen, wie die Protagonisten ihren ersten Selbstmordversuch unternimmt, und kläglich scheitert. Paracetamol ist auch nicht unbedingt prädestiniert für solch eine Planung. Weckt aber in mir die Lust, den Befund von der Intensivstation wieder einmal hervor zu kramen und durchzulesen. Was bräuchte ich eine Bestätigung, irgendetwas zu Stande gebracht zu haben. Als sei DAS etwas, das man „leistet“. Dabei Schuldgefühle Sebastian gegenüber, um ihn zugleich jetzt im abendlichen Licht wieder sterben zu sehen und mich zu fragen, wie viel Zeit uns noch bleibt. Goldige Lichtpunkte auf vereinzelten Saalweidenblätter im Garten, wie geschmückt sehen die Bäume aus. Zurückversetzt in meine Kindheit, ich sitze hinter der Garage und beweine den noch nicht stattgefundenen Tod meiner Mutter im Abendrot. Das Kind beweint auch sich selbst, weil es „zwangsläufig“ im Anschluss auch sterben wird.

Was hat der Mann im Traum gesagt? Was wollte er? Belanglos oder doch von Bedeutung?…

21. Juli 2017, Freitag 8:53

 

59,6 um 7; verdammt, es gab zu Mittag Salat!! SALAT!! Nicht mehr als das! Nachts eine halbe Entwässerungstablette, der Beutel morgens mit zwei Litern prall gefüllt. Aber davon kein Anzeichen auf der Waage. Ich will gar nicht wissen, was es OHNE die Tablette für ein Gewicht gegeben hätte! Dabei abends wieder nur Rohkost, bis auf den Käse ohne Salz. Mein Körper zeigt mir die Arschkarte. Aber zumindest scheine ich nun in meinen Träumen allmählich den Kampf gegen meine Dämonen aufzunehmen, und nicht nur einfach weg zu rennen. Dem voraus… Ich wollte gerade ins Bett klettern, Sebastian glotzte in sein Handy und fragte beiläufig: „Mochtest du nicht Linkin Park?“. Intuitiv wusste ich, worauf die Frage hin zielte: „Wer ist gestorben?!“. „Der Sänger… Suizid.“.
Es war unerträglich schwül, Sebastian schnarchte, aber ich vermochte auch so nicht einzuschlafen. Mehrmals hatte er in der Dunkelheit ohne Vorwarnung auf die Matratze geschlagen, ich war jedes Mal vor Schreck einem Herzinfarkt nahe erstarrt. Angeblich war da irgendwo eine Stechmücke und auf seiner Matratze ein Käfer, der ihn nervte.
Ach ja, einen Kommentar konnte ich mir nicht verkneifen: „Da hat das ganze Christengeseiere auch nichts mehr geholfen…“. Das war der einzige Punkt, der mich an der Band etwas „abgestoßen“ hat. Aber die Texte, die Videos mit dem Mädchen, das sich die Arme aufschlitzt, kamen sicherlich nicht von ungefähr.

Das Diktierprogramm funktioniert schon wieder nicht, bremst mich aus. Aber nun noch ganz kurz zu meinen Träumen… In einem davon traf ich im Gasthaus auf den Nachbarn meiner Mutter und ich beschimpfte ihn auf Teufel komm raus. Was er sich eigentlich einbildet, er mit seiner Sekte und seinem Hirngewäsch, solch einen Schwachsinn über mich zu verbreiten, dass ich eine Gefahr für den Straßenverkehr sei mit meinem Rollstuhl, wenn ich Morphium nehme. Aber zugleich tröstete ich ihn auch: „Keine Sorge! Ich mache da keinen Unterschied, zwischen euch, der katholischen Kirche, den Evangelen oder sonst irgend einer Kirche!!“. Im letzten Traumabschnitt prügelte ich mich mit Nazis. Die waren bereits mit Schlagring und Messern angerückt. Doch erst habe ich sie angespuckt, um sie anschließend zu verfolgen, den Katheterbeutel wie einen Feuerwehrschlauch auf sie gerichtet. Erst am Schluss rannte ich weg, tauchte unter, denn der größte Teil vom Dorf war mittlerweile rechts angesiedelt. Und was war es mir für eine Freude, einen alt eingesessenen Bauern zu beschimpfen. Erst sagte er, wir Weiber seien alle Huren. Eine Steilvorlage für mich und Rechtfertigung ihn eine „Umweltschlampe“ zu nennen… Zu Beginn dieses Traums hatte ich beobachtet, wie sie mit einem kleinen Lastwagen in den Wald gefahren sind, um dort illegal Müll abzuladen.

