18. April 2019, Donnerstag „Tatenlos zusehen…“

8:39
Gewicht? Gibt es heute nicht.
Er holte mich aus dem Bett. Ich völlig durcheinander, orientierungslos. Nachts mit dem Rollstuhl ins Schlafzimmer, morgens holte er mir den Rollator. Aber mehr als vier Schritte waren wohl nicht eingeplant: „Das GEHT nicht… Bitte… Ich brauche den Rollstuhl…“. Vermochte nicht, mich in diesem aufzurichten. Also wie hätte ich mich da auf die Waage stellen sollen? Außerdem gab es gestern Mittag wie gewohnt Salat von der Salatbar im Supermarkt. Dieses Mittagessen führt grundsätzlich tags drauf zu einer Gewichtskatastrophe, als hätte ich zehn Burger mit Pommes verdrückt!
Mich irgendwie aus meinem Gefährt gehangelt, um kurz, von „aufrecht“ kann dabei keinesfalls die Rede sein, zu stehen, an meiner Unterhose zu zerren, meinen Plan nicht umsetzen zu können und mit der halb runtergezogenen Unterwäsche nach hinten auf die Toilette zu plumpsen. Bewegungsunfähig.
Da ist es wieder, dieses vermaledeite Wort: „Unfähig“. Es bedurfte seiner Hilfe. Hose runter, Einlage austauschen, Hose wieder hoch, zurück in den Rollstuhl… PLUMPS!
Er fasste mir an die Stirn, an die Wangen: „Meine Güte! Du glühst ja!“…

Gestern. Auch in der Sitzung geweint. Mehrmals bohrte er nach, warum ich mich umbringen wollte. Aber ich UNFÄHIG es zu benennen. Um dann wieder in dieser trüben Suppe, diesem undefinierbaren Eintopf aus unterschiedlichsten Gründen blind herumzufischen, herumzustochern.
Tja, wer oder was ist schuld, wenn nicht ich selbst?
Das Gespräch war gut, dauerte über 2 Stunden, es tat mir gut und anschließend war mein Kopf ganz leer.
Sebastian wollte lieber nach Fürstenfeld, als wieder nach Jennersdorf zu fahren. Dementsprechend traf ich die Entscheidung, ihm mit dem Rollstuhl vorauszufahren. Ich musste raus, ich musste doch raus, unbedingt!!!
Verdammt, es war doch so warm… Aber dieser beschissene Wind! Zu wenig Schichten am Leib. Mit dem (gerade erst nachgesehen, wie dieses Ding heißt) „Buff“ (also einem Multifunktionstuch) auf dem Kopf (welches ich alleine nie, nie und nimmer, und da kann es mir noch so gut gehen, selbst anziehen könnte) sah ich aus, als hätte ich konvertiert. Und hätte mich jemand gefragt, hatte ich mir schon die passende, pseudolustige Antwort parat gelegt: „Ja, ich habe die Religion gewechselt. Von Atheismus zum streng orthodoxen Sinusitus!“.
Die Kopfhörer in den Ohren. Meine Laufmusik. Und gleich beim ersten Song war mir wieder nach Flennen. Insgesamt gesehen mehrmals. Dieser Tage sehr nah am Wasser gebaut.
Dann verpasste ich doch tatsächlich die einmalige (genau genommen zweimalige), einzigartige Chance, diesen bekloppten Kuckuck vor die Kamera zu bekommen! Lediglich 100 m die Straße hoch, er saß im Obstgarten, noch dazu auf einem Ast, der mit keinerlei Blättern die Sicht auf ihn erschwert hätte. Aber… Die dumme Kuh ist zu langsam, er flog davon. Ich passte nicht richtig auf, denn er war lediglich einige Meter den Berg runter geflüchtet, um noch repräsentativer auf dem Telefonkabel zu sitzen.
ZU LANGSAM!!! DER BESCHISSENE KRÜPPEL IST FÜR ALLES ZU LANGSAM!!! UND WAS REDE ICH MIR DA GROSSARTIG EIN, WENN ICH DIE FERNBEDIENUNG FÜR DEN ROLLSTUHL ENDLICH LINKS HÄTTE, DIE KAMERA PERMANENT IN DER RECHTEN HAND HALTEN ZU KÖNNEN!! ICH KANN DAS DING DOCH NICHT EINMAL HOCHHALTEN!! GESCHWEIGE DENN RUHIG HALTEN!! NOCH FÜHREN!! NOCH BEDIENEN!!!
Scheiße! Scheiße!! Scheiße!!!
Ich fuhr weiter. Ich filmte eigentlich gar nichts. Komplett abgeschottet mit der Musik. Hastig an Bekannten und Nachbarn vorbei. „Bitte nicht ansprechen!“.
Auf dem einen Stück, durch den Wald in Richtung Dietersdorf, diese kurvenreiche Strecke, die schmale Straße, unübersichtlich, mit all seinen Rasern, die denken, das sei eine Autobahn… Warum hat mich keiner über den Haufen gefahren?!

Was hatte ich als Kind immer Angst hinten im Auto, nicht einmal angegurtet, obwohl wir das doch in der Volksschule wieder und wieder eingetrichtert bekommen haben, wie wichtig das sei. Ob mit Mutter oder Vater, beide ohnehin konsequent „gurtlos“, denn: „Wäre der Papa damals angegurtet gewesen bei seinem Unfall, wäre er gestorben, hätte ihm das Genick gebrochen! Wegen seiner Narbe hält er den Gurt nicht aus!“, was dann zwangsläufig auch gleich für sie galt! Obwohl er, der „designierte Autocrash-Held“ von anno dazumal, sich noch waghalsiger in die Kurven legte, bei einem Tempo, dass mir jedes Mal speiübel wurde…

Einziges Highlight, aber auch das leider aus sehr großer Entfernung: Ein Kiebitz. Und das war es schon. Und der Wind blies und blies und ich hätte wahrlich noch mindestens drei Schichten mehr gebraucht.
Abrechnung…
Dabei meinte das Thermometer ernsthaft, nach meiner Rückkehr, und später abends auch noch, meine Temperatur läge bei maximal 37,2 °C, wenn nicht sogar darunter.
Sebastian hatte mich ja abgeholt. Und kaum hatte ich im Auto gesessen, legte sich wieder diese Decke aus Schwere und Dunkelheit auf mein Gemüt. Depressiv. Wieder nach Weinen.
Den Abend verpennt. Nichts ging mehr…

Und nun zurück zu heute Morgen. „Wetten, das Thermometer sagt jetzt, dass alles in Ordnung ist? Und ich darf mir einmal mehr den Schädel zerbrechen, warum ich mich NOCH WENIGER rühren kann?!“.
Dem vorausgeschickt sei vielleicht die zweite Messung, mit dem Alten. Und dann denke ich an die Reha, ich denke ans Krankenhaus zuletzt, wie oft ich sagte, es geht mir scheiße, aber man diesen Wert für bare Münze nahm! Egal, ob meine Birne glühte oder nicht! Verdammt noch mal! Der MS ist es scheißegal, ob der Körper warm ist, wenn der Kopf einigermaßen Kühlung erfährt!!
Axial: 36,2 °C.
Dankeschön! Und das entscheidet und KEINE SAU NIMMT DICH MEHR ERNST!!! ABER VERDAMMT NOCH MAL, DAS KAPUTTE GEHIRN WOHNT NUN EINMAL OBEN IM SCHÄDEL!!!
So, und nun noch einmal: War beinahe unfähig, das Thermometer hochzuhalten, ans Ohr zu führen… Nichts erwartend, außer vielleicht eine weitere „Maulschelle“, weil „ich ja die ganze Zeit somatisiere“, natürlich „mir das alles nur einbilde“, und nicht zu vergessen „Aufmerksamkeit brauche“!!!

Das neue Ohrthermometer piepste.
Ein gleichmäßiger Ton bedeutet: unter 37,5°C.
Ein langsames, dreimaliges Signal: über 37,5°C.

Und ich hatte noch zu ihm gesagt: „Bei aller Liebe! So dermaßen unbeweglich war ich auch noch nie, nicht einmal bei meiner Influenza A oder B zuletzt… Das erinnert ja beinahe an die Überdosis!…“.

Das neue Gerät präsentierte nun tatsächlich ein weiteres Feature!
Es piepste dreimal, mehrmals hintereinander, aber das doppelt oder dreifach so schnell. Ich traute meinen Augen nicht. Wie war das, axial – 36,2???…
Auf dem Display: 38,8°C!

Zombie…
Aber definitiv von der Sorte, dem man bereits den Kopf abgeschlagen hat. Den Rollator kann ich mir heute sparen. Und das Beste? IMMER noch KEINE DEFINITIVEN GRIPPESYMPTOME!! KEIN SCHNUPFEN, KEIN HUSTEN… NADA!!!

DU WIRST DEN GANZEN FRÜHLING VERPASSEN!!!
GEFANGEN IN DEINEM BESCHISSENEN KÄFIG!!!
LEBEN?!!! NICHTS FÜR DICH!!!

Depressiv. Müde. Erschlagen. Und draußen lacht mich der Frühling aus.
Nachdem ich vorgestern vom Bild geträumt hatte, bat ich ihn gestern, mir unbedingt die Leinwand wieder auf den Tisch zu legen. Denn man könne ja nicht wissen… Hoffnung?

JETZT WIRST DU ABER GANZ SCHÖN GRÖSSENWAHNSINNIG!!!

Versuche, dich mit ihm zu unterhalten.“, Markus gestern eindringlich. Auch sprachen wir über eine Klinik, scheinbar die einzige, die alle mich betreffenden Belange abdecken würde, Nähe Dortmund. „Denk mal drüber nach. Ich habe kein Problem, für dich da mal pro forma nachzufragen, anzurufen!“. Dann wäre ich weg. Weg aus diesem krankmachenden Umfeld. Diesem retraumatisierenden System. Raus aus dem direkten Einflussbereich diverser Personen, die einfach „zu nah ihr Unwesen treiben“, um es mal etwas despektierlich zum Ausdruck zu bringen. Und die mich wieder und wieder und wieder beeinflussen, jeglichen Fortschritt torpedieren, mich wieder zum Anfang katapultieren… „Aber es ist doch ALLES nur lieb und gut gemeint! Und es geht doch ALLES nur und ganz allein und ausschließlich UM MICH, damit es MIR besser geht!!“…
Ich könnte kotzen!

Die Butter schmilzt auf meinem Tisch dahin, müsste in den Kühlschrank. Gestern nicht einmal meine Zähne geputzt.
Ein Reh sprintet soeben über unsere „Erdwärmekollektoren-Wiese“. Meine Hände klimpern. Mein Tisch ist ein ein einziger Moloch! „Messietum“ im Kleinformat! Aber schlussendlich sieht auch der Rest des Raumes nicht besser aus.
Bereits mehrfach die holde Maid vom Wald- und Wiesenprediger verpasst. Das Atmen fällt schwer. Die Amsel scheint das Nest auf der Kopfweide aufgegeben zu haben. Haben wir sie zu oft zu eingängig beobachtet?

Rollstuhl oder Rollator? Wie wagemutig bin ich? Um nebenbei zu entdecken, dass es bald 10:00 Uhr wird… Großartig!…

10:15
Aufstehen, um die Heizdecke wieder auf der Rückenlehne des Rollstuhls zu drapieren. Dabei fast umkippen. Die Hose hängt mir halb unterm Arsch.
Weise gewählt, den Rollstuhl zu nutzen. Die Zahnbürste im Waschbecken abgestützt/aufgestellt, irgendwie festgehalten, und der Kopf musste sich selbst putzen. Mein Darm faselte irgendetwas von wegen Verdauung, ich quälte mich hoch, quälte mich beim Ausziehen, saß dann minutenlang, nichts passierte, fühlte mich wortwörtlich verarscht, quälte mich wieder hoch und benötigte Minuten, um die beiden Hosen wieder einigermaßen in Stellung zu bringen. Mangelhaft, wie man soeben sehen konnte.
Der Tag wird immer schöner. Ich kann mir ausmalen, wie wunderbar es draußen sein muss. 38,3°C. Tropisches Klima im Hirn. Ich halte den Saustall nicht aus! Wie kann es sein, dass es nach wenigen Stunden, nach einem Tag wieder so aussieht? Wie kann es sein, dass die Damen zweimal pro Woche sauber machen, und in Windeseile ist wieder alles dreckig? Oder es bleiben unschöne, unentdeckte Stellen, die ICH leider immer sofort finde? Wie nur, wie???
Mir ekelt dermaßen! Vor jedem einzelnen Krümel, vor jedem einzelnen Klecks von etwas, das mal ein Lebensmittel war! Was verdammt noch mal hat es mit Sachen, die man in den Mund nimmt, zu sich nimmt, schlucken muss, zu tun? Warum sind diese derart negativ behaftet? Mit so viel Ekel, Abschaum, Würgereiz??? Wollte mich wer vergiften?? Einfachste Assoziation: „Zum Oralverkehr gezwungen worden?!!“? Hat mich das Essen meiner Mutter vergiftet, weil sie im übertragenen Sinne mein Denken vergiftet hat? Mit ihren abstrusen Erklärungen? Ihren ZERKLÄRUNGEN? Ihren permanenten UMDEUTUNGEN? Und im Kontrast dazu das „bittersüße“ Umsorgen, man hat nie Hunger gelitten, liebevoll wurde gekocht, man wurde genährt, gefüttert, mit Essen und Intrusionen??!!! Eine groß angelegte ambivalente Scheiße!!!

Du undankbares Drecksblag!!!
DEINE ARME MUTTER!!!

Ich soll IHM sagen, dass es IHN ja nicht ohne Grund gibt. Dass allein die Tatsache, dass ER existiert, schon Beweis genug sei, dass etwas Schlimmes passiert sein muss…
Aber wieder hocke ich hier mit offenem Mund. Man sollte viel trinken… Ich schaffe es nicht, nicht mich nach vornezubeugen, um an den Strohhalm heranzureichen. Ich würde so gerne aufräumen, ein bisschen zumindest, klitzeklein aktiv werden, nicht dermaßen ausgeliefert sein, bewegungslos…

Schon drängen sich mir die nächsten Selbstmordgedanken auf.

