18. Juni 2021, Freitag „Aus allen Nähten…“

12:30
Der Techniker kam früher. Gut, dass ich nicht im Bett blieb, dem Braten nicht traute. Sebastian morgens genötigt, mich auf die Waage zu stellen… Nein! Ich erkenne mich nicht! Ich erkenne mich nicht wieder!! DAS bin nicht mehr ich. DAS ist irgendetwas anderes, etwas Ekelhaftes… 66 Kilo!!! Vier Kilo mehr!!! Mein rechtes Bein, mein rechter Fuß? Eine zum Bersten gefüllte Fleischkugel!!! Das linke Bein will dem in nichts nachstehen. Und ich kann nichts machen, gar nichts. Zwei Tage lang Entwässerungstabletten gefressen, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Stützstrümpfe trotz dieser unsäglichen Hitze getragen. NICHTS!!! Und dafür lässt man mich letztes Jahr einmal wöchentlich im Krankenhaus antanzen, total verunsichert, aber keiner gibt mir eine plausible Erklärung?! Womit die Masseurin keine Sekunde brauchte? „Bei jedem Eingriff, bei jeder Operation, werden Lymphen verletzt, das führt dann zu solchen Ödemen!“. Also muss ich damit „leben lernen“? Nein, ich erkenne mich nicht. Und dann noch meine Oberarme, so dermaßen FETT!!! Und meine Wampe, eine einzige fest gefüllte Kugel, ein Luftballon kurz vor dem Platzen! Und das, obwohl ich kaum etwas esse, das Essen die letzten Tage sogar stark eingeschränkt hatte. Mir ist nicht mehr zu helfen!! Und mit der Hitze verschlechtern sich auch wieder meine Augen… Aber zumindest wird Sebastian nun endlich geimpft!

14. Juni 2021, Montag „Unwert!!!“

16:28
Ich fühle mich unwert. Für alles! Dieser riesengroßen Spende, des Rollstuhls, den damit verknüpften „Erwartungen“, Wünschen…
Die letzten Tage, bis auf Samstag, da gab es einen Ausflug in den Zoo, mich hinter meinem Computer verkrochen und wie besessen an meinem Film gebastelt. Die Pressekonferenz, bzw. das Material davon stellte mich vor ganz neue Herausforderungen. Wem oder was muss ich unbedingt gerecht werden usw. und so fort. Dabei reichte das beschissene Spiegelbild im Zoo, in dem kleinen Glaskasten, in dem ein Faultier sich von einem Ast zum anderen bemühte… Aber ich hatte nur Augen für mich, meine Spiegelung in dieser Plexiglasscheibe… WAS BIN ICH FÜR EINE FETTE DRECKSAU GEWORDEN!!! ICH BIN REGELRECHT AUS DEM LEIM GEGANGEN!!! KEIN WUNDER DASS MEIN GEWICHT ZULETZT ÜBER 65 KILO LAG!!! MEINE BEINE, BEIDE, SO DERMASSEN FETT GESCHWOLLEN!! VON DREI TAGEN KURZE HOSE UND KEINE STÜTZSTRÜMPFE!!! UND ERST MEINE OBERARME!!! Was hatte ich da bloß im Film bei dieser einen Aufnahme entdeckt, habe ich mich verguckt? Sah ich gar nicht schlank aus? Und so suchte mich gestern Abend wieder eine Panikattacke heim, ganz plötzlich, der Film hatte gerade begonnen, „Spiderman“ und ich sah alles zerbrechen. Meine Zukunft, ich habe keine Zukunft… Ich dachte daran, dass ich ernsthaft freiwillig über eine Stoßtherapie im Sommer diskutieren werde, was das wieder für mich bedeutet, fünf Tage mindestens Krankenhaus, im Krankenhaus ist es immer so heiß, einen ganzen Tag werden sie wieder verschwenden nur um einen Zugang zu legen oder Blut abzunehmen. Und dann das Cortison und seine Nebenwirkungen. NOCH FETTER, NOCH MEHR PANIKATTACKEN, NOCH MEHR UNRUHE, NOCH MEHR PICKEL, dabei löst die sauteure Sonnencreme, die angeblich ohne ALLES sein soll, wieder nur Sonnen-Akne aus. Und das sind dann auch noch immer so ganz fiese, ganz tief verkapselte Pickel… Ich sah mir selbst zu, wie ich wieder einmal zu blöd war zu essen, die Gabel zum Mund zu führen, und ich dachte an Ausfahrten, wie schlimm ich jetzt aussehe, dass ich mich eigentlich in Grund und Boden schämen müsste, das keinem antun dürfte, SO raus zu fahren!!! Dass mein Leben zu Ende ist, denn wenn ich das Cortison tatsächlich überlebe, was ist, wenn sich da nichts bessert?! Wenn sich gar nichts tut?! Wenn dieser Zustand irreversibel bleibt??!!