Aber nun sollte ich wieder die Musik anwerfen und mich aufs Bild konzentrieren, ehe meine Ressourcen zu schwinden beginnen…

15:25
Womit beginnt das Unheil? Mit dem Gewicht heute Morgen? Mit dem Spaziergang? Der Pizza zu Mittag? Das Gehen war eine Katastrophe, beinahe hätte ich es nicht mehr bis nach Hause geschafft. Um dann wieder einmal die Leiche zu mimen… Ursprünglich war geplant, dass Sebastian nachmittags nach Fürstenfeld fährt, ich sollte mitkommen, aber weniger mit dem Rollstuhl die Landschaft unsicher machen. Aber als er mich jetzt fragt, sage ich ernsthaft, ich bleibe besser zu Hause. Mir längst ausgemalt, was ich mit der Zeit alleine anstellen werde. Vor mir eine Teetasse, oder besser Suppentasse mit Milch, Müsli und ich will jetzt fressen und anschließend kotzen. Will mir den Rest geben. Weil ich unglücklich bin, irgendwo tief in mir drin bin ich unglücklich. Es ist viel zu warm, ich bin bewegungslos. Ich halte das nicht aus und ich will es nicht spüren müssen… Nicht darüber nachdenken müssen, dass das meine Zukunft ist!
Meine Augen gerötet, aber jetzt steht erst mal Fressattacke auf dem Programm. Ich hasse mich!!

16:25
Drei Tassen. Gefressen, als gäbe es kein Morgen mehr. Dann eine halbe Stunde lang über dem Klo hängen, mich kaum auf den Beinen halten können, der Brechreiz lässt sich nicht auslösen. Das Abwiegen davor und danach ergibt: 700 Gramm ausgespuckt. Welchen Sinn das hat? Ich habe noch tiefer in mir irgendetwas gespürt, unerreichbar fern geahnt… Die MS als Plakat außen drauf? Ernsthaft?! Das Leben erscheint wertlos. Für Sebastian am Leben bleiben? Dafür, vormittags noch spärlich etwas leisten zu können, und den Rest des Tages mit NICHTS verbringen zu müssen? Ich komme mir wie ein Verbrecher vor, ein Heuchler. Kurz bevor ich mir den langen Löffel in den Rachen stoße, noch ganz freundlich mit ihm telefoniert, Späße gemacht. Er bringt Eis mit, zuletzt von meiner Mutter Erdbeeren bekommen… Die nächste Steilvorlage für den nächsten Tauchgang in die Kanalisation? Was muss er alles mit mir durchmachen, wegen mir erdulden?! Die Chancen für den Einsatz der Rasierklinge stehen gut. Ebenso jene für eine Beruhigungstablette. Um den Nachmittag irgendwie zu überstehen. Prompt stellt sich Panik ein…

17:22
Sebastian kam nach Hause, für jeden gab es eine große Tüte Vanilleeis, er ging nach oben und mit fünfmal Würgen habe ich mich dieser Sünde entledigt. Und nun? Eis macht Spaß. Geht so einfach. Schwimmt im Magen immer oben auf. Ihm gegenüber geäußert, wie wertlos ich mich fühle und er dazu: „Du bist überhaupt nicht wertlos!! Noch nie gewesen!!“, küsste mich. Mich noch schlechter fühlen. Mit den Rasierklingen raus hinters Haus fahren, davor eine Temesta? Es gäbe noch Büroarbeit zu machen, aber ich kann jetzt nicht. Ich kann jetzt gar nichts, außer die Selbstschädigung zu forcieren… Solange ich eben DAS noch kann!…

20:11
Beide Beine krampfen. Ich bin ein Zombie. 20 Wunden, oberflächlich und bedeutungslos. Sodann stand ich in der Einfahrt und las in dem Missbrauchsbuch… Erinnerungen überfluteten mein Gehirn, ich war heillos überfordert. Auf dem Vogelrestaurant mit Sebastians Hilfe einmal Verordnung gesorgt. Ein bisschen was vom Temesta spürte ich, aber schlussendlich doch zu wenig. Ich hasse mich!

