13. Oktober 2021, Mittwoch „Träume und anderer Scheiß!“

8:17
Was war das, vorgestern? Was soll das? Ich hatte die ganze Fahrt über starke Bauchschmerzen, die sich im Laufe des Nachmittags in Koliken verwandelten. Und bei meiner Vorgeschichte hätte es mich nicht gewundert, wäre ich abends noch ins Krankenhaus gefahren. Aber „Buscopan“ hat mich gerettet. Diese scheiß Ansage, Eiweißmangel würde meine Ödeme auslösen. Diese scheiß Eiweißshakes. Hatte ich aus 2010 nichts gelernt? Nichts aus den ersten Jahren meiner Essstörung? Ich vertrage diese Dinger nicht. Und da hatte ich mir am Tag davor, abends, und tags drauf zum Frühstück einen gegönnt, der meinen Bauch fast zum Explodieren brachte. Nur bei normalen Menschen, oder wie auch bei mir früher, entstehen Blähungen. In meinem aktuellen Fall, in meinem sitzenden aktuellen Fall wird daraus nur ein riesengroßer Hautballon, der beschissen weh tut. Und mit dieser Kolik, und der Panik, da könnte was Schlimmeres sein, rase ich nach Hause, als ich im Rückspiegel hinter mir wieder einmal ein Auto sehe. Wie gewohnt weiche ich aus, fahre kurz an den Straßenrand, lasse das Auto vorbei. In diesem Fall hielt ich direkt vor dem Innenhof eines Bauernhofes. Blick in den Spiegel, das Auto blinkt rechts, ich denke, o. k., der oder die wohnt hier und fahre weiter. Das Auto blinkt wieder links und folgt mir. Ich glaube erst da habe ich gerafft, was für ein Auto das ist, und wem es gehört. Mein Vater? Hatte der nicht zu meiner Mutter gesagt, sie soll es langsam angehen lassen, er glaubt nicht, dass ich jetzt sofort wieder den TOTALEN Kontakt wünsche? Also gehe ich davon aus, es war meine Mutter. Und sie folgt mir, mit einem Abstand von etwa 50 m. Wie ein Stalker! Und ich rase und rase und bei einem Kanaldeckel komme ich fast von der Straße ab und rase in den Wald rein! Mir ständig denkend: „LASS MICH IN RUHE!!! ICH HABE JETZT ANDERE PROBLEME!!! HÖR ENDLICH AUF, FAHR VORBEI!!!“. Aber das tut der Wagen nicht, er folgt mir weiter bis zur scharfen Kurve, wo es dann unsere nagelneue Straße bergab noch 800 m bis zu unserer Einfahrt geht. Dann endlich, nach einer Verfolgungsjagd von locker 1 km, sehe ich den Wagen verlangsamen, und dann ENDLICH weiterfahren. Was soll der Scheiß?!!!

Gestern gestand mir Sebastian kleinlaut, dass sie wohl die Hälfte vom Computer bezahlt hat! Ja, ich war nicht nur sauer auf ihn, ich war enttäuscht. „Warum tust du das?? Haben 23 Jahre noch nicht gereicht?? Wie oft soll ich dir noch zu sagen, dass ein Geschenk von ihr auch im eine Gegenleistung bedeutet!!! Ich will das nicht, du hast gesagt, er kostet 300, und jetzt sind es 700? Warum hast du es nicht von meinem Konto abgebucht? Warum hast du nichts gesagt??? Ich will das nicht, ich will das nicht, bitte buch‘ das Geld von meinem Konto und gib es ihr zurück!!! Und sag ihr, dass sie das sein lassen soll!!! Wäre ich nicht ohnehin schon in so einem miesen Zustand gewesen, dann hätte ich… Kannst du dir ja ausmalen!“.

Gestern bei der Ausfahrt, ganz kurz das Gefühl, jetzt endlich den Cortisonentzug überwunden zu haben, als ich plötzlich wieder in Tränen ausbrach. Aber währenddessen dachte ich mir schon, lieber das, als diese ständigen Panikattacken!!

Und dann heute Nacht dieser Traum. Wo fange ich an? Eigentlich war der Traum schon ein Tagebucheintrag, eigentlich habe ich im Traum über diesen Traum einen Tagebucheintrag verfasst.

Ich entdeckte in meinem Kindertagebuch einen Eintrag. Da stand etwas über einen Vertrag mit der Nachbarin, dass ich auf ihrem Grundstück eine Weide anschneiden dürfte, aber darauf achte, dass niemand verletzt würde. Auf diesem Baum wollte ich mir einen Hochsitz basteln, oben drauf sitzen, um Tiere beobachten, Tagebuch schreiben zu können. Dann war da der Vertrag, mit meiner Unterschrift, aber der Text ging weiter. Nun weiß ich leider nicht mehr genau, ob es 1994 war, ob ich 14 war oder jünger. Ich beschrieb, dass ich mit einer Freundin an der Straße stand und Autos zuwinkte. Das haben wir in der Tat früher immer wieder gemacht und uns gefreut, wenn denn mal einer reagierte. Des weiteren stand dort auch, dass mir ein ganz junger Mann in einem Auto gefallen hätte. Dann war auf einmal die Rede davon, dass ich, nachdem ich ihn gesehen hatte, davon schwebte, das Gefühl hatte, als säße ich noch einmal neben mir, als wäre ich nicht mehr hier, und bezeichnete es in meinem -wohl gemerkt- Kindertagebuch als Dissoziation!!! Anschließend: „Ich weiß nicht, ob die Beziehung nach all dem jemals wieder normal zu ihm werden wird. Das war sie noch nie. Schon gar nicht in den Jahren davor…“. Also nicht zu dem jungen Mann. Im Traum hatte dieser Satz so eine Gewichtung, sagte alles aus, eben über meine Kindheit, über den Missbrauch, den Täter. Es war so klar!!

Szenenwechsel, Sebastian und ich haben unser Haus, wohnen aber trotzdem schon wieder in meinem Kinderzimmer im Gasthaus. Ich habe einen Termin. Irgendwie beim Agraramt oder so? Eben wegen dieses Vertrags mit der Nachbarin, und erst recht wegen dem, was dem im Tagebuch folgte. Es ging um ein Anhörungsgesuch. Und auf blog.de hatte ich gelesen, dass jemand anders auch ein solches haben wollte, woraus dann gleich eine Anklage mit Gerichtsverhandlung folgte, die das Opfer natürlich gewann. Ich sollte um 8:00 Uhr in Fürstenfeld sein. Fragte meine Mutter, ob sie mich fahren würde. Sie sah nicht begeistert aus. Ich meinte, dann würde ich das Fahrrad nehmen. Hatte wie in manch einem meiner Bilder dieses schwarz-rote, kurze Kleid an, Overknees mit Doc Martens. Sie sah mich an, als sei ich verrückt, wie ich so aufs Fahrrad steigen könne, als sei ich ein Flittchen. Mir war das egal, ich musste ja schlussendlich auch irgendwie „edel“ gekleidet vor dem Amt erscheinen. Auf einmal war einer Gruppe Menschen hinter ihr, ich kannte keinen von ihnen, wusste aber, dass es die mannigfaltige Verwandtschaft meines Vaters war (seine Mutter hatte 13 Geschwister). Und alle wollten sich auf mich stürzen, weil ich nun die Familie in Verruf bringen und kaputt machen würde. Wenn ich zu diesem Amt fahre und damit initiiere, dass mein Fall verfolgt würde, dass endlich jemand hinter die Fassade schauen würde, was mir wirklich passiert sei. Lustigerweise konnte ich mich wehren und verpasste jedem einzelnen einen gekonnten Boxhieb direkt in die Fresse. Wie bei einem Dominoeffekt vielen sie einer nach dem anderen um. Dann mussten wiederum sie alle ihrerseits zu irgendeinem Termin, und meine Mutter sagte noch zu mir drohend: „Wenn du das wirklich machst, dann drehen wir den Spieß mal um! Dann bist du nicht länger unsere Tochter und dann wollen WIR keinen Kontakt zu dir!!!“. Alle rauschten aus dem Haus. Und ich?
Nein, ich fuhr nicht zu diesem Termin. Ich schluckte zwei Benzos und verschwand in der virtuellen Welt. Da war ein Forum bei blog.de. Sah aus wie eine Pyramide. Drunter stand: „Hier ist Platz für SVV, Suizid, Missbrauch, Trauer…“. Auf einer Stufe konnte man ein Video sehen, von der Person, die die Gerichtsverhandlung hatte. Und sie dankte ihrem Therapeuten, den man dann auch zumindest hören konnte. Und es war Markus!! Ich dachte nur, Markus hatte recht!!! Warum sollte er dann bei mir so falsch liegen?!!! Ich kletterte weiter, bis ganz nach oben. Dort begann ich meinen Eintrag zu diktieren. Erzählte, was gerade passiert war, mit der Verwandtschaft, meiner Mutter. Und wurde immer langsamer und langsamer… Bis ich wie aus weiter Ferne irgendjemanden sagen hörte: „Ihre Augen werden schon ganz glasig, bald ist sie nicht mehr da…“. Und alles wartete darauf, dass die Sippschaft in der Realität zurückkam und über meine „leblosen“ (leider nur leicht betäubten) Reste stolpern würde, dann würde ich mich hier in der virtuellen Realität auflösen und keiner könne mir helfen…

Als Sebastian ins Wohnzimmer kam, erschrak ich. Ein abruptes Ende für diesen Traum.

