24. Mai 2018, Donnerstag

9:50
59 Kilo um 6:45 Uhr. Sebastian bitten müssen, mir morgens rasch noch die Haare zu waschen. Ab Mitternacht, ab 1:00 Uhr war ich wieder wach und kratzte und kratzte und kratzte. Nach der halben Stunde auf dem Sofa, nachdem er mich angezogen hatte, hätte wiederum ich gedacht, für den Tag eine Prognose abgeben zu können. Ich wäre felsenfest davon überzeugt gewesen, nichts zu schaffen und vor Erschöpfung einzuschlafen. Aber 1 Stunde habe ich gemalt. Irgendetwas. Aus dem ich jetzt noch nicht schlau werde.
Die beiden Kohlmeisen mit den explodierten Augen kommen zum Frühstück. Wohingegen die Wange vom Weibchen etwas gebessert aussieht, macht jene vom Männchen den Eindruck, als würde dieses lebendig verwesen. Gibt es bei den Meisenartigen mittlerweile auch Zombies?

Ich hatte den Tagebucheintrag vom Dienstag völlig vergessen. Der Abend verlief auch ungewöhnlich. Sebastian hat mir keinen Gefallen damit getan, auf meine Frage, ob die Verschlechterung in den Händen nun mit einem allmählichen Erinnern zusammenhängt oder doch nur voll und ganz der MS geschuldet sei, wie folgt zu antworten: „Also das mit dem Erinnern kann ich mir wirklich nicht vorstellen.“. Und das mit so einer Überzeugung in der Stimme.
Dann gab es auch noch Abendessen, ungewohnt schnell, und ich schlief dabei bereits ein. Im Vergessen bin ich Meister… Um gestern einen Blick auf meinen Blog zu werfen und mich zu wundern, warum in der Statistik die Balken plötzlich so winzig dargestellt wurden. Ehe ich realisierte, dass im Vergleich zu standardmäßig 10-20 Besuchen 149 (!!!) stattgefunden hatten! Natürlich wusste ich nicht mehr, was ich am 21. verzapft hatte. Dem dritten Jahrestag. Es tut mir leid. Solche Spielchen sind nicht mein Ansinnen.

Mir beim einstündigen Kampf mit der Schwäche in der Hand vom Diktierprogramm die wichtigen Träume von 2014 vorlesen lassen. Das ganze Dokument spricht Bände!!! Und vielleicht kann und darf ich es irgendwann veröffentlichen… Aber eine Frage drängt sich mir schon auf, gerade angesichts der gestrigen Panikattacken wegen der Sitzung mit Brigitte heute Abend: Zum Jahresende haben wir bereits miteinander gearbeitet, ich ihr die Träume sicherlich erzählt, aber ihre Schlussfolgerung daraus „nur“ (man verzeihe mir in diesem Zusammenhang das despektierlich wirkende Adverb) emotionaler Missbrauch??? Und gerade in der Rückschau auf die bald letzten vier Jahre drängt sich gleich die nächste Frage auf: Was hat sie gelernt??? Ist das dermaßen weit ab vom Schuss von dem, was ich mittlerweile über Missbrauch weiß, was Markus immer sagte, was meine letzte Therapeutin sagte, was Medien sagen, was scheinbar aktuell Standard in dieser Causa ist???

Der Himmel ist grau. Wahrscheinlich regnet es immer wieder. Und im besten Fall kann ich jetzt 2 Stunden am Video arbeiten… Endlich! So viele tote Tiere… Gestern auf meinem kleinen Ausflug von etwas über 2 km drei Schlangen! Guckt denn kein einziges Schwein auf den Asphalt??!! Guckt, wo er lang fährt?!!!

Entschuldigung, was für eine dämliche Frage von mir! Das Handy hat heutzutage Vorrang!…

19:05
Sie sagt, ich müsse sie nicht vom Missbrauch überzeugen, wann sie mir jemals den Eindruck hinterlassen hätte. Hirngespinste meinerseits?
Panik und Schmerzen am ganzen Leib…

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22. Mai 2018, Dienstag „Den Suizid verpasst…“

16:14
Die Katze mit Flüchen belegen. Sie war doch erst wenige Sekunden draußen, ich noch damit beschäftigt, über die Türschwelle zu rangieren! Da hat dieses Monster aus dem hohen Gras eine kleine Meise gefischt, ein bisschen darauf herumkaut, aber, weil sie doch soeben erst drinnen gefressen hat, festgestellt, gesättigt zu sein, die Kinderleiche liegen lassen und sich umgesehen, wo der Rest der Brut ist!! Ich hasse die Katzen!! Und ich hasse mich!!!

58,5 Kilo um 6:45 Uhr. Mir erneut die halbe Nacht mit Kratzen um die Ohren geschlagen. Das Gesicht, den Hals, den Haaransatz… Alles blutig kratzen! Und glaubte ich doch, die Lage würde sich entspannen, sehe ich nun erst recht aus wie ein pubertäres Akneungeheuer! Aber das soll es nicht gewesen sein. Denn eigentlich, wie vor drei Jahren -wie konnte ich das gestern übersehen- bekomme ich an meinem fragwürdigen „dritten Geburtstag“ erst recht Gründe serviert, mit allem abzuschließen!!
Wie konnte ich malen? Nicht länger als 90 Minuten. Auch Fehler zu produzieren frisst Zeit! Und den Nachmittag? Auf dem Sofa verpennt, einfach nicht geschafft, aufzustehen. Es hätte eines sehr kräftigen Arschtrittes bedurft… Um dann, als ich mich nach 4 endlich auf die Beine gestellt habe, feststellen zu müssen, den gesamten Nachmittag vergeudet zu haben und auf den wenigen Schritten zum Rollstuhl mehrfach um Haaresbreite zu stürzen. Überhaupt keine Kontrolle mehr über den Körper. Und um sich auf meine Hände zu verlassen, wenn ich mich irgendwo abstütze… Ist wahrlich SAUBLÖD!!
Nachdem ich also gemalt hatte, fuhr ich ins Badezimmer und war unfähig, mir die Zähne zu putzen. Schlechter noch als gestern, viel schlechter als vorgestern, katastrophaler als vorvorgestern… Was ich hier mit viel zu vielen Worten viel zu umständlich zum Ausdruck bringen will: Ich meine eindeutig eine Progredienz feststellen zu müssen!

Aber was ist die Konsequenz daraus? NICHTS! Oder soll ich ernsthaft wieder in die Neurologie fahren, um mich abspeisen zu lassen? Und schlimmstenfalls haben sie dabei auch noch recht?! Weil in einem MRT auch nichts zu sehen wäre?! Weil wie immer die Frage bestehen würde, ob es nicht „doch nur Psychosomatik“ sei?!!! Eine Frage wie ein Damoklesschwert, welches seit bald 20 Jahren über mir permanent zu schweben beliebt!! Wann zum Henker filetiert mich dieses beschissene Messer endlich???

Die Idee, Sebastian entgegen zu gehen, hatte sich mit den katastrophalen Ereignissen, die sich im Bad abgespielt hatten, gegessen. Also blieb ich in meinem elenden Rollstuhl, fuhr vor die Tür, fuhr Sachen um, ließ Sachen fallen usw. und so fort. Meine Hasstiraden muss man bis zur Straße hinunter vernommen haben. Was mich dann nämlich noch extra anheizte? ICH BESCHISSENER KRÜPPEL KANN DIE KAMERA NICHT MEHR HALTEN!!!!
Und da ist es nur ein kleines Trostpflaster, am Wannenteich eine kleine Ringelnatter gesehen zu haben!
Aber was mich dann wirklich explodieren ließ, war dieser ältere Typ beim Mittagsmagazin. Ehemaliger Soldat, Leistungssportler, seit Jahren in Rente, sein Steckenpferd der Triathlon, aber seit einer Diabetesdiagnose vor ein paar Jahren musste er damit aufhören…. Und dieses selbstgerechte Arschloch sagt folgenden Satz: „Und die Leute zerfließen in Selbstmitleid!! Das darf man nicht!!! Das Leben geht weiter, so ist das Leben eben, man muss es nehmen, wie es kommt. Auch wenn man so eine Krankheit hat!“.

Vor Zorn wäre ich am liebsten in die Glotze gesprungen!!

In diesem mühseligen Prozess, mich vom Sofa zu schälen, kam gleich wieder die Wut auf Markus. Keine Atempause mehr, jeden Tag Termine und diese der beste Garant für Panikattacken!!! Ich will aber nicht hier sitzen müssen, nicht einmal mein Tagebuch schreiben… Mir wird alles zu viel! Dazu das Videotagebuch, mir einredend, die Lücke, die die Therapie jeden Tag reißt, stattdessen damit nutzen zu können. Aber eigentlich, ehrlich gesagt… Ich will nur noch raus, jeden Tag erleben, jeden Vogel, jedes Insekt, den Jahresverlauf, den Herbst, den Winter… Um dann abzukratzen?!

Als müsste ich aus meinem alten Leben weglaufen. Einen neuen Namen annehmen, meine Hackfresse umoperieren lassen, dass man mich nicht mehr erkennt. Ich verstehe immer mehr, wie es zu einer Fugue kommt. Abtauchen, niemanden erkennen, Familie und altes Leben hinter mir lassen. Kann es ja machen wie mit dem Pferd: In Gedanken leben sie einfach weiter.

Da ist es bereits nach 17:00 Uhr und ich habe mich draußen noch nicht einmal umgesehen. Wollte ich nicht nachmittags eine Runde fahren? Scheinbar hat es geregnet, irgendwann. Wollte ich nicht am Video arbeiten?
Markus fragt mich jeden Tag, welche Uhrzeit für mich die beste sei. KEINE!!! Ein fixer Termin ist wie ein Nagel an der Wand, an dem ich mich zwangsläufig erhängen werde!!
Ich müsste dankbarer sein, aber ich kann nicht. Alles zu viel. Alles, was so oder so kaum noch auszuhalten ist.

Bei diesem letzten Satz stockt der Atem und ich bekomme keine Luft mehr…

19:37
Das Notebook auf den Schoß gelegt, rolle ich langsam die Einfahrt hinunter. Die Panik hat mich fest im Griff und ich bat darum, die Sitzung nun nach 90 Minuten zu beenden, um wenigstens noch die letzten Sonnenstrahlen tanken zu können und im schwindenden Licht wieder Luft zu bekommen. Der Blick wandert die Straße hoch… Ist sie noch beleuchtet?

Du hast keine Ahnung, wie dämlich du gerade aussiehst!!!

Abendsonne… Ein Stück weit den Hügel erklommen. Grillenkonzert. Tunlichst darauf achten, dass mir trotz Gefälle das Notebook nicht vom Schoß rutscht. Mir ist irgendwie ziemlich speiübel. Die Tabletten? Oder das Thema, an dem wir nicht vorbeikommen. Aus diesen Erkenntnissen müssen früher oder später Konsequenzen erwachsen. Mich als Kind auf dem Dachboden vom Gasthaus, in der Vergangenheit gesehen zu haben, die Kapsel vom Überraschungsei, die als Bezahlung diente für eine „Dienstleistung“. Und daneben, weil ich als Kind ja wusste, was sich gehörte, eine kleine Zeichnung mit Dankeschön. Und die Zeichnung ist so eindeutig. Wie auch für mich gefühlt eindeutig ist, dass ich das, was ich fürs Überraschungsei machen muss, absolut nicht mag. Versuchen, tief einzuatmen. Aber ich bekomme immer noch keine Luft. Wie lange will, kann ich mir den Abbau meiner Hände weiter tatenlos ansehen?

Die elenden Glocken läuten, penetrant wie eh und je. Der Zeitfraß schreitet voran, unbeirrt und gnadenlos.

20:22
Immer noch stehe ich hier auf der Straße, unterhalte mich mit einem Kuckuck, bewundere die Schönheit einer Sommerwiese hinter mir, während die Kamera eine weitere Zeitrafferaufnahme vom Abendhimmel macht. Nicht sonderlich farbenprächtig. Gibt mir aber zumindest das Gefühl, irgendetwas geleistet zu haben.