20. Juli 2017, Donnerstag 14:25

59,2 um 7. Der nagelneue Katheterbeutel hat schon wieder ein Leck, mir reicht es langsam. Ist ja schlussendlich auch meine Rezeptgebühr, die da viel zu oft drauf geht! Ich tat gut daran, zum Arbeiten Musik zu hören. Ebenso die zusätzlichen Farbtöne gestern Abend noch in diversen Schälchen vorzubereiten. Wie auch noch mehr Schmetterlinge zu suchen. Habe ich jetzt ein Konzept? Zu Mittag fragte Sebastian, ob ich abends mit dem Rollstuhl ins Dorf fahren möchte, um mit ihm gemeinsam einkaufen zu gehen. Eigentlich keine gute Idee, draußen ist es unerträglich und ich darf mir ausmalen, Sonjas Massagebemühungen erneut zu ruinieren, ganz abgesehen von den Krämpfen, die mir wieder drohen. Aber was mache ich sonst? Ich halte es auf dem Sofa, vor der Glotze nicht aus. Erstarrt auf dem Rollstuhl ausharren, Stunde um Stunde? Klimpernd dem Sekundenzeiger bei seinen Runden zusehen? Die Sicht auf mich selbst ist heute wieder etwas gnädiger. Dabei gilt es die Frage zu stellen, was ich geleistet habe… 100 Minuten an einem winzigen Schmetterling? Das Laufband anschließend hätte ich mir sparen können, ich war unfähig und spürte bereits da, was für eine Dämse heute auf uns zukommen würde. Ich sollte mir einen Tritt verpassen, die Musik anwerfen und es „einfach“ versuchen, anstatt stundenlang wertfreie Monologe darüber zu halten! Das kann ich nach dem Scheitern immer noch…

18:46
Erst ging nichts, doch ich ließ mich von der Musik treiben… Und dann klingelte das Telefon, natürlich drüben auf dem Sofa. Was mich das wieder an Kraft gekostet hat, dieses beschissene Teil zu holen, und dann war es Markus, schon wieder. Dementsprechend entnervt war ich am Telefon. Ihm gesagt, dass ich eigentlich dankbar zu sein habe, aber es wird mir zu viel. Einmal die Woche reicht. Er sagte, das sei völlig in Ordnung. Viel zu spät machte ich mich auf den Weg, allerhand Sachen gingen davor noch in die Hose (in diesem Fall zum Glück nicht im übertragenen Sinne).
Der Ventilator versucht gerade sein Bestes, die bereits in den Muskeln steckenden Krämpfe zu besänftigen. Und kaum ist es geschrieben, ein stechender Schmerz in der Blase und das linke Bein fühlt sich bemüßigt, daraufhin in Aktion zu treten und die Scheiße läuft. Ich weiß gar nicht, was mich jetzt mehr in Richtung Klinge treibt. Das Gespräch mit dem Analytiker? Oder der Umstand, dass es nun Abend wird, Abendrot und ich vorher, während über die Kopfhörer meine Laufmusik in meinen Körper floss und ich noch auf Sebastian wartete, auf dieser einen Etappe stand, die ich für die Sprints genutzt habe, und dazu dieses Missbrauchsbuch gelesen… Sie beschreibt das Brennen zwischen den Beinen. Irgendwo ganz tief vergraben in meinem Schädel so eine Ahnung, so ein leichtes Dejavue: „Das kenne ich…“. Ich habe noch nicht viel gelesen, aber das wenige geht unter die Haut. Also ich möchte jetzt rausfahren, mich verletzen. Aus heiterem Himmel. Einfach so. Weil ich so wertlos bin. Immer die gleichen Thesen und Theorien werden durchgekaut, seit Jahren. Ich fragte ihn dann, was er von mir hören will: „Aber ich erinnere mich nicht!“. Jetzt beginnt auch noch der linke Arm zu krampfen, wieder. Ich beginne tatsächlich zu frieren. Den linken Oberschenkel verprügeln. Das Tagebuch abschließen und es mir dann mit Ventilator und Heizdecke auf dem Sofa bequem machen? Zweieinhalb Stunden am Bild, 929:16 insgesamt. Den winzigen Trauerfalter abgeschlossen. Auf dem Laufband nicht mehr als 19 Minuten. 19!! Was für eine unglückselige Zahl, ich wollte zumindest 20 machen, aber es blieb mir verwehrt. Sonja hat mich ordnungsgemäß durchgeknetet, der Rücken tut erst recht weh, als hätte man ihn vermöbelt. Das muss so sein.

