19. Januar 2019, Samstag

11:58
59,5 oder 59,4 Kilo um 9:15 Uhr? Das kann mir doch nicht ernsthaft egal sein? Aber Fakt ist: Ich habe es mir nicht gemerkt. Gleich wenige Sekunden nach Blick auf das Waagendisplay, bei Verlassen des Badezimmers… Gelöscht! Weg!
Grauer Himmel und Meisen am Restaurant. Januarwetter. Die Welt sieht dreckig aus. Der Schmerz der Schulter breitet sich immer weiter in den Arm aus. Was ist gut? Warm oder kalt; ich komme nicht dahinter. Zumal ich noch vor wenigen Minuten postulierte, mich heute definitiv nicht auf den Rollstuhl zu setzen, bin ich schlussendlich doch wieder dort gelandet. Weil es keine Alternativen gibt! Kopfschmerzen. Die erste Messung ergab 36,6 °C. Dann fühlte sich mein Gesicht, Nasen- und Wangenpartie wieder so kränklich warm an. „Das bilde ich mir doch nicht ein! Zumal ich mich total erschlagen und kaputt fühle!“. Nun waren es 37,4. Was sind das für Spielchen?

Vergiss nicht, was du gestern konsumiert hast…

Doktor Ratio meldet sich zum Dienst. Ach so viel war das nicht, erst recht nichts Unplanmäßiges. Lauwarmen Darmschmeichler durch den Strohhalm saugen. „Geriatrie at it’s best!“.
Die letzte Aufnahme von vor ein paar Tagen, gestern erst geöffnet, ist Schrott. Der Ton unbrauchbar. Keine Ahnung, was ich da immer falsch einstelle, was ich VERstelle. Aber mit zu erwartender Wahrscheinlichkeit hält die Kamera mein Geschwafel ebenfalls nicht mehr aus. Meine Hände klimpern, während sich die Sonne bemüßigt, einen verschwommenen Blick auf mich zu werfen. Hoffentlich hat sie ebenfalls bald die Schnauze voll und verabschiedet sich wieder.
Es ging sehr spät ins Bett, erst irgendwann vor 2:00 Uhr. Er hatte mir gleich angeboten, im Wohnzimmer zu bleiben, aber ich wollte nicht alleine sein. Um es wenige Minuten später bitter bereuen zu dürfen. Nachts noch ein Interview mit der Autorin des Buches gesehen, ein weiteres. Indem sie von ihrer Spiritualität spricht und, mehr oder minder, das Übel der Welt an Atheismus und fehlendem Glauben festmacht. Und dass jeder Mensch, egal, welches Schicksal ihn ereilt, für sich selbst zuständig ist. Schon hatte sie ihren Kredit, den sie erst jüngst eingeheimst hatte, bei mir wieder verloren. Es geht ja nicht um mich, um mein Selbstmitleid, aber wenn ich mir die Bandbreite an Störungsbildern ansehe, und man würde diesen Patienten/Menschen so einen Satz an den Kopf knallen, müsste man hastig Zwangsjacken verteilen, um keinen Massenselbstmord auszulösen. Man kann und darf nicht Menschen über einen Kamm scheren!
Nachts dann las ich die letzten Seiten ihres Buches. Nach all den Schicksalsschlägen bekam die jüngste Tochter noch einen schweren Augenkrebs, und nach Entfernung des Augapfels und langer Chemotherapie, als es der Kleinen endlich wieder etwas besser ging und man in Urlaub fliegen wollte, erhielt der Ehemann seinerseits eine Krebsdiagnose.

Ich sehe ihre „vermeintliche Stärke“, von der sie so überzeugt ist, die sie vor sich her schiebt, eher als Symptom. Denn sie muss sich das einreden, sich daran festklammern, dass „SIE über alles die Kontrolle hat, ALLES mit ihrer Einstellung beeinflusst“, sonst wäre sie wohl schon längst wahnsinnig geworden. Weil der Eindruck, VÖLLIG AUSGELIEFERT ZU SEIN, sie wohl aufgefressen hätte.
Eine versöhnliche Sichtweise für mich?