Mit einem weiteren Kuckuck den Dialog suchen, doch er antwortet nicht. Als Sebastian zuvor nach Hause gekommen war und er mir wie so oft alles vorbereitete, es mir bequem und schön machte, da fuhr ich kurz ins Wohnzimmer und schluckte nebst einer doppelten Dosis Tramal auch noch Novalgin und 1 mg Temesta. Nichts merke ich davon, und die Enttäuschung lässt sich kaum verbergen…

Aber da sehe ich in meinen Worten die Wiederholung der Wiederholung, mache mir dies selbst zum Vorwurf, drehe mir einen Strick draus und dürfte mich nun Freihaus daran aufhängen! Mir wird schlecht, die Angst schwappt über. In mich selbst hinein sprechen…
„Bitte! Jetzt nicht. Ich möchte jetzt keine Angst haben. Wäre das eventuell möglich?“. Am immer dunkler werdenden Himmel ziehen vereinzelt Krähen vorbei, eine von ihnen soeben am Halbmond entlang. Was wäre das für eine schöne Aufnahme geworden…

Dein Leben ist vorbei!! Finde dich damit ab!!!

21. Mai 2018, Pfingstmontag

20:04
Kaum die Überschrift korrigiert, setzt Panik ein. Mein eigenes Tagebuch löst in mir Ängste aus. Schöne Grundvoraussetzungen.

Ich will nicht unerwähnt lassen, wie mein gestriges Gewicht die Tageslaune einigermaßen beeinflussen konnte. Nachts ein ganzes Furosemid… Morgens der Beutel am Bersten, vor der Explosion. 57,9 Kilo um 8 oder so. Aber die körperlichen Defizite holten auf, holten mich bereits vormittags ein, hatte nicht einmal 1 Stunde Malen geschafft, lediglich 45 lachhafte Minuten. Dieses so inflationär missbrauchte „NICHTS ging mehr“ kam zum Handkuss. Die Zahnbürste nicht im Mund halten können. Den rechten Arm immer weniger und weniger und noch weniger heben können.
Es kam zu mehreren Eskalationen, mit irgendwelchen Gegenständen, mir und meinem Täterintrojekt…

Du beschissener Krüppel!!! Stirb endlich!!!

Kann nicht zählen, wie oft er das wiederholt hat, und sei das Missgeschick noch so lächerlich und unscheinbar gewesen. Er zeichnet mir eine düstere Vorschau auf eine Zukunft, die ich eigentlich nicht habe.
Wieder brach ich zusammen, in Sebastians Gegenwart, sprach davon, so nicht leben zu wollen. Seine erste Reaktion: er rannte weg! Als er dann wieder neben mir stand, begann ich zu weinen und brüllte ihn vermutlich an, nachdem er geäußert hatte, eben nicht zu wissen, wie er da drauf noch reagieren soll: „Hör auf, davonzulaufen und halte mich zumindest ganz fest!…“

Heute über 2 Stunden Psychoanalyse. Die zwei Tage Pause war unbedingt notwendig. Erst recht, was die Träume betraf. Dabei den meisten Müll der zurückliegenden Nächte nicht einmal festgehalten. Es erscheint nur so wichtig, aber eben noch wichtiger, mein Überleben bis zum Abend hin garantieren zu können, UNBEDINGT aus dem Haus flüchten zu müssen, rein in die Natur, mich von dieser ablenken lassen… Und da geht die nächste Scheiße los: Die Kamera nicht mehr halten können. Aufnahmen misslingen, brauchen viel zu viel Zeit, das Objekt der Begierde währenddessen längst verschwunden, kurzfristige Clips, um spontan auf spontanes Auftauchen eines Tieres zu reagieren, kann ich mir in die Haare schmieren. Mich heute gar nicht erst an die Leinwand gesetzt.

Draußen sein… Das scheint DIE essenzielle Überlebensstrategie dieser Tage!!
Wie oft wanderte das Notebook mit nach draußen, und blieb verwaist?

Der Traum von vor einigen Tagen:
Am Schluss der Reise, der verzweifelten Suche auf all diesen unterschiedlichen Zugängen und Wegen, kam ich ja in der kleinen Wohnung meiner Oma in Graz an. Diese hatte zusammen mit ihren ganzen Ärztebekanntschaften beinahe einen Kinderpornoring betrieben. Als meine Mutter und deren Schwester die Wohnung nach Omas Tod ausgeräumt haben, fanden sie im Traum eindeutige Fotos von diesen perversen Treffen. Da hätte man einige Würdenträger locker ins Messer rennen lassen können. Und das Opfer? Das war wohl ich.

Aber was machten die beiden? Sie verbrannten die Fotos und schworen sich, nie wieder darüber zu sprechen. Erst recht mir gegenüber, NIEMALS ein Wort darüber zu verlieren!!

In dem Traum von Samstag auf Sonntag war das Gasthaus ein einziger Sündenpfuhl! Das war keine ländliche Gaststätte mehr, es glich eher einem verruchten Puff. Da trieb es jeder mit jedem.
Bei einer Rückblende sah ich meine Mutter, als sie noch ganz jung war. Sie sang vor dem Publikum und hatte eine grandiose Stimme. Ich wunderte mich nur, warum sich diese dann so stark verändert hätte. Und ganz abgesehen davon, den Rest vom Traum bereits vergessen zu haben, kann ich wenigstens noch die eine Frage retten, die ich mir ebenfalls gestellt habe, während ich schlief: „Da, aus diesem von Orgien zehrenden Hort, soll ICH allen ernstes heil rausgekommen sein?? Schwer vorstellbar!“. Da war noch mehr, vielmehr, aber…

Was ABER? Wie immer, keine Zeit? Oder vielleicht doch die innere Protestbewegung gegen das Aufdecken des Traumas? Warum zum Henker benutze ich nicht das neue Diktiergerät, unverzüglich nach Erwachen in so einem Traum?!

Hinter mir ruft der Kuckuck, oben am Waldrand, und zu meiner Rechten singt in der großen Esche die Singdrossel. Unterwegs hielt ich vor einem überfahrenen Rosenkäfer, dabei plumpste mir der Hut vom Schoß. Die Dame, die soeben vorbeifuhr, hielt unverwandt, stieg aus dem Auto an und fragte, ob sie ihn mir wieder aufheben soll.

Wie nett…

Kurz vor Ende meines Ausflugs traf ich unten bei der Nachbarin Spaziergänger. Einer der beiden mit Kamera und er auch an meiner interessiert, was ich damit machen würde. Ein Gespräch entfachte, ich zauberte eine meiner Visitenkarten aus der Bauchtaschen, unterhielt mich noch ein bisschen und fühlte mich unverzüglich BESCHISSEN. Die letzten 400 m nach Hause eine Dauerbeschallung in meinem Schädel…

Du narzisstische Sau!! Dass du dich immer noch nicht schämst!! Das gerade war nur peinlich! Weil DU peinlich bist!!!…

Nun singt hinter mir auch noch eine Amsel. Mein linkes Bein krampft, bereits seit mindestens einer Stunde. Zu der Therapie und Erläuterungen zum großen Traum zuletzt, erst recht die Entschlüsselung der kindlichen Zeichnung… Ich habe nicht die Zeit, zumal ich den größten Teil davon ohnehin nicht veröffentlichen dürfte.

Mein Körper schmerzt. Es auf dem Rollstuhl nicht mehr aushalten und hier draußen wird es kalt. Zuvor noch, vor 2 Stunden Sebastian um eine kleine Tablette aus meiner Dose gebeten, die ich selbst nie herausbekommen hätte, um sie mir nach den Worten „Na und? Andere betrinken sich!“ in den Mund stecken zu lassen und dann noch hinzuzufügen: „Ich will diesen Körper, DIESEN Zustand nicht spüren müssen!…“. Aber vom Temesta kaum etwas wahrgenommen…

Denn… HALLO?! Ich vermag nicht einmal mehr den Zeigefinger zu strecken, um in meiner Nase zu bohren!! Wie viel tiefer soll es denn noch gehen?…

19. Mai 2018, Samstag „Träume sind Schäume…?“

12:08
58,9 Kilo. Viel zu spät, erst um 10 aus dem Bett. Die Feldsperlinge samt erster Brut haben gestern den Futtersilo binnen weniger Minuten komplett entleert. Auf der einen Seite gibt es Hirse, Wellensittichfutter, was sie fressen können, und auf der anderen Seite ungeschälte Sonnenblumenkerne. Aber was machen die kleinen Monster, wie gewohnt? Wie kleine Bagger schaufeln sie unten die Kerne aus dem Schälchen, auf der Suche nach etwas Fressbarem, finden nichts, graben weiter und nun liegt der gesamte Inhalt der einen Hälfte vom Silo auf der Holzplatte, im Regen. Um dort wunderbar zu schimmeln.

Sebastian hatte es mit der Sonnencreme etwas zu gut gemeint. Geplant war, ich fahre hinters Haus, halte rasch meinen Traum fest, ehe er völlig auseinanderfällt (genau deswegen bin ich auch so lange im Bett geblieben, um ihn mir wieder und wieder mit geschlossenen Augen durch den Kopf gehen zu lassen). Anschließend mit dem Rollstuhl nach Jennersdorf, vorbei am Mehrparteienhaus, Ausschau halten, ob ich dieses Mal Eltern oder Jungtiere vor die Linse bekomme. Er schleppte mir gerade alles nach draußen, Wasserflasche, Notebook und sogar einen Zeichenblock…

Alles scheint sich gegen mich zu stellen! Alles!

Da bist du ganz alleine schuld dran!!

ZU verkrüppelt für alles!!! Und natürlich!! Jetzt grinst die Sonne wieder blöd vom Himmel!!

Kaum war er draußen, kaum fuhr ich los, begann es zu regnen! Zu schütten! Alles zurück ins Haus, um jetzt wieder den inneren Kampf auszufechten, was ich nicht alles draußen verpasse, dass ich draußen sein müsse… Und die Unruhe kommt auf Temperatur!
Die fette Schicht Sonnencreme auf meiner Visage kaum ertragen. Wenn ich mich nun nur lange genug hineinsteigere, bin ich der Überzeugung, keine Luft mehr zu bekommen, unter dem Fett zu ersticken!
Gestern zusammen mit Sonja wurde auch ein Rätsel gelöst. Ich wunderte mich, warum der Vogel mit dem explodierten Auge nun plötzlich ein Männchen war. Machte Scherze über eine verunglückte Geschlechtsumwandlung, von wegen Augapfel als Testikel oder so. Da tauchte die Meise vermeintlich wieder auf, das explodierte Auge nun aber auf der anderen Seite! Und wieder weiblich! Also gibt es zwei Kohlmeisen, ein Männchen und ein Weibchen. Waren die beiden Zwillinge in einem Ei, am Kopf zusammengewachsen? Gestern beim Katalogisieren der neuen Aufnahmen einen genauen Blick auf die Verunstaltung werfen dürfen… Ganz schön ekelhaft!