Es geht mir immer schlechter. In der Küche liegt die Butter auf dem Boden. Ich kann die Dose nicht aufheben. Ich konnte kaum das Wasser aufdrehen, um den Schweiß der Nacht von meiner Visage zu waschen. Ich kann kaum die Maus halten. Eigentlich müsste ich aufs Klo, aber ich kann alleine nicht. Und wie lange ist es nun her, dass das Krankenhaus meinte, es würde zurückrufen? Wegen den Tabletten? Nächste Woche habe ich Termin. Was soll ich meiner Ärztin sagen? Dass es kurzfristig besser zu sein schien, aber nun, als hätte ich es damit nur noch schlimmer gemacht? Wie ich hier sitze einfach nur das überwältigende Gefühl, so allein im Haus in den nächsten Stunden völlig aufgeschmissen zu sein. Ich kann nichts mehr. Ich bin sogar zu blöd, das Hemd runterzuschieben, wie bei Homer Simpson lugt meine fette Wampe unten raus.

9:50
Wollen alle mal herzlich mit mir lachen?!! Abgesehen davon, dass der nagelneue (Zitat Sebastian) „Hi-End-Computer“ mindestens sechsmal komplett abstürzt, als ich nur mein Material sichten will, um es zu benennen und zu sortieren…
(Die unzufriedenen Energien meiner Mutter, meinte doch Sebastian, wahrscheinlich wollte sie dir sagen, dass sie den Computer mitfinanziert hat?)
Ich musste aufs Klo, und zwar sehr dringend, also habe ich es allein versucht, bevor ich mir (Entschuldigung für meine Klarheit) in die Hose scheiße! Und zum Glück konnte ich auch wieder aufstehen… ABER… Ich hocke jetzt hier an meinem PC, die Unterhose habe ich zwar an, aber die Einlage klebt unten an der Hose und die Hose hängt mir unten auf den Knöcheln. Bitte, lass‘ es jetzt klingeln und jemanden kommen!!!

Ist es Verzweiflung? Oder müsste man es beinahe Routine schimpfen?
Möchte mich stante pede aufschlitzen… und da schmiert auch noch das Diktierprogramm ab…

10:23
Ach, die Kopfschmerzen von den Verspannungen und dem Headset reichen mir scheinbar noch nicht, da geht noch was, noch was ausspucken, was sonst in meinem Körper zum Krebsgeschwür wird… Obwohl ich mich ohnehin frage, wann denn endlich mal eine Krebsdiagnose im Krankenhaus dabei ist. Gestern eine junge Mutter gesehen, mit ihrem kleinen Sohn, mit der klassischen Krebshaube, Krebstuch auf dem Kopf. Warum sollte mich das verschonen? Gerade angesichts der ganzen Chemie, die ich mir ständig rein stopfe? Den ganzen Röntgen, MRTs, CTS, Kontrastmittel? Der schlechten Lebenseinstellung? Der miesen „Energie“?

Oder hält das wohl gemerkt fliegende Spaghettimonster schützend seine Spaghettitentakel über mich armseliges Würstchen? Ich bin noch nicht fertig mit mir. Gerade verzweifelt (zwar mehr oder minder erfolgreich) versucht meine Hose hochzuziehen. Bis zu den Oberschenkeln kam ich. Problem? Sie lässt sich nicht mehr schließen. Weil ich ZU FETT BIN! Oder wie ich gestern zu Sebastian sagte? „Mit DIESEM Körper möchte ich nicht sterben!“. Klingt bescheuert? Das wäre mir peinlich! Vorgestern holte ich meine Katheter endlich vom Sanitätshaus. Die nette Dame, die mich auch wieder mal zu kennen scheint, meinte, ich würde jetzt besser aussehen. Sie hätte mich letztens beobachtet, als ich vorbeifuhr und sehr düster dreinschaute. Ich meinte, wie soll ich „gut und besser“ aussehen, mit diesem ganzen scheiß Wasser in meinem Körper? Und wusste ihr zu berichten, dass Ramida zuletzt von der Volkshilfe meinte, ich hätte „Bumm! Sowas von zugenommen!“. Klare Worte in schlechtem Deutsch? Aber sie hat ja recht! Was gibt es da zu beschönigen?! Was hilft es, mir selbst und der ganzen Welt in meinen Videos wieder und wieder zu zeigen, wie ich jetzt aussehen „müsste“, wenn ich es doch nicht tue? Und mir doch sowieso keiner glaubt, dass es eben nicht MEINE Schuld ist…

Abschließend sagte ich noch zu Verkäuferin, mit Fingerzeig auf das Plakat am Schaufenster, welches ich bereits in einem meiner Filme verarbeitet habe (diese Läuferin am Strand, mit der Beinprothese): „Wo und wann kann ich mich für die Beinamputation anmelden? Ich würde sofort mit ihr tauschen, sie können mir von mir aus beide Beine abnehmen!“. Wieder die Laune runtergezogen, wie?

Also, was stelle ich mit mir an, wie bestrafe ich mich, diesen Körper? Der einen Teufel tut, irgendetwas an der Situation zu verändern. Wieder in einen Normalzustand zurückzukehren. Rasierklingen? Für 2 Minuten Spaß? Und dann einer Sauerrei, die ich blöder Krüppel nicht richtig beseitigen kann? Dann doch lieber Tabletten? Meinte ich nicht vorgestern, eine scheiß Angst davor zu haben, von dem ganzen Mist abhängig zu werden? Und war so froh, es gestern erstmals ohne geschafft zu haben? Eben mit dem Gefühl, dass der Cortisonhorror nun abflaut, ENDLICH??? Schmerzmittel? Mein Ischias (Morbus Scheuermann senior) bringt mich um, mein Nacken bringt mich um (Morbus Scheuermann junior). Aber dann sind da auch die ganzen Lähmungen, diese Unfähigkeit, dieses Zusehen müssen, dass alles zugrunde geht. Unwiederbringlich. Wie sollte meine Ärztin drauf reagieren?!! Schon geht der Griff in die Kiste. Paracetamol, mal ganz klein anfangen. Prompt bekomme ich Panik. Wieder die Angst vor Abhängigkeit oder dass es nicht reichen wird. Der Katheterschlauch voll mit blutigen Schwebestoffen. Ich bin atemlos. Auf so manch einer Aufnahme hört man mich im Hintergrund jaulen.

Singen kann sie auch nicht mehr…

Gurgelnd landet die Tablette in meinem Magen. Wie soll das weitergehen…

9. Oktober 2021, Samstag „Wenn Pech haftet…“

12:44
Vielleicht mal als 1. die ganzen Beschwerden aufzählen? Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, die ganze Schulterpartie schmerzt und dieser Schmerz lähmt zusätzlich, die Blase ist wieder am Start und eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis erneut die nächste Panikattacke einsetzt. Ich kann nicht mehr…

Der neueste Clou: Ich komme nicht mehr an den Wasserhahn ran, kann ihn dann nicht aufdrehen, abdrehen. Das Keyboard muss ich mir direkt unter den Latz schieben, kann die Arme nicht strecken, die Finger sowieso nicht. Warum? Die irrsinnige Spekulation aufstellen, dass das Cortison irgendetwas angestoßen hat und diese fünf nagelneuen Läsionen in meinem Schädel jetzt erst recht in Aktion treten, aufgeweckt wurden? Oder soll das immer noch alles NUR der Entzug sein?

Gestern Nacht doch tatsächlich noch mit der Rettung nach Oberwart in die Urologie. Man fand eigentlich keinen Defekt am Katheter, meinte sogar, er würde unauffällig aussehen. Und in der Tat, die Schläuche waren ganz klar, nichts verstopft. Aber, neues Urikult, in einer Woche weiß ich mehr, und zuvor schon wieder beim Frühstück der erste Kampf mit diesem lästigen Organ. Fertig, einfach nur noch fertig. So lag ich gestern da in dem Untersuchungsraum auf der Liege, und klopfte im Abstand von 4 Sekunden auf meine Pumpe, immer wieder die Luft mindestens 1 Minute anhaltend. Auch jetzt vibriert in mir drinnen, in meinem Brustkorb alles. Endlich, Sonnenschein, spätestens um 14:00 Uhr soll es losgehen. Wie viele Schichten brauche ich? Muss die Wärmeflasche mit? Wieder nur Fahren und Musikhören und für alles andere einfach zu dumm, zu verkrüppelt?! Ich wollte doch schon längst mit Fimo einen „Aufsatz“ für den Zoomhebel an der Kamera gebastelt haben, habe extra noch Superkleber gekauft, die Versuche letztes Jahr hielten leider nicht lange. In der Hoffnung, dass die Vergrößerung mir eine gewisse Hilfestellung leistet bei der Bedienung der Videokamera.

Die Augen wollen wieder zufallen, eine von meinen dubiosen Koffeintabletten einwerfen. Kaffee, Guarana, grüner Tee. Das neue Videoprogramm, so richtig „deppenfreundlich“. Alles ist vorgegeben, alles in fertigen Programmbausteinen vorhanden. Also der einfache Benutzer, der irgendwelche Fotos in seinem Urlaubsvideo hereinpurzeln lassen möchte, kommt ganz auf seine Kosten! Problem nur für mich? DAMIT kann ich keine Animationen mehr machen!!! Insofern wollte ich, dass Sebastian mir gestern die alte Version wieder auf den Computer macht. Was passierte? NATÜRLICH dass die Neue nicht mehr funktioniert!!! Einzige Lösung? Die Fassung von 2017 auf mein Notebook zu spielen, in der Hoffnung, dass die kleine Klapperkiste damit klarkommt. Sonst war’s das endgültig mit meinen Zeichentrickfilmen, und ich brauche wohl kaum erwähnen, wie ärgerlich ich das finde, reicht es denn nicht schon, dass mir mein Dachschaden alles wegnimmt? Wer weiß, wie lange noch…

Das Vibrieren in mir wird stärker. Ich pfeife wortwörtlich aus dem letzten Loch, die Nasennebenhöhlen lassen mich wissen, dass es endgültig Herbst ist. Das Headset nicht aushalten, noch mehr Kopfschmerzen. Meine Magennerven zittern. Vom Cortison, vom Entzug, sicherlich auch von dem ganzen Scheiß, den ich hier tagtäglich einwerfen muss, um dieses Leben, diesen Körper irgendwie noch auszuhalten.