Sebastian schnarchte so unglaublich laut, wie immer, wenn er ein oder zwei Glas Bier getrunken hatte. Und es war 3:00 Uhr, als ich ihn weckte und dann doch bat, auf der Couch zu übernachten. Ich war noch wach bis wahrscheinlich 4. Umso schwerer fiel es mir, ihn bereits um 9 darum zu bitten, mich aus dem Bett zu zerren. So geschlaucht, so fertig, so müde. Aber den Gedanken, erneut erst zu Mittag aus dem Schlafzimmer zu kriechen und den halben Tag zu vergeuden, UNERTRÄGLICH!
Als ob ich BIS JETZT IRGENDETWAS geleistet hätte!!! Außer vielleicht völlig starr hier zu hocken und mir ausmalen zu dürfen, danach noch mehr Schmerzen zu haben, noch mehr Verspannungen. Mein linker Arm lässt sich, ganz abgesehen davon, dass ich es aus eigener Kraft überhaupt nicht mehr kann, nicht mehr ganz nach oben strecken. Alles verkürzt, alles verkommen, alles kaputt. Genauso entsetzlich die auch erst gestern entdeckte Aufnahme vom Versuch, eben beide Arme in die Luft zu strecken. Ohne Hilfe. Heillos überfordert und hilflos.
Das Gefühl in meinem Gesicht, es wird immer wärmer und wärmer und heißer und heißer und die Nase vermeintlich verstopft. Und da findet er nichts? Kann das ernsthaft sein?!

DU BIST WIE DEINE MUTTER!!!
DU MUSST IHR ALLES NACHMACHEN!!!

Vor mir das Stativ mit der Kamera. Sie läuft umsonst. Seit Minuten schon. Keine Ahnung, wo sich meine Gäste herumtreiben. Ich hätte wohl nach Auftauchen der Schwanzmeisen und einem kurzen Gastspiel die Aufnahme stoppen sollen…

Warum diktiere ich das? Weil mein Leben so leer ist und es sonst nichts gibt? Weil ich eine Rechtfertigung dafür brauche, weiterhin in dieser „fragwürdig bequemen Position“ zu verharren, wie ein sprechender Zombie?

13:02
Vor dem Waschbecken in die Knie gezwungen werden, in die Knie gehen, während mein Hirn mit signalrotem Schmerz um Hilfe schreit, in Salzwasser absaufend…
Zähne geputzt. Alles hin. Jetzt erst recht. Null und nichtig die noch vorhandene Kraft in meiner Rechten. Das Gefühl in meinem Gesicht, in meinem Schädel wird immer heißer. Keuchen wie nach einem übermenschlichen Kraftakt.
Aber die Finger klimpern schon wieder. Zumindest in Gedanken… Und zu allem Übel knallt nun auch noch die Sonne vom Himmel. Das lässt sie sich nicht entgehen, das muss sie sich ansehen…

Vielleicht noch ein paar Worte zur Sitzung gestern. Ich fühlte mich schlecht, ich fühlte mich schuldig, titulierte mich als „Verräter“ und „hinterfotzig“. Weil ich danach Sebastian gegenüber monierte, dass wiederum ich den Eindruck hatte, „sie unterhalten zu müssen“, „etwas LIEFERN zu müssen“. Noch immer nicht durchschaut, um was für eine seltsame Therapieschule es sich da handelt, die sie praktiziert. Und es tut mir leid, aber die Lautäußerungen und unterschiedlichen Gesichtsausdrücke zu irgendwelchen Geschichten oder Schmerzbekundung meinerseits waren VÖLLIG überzogen. Aufgesetzt. Unterrichtsfach „Schauspiel“: Durchgefallen!
Ich redete und redete und redete, von ihr kam nichts. Nach einer halben Stunde hatte ich meinen Text abgespult. „Tja… Und nun?“. Und wenn ich schwieg, schwieg sie auch. Ich… Ach, keine Ahnung…
Diesen letzten Satz bemühte ich in den 50 Minuten gestern mehrmals. Weil ich nicht weiter wusste und von ihr nichts kam. Schwer seufzen… Vermutlich ist es meine Schuld, ich bin das Problem…