Bestenfalls schaffe ich es, bis zur Terrassentür. Um diese zu öffnen, und dann ohne Einschränkung durch die dämlichen Sprossen meine Chancen, auf eine adäquate Aufnahme, zumindest marginal zu erhöhen…

15:00
Ramida geht soeben. So viel gequatscht. Jetzt erst recht atemlos. Und am Schluss auch noch übers Laufen. Ich, wohl gemerkt, ICH blöder Krüppel gebe Tipps und Ratschläge zum Thema Laufsport…
Ist das nicht zum Totlachen?!
Und draußen? Der Tag verhöhnt mich immer noch! Kurzfristig ein paar Wölkchen, aber nun alles perfekt und wunderbar und super und traumhaft schön… Ich klimpere. Es wurde noch nicht alles gesagt. Noch nicht standesgemäß kommentiert. Selbstverständlich meine Rasierklingen im Sinn. Ich könnte, ich möchte…
Es riskieren, hinausfahren und die nächste Abfuhr erteilt bekommen…
An und für sich kann man augenblicklich ja nicht einmal davon sprechen, starke Beschwerden zu haben. Die Kopfschmerzen sind moderat. Die seltsame Neuropathie rechts im Bein wurde nur nachts im Traum zu einem definitiv ausgewachsenen Schub. Nichtsdestotrotz 38,2 °C. Ich hasse mich. Ich verachte mich. Allein wie ich hier auf dem Rollstuhl hänge, das viel zu enge T-Shirt, vorne rum gespannt, gewölbt von einer dick aufgeblasenen Wampe…
Augenblicklich ist mir nicht nach Weinen. Die Wut überwiegt. Doktor Ratio sagt, damit mache ich es schlimmer. Selbst Ramida sagte, damit mache ich es schlimmer. Aber da ist einfach kein Ende in Sicht, weil man ja schlussendlich nicht weiß, womit man es zu tun hat!

Ich will hinaus! Alles zieht mich dorthin! Und nebst Kamera zugleich nur mein „Profi-Equipment“ zum Zwecke der Selbstbestrafung eingeplant.
Es soll warm sein. Aber die Birken flattern silbern im Wind.
Die Zeit verstreicht ungenutzt. Hätte ich bei irgendeinem Arzt anrufen sollen? Oder eben in der HNO-Ambulanz? Oder weiß der Teufel wohin ich mich wenden könnte?! Vielleicht war ich zuvor noch müde, hätte in Erwägung ziehen können, mich hinzulegen. Aber nun halte ich den Anblick, diesen betörenden Anblick dieser zum Leben erwachenden Natur da draußen nicht aus! Und ich klimpere immer schneller, immer neurotischer und werfe in der Tat die Frage auf, ob das fair ist.

BESCHISSENER KÖRPER!!!

Ein frostiger Schauer läuft mir über beide nackten Oberarme. Dezent kratzt es im Hals. Aber das kommt sicher nur vom vielen Reden. Ich mag mich nicht hinlegen, nicht fernsehen. Alles, was ich mir vorstellen kann, wäre mich vollzustopfen. Wahllos irgendetwas in mich reinzufuttern. Und dann zu kotzen. Aber zu meinem Glück ist nichts da?!…
Das linke Bein beginnt zu krampfen. Seit gestern schon keine Stützstrümpfe mehr getragen, die Wassereinlagerungen werden sich sehen lassen können. Ich denke an jeden noch so winzigen Käfer, den ich beobachten hätte können, nun aber -Pech gehabt- verpasse! Und im nächsten Jahr ist dann das Bedienen der Kamera gar nicht mehr möglich! Und mich würde mal interessieren, wer mich wohl angesteckt hat. Alles nur vom Ausflug vorletzten Sonntag, dem kalten Wind entgegen? Oder doch spätestens freitags im Krankenhaus mir irgendetwas eingefangen? Wen interessiert es?!
Jetzt kommt die Depression.
Verachtung… Schüttelfrost…

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17. April 2019, Mittwoch „Schlagloch… Oder toter Punkt“

TRIGGER!…

8:38
Ob ich esse oder nicht, mehr oder weniger, mich mit Flüssigkeiten volllaufen lassen oder vor dem Schlafengehen nichts mehr trinke, stundenlang, spielt alles keine Rolle… 61,5 Kilo.
Blauer Himmel. Makellos. Zwitschernde Vögel. Auch das Blaumeisenpärchen steckt sich gegenseitig zärtlich kleine Leckereien zu. Es duftet nach allerhand Blütenpracht, die Traubenkirschen sind mittlerweile erblüht. Die Luft erfüllt mit betörenden Nuancen. Alles ist pefekt. Alles ist wunderschön. Alles lebt.

Nur ich nicht.
Meine Stimmfarbe spricht Bände. Im Entlassungsbrief des Krankenhauses steht, Zitat (also ich wurde zitiert): „Patientin gibt an, es ginge ihr soeben so gut wie schon lange nicht mehr.“.
Habe ich aus all den Jahren nichts gelernt? Wie, WIE nur konnte ich es wagen? Ist es der „alte Frühlingsfluch“, dieser negativ abgespeicherte Tag im Mai, mit 15, als ich zum ersten Mal mit dem Tod im nahen Familienumfeld in Kontakt trat? Wie jedes Jahr? Oder doch viel mehr, doch etwas anderes?

Depressiv. „Mir ist schon aufgefallen, dass du dich die letzten Tage stark verändert hast…“, Sebastian gestern. Und selbst wenn man morgens noch Witze machte; jetzt, genau jetzt kommen die Tränen. Schon wieder. Mir steckt ein Kloß im Hals. Er drückt. Erdrückt. Mir wird schlecht.
Es ist nicht dem Umstand geschuldet, gestern auf meinem Ausflug aufgrund gleich zweimaligem Knicken des verfluchten Katheterschlauches mich angepisst zu haben. Weil ich mit meinen unbrauchbaren Händen einfach nicht unter die ganzen Pulloverschichten graben konnte, nicht an die verdammte Leitung herankam. Nein, das war es wirklich nicht. Vielleicht noch ein „geschmackloses Dessert“ als krönender Abschluss, obendrauf. Aber nein… Das nicht…
Ich fuhr los, in diesen grandiosen Tag hinein. Es war warm, dennoch den Kopf dick eingepackt in meine schwarze Sturmhaube. Der Wind, nicht einmal kalt, schmerzte in Kopf und Ohren. Oben an der Kreuzung angekommen, planlos. Links oder rechts? Nur bloß nicht wieder meiner Mutter über den Weg fahren. Bitte keine Begegnung! Bitte, mit NIEMANDEM! Zu grüßen schien mir bereits ein Ding der Unmöglichkeit. Dementsprechend passte ich mein Tempo an, beobachtete, dass die Leute, die ich vorzeitig entdecken konnte, auch wieder außer Reichweite verschwanden, ehe ich sie passieren würde.
Da war ein kleines Mädchen. Mit dem ich mich doch letztes Jahr so eingängig unterhalten hatte, über die Natur, über Tiere und Pflanzen. Sie warf mir ein liebes „Hallo!“ entgegen, und ich erwiderte, beinahe tonlos, um mich dabei nicht einmal umzudrehen. Es tut mir leid.
Eine geschlagene Ewigkeit stand ich vor einer Schräge. Trockenrasen. Die ersten Sommerblumen. Wilder Salbei, Wiesenbocksbart usw., ein Schwalbenschwanz, allerlei Käfer. Stand da und versuchte zu filmen. Es klappte nicht. Es sollte nicht klappen. Dann noch ein Stückchen weiter die Straße entlang. Praller Sonnenschein. An dieser Stelle sommerliche Klänge, die Grillen zirpten laut. Auch dort stand ich noch eine geschlagene Ewigkeit, der Blick ging ins Leere…

Und ganz plötzlich, wie aus dem Nichts, war mir klar, was nicht stimmte!
Das Leben macht keinen Sinn mehr!
So einfach. Mit einem Satz ist alles besiegelt. Gesagt. Versuchte zu denken, nachzudenken, in andere Richtungen zu denken. Vergebene Liebesmüh. Denn…
Das Leben macht keinen Sinn mehr!
Trat die Heimfahrt an. Was um mich herum passierte, traf nur noch peripher auf Interesse. Fuhr einfach weiter und weiter. „Bitte kommt nicht raus! Bitte steht nicht draußen! Bitte sprecht mich nicht an!“. Spießrutenlauf auf vier Rädern mit geräuschlosem Elektroantrieb. Vielleicht noch hier ein „Hallo“, dort ein „Grüß dich“. Aber ehe man reagieren konnte, sich meiner gewahr wurde, war ich schon vorbei gefahren, sah man nur noch meinen Rücken. Dafür reichen die 6 km/h. Unsere Straße runter wurde es noch schlimmer. Da stand Margit, mit der man sich doch immer mindestens 1 Stunde unterhält. Glücklicher Umstand: Andere Nachbarn waren spazieren und unterhielten sich soeben mit ihr. Ein gedämpfter Gruß, nicht stehen bleiben, immer weiter. Unsere direkten Nachbarn hatten soeben Besuch erhalten. Eine ganze Familie. Wieder passte ich das Tempo an, dass sie nicht mehr vor dem Zaun standen, sondern sich in Richtung Haus bewegten. Ein noch gedrückteres „Hallöchen“. Und dann noch der Gipfel. Anni, die direkte Nachbarin, unten im Garten. Sie winkte, ich quälte mich durch ein Lächeln. Nur wenige Meter weiter, außer Sichtweite, in unserer Einfahrt angekommen, brach ich zusammen. Die Fassade in 1000 Scherben, klirrend und schmerzhaft. In Tränen ausgebrochen. Weil nichts mehr funktioniert. Weil das alles einfach nicht aufhört. Immer wieder kommt. Wegen der Ausschau auf meine Zukunft. Dem Psychoterror von familiärer Seite, der doch von außen betrachtet gar keiner ist, gar keiner sein darf, denn es ist alles nur gut gemeint, lieb gemeint, man will nur das Beste für mich, hat mir ein Haus gebaut, Geld in den Arsch gesteckt usw. und so fort! ICH einfach nur HYPERSENSIBEL bin, ICH das Problem bin! Weil die verqueren Manifestationen in meinem Hirn, in meinem Denken, die sieht ja keiner! Diese ganzen Sterbefantasien! Dieses Gefühl, dass die Zeit permanent bedrohlich abläuft! Der Tod immer näher rückt! Die ganzen Anschuldigungen, die mein Gefühl etablieren möchte, aber meine Ratio nicht gestatten kann! Dass ich nur noch FETT, HÄSSLICH, ALT, WERTLOS und eine EINZIGE BELASTUNG BIN! DAS ALLES VORBEI IST, LÄNGST VORBEI, LÄNGST TOT!! JEDES JAHR AUFS NEUE NICHT MEHR ALS DIE WIEDERHOLUNG DES LETZTEN JAHRES!! SEIT NUNMEHR 33 JAHREN!! DASS ES BESSER GEWESEN WÄRE, DAMALS, ALS KIND IN IRGENDEINER SCHÖNEN, UNBELASTETEN SITUATION GESTORBEN ZU SEIN!!! DIESER GANZE KRIEG SEINEN ANFANG NEHMEN KONNTE, UM NIE, NIEMALS ZU ENDEN!!!

Warum bin ich damals nicht zumindest „auf meiner täglichen Flucht“ beim Laufen in den Zug gerannt?! Das wären wenigstens „faire Bedingungen“ gewesen! Aber jetzt? Mit all den Gedanken im Kopf, all den zusätzlichen Schuldgefühlen Sebastian gegenüber, und einem Körper, der überhaupt nicht mehr das macht, was man von ihm „erbittet“!!… In zwei Jahren? In vier Jahren? Da kann man viel reden, von wegen: „Nein, so wie dieser andere Patient mit derselben Diagnose, so möchte ich dann nicht mehr leben!“!! Wenn ich dann unfähig bin, es zu beenden?!

Ich fuhr die Einfahrt hoch. Blieb oben stehen. Lautloses Schluchzen, Zusammenbrechen. Die ganze Heimfahrt…: „Ich bring mich um.“.
Viel Spaß für den Pathologen, den Leichenbestatter, mit meiner angepissten Hose!

Mir blieben noch etwa 45 Minuten. Fuhr ins Haus. Temesta? Gleich drei oder vier? In dieser Verfassung spielt das doch ohnehin keine Rolle mehr!! Viel schlimmer machen kann man’s nicht!!
Mich daran erinnert, vor einigen Tagen das Psychopax irgendwo gesehen zu haben. Im Fläschchen vielleicht noch 20 %. Die Tropfvorrichtung funktionierte nicht bei dieser Menge. Mit den Zähnen den Gummipfropfen abgebissen, entfernt, herausgezogen, um den ganzen Rest auf einmal in mich hinein zu schütten. Wie viele Tropfen das wohl waren, war wiederum mir gelinde gesagt scheißegal. Zwei Tücher, die Rasierklingendose, einen Stützstrumpf. Wieder hinaus auf den Parkplatz, auf das letzte Fleckchen Sonnenschein. Keinen Überblick mehr… Und ohnehin nicht MEHR als perfide und geschmacklos und verantwortungslos, dies derart detailliert wiederzugeben!!!
Aber ich tue es dennoch… Die ersten zehn Schnitte lächerlich. Dann mich an meiner Handbeuge versucht. Vergebens. Die nächsten Schnitte dezent tiefer. Der Fleck unter meinem Arm wurde größer. Und dann weiter und weiter, und endlich Verzweiflung und Wut federführend. Die letzten zwölf Schnitte bluteten schön. Mich wieder an der Handbeugen zu schaffen gemacht. Ist es denn tatsächlich so schwer, die Pulsadern zu treffen? In Erwägung gezogen, derart blutbesudelt dort sitzen zu bleiben.

Aufmerksamkeitsgeiler Borderliner!!!

Ins Bad, alles abgewaschen… Um mich draußen ins Abendlicht zu stellen, bis er kam. Wie immer, lächelnd, mit einem Lied auf den Lippen, meinen Namen enthaltend… Und ich? Ich Monstrum? Zerstöre alles! Verlegte er mir gerade noch einen Schokoladenosterhasen auf den Schoß… Und ich fange zu weinen an, stammelnd: „Mein Leben hat überhaupt keinen Sinn mehr! Es tut mir so unendlich leid! So etwas wie mich, das hast du echt nicht verdient! Besseres hättest du verdient!…“. Er nahm mich in den Arm, versuchte verzweifelt, mir zu widersprechen. Sinnlos?

Er zog mich aus. Zog mich wieder an. Wie ein Baby. Wie eine 90-jährige im Pflegeheim, wie einen Totalausfall. Wurde auf meinen Fernsehsessel gelegt. Er kochte mir Tee, legte mir die Schokolade daneben… 38,2 °C. Eingeschlafen.