Und so will ich in einer halben Stunde rausfahren?… Um den „Jetzt macht ihr Leben wieder Sinn!“, „Bleib weiter so stark!“, „Sie ist eine Kämpferin, sie gibt nie auf!“ gerecht zu werden, so tun, als ob, und dabei denke ich immer noch, der Rollstuhl hat einen Gurt und fahre ich in irgend ein Gewässer, ertrinke ich sofort!

Extra einen Beitrag rausgeschnitten, damit der Film nicht so negativ endet. Damit die Scheinwelt aufrecht bleibt. Bis zum nächsten Teil, dann baue ich ihn ein…

8. Juni 2021, Dienstag „Ganz allein…“ (BITTE lasst mich nicht allein…)

16:40
Wo soll ich meine Gedanken, wo soll ich meine Verzweiflung, wo solch all das lassen? Wieder hier, in einem vermutlich wertlosen Beitrag, Eintrag, „auf einem weißen Blatt Papier“, in der Hoffnung, irgendeine Seele liest es? Soll ich wieder in meine Videokamera reinflennen, heulen? Oder einfach im Krankenhaus anrufen, nach irgendeinem Arzt verlangen und diesen ohne Vorwarnung anschreien, minutenlang?!

Sommer hin oder her, hohe Temperaturen hin oder her, klassisches ms-typisches Hitze-Fatigue, „jetzt geht es allen so“?!!!

Gestern in der Sitzung… Zusammengebrochen, versucht mich wieder zu fassen, nach Worten gerungen, nach Worten darum gerungen, warum es bei der ganzen SCHEISSE eigentlich geht. Ja, ich fühle mich im Stich gelassen. Von den Neurologen. Eigentlich von allen Ärzten, es geht ja auch um die Thrombosen. Und es ist toll und natürlich mehr als berechtigt, meine Überdosis letztes Jahr als Selbstmord oder borderlinetypischer Versuch Aufmerksamkeit zu erwecken abzutun. Es gab ja auch ÜBERHAUPT KEINE GRÜNDE DAFÜR!!! Vielleicht, wenn man ganz kleinlich sein möchte, dass man mich vergessen hat, vergessen hat, vergessen hat, Ankündigungen gemacht hat, Versprechungen von sich gegeben hat, und nichts, aber auch wirklich gar nichts davon eingehalten hat, um mich wieder zu vergessen!!! Und möchte man noch pedantischer sein könnte man meinen, warum sollte ich dann 2019 beweisen, noch schubförmig zu sein? Was dann unzählige MRTs unterstrichen, erst recht, dass dann Cortison, als es endlich RICHTIG gegeben wurde, eingeschlagen hatte wie eine Bombe. Hätte ich da nicht, wäre ich sekundär, im selben beschissenen Zustand bleiben müssen? Wäre es da nicht unmöglich gewesen, plötzlich wieder aufstehen zu können, plötzlich wieder über eine halbe Stunde spazieren gehen zu können, plötzlich nach einem Jahr wieder malen zu können??!!!

*… in Tränen absaufen… Warum ertrinke ich dann nicht endlich?!!!*

Wie kann man da nur, nach all diesen Beweisen, diesen handfesten Beweisen plötzlich von einem Tag auf den nächsten zu dem Schluss kommen, ich sei sekundär progredient? Und damit einhergehend einem das Gefühl zu vermitteln: Hoffnungsloser Fall, kann man nichts mehr machen, schade, tut uns leid, aber uns sind die Hände gebunden… WIE NUR???
Genauso wie die Schlamperei jetzt mit dem wieder Einschleichen von diesem verschissenen Medikament? Das doch angeblich GENAU SO SEIN SOLL WIE GILENYA?! Aber warum geht es mir dann immer schlechter, als würde ich weiterhin Schübe bekommen?