19:02
Nachmittags, kurz ging es mir besser. Schon hegte ich eine weitere These: „Und was ist, wenn es ständig mit dem Essen zusammenhängt? Ich da etwas nicht vertrage?“. Gut, dass es das Internet gibt. „Doktor Google hört immer zu und weiß auf alles eine Antwort“!…
Er wollte zum Einkaufen, und mich dabei haben. Wagemutig wählte ich den Rollator. So einigermaßen… 30 Minuten. Lediglich die Kälte ließ mich erstarren, oder wenn ich unter Stress gesetzt wurde: „Bianca! Geh zur Seite, hinter dir will jemand vorbei!“. Die berühmte Salzsäule von Henndorf…

Und was ist mit JETZT? Zurück ins Dilemma. Ist es der Tee? Oder vielleicht die Milch darin? Mein Schädel scheint wieder zu glühen. Aber eben auch die Rückenschmerzen erneut am Zug. Erneut ein großes Hydal. Die Hände klimpern. Meine Schrottkiste will sich hinlegen, aber ich DARF nicht! Ich muss doch weiter kommen, vorankommen…
Wage kaum, es auszusprechen… Das kleine „TENS-Gerät“ scheint mit einigen Anwendungen Herrn und Frau Ischias befriedet zu haben.
Oder der Umstand, das Zwischenkissen entfernt zu haben und nun nur noch auf dem orthopädischen Sitz zu thronen.
Aber am Rücken bewirkt es nichts. Außerdem haften die Elektroden nicht mehr.

Ich hätte, ich wollte, ich sollte, ich müsste…
Vergessen, was ich für diese eine Aufnahme geplant hatte. Die Videospur trägt den Namen „Comic“. Aber was genau? Wollte ich tatsächlich extra dafür etwas zeichnen und dann animieren?

Ich lach mich tot!!!

Schön wär’s…

FICK DICH, DU KRÜPPEL!!!

Oder sollte und wollte ich aus Fotos und Bildern etwas basteln? Ich weiß es nicht mehr. Und hatte ihn genötigt, WIEDER EINMAL meine ganzen Fotoalben heranzuschaffen, dazu den Scanner/Drucker abzubauen und neben mir auf meinen Rollcontainer zu stellen. Ich scheitere doch bereits am Gedanken, eines der Alben in die Hand zu nehmen, umzublättern!

Versager!!!…
Außerdem interessiert NIEMANDEN dein SCHEISS, dein GESÜLZE!!!

Und dann, wie nach einem Stromstoß, einem plötzlichen Blitzschlag, denke ich an meine Mutter, an mein Verhalten und es tut mir leid. Ich fühle mich schlecht. Ich BIN schuldig.
Die Hände klimpern…
Darauf bauen, dass das Schmerzmittel alsbald ansetzt, und mich der Tonspur wird man, die mit Bildmaterial verziert werden will…

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18. Januar 2019, Freitag

21:06
59,2 Kilo um 9:15 Uhr.
Ich bin… Binnen 20 Sekunden vergessen, was ich sagen wollte. Die Schmerzmittel…?
Da die Tropfvorrichtung vom Novalgin nicht funktionieren wollte, diese einfach entfernt. Um zuvor eine undefinierbare Menge dieses Schmerzmittels geschluckt zu haben. Der Schmerz hörte nicht auf. 15 Tropfen Tramal. Der Schmerz hörte nicht auf. Und da sich in meiner Tablettendose keine kleinere Dosierung mehr befand, obendrauf noch 2,6 mg Hydal.
Ich bin allein und WILL VERDAMMT NOCH MAL IN RUHE AN MEINEM VIDEO ARBEITEN!!! Aber der Schmerz raubt mir den Atem. Augenblicklich senkt sich Watte auf mein Haupt, aber noch nicht auf meinen Rücken. Noch zu erwarten die nächste dadurch ausgelöste Panikattacke.
Der Schmerz weitet sich aus in den linken Arm hinein. Bestrafung für meinen Umgang damit? Wunderschön, das Schnittmuster. Und ich möchte es den entscheidenden Personen direkt vors Gesicht halten, präsentieren, schreien: „VERDAMMT! SCHAUT HIN! WAS GLAUBT IHR, WARUM ICH DAS MACHE??!!!“.