Und so ich tatsächlich dachte, „Heute ist wieder alles gut!“, sollte der Blick gleich beim Zähneputzen, so ich das überhaupt hinbekomme, genügen, um mich auch optisch von diesem Irrglauben distanziert zu können…
Noch 19 Minuten bis zur Sitzung…
Und nur am Rande: Natürlich ginge es besser, tiefer, ordentlicher, ernstzunehmender… Aber der Unterarm ist übersät mit dunkelblau blutunterlaufenen langen Strichen…

16. April 2019, Dienstag

9:09
Alles zwecklos… 61,9 Kilo. Der Wetterbericht behält recht; ich hätte gleich, oder müsste spätestens jetzt hinausfahren. Wie jeden Tag erreicht der Wind seine Spitzen ab Mittag, und zuvor war es noch windstill. Soll wohl nicht sein, oder einfach erneut riskieren? Wie soll ich mich anziehen? Was soll ich anziehen? Die Temperatur bis jetzt einigermaßen moderat. So um die 37,2°C. Aber meine Birne beginnt erneut aufzuheizen. Aber immer noch 37,3°C.

Ohne große Umschweife: Ich bin abhängig von diesem beschissenen Thermometer, entscheidet über Gedeih oder Verderb. Über „Ich bin krank!“ oder „Das bildest du dir alles nur ein!“. Viel zu viel Zeit ist verstrichen. Für NICHTS. Sebastian redet seit zwei Wochen, mindestens, davon, mir Nistkästen zu basteln. Aber darauf zu warten ist brotlose Kunst! Und zweimal geklickt, schon 44 € auf den Deckel gehauen! So einfach geht das.
Die Infrarotlampe in Betrieb nehmen. Tagebuch zu diktieren ist letztendlich auch nur Zeitverschwendung. Ich könnte, ja, ich könnte doch… Aber was kann ich wirklich noch?
Der Haus- und Hofprediger hatte es gut mit mir gemeint, mir eine Absolution erteilt… Wie gnädig! Minutenlang konnte man ihn durchs offene Küchenfenster im Garten plappern hören, und dann, ganz plötzlich, positioniert er sich vorne im Sanddorn derart repräsentativ, ganz vorne, und nicht irgendwo hinter unzähligen Ästen versteckt, und ließ sich bei seiner Predigt minutenlang filmen. Dieses Kapitel endlich abgeschlossen? Kehrt ein wenig Ruhe ein? Darf ich mit meinem imaginären Besen ein bisschen Stress wegfegen?
Ich halte die Wärme der Lampe nicht aus. So wie ich auch die Inhalation nicht aushalte. Warum genau? Weil ich TATENLOS stillsitzen muss! Das widerspricht meinem Naturell! Und… NEIN! Einen großen Unterschied nach den beiden Semester vermochte ich ebenfalls nicht auszumachen. Aber zumindest der Fleck in der Hose ließ sich auswaschen. Er lässt den erneuten Gebrauch der Stulpen, erst recht das Aufblitzen der Wunden beim Umziehen, wenn er mir einen Pullover auszieht, unkommentiert.
Mein Blut war so dick… Gerinnung als Feind! Die Hände klimpern unruhig, unterdes scheinen die Kopfschmerzen von der Hitze nur noch mehr zu werden.

Mit geschlossenen Augen… Ganz plötzlich durch das blinde Diktieren, das Sprechen mit geschlossenen Augen, ein Dejavue… Irgendeine Kindheitserinnerung drängt sich auf. Wieder ist es Weihnachten, dieses eine Weihnachtsfest.
Aber da wäre noch etwas anderes. Der Lichteinfall von vor 1 Stunde. Erinnerte mich an etwas… Wie alt war ich wohl -fünf oder sechs? Dieses Licht, man macht die Augen auf, und es fühlt sich an wie eine Geburt. Ein Neustart. Klingt an und für sich positiv, wenn da nicht das Wörtchen „aber“ wäre… Denn „aber“ zugleich auch so, als hätte man nach dieser Nacht, nach diesem Erwachen in diesem speziellen Licht seine Vergangenheit verloren. Tabula rasa. Der Eindruck, sicher zu sein, alles sei gut, alles würde gut werden, nichts weiter als ein gravierender Trugschluss! Das nicht möchte es einem nur weismachen, einreden.
Da fällt mir ein, die Butter steht noch neben mir. Verantwortung… Stress… Möchte ich doch einfach nur die Augen schließen und nicht mehr aufmachen müssen.

10:55
Er macht abends Salat, und die Arbeit der Volkshilfe ist mit einem Schlag hinfällig! Die Küche sieht aus wie nach einer Großveranstaltung! Und das von ein bisschen Gemüse Schnipseln! Und ich? Keinen Deut besser? Ein gekonnter Schwenk in der Küche, der Kippschutz des Rollstuhls kollidiert mit einer der Fliesen an einer der Küchenmauern, und reißt diese von der Wand! Die Schnauze voll! Ich wollte aufräumen, aber stattdessen fuhr ich hinaus. Was für ein wunderschöner Tag. Und in mir brodelt es schon wieder…

Dir geht es doch gar nicht so schlecht! Beweg deinen fetten Arsch!!! Und eigentlich müsstest du malen!!! Du hast so viel zu tun, und tust nichts, DU FAULE SAU!!! WIRST SCHON SEHEN, WIE ALLES DEN BACH RUNTER GEHT!!!

Die Temperatur jetzt mehr oder minder normal. Meinen schwarzen Umhang übergeworfen… Ich muss wieder raus!

15. April 2019, Montag „Angst-Kontrolle…“

8:34
Mir selbst in die Fresse hauen? Das Abendessen war ja auch DERMASSEN mächtig… Vier Fischstäbchen aus dem Backrohr und ein wenig Blattsalat mit roter Paprika… Mein Körper tut gerade so, als bestünde jeder einzelne Tag aus Völlerei pur! Lächerlich! Ich hasse dich!
61,9 Kilo um 7:15 Uhr! Das schlägt dem Fass den Boden aus!

Der Himmel tut so, als käme irgendwann wieder die Sonne zum Vorschein. Ich fantasiere davon, es heute irgendwann noch nach draußen zu schaffen. Mein Schädel hämmert. Hämmerte die ganze Nacht hindurch. Ab 3:30 Uhr wach, um Diskussionen mit meinem rechten Bein zu führen, welches zu quengeln und zappeln beliebte. Abgedeckt. Ventilator. Alle 4-8 Sekunden ruckartig am Gurt gezogen.
Als die Schmerzen endlich aufhörten, als ich wieder auf die Uhr sah, war doch tatsächlich 1 Stunde vergangen. Und nun fing er an zu schnarchen. Mich selbst beruhigt: „Ich bin offiziell krank und darf mich hinlegen!“.
Augenauswischerei!
Der Tag bedeutet Stress. Erwartungsängste. Was passiert, WEM passiert etwas… Die Volkshilfe, eventuell ein Elektriker, um unsere kaputte Satellitenschüssel zu reparieren, abends Brigitte… Alles in mir spult sich regelrecht auf. Am Rande erwähnt ist da auch wieder ein altbekannter Freund… Die Panik vor meinem Posteingang. Dass meine Mutter antwortet.
Und nachts im Traum Protagonist einer Zeichentrickserie gewesen. War im Krankenhaus, in Feldbach. Ein Tross Ärzte fiel in mein Zimmer ein, alle zupften an mir, begutachteten mich, bewerteten mich: „Diese Spastik ist aber außergewöhnlich! Atypisch!“. Ich versuchte mich zu erklären, dass da auch meine Psyche ihre Finger mit im Spiel hätte, ich augenblicklich unter jede Menge Anspannung stünde. Man drehte sich um, faselte irgendwelche lateinischen Fachbegriffe und rauschte hinaus. Scheiße nur, dass ich die entscheidenden Wörter verstehen konnte; soweit reichte mein fragwürdiges „Fachwissen“ bereits. „Rektal“… Mir stellten sich die Nackenhaare auf! Und schon kamen Schwestern, und wollten mich in den Keller bringen, wo diese besagte Untersuchung am meinem Anus stattfinden sollte. Man würde auf einen gynäkologischen Stuhl gesetzt und müsse die Beine breitmachen. Bekam einen hysterischen Anfall! Schrie die Schwestern an, dass ich das ganz sicher nicht machen werde, wurde immer steifer, bis ich nur noch einem Brett glich. Also mit Gehen war da nicht mehr viel zu machen. Ich wurde ins Bett gesteckt. Manche der Schwestern vermittelten mir den Eindruck, mich zu verstehen. Irgendwie kannte ich sie alle auch schon, man duzte mich, schien mich auch zu mögen, nur sorgte ich gerade dafür, dass man sich diese Sympathie abgewöhnen konnte. Im Lift protestierte ich immer noch lautstark. Unten im Keller standen diese Untersuchungsstühle in mehreren Reihen, einer neben dem anderen, in jeder Reihe sicherlich an die 20. Keine Vorhänge dazwischen. Man kam eine Treppe herunter und konnte sozusagen von oben auf all die entblößten Geschlechtsteile gucken. „NEIN!! Das lasse ich nicht machen!!“. Der Arzt drehte mich einfach um und faselte irgendetwas von einem verkümmerten Schwanz, also dass man an der menschlichen Wirbelsäule, an der Lendenwirbelsäule noch verkümmerte Reste eines steinzeitlichen Schweifes erkennen könne. Diese Wirbel würden dafür sorgen, dass der Darm Stuhl nach draußen befördern können… Und noch irgendetwas Absonderliches sollte dieses Relikt unserer Vorfahren vollbringen… Außerdem waren sie dermaßen scharf drauf, mir einen Einlauf zu verpassen, weil ich seit zwei Tagen nicht mehr auf Klo war. Deswegen hatte ich bereits im Zimmer, bevor die Visite reingeschneit kam, die erste Schwester angebrüllt. Aber nicht nur deswegen. Sie konnte schlecht Deutsch und meinte: „Dein Gangbild sieht komisch aus. Lächerlich.“.
Definitiv floh ich aus dem Keller. Und vielleicht war auch dieser Knochenfortsatz daran beteiligt: Ich konnte fliegen! Eine nervenaufreibende Verfolgungsjagd durch dieses scheußliche Krankenhaus! Das Gebäude war riesengroß und verwinkelt! Ständig eine Schwester und den Chefarzt an der Backe, die plötzlich auch fliegen konnten. Mein Nervenkostüm aufgerieben… Unendlich jagte ich hin und her, wurde gejagt, ehe ich den Ausgang finden konnte… Aber dort wurde es wieder dramatisch, ich war schuld daran, dass meine Mutter tot war, über andere Animationsfiguren konnte ich mich verwandeln usw. und so fort… Um am Schluss noch von Zombies verfolgt zu werden, die plötzlich aus einem offenen Kinosaal herausgestürmt kamen. Einer von ihnen hatte mich bereits gepackt und ich wartete darauf, dass ich endlich gebissen werde, dass es endlich weh tut und ich dann endlich sterbe. Voller Angst. Hoffend, dass vielleicht doch noch irgendjemand auf das Monster schießen möge.
Hat jemand zur Waffe gegriffen? Oder war es die aufgehende Sonne, die mich gerettet hat? Der Zombie verkohlte unverzüglich wie ein Vampir und zerfiel zu einem Häufchen Asche…

Wieder eine passable Bildsymbolik für einen nächtlichen Missbrauch. Dass ich den Sonnenaufgang als etwas gutes wahrnehme, das Abendrot hingegen als den Vorboten des Todes und die Nacht als ein einziges Sterben…

Wie werde ich meinen Tag gestalten? Womit? Ratlosigkeit…

11:48
WIE DUMM MUSS EIN MENSCH SEIN?!!!
Ich wollte sortieren, aussortieren, kopieren… Was habe ich gemacht? Davon ausgehend, dass das Videoprogramm offen ist, und der Explorer beim Löschvorgang schon schimpfen würde, weil er das immer tut, wenn die Dateien aktuell benutzt werden, geöffnet sind, den gesamten Inhalt vernichtet. „Zu groß für den Papierkorb“ und „Endgültig löschen?“…
ALLES WEG, DIE MINDESTENS 100 KRÄHENAUFNAHMEN WEG!!!
Mindestens drei Programme durchlaufen lassen, die die Dateien wiederherstellen sollen… Na toll. Nichts von all dem, was ich brauche, ist dabei. Wie DÄMLICH bin ich eigentlich? Hatte ich nicht zuvor alles auf die externe Platte gespeichert?
NIX!!!
Im Badezimmer am Waschbecken nicht stehen können. Anschließend beim Entleeren meines Beutels wieder fast umgefallen. Kurz im Flur innegehalten…
Der Blick fiel auf meine Bilder. Mir wurde schlecht. Daneben mein Spiegelbild. Jetzt erst recht.

EIN DRECKIGES BRECHMITTEL, EIN FETTES!!!
DU BIST DER INBEGRIFF VON HÄSSLICHKEIT!!!

Die Sonne verdrängt die Wolken. Ich bekomme keine Luft mehr. Alles schreit nach einer Reaktion, eine Aktion…
Morgens 37,4, seit mindestens 2 Stunden wieder fast 38°C. Die Nasendusche ging wieder ausnahmslos schnurstracks ins Hirn. Entweder dafür auch schon zu blöd oder irgendetwas stimmt nicht.

15:53
Sebastian hat alles gerettet.
Es wurde schöner und schöner. Fuhr hinaus, dick eingepackt. Anschließend von Ramida noch eine Wärmeflasche machen lassen. Aber es ging mir schlechter und schlechter und noch schlechter. Wieder einmal dokumentiert, was von mir übrig ist… 10 Minuten? Länger? Nur, um einen Schal, die Sturmhaube, eine riesengroße Weste von ihm und zwei Gartenschuhe auszuziehen???
Ins Wohnzimmer gefahren… Mein Kiefer schmerzt. Als hätte ich ihn mir ausgerenkt. Oder weil ich bei dieser minutenlangen Prozedur PERMANENT gähnen musste?? Temperatur gemessen… 38,2°C…

Wie besessen an diesem winzigen Knopf am Ärmel meiner neuen Bluse herumzupfen: „Geh endlich auf!!!“… Ich will, ich muss mich verletzen!! Ich halte dieses Ausgeliefertsein nicht mehr aus!! Und währenddessen schwindet draußen der Frühling, ich verpasse alles, alles geht vorbei, ohne mich, und ich in diesem scheiß Vogelkäfig gefangen!!!
Welche Alternativen blieben mir schon? Eine Temesta, zwei? Du beschissener Körper, was willst du von mir??!!! Du bist doch sowieso nicht MEHR als das Eigentum meiner Mutter!!! ICH HASSE DICH!!! ICH VERACHTE DICH!!!