Aber tut dem nun nichts zur Sache! Dabei geht nur wieder der Traum verloren! Womit fing die Geschichte an?
Ich wohnte im Gasthaus. Wer hätte DAS für möglich gehalten?! Der Dachboden war ausgebaut, der Dachboden verfügte über ganz neue Dimensionen, ein riesiger Komplex, beinahe wie bei der Reha. Aus irgendeinem Grund wurden Hunderte von Kindern im Haus einquartiert, Notunterkunft (vermutlich wegen den Nachrichten kurz vor Mitternacht, dass es in den USA erneut zu einer Schulschießerei gekommen sei). Ich schämte mich. Das waren alles Schulkollegen von mir. Alle Altersstufen. Und ein Mädchen, sie heißt Michaela, musste bei mir im Zimmer schlafen. Ich hatte in den Jahren, Hauptschule und Gymnasium, so gut wie nichts mit ihr zu tun. Mir fällt nicht einmal ihr Nachname ein. Sie schlief auf meinem Bett und ich auf dem Fußboden. Mein Bett war so dermaßen hart, sie bekam Rückenschmerzen und ich schämte mich. Es dauerte auch eine Ewigkeit, ehe wir zum ersten Mal ins Gespräch kamen. Sie fand auch den Gedanken ekelhaft, mit mir eine Zahnbürste zu teilen. Ein anderer Schulkollege hingegen hatte da weniger Probleme, wollte sogar einen Aufsatz benutzen, den ich bereits mehrmals in Gebrauch gehabt hatte. Sie ekelte sich vor vielen Dingen in unserem Haus, in meinem Leben. Erst da musste ich bemerken, dass mein Dasein nicht so normal war, wie ich bis dato dachte.
Wir sollten uns umziehen. Aus dem Fenster konnte ich aber sehen, dass im Hühnergehege der Nachbarn gegenüber ein alter Bauer aus dem Dorf saß. Graue Haare, grauer Schnauzbart, eine riesengroße Knollennase. Und er beobachtete mich, eindeutig. Ich zog den Vorhang vor, zumindest zur Hälfte. Und sagte wohl ziemlich laut, dass der Typ ein Perverser sein müsse. Wie und warum er es hörte, weiß ich nicht. Er brüllte irgendwelche Beschimpfungen zurück. Ich konterte, lautstark, in meiner Mundart. Darauf titulierte er mich als Hure, eben genau so eine Hure wie meine Mutter!!
Er stampfte wutentbrannt von dannen und erzählte im ganzen Dorf herum, ich würde wie ein Flittchen am Fenster meines Kinderzimmers die Hüllen fallen lassen, und ich dachte, ich könne nie wieder mit dem Rollstuhl normal durchs Dorf fahren. MIR würde ja niemand glauben! Ich suchte in meinem Schrank, aber da waren keine Klamotten mehr (an diesem Punkt stellt sich Panik bei mir ein). Scheinbar hatte sich meine Mutter meine ganzen Sachen gekrallt. Ich ging auf den Dachboden, der nun zwei Stockwerke umfasste. Dort waren die andern Schulkinder untergebracht. Ich fand einen Raum, der dem Dachboden hier im Haus gleicht, aber zugleich vom Lichteinfall her dieselbe Stimmung hat wie jener im Gasthaus. Dort stand ein Schrank. Darin meine ganzen Sachen, meine ganzen Klamotten!! Meine Mutter sagte, nach meinem Selbstmordversuch hätte sie die alle aufgehoben. Alles fein säuberlich zusammengelegt, und ich wühlte darin herum wie eine Wildsau. Ich fand auch noch andere Utensilien, mein Notebook und derlei Krimskrams; am besten alles auf einmal mitnehmen, schlussendlich war es ja MEIN EIGENTUM! Sie stand immer noch hinter mir, beobachtete genau, was ich machte. Der Raum war plötzlich leer, nur sie und ich. Und die Erinnerung, dass da zuvor kleine Kinder gewesen sein müssen. Wie eine Einblendung, eine Rückblende. Kleine Mädchen, fünf oder sechs Jahre alt, saßen da auf dem Estrichboden. Und eine schwarze Gestalt hatte ihnen Überraschungseier geschenkt. Nachdem sie das getan hatten, was der Schatten von ihnen wollte. Zurückgeblieben lediglich die gelben Plastikkapseln mit dem Spielzeug darin. Die erste Figur in einer der Kapseln, und ich weiß nicht mehr genau, wie diese aussah, sprach bereits Bände! Erst recht die in der zweiten Kapsel, und noch viel mehr die Zeichnung, die selbstgemalte Grußkarte, die neben dieser lag…
Dazu muss erwähnt werden, gestern eine Dokumentation über jugendliche Mörderinnen gesehen zu haben, und die jüngste, damals gerade mal 11, hatte grausige Zeichnungen angefertigt, ehe sie damit anfing, erst nur Tiere zu töten und dann eben auch Menschen.
Also von diesen Zeichnungen inspiriert, auf dem Fetzen Papier ein kryptisch-kindliches Bild von einem Menschen, wohl einer Frau mit Rock, und noch wahrscheinlicher vom Mädchen selbst…
Und tatsächlich! Da setzt der Lochfraß ein!! Ganz zu schweigen davon, dass ich vermutlich unfähig bin, auch nur einen Strich zu zeichnen, dabei hatte sich mir das Bild doch so dermaßen eingebrannt und jetzt, augenblicklich löst es sich vor meinem inneren Auge auf!!! Ich hätte morgens, gleich nach dem Erwachen eine Skizze anfertigen sollen!
Aber ich will es versuchen: Also das Mädchen steht rechts, von der Seite. Das Mädchen hat unten am Rock scheinbar einen Penis. Und von links kommt eine Schlange angekrochen, bäumt sich vor dem Mädchen auf, gibt ihm einen Kuss. Ich „glaube zumindest“, aus dem Penis tropft etwas. Und oben drüber geschrieben in kindlicher Krakelschrift: „Danke. Es schmeckte wie Sahne“.

Ich sah dieses Bild und mir wurde speiübel. Waren da bereits andere Opfer? Oder war ich das als Kind?
Die Kinder hatte man längst, vor Jahren schon, weggebracht. Die Kinder waren zu klein, um zu wissen, was da mit ihnen geschieht. Sie haben es schlicht und ergreifend VERGESSEN…
Ich versuchte zu fliehen, wegzulaufen, die Straße runter… [….]

Um seltsamerweise in Jennersdorf anzukommen. Dort, wo zumindest in meinem Traum lauter Arztpraxen waren. Da waren auch Bonzen und Ärzte, vor allem mein Hausarzt aus Kindertagen, den ich später gehasst habe, ob seiner anzügliche Bemerkungen im Gymnasium mir gegenüber, die allesamt Teil eines Kinderpornorings waren! Und alle hatten sie sich bedient auf dem Dachboden im Gasthaus!! Kinder wurden in Kofferräume gestopft von riesengroßen Edelkarren. Wie Waren. Und der kriminelle Sauhaufen machte sich soeben aus dem Staub…
Die nächste Szene, die ich sehe, spielt sich vor der Reha-Klinik ab. Die Konkurrenzklinik davor steht lichterloh in Flammen. Aber die unzähligen Menschen auf der Straße, auf dem Gehsteig schert das nicht. Scheinbar ist Silvester, im Sommer, da läuft Techno, alle tanzen und ich kann mich ebenfalls dem Rhythmus nicht entziehen. Außerdem entstehen so geniale Aufnahmen mit der Kamera, beinahe postapokalyptisch, mit der brennenden Anstalt im Hintergrund…
Als ich mich in der Klinik anmelden will, ich flüchte regelrecht in diese, habe ich alles vergessen. Ich weiß nicht mehr, bei welchem Pult ich mich anstellen muss, ob ich zahlen muss oder nicht, und scheinbar habe ich einen Erlagschein nicht unterschrieben. Ich entschuldige mich damit, seit Jahren keinen mehr ausgefüllt zu haben und deswegen nicht mehr zu wissen, wie das geht…

Was nicht unerwähnt bleiben soll: Nachts konnte ich vernünftig gehen. Für meine Verhältnisse. Ich räumte sogar in der Küche ein wenig auf.
Um dann heute, ohne die Hände noch irgendwie in Anspruch genommen zu haben, nicht einmal das Notebook aufklappen zu können. Mein Rücken schmerzt. Der Hintern schmerzt. Und ich will diese Zeichnung machen… Aber besteht die Blockade lediglich der Angst wegen, zu versagen, nicht zu können, oder eben vielleicht auch, „weil ich nicht darf“? Und es sei definitiv ebenfalls erwähnt, dass die Zeichnungen dieser schizophrenen Mörderin nichts mit dem Bild zu tun hatten, welches ich in meinem Traum sah. Lediglich bis auf die kindliche Abbildung einer Frau im Rock. Aber ich hocke hier, völlig erstarrt, die Hände wie auf den Schoß gepflastert, den Zeichenblock vor mir und ich komme nicht zu Potte!…

16:22
Rasenmäher, Flugzeug, Rasenmäher. Im Supermarkt damit gekämpft, nicht in Tränen auszubrechen. Im Auto spätestens die Kontrolle verloren, als ich mich für mein Verhalten im ersten Supermarkt entschuldige.
Aber nicht einmal weinen kann! Unverzüglich brannten die Augen, als seien meine Tränen ätzende Säure!

WIE DEINE MUTTER!!!

Meine Mutter hatte sich immer die Augen gerieben, „zu wenig Tränenflüssigkeit“ lautete die Diagnose.

Der Reihe nach. Ich wollte also nach Jennersdorf, und scheiterte bereits am Schuhregal. 10 Minuten um den linken Schuh zu verschließen!! Ein Donnerwetter ging auf mich hernieder. Und draußen? Eiskalter Wind. Sonne, keine Sonne, Sonne, schwarze Wolken.
Also dachte ich: „O.k.! Ich bleibe hier und filme, was mir vor die Nase kommt!“. In der Weide neben dem quadratischen Wannenteich lauter Schwanzmeisen, fütterten ihre Jungschar. Und ich zu dumm, die Kamera zu halten!!! Alles ging schief!!! ALLES!!!!…

Bring dich um.

Ich bring mich um.

Ins Haus gefahren, 2 mg Hydal, „nur“ die Retardfassung. Sebastian mitgeteilt, dass ich noch da sei, ob er nicht jetzt fahren möchte. 10 Minuten später war er unten. In diesen 10 Minuten war noch mehr schief gegangen. Und warum?! Weil ich ein beschissener Krüppel geworden bin, der eigentlich gar nicht mehr allein zu Hause bleiben kann, weil er nichts hinbekommt! Doch, ich könnte den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen bleiben. Aber von wegen Selbstständigkeit, kümmerliche Reste eines eigenständigen Lebens… VERGISS ES!!! WARUM NICHT GLEICH IN EIN HEIM?!!!

Im ersten Supermarkt war er mehr mit seinem Handy beschäftigt. Und der erste Artikel, den ich in die Hand nahm, die Strauchtomaten, landeten SELBSTVERSTÄNDLICH auf dem Boden! Er wollte den morgigen Tag planen, ein Kinobesuch steht an. Er hörte mir überhaupt nicht zu, was wir benötigen, was uns fehlt, was wir kaufen müssen… Und ich dämliches Stück Scheiße allein nicht in der Lage auch nur irgendetwas anzufassen! Da war ich kurz davor, ihn anzuschreien!

Und alles nur, weil ich dermaßen am ENDE bin!
Im nächsten Supermarkt kam von hinten plötzlich eine Dame, berührte mich vorsichtig an der Schulter, begrüßte mich, und ich sah sie an wie eine Kaulquappe! Ich entschuldigte mich, ich könne mich nicht erinnern…
„Wir haben uns damals an der Raab getroffen. Da warst du dem Rollator spazieren…“. Ich dachte angestrengt nach, aber erst beim zweiten Satz klingelte es leise: „Ich kenne dich noch vom Laufen. Ich wohne in Rax und du bist jeden Tag vorbeigerannt…“.
Hastig verabschiedete sie sich, sie hatte ja Sachen auf dem Laufband an der Kasse liegen. Ich sank in mich zusammen. Ich meine mich nun zumindest an die Depression nach diesem Ausflug und Kennenlernen erinnern zu können.

Wieder im Auto wollte ich mich erklären, mein Verhalten, dass ich dermaßen am Verzweifeln sei. Aber er hat es wohl nicht verstanden, dass es der Versuch einer Entschuldigung war und zugleich ihn über den Schweregrad meiner Krise in Kenntnis zu setzen. Er stattdessen sagte, warum er so viel ins Handy gekuckt hätte. Und bemerkte vermutlich nicht einmal, dass ich in Tränen ausbrach. Spätestens als ich mir vor Schmerz die Augen rieb, musste dieser Kommentar sein: „Selbst zum Weinen zu dämlich!!“.