17. Januar 2019, Donnerstag

17:40
Nur eine Momentaufnahme? Nur eine Momentaufnahme…
Die Schmerzen kochen über, legen mich lahm… Ist das denn zu viel verlangt, in Ruhe durcharbeiten zu wollen? Körper, ich hasse dich! Du hasst mich auch.
Ich kann…

NICHTS UND WIEDER NICHTS!!!

Ich sollte…

DICH ENDLICH UMBRINGEN!!!

Den Text nach oben gescrollt, damit er die letzten Zeilen nicht sieht, als er hinter mir steht und mich dick Schmerzsalbe und Diana-Balsam einkleistert. Er saß noch auf dem Sofa und ich habe sie per Hand eingegeben.
Die Schmerzen nehmen überhand. Ich will doch nur… Ist das denn zu viel verlangt… Nur ein bisschen… Das ist nicht fair!

59,1 Kilo, heute um 9:15 Uhr. Verdammt! Was mache ich denn schon den ganzen Tag??! Ich kann jetzt nicht sagen, was ich geleistet habe! Weil ich vergessen habe, was ich gemacht habe! Alles, was ich noch weiß, ist, dass mir die Unterhaltung heute mit der armen Ramida zu viel war, ich mit heftigem Klimpern nicht fertig wurde, ständig musste ich schlucken, schwer schlucken, alles in mir hat sich zerrissen… Und sie war doch so „glücklich“, freute sich, mir das erzählen zu können, UND ICH BIN SO SCHLECHT!!!
Nur so viel: Heute Nacht in meinem Traum war es gerade meine Mutter, die MIR erklären wollte, wie es sich mit der Causa Trauma verhält, und (ihrer Meinung nach) so gut wie Nie mit sexuellem Missbrauch ausgelöst wird/einhergeht! Ich unterhielt mich mit einer Wand… Den ganzen Rest habe ich vergessen, wie ich alles vergesse. Das soll an der DIS liegen?! Wenn überhaupt, liegt es vielleicht noch bruchstückhaft an den ganzen Schmerzmitteln; der Rest des Ausfalls geht ganz allein auf mein Konto! ICH VERBLÖDE!!! ICH BIN SAUDUMM!!! ICH WERDE DEMENT!!!

Da bricht doch tatsächlich meine Stimme und meine Augen werden ganz heiß und feucht… Wie oft habe ich heute den Gedanken weggeschoben, unverzüglich Selbstmord zu begehen?
Es war ein Frühlingstag, Frühlingswetter. Und als hätte ich sonst keine Probleme, gleich wieder rein ins nächste Dilemma: draußen sein und drinnen nichts schaffen oder drinnen sein und draußen was verpassen????

Ramida stand im Flur. Hat sie was gesehen? Oder habe ich mich mich mit meinem fetten Körper perfekt positioniert, um ihren Blick auf meinen Arm zu blockieren? Es war ja nicht geplant, dass sie genau dann im Flur vor der offenen Badezimmertür anfängt zu saugen, und ständig zu mir hereinschaut…
Ein riesengroßer Blutfleck auf dem Strumpfverband. Abgerissen, Wunden wieder aufgerissen.

MIKROSKOPISCH!!!
DU ÜBERTREIBST SCHON WIEDER MASSLOS!!!
EIN KINDERGARTENKIND KANN ES BESSER!!!

Wunderschön dunkelrosa die einzelnen Schnitte. Die beiden Tiefsten beginnen sich an den Rändern bläulich zu verfärben. In der einen Stunde, die mir definitiv noch alleine blieb, wieder und wieder und wieder den Wunsch vertröstet, mich noch einmal aufzuschlitzen.
Ramida meinte: „Heute siehst du viel besser aus, gesünder als letztes Mal!“.
Hatte ich nicht selbst „vorlaut die Äußerung getätigt“, morgens vor dem Badezimmerspiegel, ich sei heute ganz schön bleich, blass?

Mir war abends schlecht, speiübel. Wie anmaßend zu glauben, die latente Anämie hätte sich gemeldet…

VON DEM BISSCHEN BLUT??!!