Die ersten Tränen seit einer Ewigkeit…
Na?! Wie lange lässt du mich gewähren?!! Bis die beschissenen Augen wieder dermaßen zu brennen beginnen, als seien meine Tränen ätzend!!! Kurz davor, eine Schere zu nehmen, und das neue Kleidungsstück zu zerstören!!!

Der beschissene Krüppel kriegt sowieso nichts hin!!!
Zerfleisch endlich deine beschissene Hackfresse!!!

Ich krieg den Knopf nicht auf. Ich kann das Hemd nicht hoch schieben. Der Griff geht in die Schublade, zu den Beruhigungsmitteln. Mir ist schlecht.
Unverzüglich endet der Tränenfluss. Mein Debüt war ohnehin nichts als Kinderkacke! Kratzer, die diese Bezeichnung gar nicht verdient haben!
Mein Schädel platzt. Der Knopf geht nicht auf. Schüttelfrost. Mir selbst an die Gurgel gehen… Mit welchen Händen?!!!

… Und dann, plötzlich, es gelingt!!! Der Arm ist befreit!!!
Der Kopf unter dem Headset am Bersten. Hastig in der Schultasche nach der kleinen Blechdose suchen. Sollte ich den Arm baden? Heiß baden? Die Haut aufweichen?…

16:21
Die Haut wie Gummi. Aus 10 werden 12 werden 26. Aus Zögerlich wird Wut wird Rage.
Nichtsdestotrotz kann mich jedes Kind auslachen!
Wie lang dauert es, bis ich die Klamotten an irgendeiner Stelle wieder eingesaut habe? Ein verräterischer dunkler Fleck?
Die alte Rasierklinge schabt über die Haut, über die Schnitte, sammelt das Blut. Zumindest die zweite Reihe hat sich gelohnt.
Doch schon kommt das Spektakel zum Erliegen. Versiegen. Nicht mehr wissen, welche die Neue ist.
Die linke Hand stellt sich blöd, die Finger wollen nicht in den Strumpf schlüpfen. Die Rechte rutscht daneben, alles vollgeschmiert, keine Kontrolle, keine Fein- noch Grobmotorik. Alles abgesoffen in diesem Dauergewitter in meinem Kopf. Aber… ACH! Alles halb so wild! Das MRT sah doch super aus!

Und da hat es die Hose erwischt, natürlich!

DU DUMME SAU!!!

Die schwarze Stulpe komplementiert das missratene Kunstwerk. Nichts passiert. Nichts geschehen. Alles gut. Das Leben geht weiter…

Dabei immer mehr das Gefühl, als hätte ich stundenlang das Maul weit aufgerissen. Muskelkater in den Wangen. Was soll das für eine Krankheit sein??!!!

WETTEN??
MAUL- UND KLAUENSEUCHE!!!

ICH LACH MICH KAPUTT, DU SAU!!!!!!!!!!

14. April 2019, Sonntag

13:02
Vereinzelte Regentropfen landen im Swimmingpool der Vögel. Grauer Himmel. Aber zumindest, scheinbar windstill. Der Schädel platzt. Zum „Untätigsein“ verdammt. Als stecke ich in einer vergifteten Dunstglocke fest. Kann nicht atmen, nicht denken, nicht agieren. Warten auf die Mönchsgrasmücke. Oder bestenfalls noch den Zilpalp.
Verworrene Träume. In einem davon kehrte ich immer wieder in die Psychiatrie zurück, um dort doch tatsächlich gleich fünf Schulkollegen zu treffen. Der Leiter der Station hatte einen zahmen Raben, den ich unbedingt filmen wollte. Alles spielte sich auf der großen Terrasse im ersten Stock des Gasthauses ab. Und gestern im Traum, als wir eben dieses neue Haus gekauft hatten, das mehr einer Mondstation glich, indem wir zwei Küchen hatten, eine amerikanisch-hypermodern, aber ich kam an die Spüle nicht heran, und die andere klein und dafür etwas behindertengerechter, aber das Waschbecken war dermaßen winzig und das Wasser tropfte aus einem winzigen Schlauch, dass es schlussendlich auch kein Gewinn war. Und in besagter Kleinen rückte mir der Vater eines kleinen Jungen auf die Pelle, den unsere Nichte, auf die wir aufpassen sollten, zum Spielen ins Haus geholt hatte. Und der Vater verschaffte sich einfach so Zutritt, ungefragt, hatte scheinbar sogar eine Schlüssel für die Haustür.
War dieser „Sektenheini“ aus der Nachbarschaft.
Und dieser Typ stand permanent hinter mir und legte mir seine Hand auf den Hintern. Und noch schlimmer, ließ die Hand hinabgleiten, zwischen meine Beine. Wieder und wieder.


„Warum machst du deine Übungen nicht?“… Doch nicht einmal im Kopf bin ich fähig zu schreien: „Ich kann nicht mehr…“, verhallt es sang- und klanglos in den hohlen Gehirnwindungen. Erinnerungen, immer nur Erinnerungen, ein JETZT existiert nicht mehr.
Das neue Thermometer piepst ebenfalls Alarm, ganz dezent, weil den Grenzwert erreicht: 37,5 °C. Versuchen, mein Kreuz zumindest ein wenig durchzubiegen, zu strecken. Schadensbegrenzung im Kleinformat. Dabei fallen erneut meine Augen zu. Ohnehin bereits fix, heute Nacht wie in jeder Sonntagnacht nicht schlafen zu können? Wenigstens im Traum hatte ich heftigen Schnupfen bekommen. Nichts kann ich tun, nichts angehen, nichts in Angriff nehmen. Seit gestern Abend Antibiotika. Nächste Runde „Meister Propper“. Die Kohlmeisenpärchen turteln vorne im Restaurant, füttern sich gegenseitig mit Sonnenblumenkernen. Das Blattwerk wird dichter, die Einsichten verschwimmen. Sträucher und Bäume verhüllen sich und ihre Geheimnisse. Pech gehabt, verpasst!
Mein linker Arm begann vor 10 Minuten zu krampfen. Penetrant und keine Taktik, wie ich dem Schmerz ausweichen könnte. Die Augen fallen zu, die Finger beginnen zu brennen, werden taub. Zu allem Überfluss noch eine schreiende Katze hinter mir. Den Tag in die Tonne treten. Hätte im Bett bleiben sollen. Der Sonntag dient doch ohnehin nur Depressionen. Es bedarf nun auch einiger Mühen, mir selbst umständlich in den Arsch zu treten und mich ins Badezimmer zwecks Mundhygiene zu begeben. Während der linke Arm wieder beginnt sich bei den Krämpfen zu verdrehen, als würde ein Geist mir eine „Brennnessel“ verpassen… Wie in Kindertagen…

13:43
Der 30. Versuch, die Kohlmeisen dabei zu erwischen, wie sie sich turtelnd gegenseitig Körner zustecken, geht natürlich in die Hose. Unter dem Rollstuhl eine alte Rasierklinge aufheben… Als ich mich gerade eben nach ebenfalls mehreren Versuchen endlich erhob, war diese zu Boden gefallen. Noch von gestern, muss irgendwie auf dem Inkontinenzdeckchen gelandet sein.
Hastig aufgehoben, hastig verschwinden lassen. Zeitgleich macht er die Wäsche und kommt mit einem meiner „Spezialhandtücher“ um die Ecke: „Wohin mit dem Blutlappen?“.

Meine Zähne geputzt. Zweihändig. Rücken und Hintern an die Waschmaschine gelehnt. Sonst wäre ich umgekippt. Die Knie frei von jeglicher Spannung, butterweich, ging in die Knie, mehr und mehr. Was für ein Scheißdreck!!! Der Weg ins Bad war schwer. Der Rückweg umso mehr. Und darum lege ich mich jetzt wieder hin. Immer noch nicht wissend, was genau denn nun eigentlich mein Problem sei. Eine Erkältung. Ein Infekt. Die Sinusitis. Die Psyche. ICH selbst!…

19:21
Sebastian hatte Dokumentationen über Homöopathie an. In mir wuchert eine Wut auf diese Branche, auf diese „Lemminge“, auf diese „Religion“, denn was anderes ist das nicht! Und unverständlich, dass sich jeder Klempner oder Bauer von heute auf morgen „Heilpraktiker“ schimpfen kann, und der Staat, die Gesetzeslage, nichts dagegen tut! Menschen ohne medizinische Grundausbildung mit kranken Menschen „herumhantieren“ dürfen, oder wie es in einer der Dokumentation lautete: „Wir leben ja in einer freien Welt!“!
Er war kurz davor, auszuschalten, weil sich meine Aggressionen immer mehr steigerten! Natürlich, denn „ICH“ bin diejenige, die ständig mit diesem Mist belegt wird!!!

Dann war ich eingeschlafen. Und als ich aufwachte, war alles so warm, so heiß… Bat ihn um einen Becher Sauermilch mit Frucht, unfähig, den Löffel zu halten! Ebenso das Thermometer… Aber dafür reichte es (das neue Gerät ist verdammt schnell)! Und… HEUREKA!!!
38,3 °C!!! Na? Ist DAS ENDLICH ernstzunehmen???!!!

Mir die Dokumentation von gestern Nacht im Bett noch einmal angemacht… Wie makaber das klingen mag: „Ein Meisterwerk“! Und um nun alle Einzelteile zusammenzufügen…

Erzählte, dass der alte Familienhausarzt ebenfalls so eine „Globuli-Schleuder“ war. Meine Oma mütterlicherseits in ihrem Krebs ordentlich eingedeckt hatte.
Erzählte, was für ein geschätztes Mitglied der Dorfgemeinschaft er war. Dass er auch als Schularzt im Gymnasium gearbeitet hat, sicherlich einmal die Woche dort war.
Und ich erzählte ihm, dass dieser damals, vermutlich 1998 während einer meiner Freistunden, die ich ganz allein unten in der Aula verbrachte, im Vorbeigehen zu mir gesagt hätte: „Na? Da in der dunklen Ecke ließe sich gemütlich eine kleine Runde schieben, wie?!“.

So oder so ähnlich, es kommt aufs selbe hinaus. Ich war schockiert. Erzählte es meiner Mutter. Erzählte es WIE IMMER meiner Mutter! Wie bei jedem einzelnen Übergriff von Außenstehenden!!!! Und sie?

SIE HAT NICHT REAGIERT!!! Ganz im Gegenteil, mir mehr oder minder gezeigt, dass SIE MICH nicht sieht!! „Ach, aber er ist so ein guter Arzt… Wir sind schon so lange bei ihm… Erkennt euch seit ihr klein wart… Ich werde ihn sicher nicht wechseln…“.

Er ist dann abgekratzt. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich zumindest diesen einen Schritt geschafft in ein autarkes, „erwachsenes“ Leben und mir einen anderen Hausarzt gesucht!…

Warum ich nun explizit darauf herum hacke? Diese Dokumentation von heute Nacht, „Böse Onkel“…

https://youtu.be/amTHzV1D9ps
Den Link in eine unkommentierte Blanko-Mail gepackt und an sie versandt. Und da ich sie nachts verpennt habe, sie mir eben nach meinem kleinen Fieberschub zuvor noch einmal angesehen. Natürlich, ich kannte sie schon. Aber es muss schon länger her sein, ich schien alles vergessen zu haben. An dem Punkt, an dem der Täter davon berichtet, dass das Opfer sich bei Missbrauch etwas über den Kopf hält (was er erst als Marotte abgetan hatte und Jahre später durch Therapie erfahren musste, dass sich der kleine Junge abgespalten hat, in Körper und Seele), da wurde mir ganz anders, mir wurde schlecht, flau, mir war nach Schreien und Weinen und Ausrasten… Und ich dachte an mein Verhalten bei der Reha, als ich die Glocke betätigen musste… Obwohl die Schwester gerade eben erst rausgegangen war, aber mir etwas runter gefallen war… Und ich wie von außen beobachten konnte, wie ich angespannt immer weiter unter der Decke verschwand, beide Hände auf den Mund gelegt, als hätte ich etwas angestellt…

Ein anderer „gespielter Täter“, der Mädchen überfallen, gefesselt und missbraucht hatte, erinnerte mich wiederum an die Szene mit diesem Typen, der Adi (viereinhalb Jahre jünger) und mich, die wir gerade barfuß und in kurzen Hosen die Bundestraße hinunterliefen, lass es 1996 oder 97 gewesen sein, aus seinem Auto heraus angeschrien und aufgefordert hatte, unverzüglich einzusteigen… Woraufhin wir auf meinen intuitiven Befehl, „RECHTS!!!“ die Böschung hinuntergehüpft waren, direkt hinein in meterhohe Brennnesseln, während er vorne den Wagen wendete und mit Vollgas auf uns zugerast kam, und vor lauter Angst spürten wir nichts mehr, rannten und rannten und rannten, in den Wald, schräg den steilen Hang hoch, ab nach Hause…
Erinnere mich noch, mit seinem Vater an der Theke gestanden zu haben, und natürlich mit meiner Mutter. Und wir berichteten panisch von unserem Erlebnis…

Aber es war wie bei all den Übergriffen!!! KEINERLEI REAKTION!!!
Verdammt noch mal, selbst wenn es nicht mein Kind ist, selbst wenn ich das Kind nicht kenne, ICH RUFE DOCH UNVERZÜGLICH DIE POLIZEI!!!
Und diesem „Täter“ zuzuhören, verdeutlichte mir wieder einmal (und das ist wahrlich keine Paranoia), dass wir, wenn nicht sogar tot, zumindest NICHT heil aus der Sache rausgekommen wären! Dieser Typ machte nicht den Eindruck, als hätte er nun das zwanghafte Bedürfnis, einen kleinen Jungen und eine Heranwachsende UNBEDINGT SICHER nach Hause chauffieren zu müssen!!!

Und mir wurde klar, angesichts dieser „Anekdote“, angesichts all der vorgefallenen „Schoten“… Meine Mutter hat MICH, MICH als Person, MICH als Individuum, NIE GESEHEN!!!
Ich war Puppe, die man vorzeigen kann! Ich war ihre Kopie! Ich war ihr „immer das Wichtigste“, um im selben Atemzug mit den nächsten Worten selbst genau das Gegenteil zu offenbaren!!!