Eigentlich gibt es nichts mehr zu sagen. Ich habe gestern kein Temesta mehr genommen, obwohl mich die Panik an meine Grenzen brachte, und ich werde mich heute auch nicht mehr aufschlitzen. Meine Wunden lecken… Mit dem Rollator vor den Krämpfen davon schlurfen…

19. Juli 2017, Mittwoch 8:47

58,9 um 6:50. Dafür, morgens zweieinhalb Vollkorngrissini, mittags einen Apfel mit Joghurt und Müsli und spätabends Wassermelone gegessen zu haben? Zu dieser nebenher erwähnt noch eine Entwässerungstablette eingenommen zu haben?!

Und sie wird fetter und fetter!!

Mir gestern neben Mieke wie ein Koloss vorgekommen! War 2010 in der Firma nicht ICH diejenige, die als erste abgenommen hatte? Ehe erst sie und dann noch eine weitere Kollegin folgten?

Eingebildete Schlampe!! Soll das eine Leistung sein?!!!

Schlecht geschlafen. Eigentlich könnte und möchte ich sofort diesen Missstand beheben. Sebastian hat geschnarcht und ich mich an jedem störenden Geräusch regelrecht aufgehängt. Um zwischenzeitlich lediglich daran zu erkennen, dass ich geschlafen haben muss, wenn das Bildermaterial in meinem Kopf eindeutig zu surreal wurde. Erst von meiner Chefin, dann von Regina, die ich wieder traf, dieses Mal vom AMS dazu eingeteilt worden, Wohnungen aufzuräumen und zu putzen, in denen Menschen verstorben waren. Überall waren Körpersäfte ausgelaufen, es stank nach Verwesung, das aber schien die dazu verdonnerten Damen nicht sonderlich zu stören. Ich dachte die ganze Zeit nur darüber nach, was ich Sebastian antun würde mit einem Selbstmord, dass auch ich mich als Leiche unverzüglich in Flüssigkeiten auflösen würde, um so im Haus auf ewig (Holzboden) Spuren zu hinterlassen.

Ich sollte längst an die Arbeit gehen. Meine Hände fühlen sich nicht gut an. Die Arme nicht minder bedenklich. Schlechter als gestern. Schon stellt sich Panik ein. Der Schmetterling sieht scheußlich aus, oder wie ich gestern Mieke gegenüber eindrücklich betont habe: „Zehn Stunden NUR für dieses kleine Ding! Früher hätte ich das in wenigen Minuten hingefetzt!!“. Schwer seufzen. Bei dem Gedanken, irgendwo am Hauptthema ebenfalls Schmetterlinge platzieren zu wollen, dreht sich mir der Magen um. Diese 900-Stunden-Arbeit in Gefahr bringen? Dabei immer noch kein Konzept. Nicht einmal die Muße, ansatzweise darüber nachzudenken. Den ganzen Tag nicht. Noch viel schwerwiegender die Frage, ob ich heute wieder spazieren gehe. Ein anderes Oberteil angezogen; anziehen lassen würde es dabei besser treffen, so sehr schäme ich mich für meinen Körper, meine Wampe… Oder wie ich immer zu sagen pflege: „Man kann schon die fünf Ferkel sehen!“. Mastsau eben, und wahrlich nicht mehr verstehen können, warum und wovon ich zunehme. Die paar Schokoladeneskapaden? Ich hasse mich und es wird 9:03, was diesen Umstand wahrlich nicht zum Positiven zu wenden vermag…

So wird es später und noch später, 9:21 und ich musste erst ins Badezimmer schlurfen, mir das Fett von der Visage waschen, das Fett von der Brille polieren, erst das Restaurant wieder in Stand setzen. Ruhiger und entschlossener bin ich deswegen nicht. Ich ziehe in Erwägung, zur Unterstützung irgendetwas einzuwerfen. Noch einen Schuss Tramal? Das Temesta liegt immer noch rechts von mir auf dem Boden. Und es wartet, ganz geduldig. Zwei Tabletten sind noch in der Blisterpackung. Ein wunderschöner Tag, der Himmel beinahe makellos, ein zartes Lüftchen wiegt die Birken hin und her und hin und her… Das Gesicht im Spiegel aufgedunsen. Was passiert mit mir? Die Beine aufgedunsen. Mein Hirn aufgedunsen? „Frisch ans Werk!“… Hahaha…