Kann meine Finger nicht strecken… Es macht mich nicht nur nervös, langfristig betrachtet jagt es mir eine Todesangst ein… Weil es ein Todesgrund wäre…

Wann hast du letztes Mal gemalt?“, Ramida in ihrem gebrochenen Deutsch bei Betrachten meiner Leinwand, vermutlich erst recht wegen des ganzen Krempels, der sich darauf angesammelt hat. Und meine eigenen Worte wie ein tödlicher Hieb auf den Hinterkopf: „Schon lange nicht mehr… Wird wohl tatsächlich die letzte Leinwand…“. Oder genauer formuliert: IST es bereits?…
Zu Sebastian: „Bitte, nimm mir das nicht übel, aber wie soll mein Dasein denn weitergehen? Glaubst du, ich finde den Gedanken erquickend, alsbald nur noch unbeweglich mit dem Rollstuhl herumzufahren und aktiv GAR NICHTS MEHR MACHEN ZU KÖNNEN???!!“. NUR existieren wegen ihm, für ihn?…

Eine volle Dosis Tramal. 2,6 mg Hydal. Und ganz kurz, für ein winziges Zeitfenster, traten die Schmerzen in den Hintergrund. Aber nun? Noch mehr schlucken?

22:05
Gerade eben beim Abendessen fiel es mir ein. Kam mir in den Sinn, was das Gespräch mit ihr so… schwierig für mich gemacht hat. Sie erzählte mir von meinem alten Laufband, dass sie mit/auf diesem jüngst den ersten Halbmarathon gerannt sei. Und dass es dann zu stinken begonnen hatte; also eigentlich wollte sie von mir wieder Ratschläge, wie so oft, insofern brauche ich mich gar nicht als Opfer in Szene zu setzen, ich halte dann doch selbst nicht mit meinem vermeintlichen Wissen hinterm Berg…

Aber dieser Tag… Ich weiß ganz genau, nach Winter und blauen Händen und Füßen, hätte ich heute zum ersten Mal ganz kurze Hosen getragen, und mein Dachschaden hätte einen grandiosen Lauf zugelassen, weil zu kalt schlecht war und steif gemacht hat, und zu heiß geschwächt hat. Tage wie dieser heute waren die BESTEN…
Und genau da erzählt sie mir voller Euphorie von ihren Lauferfolgen…
Nein, es war kein Neid. Aber es tat weh, unsagbar weh. Und um die „Selbstmitleids-Keule“ zu schwingen: Dann musste ich zwangsläufig einen Blick auf mich unfähiges Würstchen werfen und mich mit der Frage auseinandersetzen, was von mir übrig geblieben ist…
Wieder einmal.
Zuvor ertappte ich mich selbst bei dem beiläufigen Gedanken: „… Und bald wird man 40, die Hälfte des Lebens vergeudet, vertan… Da wird nichts mehr besser… Ob ich beim nächsten Mal mehr Glück habe?…“.
Als wäre dieses Dasein eine Wahl gewesen!
Als müsse man die Konsequenzen dieser Entscheidung bis zum Ende durchziehen, und dann sei es selbstverständlich, eine neue Chance für eine neue Wahl zu bekommen!
Als würde sich das Rad von neuem drehen!
Als würde ICH an Reinkarnation glauben!!!

WER HAT DIR INS HIRN GESCHISSEN??!!!

Jetzt ist es amtlich: Ich werde senil!!!

Gerade eben beim Abendessen (um noch einmal von vorne anzufangen) überschlugen sich die Mikro-Panikattacken. Jedes Wort, jeder falsche Gedanke… JEDER Gedanke…!
Soviel zum „Rausch für Arme“, dem bisschen „Kopffrei“.
Er ist wieder nach oben gegangen und ich… Müsste mir eigentlich eingestehen, dass es JETZT im AUGENBLICK nicht so schlimm ist wie noch vor wenigen Minuten. Aber dennoch bleibe ich bei meinen Strategien, meiner „Patentlösung“… Denn schlussendlich „wurde das Fass nun mal bereits aufgemacht“! Ich bin schlecht. Ich bin scheiße. Ich weiß es doch sowieso.