Armselig, oder?…

20:45
Was für ein fulminanter Nervenzusammenbruch nachmittags, bevor ich losfuhr. Ich kann nichts mehr. Wollen wir diesen beschissenen Satz nun mit Zahlen versehen, um die einzelnen Nutzungen unterscheiden zu können? Ich würde sagen, ich bin bei einer acht oder neun von zehn? Und ich schrie, dass ich Angst hätte, in einen Zustand zu geraten, in dem ich mich selbst nicht mal umbringen könnte, und das unmöglich von ihm verlangen dürfe, also mir dann zu helfen. Dass er das alles nicht verdient hat.

Ich habe Angst. Ich habe Angst, von den Beruhigungsmitteln abhängig zu werden. Aber wieder geht es nicht OHNE. Weil mein nagelneuer Computer wieder nichts funktioniert! Was sind das für perverse Spielchen, die hier getrieben werden? Wieder ist der Grafiktreiber verschwunden, wieder lassen sich meine Projekte nicht öffnen. Und während Sebastian ziemlich entnervt versuchte, des Rätsels Lösung zu finden, stieg meine Unruhe und Panik ins Unermessliche. 15 Tropfen Psychopax. Bei meiner Ausfahrt bereits 1 mg Temesta. Und Schmerzmittel, noch und nöcher, eine doppelte Maximaldosis Tramal. Und wie konnte ich es wagen, zuvor das Diktierprogramm zu loben, jetzt spinnt auch das in einem fort. Ich kann nicht mehr… Alles stellt sich vermeintlich gegen mich. Was bleibt mir da schon? Wieder die Rasierklinge?

8. Oktober 2021, Freitag „Nächster Versuch…“

8:34
NICHTS, aber auch wirklich NICHTS von den ganzen Beruhigungsmitteln kam in meinem Hirn an. Und wieder denke ich verzweifelt darüber nach, was gab es gestern zum Abendessen? Ich weiß es nicht. Vielleicht bewirken das die Tabletten, sonst nichts. Die erste Rutschpartie mit dem Panikexpress hatte ich bereits. Aber zum Glück funktioniert am Computer alles, vorerst. Der Himmel ist grau, grau in grau, deprimierend. Hatte da nicht irgendwer, wenn nicht sogar die Internistin, die wahrlich nur einen sporadischen Blick auf meine Beine warf, angemerkt, das Wasser könne auch von einem Eiweißmangel herrühren? Wie sieht unsere Ernährung aktuell aus? Beschissen! Einseitig! Und ich esse eigentlich zu wenig… Für den Satz müsste ich mich eigentlich ohrfeigen. Weil… Man sieht es ja nicht! Jeder denkt, ich bin dick! Keiner glaubt mir, dass das mindestens zehn Kilo Wasser sein müssen!

Ergo: Gestern beim Unräumen fiel mir da dieser riesengroße Kanister ins Auge, ganz oben auf dem Küchenregal. Da hat die Frau Samer bei der Bestellung bei Amazon wieder nicht aufgepasst, was Maße und Gewicht betreffen. Das ist beinahe ein Sautrog, voll mit Eiweißpulver. Dementsprechend gab es heute zum Frühstück einen Apfel und einen eiskalten Shake mit gefrorenen Himbeeren. Das nun in den Alltag einfließen lassen? Ob daraus irgendwelche Ergebnisse resultieren könnten? Jetzt ist das Zeug schon da, also weg damit… Viel gesünder geht augenblicklich nicht. Denn wer sollte kochen?

Das Wetter macht mich richtig depressiv. Ich will raus. Und wenn schon nur um erneut mit ganz lauter Musik durch die Gegend zu fahren, ohne Auftrag, ohne Ziel, einfach nur so.

7. Oktober 2021, Donnerstag „Wenn es dich zerreißt…“

18:12
Warum? Warum? Warum? Was habe ich verbrochen? Wofür muss ich bestraft werden?

Alle Register gezogen, vor 5 Minuten sogar die leider zu stumpfe Klinge in meinen Arm sinken lassen, zehnmal, es muss immer eine gerade Zahl sein. Sonst provoziert und produziert das noch mehr Unruhe. Mit Daniela heute, die 1. Stunde hat sie gesaugt und dann durfte ich sie durch die Wohnküche scheuchen, mehrere Ecken wurden aufgeräumt, endlich, nach meinem Wunsch. Wie war das früher? Wenn ich aus dem Krankenhaus kam? Scheißegal, wie es mir ging, ich musste immer zuerst, als aller erstes alles aufräumen, putzen, klar Schiff machen, kein Fleckchen Dreck oder Unordnung durfte übrig bleiben, sonst wären diese schlimmen zwei Wochen Entzug hinterher nicht auszuhalten gewesen. Wie oft habe ich mich dabei völlig überfordert, mir selbst geschadet. Gerade eben fühlte es sich für einen Moment richtig gut an, dass auch ich aktiv etwas dazu beigetragen habe, sortierte die ganzen Tablettenpackungen in der Blechdose rechts neben mir auf dem Tischchen, nach „Themen“. Magen, Schmerzen, Psyche. Und da war so ein flüchtiges Gefühl voller Endorphine, ein Glücksgefühl… Warum darf ich nicht, warum darf es nicht bleiben, aber schlimmer noch, warum muss es immer gleich ins Gegenteil verkehrt werden, in ein fatales, unerträgliches Gegenteil?! Warum, warum, warum… Das ist so, als würde ich lächeln, und man stieße mir dafür zu Strafe unverwandt und ohne Vorwarnung ein Messer in die Brust! Dementsprechend die gezogenen Konsequenzen. 2,6 mg Morphium, wieder 1 mg Temesta. Sobald der Rausch sich breitmachen will, schreien aus allen winzigen Ritzen und Ecken tief in mir irgendwelche Ängste… Panikattacke nach Panikattacken nach Panikattacken!!! Was habe ich getan…

Die Wunden werden nicht reichen. Aber zumindest ein bisschen? Bitte, man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Noch vor 1 Minute ein leichtes Absinken des Stresspegels, als würde ich mich in eine Hängematte fallen lassen, aber allein darüber nachzudenken, es auszusprechen, zu diktieren, macht es stante pede kaputt… Ich wollte doch einfach nur froh sein, dass Sebastian es nun hinbekommen hat, dass das Videoprogramm funktioniert, dass das Diktierprogramm so gut funktioniert, ich wollte doch nur, ich wollte doch nichts Böses… Wann erschießt mich jemand?!! Ich war so aufgedreht, so lustig und dann öffnete er die Mail meiner Mutter, mit dem Eintrag im Geburtsbuch. Er witzelte: „Da schaust du aber grantig drein, wahrscheinlich hast du gedacht, oh Gott, Mutter, HÖR ENDLICH AUF ZU REDEN!“. 2 Stunden nonstop Späße machen, und auf einmal, als hätte man mich abgeschlachtet. Ich sah das Foto. Und meine Gedanken? Ich hätte nie geboren werden dürfen! Zusammenbruch!

Gestern eine Doku über ein totkrankes Kind gesehen. Im zweiten Teil wird davon berichtet, wie es regelrecht zu einer Wesensveränderung kommt unter Cortison. Das musste ich Sebastian zeigen, aber er meinte, er könne sich das nicht weiter ansehen.

Als ich fragte, warum, gab er kleinlaut zu, dass er mich da sieht, wie es weitergeht… Wie es zu Ende geht. Und er will jetzt leben und sich nicht mit dem Tod auseinandersetzen. Es sei unerträglich, es sei viel zu schmerzhaft.

Ihn heute schon mehrfach gefragt, als mein Gedächtnis missbraucht: „War es früher auch schon so?“. Die Halsschmerzen, die vermeintlich geschwollene Zunge, Druckschmerzen bei jeder Berührung am ganzen Körper, überall noch mehr Wasser im Gewebe, und die wichtigste Frage, die er mir bestätigte, dass es mir nach den Stoßtherapien ganz häufig noch schlechter ging als davor im nackten Schub. So kann ich augenblicklich meine Arme nicht heben, ich kann nichts, ich kann gar nichts.

Täte ich mir einen Gefallen, noch mehr einzuwerfen, eine zweite oder dritte Temesta, um wenigstens eine halbe Stunde oder ganz kühn gefordert 1 Stunde arbeiten zu können?…

20:01
Ernüchternd lesen zu müssen, dass die Wirkung der ganzen Benzos doch allem Anschein nach 1 STUNDE oder sogar erst nach 2 Stunden einsetzt!! Verdammt, riskantes Abhängigkeitspotenzial in allen Ehren, aber gibt es da nichts Schnelleres? Ich höre gerade oben die blöde Glocke läuten, der Abend scheint vertan, der Tag scheint vertan, und wieder Panik und Panik und Panik!

VERRECK DOCH ENDLICH!!!