„Weil Sie sekundär sind!!!“.

Mein rechtes Bein rutschte von der Fußstütze. Ich konnte es nicht mehr aufheben, zurück auf die Stütze ziehen, nichts! Dann verlor ich noch den Deckel von dem beschissenen Kaffee. Diesen in der Hand musste ich erst nach Hause fahren, um ihn dort abzustellen, dann wieder zurück, um das Stativ zu holen, mein Bein, mein Fuß verhedderte sich permanent mit den Fußstützen, kam sozusagen unter die Räder, wurde umgeknickt, ich unfähig, die Spastik zu nutzen, um es abzustrecken.

Unfähig, den Schlüssel in der Haustür umzudrehen. Unfähig, das Wasser aufzudrehen, den ohnehin schon langen Schlauch zu halten, um den Wasserstrahl auf mein Gesicht zu richten, das Wasser wieder abzudrehen.

Wozu wir gestern in der Sitzung kamen, einen Konsens: Einjährige Therapiepause. So etwas auftaucht, Träume, Filme, was auch immer, ich kann ihm alles schicken. Und sollte es kritisch werden, könnten wir kurzerhand eine Sitzung einplanen. Ich wollte befreit sein, ich dankte ihm, legte auf und schüttete mir erneut zwei Portionen Psychopax hinter die Binde.

Wovon ich wenigstens schlafen konnte.

Doch genau jetzt möchte ich mir irgendetwas antun, mir bleiben noch wenige Minuten, bis er nach Hause kommt. Zwei Temesta?

Er kommt immer zur Hintertür rein, sagt „Hallo!“, eigentlich mit einem Fragezeichen dahinter, um eruieren zu können, wie meine Stimmung ist. Dann fragt er meistens auch noch: „Dur oder Moll?“. Wie sieht es heute, wie wird es noch aussehen? Zwei Lorazepam runtergewürgt. Eine doppelte Dosis Tramal, Opiate obendrauf. Wir wünschte ich, ich sei Alkoholiker.

Ich habe meinen Eltern Briefe geschrieben. Jedem einen eigenen Brief. Ich überlege auch, für den Termin in der Neurologie in drei Wochen ebenfalls einen Brief aufzusetzen. Um diesen während des Termins vorzulesen, um das Untersuchungszimmer nicht wieder mit der Selbstbeschimpfung im Kopf zu verlassen, mich wieder einlullen lassen zu haben und nichts, aber auch wirklich gar nichts von dem geäußert zu haben, was mir wichtig war, überhaupt nicht für oder um mich gekämpft zu haben. Ich habe schon einen Einleitungssatz parat, um wieder mit leichter Kost und ein bisschen Spaß das ernste Thema anzusprechen: „Ich habe Ihnen nun diesen Brief geschrieben, weil Sie mit unlauteren Mitteln spielen! Kaum sehe ich Sie, habe mit Ihnen zu tun, habe wiederum ich mich bereits in ihrem Charme verfangen, mich aufs neue „verliebt“ und komme zu nichts mehr. Und wenn ich es nicht auf diese Art und Weise mache, würde ich vermutlich wieder nur anfangen zu flennen, und Sie sagen, dass Sie mich verstehen. Aber all meine Gedanken, Gedankengänge, die doch auch für andere logisch sein müssen, bleiben unausgesprochen…“, und dann eben den ganzen Mist wie zuvor beschrieben. Markus meinte, als Patient hätte ich ein Recht darauf, behandelt zu werden. Dann sollen sie mir eben das neueste Präparat geben. Irgendwas. Und ich werde auch reinschreiben, dass ich meiner Meinung nach in den letzten zwei Jahren doch eindrücklich bewiesen haben sollte, meinen Körper immer noch am besten zu kennen (allein diese ganzen Thrombosen, wie man mir nicht geglaubt hat usw. und so fort) und ich meine, nun nach neuem Einläuten der Therapie müsste man zumindest noch einen Versuch unternehmen, mit Cortison, wenn es doch angeblich genauso toll wirken soll wie Gilenya, wer weiß, was da noch aus mir herauszuholen wäre. Und auf die Fresse fliegen und falsch liegen kann ich ja immer noch…

Na, beruhigt sich die dumme FOTZE wieder?!!!