Und die Hand wandert in meine alte Schultasche. Das Tuch von gestern. Die Schnitte sind wunderschön, aber sie tun nicht einmal mehr weh. Sie tun GAR NICHTS. Schweigen mich an. Grausam und eiskalt. Wie tot.
Die Mundwinkel wandern gen Keller, die vermeintlichen Zornesfalten, oder wie Sebastian sie nennt, „die Donnerbalken“ über meinen Augenbrauen graben sich tief in meine Stirn ein. Einfach in Kauf nehmen, dass er von oben runter kommt und mich erwischt, ertappt. Beide Hände zu Fäusten verkrampft. Ich will nicht mehr leben.
Wieder einmal nicht.
Langweile ich? Vermutlich…

Zwischen all den alten Rasierklingen, voller Blut, in der nicht minder mit Blut bekleckerten Blechdose herumwühlen, und kaum das neue Stück in der Hand, es auf den Boden fallen lassen. Standard.

Während dem Essen recht unmotiviert die Kontaktaufnahme mit meinen inneren Kindern gesucht -dort den Ursprung der Ängste vermutend. Keine Reaktion, keine Antwort.

Inneres Kind, es tut mir leid. Wenn es dich gibt, wenn es „so etwas“ überhaupt gibt. Du sprichst nicht mit mir, weil vermutlich ich nicht mit dir spreche, und so bleiben wir in der beschissenen Ausgangslage, ohne Antworten, ohne Erklärungen oder Gründe für all das hier, eingehüllt in ein ausbruchssicheres System aus Schuldgefühlen… Denn „So etwas darf man nicht denken…“, „Das darf ich über den oder die nicht sagen…“, „Niemals im Leben kann der oder die das getan haben…“, „Ich bin ungerecht, ich bin grausam…“ und vor allem „WANN reiße ich mich endlich wieder zusammen, mich am Riemen und bin NORMAL??!!!“!!!

Prompt werde ich mit dem Tod konfrontiert. Aber wie so oft, wie immer ist es nicht der Meinige. In den Genuss komme ich nicht, denn ich SOLL und MUSS bestraft werden! Punkt!

So wird es 22:35 Uhr, die Hand versucht sich noch am Klimpern festzuhalten, ehe ich ihr die Rasierklinge aufzwinge: TU ES!!!

Damit der Hausarzt montags was zu sehen.
Zwei lange, fragile Kratzer. Das Blut ist eiskalt. Ich muss tot sein.
Mein Kunstwerk, mein fragwürdiges Kunstwerk zerstören. Kreuz und quer…
Zehn Schnitte. Mein flüssiges Leben scheint sich unter der Haut bereits gestaut zu haben. Dicke, dicke, pralle überdimensionale Tropfen quellen aus den vergleichsweise hauchzarten Linien.
Warum tue ich das? Warum machen das viele? Warum ist die Banane krumm?

Die Blutung will zum Erliegen kommen. Nächste Runde. Wen soll ich für all das hier bestrafen, für diese ganze ungerechte SCHEISSE als mich selbst??!!
Ich denke daran, wie es wäre, irgendwem offen Vorwürfe zu machen. Ohne Hintergrundwissen, ohne Erinnerung…

Weitere Zehn. Das zweite Bankett ist eröffnet. Eindeutig… Der Körper, mein Widersacher, hatte begonnen die Durchblutung anzukurbeln, unter den 36 Wunden von gestern, um Heilung zu forcieren, zu ermöglichen…

DIE HEILUNG KANNST DU DIR STECKEN, DU BESCHISSENER ZELLHAUFEN!!! ALLES ANDERE HEILST DU JA AUCH NICHT!!!

Die Atmung wird schwer, schwerer. Kein einziger Schnitt war tief genug, weil sie NIE tief genug sind. Die alte Klinge schabt brachial über das Schlachtfeld. Melkt die Wunden, erntet…
Das alte Geschirrtuch unter meinem Arm wird schwerer und schwerer. Es stinkt nach Blut. Und so wird es 22:52 Uhr, wieder kommt der Selbsthass zum Erliegen. Noch einmal versuchen, es wagen und riskieren, zu scheitern?

DREH DAS DING UM!!!
NIMM GEFÄLLIGST EINE NEUE KANTE!!!