Ja, aber wie? In meiner hilflosen Situation wieder zur Klinge gegriffen, dieses Mal ein nagelneues Stück aus seinem weißen Kuvert gewickelt. Andrücken, drück an… Und da ist es wieder, dieses fürchterliche, schreckliche, grausame Gefühl, vor Sebastian Angst zu haben. Weil ich ihn oben husten hören hab. Was soviel bedeutet, dass er sich bald auf den Weg macht, runterkommt, ich nicht mehr allein bin, der Abend gestorben… Was hast du für einen Lattenschuss? Zumal mir eine zweite Temesta eingeworfen und das Fläschchen Psychopax, die kümmerlichen Reste darin mit Wasser ausgespült. Vermutlich müsste ich einfach nur etwas essen, eine Kleinigkeit, den Substanzen sozusagen ein Substrat liefern, auf und mit dem es wirken kann. Ich hasse mich. Ich halte das nicht mehr aus. Ich kann das nicht mehr. Weil ich weiß, dass es kein Ende nehmen wird. Die illusorische Fantasie, dass in zwei Wochen wie bei den letzten Malen plötzlich so ein Rumpeln zu spüren sein wird, als könne ich akustisch und auch spürbar bemerken, wie dieses beschissene Stresshormon endlich wieder aus meinem Körper raus ist, wie ein fetter Cowboy von meiner ausgelaugten Pumpe runterklettert. Um dann… Wie lange Frieden zu haben? Bis zur nächsten Scheiße? Ich will sterben, ich will dass es aufhört, einfach nur auf, dass es mich in Frieden lässt, oder ich will leben, aber nicht so, das ist ein Ding der Unmöglichkeit, ich bin zu schwach, zermürbt, auf dem Boden kriechend, lasst mich endlich sterben…

6. Oktober 2021, Mittwoch „ALLES AUS! ALLES AUF ANFANG!“

9:32
Ein fulminanter Crash vor meinem Krankenhausantritt! Nun hatte ich zwei Versionen meines letzten Filmes hochgeladen und in beiden war jeweils wieder ein eklatanter Fehler enthalten. Dann kamen anderweitige Sperenzchen hinzu, das Programm betreffend… Und dann, ja dann… HAT’S GEKNALLT!!! Mein Motherboard ist durchgebrannt!!! Alles hin, alles kaputt, als im Arsch. War nicht schon die neue Version vom Videoschnittprogramm mein Geburtstagsgeschenk? Nun versuchte Sebastian RECHTZEITIG vor meiner Heimkehr eine neue Kiste aufzutreiben, die bestenfalls was die Grafikkarte betrifft auch noch ein bisschen, bis ein bisschen mehr besser unterwegs wäre. Und er hat es geschafft, als ich montags mit der Rettung hier aufschlug, stand im Flur bereits eine Schachtel, unter meinem Tisch ein nagelneuer Computer und auf meinem Keyboard klebte ein Zettel: „MAUS!“, die ich nur noch anschließen hätte müssen. Ach ja, wenn das Leben immer so einfach wäre. Was waren das gestern, vorgestern wieder für Nervenzusammenbrüche? Ohne Frage ordentlich gefüttert von der beschissenen Cortisonsuppe in meinem Blut. Rauf, runter, rauf, runter… Aber nicht nur ein einfaches RAUF, wie gestern bei meinem ersten Ausflug zu sehen. Ich war so dermaßen geschwängert mit Glücksgefühlen, Endorphinen, obwohl ich gerade noch fähig war zu differenzieren, dass da irgendetwas nicht ganz authentisch sein kann. Ich war nur 100 m die Straße runtergefahren und stand in unserem Erlenwald, das gleißende Sonnenlicht blitzte durch das sich verfärbende Laub (ehrlicherweise ist bei Erlen nicht sonderlich mit Farbspektrum zu rechnen)…

Und da geht der Spaß schon los mit dem Diktierprogramm, die ersten Marotten. Nicht anders erwartet.

Ich dachte, da gestern, wie schön ist es, am Leben zu sein, spürte, mit jedem Atemzug, dass ich noch am Leben bin… Und wenige Sekunden später einmal gedanklich falsch abgebogen (allein das jetzt zu diktieren, ein schwerer, schwerer Fehler, die nächste Panikattacke), und ich stand da ganz allein im Wald und flennte. Die ganze Fahrt über, den ganzen Nachmittag über. Abends, zurück an meinem neuen Computer, der komplett neu aufgesetzt werden muss, das Schnittprogramm wollte partout nicht kooperieren, es sah aus, als sei wirklich alles verloren, die ganze Arbeit, alles dahin, zusätzlich das Diktierprogramm nagelneu zu trainieren, damit es mich versteht… Und wie nach jeder Stoßtherapie musste ich Sebastian bitten, mich kurz ganz festzuhalten. Sonst hätte ich mich vermeintlich verloren, vollends.

Geht es nur mir so? Geht es nur mir so, weil ich so ein Psycho bin? Kennen noch andere diese wahrlich geschmacklose und teils lebensgefährliche Achterbahnfahrt während, aber leider auch zwei Wochen nach einer Hochdosistherapie? Wie oft diese Frage schon gestellt in den letzten 23 Jahren? Sollte ich Tabletten nehmen, ausschleichen, womit man die Prozedur nur bestenfalls etwas abmildert, aber leider auch andererseits verlängert? Ich denke an die Magenschmerzen, die Übelkeit. Im Krankenhaus kaum etwas gegessen. Die letzte Nacht nicht geschlafen. Neue Zimmerkollegin, etwa 55, Schlaganfall und außer Rand und Band! Wir mussten ständig auf sie aufpassen, vor allem montags kletterte sie unverwandt aus dem Bett, halb nackt. Meine Oma (Zimmernachbarin) versuchte sie zu stützen, damit sie nicht umkippt, während ich laut alarmrufend in den Flur raste, um wieder und wieder und wieder eine Schwester zu schnappen, die sich drum kümmern musste. 3 Stunden konnte ich schlafen. Die restliche Nacht hat sie geredet, geschrien, mit den Füßen gegen den Wandschrank getreten, wieder Anstalten gemacht, aus dem Bett zu klettern… Und mein Heavy Metal auf den Ohren nur ein kleiner Trost. Schwaches Hilfsmittel. Jedes vierte Lied brachte mich erst recht zum Weinen.

Mir wird schlecht. Nein, mir ist schlecht. Mich zuvor wieder einmal angepinkelt. War es vor der Entwässerungstablette oder direkt nach deren Einnahme? Tut der Nacken nun deswegen so dermaßen weh, weil ich zuvor im Befund wieder einmal von meinem Morbus Scheuermann in der Halswirbelsäule lesen durfte? Und da sagte ich noch zu Sebastian, zieh die Einlage raus, ich brauche keine… Zweimal schon, ein bisschen. Ich hasse mich. Und ganz ehrlich weiß ich nicht, was ich jetzt tun soll. Irgendwie hat Sebastian es dann doch noch geschafft, dass ich zumindest mein neuestes Projekt zuvor öffnen konnte, und nicht der eine Unterordner mit den 1000 einzelnen Videos, die bereits zugeschnitten und sortiert waren, wieder alles zum Absturz bringt. Aber es macht alles keinen Sinn. Jedes meiner Worte hier ist wertlos, wie immer. Abends wurden meine Augen auch wieder massiv schlechter, ich sah nur noch Nebel. Eigentlich passiert das doch während der Therapie? Und um noch mit der schlechten Laune ein bisschen zu spielen… War das alles umsonst? Ich hatte eben nicht recht? Fehleinschätzung? Oder eben wie’s im Befund steht: sekundär progrediente MS, mit aufgesetzten Schüben. Fertig. Darum keine Kontrastmittelaufnahme, keine signifikante Verbesserung…

Aber, obwohl, jedoch… Ich kann die Finger spreizen, zwar nicht lange, aber immerhin. Doch beim Hantieren mit der Maus dieselben beschissenen Fehlleistungen, ständig muss der Ringfinger auf die rechte Taste klicken, wenn es der Zeigefinger seinerseits links vormacht.

Der Himmel ist grau. Ich hatte gehofft, diesem Elend heute wieder entfliehen zu können. Mir war gestern sowieso nur nach ganz lauter Musik und durch die Landschaft Brausen. Dass sich dann abends ein lustiger Feldhase mir und meiner Kamera regelrecht angebiedert hat, ein anderes Kapitel. In flagranti hatte ich ihn mit einem Fasan erwischt.
Regnet es den ganzen Tag? Ich mag nicht mehr Fernsehen. Das hier, wie schon gesagt, macht ohnehin keinen Sinn. Weiter am neuen Film arbeiten? Ich habe Angst davor, was meine Gefühle, meine Entgleisungen währenddessen mit mir anrichten könnten. Rein hypothetisch könnte das so weit gehen, dass so manch eine Videospur latent Panik auslöst.

Und ebenfalls wie immer der Ruhe vor dem Sturm auf den Leim gegangen. NATÜRLICH holt mich die Steroidakne ein. Pusteln, Pusteln, Pusteln. Schultern, Hals, Ausschnitt… Gesicht? NOCH im Rahmen. Da drängt sich mir plötzlich die Frage auf, ob es doch schade ist/war, wie mein Geburtstag ablief. Ach, was soll’s. Dem Tod ein Jahr näher gerückt.

Langeweile. Klimpern. Kopfschmerzen von den Verspannungen und dem Headset. Draußen wird es ein bisschen heller, irgendwo da hinter dieser grau-weißen Milchwand. Sebastian hat leider wie erwartet den Überblick ein bisschen verloren, es stinkt hier drinnen so dermaßen nach kaputten Lebensmitteln (Gemüse, Gemüsereste).

Scheiße! Alles Scheiße!!

18:43
Und jetzt?! UND JETZT?!!!