Es ist ihm zu viel. Erst recht meine permanenten Zerstörungsankündigungen. Mit meinem Eis in der Hand: „Es wäre besser, es gäbe einen Menschen weniger, der in Form von Palmöl Orang Utan-Blut konsumiert und die Welt zugrunde richtet.“.

Als wir vor all dem im Dorf angekommen waren, auf dem Parkplatz vom ersten Markt, die Autos, die Leute mit den Einkaufswägen… Ereilte mich eine FETTE Derealisation. Nichts ergab mehr Sinn! Und der Wunsch, zu sterben, nur noch lauter.
Ein Wort hat sich mir eingebrannt, passend zum ganzen Tag: WERTLOS. ICH bin WERTLOS!! Zu nichts mehr zu gebrauchen!!

Man solle mich nun bitte nicht falsch verstehen. Diese Ansichten gelten nicht für andere Menschen. Es geht hier lediglich NUR UM MICH, MICH, DAS WERTLOSE STÜCK SCHEISSE!! Ich schämte mich für mich selbst, in Grund und Boden, wie ich aussehe, mit dieser Akne überzogen… Ein einziges Minenfeld! Und alles mache ich falsch! Auch jetzt sitze ich tatenlos vor dem Zeichenblock…
Kaum zu Hause, 2,6 mg Hydal. Ich warte auf dessen Wirkung. Kann ich sitzen, der Körper überzogen mit Schmerzen. Die Schnauze voll.

21:04
Schlussendlich gezeichnet, was ich gesehen habe. In mir löste es einiges aus. Sebastian hingegen: „Aha…“.

2018-05-19

18. Mai 2018, Freitag

17:00 Uhr

Das kann’s ja wohl nicht sein, dumme Fotze

Hass. Glühender, überschäumender Hass.
Diese Unzufriedenheit mit sich selbst wird von Minute zu Minute zu einer handfesten Abneigung, mit allen Konsequenzen.

Das fette Schwein frisst und frisst und frisst!!!

Eigentlich immer weniger essen. Doch das Gesicht immer aufgedunsener. Ja es stimmt, Sebastian kam sehr spät nach Hause. Ich saß auf dem Sofa und wartete und wartete. Neben mir die riesengroße Tafel Schokolade. Mir vor dem Mittagessen und danach insgesamt zwei Rippen davon einverleibt…

Und dann wunderst du dich noch???!

Das Tagebuch gestern gemieden. Angst, von der Konfrontation mit meinen Gedanken erneut nur Panik zu ernten. Zwei Tage keine Überdosis, zwei Tage einigermaßen in Ruhe und zum Schluss kommen müssen, dass meine pharmazeutischen Eskapaden sehr viel mit der Panik und der Depression zu tun haben.

Markus wollte doch, dass ich mich mit Rumpelstilzchen unterhalte… Binnen weniger Minuten wurde er zum Alleinunterhalter. Kaum vom Sofa erhoben, kaum versucht, meinen Alltag wie jeder normale Mensch zu gestalten. Auf die Toilette. Das Klopapier fällt daneben…

DU BIST FÜR ALLES ZU BLÖD!!!

Im Spiegel meine aufgedunsene Visage. Knallrot. Wie die Schultern, die Unterarme. Sonnenbrand mit Eiterbeulen!

DU BIST EIN EINZIGES BRECHMITTEL!!! Deine Physiotherapeutin muss ja hinterher kotzen, nachdem sie dich angefasst hat!!!

Sebastian hat mir die Haare gewaschen, dann wollte ich nach draußen fahren, ständig fiel mir irgendetwas runter…

Du kannst gar nichts mehr! Überhaupt nichts mehr!!
Du bist wertlos!!!

Er hat recht. Er hat so recht. Zwei Tage, ohne mir irgendetwas einzuwerfen, aber ich kann trotzdem kaum gehen. Gestern war die Spastik genau so stark wie am Tag meines Abschusses.
Mieke hatte sich für den Morgen angekündigt, ich wollte davor noch malen. Exakt 1 Stunde geschafft.

Aber für was, zum Henker?!!!

Früher… Vor ein paar Jahren hätte ich dafür 5 Minuten benötigt, was ich in diesem Zeitrahmen heute „geleistet“ habe… Die Arme nicht heben können. Den Pinsel nicht halten können. Nicht sitzen können.
Gleich morgens bei der Eintragung im Kalender unfähig zu schreiben… VERDAMMT! ICH KANN NICHT EINMAL MEHR SCHREIBEN!!!

Jetzt kommt die Verzweiflung hoch…

Dann verrecke doch endlich!!!

Alles ist voll mit Haaren. Und auf den weißen Stellen meiner Haut wirken diese beinahe schwarz…

Wie die Haare deiner Mutter!!!

Mir ekelt. Vor mir selbst. Verbrannte Haut und Eiterpusteln. Versuchen, an einer der Beulen herum zu drücken… Ich weiß, wie dumm ich dabei aussehe!

Nicht einmal DAS kannst du!! Du siehst aus wie ein alter, hässlicher Affe! Wie ein ausrangierter Orang Utan!!! Schämst du dich nicht??!!

Mir wird schlecht. Bereits vorhin, nur bei dem Gedanken, schon wieder Sitzung zu haben, dass er wieder Antworten von „Rumpelkumpel“, wie er mein Täterintrojekt nennt, haben möchte. Ich hasse es, wenn er ihn so nennt. Ich glaube, ER hasst es auch. Oder eben ich, weil er ich ist, ich bin er, keine Multiple, alles nur viel Wind für nichts, Aufmerksamkeit usw. und so fort…

Hast du es endlich gerafft?!

Das Gefühl haben, die Sitzungen rauben mir zu viel Zeit! Es kommt doch ohnehin nichts raus! Die 1. Stunde ist wie immer nur Geplänkel! Ewig lange Monologe über die Verbindung und wie scheiße in Österreich alles ist! Und wieder werden es 2 Stunden oder mehr und ich darf mir auf die Schulter klopfen: „Bravo! Auch heute hast du nichts geleistet! Applaus!!!“.

Meinen Anblick im Spiegel nicht aushalten. Ich bin so ekelhaft. Die Haut im Gesicht nach dem Waschen sofort wieder fettig. Vermutlich um zu demonstrieren, WIE FETT auch der Rest von mir ist! Ich konnte nichts. Ich kann nichts. Dementsprechend zuvor, als ich vor etwa zwei Stunden feststellen durfte, dass das Notebook keine Akkuleistung mehr hat, als ich ins Wohnzimmer fuhr, um das Kabel zu holen (ich war allein, Sebastian für etwa 1 Stunde nach Jennersdorf gefahren), als ich feststellen durfte, dass ich dämlicher Krüppel an die Steckdose, wo das Kabel eingesteckt war, nicht herankomme, DA habe ich mir eine doppelte Dosis Tramal verordnet…
Aber ich merke nichts davon. Und ich hasse mich weiter. Und ich sehe das Jahr schon wieder an mir vorbei fliegen. Erkenne, so gut wie alles zu verpassen. Mit dem Bild nicht voranzukommen, dieses vermutlich nicht einmal mehr fertigstellen zu können. Mit dem Video nicht voranzukommen; es genügt das Programm zu öffnen, und Panik stellt sich ein. Bin entnervt, ja, regelrecht stinksauer auf Markus, weil er mir noch mehr Zeit stiehlt.
Anstatt dankbar zu sein für seinen Einsatz. Ich befürchte, auch heute zu Beginn der Sitzung ziemlich gereizt auf ihn zu reagieren.

Jetzt gerade, heute, sehe ich nicht mehr als ein Stück SCHEISSE. Macht allen das Leben unnötig zur Hölle. Denn auch im Traum heute Nacht fing ich immer an derselben Position an, wie bei einem Computerspiel, um dann in eine andere Richtung zu gehen… Um schlussendlich auf Biegen und Brechen IRGENDWO ein winziges Indiz dafür auszumachen, dass mir „was passiert sein könnte“!! Regelrecht konstruiert habe ich es!! Und das ist nicht der erste Traum, bei dem es so abläuft!! Ich sehe nur all jene, die im Verdacht stehen, sehe, dass ich sie umbringe!!!

Aber ich will gar nicht zurück kriechen ins alte System… Nein! Ich will sterben! Mich aus dem Weg räumen! Schluss machen! Den Haufen SCHEISSE beseitigen!

Ich hasse mich. Und als ich das Kabel nicht mitnehmen konnte, als ich nicht vor bereits beinahe 3 Stunden die ganzen Hasstiraden ins Tagebuch würgen konnte, als ich das Tramal geschluckt habe, da habe ich die Klingendose in meine kleine schwarze Bauchtasche gesteckt. Heute, nebenbei erwähnt, zum ersten Mal den festgeklebten Verband abgestreift, das Blut weggewaschen…

LÄCHERLICH!!!

Lächerlich…
Im Mund ein bitterer Geschmack. Der Salat aus dem Supermarkt zu Mittag, wieder vergammelte Zwiebeln darin… Mein Gaumen wird immer hysterischer. Ebenso meine Nase. Sebastian bemerkte wie immer nichts, schmeckte nichts Auffälliges. Ich schäme mich vor anderen Leuten, wenn ich nur ansatzweise erwähne, was bei mir alles mittlerweile Brechreiz auslöst. Und man sich denken muss: „Meine Güte! DIE ist aber empfindlich!“.
Und dann bleibt eben auch noch zu allem Überfluss den ganzen Tag, eigentlich zwei Tage lang dieser widerwärtige Geschmack im Mund, man stinkt nach den Zwiebeln und ich möchte mir selbst in die Fresse schlagen, oder gleich kotzen!

20:30
Eine Aufnahme vom Himmel wird soeben exportiert. Zeitraffer; dauert unendliche 16 Minuten. Die Sitzung…

Alles in mir ging auf die Barrikaden. Alles wehrte sich gegen die Therapie. Alles lehnte Markus ab. Alles lehnte seine Diagnose ab. Und erst recht den Missbrauch…
Denn sogar meine Therapeutin hat mich irgendwann gefragt, ob es denn unbedingt eines sexuellen Missbrauchs bedarf, ob ein emotionaler, von dem sie immer noch überzeugt ist, nicht ausreicht.
Hat er recht? Dass es wie eine zweite Vergewaltigung ist, dass niemand meinem Gefühl Glauben schenkt? Dass, bis auf meine zweite Therapeutin, die nach einem Jahr den Verdacht äußerte, dass meinen Problemen ein Übergriff in der Kindheit zu Grunde liegen könnte, NIE einer nachgefragt hat, warum ich kotze, warum ich mich verletze, warum ich ein Problem mit meiner Sexualität habe, warum ich mich hasse und erst recht warum ich jeden Tag mehrmals über Selbstmord nachdenke…?

Die Ratio gab ihm in allen Punkten recht.
Aber mein Gefühl, mein Täterintrojekt oder ich in Zusammenarbeit mit diesem oder eben NUR ICH wollten unverzüglich auflegen. Aber auch das teilte ich ihm mit. Ich zerlegte ihn in seine Einzelteile. Sagte ihm, dass ich ihm nicht vertrauen kann. Dass ich seine Stimme nicht abkann. Dass er mich gefälligst in Ruhe lassen soll.

Aber anstatt zu flüchten, blieb ich sitzen. Erst bewarf mich Rumpelstilzchen mit dem Uhrzeiger, mit Minuten, die verstrichen, und ich doch viel lieber draußen gewesen wäre, um dann zu härteren Bandagen zu greifen und mich in Panik absaufen zu lassen. Markus zuzuhören fiel immer schwerer. Ganz zu schweigen von den ganzen psychosomatischen Sensationen, die mir das Sitzen, das Ausharren fast unmöglich machten. Zu einer weiteren Dosis Tramal eben auch noch 40 Tropfen Novalgin.
Alles sei Blödsinn, sagt er.
Kaum ausgesprochen, wieder Panik.