Also warum fühle ICH MICH SCHULDIG???!!!
Sie wird die Dokumentation, wenn überhaupt, anschauen und vielleicht noch als Antwort hervorbringen: „Das ist ja schlimm…“. Aber den Querverweis zu mir, DEN wird sie wieder nicht zulassen! Weil es nicht in ihr Weltbild passt!

Ist das unfair von mir? Denn nun kämen wieder Erklärungen und Erzählungen, dass doch alles ganz anders sei… Aber mein Gefühl schreit regelrecht das Gegenteil heraus! Und wenn ich genau hinsehe, wie vorhin, wie jetzt, da müsse ich blind sein, das nicht zu erkennen!
Und wenn ich immer wieder das Wegschauen meiner Mutter in Therapien oder Erzählungen erst ankreide, dann aber mit den Umständen der damaligen Zeit zu erklären, zu bagatellisieren suche, mein Gegenüber aber trotzdem kritisch und streng ihr Verhalten bewertet… Sollte ich mir endlich eingestehen, dass ich eigentlich nur denselben „Bullshit“ von mir gebe, wie er mir jahrelang eingetrichtert wurde! Und das ist sehr wohl KRITIKWÜRDIG! Und erst recht MITVERANTWORTLICH DAFÜR, was erstens mit mir geschehen, und zweitens aus mir geworden ist!!!

Und das Beste kommt ja bekanntlich immer am Schluss: Für meine Anschuldigung, öffentliche Bloßstellung, Diffamierung, müsse ich mich UNVERZÜGLICH bestrafen!
Aufschlitzen…

Bin ich es? Oder das Kind in mir?

13. April 2019, Samstag „Beinahe… Nichts wert!“

Achtung – Trigger!!!!!!

14:33
Die gesamte Woche gilt nur einem Wunsch: Dass das Wochenende bloß schnell kommen möge!! Und so wird’s Woche für Woche Lebenszeit vergeudet, weggewünscht. Insofern für jemanden wie mich, der eigentlich seit der Schule nur noch zu Hause hockt, sich auf einer „bequemen“ Diagnose ausruhend, nur schwerlich vorstellbar, wie es sein muss, unter der Woche seine Lebensfinanzen zu bestreiten, keine Freizeit. Was für eine faule Sau…
Der Himmel ist grau und es ist schon wieder so spät. Und morgen schon wieder Sonntag, und der Sonntag nichts wert, weil er das Ende markiert.
Ehe ich davon noch mehr Panik bekomme, eine andere Tatsache erwähne: Beim Zähneputzen vor 5 Minuten „beinahe umgekippt“.
Ich wollte testen, wie es mir geht, ob ich nicht längst Verbesserungen wahrnehme und meinen fetten Arsch bewegen sollte!!! Zog sogar in Erwägung, nachher einen Ausflug zu machen, mit dem Rollator. Aber Pustekuchen. Endlich das neue Thermometer, sogar noch schneller als jenes, welches zur Reparatur eingeschickt wurde. Die Werte grundsätzlich bei 37,3 °C…
„Na so schlimm ist das doch gar nicht!!!“.
Vermochte „beinahe“ die Zahnbürste nicht zu halten.
„Beinahe“ nicht vor dem Waschbecken stehen zu bleiben.
Eben alles NUR BEINAHE, MEHR nicht. Kein spektakulärer Sturz, kein Endstadium, „du kannst ja noch, es geht ja noch, ein bisschen noch“ und eben noch mehr „NOCH, NOCH, NOCH“!

Meine Hände klimpern. Grauer Himmel und wieder auf der Jagd nach der Mönchsgrasmücke. Vor mir auf dem Tisch das Keyboard, welches ich sicherlich zwei oder sogar drei Jahre her in einem Anfall von Lebendigkeit kaufen musste. Dazu das Musikprogramm. Weil ich ja sonst nichts zu tun habe… Hahaha! Aber ich komme damit nicht klar, und war so blauäugig, wieder einmal, mich insofern sicher zu fühlen, weil ich mit dem Videoprogramm selbiger Firma doch mittlerweile auch ganz gut umgehen kann. Was für ein Trugschluss. Und erst recht was das Keyboard betrifft… ICH und KLAVIERSPIELEN??!!!
SCHALLENDES GELÄCHTER… Ich bitte darum!!!
In meinem Traum wurde mein linker Unterarm immer fetter und fetter und noch fetter, vor lauter schwabbeligem Fett warf die Haut Falten, wie eine schlecht gestopfte, dicke Wurst!!! So uralt!!! Himmelswillen, wie war das ekelhaft!!! Auseinandergehen wie gut gelungener Hefeteig!!! HASS!!!
Nun ja… Jetzt sind es 37,7 °C. Wenn ich mich nicht bewege, nichts in die Hand nehme, könnte man meinen, genesen zu sein. Mir läuft draußen die Zeit davon. Wieder leichte Ohrenschmerzen. Der Hausarzt meinte, das Linke sei gerötet. „Ein Bisschen“… Oder deswegen, weil ich es mir aufgekratzt habe. Weil ich ja nicht die Finger von meiner Haut lassen kann. Dabei unfähig (das wird wohl mein neues Lieblingswort) mir meine eigenen ekelhaften Pickel zu entfernen!! Und wenn ich so weiter mache, bin ich alsbald sehr davon überzeugt, der Menschheit einen Gefallen zu tun, ganz besonders der Krankenkasse, wenn ich endlich dafür Sorge, dass es mich nicht mehr gibt!!!

Der graue Himmel? Seufzen…
Zumindest die Form einer Reha gewaschenen Tücher in meiner Rollstuhl-Schultasche verstaut. Auf der Wärmepumpe lag zufälligerweise auch noch meine Blechdose mit den Rasierklingen; wie praktisch, muss ich sie nicht suchen. Tag und Traum von mischen sich, nichts ergibt Sinn. Und die Hände zählen bis 4, rauf und runter und rauf und runter und sowieso und überhaupt und ewig bis in die Unendlichkeit… Kopfschmerzen.

18:11
Weiß nichts mit mir anzufangen. Außer mich vor wenigen Minuten vor lauter Blutzuckerkapriolen mit gleich 3 Kinder-Maxi-King vollgestopft zu haben. Dieses elende Wetter… Erinnert es mich an etwas? Oder ist wie ein dichter Stacheldrahtzaun einmal oder zweimal oder dreimal oder 100 mal um meinen goldenen Käfig gewickelt?!
Und ALLES, was ich anfange, in die Hände nehme, GEHT SCHIEF! JEDES Missgeschick führt unverzüglich zu einer lautstarken Entgleisung. Jede Menge Geschrei, Wüten, Toben. Und dabei trotzdem nicht mehr abgeben als ein winziges Männchen, das man nicht ernst nehmen braucht… Wem soll ICH eine reinhauen? WEM soll ICH schon wehtun? Die Temperatur zeitweilig auf 37,6, aber vermutlich hatte ich das zuvor schon geschrieben.
War kurz mit zum Einkaufen. Es ist so eiskalt. Ich friere so sehr, dass sich meine Beinmuskulatur verkrampft, was so erst recht zu Krämpfen führt. Das Wetter erinnert mich an etwas, irgendwelche Szenarien tauchen aus der Versenkung auf, sind aber nichts wert. Bestärken lediglich den Eindruck, dass das alles mit Unwohlsein verknüpft sein muss.
Im Supermarkt gleich von zwei Frauen angesprochen worden. Die zweite war Anita von der Volkshilfe. Aber die Erste? Wer war das? Und beide fragten, wie es mir geht. Habe ich ernsthaft „gut“ gesagt, oder sie es vorweggenommen?
Nein, mir geht’s nicht gut. Er ist wieder nach oben verschwunden und ich überlege mir, aktiv zu werden. Den langen Eislöffel wieder in den Rachen schieben? Das tun, wozu ich gestern nicht mehr kam, und meine Rasierklingen konsultieren?
Am ganzen Leib zittern, die Heizdecke im Rücken läuft auf volle Kraft, das linke Bein zappelt. Das riesengroße Keyboard steht jetzt umsonst da. Was habe ich mir bloß dabei gedacht? Alles kaputt, alles hin. Depressiv? Warum nicht! Mein Körper spielt seine Spielchen, und ich dann eben die meinen!
Die eine Beruhigungstablette suchen, die gestern aus Versehen zusätzlich von mir ausgedrückt worden war. Mahlzeit. Die Katze geht mir auf den Senkel. Ich will nichts und niemanden mehr um mich haben! Allein sein und bestenfalls endlich abkratzen… Kopfschmerzen.


19:02
Mein linker Arm krampft. Als wisse er Bescheid. Erst für die Katze die Tür geöffnet, diese machte sodann aber keinerlei Anstalten, sich hinaus bewegen zu wollen. Schnappte mir den Staubsauger, um ein wenig Dreck zu entfernen und brüllte Fine an, als sie endlich in die Gänge kam.
Was macht dieses Wetter mit mir? Was sind das für Gefühle?
Der linke Arm krampft nun wie es meine Beine zu tun pflegen. Als ob das Theater zuvor links unten nicht schon gereicht hätte.
Traum und Realität verschieben sich, vermischen sich schon wieder. Dass da draußen wird unablässig mit gespeicherten Daten abgeglichen, Erinnerungen werden zu Tage befördert, und alles zusammen schreit nach Tod!
Anschließend ins Badezimmer, meine Hände und Arme unter den warmen Wasserstrahl gehalten. Angesichts des schlechten Wetters die letzten Tage konnte die Photovoltaik nicht ordnungsgemäß arbeiten, zu wenig Sonnenstrahlen aufs Dach. Den linken Unterarm rasiert. Zum Antibiotikum greifen; einer meiner Lappen liegt bereits auf meinem Schoß, die alte Blechdose vor mir auf dem Tisch.

Nun gut, das Phänomen kam die letzten Tage immer wieder vor, erst recht, wenn es mir wirklich noch schlechter ging. Aber die Kontraktionen augenblicklich schreien doch regelrecht nach Psychosomatik… Als wolle sich dieser Körperteil aus der Affäre ziehen! Ihn betrachten… Habe ich Mitleid mit dir? So, wie du heute Nacht in meinem Traum aussahst? So fett wie du jetzt bist? Und keine der Narben erringt wirklich Kultstatus… Eine gleichmäßige Einheitssuppe, so viele, zu viele auf einmal, ergeben ein ganz neues Muster, aber dabei eben zu regelmäßig…
Warum zögere ich? Warum denke ich, dass nicht mehr zu brauchen? Wie kommt es zu dieser haarsträubenden Erkenntnis?
Ich sehe Kinderfernsehen. Der rechte Arm steckt bereits in einer schwarzen Stulpe.
Früher Sommerabend. Kinder müssen bereits ins Bett. Das Licht macht mir Angst. Im Supermarkt beim Anblick einer Strumpfhosenverpackung und den darauf abgelichteten Füßen ereilte mich eine Derealisation! ICH KANN KEINE FÜSSE ANSEHEN!!! DA KOMMT ES ZU VERZERRUNGEN IM RAUM-ZEITKONTINUUM!!! UND SCHEINBAR NUR ICH KANN ES WAHRNEHMEN!!!…

Mir läuft die Zeit davon. Und sehr wohl bereits durch den Kopf gehen lassen, was ich mir von vielleicht zehn Kratzern erwarte. Was ich damit ändern könnte, sich besser anfühlen könnte.

Das Tuch falten, damit nicht erneut Blut durch das alte Frotteehandtuch auf meine weiße Hose sickert. Sollte ich die Kopfhörer abnehmen, um ihn sicher hören zu können? Oder ist es mir egal? Der Arm macht sich selbstständig, drückt sich immer wieder weg.
Das kannst du gut und gerne machen, während ich schneide!!!

In der Dose lauter alte Klingen und leere gelbe Kuverts. Verdammt, wo hab ich die Neuen versteckt?
Hatte doch recht; bei der Reha war eine ganze Packung dabei, in der Schultasche…
Kann die winzige Schachtel nicht zwischen die Finger nehmen…
Ebenso schwierig wird es ihr das Genick zu brechen, und schon fliegen alle fünf Stück aus der Öffnung, teils gen Boden…
Mindestens 1 Minute, ehe ich die Eine aufgehoben bekomme…
Tut sich oben schon was?… Die Ohren gespitzt…
Aus dem Schächtelchen mit den Alten fliegen mal eben alle 20 raus…
Als ich zum neuen Kuvert greife, fällt es mir natürlich aus der Hand! Ich kann es nicht spüren… Halte ich es, fest oder zu locker oder gar nicht oder falsch oder gleich nicht mehr??? Den Kopf nach oben gereckt, als würde das die Bewegung unterstützen, verstärken…
Das ist so anstrengend, mein beschissener Körper fängt erneut zu gähnen an! Draußen wird es dunkler, drinnen wird es dunkler, ich sehe unzählige Momente in meiner Kindheit, mit demselben Licht. Ob ich damals auch nur 1 Sekunde daran verloren habe mir so etwas hier vorzustellen???

Gar nicht erst spekulieren, ob das schlechte Licht zu besseren Ergebnissen führen könnte oder nicht. Ich werde so oder so versagen…

19:43
Der erste Schnitt ist oberflächlich, kurz, lächerlich, bedeutungslos. Die Haut wie Gummi. Zu wenig getrunken? Die Hände immer noch eiskalt. Etwas andrücken, und der Arm zieht sich zurück, flüchtet…
Das wird eine Kinderveranstaltung!! Als wolle mir der Körper zuwider handeln!
Aber DU, KÖRPER, DU bist nichts mehr wert!!! Und die Seele darin sowieso nicht!!!
Nach fünf Stück die Klinge wenden. Bei Nummer 8 auf der Innenseite ist nach dem zarten Schmerzimpuls die Kontraktion dermaßen stark, der Arm verdreht sich, presst die betroffene Seite fest ins Tuch. Wäre die Haut nur wie damals, vor 20 Jahren… So jung und ungeschützt und zerbrechlich…
Alles trocknet. Spärliche Rinnsale. Ich bin ein Hosenschisser! Viel zu zart!!! Worum geht es hier? Um einen Zustand, aus dem es kein Entkommen gibt, um Kindheitserinnerungen, die schön sein müssten, sich aber katastrophal anfühlen, und der Ausschau, dass es immer schlimmer und noch schlimmer und noch schlimmer wird. Zum Krüppel, der den ganzen Tag darauf wartet, bis er fragen darf: „Darf ich dich um etwas bitten?“. So denn dann jemand da ist. Wenn. Überhaupt. Irgendwann.
Anstatt diese lächerlichen Banalitäten selbst in die Hand zu nehmen!!…
Der rechten Hand fehlt die Kraft, stärker auf den Unterarm einzuwirken. Eine feige Sau. Sehe Träume aus Kindertagen, passend zu diesem Lichteinfall. Bist du jetzt hier, Kind? Willst du etwas sagen?
Kreuz und quer. 15. Alles viel zu oberflächlich. Ritzen vom Feinsten…

19:55
Das Blut ist kalt und sieht von hier oben beinahe schwarz aus. Mit einer alten Klinge ihm eine Richtung vorgeben, die Verzweiflung kanalisieren. Nummer 21 mit der flachen Seite. Hinterlässt einen zarten Schmerz, einen Hauch Feuer unter der Haut.