In den Briefen darum gebeten, dass meine Eltern mich bitte versuchen sollen, zu vergessen. Damit auch ich sie endlich aus mein Körper raus bekomme. Und darauf hingewiesen, dass sie von mir aus all meine Vorwürfe als Vorwand nutzen dürfen, was ich ihnen nicht alles antue und unterstelle, um diesen Prozess für sie zu erleichtern.

6. Juni 2021, Sonntag „Ein Todessonntag…“

15:57
Und warum? Warum schon wieder? Weil jeder Sonntag ein Ende bedeutet. Das Ende eines Wochenendes. Das Ende von lange Aufbleiben, von langem Arbeiten. Und dann morgen noch diese kleine panikfördernde Randnotiz: Sitzung mit Markus. Nicht in der Lage darüber nachzudenken, was ich morgen sagen werde, aber vermutlich so etwas Ähnliches wie: „Markus, ich kann einfach nicht mehr weitermachen, ich danke dir wirklich für alles, aber augenblicklich geht bei mir nichts mehr. Es taucht auch nichts auf, es passiert nichts, ich bin immer nur dankbar wenn ich die Panik im Griff habe, und wage zu bezweifeln, sehr stark zu bezweifeln, dass du da dran was zu ändern vermagst. Eher die Befürchtung, mit wöchentlichen Terminen die Panik nur noch zu nähren. Das Gefühl, es geht einfach nichts mehr weiter. Ich könnte mir höchstens nur vorstellen, dass wir uns einmal im Monat verabreden. Aber das ist schon das höchste der Gefühle, was ich mir meiner Panik zutraue.“. Ich bin böse auf ihn. Weil ich ganz viel in ihn hinein projiziere, wofür er wahrlich nichts kann. Alle unangenehmen Gefühle, dass er mein Leben zerstören will, weil er nachfragt, nachbohrt, nicht nachgibt. Und zugleich der Gedanke, meinen Eltern Briefe zu schreiben. Einen an meine Mutter, einen an meinen Vater. In dem ich die Frage stellen werde: „Ich belaste euch, ich tue euch weh. Könnt ihr mich nicht einfach vergessen, bitte? Denn ihr werdet mir nicht weiterhelfen, entweder weil ihr es nicht könnt oder weil ihr es nicht wollt, und selbst verdrängt, oder aus anderen Gründen.“.

Gestern bis auf den Einkauf den ganzen Tag zu Hause geblieben und an meinem Film gearbeitet. Es gibt genug zu tun, zumal ich jetzt ja auch noch einen zweiten Kurzfilm gleichzeitig produziert habe. Heute regnete es den ganzen Tag, und als soeben die Sonne rauskam warf ich wie selbstverständlich 25 Tropfen Psychopax ein. Gestern Abend, was für eine Achterbahnfahrt, was für ein hoher Wellengang, in sicherlich zweiminütigen Intervallen Panik und der Wunsch zu sterben, wieder abgelöst von einem Gefühl der Sicherheit, Zufriedenheit, um wieder 2 Minuten später im nächsten Sterbemodus zu landen. Jetzt habe ich diesen neuen Rollstuhl und irgendwie das Gefühl, ich mag gar nicht rausfahren. Aber um das auszuhalten, hier hocken zu bleiben, die Zeit zu verschwenden, muss ich mich bestrafen, abschießen. Völlig bekloppt, oder? Was bei mir jetzt schon wieder Stress auslöst? Tausende Dateien, die ich erst einmal mehr oder minder unsortiert in einem Unterprojekt untergebracht habe. Nicht wissend, soll ich sie sortieren, soll ich sie chronologisch so lassen, um dann eben bei den Tageseinträgen chronologisch passende Clips dazu einbinden zu können? Ich habe Angst davor, noch mehr Videoaufnahmen zu machen, die das Chaos nur noch vergrößern!