„Das kam schon mehrfach vor…“… Tatsächlich?! Ich kann meine Arme nicht mehr strecken. Zu viel Heizdecke?! JETZT sieht es aus wie ein alles zerstörender Schub!!! Und draußen regnet es und mir ist immer noch schlecht und ich weiß nichts mit mir anzufangen! Ich sehe augenblicklich nicht einmal eine Lösung darin, mich irgendwie abzustellen, um es nicht mit voller Wucht ertragen zu müssen. Und denke doch die ganze Zeit…

DU HAST ES NICHT ANDERS VERDIENT!!!

Was macht mich noch mehr fertig? Die Maus nicht halten zu können? Dieser ganze Saustall, auf meinem Tisch, in der Küche, im ganzen Raum, im ganzen Haus… Na? Roten Faden ausgemacht? Oder doch wieder in die Zauberkiste greifen, Hilfe suchend? Aus den winzigen Punkten im Gesicht sind riesige Eiterbeulen geworden. Wenn es die letzten Male nicht schon so desaströs abgelaufen wäre, würde es helfen mich zu verletzen? Aber ich kann doch die Klinge nicht halten. Doktor Google befragen, was mich jetzt am besten beruhigen könnte. Nehme ich Psychopax? Wieder Temesta? Ich kann das Tagebuch nicht veröffentlichen, ich komme an meine Zugangsdaten nicht ran. Interessiert doch eh keinen! Schreien, einfach nur schreien!! Alles in der Schwebe… Und da sollte ich doch tatsächlich bereits am Freitag wieder zum Termin antanzen? Ich meinte, in zwei Wochen wäre besser. „Mal ganz optimistisch in die Zukunft gedacht: Dann müsste ich die größte Scheiße bereits hinter mir haben!“… Klimpern. Oder sind da doch auch noch Schmerzen, ich nehme ein Schmerzmittel, Morphium? Ich trage berechtigte Sorge, nun irgendetwas an meinem Projekt zu verändern, zu verschieben, und dank meiner verkrüppelten Hand lauter unbeabsichtigte Fehler einzubauen! Der Cappuccino aus dem Kühlschrank hat zu viel Süßstoff abbekommen. Mir ist schlecht. Dabei wollte ich mich doch so aufs Abendessen freuen, das „After-Stoßtherapie-Menü“ schlechthin: Rohkost – Tomaten, Gurken, Paprika, milden Käse, ein gekochtes Ei, Kürbiskernöl und ein frisches Brötchen. So nach dem Prinzip: „Die letzten Tage bekam ich einfach nichts runter, habe, wenn überhaupt, nur geringfügig Müll in mich hinein gestopft (zum Glück), weil alles bitter schmeckte war beinahe alles davon nur süß und künstlich und beschissen. Ich brauche was frisches, lebendiges!! Was GESUNDES!!“.

Aber augenblicklich vergeht mir alles. Es kribbelt komisch in den Armen. Dass ich sie nicht ausstrecken konnte, ging bereits vormittags los. Krämpfe, Elektrolytmangel, die Entwässerungstablette? Meine Fresse, die hat Wassermassen zu Tage befördert!!!

Das Psychopax bereits in der Hand, lasse ich es wieder in meiner Dose verschwinden. Nicht noch etwas in meinen Mund stecken, das einen heftigen Geschmack dort hinterlässt!! Sebastian möchte heute Abend gerne diese neue Serie weiter gucken. Ob ich es schaffe, wach zu bleiben? Verzweifelt in meiner Dose wühlen. Das tut weh, diese Schwäche in der Hand, spüre ich das Wetter? Ich kann nach nichts greifen, der Schlauch wieder raus aus der Wasserflasche. Ohnehin nur noch Eis drin… Klimpern und Regentropfen…

1. Oktober 2021, Freitag „Nächste Runde…“ – LKH2

17:48
Ganz allein im Zimmer, wir wurden wieder ausgemerzt, aber Nachwuchs wurde geliefert, und hätte besser nicht sein können. Eine Lehrerin, nicht nur politisch auf derselben Wellenlänge, musikalisch geht auch so einiges, ganz laut.

Was es sonst noch zu sagen gäbe: Abends, wie nicht anders zu erwarten, erschlug mich ohne Vorwarnung eine gewaltige Depressionswand. Und ich konnte meine Fassade nicht länger aufrechterhalten und brach in Tränen aus. Alles kaputt, alles zu Ende, alle sterben, ich kann es nicht verhindern, im schlimmsten Fall mich vorher selbst aus dem Weg zu räumen. Und diese Gedanken drehten sich und drehten sich und drehten sich, ein wunderschönes Perpetuum Mobile ohne Ausstiegsmöglichkeit. Ob ich denn etwas von meinem Beruhigungstabletten, von den Benzos haben möchte. Ich entschied mich für Gewacalm, staunte aber nicht schlecht, als die Schwester nach kurzem mit einer Infusionsflasche hier rein marschiert kam. „Hattet ihr keine Tabletten? Sonst nehme ich meine eigene!“. Sie verneinte dieses und zwang mir aber regelrecht die blöde Infusion auf. Und welchen Sinn sollte das dann haben? Die Tropfgeschwindigkeit…? Unterirdisch! Ein Tropfen pro Minute. Sollte ich dann bis übermorgen warten, bis die beruhigende Wirkung einsetzt? Im Bett Rotz und Wasser geflennt, die Spirale drehte sich weiter, kam zu keinem Ende, aber die Intensität der Bilder, die mir da zugemutet wurden, nahm stetig zu. Zum Schluss sah ich nur noch Sebastian sterben. Sterben, sterben, sterben. Und dann dachte ich, wie ich mich, egal wie auch immer es kommen sollte, trotzdem noch aus dem Weg räumen könnte. Müsste ich endlich meine Büchse der Pandora in die Rollstuhltasche stecken? Oder wäre es klüger sie in der Bauchwegtasche zu verstecken, die kommt abends immer wieder mit rein ins Haus, und wäre dann auch dort zu erreichen.

Und dann treten wir doch tatsächlich noch eine Runde an und ich sah Sebastian, wie eine kleinen unschuldigen Jungen, der seine wichtigste Bezugsperson verliert. Sie entdeckt, tot, leichenblass, alles zuvor. Und es bereitete mir noch mehr Schmerzen. Noch mehr Schmerzen als dieses beschissene Leben schon zu leisten vermag? Als ich dann im Bett lag, drehte sie zumindest die Tropfgeschwindigkeit ein wenig hoch, dennoch spürte ich nichts von den Benzodiazepanen. Und das Weinen wurde immer schlimmer. Dann fragte sie, ob ich nicht auch noch ein Temester haben wolle. Natürlich stimmte ich in meiner Verzweiflung zu. Es hört einfach nicht auf und ich tat natürlich auch beinahe willentlich alles, um dieses elende Rad am Laufen zu halten, ich oder Rumpelstilzchen befeuerten das System unablässig mit Horrorszenarien. Irgendwann, aber irgendwann, da mag es bereits 1:00 Uhr gewesen sein, unterhielt ich mich eingängig mit meinem inneren Kind, sprach davon, dass es mir glauben müsse, dass es mir vertrauen müsse, es wären doch nur wir zwei, die dieses Elend auflösen könnten; schlief endlich ein, oder besser gesagt dämmerte weg. Und heute? Die ganzen Taschen durchwühlt, meinen ganzen Drogenhaufen ausgegraben und mir bereits eine Temester und zweimal Tramal geschluckt. Ganz ehrlich? Wir hatten uns toll unterhalten, und ich merkte aber ganz plötzlich einen Abfall, als würde ich wegtreten, es mir plötzlich viel zu viel werden, dabei war ja wieder mal ich es, die die ganze Zeit am Labern war, vielleicht weiß Rumpelstilzchen, der mich mit meiner Mutter verglich und mir stande pede Einhalt gebieten wollte und nach unten zog. Ich hatte Angst vor heute Abend, dass mich die Depriekeule erneut erschlägt. Also meine Medikamente, meine eigenen, sind griffbereit. Diese blöde Infusion war für die Katz.

Heute Morgen, gleich der erste Test: Ich konnte die Finger wieder komplett spreizen, das zeigte ich auch dem Chefarzt bei der Visite, und wieder sagte er, ich kenne meine Krankheit ja am besten… HALLELUJA! WENN DAS MAL DIE RUNDE MACHEN WÜRDE!!!

Auch die Physiotherapie lief gut, aber die Ernüchterung folgte leider alsbald auf dem Fuß…

Kaum hatte ich die Maus in der Hand, machte sich der Ringfinger erneut selbstständig und musste immer mit dem Daumen synchron die Tasten drücken, und erwischte dabei natürlich immer die Rechte. Aber es war jedoch erst die zweite Infusion. Bitte, hilf mir, tu etwas, bitte, Intuition lass mich nicht im Stich, wir müssen das Rätsel noch lösen, bevor alles vorbei ist!!