Die Werkzeuge landen in der alten Blechdose für Pfefferminzpastillen. Große Not damit, den gewaschenen Bandagenstrumpf überzustreifen. Und wieder wird der Hals lang gemacht, der Kopf taucht ein in höhere Luftschichten. Jetzt noch Ärger mit der zweiten Stulpe und der Suche nach dem Daumenloch. Sind nagelneue Strümpfe, mit wenig Halt.

Wird er fragen? Ansprechen? Mir egal. Befinde mich längst in irgendwelchen Träumen verwoben. Das Wasser ist alle.
Meinem neuen Hobby zu frönen… 37,7 °C. Na wenigstens da schimpft das Thermometer…

12. April 2019, Freitag „Wochenend-Dejavue!“

8:31
Die Ausschau für heute? Den ganzen Tag 100 % Bewölkung. Aber kein Niederschlag zu erwarten. Wind. Ich kann die Glockenspiele bis hier vorne hören. Es schneit Kirschblütenblätter. Alles ist weiß. Meine Stimme belegt. Vollgerotzt. Der Schädel unter Druck. Die Verspannungen sicherlich auch von meinem neuen Möbelstück, auf dem ich Zwerg immer ziemlich durchgebogen liege, unfähig, mich ordentlich oder weiter nach hinten zu setzen.
Ganz kurz taucht die Mönchsgrasmücke auf, doch als ich zur Kamera greife, hat sie sich bereits wieder in Luft aufgelöst! Zum Haareraufen!
Als ich vor der Waage stand, gab ich einen Tipp ab, ließ diesen extra schlecht ausfallen, um dann nicht enttäuscht zu sein, und lag dennoch drunter: 61,4 Kilo um 7:15 Uhr. Was ist mir nur eingefallen, einen Gewichtsverlust zu bemerken, anzumerken?! Und wie ich mich gestern erst zerlegt, belegt, beschimpft habe!! Was für ein widerwärtiges Monstrum… Hatte ich mich doch im Beisein von Ramida über einen Magenbypass informiert; ihre Chefin hätte sich einen solchen machen lassen und wäre nun nicht mehr wiederzuerkennen. Die Einschränkungen, mit denen man dann lebenslang zu tun hat, sind nicht von schlechten Eltern…
Dick aufgeplustert taucht der kleine Wald-und Wiesenprediger wieder auf, die schwarze Kappe im starken Kontrast zum hellgrauen Federkleid. Aber zu unstet, zu flüchtig; ich erwische ihn einfach nicht! Die Kamera laufen lassen…
Nun eine neue Theorie aus meiner kreativen Denkfabrik: Als ich gestern mehrmals aufs Klo musste, um wie im Traum einem Hasen gleich meiner Verdauung zu frönen, und ich bei jedem Mal dachte, ich müsse nun endlich die Hose wechseln, weil ich VIEL ZU FETT für dieses Modell sei und nach „getaner Arbeit“ jedes Mal unfähig war, sie mir wieder hochzuziehen, wagte ich zu denken, erst recht angesichts der leichten Bauchschmerzen (meine Wampe war aufgeblasen wie ein Luftballon), dass das in einem „anderen/normalen Leben“ gut und gern ein Durchfall sein könnte.
Hatte Mieke die erledigte Arbeit geschickt und sie gefragt, ob im Projekt irgendetwas am Grassieren sei. Schreibt sie mir doch heute, dass in der Tat eine leichte Magen-Darmgrippe ihr Unwesen treiben würde. Also in einem „anderen/normalen Leben“, ohne Morphium, ohne stetige Obstipation (klingt besser als Verstopfung), rein hypothetisch…

ACH, was weiß ich schon!! Fakt ist: Immer noch unbeweglich.
Gestern nach meinen Überlegungen beim Arzt angerufen, aber dieser sei aktuell auf Urlaub und seine Kollegin wäre mit den Terminen ohnehin voll bis Juni. Hatte mich dermaßen aufgerieben, frustriert, an Schlafen war nicht mehr zu denken! Insofern quälte ich mich durch meine Arbeit!
Meine Blase moniert soeben, undefinierbare Missstände zu erleiden und mich alsbald nass zu machen. Die Füße zu kalt auf dem Boden? Der Darm, der mich schon wieder ins Klo jagen will? Ich aber erst meinen Tee austrinken möchte?
Ich fühle mich so… Wertlos? Und wäre vielleicht sogar kurzfristig froh darüber, eine Ausrede zu haben, mal eben NICHTS machen zu müssen… Aber besagte Ausrede hat kein Fundament, keine Namen, keine Diagnose…
Der neue Plan? Heute Nachmittag mit nach Jennersdorf zu fahren, zum Hausarzt; vielleicht schleppt mich Sebastian wieder die Stufen hoch. Was gebe ich als Symptome an? Kann man nicht einfach kurz Fingerpieksen, den Tropfen Blut in eine Maschine stecken und sofort weiß man, womit man es zu tun hat???
Den kleinen Wicht kurzfristig aus einiger Distanz und ziemlich verwackelt eingefangen. Damit gewinnt man keinen Oscar!
Was gestern noch zusätzlich zur Belastung wurde… Als ich den gesamten Nachmittag in der Horizontalen verbrachte… Der mehrmalige Anflug von Panik, ohne triftigen Grund, ohne wirklichen Auslöser. Einfach so, weil es einfach wieder an der Zeit war…
Im Sanddorn balzen die Kohlmeisen, paaren sich… Mich vor die Terrassentür setzen und auf den richtigen Moment warten? Was habe ich denn sonst zu tun? Was für ein „schönes“ Leben, so ganz ohne Arbeit…

DU FAULE SAU!!!

9:25
Die halbe Nasendusche landet in den Hirnwindungen, gefühlt. Der Boden, ebenfalls gefühlt, genauso dreckig wie vor ihrer Arbeit gestern. Mir ekelt bei jedem einzelnen Schritt. Mich kotzt die Wärmepumpe an, dieses ständige Dröhnen, Surren… Der Ausschnitt voll mit Pickeln. Im Angesicht meines Schweiße… Das Küchenfenster ist gekippt, schon seit Tagen, und vom Garten kann man die Mönchsgrasmücke schimpfen hören. Es gäbe vieles zu erledigen, angefangen bei den hunderten Videos, die ich noch katalogisieren müsste… So viel… Dass bereits der Gedanke ausreicht: Panik! Überforderung!
So ähnlich verhält es sich auch mit den Physioübungen. Fühle mich zu schwach und bräuchte vermutlich jemanden, der mich nun dazu auffordert, mich korrigiert und ab und an bestärkt. Wie idiotisch… Aber Sonja ist da wahrlich die falsche Adresse, hat es nicht so mit „Bobath“… Was für ein beschissenes Wort! Was für ein beschissener Name!
Und nun, purer Zufall, den Zilpalp eingefangen. Aber erneut in einer grottenschlechten Qualität…
Martha kommt und schreit herum und ich möchte sie anschreien, weil währenddessen der Mönch locker eine ganze Minute genau im Bild sitzt, aber ich beschissener Dreckskrüppel unfähig bin, die Finger zu strecken, um ihn auf dem Display anzutippen, damit er scharf gestellt wird!!! Hass! Hass!! HASS!!! Und wie schon gestern nach dem Telefonat, nachdem ich begonnen hatte, das Dokument zu überarbeiten und ZU DÄMLICH WAR die Tasten zu drücken, wollte ich mich aufschlitzen!!! Will ich mich aufschlitzen!!! Anstatt meine ganzen Krempel zu packen und mich vor die Terrassentür zu stellen!!!…

10:24
Die Schnauze gestrichen voll! Zyklustag 21; ich sah mich beinahe gezwungen, zumindest den Versuch zu unternehmen, ein wenig aufzuräumen. Das ist sinnlos! Zwecklos! Sebastian sagt aber so viel, was ich alles plant und vorhat und machen wird. Aber es wird nichts umgesetzt. Das Gefühl bekommen, mich in den nächsten Minuten verhältnismäßig ungerecht auszuagieren!
Ich saß da, und kein Vogel kam. Und als dann ein Buchfinkenmädchen wenige Zentimeter vor mir draußen auf der Terrassentreppe herumlief, und ich ZUM SCHEISSEN ZU BLÖD, die Kamera zu bedienen, rastete ich vollends aus! Eine lautstarke Hasstirade ging auf mich, auf meine Person, auf meinen beschissenen Körper!!!
Ist es der graue Himmel? Die „Dauerfrustration“? Kein Lichtblick? Kein Erfolgserlebnis?
Prompt nehmen die Kopfschmerzen noch mehr zu, meine Blase krampft, denn einerseits sind meine Füße derart kalt, dass ich sie nicht mehr spüre, und zugleich brennen beide Fußsohlen penetrant, so sehr, dass sich das linke Bein seit einer halben Stunde ebenfalls leidenschaftlich Kontraktionen hingibt!!
Und als ich da so schön verzweifelte, wieder einmal, und mir mein widerwärtiges, fettes Dasein zu wenig Spielraum bot, weitete ich meine negativen Gedanken aus! Ich war, ich bin stinksauer auf meine Eltern! Auf das, was sie aus mir gemacht haben! Meine Mutter mit ihren Psychospielchen, die doch immer nur gut gemeint waren, nicht so schlimm, die „ja ICH lediglich so INTENSIV“ empfunden habe… Ihre Kaufsucht, die Angst, dass wir verhungern, weil ich dachte, dass sie das ganze Geld ausgibt, ich/wir Spielball zwischen den Fronten, „der Oma/dem Papa dürfen wir das nicht sagen!“, sehe es klar und deutlich, als sei es gestern gewesen, wie sie die ganzen Einkaufstüten im Schrank versteckte, und dann noch ihre scheiß Paranoia, dass irgendjemandem etwas passiert, und zugleich diese perfide Angewohnheit, wie besessen Krankheitsgeschichten, Unfällen, Todesfällen zu folgen, mich mit auf Beerdigungen zu schleifen, zu Leuten, die ich gar nicht kannte, immer nur Tod, Tod, Tod, Krankheit, Krankheit, Krankheit. Sie mit ihrer kranken Lust an Krankheiten, wenn sie minutenlang nur noch von sich selbst und ihren Wehwehchen spricht, einem ein Ohr abkaut, jammert und jammert und jammert, und will man ihr helfen, „kann ihr keiner helfen“, denn „das ist doch alles kein Problem, sie sei ja viel stärker als alle anderen“, „mit ihr könne ohnehin keiner mithalten“, bis die nächste Jammerparade ansteht, und es doch nur darum geht, Aufmerksamkeit zu evozieren, und man humpelt, schleppt sich, keucht vor Schmerzen, wenn man beobachtet wird, aber fühlt man sich allein, kein Humpeln mehr vorhanden usw. und so fort!!! Sie ihre beschissenen Sperenzchen braucht, gar nicht hergeben will, wenn diese überhaupt ECHT sind!!! Dass sie ständig alles umdeuten muss, meine Realität umdeutet!! Mich nicht ernst nimmt!!
Und er keinen Deut besser, mit seiner scheiß Sauferei, „Quartalstrinker“, meine frühe Kindheit hindurch jedes Wochenende besoffen, mein Bruder das Hauptopfer, dann ihre Streitigkeiten, sein Zynismus, als er zu trinken aufhörte, alles war ein Angriff für ihn, alle anderen waren schuld, nur nicht er, ER, Mister Perfect, blödes Arschloch, nie kam ihm eine Entschuldigung über die Lippen, NIE hat er gelobt.
Und meine Oma, kommt nicht besser weg, keine Ausrede, gegen Ende Metastasen im Kopf gehabt zu haben, eine ebenfalls narzisstische Persönlichkeit, streitbar! Die Streitigkeiten mit ihr!
Und in meinem Schädel dreht sich soeben alles zu einem schwarzen Klumpen zusammen, der diesen komplett verstopft und das Denken unmöglich macht!!! Und ich möchte es hinaus schreien…
ICH HASSE EUCH ALLE!!!
WEIL IHR EINFACH NICHT AUS MEINEM KOPF VERSCHWINDET!!!
EUCH WIE EIN MALIGNES KREBSGESCHWÜR IN MEINER KRANKEN GEFÜHLSWELT FESTGEFRESSEN HABT!!!

WEIL IHR MICH EINFACH NICHT LEBEN LASST!!!
WEIL IHR MICH INFIZIERT, VERGIFTET HABT!!!
IHR HABT ALLE EINEN KNALL!!!
EINEN GEWALTIGEN LATTENSCHUSS!!!
UND VERDAMMT NOCH MAL, SO SETZT MAN KEINE KINDER IN DIE WELT!!!!!!
UND WER WEISS, WAS DA NOCH ALLES VORGEFALLEN IST!!!

Mir bleibt die Luft weg! Ist das selbstgerecht? Seit Anbeginn meiner Schimpftirade liegt eine Temesta vor mir, wartet darauf, geschluckt zu werden und mich geringfügig abzuschießen!

11:09
Die Augen beginnen zu Tränen, brennen… Beschissener Heizstrahler! Beschissene Gene! Noch nicht fertig mit meiner Wut!
Aber war das jetzt gemein? Gar ungeheuerlich von mir? Mal eben NICHT NUR MIR DIE SCHULD ZU GEBEN, sie auch mal ABZUGEBEN??? Muss ich mich jetzt dafür bestrafen????!!!!