16. Mai 2018, Mittwoch „Alles läuft schief…“

09:13
59 Kilo um 6:45 Uhr. Seit ich hier am Computer sitze, entgleitet mir alles. Nach dem Frühstück ein Räucherstäbchen angesteckt, wollte doch eigentlich nur nachsehen, wie diese bei den Ingredienzen angeführte „Champa-Blüte“ aussehen soll. Da waren noch unzählige Registerkarten offen von gestern, von der letzten Suche nach Benzos? Bleibe erst einmal wieder bei dem Artikel hängen, sehe die Auflistung von diversen Wirkstoffen, Untergruppen, Narkosemitteln. Von dort aus weiter gesucht, mit Hauptaugenmerk auf eben Narkotika. Ganz wichtig: Überdosierung. Von dort aus weiter zum Sänger von Linkin Park, zum Sänger von Soundgarden, während die Zeit weiter und weiter läuft. Erst ganz am Schluss sehe ich mir das Gewächs an.

Als ich dann endlich die nötigen Fotos und die Stoppuhr öffne, funktioniert letztere nicht mehr. Das war doch bereits gestern so… Die nächsten 10 Minuten verstreichen, ehe ich sie wieder vermeintlich hergestellt habe. Aber aus den Einstellungen ausgestiegen, übernimmt er diese nicht aufs Programm. Den Computer neu starten, Trommelwirbel… Pustekuchen. Zu allem Übel scheint auch noch die Sonne zum Vorschein zu kommen. Natürlich bin ich von gestern noch ordnungsgemäß bedient; musste nachts mit dem Rollstuhl ins Bett fahren, konnte keinen Fuß mehr vor den anderen setzen, und ebenso morgens mit meinem schwarzen Ferrari ins Bad und dann ins Wohnzimmer kullern. Die Vernunft gebietet, diesen Rausch nun mindestens zwei Tage lang verrauchen zu lassen. Im Beipackzettel vom Kortisonspray steht mitunter als häufige Nebenwirkung „Nesselausschlag“. Nicht mehr vor noch zurück wissen. Was ist richtig und was ist falsch, sehe ich doch gelinde gesagt ausreichend zum Kotzen aus! Ob nun Cortison oder Sonnencreme oder einfach nur Sonnenausschlag oder weil ich so eine fette Sau bin, deren Haut den Eindruck erweckt, als würde ich sie seit Tagen mit einer dicken Schicht ranzigem Frittierfett einschmieren!! Ich bin so ekelhaft, die Visage kaum gewaschen, glänzt sie erneut wie ein frischgebackener Krapfen.
Jetzt ist es eben soweit! War es ein Fehler, mich per Mail mit Mieke über einen möglichen Vormittagsbesuch zu unterhalten? Der an diesem Tag zumindest das Malen schon mal abhaken würde?

Und nun wahrscheinlich viel fataler, mit dem Tagebuch begonnen zu haben… Meine Gedanken, jeder meiner Gedanken will nun wieder „zu Papier“ gebracht werden, jeder Anteil von mir will seinen Senf dazu geben…

Es verstreichen sage und schreibe 5 Minuten, nur für das Foto der aktuellen Entwicklung am Gemälde. Der Buntspecht würde gerne ans kalte Buffet, aber direkt davor auf der Bank im Wohnzimmer sitzt Fine und putzt sich das Fell. Die Farbschalen öffnen, die Kleckse befeuchten, die Pinsel in die Hand nehmen, obwohl ich längst Schlimmeres im Sinn hatte. Angefangen bei irgendwelchen Medikamenten bis hin zur Rasierklinge. Selbst Rumpelstilzchen bläut mir ein, dass es viel zu spät ist. Er will, dass ich meinen speziellen Musikordner öffne und mich abschieße.

Dezente Kopfschmerzen, während draußen der Himmel allmählich blau wird. Alles an und in mir wehrt sich dagegen, jetzt zu arbeiten. Am besten einen Pullover anziehen und mit der Kamera raus, bevor ich alles verpasse! Oder den Comic fürs neue Projekt zeichnen…
Zugleich aber…

DU WIRST NIE FERTIG WERDEN!!! ES IST VORBEI, GIB AUF!!!

Markus wollte von mir wissen, welche Qualität die Blockade in mir hat. Wie sie sich anfühlt. Depressiv? Oder von Ängsten genährt, zu versagen, schlussendlich wieder mit der Lähmung konfrontiert zu sein?! Oder bin ich tatsächlich nur ein faules Stück Scheiße??? Was bedeutet dieses „Ich kann nicht!“?
Ich weiß es nicht? Ich würde mich auch jetzt lieber aufschlitzen, als Farbe auf die Leinwand zu bringen. Was ist das für eine seltsame Alternative? In mir sperrt sich alles gegen die Aufgabe! Noch klimpert die Rechte… Aber mir droht alsbald ein böses Ende…

VON WEGEN!! DAZU MÜSSTEST DU ES ERST EINMAL RICHTIG MACHEN!!! Da ist so viel Speck!… Es kann doch nicht so schwer sein, tiefer in diese wertlose Masse hinein zu schneiden!!!

Alsbald wird es 10:00 Uhr. Beide Hände klimpern. Die Schälchen wieder bedecken, wiederum auf die Schälchen ein weißes Tuch breiten, damit die Sonne die Farbe darunter nicht austrocknen kann, vom Weiß eher reflektiert wird. Mein Schicksal scheint somit besiegelt! Selber schuld! Mit dem ersten Abschuss vor zwei Tagen die Weichen für die nächste längerfristige Episode gestellt!

Den Kopf senken, mich beim Bild entschuldigen und dann eine neue Schale Tee kochen… Ich versage…

10:22
Mir Morphium besorgen, ehe ich wieder am Tisch Platz nehme.
Eine Hasstirade entlud sich mehrfach lautstark in der Wohnküche. Und obwohl ich „die Suppe“ zum Kochen gebracht habe, wird Sebastian zum ersten Opfer meiner Wut: „Warum zum Teufel räumst du das dreckige Geschirr nicht dorthin, wo es hingehört?! Warum stellst du es zu den Brotkörbchen?! Bist du so dumm oder einfach nur faul??!!“. Dann bin kurz ich dran, als ich vor dem Kühlschrank vergesse, was ich eigentlich wollte…

WIE SAUBLÖD BIST DU EIGENTLICH??!!!

Um nahtlos mit der Volkshilfe weiter zu machen, als ich vor dem Geschirrregal stehe und meine einstmalige Ordnung nur noch einer kleinen Postapokalypse genügt: „WAS SOLL DAS, VERDAMMT NOCH MAL!!! WAS IST DENN DA SO SCHWER ZU VERSTEHEN, WELCHE SCHÄLCHEN WO HINGEHÖREN??!! Wie blöd muss man sein, um die Glasschälchen zwischen die Keramikschälchen zu stellen, wenn daneben zwei Stapel NUR mit Glasschälchen stehen??!!“.

Ungerecht, es tut mir leid. Und wie gesagt, bin ich Ursprung allen Übels. All dem voraus, als ich aufstand, fiel aus irgendeinem Grund das Brotkörbchen vom Rollertor, die gebrauchte Teeschale zersprang in 100 Teile, der Holzboden voll mit Splitter und Teeresten. Zu diesem Zeitpunkt blieb ich noch ruhig, ganz ruhig, denn ich befand mich bereits auf dem Weg zum Schafott, das Urteil gesprochen! Weiter mit Schimpftiraden nun gen korrekte Adresse ging es dann im Badezimmer, beim Zähneputzen, vor dessen Erledigung ich noch zehn Hübe Tramal geschluckt habe. Währenddessen 100 total schwache Kniebeugen gemacht, und während das Wasser allmählich heiß wurde, noch meine dümmliche Visage gewaschen. Als würde die widerwärtige Akne davon weg gehen!! Kaum die richtige Temperatur erreicht, den linken Unterarm von Blutresten befreit, Hände und Arm heiß aufgewärmt. Schon denke ich, mir läuft die Zeit davon. Die Tablettendose öffnen; ist und bleibt eine von gleich zwei Büchsen der Pandora!

Mir ist beinahe zu lachen zu mute, während der Tag draußen von Regen auf Sonnenschein umstellt. Wie viel Morphin darf es sein? Besser mehr davon, als diese vermaledeite chemische Psychoscheiße! Das Risiko lässt sich zumindest einigermaßen einschränken: Bestenfalls bin ich nach einem Tag voller Spastik morgen wieder halbwegs hergestellt.

Hofft die blöde Kuh!!
Warum machst du es nicht gründlich? Bis er nach Hause kommt?… Hast du gut 2 Stunden!!

Um meine Augen herum bildet sich ein Ring aus Watte. Vor mir auf dem Tisch das alte Handtuch. Ich erinnere mich… Kinderzeiten… Da war es auch schon da. Aber hatte definitiv eine andere Funktion als jetzt! Das Rot vom Blut überwiegt, was die Farbe betrifft. Das Blut hat alles verklebt. Nur meine Hände sind erneut eiskalt.

Hör auf, die Tabletten nur anzuschauen!! Friss sie endlich!!

Tun, wie mir geheißen.

Wie müsste Bianca aussehen, dass Rumpelstilzchen mit ihr klar kommt?“.
Ich zeichnete das Bild eines magersüchtigen Kindes, einer magersüchtigen Jugendlichen. Kaum oder noch besser keine sekundären Geschlechtsmerkmale. Und innerlich so verhungert, dass sie eigentlich längst tot ist…

Damit sie gefälligst die Schnauze hält, nichts mehr sagt, die Nutte! Sie ist ja selber schuld, AN ALLEM!!! Damit Sie schweigt!! Früher und erst recht später und ganz besonders für immer!!!

Ein weiblicher Kernbeißer nähert sich dem Restaurant. Der Buntspecht macht aber dermaßen Tumult und verscheucht regelmäßig alles und jeden.
Die Arme verschränkt. Das Erdnusssäckchen ist der Renner schlechthin. Die neue Räucherstäbchenpackung morgens mit einem alten Skalpell geöffnet. Da meldete sich schon die Sehnsucht.
Aber es bringt doch nichts! Die Rasierklingen schärfer, wie auch immer das sein kann. Hätte ich andere bestellen sollen, vielleicht nicht so billig?

Sebastian zeigte sich gestern doch ein wenig entsetzt, dass ich mich erneut abgestellt hatte. Er würde das jedes Mal merken, hat der schon oft gesagt. Wirklich? Vermag er Depression von Dröhnung zu separieren?

Während ich mehrfach und mühevoll das letzte Hauptwort korrigieren muss, meldet sich die Panik. Ist sie nun eine Werkzeug Rumpelstilzchens oder tatsächlich ein eigener Anteil, also Symptom eines Anteils…

Nein! Was schwafelst du von Anteilen?? Das ist nichts als ein Symptom!! Und selbst das bildest du dir nur ein, um Aufmerksamkeit zu bekommen!“

Mir läuft die Zeit davon! Gleich ist es 11. Süßstoff in den Tee. Ich könnte die Heizdecke unter das besudelte Handtuch legen; vielleicht bringt es was.

Da fällt der Kopf plötzlich in den Nacken. Heroin auf Rezept, freundlichst gesponsert von IHRER burgenländischen Gebietskrankenkasse! Der Mund bleibt offen. Ich bin so schlecht und ich sollte tot sein. Angesichts dessen, was da auf mich zukommt, was es noch an Schritten zu tun oder zu bewältigen gilt, wäre es definitiv zum Wohle aller, die da von mir schäbigerweise noch mit reingezogen werden, wenn nicht sogar ein großer Segen, ich würde endlich den Mund halten und mich töten.

Endlich mit dem „kleinen Tod“ anfangen…
Dabei in den letzten Tagen so viel wie noch nie mit Sebastian über meinen ersten Suizidversuch gesprochen. Und erst recht über meine ständigen Ankündigungen, was diese mit ihm anrichten.