Die letzten Stunden damit zugebracht, meine Comiczeichnung auf ein Foto meines neuen Rollstuhls zu basteln. Für eine neue Animation. Noch nicht fertig, aber der Export (den ich nebenbei laufen lasse, von meinem Kurzprojekt, dem Krimi, dauert ohnehin noch 53 Minuten. Und ja, es macht Spaß, da mit Paint herum zu feilen. Und zugleich… Gestern beim Einkauf schwarze Fineliner gekauft, für Comics, um diese dann nachziehen zu können. Und der Einkauf war spaßig, am Schluss waren wir im Tierladen und ich gab Unsummen aus für Wildvogelfutter. Jetzt hängen da ganz lange Knödel, also da sind dann gleich mehrere Knödel dran, mit unterschiedlicher Füllung. Erdnüsse, normale Knödel, geschälte Sonnenblumenkerne. Und die Vögel gehen regelrecht steil drauf. Es ist eine Freude das Restaurant betrachten zu können. Doch kaum hatten wir den Laden verlassen, plötzlich ein Zusammenbruch. Die Tränen kullerten, schwer. Um Sebastian zu zitieren, als ich nach 20 Minuten wieder sprechen konnte: „Das ist ganz schön beängstigend und ich fühle mich immer total allein, wenn das mit dir passiert, und hilflos…“. Dabei macht er doch ohnehin schon alles richtig, fragt nach, bedrängt mich dabei nicht, nimmt mich in den Arm, küsst mich, tröstet mich. Und warum das alles? Eigentlicher Auslöser die blöden Filzstifte. Für was kaufe ich diese, warum gleich vier Stück? Wer soll die noch jemals benutzen, gebrauchen, benötigen? Ich beschissener Krüppel wohl kaum noch! Alles geht den Berg runter, alles…

Wieder an den dummen Satz der jungen, und zu betonen GESUNDEN Anästhesistin zu denken. Sich anmaßend, MIR zu sagen, ich solle nicht so negativ denken, hätte kein Recht dazu. Obwohl sie ebenfalls einräumte, als Gesunde mir gegenüber sicherlich gut reden zu haben. Dennoch hinterher ein ABER, und sie blieb bei ihrer Meinung. Und ich dachte nur an den Nervenzusammenbruch vor drei Tagen, als ich die Tropfen nicht aus der Tasche bekam, weil ich verflucht noch mal nicht einmal mehr mit Daumen und Zeigefinger etwas zu fassen vermag. Und dass sich das ein Gesunder überhaupt nicht vorstellen kann!!

19:05
Weitere 25 Tropfen. Die letzten 2h Export für’n Arsch, die Premiere meines Krimis wird sich weiter verzögern…

IST DOCH EH ALLES WERTLOSE SCHEISSE!!!!

31. Mai 2021, Montag „Wetterkapriolen…“

13:19
Geil nach Aufmerksamkeit? Enttäuschung, dass wieder einige Beiträge niemand angeguckt haben soll.

Sebastian kam zur Mittagspause, ich schlief bis 12. Was für Träume!! Unsere Nachbarin war plötzlich eine Milliardären und meine… Das Wort ist weg… Gönnerin? Mein Mäzen? Und nachdem ihr Gärtner zweimal bei mir regelrecht eingebrochen war, weil er dachte, ich hätte versucht mich umzubringen, schickte sie mir einen (das nächste Wort ist weg) Designer, der mich für eine anstehende Ausstellung einkleiden sollte. Er hüllte mich in schwarzen Stoff mit den Worten: „DAS will keiner sehen!!“, und steckte meine Arme in lange Ärmel. Wobei ich mir dachte, dann braucht man ja auch nicht auf meine Ausstellung gehen, denn auf den Bildern bin ich überall aufgeschlitzt. Doch noch besser, auf einmal, von hinten bekam ich eine dicke Wurst schwarzen Stoff in den Mund gesteckt, die dann hinten verknotet wurde: „Damit du nicht schon wieder so viel redest!“. Eine kurze Zeit ließ ich mir das gefallen, dachte, ich müsste dankbar sein. Dann entledigte ich mich dieser Aufmachung und jagte ihn hinaus! Eine seiner Assistentinnen zwinkerte mir zu und gab mir damit recht.