12:11
Was habe ich geschafft? Keine 40 Minuten am Bild. Auf dem Weg nach hinten kurzerhand eine Planänderung, als ich im Spiegel sehen durfte, wie meine Haare aussehen. Die Kopfhaut kontaminiert von Schuppen. Also erst diese gewaschen, mir bereits dabei den Rücken noch mehr ramponiert und dann raus, um mit offenen, nassen Haaren lediglich zweimal die Einfahrt runter und wieder rauf zu gehen. Sah nicht gut aus. Mich jetzt auch noch den Speiseplänen zu widmen, lieferte mir eine adäquate Vorschau aufs Mittagessen…

Die fette Sau braucht nichts zu essen!!

Die Kabel wieder nicht halten können. Und nein, ich bin davon überzeugt das es nicht an meiner verschrobenen Sichtweise liegt: ICH BIN AUFGESCHWEMMT!! Draußen der Krüppelspatz hat mittlerweile sein kaputtes Bein abgeworfen und auf der linken Seite ragt nur noch ein Stumpf aus dem Gefieder. Behindert ihn nicht, er macht das gut, er denkt nicht drüber nach. Der Glückliche. Meine Beine hingegen wollen krampfen. 30 Minuten für zweimal Einfahrt. Lächerlich. Mein Rücken wird mich den Rest des Tages in den Wahnsinn treiben, das Novalgin fällt wie schon gestern das Furosemid scheinbar ins Leere. Heute ist es Ignatz Ischias der mir etwas zu sagen hat, und das bereits beim Gehen. Schön! Da lohnt es sich ja fast, das Hydal zweckzuentfremden. Scheiß drauf! Ich sterbe so oder so früher…

19:06
Mit Kakao, mindestens einer vollen Dosis vom Tramal, einem zweiten Hydal retard zwei Milligramm und einer Folge vom Meisterfälscher gegen die Panik ankämpfen. Sie will mich auffressen, zerreißen. Brigitte gegenüber all das wiederholt, was ich bereits gestern mit Markus besprochen hatte. Dieser eine Traum mit dem Gasthaus, den fand sie wie schon mein Analytiker am wichtigsten…

War es vor dem Sonntag, an dem ich auf meine Eltern traf, oder danach? Ich träumte von irgendeiner Situation auf dem Parkplatz hinterm Gasthaus. Ich war wütend, genervt und wollte dieses Mal ins Gasthaus flüchten.
[…..]
Dann war ich aufgewacht, schweißgebadet, mit Herzrasen.

Auch erzählte ich von den anderen Träumen, von diesem alten Bauer, der der Nachbarin zu nahe kam. Da Ute verhältnismäßig klein ist, gilt sie wohl als stellvertretende Rolle für das Kind, das ich war. Als ich dann von dem Stäbchen erzählte, dass der Bauer ihr einführen wollte, bekam ich Herzrasen und mir wurde schlecht. Zumal kurz vor Brigittes Ankunft in dem neuen Missbrauchsbuch gelesen, eben eine Passage, in der der Täter das arme Mädchen mit seinen elf Jahren das zweite Mal missbraucht. Bis ins Detail beschrieben. Die Panik ist noch nicht abgestellt, wieder und wieder brodelt die Unruhe in mir hoch und fordert ihren Tribut. Im Gegensatz dazu legt sich die Betäubung in Wogen in dessen Pausen wieder und wieder über meinen Geist. Rumpelstilzchen will mich draußen sehen, draußen mit den Rasierklingen. Sebastian hat Besuch von Sebastian, beide sind oben und haben Spaß. Es ist so unerträglich schwül, aber ich muss mir ernsthaft die Heizdecke zugute kommen lassen. Während der Therapie donnerte es draußen zaghaft in der Ferne, aber daraus ist nichts geworden. Locker zehn Kohlmeise sitzen auf dem Restaurant und verputzen die Reste. Auch möchte ich noch eine Entwässerungstablette nehmen. Brigitte meinte ja, sie würde an meinem Gesicht nichts sehen, sich aber auch nicht anmaßen, es in irgendeiner Form bewerten zu wollen. Wenn ich wiederum wirklich wollte, könnte ich aufs Abendessen verzichten. Aber ich werde es nicht tun. Warum?