30. September 2021, Donnerstag „…Glaube ich zumindest…“ …Krankenhaus live

14:55
Wo fange ich an? Gestern, eine Ewigkeit in der Ambulanz Zeit totgeschlagen. Ab und zu wurde ich aufgerufen und eine Schwester bemühte sich, Blut abzunehmen oder gleich eine Leitung zu legen. Dass das schief gehen musste, war doch eigentlich zu erwarten, aber wie immer, man glaubt mir nicht, ich bin der elende Pessimist, der immer alles schlecht redet. Naja, und was war dann schlussendlich? Blutabnahme war eigentlich keine möglich, aber scheinbar schaffte sie es beim dritten Stich in meine Armbeuge eine Leitung zu legen. Vermeintlich. Blut abgenommen hat dann wieder meine Neurologin, a auch sie musste mehrfach stechen… Warum? Weil man mir nicht zuhörte! Meine Fresse, 2 Minuten Hände in heißes Wasser halten, aber dann mindestens 30 Minuten mit mir verplempern. Aber nein, ist nicht nötig, für so was hat man keine Zeit… So ein Schwachsinn! Was hätte sie sich da erspart?! Zumindest die Blutabnahme betreffend. Abgesehen davon, dass diese mit dem Zugang auch nicht möglich war, aber spülen ließ er sich. Hahaha. Meine Ärztin kam zu mir auf den Flur, erschütterte Miene, sie hätte eine schlechte Nachricht für mich. Kein Bett sei frei. Sie tätschelte aber kurz meinen linken Oberschenkel, um sich dann sogleich wieder auf den Weg zu machen, sozusagen auf die Suche nach einem Bett. 1 Stunde später kam sie zurück, mit guten Nachrichten, und ich würde gleich heute noch meine erste Cortisoninfusion erhalten. Wann war ich hier? Irgendwann nach 10? Wann war ich im Zimmer, im Bett?! Irgendwann nach 15:00 Uhr, 15:30 Uhr? Dann wurde angeschlossen und ich freute mich redlich… Aber diese Freude währte nicht lange, wie erwartet, ich scheiß Pessimist! Es begann zu schmerzen, pochen. Aber nein, ich bin ja nur Pessimist. Ich bin schuld! Weil ich alles schlecht rede, wie schon gesagt! Oh, wie bekannt war mir dieses unangenehme Gefühl, das nicht direkt am Einstich, aber mal locker 3 oder 4 cm weiter oben sich festgefressen hatte…

17:12
Jetzt geht’s weiter: Also ich kannte diesen verdammten Schmerz leider schon zu lange, wie oft hat man mir nicht geglaubt, also ertrug ich ihn, 10 Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten. Die Tropfgeschwindigkeit wurde unterdessen immer langsamer und allmählich war definitiv eine Beule unter dem Pflaster auszumachen, die Haut ganz fest gespannt. Eindeutig -ein Paravasat! Bis mir das mal jemand glaubt, da wurden noch viele Telefonate geführt, unterschiedliche Schwestern führten sich das Desaster zu Gemüte. Und zuletzt glaube ich traf eine Ärztin die Entscheidung, war es nicht sogar meine Neurologin, die spätabends noch einmal vorbeischaut, eine Spritze ansteckte, um zu spülen und sogleich zur Kenntnis kam: „Oh je, da geht gar nichts mehr, ich spüre schon den Widerstand!“. Leitung ausgebaut. Was hatte ich gesagt? Ich Schwarzseher?! Aber nein, ich bin ja nur der blöde Patient, WOHER SOLLTE ICH ES WISSEN?!!

Unruhige Nacht, morgens dann das Gewasche mehr als unangenehm, als ich zur Seite gedreht wurde und eine der Schwestern mein rechtes Bein anhob, um mich dazwischen abwischen zu können. Das war schon wieder wie so eine halbe Vergewaltigung. Zum Kotzen!!

Heute ging es weiter.

Kurz vor dem Frühstück wurde ich abgeholt, MRT, und nach wenigen Metern Fahrt fragte ich, wo sie denn das Kontrastmittel hineinspritzen sollten. „Sie haben doch eine Leitung…“, der junge Pfleger. NEEE, seit gestern schon nicht mehr?! Erstklassige Organisation und Weiterleitung von Veränderungen!! Also zurück ins Zimmer, ich durfte frühstücken. Zuerst wollte eine Schwester es versuchen, dann kam eine Anästhesistin mit dem gesamten Besteck, um mir den vierten Kava-Katheter zu verpassen. Aber sie hatte Glück, was für ein Glück!! Zudem kannte sie mich auch noch nicht, hatte das Vergnügen noch nicht. Ziemlich wahrscheinlich war das auch der Grund“ Blattschuss“. Und mit ein bisschen Gewalt (eine Schwester musste das Bein fest nach unten drücken, damit ich ihr nicht per Beugespastik ins Gesicht zu trete, wobei ihr Klammergriff wiederum zuerst schon für Spasmen sorgte) gelang es doch tatsächlich am linken Spann einen normalen Venflon zu versenken. Ob er Blut gespuckt hätte, bleibt eine Frage. Es war schon fast mittags, als ich endlich abgeholt wurde für das MRT. Oder erst 11:00 Uhr? Ein nagelneues Gerät, ganz neuer Sound. Früher klang es so, als würde da eine Dampfmaschine laufen und riesengroße Zahnräder betreiben. Mit dem funknagelneuen Angebergerät klingt es nach Computersound, fragte anschließend, welcher Technogott diese Klangkulisse verbrochen hatte. In der Tat, und es wurde mir hinterher auch bestätigt, dass man in der neuen Kiste so derart magnetisiert wird, dass einem verdammt warm wird, und dann war da ja auch noch die blöde Decke hochgezogen bis über meine Arme. Endergebnis? Wer hätte das gedacht? Ich bekam natürlich einschießende Beugespasmen, zweimal hat sich das rechte Bein selbstständig gemacht, aber da kam zum Glück schon einer der Radiologen herein, um das Kontrastmittel einzustöpseln und befreite mich von der elenden Decke, unter der ich mittlerweile nassgeschwitzt war. Die Prozedur dauerte sicherlich 1 Stunde, konnte ich doch bei der Visite um 10:30 Uhr noch meine zusätzlichen Punkte anbringen: Die Neuropathie seit dem Unfall, der Ischias, das dicke Bein und nicht zu vergessen die Befürchtung eine weitere Thrombose abbekommen zu haben. Demnach wurde auch die Unfallstelle noch einmal im MRT durchleuchtet. Ich kam gerade pünktlich zu Sebastians Besuchstermin um 13:00 Uhr. Besucher müssen sich ankündigen, sich regelrecht einen Termin eintragen lassen und dürfen dann nur 30 Minuten bleiben. Er fand alles, was die Schwestern von gestern bis heute nicht gefunden haben. Ich sagte doch, dass der Rucksack da noch ein weiteres Fach hat. Und wie immer?! Wollen wir alle es mal im Chor rezitieren?! „MAN HAT MIR NICHT GEGLAUBT!“. Na wer sagt’s denn, da war die Maus, da war das Headset. Am Nachmittag kam der (ich glaube Chefarzt von der Visite heute Vormittag, den kenne ich auch schon etwas länger, erinnere mich an seinen besorgten und doch leicht ironischen Blick von Anfang letzten Jahres, als ich da mit meiner Blutplautze von Fürstenfeld mit Notärztin überstellt worden war und er mir mitteilen konnte, das sei ein gynäkologisches Problem, das er nun an seine Kollegen abtreten müsse. Da war er wohl noch bei den Internisten. Und er hatte die Ergebnisse der MRTs. Das an der Lendenwirbelsäule, da war doch ein etwas GRÖBERER Einbruch, aber man könne jetzt so nicht sagen, woher meine Schmerzen kämen, da bedürfe es eines Orthopäden. Demnach doch nicht alles so verharmlost, wie der E-Mail aus Graz!! Also die nächste Adresse, die ich abklappern muss? Und dann die Bilder von meiner scheiß Birne! Warum, warum zum Teufel muss ich mich über solche Ergebnisse freuen?? O.k., keine Kontrastmittelaufnahme, aber drei kleine Läsionen rechts, und das Wichtigste, links vorne im Gehirn eine nagelneue Entzündung im Vergleich zur Bildgebung Anfang des Jahres!! Und ich muss innerlich wieder „Strike!“ schreien. Wie armselig ist das? Da habe ich nun die Bestätigung, den Beweis, Schwarz auf Weiß dass das an meiner rechten Hand nicht einfach nur Einbildung ist!! Psychosomatik!!

Eine Ergotherapeutin war da, und ich wieder mal so dermaßen ehrlich ihr mitzuteilen, dass für mich das alles, zu üben überhaupt keinen Sinn mehr macht. Dass ich mir jetzt erhoffe, ganz leise, zwischen den Zeilen, dass es wieder zu so einer frappierenden Verbesserung käme wie beim letzten Mal, oder so mancher Stoßtherapie, die man mir eigentlich verweigern wollte. Und plötzlich konnte ich wieder gehen, konnte wieder aufstehen, konnte mich wieder umdrehen… Konnte nach einem Jahr wieder malen… Aber was weiß ich scheiß Patient schon, ich hab’s ja nicht studiert, ich hab die scheiß Krankheit ja nur!!!

Sie meinte, ich solle mir bis morgen überlegen, ob es sich überhaupt lohnt, mir Übungen zu zeigen, ich müsse schon ein bisschen Einsatz zeigen, Mitarbeiten. Dann kam auch noch die mir altbekannte Physiotherapeuten, ich nenne sie gerne einen Folterknecht, eine „Folter-Barbie“. Und machte Übungen mit mir, ohne zu fragen, ob ich die dann zu Hause wiederholen würde oder nicht. Zu ihrer Kollegin sagte ich ja auch, ich würde nur noch Lebenszeit absitzen, mehr nicht. Warum dann überhaupt noch Einsatz zeigen?