Es wäre ein Leichtes… Kurz ins Badezimmer gefahren, eine meiner Stulpen zu holen, die Rasierklingen aus der Schultasche am Rollator zaubern, und „wehret den Anfängen“!!!!… Zeit ist noch genug! Mir ist alles scheißegal!. Und so dachte ich zuvor mit der Kamera auf dem Schoß, vor der Terrassentür, während Aufnahmen allein schon deswegen unmöglich wurden, weil mir das beschissene Bein in Abständen von 10 Sekunden Stativ samt Kamera auf dem Schoßtablett entgegen beförderte, dass die Beantragung eines anderen Rollstuhls überhaupt keinen Sinn mehr macht, dass ich nicht mehr rausfahren möchte, rausfahren will, weil ich bei diesen Ausfahrten nichts mehr machen kann, nicht die Kamera führen, nicht die Kamera halten, gar nichts!!! Und schon war ich wieder an dem Punkt, an dem eine Überdosis durchaus logisch erscheint!!! Und selbst wenn ich augenblicklich das Gefühl habe, ein wenig Dampf abgelassen zu haben, führte selbst die Wut eigentlich nur zu der einen Erkenntnis, „dass es schon immer so war und immer so weiter gehen wird, dass es kein Ende nehmen kann, erst recht kein gutes Ende“!! Als ob die Rahmenbedingungen nicht schon belastend genug seien!!

Beginnt die Tablette zu wirken?

Du dreckiger Abschaum!!!
NESTBESCHMUTZER!!!
ANDERE wären wenigstens DANKBAR DEIN LEBEN zu haben!!!

Ach ja, ich bin so schlecht…
Eine große Tasse Yogitee… Nun wird alles besser! Da hüpft die Grasmücke auf dem Liguster direkt vor der Mauer herum, obwohl ich gerade noch dachte, gerade noch sagen wollte, die Jagd nach ihr aufgegeben zu haben. Aber, wer hätte es gedacht, ich war zu langsam…
Den linken Unterarm drehen und wenden… Wo würde ich ansetzen? Die Hände klamm, eiskalt.
Bald ist Sommer. Bald ist das Jahr vorbei. Atemlos. Ohrenschmerzen vom Headset. Ringeltauben fliegen hin und her. Und hin und her. Im Wind winken die Jungbirken hinterher. Mit offenem Mund und starrem Blick nach draußen Maulaffen feilhalten. Personifizierte Verblödung. Allem Anschein nach erreiche ich soeben ein gewisses Ruhedepot. Künstlich, aber besser als gar nichts! Immer noch mindestens 45 Minuten Zeit „es endlich hinter mich zu bringen“, die Initialverletzung ad acta legen zu können.

19:47
Der Tag verabschiedet sich. Aber so manche Gedanken wollen nicht schwinden. Das Gefühl nicht los werden, noch nicht mit mir fertig zu sein.
Mein Hausarzt hat mir nun wieder „Meister Propper für Fortgeschrittene“ verschrieben. Des weiteren solle ich erneut das cortisonhältige Nasenspray benutzen. Dazu riet er mir zur Einnahme von Novalgin-Tropfen. Und vielleicht, wer weiß das jetzt nachträglich schon, hätten diese ausgereicht, um mich ruhig zu stellen. Aber ich schluckte noch eine Temesta! Sah mich eingekesselt von potentiellen Paniksituationen, sobald ich meine Augen öffnete!
In der Praxis viel gelacht, Späße gemacht, JEDER hatte Spaß… Nur für mich bedeutete dies in Windeseile einen Absturz in den Angstkeller! Mit Herzrasen verließen wir das Gebäude. Also zumindest ich.
Alle Videos gesichtet, aussortiert, umbenannt und katalogisiert. Dabei von einem neuen Tagebuchvideo Lichtjahre entfernt! Wie auch?! Wenn ich doch augenblicklich SO aussehe??!! Warum schaffe ich es nicht, das Essen komplett einzustellen??? Meine Hände klimpern. Meine Visage mit einem Fettfilm überzogen, ich müsste mich unbedingt im Badezimmer waschen… Und dann bei dieser Gelegenheit mein Kleinod aus seinem Versteck zaubern?
Und erst recht meine Stimme, meine Stimmfarbe… Was für ein Brechmittel! Ein Verbrechen an der Gesellschaft!!
Ja, man darf mit Fug und Recht behaupten, tendenziell Autoaggressionen an mir wahrnehmen zu können…

20:24
Die Stulpe vergessen. Die Arme mustern, voller Missgunst. Warum sind sie so aufgedunsen, so fett???
Alles an mir ist überreif für die Mülldeponie… Rafft das denn keiner? Und zu allem Übel nun noch Abendessen…

ICH HASSE UND VERABSCHEUE DICH!!!!!

…Ich auch…

11. April 2019, Donnerstag „Regenwolken…“

8:49
Zu erwarten. Der viel zu stark gewürzte Salat. Die viel zu mächtige Käsesuppe abends. Salz, Salz und nochmals Salz. 61,3 Kilo. Während klatschnasse Kohlmeisen am Restaurant speisen, bleibt mir die Luft weg. Mein Darm kündigte Gesprächsbedarf an, also quälte ich mich zu Fuß ins Badezimmer. Und dort Stillschweigen, und beinahe wie Hohn: „Jetzt sieh mal zu, wie du die Hose wieder hochkriegst!!!“. Atemlos und schwere Augenlider. Irgendwie krank. Aber auch nur irgendwie. Immer noch die Frage, was das hier sein soll, wie man es benennen darf. Mein Schädel platzt. Die ganze Nacht. Schlecht geschlafen. Kommt auch davon, den halben Tag verpennt zu haben. Ich vermag nicht, mich im Rollstuhl aufzurichten, um an den Strohhalm des Tees heranzureichen. Kurzatmig. Flache Atmung.
Die Büroarbeit bleibt liegen. Eine große Menge Videoaufnahmen bleibt liegen, unsortiert, nicht katalogisiert oder benannt.
Viel schlimmer noch als meine Visage im kleinen Display der Kamera gestern gesehen zu haben war dann später die Konfrontation auf dem großen Bildschirm mit der jeweiligen Aufzeichnung!

Was für ein überdimensional fettes, hässliches Monstrum!!!
Du siehst aus wie eine Schnapsleiche!!!

Etwas versöhnlicher kurz vor 20:00 Uhr der Blick in den Spiegel, nachdem die Nasenspülung links wie auch rechts schnurstracks und auf direktem Wege gefühlt im Hirn gelandet ist, das mir das bisschen Kamillentee regelrecht wegzusprengen schien!!! Für einen kurzen, flüchtigen Moment hatte mir die Prozedur tiefschwarze Augenringe verpasst. Ich sah „richtig schön krank aus“! Aber nur kurz, schon erholten sich wieder die Hauttöne, auch wenn das Hämmern im Schädel nicht aufhörte. Zurück zur hässlichen, fetten, mit roten Flecken übersäten Visage!

DU BIST DAS LETZTE!!!

Die Schulterpartie, der Nacken, alles wie verknotet. Schmerzhaft verknotet. Warten auf die bestellten Elektroden. Fragte Sebastian nachts doch tatsächlich, ob ich nicht doch etwas eingeworfen hätte. Weil „Wie kann es dir so rasant so schlecht gehen?“ und „Am Sonntag nach deinem Abschuss ging es dir ja auch schon nicht gut!“. Am Montag hätte man ja in der Tat von Nachwehen sprechen können. Aber nicht mehr gestern, und heute ganz sicher nicht! „Das ist die erhöhte Temperatur!“, rechtfertigte ich mich.
Es gibt im Internet alles! Gibt es auch eine Seite, auf der sich irgendwer die Mühe macht einzutragen, in welcher Region gerade welche Influenza oder Erkältung oder Epidemie unterwegs ist? Und wie die Symptome dieser aussehen könnten? Schon sehr, sehr gespannt auf das neue Thermometer, auf dessen Ergebnisse. Lagen doch oft genug viel höher als nur die empfohlenen 0,5 °C mehr als bei einer axialen Messung! Bin ich längst wieder bei 38? Physisch, bzw. meine Ausfälle betreffend könnte man darauf schlussfolgern! Und dann ist es wohl oder übel eine Grippe. Schon wieder. Aber was weiß ICH schon? Insofern waren mir die haarsträubenden Spekulationen Markus‘ gestern wahrlich schon zu viel! Wenn er meint, sich „informiert zu haben“, und dabei anmaßt, das Wissen eines Mediziners toppen oder kritisieren zu können. War mir zu blöd. Und mir von ebenso haarsträubenden Krankheiten seinerseits erzählt, für die er niemals ein Krankenhaus besucht hätte, geschweige denn einen Arzt konsultiert zu haben. „Ist doch ganz easy! Das macht man alles im Internet!“, seine Standarderklärung. Und da gerate ich immer ins Wanken… Stimmt, was er sagt, oder ist er doch nur ein hoffnungslos verlorener Spinner?

Das Headset… Wie jeden einzelnen Tag erwähnt! Ich wiederhole mich! Manche der Kommentare unter meinem Video waren mir zu viel. Erst recht jene, bei denen ich mich in „eine Verantwortung gedrängt“ fühlte. Gezwungen, zu antworten. Ich vermochte kaum zu tippen. Es tut mir leid…
Das Amselmädchen, welches hinten in der großen Weide in diesem ebenfalls großen Nest sitzt und brütet, kommt gerade zum Brunch. Oft genug gefilmt. Und voller Sorge, dass die Katzen da ohne Probleme hoch klettern könnten. Oder sich die Jungen holen, sobald sie flügge werden, aus den Nestlingen Ästlinge werden. Regen, kaum Insekten; insofern der Andrang hoch. Den Rest vom Tee trinken. Rufe ich jetzt tatsächlich beim HNO-Arzt an? Oder erscheine dort wieder und er kann wieder nichts finden?
Meine Stimme bricht in sich zusammen…

10. April 2019, Mittwoch „Was ist schon fair?…“

8:40
60,6 Kilo um 7:15 Uhr. Auf der Waage ein Anflug von Schwindel, beinahe umgekippt, umgefallen, aufgeschlagen. Das erste Drittel des Aprils Geschichte. Und wie letztes und vorletztes und vorvorletztes Jahr atemlos bemerken: „Gestern war doch noch Silvester…“. Und morgen ist schon Herbst! Der Himmel ist grau. Im Wetterbericht steht etwas von 100 %iger Bewölkung. Aber kein Regen. Ich wollte Markus absagen, aber nun denke ich, mich da durchzubeißen. Vermutlich zu schwach, um zu verzweifeln. Nicht dass es das Ertragen leichter machen würde, per se, aber warum kann ich nicht „richtig krank“ sein? Eben klassisch, „normal“, für alle sichtbar, unbestreitbar? Ein wenig Schnupfen? Wenigstens das?
In den abgestorbenen Himbeerstauden hüpfte soeben ein Zilpalp herum. Ich war wieder einmal zu langsam. Ich bin für alles zu langsam. Für NICHTS mehr zu gebrauchen. Außer „da zu sein“. Aber reicht mir das als Lebensinhalt?
Was mir definitiv REICHT sind die Kapriolen meines Körpers, meines Immunsystems! Um auch jetzt noch einmal den Satz von gestern Abend zu wiederholen, der sich mir leider aufzwängt: „WARUM zum Henker, und das fällt doch nun allmählich wirklich auf, passieren solche Einbrüche scheinbar IMMER genau dann, wenn dem eine Generaluntersuchung vorausgegangen ist, die eigentlich ALLES dementiert, allem widerspricht, was dann in Folge auftritt???“. Eine schäbige Wiederholung der Wiederholung von der Wiederholung. Wird Zeit, dass er heute endlich das Ohrthermometer wieder abholt. Gestern stieg die Temperatur und stieg und stieg, bis etwa 37,2 °C.
Von Tag zu Tag schlimmer, deutlicher die Ausfälle…
Ich kann nicht stehen.
Ich kann nicht gehen.
Kann nicht greifen.
Nicht denken.
Konnte die Zahnbürste nicht halten, nicht führen. Schaffte kaum den Weg nach draußen, um dort auf die Rettung zu warten. Meine Zahnärztin fragte mich ernsthaft, ob ich sehr viel zuckerhaltige Getränke konsumieren würde. Oder sehr viel naschen. Was ich naschen, wollte sie wissen. Denn vorne an den Schneidezähnen Karies zu bekommen, sei schon eine Kunst. Dabei darf man aber nicht außer Acht lassen, dass sich der Zahn gespalten hatte, ein Stück war innen drinnen abgebrochen und dort hatte sich dann Karies breitgemacht. Kein Zahnschmelz, kein NICHTS mehr. Oder liege ich da falsch, versuche mir nur schön zu reden, dass meine nächtlichen Fresseskapaden im Bett keine Folgen haben können?
Kaum zurück, mussten mich die beiden Sanitäter bis ins Wohnzimmer fahren. Ich hätte es nicht mehr zurück ins Haus geschafft mit dem Rollator. Auf meinem Fernsehsessel und schlafen. Erhöhte Temperatur. Der Schädel am Bersten. Kopfschmerzen. Dazu aber auch immer mehr Verspannungen in Schultern und Nacken.

Heute Nacht im Traum sah ich die Ewoks. Sebastian und ich waren welche und wollten eine neue Küche kaufen, aber es gab nur solch amerikanische Modelle mit einer winzigen Spüle direkt neben der Herdplatte. Ich diskutierte hitzig mit dem italienischen Verkäufer, dass ich dann aber eine normale europäische Spüle haben möchte, und er, renitent, ließ sich nicht davon abbringen mir weiszumachen, das winzige Becken würde völlig ausreichen. Dann wollten Sebastian und ich ein Haus kaufen. Einen Erdhügel. Und jeder einen anderen. Die Behausung sah aus wie bei den Teletubbies. Und er? Er stürzte ab, und ich versuchte verzweifelt ihn aufzufangen. Kurzzeitig war unklar, wie die Geschichte ausging, ob einer gestorben sei, oder alle beide. Aber dann kam bereits die Invasion von bösen Trollen und Hexen und Monstern, die unser Dorf überfallen wollten. Meine Mutter hatte den Dachboden im Gasthaus aufgeräumt und wollte mir verständlich machen: „Da oben könnt ihr jetzt schlafen! Da seid ihr sicher!“. Im Vergleich zu den anderen, die richtiger Baumhäuser hatten, war ein breites Brett über die blanken Dachsparren gelegt worden, worauf wir hausten. Natürlich ließen sich von dort oben einfallende Diebe und Räuber leichter bekämpfen, wieder runter stoßen. Aber das Brett, auf dem wir unser Lager aufgeschlagen hatten, war so schmal, dass wiederum wir abzustürzen drohten… Und dann am Schluss ist mir ein „Honigbär“ auf den Kopf gefallen, aus einem Baum heraus, auf dem ich gerade eine Amsel und eine weibliche Mönchsgrasmücke filmte. Was für ein abgedrehter Scheiß!