FETTE DRECKSAU!!

Der rechte Mundwinkel zuckt nervös. Unerträglich, hier tatenlos zu sitzen. Schon kocht die Panik erneut hoch. Eine Temesta?

19:47
Ein altes Video gucken. Ich mag mich nicht. Am Restaurant wird es still, der Himmel bewölkt und ich habe noch nicht zu Ende diskutiert, wie dieser Abend ausgehen soll. Noch bin ich allein. Die Wunden unterm schwarzen Strumpf verheilen wieder, lauter Hautschuppen haften auf dem schwarzen Stoff. Ich könnte das Wasser der Vögel wechseln, aber ich schaffe es nicht mich weg zu bewegen. Ich hätte zumindest versuchen können, weitere Schmetterlinge zu skizzieren. Aber die Lethargie siegt. Hätte hätte Fahrradkette…

18. Juli 2017, Dienstag 15:33

59,5 um 6:50 Uhr. Und es wird später und später und später. Kann ich arbeiten, darf ich arbeiten? Zu Mittag unfähig den Löffel zu halten. Ich war Sebastian entgegen gegangen, etwas früher. Dieses Mal nur bis zur Kreuzung und dann den Weg zurück, bergauf. Auf dem Hinweg so einen Zahn drauf gehabt, ich hatte die 400 Meter in gerade mal 25 Minuten zurückgelegt. Die Aussicht, bis zu seiner Ankunft mindestens noch 35 Minuten oder mehr in der prallen Sonne verbringen zu müssen, hatte mich abgeschreckt. Nicht schon wieder diese Schmerzfiasko wie gestern. Demnach zurück in den Erlenwald, in den Schatten. Unterwegs begegnete mir erst ein Taxi, in diesem unsere Nachbarn gerade auf dem Heimweg vom Einkaufen, und dann kam mir Emma auch noch entgegen, um mich dann ein Stück zu begleiten. Das Gespräch war angenehm, lenkte ab von der Tortur, die das Gehen mittlerweile darstellte. Als Sebastian kam, hatte ich 70 Minuten geschafft. Um sodann die Vorstufe einer Leiche authentisch darzustellen. Bis jetzt lag ich auf dem Sofa, den Ventilator auf die Beine gerichtet, die Heizdecke am Rücken.

Wirres Zeug nachts geträumt, von einer anderen Nachbarin, die mir auf meinem Weg begegnete und dann wiederum von ihrem seltsamen Nachbarn belästigt wurde. Ich träumte davor von einem Film, sogar dessen zwei Fortsetzungen. Ein junges Mädchen, durch einen Unfall im Rollstuhl gelandet, schafft es in Jennersdorf nicht ins Gymnasium, weil da keine Rampe vorhanden ist. Anschließend fährt sie auf der Autobahn Rollstuhlrennen und riskiert, dass es zu einer Massenkarambolage kommt und viele Menschen verletzt und getötet werden. Also dass nicht nur ihr etwas zustoßen könnte. Das erscheint unwichtig. Vor diesem Traum war ich im Gasthaus, ich war dieses Mädchen, ich erwachte in meinem Kinderzimmer, in meinem Bett, stand völlig neben mir, irgendwie im Delirium, und drehte völlig durch. Im Zimmer nebenan, unserem ehemaligen Wohnzimmer schlug ich mit meinem Schädel gegen die Wand. Dahinter das Schlafzimmer meiner Eltern. Ich wollte, dass sie das mitbekommen, dass sie es hören… Doch scheinbar war alles nur ein Traum im Traum. Oder ein Rauschzustand, eine Halluzination. Dabei fällt mir jetzt erst ein Detail ein. Unsere Nachbarin im Traum, Ute, sagte zu mir: „Vielleicht solltest du nicht nur…[….] . Daraufhin hatte ich Bilder gesehen… Markus ruft an.

17:52
Ich hatte eine Frau gesehen, sie war blond. Alles sah so aus, als würde ich es in einer Dissoziation sehen. Weichzeichner. Wie bei einem billigen Porno. Und ich hatte Angst, Todesängste, fühlte mich eklig.