Im nächsten Traum war ich plötzlich blind geworden und meine Mutter (ja, richtig gehört, meine Mutter) fuhr mit mir nach Oberwart ins Krankenhaus. Während der Hinfahrt überlegte ich angestrengt, wie ich mich zu dem hier überreden hatte lassen, warum war ich nicht mit der Rettung gefahren?! Dort wurden Untersuchungen gemacht und Operationen geplant, aber kaum das Haus verlassen, hatte ich alles vergessen. Meine Mutter ließ mich 4 Stunden lang auf sie warten. Dann kam sie, das Auto voll gestopft mit ihren Enkelinnen. Für mich war eigentlich gar kein Platz. Ich war sauer auf sie, fragte, was so lange gedauert hätte.

Draußen ist mal was los. Zuerst Rettung, dann Helikopter und jetzt gerade hebt er wieder ab.

Sie sagte, mein Bruder hätte einen Blumenstrauß vorbei gebracht, um ihr zu zeigen, was für eine großartige Mutter sie gewesen sei, dann wären sie noch was trinken gegangen. Sie wollte wissen, was denn nun gemacht würde. Ich wand mein Gesicht ab, presste es an die Scheibe rechts von mir und sagte nichts mehr. Wie ein bockiges Kind. Aber so kam wenigstens nicht raus, dass ich alles vergessen hatte. Auf der Autobahn (die es auf dieser Strecke plötzlich gab) war mein Vater ebenso plötzlich mit im Auto. Eine Schlammlawine schoss auf die Straße und verbog die Antenne. Und was macht er, als alter Mechaniker? Er kletterte aus dem Fenster der Fahrertür bei Tempo 130 km/h einfach auf die Motorhaube und bog die Antenne wieder gerade…

Meine Güte, was für einen Mist muss ich konsumiert haben die letzten Tage, um so etwas im Traum zu kreieren?!

Sebastian kam zur Mittagspause und geplant war, mich direkt auf den neuen Rollstuhl zu verpflanzen. Aber Alexa sagte, es würde mit einer 51-prozentigen Wahrscheinlichkeit (wohl gemerkt: es sind immer 51 %) um 13:00 Uhr regnen. Er hatte meinen Geländewagen schon rausgefahren, alles war draußen, die ganzen Taschen, Kameras, aber mein Blick blieb am Himmel kleben. Das gestern war schon fürn Arsch. Ganz abgesehen davon dass ich allein 400 m weiter vom Haus sicherlich 1 Stunde bei den Schafen stand, diese filmte, beobachtete und wieder das Glück hatte, den Trauerschnäpper zu sehen. Dann fuhr ich den Berg hoch und blickte hinab ins Tal, in die weite Ebene. Der Himmel sah nicht gut aus. Verdammt, Ende Mai, ich hab den dicken Winterpulli an, bin eingekleidet wie im Januar, dazu noch (das nächste Wort ist weg) das Schultertuch einmal um mich rumgewickelt, ich fror trotzdem und wieder dieser beschissene Wind!!! Ich brach die Ausfahrt ab, um mich zu Hause sofort mit Psychopax abzuschießen. Und heute? Wieder dieser Wind, wieder fror ich und ahnte schon, wenn er hier unten so ekelhaft weht, wird er oben am Berg und erst recht unten in der Ebene noch weniger auszuhalten sein. Ich brach die Aktion in letzter Sekunde ab. Drum sitze ich jetzt hier, warte auf den von Alexa prognostizierten Regen um 13:00 Uhr, es ist 13:37, kein Regen, ich komme mir verarscht vor. Aber den Pulli hab ich gleich anbehalten, so kann ich wenigstens mit dem kleinen Rollstuhl rausfahren. Nicht weit, weil er wie immer zu wenig geladen hat.

13:39, der Hubschrauber kommt zurück, ist wohl nur nach Fellbach geflogen und kehrt nun wieder heim nach Fürstenfeld. Während ich ihn hörte dachte ich nur: „Jetzt hätte meine Mutter schon wieder angerufen und gefragt, ob alles mit mir in Ordnung ist…“, und des weiteren: „Wen auch immer es erwischt hat, alles Gute!“.