Es wird 11:04; versuchen, das Handtuch irgendwie behelfsmäßig zu falten. Jene Seite, mit den frischen und noch feuchten Flecken nach oben, um das weiße Kleid nicht in Mitleidenschaft zu ziehen und so mich selbst zu verraten. Ich hätte schon viel früher auf die Idee kommen sollen, mir schwarze Stulpen zu bestellen…
Von der blauen mit der Aufschrift „Salmix- Salmiakpastillen N“- zur goldenen „Fishermans’s Friend“-Büchse der Pandora wechseln. Ich hatte in der letzten Zeit einen hohen Verschleiß. Unzählige Klingen geöffnet und wieder in ihr Kuvert gesteckt, nicht sicher, ob sie schon komplett verbraucht seien. Erneut Zeit fressen und in der Dose aufräumen. Ich könnte ja auch mit den gut 20 blutbesudelten Stücken wieder eine Art „Kunstinstallation“ machen, sie auf die aktuelle Leinwand kleben. Da sind doch so viele weiße Leerstellen…

11:12
Nun wird es aber endgültig Zeit! Mit der rechten Hand auf den Unterarm klopfen. Gleicht eher einem Akt des Verprügelns. Hoffentlich klingelt es nicht an der Tür. Meinen speziellen Selbstmordordner in die Playlist ziehen. Verdammt! Es ist Mai! Da gehört das dazu!!! Der eine Typ, an dessen Geburtstag sich der Sänger von Linkin Park das Leben genommen hat, hatte seinerseits für den eigenen Selbstmord ebenfalls den Mai gewählt! Meine Oma starb am 23., ich versuchte es am 21. und die kleine Amsel, die damals, als ich selbst ein kleines Mädchen war und im Frühlingsregen unter dem Fliederbusch saß, in meiner Hand ganz langsam dahin siechte und dann ganz wie in Zeitlupe die Augen für immer schloss, eben DIE kleine Amsel, die zum Synonym für mich als kleines Kind, das ich gerade doch selbst noch war, wurde, DEM kleinen Kind, „das irgendjemand seelisch umgebracht hatte“… Das wird wohl auch Mai gewesen sein. Ich hatte das hübsche Kleidchen von der Erstkommunion an. Oder die Feierlichkeiten von jemand anderem, von einer Familie, deren Kind Erstkommunion feierte… Erstkommunion ist doch im Mai?
Es war definitiv Frühling, weit fortgeschrittener Frühling. Der Flieder blühte…

Die Musik läuft. Die nagelneue Rasierklinge zur Hand. Der Schädel voll mit Watte. Wie viel Kontrolle wäre ich unbewusst „unterworfen“, würde die Taubheit auch den Arm erfassen?
Wäre nur nicht alles so kalt, so eiskalt…

Mit derselben Kante beginnen wie gestern schon. Die Haut wie trockenes, rissiges, uraltes Papier. Oder Pergament.
Plötzlich huscht ein Lächeln über meine Lippen… Zögern. Das ist für dich, inneres Kind. Erinnerungen überschwemmen mich, Bilder aus besseren Zeiten. Wie der oft zitierte Film, der vor den Augen eines Sterbenden im letzten Moment vor dem Exitus abläuft…

Doch dann geht der Blick auf die Uhr, 11:31 Uhr, Herzrasen… Warum kann Sebastian nicht wegbleiben? Warum lässt man mich nicht allein?! Warum immer zeitlichen Grenzen unterworfen?

Die Kante ist zu sachte. Und das Blut läuft kalt über den scheinbar noch kälteren Arm… Das Werkzeug umdrehen. Beim achten Schnitt etwas fester, aber die Rasierklinge versinkt nicht. Aufgehalten von einem dichten Maschendrahtzaun aus Narben. Das Blut gerinnt zu schnell. Wieder, immer noch eine Anämie. Ich fantasiere von zumindest dem EINEN Schnitt, wie jedes Mal. Und wie jedes Mal zum Scheitern verdammt?…

Das Kernbeißerweibchen wagt sich endlich ins Restaurant.
Es riecht nach Blut. Ich müsste einmal richtig „ausholen“, nicht schneiden, stattdessen die Klinge ins Fleisch schlagen… Versuche es schnell. Versuche es langsam. Die Haut auseinanderziehen… Lächerlich! Unterm Arm eine kleine, aber dicke Pfütze. Ich denke, ich müsste draußen in der Sonne sitzen, müsste ganz viel getrunken haben, der Körper müsste aufgeheizt sein, und dass jeder weitere Versuch von vornherein zum Scheitern verdammt ist, unter diesen aktuellen Umständen. Die Zeit rennt nebenher. Kommt er früher, kommt er später? Mir nur noch einen letzten Versuch gewähren…

LOS!!!! DU BIST SO EINE ENTTÄUSCHUNG!!!

Aus einem werden vier weitere Schnitte. Aber sie bleiben nicht ernstzunehmende Linien.

Nach einer Überdosis würden sie das im Krankenhaus nicht einmal bemerken!!
HAST DU GEHÖRT, DU WIDERWÄRTIGE SCHLAMPE??!!
Das wäre NIEMANDEM auch nur eine Notiz wert!!

Dabei will ich doch nur, dass es jemand sieht, „die Zeichen erkennt“ und mich endlich erlöst…

WAS BIST DU?!!!! EIN BABY???!!!

Kleinlaut, geläutert, geduckt, beschämt die Rasierklinge in ihr gelbes Kuvert einschlagen. Einen Strumpf überstreifen. Dabei rutscht der halbe Ärmel wieder in die letzten Wunden. Ein Wunder, dass man von außen das Blut nicht durchsickern sieht. Und ich soll jetzt ernsthaft gleich wieder funktionieren? Aber was sonst? Wie solle ich meine Situation nachvollziehbar erklären?
Die linke Hand eine Faust. Die Finger der rechten lassen sich auch nicht mehr strecken. Wie immer hoffen und im guten Glauben, keine sichtbaren Spuren hinterlassen zu haben. Tuch und Klingen wandern zurück in meine ehemalige Lederschultasche. Wagte jemand einen Blick hinein, würde er entsetzt und angewidert zurückschrecken und sich wohl spätestens dann das korrekte Bild meiner Wenigkeit in seinem Kopf zeichnen. Was bin ich schon?

ABSCHAUM!…

Den rechten Zeigefinger in den Mund stecken. Wie auch den Daumen; alles voll mit Blut, um sodann mit dem nassen Finger auch die Flecken vom linken Oberarm auslöschen.
Und draußen schließt die Sonne die Augen, ist fertig mit mir.

https://www.youtube.com/watch?v=wVIXlo845zA

17:31
Ich hielt es neben Sebastian auf dem Sofa nicht aus. Meine Gedanken rutschten ab, ich dachte an die abendliche Sitzung und die Panik strangulierte mich. Wieder und wieder riss sie mich hoch, meine Füße baumelten in der Luft, sodass ich außerstande war etwas anderes zu denken, als DAS ALLES nicht überleben zu können! Ich fühlte mich schuldig, als ich aufstand. Zu allem Überfluss. Irgendwann würde ich sagen, die Zeit mit ihm nicht bewusst wahrgenommen zu haben. Käme zu der schmerzhaften Erkenntnis, dass es nun zu spät ist. Ich weinte; ganz kurz. Dann schluckte ich zwei Betablocker. Einfach nur ein Symptom oder das Kind? Wieder das Gefühl, mir in die Hose zu machen. Blasenskrämpfe.

Ihn mit einer Einkaufsliste losgeschickt. Ich selbst fuhr nach draußen, hinter mir versteckt einen kleinen Frotteefetzen, in meiner Bauchtasche die Rasierklingendose und ein Skalpell ebenfalls im Gepäck. Ich stand mit dem Rollstuhl bereits vor dem Wannenteich unterm Hollerbusch, hatte Stulpe und Verbandstrumpf abgestreift, als er plötzlich wieder zurück kam. Ich erkenne unser Auto am Motorengeräusch und erst recht an Sebastians Fahrstil. Was nicht heißen soll, dass er rast. Hastig stülpte ich zumindest den schwarzen Schlauch wieder über und tat so, als würde ich den Teich beobachten.

Er hatte ein Formular für den Hausarzt vergessen, das ich ausfüllen hatte müssen. Dann war er wieder weg, ich sah auf die Uhr, berechnete einen realistischen Zeitrahmen, zog das Skalpell aus seiner Plastikfolie und begann zu schneiden… Quer über die zuvor entstandenen Reihen.
Also das ist des Rätsels Lösung!! Diesen vermaledeite dreckigen Körper ausgetrickst!! Was hat er gemacht? Versucht, den von mir verursachten Schaden zu heilen. Hatte die Durchblutung im Unterarm verstärkt, angeheizt.

Und genau dieser Umstand kam mir zugute! Die Schnitte waren sicherlich nicht tief. Nicht tiefer als jene zuvor. Insgesamt zwölf lange Schnitte. Der 13. entstand aus Versehen, als ich das Blut mit einer doch noch scharfen Klinge vom Arm schabte und mir dabei ins Handgelenk geschnitten habe. Ich blutete in den Teich. Minute um Minute. Wie eine abgestochene Sau…

Was du ja eben auch BIST!! UND NICHTS ANDERES!!!

Und blutete und blutete und blutete…

Nach 20 Minuten den Stofffetzen auf den Boden geworfen, nun die Suppe darauf tropfen lassen. Und es blutete und blutete und blutete. Heiß lief mein Leben die weiße, kalte Haut hinab. Verklumpte zwischen meinen verkrampften Fingern. Ließ sich aber nicht aufhalten. Blutete und blutete und blutete.
Die Socken, die Hose, den Rollstuhl, den Asphalt, das helle Blech vom Teich mit meiner Schuld vollgespritzt.
So wurden es wohl 30 Minuten, eine halbe Stunde. Notdürftig drehte ich das nasse Laub auf dem Boden um, auf dem ich Spuren hinterlassen hatte. Fuhr zurück ins Haus, im Spiegel mein Gesicht vermeintlich blass. Gut 10 Minuten am Waschbecken meine Hände und den Lappen so gut es ging gewaschen, um letzteren dann in die Waschmaschine zu stecken. Zum krönenden Abschluss wieder alles vertuscht, die Armstulpe mein treuer Verbündeter.

Pünktlich. Er kam gerade zurück und ich gab mich völlig normal. Es donnerte und begann zu regnen; den ganzen Computerkrempel wieder ins Haus geschleppt, mit seiner tatkräftigen Hilfe. Und jetzt, da nur noch 3 Minuten bis zur Sitzung bleiben, erneut das Gefühl, jemand drücke mir die Kehle zu. Weg der Rausch von den Tabletten, erst recht die Betäubung vom Blutverlust. Wieder die blaue Dose holen. 2,3 mg Morphium.

Am Schluss: Morgens per Zufall gelesen, dass eine Überdosis mit Lioresal sehr häufig letal ausgeht. Gerade das Medikament, von dem die Ärzte nichts wussten und sich wunderten, warum die Antagonisten nicht anschlugen.
Dem Tod doch näher gewesen als gedacht? Stolz drauf?…

20:24
Im schwindenden Licht sitzt der Kuckuck oben am Waldrand und ruft. Die Sitzung war… so schmerzhaft.

Die Panik als Ritterrüstung inneren Kindes, in schwarz-weiß und voller Zorn auf mich. Weil ich unser beider Versprechen nicht eingehalten habe. Mich (uns) mit 18 nicht umgebracht. Nein, es sogar noch schlimmer gemacht! Sebastian kennengelernt und so getan, als könne ich ein sexuelles Wesen sein!! Und das Kind damit erst recht ein weiteres Mal verraten!!