Ergo: Meine Mutter versucht meine Erinnerungen, mein Weltbild umzudeuten. Damit ich mich wieder sicher fühlen kann? Fragwürdige Intention? Weil ja nichts passiert ist, nichts passiert sein kann, weil ja „nur ich“ so sensibel gewesen sein soll, „nur ich“ all das eben „so stark“ empfunden haben soll? Die Deutungshoheit über alles? Und ich sah den aufgeräumten Dachboden. Aber er war zu weit weg, bedrohliche Tiefe, und wäre man abgestürzt, vermutlich nicht ohne Genickbruch!

Mir gerade eben den Rollstuhl angesehen, den der Orthopädietechniker bei der Kasse für mich beantragen will. „Schön“ sieht anders aus. 150 Kilo! Heilige Scheiße!!!

https://www.invacare.at/de/invacare-kite-ma-50kitde

Mir bleibt noch eine Dreiviertelstunde. Fahre ich raus? Schaffe ich es, irgendetwas anzuziehen? Gestern bei Amazon eine Jacke bestellt, Größe 50. Ob ich mir einen Gefallen damit tue? Oder wieder so eine Kurzschlussreaktion, die auf lange Sicht überhaupt keinen Wert hat? Wie so viele Bestellungen, die sich bei Amazon doch so leicht machen lassen? Was hat man da bloß für Krempel angesammelt die letzten Jahre! Überflüssigen Schrott! Gewissermaßen habe ich Panik, wegen der Sitzung, wegen dem Termin. Wüsste ich es nicht besser, könnte man meinen, irgendwer würde mir seit Tagen starke Beruhigungsmittel verabreichen. Aber auch diese würden keine erhöhte Temperatur evozieren. Oder bleibe ich hier am Tisch, schmeiße die Rotlichtlampe an, während ich von meinen Träumen erzähle?

Alles scheint so unendlich weit weg… Und da fällt mir ein, was ich noch erwähnen wollte. Im Posteingang eine ganz lange E-Mail. Von jemandem, der meine Videos gekuckt hat. Ich war unfähig. Lediglich die Hälfte habe ich gelesen. Noch nicht mehr geschafft, vom Antworten ganz zu schweigen.
Im Rettungswagen wieder meine Karten verteilt. Doch kaum zurück im Haus, kaum fiel hinten die Tür ins Schloss, fühlte ich mich SCHLECHT. SCHULDIG. Was hatte ich bloß von mir gegeben, mir angemaßt??? Ich sah mich um, sah meine Bilder, und alles war SCHEISSE!!! Kein einziges Gesicht hielt meiner scharfen Prüfung stand! Jedes Gesicht verzerrte sich! Verschob sich! Wurde aus den Angeln der Realität gerissen und ergab keinen Sinn mehr! Mein ganzes Werk, mein Schaffen, WAR NUR NOCH EINEN FEUCHTEN KEHRICHT WERT!!! MEIN NEUES VIDEO GLICH EINEM HALBEN VERBRECHEN!!! ALLES, WAS ICH JEMALS PRODUZIERT HABE, WAR PLÖTZLICH NICHT NUR NICHTS MEHR WERT, ES WAR EINE ANMASSUNG, DER GRÖSSTE SCHEISSDRECK, DEN MAN SICH ÜBERHAUPT VORSTELLEN KANN!!!!!! MIR FEHLEN DIE KRAFTAUSDRÜCKE, UM MEINE GEFÜHLE FÜR MICH UND MEIN TON ZU VERBALISIEREN!!!

Die Nase ist zu. Oder fühlt sich zumindest so an, als wäre sie ausgetrocknet. Mich dabei ertappen, ständig nur noch durch den Mund zu atmen.

Mach irgendwelche Übungen, sonst wird es nicht besser…

Ich weiß nicht wie. Vermag nicht mich zu überwinden. Will eigentlich nur noch schlafen. Weiterschlafen. Während draußen allmählich die Traubenkirschen zu blühen beginnen, und ein betörender Duft in der Luft liegt…

17:43
Hauptsächlich möchte ich mir augenblicklich die Arme aufschneiden. Kreuz und quer. Dieser Körper soll bluten. Zur Rechenschaft gezogen werden.
„Das hat sicherlich auch eine psychische Komponente!“, Markus zuvor. WAS zum Henker soll das sein? Das Ohrthermometer, das ich ersetzt bekommen sollte, ist immer noch nicht geliefert worden. „Freitag…“, wurde Sebastian vertröstet. Das geht jetzt seit zwei oder drei Wochen so? Die letzte Messung, und ich war davon überzeugt, nun seien es weniger, fühlte mich irgendwie durchgeschwitzt, ergab erneut 37. Wollte die Sitzung draußen machen, aber es war zu kalt geworden, ich unfähig, mich irgendwie wärmer anzuziehen. Die zweite Hälfte drinnen auf dem Fernsehsessel. Dem „elektrifizierten Omathron“. Und geschlafen, geschlafen, geschlafen… Zu meinem Glück, der Himmel blieb grau. Nichtsdestotrotz verdichtet sich das Grün und die Chancen, Vögel in flagranti zu erwischen, schwinden zusehends.
Ein Grund mehr, zur Rasierklinge zu greifen, die Aufnahme, die ich zuvor gemacht habe. Mein Gesicht ist schon wieder dermaßen aufgequollen!! Sebastian würde vermutlich „Du siehst einfach nur müde aus!“ sagen.
Nein?! Ich sehe zum Brechen aus?! Und kaum mich selbst im Display gesehen, fühlte ich beim Inhalieren mein widerwärtiges, fettes Gesicht, wie es sich in den weißen Plastiktrichter quetscht! Wie ich damit aus allen Winkeln aussehen muss!! Ich sehe aus wie… eine „waschechte Samer“!!! Und DAS ist die Katastrophe!!!
Nächste Überlegung? Zum Temesta zu greifen! Denn ich fühle da noch etwas anderes, das mir Unbehagen bereitet! Zuvor auf dem Sessel, in meiner Wertlosigkeit, meiner Erstarrung… Das Bedürfnis zu fressen, zu fressen, zu fressen!!! Als wäre der Salat mittags nicht ausreichend genug gewesen, als sei ich nicht in der Tat pappsatt gewesen!…

Und Schweinchen Dick braucht jetzt noch einen fetten Tee!!!

Weil da so viel Vollmilch drin ist… Ich möchte ins Bad, mein Gesicht waschen, mir den fettigen Film vom Gesicht waschen, den ekelhaften Schweiß, als könne ich damit mein Aussehen marginal aufwerten…

9. April 2019, Dienstag „I had a dream…“

8:38
Ich sage nun NICHT, dass ich „eventuell“ etwas Gewicht verliere… 60,7 Kilo um 7:00 Uhr. In einer Stunde bekomme ich Besuch, von Mieke. Leidige Fragerei: Krank oder nicht krank? Schlecht geschlafen, wenig geschlafen, Krämpfe erst im linken, später dann im rechten Bein, warm, kalt, heiß, frieren, wach, Dämmerzustand, Albträume, Träume in Träumen und vermeintlich erwacht und unfähig, einen Laut von mir zu geben, zu schreien. Mein Mund öffnete sich, ich holte Luft, ich presste an… Kein Geräusch!! Panik!! Im Traum erklärte ich Sebastian meinen Traum, diktierte ich mein Tagebuch, ließ die Geschehnisse wieder und wieder Revue passieren. Und warum? Weil man mir, weil ER mir nicht glaubte!
Völlig absurd: Am Ende hatte ich einen Penis, mal eben locker 20 cm lang, lag schlaff auf meinem Schoß, und die kleinen Mädchen, meine Freundinnen, die links und rechts neben mir auf meinem Kajütenbett saßen, lagen, teils bekleidet, teils in Nachthemden, fühlten sich belästigt oder hatten Angst. Ich spielte mit dem leblosen Fleischding herum, es war so ungewohnt, so fremd. Dabei versuchte ich es ständig aus der Schusslinie zu nehmen, aus dem Weg zu räumen, damit es keines der Mädchen berührt. Aber das eben nur am Rande…
Denn eigentlich geht es um Missbrauch, und nicht ICH bin der Täter!
Sebastian und ich lagen im Gasthaus in unserem Schlafzimmer, einem ehemaligen Gästezimmer. Eine unruhige Nacht, es war bereits 4:00 Uhr morgens, ich konnte nicht einschlafen, er war am ganzen Körper so heiß und schwitzte stark. Drehte sich zu mir, seine Hände auf meinen Hintern gelegt… Und erst viel zu spät bemerkte ich, dass ich ihm die ganze Zeit wohl in die Hand geschissen habe! Kleine Pferdeäpfel! Hasenköttel! „So sieht also Durchfall mit Morphiumverstopfung aus!“, dachte ich mir. Das war mir so peinlich, so unangenehm, und er begann etwas entnervt das Bett abzuziehen. Dem nicht genug, nun kotzte ich auch noch aufs Bettlaken. Weniger mit Würgereiz, der Mageninhalt lief einfach so aus mir raus. Wie zuletzt das Wasser nach der Nasenspülung aus meiner Nase tropfte.
Ich verschwand in die Toilette, er draußen im Flur…

Unten im Gasthaus war noch Licht. Die Gasthaustür war einen Spalt offen. […] Nun kam der Täter leise das Treppenhaus hoch. Er lugte durch die offene Tür unseres Zimmers. Sebastian war ihm wohl begegnet und er hatte ihn gefragt, warum er noch wach sei und ob etwas passiert wäre. Seine Antwort habe ich vergessen, aber definitiv hat er nicht verraten, was für ein Missgeschick mir passiert sei.
Erbost durch sein Eindringen warf ich die Klotür mehrfach lautstark zu: „Hallo? Geht’s noch?“. Um mir sofort Gedanken darüber zu machen, wie schroff und unfreundlich ich wohl geklungen haben muss. Dann ging ich ins Kinderzimmer. Sebastian war live dabei! Aber er sah nichts. Sah er den Täter nicht? Nebenbei erwähnt sah dieser aus wie mein Musiklehrer aus dem Gymnasium. Klein, einen dicken, prallen Bauch und dazu einen schwarzen Schnauzbart. Und der Täter schien wiederum Sebastian nicht zu sehen! Er kam durch die Tür, schwafelte noch irgendetwas, und ich wollte es geschehen lassen. Wollte sehen, was nun passiert. Wollte, dass Sebastian es sieht. Aber erst recht damit ich endlich weiß, was mit mir geschehen sein muss! Er warf sich auf mich drauf, klemmte seinen stämmigen Körper zwischen meine Beine, die er spreizte. Sein Mund war riesengroß, erschien mein Gesicht zu verschlingen!! Oder als würde mich ein monströser Karpfen auffressen wollen!! So feucht, so ekelhaft!! Er hatte Klamotten an, ich hatte Klamotten an. Aber ich spürte sogleich die Erregung und war mir plötzlich gewiss: Nur ER könne mich befriedigen, weil ER es begonnen hatte. Also musste ER es zu Ende bringen!
Als hätte man Sebastian ausgeblendet; er war da, er war nicht da, usw. und so fort. Nun kommt es regelrecht zum Traum im Traum. Ich sah mich im Wohnzimmer von Tante und Onkel. In der Glotze läuft eine Kinderserie, die wahrlich verstörend ist. Irgendetwas im Mittelalter, und schlussendlich geht es um den zuvor erlebten Missbrauch. Sebastian redete mir nun ein, bei diesem Programm eingeschlafen zu sein, und es dann in den Traum eingebaut zu haben. Dabei war mir so wichtig, dass er sich die ganze Serie mal ansieht! Denn dann hätte auch er erkennen müssen: Verdammt noch mal, da geht es die ganze Zeit um mich, um nichts anderes als um meine Geschichte!!! Wir waren die Hauptdarsteller!!! Wir erlebten diese Geschichte!!!

Nicht umsonst irgendwann kurz vor 2:00 Uhr noch ein paar Zeilen im Buch „Ich bin nicht länger eure Tochter!“ gelesen zu haben. Ich wollte mich triggern. Und das habe ich nun davon… Mir diesen Umstand vorwerfen.
Die ganze Nacht heftige Kopfschmerzen. Und zu gestern gilt noch zu sagen, anstatt Sebastian entgegen zu gehen, brach ich hier auf meinem Tisch zusammen. Und obwohl ich lediglich 45 Minuten geschlafen hatte, war ich hinterher dermaßen desolat, als sei ich von einem einwöchigen Koma erwacht!

Das hast du nun von deinen Tabletten!!!

Machen Betäubungsmittel Schnupfen? Provozieren eine erhöhte Temperatur? Denn genau diese stieg und stieg und stieg über den Tag. Wie immer, „nur“ unter der Achsel gemessen. Aber erst waren es 36,8 °C. Daraus wurden 37 und später noch 37,2! Ich unfähig, aufzustehen, irgendetwas in die Hand zu nehmen… SCHROTT!!! Und ich fühlte mich so unsagbar elend… „Nur die Tabletten“? Nachmittags eine kurze Ausfahrt gewagt, während dieser ich mitten auf der Straße stehend immer wieder für Sekunden einschlief. Also ab nach Hause, irgendwie verzweifelt versucht mich auszuziehen, auf den Fernsehsessel und weggetreten… Hatte ich doch vormittags 10 Minuten gebraucht, um die bekloppte Jacke anzuziehen… Die Überforderung sichtbar durch jedes einzelne Gähnen.
So verschlief ich den halben Nachmittag, den Abend. Um, wie nicht anders zu erwarten, im Bett wieder putzmunter zu sein.
Und heute? Die Hände noch tauber, gefühlsloser. Die Tabletten erst recht nicht aus der Dose bekommen. Bereits nachts bemerkte ich eine starke Spastik in der Rechten, und erst recht, wie stark die Hypästhesie war. Ich konnte fühlen, dass die Hand noch weniger fühlt als sonst! Kopfschmerzen. Instabil. Und irgendwann nach 13:00 Uhr kommt die Rettung; gestern kurzerhand bei meiner Zahnärztin angerufen. Dieser eine Zahn, der zuletzt als „chronisch beherdet“ galt, schmerzt massiv, wenn etwas Süßes auf ihn trifft. Er hat seit dem letzten Besuch ohnehin einige Ecken eingebüßt, ist weiter ausgefranst, zerbröselt.
Die Mönchsgrasmücke hüpft draußen durch die Himbeeren und ich wieder einmal zu langsam. Der Traum schien so wichtig, und jetzt… Alles banal, alles unbedeutend? Im Traum hatte ich sogar Mieke bereits davon erzählt!

Das Headset nicht mehr aushalten…