Weder sind mehr witzige Sachen für meinen Film eingefallen, die viel, viel Arbeit bedeuten. Aber das ist scheinbar gut so…

29. Mai 2021, Samstag „Wetteropfer…“

18:05
Von 62 Kilo mit einem Schlag wieder hoch auf 64. Entwässerung schlucken. Die nächste Klositzung wird wieder dementsprechend schmerzhaft. Aber mein Gewicht lässt sich partout nicht runter drücken, egal was ich mache oder lasse. Und das Wetter? Spielt seine Spielchen mit mir. Die „Eisheiligen“? Der ganze Frühling ist Opfer dieser finsteren Gesellen, der ganze Frühling ist im Arsch. Regen, Sonne, Regen, Sonne. Und auch gestern musste ich doch tatsächlich wieder mit einem dicken Pullover ausfahren, um mir dann gen Abend auch noch die Stola überzuwerfen.

Es macht schon Spaß, jetzt mit 15 km/h unterwegs zu sein. Es machte schon Spaß die beiden Läufer, die erst mich überholten, die dort stand am Straßenrand und einen Schluck vom Pseudokaffee trank, dann erst recht wieder einzuholen und einen flapsigen Spruch zu hinterlassen, als sie wiederum meinen Staub fressen mussten: „Also 15 km/h lauft ihr nicht?!“. Und zugleich tat es weh. Ich habe ihre Beine gefilmt. Ohne zu fragen, Männerbeine, die Kakteen gleichen, haben wohl kaum Persönlichkeitsrechte.

Wieder die Mönchsgrasmücke verpasst!

Mir eine Temesta eingeworfen. Jetzt nicht unbedingt weil ich von Panik zerfressen werde, aber weil mich diese unstete Wetterlage mit sich mit spült, es darf mir nicht gut gehen, dabei soeben eine äußerst witzige Animation gebastelt. Keine Zeit für Selbstlob, Beweihräucherung. Und da kommt sie, die Panik, und will mich erneut töten. Nur langsam löst die rechte Hand die Umklammerung um die Kamera. Weiß ich doch ganz genau, dass die Mücke genau dann wieder auftauchen wird, sobald ich sie zur Seite gelegt habe. Und allein das jetzt geschrieben zu haben löst in mir den Wunsch aus, noch mehr zunehmen. Noch mehr und noch mehr und noch mehr…

Der Gedanke die letzten Tage, ob es mir vielleicht besser ginge, wenn ich endlich öffentlich ein paar Sachen aussprechen könnte. Als ob sie dann mehr Wahrheitsgehalt bekämen. Aber ich darf nicht!

25 Tropfen Psychopax, Diazepam, obendrauf. Ich brauchte etwas, das mir zumindest das Gefühl vorgaukelt, etwas gegen diesen Zustand aktiv unternommen zu haben. Die Tablette zu schlucken, die keine Spuren hinterlässt in den ersten 30 Minuten… Das half nicht. In den Tropfen ist wenigstens so viel Alkohol drin, dass es gleich ein wenig wattig wird. Massive Kopfschmerzen vom Headset bekommen. Schwer seufzen, während der Himmel nun doch tatsächlich auch noch blau zu werden scheint. Mich regelrecht betrogen fühlen. Da zum Glück darf ich gerade an einer Videospur arbeiten, der Mann meiner aufgeschlitzten Arme sieht, blutüberströmt, weil die Wunden aufgerissen, als ich die Arme für das Legen einer Leitung heiß gebadet hatte…

Die Stimme aus dem Off, während ich vom Gespräch mit dem Arzt erzähle hört man von links immer wieder beinahe diabolisches Gebrabbel. Die demenzkranke Oma, da könnte man wieder irgendetwas Lustiges einbauen, es klingt beinahe süß. Wie man aus Tragik noch einen humoristischen Mehrwert ziehen kann… Das Headset unverzüglich vom Kopf reißen…

Bein folgenden tiefen Seufzer spüre ich irgendwo an einem gefühlten Boden von mir Erleichterung, Betäubung, ehe ich es notiere…

19:21
Neben der Spur, 10 o. 20 Schnitte, alte Klinge, ich bin wertlos.

19:31
Lieblicher Abend, sollte draußen sein. Zusehen, wie mir alles entgleitet, während die Amsel ihr trauriges Requiem singt. Noch eine zweifache Maximaldosis Opiate obendrauf. Ich fühle mich so, so unsagbar… Lebensunwert… Wenn nicht gar bereits tot… Nichts macht Sinn… Ich sehe Sebastian sterben… Die Augen geflutet… Ich will nicht mehr… Und dann ist schon wieder Sommer, schon wieder Herbst, schon wieder ein langer Winter, der mich hier einsperrt, gnadenlos. Nein, das Leben macht wahrlich keinen Sinn mehr!