Nur noch so viel dazu. Denn in der Tat, nach beinahe zwei Stunden des Telefonats, stecke ich ganz plötzlich in einer Derealisation fest. Sebastian kommt von oben runter und küsst mich. Ich erkenne ihn nicht. Alles um mich rum scheint so fremd, so unendlich weit weg. Ich mache Witze, Späßchen mit ihm, aber darunter frisst mich ganz plötzlich die Panik auf. Ich will eine Temesta nehmen; sie liegen ohnehin so gut sichtbar neben mir auf dem Boden. Ich will mich aufschlitzen. Hat mir Angst gemacht, mit Markus über eine fiktive Zukunft zu sprechen? „Es gibt Patientinnen, die brauchen 40 Jahre, ehe sie sich erinnern.“. Darauf kam von mir nur ein flapsiger Kommentar: „Ich wage zu bezweifeln, dass ich so langen Atem habe…“. „Keine Sorge Bianca, bei dir geht es schneller. Du bist schon auf dem besten Weg!“. Mieke hat sich noch angekündigt. Den Vögeln erneut frisches Futter, frisches Wasser kredenzt, in Scharen besuchen sie das Restaurant. Jung wie alt. Spitzer oder breiter Schnabel. Ich hatte überlegt, noch raus zu fahren. Aber dieser Gedanke überfordert mich ebenfalls. Außer ich kombiniere ihn mit dem Plan, die Rasierklingen mitzunehmen. Vielleicht ist es nur mein Blutzucker, vielleicht zu viel getrunken, ausgeschwemmt. Obwohl ich eher wie das Gegenteil anmute: aufgeschwemmt, geschwollen, aufgedunsen und vor allem fett, fett, FETT!! Sitzen bleiben, bis 4 klimpern. Erst einmal meine Medikamente nehmen…

18:46
Im abendlichen Licht… Der linke Arm krampft. Noch mehr schlucken…

17. Juli 2017, Montag 10:39

59,6 um 7. Wie spät war es? Bereits morgens das Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren. War es 9:42-9:43? Weggetreten. Anschließend der Kopf leergefegt, Wortfindungsstörungen. Jetzt definitiv Probleme damit, eine Entscheidung zu treffen. Gehe ich jetzt spazieren oder Sebastian entgegen und dafür etwas später? Mir ist so schwindlig, alleine komme ich kaum vom Sofa hoch. Gemalt? 105 Minuten. Die restlichen 30 um dabei Fehler zu produzieren. Wie kann man sich nur so unendlich viele Stunden an einem winzigen Schmetterling aufhalten? Unzählige Male wieder und wieder dasselbe machen? Mein Körper will schlafen. Rumpelstilzchen gibt mir allein die Schuld am Wegtreten zuvor. Ich habe Angst vor dem Nachmittag. Gar nicht mal, weil ich alleine bin… Daran vermag ich nur Vorzüge zu entdecken. Aber was ist, wenn mein Körper mich erneut im Stich lässt? Der Konsum vom Temesta erlebt für meinen Geschmack dieser Tage eine zu starke Häufung. Obwohl es auch gestern unglaublich angenehm war. Unangenehm (und damit auch erstaunlich) abends das Brennen auf meinem Arm. Auch heute noch kann ich dem nicht viel abgewinnen. Abgesehen davon im Traum beim Chirurgen Termin gehabt zu haben, abgesehen davon, dass er mir Zehen amputiert und an anderer Stelle wieder…

Der nächste Aussetzer, zwischen 10:47-10:48, wieder wegtreten, wieder die Augen schließen!! Wieder das Bewusstsein verlieren und im Kopf irgendetwas mit der Realität vergleichen, träumen, voraussagen!

Der Chirurg nähte mir im Traum die Zehen am rechten Fuß wieder an, dann hatte ich links vier und rechts sechs, die großen gegen die kleinen ausgetauscht. Im Warteraum bei diesem Arzt kam ein ehemaliger Schulkollege und setzte mich unter Druck, wollte von mir erpressen, dass ich seine Schnürsenkel in seine Schuhe einfädle, ich weigerte mich und dann fing er an mich zu verletzen, schlitzte mich am ganzen Körper auf… In meinem Schädel dreht sich alles, vermischt sich alles, Traum, Realität, Erinnerung. Wage ich es, auf die Straße zu gehen? Das Wetter ist angenehm, aber ich fühl mich nichts als unsicher in meinem Körper. Was, wenn ich unterwegs erneut wegtrete? Falle ich dann um? Erst einmal ins Bad, Zähneputzen. Und dann weiter sehen…