Zu guter letzt kam noch eine Internisten, wie meine Zimmergenossin süffisant feststellte, eine sehr unsympathische, grummellige Person, um meine Schwellung, mein dick geschwollenes Bein zu begutachten. Als ich meinte, auch noch Morbus Raynauld zu haben, deswegen wären meine Füße so violett, das könne ich rein aus den Symptomen gar nicht schließen, wenn es nicht ärztlich festgestellt worden sei und ob sich noch niemand dafür interessiert hätte, warum ich so dermaßen zu Venenverschluss und Thrombosen neigen würde. Da musste ich erst einmal grinsen: „NEEE?! Sie sind die Erste, die diese Frage stellt und sich dafür interessiert!“. Ohne ein wirkliches „Auf Wiedersehen!“ verschwand sie durch die offene Tür. D.h. wohl, wir würden uns wiedersehen. Jetzt gab es Abendessen, mal vegetarisch, zu Mittag gab es Fleisch, mit der Ansage, das hat niemand aufgeschrieben, dabei hatte ich es zweimal bei der Aufnahme, bei der ersten und bei der zweiten ganz klar und deutlich erwähnt. Also zu Mittag nur ein bisschen Suppe und Kuchen, und natürlich, der Prinzessin hat das Abendessen auch nicht geschmeckt. Ich aß nur so lange von der Nudelpfanne, bis der Salat weg war. Und schon wieder das Bedürfnis, das Essen einfach einzustellen. Ich brauche kein Essen, bin fett genug!! So einfach!! Mein Geburtstag sowieso im Arsch, wegen der Verzögerung gestern, darf ich auf jeden Fall noch bis Montag bleiben. Aber was will ich mehr? Ich hasse diesen Tag doch ohnehin wie die Pest, verfluche den Tag an dem ich geboren, an dem irgendein perverser Geist entschlossen hat, mich ins Leben zu spucken. Was soll ich feiern? Dass Jahr für Jahr die Behinderungen mehr werden?! Na danke…

Draußen wurde heute vis-a-vis die Wiese gemäht und ein männlicher Fasan stolziert gerade über das Mähgut. Würde meine Kamera nicht wieder so weit weg liegen, hätte ich prompt eine Aufnahme für meinen neuen Film gemacht. Das Cortison, das gestern im Gewebe landete, dachte sich dennoch Stunden später bemerkbar. Der Gaumen komplett trocken, ständig muss ich trinken, auch jetzt habe ich vom Diktieren Halsschmerzen. Bitte, Cortison, WIRKE!!!

28. September 2021, Dienstag „Gnadenfrist…“

9:22
Es klang doch alles so toll, die Berechnungen gingen sich perfekt aus, samstags würde ich entlassen, um dann sonntags meinen scheiß Geburtstag „feiern zu können“.

Erneuter Anruf in der Neuro: „Ich hatte gestern doch Mittwoch gesagt, nicht heute? Heute ist sie nicht da!“. Ich bin so blöd, ich bin so dämlich, unfähig, richtig zuzuhören, unfähig, mir was zu merken… Dabei sagte Sebastian gestern: „Hör auf es weiter rauszuschieben, ruf endlich an!“.

Im Flur steht ein Rucksack, den hat er heute Morgen, oder war es gestern Abend, notdürftig mit meinen Sachen bepackte, fünf Unterhosen, Socken, T-Shirts, zwei Hosen… Und ich heute Morgen? Den ganzen Rest zusammengerafft. Ich muss ja auch noch das Ladegerät vom Rollstuhl einpacken, das Siponimod, meinen Kalender, damit ich weiß, wann ich es nehmen muss (am Montag, also gestern hatte ich es ohnehin schon wieder vergessen), die Pille, die Preiselbeertabletten, meinen Zeichenblock, das Federpenal, und vielleicht noch ein paar Notfallmedikamente für Notfallmomente, in denen es eines Abschusses bedarf. Und wie legt sich die Frau Samer das zu recht? Sie schmeißt alles auf den Boden.

Gestern Abend konnte ich Essen erst recht nicht mehr zum Mund führen. Ich konnte die Maus nicht mehr benutzen, nicht von A nach B fahren, meine Hand lag einfach nur teilnahmslos auf der Steuerung. Den Film gestern noch einmal in einem anderen Format konvertiert, endlich war er scharf, und zum Glück nicht zu groß für YouTube. Und was muss ich dann heute Morgen sehen, erstaunlich, dass sich diese eine Stelle in einem 1:19 Stunden Film genau geöffnet hatte? Da hatte ich schon wieder geschlampt, der Ton war verschoben, passte nicht mehr zum Video. Was ich gerade versuche, um zu retten, was noch zu retten geht? Ich habe die Fehler ausgemerzt und exportiere gerade nur die Tonspur als MP3. Die kann man dann ja über das bestehende YouTube-Projekt nachträglich legen. Wirklich albern, schon wieder ein Disclaim-Vorwurf!! Hatte ich nicht erst vor ein paar Tagen dagegen protestiert und Recht bekommen, weil ich NUR Musik von einer Plattform benutze, die die Musik gratis zur Verfügung stellt, wenn man damit kein Geld verdient?! Und das tue ich ja nicht mit meinen Film. Also muss ich noch mal in Revision gehen, sozusagen. Wegen exakt demselben Musikstück. Lächerlich.

Die Terrassentür seit langem wieder mal geöffnet. Der Herbst kriecht zur Tür herein. Und ich bekomme Panik. Ich kann und ich will nicht schon wieder anfangen mich abzuschießen. Das gestern war ja letztlich auch für die Fisch. Kopfschmerzen. Irgendwie schon wieder die halbe Nacht wach. Ab 2:00 Uhr fragte ich Alexa alle 30 Minuten, wie spät es denn jetzt sei. Dazwischen träumte ich, wieder im Gymnasium zu sein. Ich durfte in die achte Klasse, obwohl ich wie alle anderen Schüler die Abschlussprüfung der siebten nie hatte (im Traum war es zumindest so, dass man nach jeder Klasse eine Prüfung ablegen musste). Dementsprechend argwöhnisch wurde ich beäugt von den Mitschülern. Und dachte nur so bei mir: „Beim ersten Test, der ersten Schularbeit, verlasse ich die Schule wieder, für immer.“. Im Traum davor war ich im Krankenhaus, wir vier Damen verstanden uns super, und ich versuchte sogar zu zeichnen. Ein Gesicht, ein trauriges Gesicht…

Der Hopfen hängt braun am Vogelrestaurant, Sebastian hat endlich die Platte ausgetauscht, hatte ja vor ein oder zwei Wochen eine neue gekauft und er hat sie sogar zweimal lasiert, teuer genug war sie schlussendlich auch. Aber jetzt steht wenigstens alles gerade. Nur die Tischdecke ist zu kurz.

Die Panik scheint sich um jeden einzelnen Lungenflügel zu falten. Als ich draußen einen Vogel entdecke, der nicht zu den Stammgästen gehört. Lohnt es sich, zur Kamera zu greifen oder taucht er dann nicht wieder auf? Ein Zilpalp?

Zugleich schließen sich meine Augen, obwohl sie offen sind, und ich sehe mich laufen, ich sehe mich damals in Wismar, als ich Sebastian besuchte im Herbst, ich sehe mich ausreiten, sehe mich am Ende der Sommerferien in meinem Wald sitzen, und mich so befreit fühlen… Zumindest bis zum Abendrot… Schwer seufzen. Neues Räucherstäbchen, dann bekomme ich eben davon Lungenkrebs.

Wassertropfen hängen an dem braunen Hopfen, aber heute soll es angeblich nicht mehr regnen, ich könnte in seiner Mittagspause rausfahren, bis zum Abend. Eben dick eingepackt, mit dickem Pulli. Bliebe ich hier, würde es in einer Katastrophe ausufern. Mich gestern verletzt. Keine Ahnung, wie oft. Um mir dann, so ich morgen schon kommen darf, zwischen den Zeilen anhören zu dürfen, das nur getan zu haben, um Aufmerksamkeit zu erwecken, weil ich ein Borderliner bin? Hatte ich das schon geschrieben? Ich glaube ja, dass ich meiner Ärztin sagen werde, oder besser gesagt sie fragen werde, ob sie sich da von ihrer Kollegin nicht zu sehr den Borderline-Wurm einreden hat lassen? Dass sie mir, und das kann sie auch ihre Kollegin sagen, einen Borderliner zeigen soll, der 23 Jahre in einer festen Beziehung ist, ohne jegliche Unterbrechung, ohne jegliche Dramen?!!! Eben ohne On-Off-Beziehung?!! Und wann ich denn gelogen haben soll?!! Ob es nicht eher jedes Mal so war, dass ich recht hatte, nur keiner hat mir geglaubt, bis es schwarz auf weiß bestätigt wurde, meist von anderen Stellen, was dann die Leugner nicht mehr interessierte?

Nun bin ich gestern früh aufgestanden, weil ja um 10:00 Uhr das Bild abgeholt werden sollte. Was dann auch passierte, aber der Herr hatte ja von Tuten und Blasen keine Ahnung, wusste nichts vom Leihvertrag, den er mitnehmen musste.
Nun bin ich heute früh aufgestanden, wegen dem Telefonat. Ich muss morgen früh aufstehen… Vielleicht sollte ich einen von meinen „Muntermachern“ einwerfen.