Zehn. Oben rumpelt es. Kommt er runter?
Einen frischgewaschenen Verband… Sitzt schön straff, damit morgen meine Hand unten dran wieder schön fett aufgequollen sein wird…

DU FETTE SAU!!!

Ein weiterer riesengroßer Fleck. Für wen oder für was… Für mich? Und doch insgeheim für jemand anderes, der das hier nie zu sehen bekommen wird?
Was mache ich mir vor?
Will doch sowieso nichts anderes als schockieren.
Die offene Packung Waffeln vor mir, die er mir zuvor hingelegt hatte: „Koste die mal!“.
Nein. Das war noch nicht Strafe genug. Ihn sterben sehen.
Es gibt kein Entkommen. Das Leben ist grausam. Das Leben ist der Tod.

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16. Januar 2019, Mittwoch „Alles anders…“

11:49
Sebastian gönnt sich soeben „Andersdenkende“, um noch in einem alltagstauglichen Wortschatz zu verweilen, ehe ich aushole, und Gossenklientel bediene… „Die Erde ist flach!“…
Aha…

58,7 Kilo um 10:00 Uhr und ich musste mich wahrlich aus dem Bett treten! Was für Träume! Dem sei noch vorausgeschickt, dass ich jetzt eigentlich Termin hätte. Doch Sebastian erhielt einen Anruf, vor über einer Stunde, computertechnisch würde in der Firma alles drunter und drüber laufen, und wir mussten uns einige Ideen einfallen lassen, was nun kurzerhand unplanmäßig umdisponiert werden könnte. Der nette Mann in der Rettungszentrale meinte, es seien keine Einsatzkräfte frei in der kommenden Stunde. Aber die freundliche Sprechstundenhilfe gab mir einen neuen Termin, 2 Stunden später. Insofern kann ich mich jetzt den Träumen widmen, ohnehin voller Angst, irgendein vermeintlich „wichtiges“ Detail bis zum Nachmittag zu vergessen! Obwohl ich doch ganz genau weiß, lediglich jetzt so nah dran wirkt der Traum noch nach, tut so, als sei er der entscheidende Wendepunkt… Wie immer, leider, und mit etwas mehr Distanz verflüchtigen sich die Überzeugungen und AHA-Effekte…

Im ersten Traum, an den ich mich erinnern kann, spielte ich die Hauptrolle in einer Staffel „American Horrorstory“. Ständig auf der Flucht vor bösen Männern, irgendwo an der Grenze zu Slowenien in einem versteckt liegenden Frauenhaus, in dem auch geschlagene Hunde aufgepäppelt wurden. Dann lag das Haus wieder direkt an der Bundesstraße nach Jennersdorf rein, dort, wo das Gebäude der Bewag steht. Ich lief dort wohl die ersten Schritte nach Jahren Rollstuhl, den Gehsteig hoch und runter. Der vermeintliche Täter tauchte auf, er verfolgte mich, zumindest mit Abstand, um mir Angst zu machen. Er würde mich beobachten, die ganze Zeit, und irgendwann würde ich einen Fehler begehen. Ein anderer Kerl versuchte sich Zutritt ins Haus zu verschaffen, er war der Ex der Leiterin dieser Einrichtung; wir versuchten verzweifelt Türen abzuschließen, und schlussendlich wurde er auf ein Brett genagelt, von dem er sich wieder befreien konnte und hin und her und hin und her und um die konfuse Geschichte abzukürzen: Ich war ständig auf der Flucht, rannte weg, rannte tatsächlich, konnte wieder laufen, aber in jedem Haus lauerte Gefahr, Zombies, dabei war es doch mein Ziel, irgendwie das Gasthaus zu erreichen, um dort vermutlich Antworten zu erwarten…