18:31
Das Spazieren gut, unerwartet gut. Anschließend ein Wrack. Nachmittags nichts geschafft, seit 15:00 krampft es im rechten Bein. Dann aufs Sofa, Oberschenkel verprügelt, Weintrauben gefressen. Nun fühle ich mich unsäglich wertlos, wieder nur Scheiße im Sinn. Tramal und Hydal intus. Ein wenig berauscht. Hin und her gerissen… Raus? Versuchen zu malen? Raus und mich verletzen? Die Wunden gestern „hübsch“, und bei jenen im Traum keinen Mucks von mir gegeben. Die anderen Patienten im Warteraum sahen entsetzt zu. Ich versuchte dann -kaum war er mit mir „fertig“- die blutigen Rinnsale zu verstecken.

19:54
Im Sonnenuntergang stehen. Wirken die Antideppresiva?

16. Juli 2017, Sonntag 16:19

59,2 um 7:15. Extra so früh aufgestanden, und schlussendlich nichts geschafft. Nun gut, über 1 Stunde gemalt, aber keinen Deut vorangekommen. Nun gut, spazieren gewesen und zumindest auf dem Rückweg die Einfahrt hoch sah es erstaunlich gut aus, das Wetter mir mehr als wohlgesonnen, aber nun wieder alles im Arsch. Muss/sollte ich mit dem Bisschen zufrieden sein, das ging? Wie unsere Nachbarin vorher meinte, die selbst Ärztin ist? Sorry, ich kann es nicht! Nach dem Mittagessen ein Schläfchen, mit Krämpfen im Bein aufgewacht, der Schwindel „umwerfend“ und das neurologische Treiben im Bein nicht in den Griff zu bekommen. Zu allem Überfluss funktioniert das Programm schon wieder nicht. Ich weiß nicht wohin mit mir. Wovon habe ich geträumt? Irgendetwas mit meinen Eltern? Von einer Dissoziation? Mir bei der Arbeit die Videos einer Psychologin angesehen, und als sie die histrionische Persönlichkeitsstörung vorstellte/nachmachte, blieb mir beinahe die Spucke weg: meine Mutter!

https://www.youtube.com/watch?v=mqpe69AEbdE

Nach meiner fragwürdigen Sporteinheit bekam ich die Bestätigung dessen; im Anschluss daran mit Sebastian zum Gasthaus, um das Essen abzuholen. Beim Näherkommen der Burg wurde mir tatsächlich schlecht.
Der rechte Fuß verkrampft sich, wird dabei gegen die Unterseite einer der Fußstützen gepresst, was weh tut und damit wiederum den Krampf anheizt und mir unmöglich macht, mich aus der Situation zu befreien.
Den Ventilator zu Füßen, die Heizdecke im Rücken in Betrieb nehmen. Die blaue Blechdose mit den Tabletten. Wohl oder übel wieder Morphium. Unfähig, ein paar Schritte zu gehen. Der Weg ins Klo zuvor bereits eine Meisterleistung, eine fragwürdige wohlgemerkt. Dieselben Spielchen wie gestern? Gestern waren es am Schluss insgesamt 6,5 mg. Ganz schön fett. Nichts mit mir anzufangen wissen. Wenige Handgriffe zuvor, um das Restaurant neu zu bestücken, nahmen mir jeglichen Wind aus den Segeln. Erst recht der Versuch, mit meiner Rechten meine Haare nach hinten zu streichen… Desillusioniert am Boden angekommen, bzw. ganz, ganz tief im nächsten Loch. Ein junger Zilpzalp macht auf der Terrasse den sterbenden Schwan, ganz kurz bin ich verzaubert von diesem Anblick. Dabei unachtsam: Das Hydal geschluckt oder nicht? Das Diktierprogramm funktioniert immer noch nicht, eine Fehlermeldung jagt die nächste. Und es krampft und krampft und krampft. Magnesium intus. Keine Wirkung. Wohin mit mir?

17:19
Beine überschlagen, Oberschenkel verprügeln.
Volle Dosis Tramal.
Panikattacke.

18:00
Eine Temesta und Pinsel in die Hand.

18:12
Abdriften… Auf den Ohren die Wiedergabeliste vom Suizid.

20:17
Massaker im Abendrot. 50 Stück…