Gestern bei meiner Heimfahrt am Schluss am Gasthaus vorbei dachte ich: „Vielleicht sollte ich so tun, als wäre nie etwas passiert, wieder so tun, als sei alles normal, normal im Rahmen meiner gestörten Familie; aber kann ich mit bestimmten Menschen nach all dem jemals wieder so unverfänglich Umgang pflegen, nach all dem, was ausgesprochen wurde, vermutet wurde, immer noch im Raum steht und nur von einer Lüge oder Wahrheit im Zaum gehalten wird? So tun als hätte es all diese Vorwürfe nie gegeben? Als hätte man mich nicht belogen? Das alles nur Irrtümer waren? Missverständnisse? Fehler meinerseits? Denn „… so war es ja gar nicht gemeint…“. Weil schlussendlich bin ja auch ICH, psychologisch bestätigt, die Hysterikerin?!

Mutter, was hast du mir angetan? Du hast doch behauptet, ich sei das Wichtigste für dich! Und dann am Schluss, als ich erwachsener denken konnte, fühlte es sich nur noch so an, als sei ich dein Spielball, deine Marionette, die du anziehen kannst, präsentieren kannst. Aber wenn die Marionette in Nöten ist, wird weggesehen und nachher behauptet, die Marionette hätte nie etwas gesagt. ER ist wichtiger, obwohl ihr nicht mal eine normale liebevolle und von Respekt getragene Partnerschaft führt, NIEMALS! Davon redest du immer nur, als würde es dann wahr werden… Nein, er gibt dir NIE eine Kuss, NIE eine zärtliche Geste, kein „Ich liebe dich…“…

Vater, was hast du mir angetan? Nur mal abgesehen davon, dass du ein psychisches, emotionales Wrack bist, meine Kindheit hindurch gelinde gesagt nichts anderes als ein Arschloch warst, ein beschissener Zyniker, als ob Kinder mit Zynismus und Sarkasmus etwas anfangen können. Und was war da noch, was war nachts, von all dem du nichts wissen willst?! In der Tat, du warst nicht da, ich habe dich überhaupt nicht mitbekommen. Und wenn, waren es jedes Mal Eskalationen und ich hatte irgendetwas falsch gemacht, etwas Falsches gesagt, noch lächerlicher, etwas falsch betont. Und du hast mir vorgeworfen, ich sei so empfindlich und würde jedes Wort dreimal umdrehen. Schau in den Spiegel! Nicht ich war es!! Du!! Du ganz allein!! DU hast immer alles auf die Goldwaage gelegt, aber es mir vorgeworfen!! Aber was ist mit meinen Träumen, was ist mit meinen Ängsten, warum habe ich so eine Angst vor dir, als hättest du mich durch meine Kindheit hindurch verprügelt? Erklär mir das mal und wetten, du kannst es nicht!! Über das alles nämlich kann man auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Übereinstimmungen aus anderen Fällen zurückgreifen… Es tut mir leid, aber das, was da unterm Strich rauskommt, rein mathematisch, lässt dich in keinem guten Licht dastehen!!!

Bin ich zu weit gegangen??!!

Schwedischer VOLVO-SUV

27. Mai 2021, Donnerstag

19:45
Wie viel Benzos muss ich einwerfen, um zumindest mal eine halbe Stunde Frieden zu spüren? Jetzt gerade zweite Temesta eingeworfen… Oben end…
Dabei war der Tag nicht schlecht, der Ausflug nicht schlecht, der Rolli an sich grandios. Aber als ich zum LKW-Fahrer bei unseren Nachbarn sagte, ob ich nicht zu fett sei, um an ihm vorbeizukommen und er sodann in seinen Brummi stieg, um extra wegen mir zu Seite zu fahren… Aber als ich mich einem Nachbarn über den neuen Rollstuhl unterhielt… Jedes Mal so eine Panik-Ohrfeige, dass ich dachte, ich muss sterben, mich umbringen, abschießen…

Und schon erscheint es mir ein frappierender, gravierender Fehler zu sein, diese Zeilen festgehalten zu haben. Die Panik wird mehr und mehr…