Ein Auto fährt vorbei, ich werde nervös. Ich muss irgendetwas tun, irgendwie aktiv werden… Den Ton austauschen…

11:53
Die ganze Visage überzogen mit Pickeln und Mitessern!!! So viel zu der nagelneuen Sonnencreme, die sowas von antiallergen und sonst was sein soll. Einen Scheiß! Und wie kann meine Haut zu trocken sein, wie Ärzte, Schwestern, Hautärzte immer wieder dasselbe sagen, wenn sie dann doch so verdammt fettig ist, als sei ich soeben einer Fritteuse entstiegen?!!! Die Stimme ist kurz davor zu brechen. Nichts, aber auch gar nichts von den ganzen Schandflecken kann ich selbst entfernen. Ich fahre ins Bad, will mein Gesicht erneut waschen, aber ich kann mich nicht aufrichten, ich kann den Wasserhahn nicht aufdrehen, ich kann den Wasserschlauch nicht an mich ran ziehen, auf mich richten. Ich kann nichts! Ich kann gar nichts! Schwer schlucken, und als hätte ich sonst keine Probleme, zieht der Himmel plötzlich wieder zu. Kein Blau mehr. Keine Ausfahrt mehr? Von Samstag auf Sonntag war mein Urinbeutel morgens blutrot. Bei der Ausfahrt hatte ich mich wieder angepisst. Und etwa vor einer Dreiviertelstunde krampfte die Blase schon wieder, sodass ich mir ausmalen darf, sobald er mir beim Aufstehen hilft, läuft die dreckige Suppe aus diesem dreckigen Loch da unten wieder in Strömen an mir runter und saut die nächste Hose ein! Als ich da in Mikroschritten so dermaßen desaströs scheiterte, wieder der dringliche Gedanke, wann und wo ist die Grenze erreicht…

Nein, es ist nicht wie früher, da bin ich natürlich auch bei jedem einzelnen Schub verzweifelt. Aber nun? Wo und wie und wann soll man überhaupt eine Leitung legen können? Wie soll das verdammte Cortison in meinen Körper hineinkommen?!! Um dort bestenfalls gleich die nächste Thrombose auszulösen?!!! Oder wie zuletzt, dann werden es eben nur drei Tage, die VERDAMMT NOCH MAL EINEN SCHEISSDRECK HELFEN!!! Mit dem Ergebnis, dass sich die Herrschaften erst recht darin bestätigt fühlen, bei mir sei Hopfen und Malz verloren!! Und nur so nebenbei, machen die Immunsuppressiva eigentlich irgendetwas gegen dieses beschissene Treiben?!! Früher, ja früher, da konnte ich mir ausmalen, nach dem Cortison ist alles wie vorher. Aber nun? Wenn doch ohnehin alle davon ausgehen, ich sei sekundär, da sei nichts mehr zu machen?? Warum öffne ich dann nicht die beschissene Blechdose und schlucke die über 200 Tabletten?!! Das ist kein Leben mehr…

Ach, Sebastian, die arme Sau… Kommt nach Hause und ist wie immer gut gelaunt, und prallt sozusagen mit 200 ungebremst auf diesen Scheiterhaufen… Das Wort ist weg. Trauerkloß? Hoffnungslosen Fall? Was zum Henker könnte ich noch einwerfen, um mich diese Situation zumindest dezent vergessen zu lassen? Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr…

27. September 2021, Montag „Kann sich das ein gesunder Mensch vorstellen?“

17:05
Selber schuld…
Ich hätte es ja auch nicht aussprechen müssen…
Aber nun ist es aufgrund meiner Leichtfertigkeit leider spruchreif…

Ich bekam den Sack mit den Tüchern und der Rasierklingendose kaum unterm Tisch hervor.
Ich konnte die kleine Dose kaum öffnen.
In nächster Instanz fiel alles zu Boden. Zumal ich kurz davor definitiv damit brillierte, NICHTS aber auch wirklich NICHTS mehr vom Boden aufheben zu können, und eigentlich mit der Wahrscheinlichkeit kokettiere, aus dem Rollstuhl zu fallen. Es ging jetzt irgendwie ganz rasant. Schwer vorstellbar, dass es an der einen Temesta liegen soll.

Ich hatte vormittags in der Neuro angerufen, gesagt, dass ich einen Schub hätte aber unbedingt mit meiner Ärztin sprechen müsste. Mir wurde mitgeteilt, sie hätte morgen Ambulanzdienst, zwischen neun und zehn kann ich es noch mal versuchen. Und so wie sich mein Zustand augenblicklich präsentiert, stelle ich ganz neue Hochrechnungen an. Käme ich morgen ins Krankenhaus, bekäme noch am selben Tag Cortison, wäre ich am Samstag wieder raus, und kann sonntags unter den entsprechenden schlechten Vorhersagen meinen beschissenen Geburtstag feiern. Bis jetzt dachte ich, o. k., mit den Ausfällen lässt sich noch einigermaßen arbeiten. Aber jetzt, jetzt augenblicklich als ich nicht aufstehen konnte vorher um den Beutel auszuleeren… Der Beutel war so schwer, ich konnte ihn nicht hochheben. Genauso beschissen stellte ich mich dabei an, die Flasche in meinem Trinkomat wieder aufzufüllen. Davor hatte ich verzweifelt versucht, die Heizdecke wieder aufzuheben. Vergebens. Und nun, hier, reinste Verzweiflung. Ich kann keine einzige Taste mehr drücken. Ich kann die Maus nicht bewegen. Und dann sah ich auf die Uhr, wie viel Zeit mir noch bleibt, bis mit ihm zu rechnen ist. Holte mit letzten Kräften den Sack unterm Tisch heraus. Ich wusste, auf diese fulminante Parade meiner Unzulänglichkeiten musste ein starkes Zeichen folgen. Also dass ich mir schaden muss. Dabei ich völlig unfähig, die Rasierklinge aus ihrem Briefchen zu packen. Alles fiel zu Boden, alles, die Dose samt Inhalt. Das Blut sickerte über das alte Handtuch auf meinem Schoß, erwischte die Stulpe darunter. Ich konnte nicht schneiden, weil ich das viel zu fragile Werkzeug nicht mehr halten konnte. Ich konnte den Verbandsstrumpf nicht überstreifen, kostete mich unzählige Minuten. Und dann erst das ganze noch einmal mit der Stulpe. Diese Schlachtung fühlt sich nicht gut an. So wertfrei. Zwecklos. Jetzt sitze ich hier wie ein Zombie, 20 Tropfen Psychopax obendrauf. Ich will mir schaden, richtig schaden, ich will mir wehtun, ich will dem Körper wehtun, der mir all dies antut. Sebastian., Nimmt mich im Arm. Unverbesserlich: „Das wird schon wieder, wirst sehen, das Cortison wird wirken!!“.

Ich bin tot. Nichts macht mehr Sinn. Nicht der neue Film, nicht der Letzte, den ich heute endlich mal in einer höheren Qualität exportiert bekommen habe. Alles vertan. Mein Leben verteilt. All die schönen Momente, vertan, vergessen, nicht aktiv miterlebt…

Jetzt die Überdose einwerfen, mich von ihm auf den Sessel legen lassen, dann denkt er, ich schlafe einfach nur. Und ich muss nie wieder Angst vor einem Schub haben, was er sich alles krallen wird, was er nicht mehr hergeben wird, muss nicht mehr darüber nachdenken, wo und wann endgültig die Schmerzgrenze überschritten ist. Und jetzt mal ganz hypothetisch auf den Zug aufgesprungen, das ist alles Psychosomatik, Traumainduziert, SONST NICHTS… Was soll da passiert sein? Wenn mein Vater sagt, er weiß nichts, wie ich ihm so etwas überhaupt nur zutrauen könnte, und dann die Worte meiner Mutter, dass er sich so sehr verändert hätte, um 180° gedreht und dann immer wieder in dunklen Ecken sitzen, nachdenken und weinen würde. Ich habe meinen Vater nur einmal weit gesehen, bei der Beerdigung seiner Mutter, die ihrerseits eine ganz, ganz liebe Person war, aber psychiatrisch betrachtet auch nur emotionalen Missbrauch betrieben hat, indem sie ihn nie loslassen konnte.

Die Tränenflut beruhigt sich kurz, ich sehe den ganzen Saustall vor mir auf meinem Tisch, mir wird schlecht, so kann ich nicht leben. Ich vermag nicht nach dem Taschentuch zu greifen und noch viel weniger es dann festzuhalten, um mich zu schnäuzen. Alles ist zum Scheitern verdammt. Das neue Projekt ist nun geöffnet, aber mir vergeht alles. Ich hatte und habe Angst vor meinem letzten Film, ich habe Angst vor der neuen Version. Mein Kopf hängt leblos zwischen meinen Schultern und ringt um Luft. Alles kaputt. Und ich darf mir jetzt schon die elenden Debatten im Krankenhaus ausmalen. Dass meine anderen Belange nun hier mit dem Cortison nichts zu tun hätten, dass es keinen interessiert, ist keine Fachleute dafür gibt und man einfach an den wahrlich kruden Umständen daran vorbei behandelt. Pech… Mir platzt der Schädel, er ist zu voll, dass er beinahe schon wieder leer ist. Noch mehr Psychopax? Sebastian hat mir das volle Fläschchen vor mir auf meinen Tisch gestellt.

Würde man gehen, verschwinden, für immer, was ließe man zurück? Die Schale mit dem Weintrauben, die ich nicht aufgegessen habe. Die Tüte mit den Karamellbonbons, die ich doch so lecker fand. Die Dose mit den Tabletten, die ich jetzt nicht mehr brauche. Schwarzteereste mit Milch, die ich nie wieder austrinken werde. So viele Klamotten, die ich nicht mehr benötige. Die ganzen Bänder und Schnüre an den einzelnen Türschnallen im ganzen Haus, die nun keiner mehr benötigt. Und überall meine Bilder, meine Visage, die beinahe mit ermahnendem Blick zurück blieben. Unfair, was ist… Warum sollte man Angst vor dem Tod haben, es gibt keinen Teufel, es gibt keinen Himmel, es gibt einfach nur NICHTS, alles hört auf, endlich…