Markus platzierte dieses in dem Bild, mit dem wir arbeiteten, an meinen Maltisch. Mir vis-a-vis. Er saß rechts am Kopfende, Rumpelstilzchen auf der anderen Seite. Hasstiraden wurden hin und her geschickt, mir wieder und wieder klargemacht, ich müsse mich zum Wohle aller umbringen… Weil ich doch so ein schlechter Mensch sei, eine Gefahr für das Kind, das Kind hätte vor mir…

Ehe sich einige Veränderungen auftaten.
Ganz ehrlich? Gleich zu Beginn ließ mich die Panik am kurzen Strick in der Luft baumeln, verzweifelt nach Luft ringend. Und ich teilte meinem Psychoanalytiker mit: „Mir ist gerade danach, unverzüglich aufzulegen!“. Mich zu drücken. Zu flüchten. Wegzulaufen… Weg vor der Angst, der Wahrheit, dem Ungemach, direkt hinein in den nächsten Rausch, die nächste Betäubung, unverzüglich hinein in den Tod.

Um mich kurz zu halten. Das innere Kind hasst mich, verabscheut mich. Aber ich keinen Deut besser. Und am Schluss der Therapie saß das Kind in seiner Erdhöhle mit den Spielzeugpferdchen. Geschrumpft, um darin Platz zu finden und sich verschanzen zu können, und die Pferde zum Leben erwacht. In der Höhle war es vermeintlich sicher… Wie ich es immer wieder zu Kinderzeiten gespielt habe. Um die Höhle herum nun ein Stacheldrahtzaun. Die Panik als Stacheldrahtzaun. Eine Art Prüfung. Das Kind, so schien es mir, erwartet, dass ich mich in den Zaun stürze und dort verharre, dem Schmerz zum Trotz, den schrecklichen Ängsten zum Trotz… Um ihm zu beweisen, stark genug zu sein, gemeinsam mit ihm die Erinnerungen aufzudecken, gemeinsam mit ihm diesen schwierigen Pfad zu beschreiten. Ohne es weiterhin eine Hure zu schimpfen. Es als Kind wahrzunehmen. Ein Kind, das nichts dafür kann, was ihm widerfahren ist.

Während der Sitzung zusätzlich mindestens 20 Tropfen Tramal eingeworfen. Vielleicht waren es auch mehr, ich weiß es nicht.
Die Fragestellung, wie soll ich mit der Angst umgehen… Ich wünschte, und das teilte ich ihm auch mit, mich dann jedes Mal an den Zeichenblock setzen zu können und ohne nachzudenken vor mich hin zu kritzeln. Intuitiv das Unterbewusstsein seine Sprache finden lassen… ABER…

Er wiederum meinte, ich könne die „Bilder“, die ich nicht zeichnen oder malen kann, weil die Hände gelähmt sind, auch im Tagebuch mit Worten entstehen lassen.

Hoffnung?
Meine Augen verdrehen sich, machen einen Knoten. Ich habe ganz seltsame Schmerzen, ein seltsames Gefühl. Nicht unbedingt im Gedärm, aber darüber, und unterhalb vom Magen. Es brennt, es drückt und breitet sich nach rechts aus, in Brust und schlussendlich Oberarm. Die Augen verdrehen sich, kein Licht an und ich könnte unverzüglich einschlafen. Die Reste vom Tee trinken.
Nahtlos an das Gespräch Sebastian zu mir ins Wohnzimmer zitiert, gebeten, ihn angefleht, mit lediglich einer Bitte: „Bitte!! Halte mich einfach für einen Moment ganz fest!!!“.

Da sehe ich mich als Kind in einer Erinnerung, es sieht aus wie eine Bildspur im Videoprogramm, aber die Untertitel verändern sich plötzlich…

Im Wachzustand zu träumen beginnen. Jedes Mal, wenn sich meine Augen beim Blinzeln länger schließen als gewollt, und selbst dann, wenn ich verzweifelt versuche sie aufzuhalten. Ich bin fertig. Fertig mit diesem Tag. Fertig mit der „Scheiße“? Morgen alles anders machen? Es zumindest versuchen? Und tatsächlich Urlaub vom Bild nehmen?

Mich verunsichert fühlen und irgendwie bekomme ich gerade einen Schweißausbruch. Doch darüber nachzudenken, tritt die nächste Angstlawine los…

Mir selbst einreden, in mich hinein sprechen: „Inneres Kind, ich nehme deine Ängste wahr. Ich habe dieselben Ängste. Aber gemeinsam ist man standhafter, dem Paniksturm ausgesetzt, als allein dagegen anzukämpfen oder schlimmstenfalls aufzugeben!! Ich möchte versuchen, dich zu verstehen! Ich möchte für dich die Erwachsene sein. Keine Schlampe, wie auch du keine Nutte sein kannst! Dich schützen…“.

Rumpelstilzchen sagt, das sei alles esoterische Kacke! Aber angestrengt versuchen, nicht darüber nachzudenken. Nicht jetzt, nicht mehr heute… Für heute war es eindeutig genug. Ich kann und ich will nicht mehr, und draußen beginnt es zu regnen…

Alles ist in Ordnung. Die Welt geht nicht unter. Alle leben. Keiner tut mir etwas an. Das Kind sicher in der Höhle. Am warmen Lagerfeuer, zusammen mit den Pferden. Während draußen der Regen stärker und stärker wird… Will nur noch aufs Sofa, etwas essen und Sebastians Hand halten.

2013-06-29-schnappschuss

15. Mai 2018, Dienstag

08:24
59,1kg um 6:45.
Regen. Regen und latent-dezent ein Harndrang. Kein Insektenflug; die feinen Herrschaften dinieren im Restaurant, auch wenn ab und an Tischmanieren zu wünschen übrig lassen.
Ich..? Bin immer noch „gut bedient“, angenehm berauscht, regelrecht voll oder sagen wir gleich: stoned. Was für die Arbeit aber schlechte Karten bedeutet. Also gut, dass es regnet. Den Tee leeren, Kissen besorgen und dann kann ich bestenfalls zumindest vom Endprodukt träumen.

Musste mit dem Rollstuhl vom Schlafzimmer abgeholt werden… Da drängt sich mir plötzlich ein falscher Gedanke auf!!!… Der erste Anflug von Panik.

[……]

Die Strafe folgt auf dem Fuß: Blasenkrampf! Wo ich doch GERADE heute eine kleine Einlage gewählt und die Matte in die Wäsche verbannt habe… WAS FÜR EIN ZUFALL!!!…

Versuchen, zu schlafen…

17:08
Ich möchte, ich will, ich werde und ich muss mich abschießen, mir schaden. 3 Stunden Sitzung. Am Ende das Gefühl, es wäre ohnehin nichts gewiss und das dringende Bedürfnis, mich während des Gesprächs aufzuschlitzen.
Das meinem Therapeuten mitgeteilt und betont, er solle es nicht als Druckmittel verstehen, geschweige denn als Machtdemonstration. Sondern einfach nur als Arbeitsmaterial, Information darüber, was das alles gerade mit mir anstellt. Die Tablettendose liegt jetzt neben mir, auch das Fläschchen mit dem Tramadol. In der Halswirbelsäule, rechts am Schädelansatz eine Blockade. Und beinahe wie ein Witz: Die Sonne kommt jetzt raus!. Als mache sie sich über mich lustig oder müsse nachsehen, in welchem Pensum ich heute wieder versagt habe. Denn nichts und wieder nichts geleistet. Den ganzen Vormittag geschlafen und den ganzen Nachmittag Psychoanalyse. Der Tag ist vergeudet, verschwendet, Müll. Ich lerne nichts daraus. Die nächsten zwei Temesta; weil eine längst zu wenig ist. Die Sonne wird immer kräftiger und ich fühle mich regelrecht verarscht. Wie schon so oft beschrieben in den zurückliegenden Jahren, löst dieses Wetter in mir schreckliche Unruhe aus. Tabletten und Tropfen eingeworfen. Warten und hoffen. Um mich zu verletzen, ist es zu spät. Bzw. muss ich Sebastian erst wieder sicher oben in seinem Zimmer wissen, aber jetzt im Augenblick kann ich nicht vorhersehen, wann er hinten zur Eingangstür hereinspaziert kommt. Meine Rechte klimpert. Die weibliche Kohlmeise mit ihrem blutigen Gespür am Auge gefilmt. Sieht immer unappetitlicher aus. Ich habe, ich bekomme Kopfschmerzen. Während des Gesprächs die restliche Schokolade gefressen. Mindestens zwei Rippen. Mich schuldig fühlen. Nicht gemalt. Mich noch schlechter fühlen. Und eigentlich will ich wieder nur schlafen, schlafen, schlafen. Den Rausch aus meinem Körper schlafen. Kann nicht stehen, mir ist zu schwindelig. Das Gehen nicht mehr als ein mühseliges Schlurfen. Und da die Hände so oder so nicht funktionieren, bleibt mir nicht mehr übrig als Glotze oder Videoschnitt…

20:07
Mich wieder finden in einer völligen Bewegungslosigkeit. Lediglich diverse Extremitäten krümmen sich unwillkürlich unter Schmerzen. Zubetoniert. Das Notebook ließ sich kaum aufklappen. Die Sicht trotz Brille völlig verschwommen. In mir dennoch ein entscheidender Satz: „Es ist nicht genug! Es reicht noch lange nicht!“.
Nach dem Abendessen noch Tramal obendrauf. Fertig ist der Zombie. Die Augen verdrehen sich. Das könnte doch so schön sein… Aber zu allem Überfluss griff ich noch zur nagelneuen Rasierklinge. Erst 26 Schnitte lange bluten lassen. Ich hörte ihn hinten im Flur und hoffte nur, er würde das Wohnzimmer nicht betreten. Auf meinem Schoß soeben das mit Blut getränkte alte Handtuch aus Gasthauszeiten. In der nächsten Reihe ritzte ich mir… „BITTE HELFT UNS!!“. Wieder an die 20 Schnitte. Um abschließend in der dritten Reihe und kreuz und quer über die anderen Wunden hinweg nochmals mindestens 20 Schnitte zu hinterlassen.

Mein rechtes Bein beginnt zu krampfen. Ich sehe so gut wie nichts mehr. Alles an und in mir schreit nach einem heftigen Schlag, etwas Gewaltiges, das mich, meinen Körper bis auf Mark und Bein erschüttern könnte… Den Schmerz nicht aushalten. Tablettendose, ehe ich eine andere Strategie in Betracht ziehe. 2,6 mg Morphium. Von der Statistik her ein sehr hochwirksames Präparat. Mir wird schlecht. Ich sehe nach draußen, aber nichts mehr ergibt Sinn!…

14. Mai 2018, Montag „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff!“

10:17
59,2 um 6:45. Regenprasseln, im Graben hört man Holz bersten. Die Volkshilfe kommt um 13:00 und meine Hand nach 90 Minuten, 1281 Stunden durch, der Inbegriff einer Parese, gelähmt, nicht mehr als ein kalter, nasser Waschlappen. Kann nicht tippen…

Mit Aussicht auf den Tag… Was stelle ich an?

17:54
Atemlos… 26 Schnitte in der Lederhaut hinterlassen. Die Rechte voll mit Blut. Auch der Ärmel, der weiße Ärmel vom Kleid hat etwas abbekommen.

Unverzüglich während dem Mittagessen in etwa 30 Tropfen Psychopax in den Mund träufeln lassen. Die Wirkung kam schnell, fühlte sich kurz gut an, aber hinterließ nicht mehr als Schwindel und erschwerte die Koordination meiner Beine.
Ich hing vor der Glotze, viel zu lange. Thema: ein pädophiler Patient bei seinem Psychiater, der dann mit Tablettenüberdosis zusammenbricht, seine letzten Worte stammelnd: „Ich wollte nicht alleine sterben…“, Und im zweiten Handlungsstrang eine Frau, die ihren Mann verloren hat.

Während der Rest davon noch lief, den Rollstuhl in Sichtweite der Mattscheibe gefahren, das besudelte Handtuch auf den Schoß und erst alle Rasierklingen durchprobiert, die da so lose in der Dose herum fliegen. Erst dann entschloss ich mich für ein nagelneues Werkzeug. Aber die Hand zuvor mit heißem Wasser verbrüht zu haben, hatte keinerlei Effekt mehr.

[……]

Markus sprach gestern davon, dass früher oder später eine Konfrontation stattfinden müsse.
Ich sprach hingegen davon, die nächste Überdosis zu schlucken und mir zuvor mit der Rasierklinge entweder auf den Unterarm oder gleich über die Brüste verteilt eine Botschaft einzuritzen: „SEHT IHR ES NICHT??!!“. Als würde dann von außen der glorreiche Retter in Erscheinung treten, der endlich für mich das ausspricht, was ich nicht sagen darf!…
Wie pubertär von mir…

Und was schlucke ich jetzt noch? Geht es darum, dass es mir nicht gut gehen darf? Um Markus beweisen zu können, wie bekloppt ich bin? Eine Art Bestrafung für was? In realistischer Vorschau auf das, was nicht mehr allzu lange wird auf sich warten lassen?… Die 90 Minuten Malen -heute was für ein SCHEISS!! Es geht nicht mehr lange gut! Das geht schon ZU lange so schlecht! Permanent, möchte man beinahe meinen. Macht mir das Angst? Oder mehr triftige Gründe, das wertlose Dasein über die Klinge springen zu lassen? Egal, was ich Sebastian damit antue…?

Der Griff geht zur blauen Tablettendose, es wird 18:24, ich bin immer noch allein. In dem bunten Wirrwarr nach den kleinen weißen Tabletten Ausschau. Jene mit dem Aufdruck „1,0“. Ich schlucke gleich zwei. Dabei weiß ich nicht einmal, ob ich die regulären Abendtabletten bereits eingenommen habe. Wenn nicht, wird das eben der nächste Abend ohne Gilenya. So viele schöne glänzende Kapseln… Und dahinter verheißungsvoll ein mögliches Ende.
Bin ich depressiv?

Was ich definitiv nicht unterschlagen sollte, ist folgende Tatsache. Die Dame von der Volkshilfe war schon lange nicht mehr hier. Auch ist sie schon verdammt lange in diesem Beruf unterwegs. Also kam ich nicht umhin, sie zu fragen, wie oft es schon vorgekommen sei, dass sie bei ihren Klienten die Rettung rufen mussten. Häufig, hat sie gesagt. Ich trieb es an die Spitze: „Auch zu solchen Situationen, dass einer von ihnen verstarb oder bereits tot war, als ihr kamt?“.
„Auch das ist schon vorgekommen. Mir aber zum Glück noch nicht passiert!“. Wären die Damen die richtige „Adresse“ für den nächsten Suizidversuch? Und nicht Sebastian, der nach Hause kommt und mich da auch noch liegen sieht…

Tut mir leid, wirklich… Selbst wenn mir das jetzt kaum einer mehr glauben wird.

Und VERDAMMT!! Beim Ritzen hielt ich doch tatsächlich bei jedem einzelnen Schnitt die Luft an und biss mit den Zähnen zusammen…

DU FEIGE SAU!!!

21:12
Eine körperliche Sensation nach der andren, abschließend bestialische Spasmen… 20 Topfen Tramadol, 2,6mg Morphin, 2mg Morphin retard… und noch was?
Zugekleistert, hat wieder begonnen zu regnen. Nur hartgesottene Grillen gründen das Streichorchester auf der absaufenden Titanic….

In den Rollstuhl plumpsen. Ich bin breit…

13. Mai 2018, „Auch NUR ein weiterer Sonntag…“

11:03
…abends eingeleitet durch heftige Beklemmungszustände und dem dringlichen Wunsch, mich auszulöschen. Mit Lähmung in den Händen an der Leinwand gut in den Tag starten…

14:44
Es vergehen Minuten, ehe das Notebook einsatzbereit ist. Dennoch streitet Sebastian ab, dass diese sauteure Kiste lahmarschig geworden sei. Mir bleiben gerade noch 10 Minuten.
Er war bei meinen Eltern, hat von meiner Mutter Essen geholt. Mein Mittagessen: ein halber Joghurt und ein Apfel. […..]

Den Tag bis jetzt recht gut überstanden. Es aber bis dato unterlassen, Sebastian Fragen zu stellen. Wie wiederum meine Mutter reagiert hat und derlei heikle Themen, die in mir eine Katastrophe auslösen können. Dennoch schon den ganzen Tag die Idee vor mir her schieben, zumindest Temesta einzuwerfen. Auch wenn die letzten Male eigentlich immer zur Folge hatten, mich am Tag drauf noch beschissener zu fühlen, noch weniger bewegen zu können, allein deswegen eine Krise durchstehen zu müssen und unterm Strich wie gewohnt durchzudrehen. Von der Panik mal ganz ausgenommen…
Ein wunderschöner Tag. Im Vergleich zu gestern kaum Wölkchen; diese wiederum hatten ohnehin für Regen gesprochen. Mit dem Pilzmittel scheinbar auch den nächsten kleinen Teufel behandelt; die Blase schweigt.

Oder reibt sich Rumpelstilzchen nun wieder die Hände, weil ihm ein neues Werkzeug geliefert zu haben, mit dem er mich foltern kann?
Der Hypochonder in mir ist erneut auf der Suche nach Antworten. Der zuletzt erst als Steroidakne stigmatisierte Verzierung meiner Visage, von Hals, Ausschnitt und Rücken, heute einen neuen Namen gegeben… Vielleicht vertrage ich die Sonnencreme nicht?

Schon ist meine Zeit um… Zum Tablet greifen.

20:36
1mg Temesta. Nicht viel spüren. Oder doch die Ruhe, die mit Ende meiner Videoarbeiten obsolet sein wird. Panik keimt bereits jetzt, wenn ich ihn um 9 oben anrufen soll…

12. Mai 2018, Samstag

13:27
59,1 Kilo um 8:30 Uhr. Schweißgebadet, mit Herzrasen um 4:45 Uhr erwacht. Der Traum…

[…..]

Um dann schweißgebadet im Bett aufzuwachen; ich lag immer noch in exakt derselben Stellung wie vor nicht ganz 5 Stunden zuvor von Sebastian dort hingelegt. Ich bewege mich wirklich nicht, keinen Zentimeter. Mein Herz raste, wie wild hetzten die Gedanken durch meinen Schädel. Das Diktiergerät nicht zur Hand.

Hatte ich nicht erst gestern überlegt, es neben dem Bett zu lassen? Hatte ich nicht ernsthaft kurz vor dem Einschlafen gedacht: Bitte nicht schon wieder ein Schuldraum?!

Ich wühlte eine Ewigkeit in den Schubladen meines Nachtkästchens, auf der Suche nach irgendeinem Schreibutensil. Ich traute mir selbst nicht, ich würde alles vergessen, sobald ich wieder eingeschlafen wäre. Schlussendlich fand ich Buntstift und Bleistift; die Klebezettel waren leichter aufzufinden. Und ich notierte und notierte…

Wieder einzuschlafen, erschien mir unmöglich. Aber es geschah. Ich träumte davon in einer neuartigen Wohnsiedlung in Unterhenndorf zu leben, in direkter Nachbarschaft mit Christof Spörk. Und anderen, unbekannten Gesichtern. Vor den Häusern standen Bänke und Tische auf der Straße, da trafen sich die neuen Nachbarn. Beim Spaziergang begegnete uns ein älteres Pärchen und sie fragten, ob wir Christof schon kennengelernt hätten. Da berichtete ich stolz, dass drei meiner Bilder bei ihm im Musikzimmer hängen würden; also ja, wir kannten ihn schon länger. Die alte Dame begann plötzlich zu weinen. „Waren es diese Selbstportraits?“. Ich nickte. Sie brach zusammen und ihr Mann musste sie hinausführen. Also hatte sie definitiv die „richtigen Bilder“ bei ihm gesehen.
Meine Mutter hatte sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit Manuela (Birgits Schwester) deren Tante zu pflegen. Manuela war ständig bei mir, um sich Pflegegeräte auszuleihen. Zum Beispiel fürs Umlagern. Sebastian und ich gingen laufen. Ich konnte LAUFEN!!! Und wieder war ich heilfroh, es nie aufgegeben zu haben!!! Wir rannten den steilen Berg beim Funkturm runter, um dann auf der Wiese rechts das Pflegebett mit der Tante, Manuela und meine Mutter zu erblicken. Den beiden war die schwere Tante gerade aus den Händen gerutscht, auf dem Boden gelandet und hatte sich scheinbar den Kopf schwer gestoßen. Da sagte meine Mutter, das würde so nicht weitergehen, Manuela könne das niemals alleine schaffen, sie solle die Tante in ein Pflegeheim geben. Wir hielten für einen Augenblick, sahen bemitleidend zu ihnen hinüber, zuckten mit der Schulter, ich sagte wohl noch, nicht jeder könne so einen tollen Mann haben wie ich, kam mir danach zwar etwas schäbig vor, wir rannten dennoch weiter. Rannten am Gasthaus vorbei. Und ich überlegte mir bereits ganz neue Laufstrecken auszuprobieren. Das nächste Mal den steilen Schweizerberg erklimmen…

Es ist 14:51. Der Akku hat mich längst verlassen und ich stehe im Carport, das Notebook auf dem Schoß. Hinter lauter Gartenmöbeln und Müll den alten Rollator entdeckt. Den könnte er mir eigentlich draußen hinstellen; das wäre eine Einladung für mich, wenn ich draußen bin, mich ein wenig zu bewegen. Der Himmel hängt voller Wolken, vor 2 Stunden schon donnerte es dezent. Die Träume erschienen mir so unglaublich wichtig. Nun, da sie festgehalten wurden, verliert alles seinen Glanz.
Unten bei den Nachbarn war bis zuvor ein Rasenmäher zu hören. Sie sind endlich da! Aber anstatt kurz hinunter zu fahren, hallo zu sagen, nachzufragen, ob alles in Ordnung sei, erst recht nach all den Sorgen, die man sich gemacht hat, bleibe ich hier stehen. Wir waren gleich nach dem Aufstehen in Fürstenfeld, frühstückten in der Stadt und fuhren dann einkaufen. Nach Mittag wieder zurück von der Hitze neuropathische Schmerzen im linken Arm, in der Hand.

Ein riesiger Schreck! Plötzlich, ohne etwas gehört zu haben, steht Sebastian vor mir!! Er nicht minder aus den Socken wie ich, hat mich ebenfalls nicht vernommen und schon gar nicht mit mir im Carport gerechnet.
Bevor ich wieder hinaus fuhr, hatte er mich noch mit Sonnencreme eingeschmiert. Auch die Unterarme. Der linke Unterarm sieht mittlerweile aus, als gehöre er einem Brandopfer. Erst recht wenn er so fettig glänzt.
Ich habe die vermeintliche Borderlinerin damals in der psychosomatischen Klinik für ihre riesengroßen Narben beneidet? Weil DAS RICHTIGE Schnitte waren???
Mein linker Arm sieht erschreckend aus. Da ist der Rechte noch heilig, auf dem man vereinzelte Narben ausmachen kann. Dazwischen gibt es noch unbeschädigte Haut… Aber links, links ist alles zerstört, und das tausende und abertausende Male. Faule Ausrede, deswegen nicht nachzusehen, ob es Emma und Rudi gut geht. Vor allem Rudi… Der sah letztes Jahr schon sehr schlecht aus, mit all seinen Herzproblemen und dazu noch so depressiv. Doch da sind noch jede Menge Striche aus Schorf vom letzten Schlachtfest, ganz zu schweigen von den rosaroten Linien, eine Schicht tiefer, darunter, vom vorletzten oder vorvorletzten Mal. Und dann wären da die vier neugierigen, aber dann schlussendlich doch zu unmotivierten Kratzer über der Handbeuge.
Meine Füße schlafen auf den Stützen ein. Er hat mir den Rollator aus dem ganzen Krempel geborgen und vor die Nase geparkt. Sollte ein paar Schritte gehen…

21:31
Nun, nach der über 2,5h dauernden Sitzung das Gefühl, zwecks morgen zu kotzen oder die Angscheißerei zu kriegen…