Sebastian stand auf, irgendwann um 8, ich zog in Erwägung, es ihm gleich zu tun, war aber zu müde, spät eingeschlafen, schlecht geschlafen, Krämpfe und Rückenschmerzen und Kopfschmerzen und Unruhe…
Kaum die Augen geschlossen, der nächste Traum.
Dem sei vorausgeschickt, um Mitternacht im Buch noch davon gelesen zu haben, dass sie mittlerweile einen Freund hatte, Jahre nicht mehr zu Hause gewesen wäre, und nun doch tatsächlich dorthin reisen wollte. Sie überstilisiert ihre Mutter zu einer Heldin, was ich im Ansatz auch verstehen kann, bei dem, was die arme Frau durchgemacht hat in Vietnam. Aber eine Sache ist mir unverständlich: In all den Jahren, in denen der Vater die ganze Familie, die Kinder terrorisiert, verprügelt, missbraucht, wird kein einziges Mal davon berichtet, dass die Mutter sich vor „ihre Brut“ stellt… Da fällt es mir schwer, von einer selbstlosen „Heldin“ zu sprechen… Und, wie fast schon zu erwarten, begrüßt der Vater die Protagonisten mit den Worten: „Du Miststück traust dich noch hierher?“; (so oder so ähnlich).

Und dieses Thema wurde in meinem Traum aufgegriffen. Sebastian und ich reisten nach Hause, ins Gasthaus, vermutlich war Weihnachten. Jedermann wollte so tun, als sei nie etwas gewesen. Vor allem ich tat so, als sei die Welt im Lot. Obwohl es unterschwellig brodelte. Mir bereitete der Besuch große Magenschmerzen.
Schon setzt das Vergessen ein… Was war dann?
In meinem Kinderzimmer sah ich mich mit meiner Mutter konfrontiert. Diese hörte nicht auf, nachzubohren und nachzubohren… Aber natürlich habe ich längst vergessen, was sie genau wissen wollte. Warum es mir „so schlecht ging“? Mein Bruder war auch da. Wie immer machte er den Eindruck, die ganze Welt auf den Schultern zu tragen. Ich wollte mich nur irgendwo waschen, duschen, aber überall wurde umgebaut… […]

18:04
In meinem Kopf läuft gerade alles heillos durcheinander. Alles läuft Amok. Ich soll Amok laufen. Da Sebastian gerade eben das Haus verlassen hat, wäre das die beste Gelegenheit dafür. Einfach so, aus heiterem Himmel, durchdrehen. Dabei kann ich mir ausmalen, vom Morphium die Panikattacke zu ernten. Wieder allerhand Analgetika intus. Der Schmerz links auf Höhe Schulterblatt raubt mir den Atem, und breitet sich heute auch noch auf die rechte Seite aus. Novalgin, Tramal und Hydal tanzen einen wilden Reigen. Und wieder wagte ich zu sagen: „Ach, jetzt setzt die Wirkung ein… Und alles wird so schön gleichgültig…“. Einen Scheißdreck tut es!!
Heute noch nichts geschafft zu haben! Bringt mich beinahe um die Ecke! Zurück vom Arzt in Jennersdorf, Sonnenuntergang, und während er im Schreibwarenladen hinter mir nach einer Druckerpatrone suchte, fielen mir noch Details meiner Träume ein. Die nun auch keinen Unterschied mehr machen, geschweige denn dem Ganzen mehr Bedeutung beimessen könnten. Ich sah dieses exakt 1 km lange Stück Gehsteig bis zum Kreisverkehr vor mir, auf dem ich immer meine Sprints durchgezogen habe, meine Endorphine geerntet habe, stellte mir vor, ich würde da gerade laufen und mich selbst beobachten, ich sah mich laufen… Und das tat so weh… Danach im Ortszentrum, vor dem Hausarzt, er drinnen und ich im Auto… War es der niedrige Blutzucker? Als faule Ausrede? Ich brach in Tränen aus, unkontrolliert. Und sah ihn sterben… Weil ich ihn, kurz bevor er ausstieg, von der Seite für einen Augenblick gemustert hatte… Seine Augen, die Feuchtigkeit seiner Augäpfel… Und musste zwangsläufig in mir drinnen das Bild ertragen, dass er irgendwann tot sein wird und diese Augen vertrocknen werden…

Zu weinen anfangen, völlig ausgeliefert…

Als ich eben diesen Satz auf dem Sofa sagte, diese Bemerkung von mir gab, was die Schmerzmittel betraf, den einsetzenden Rausch, da überkam mich beinahe wie eine Ohrfeige, als würde mich etwas oder jemand rügen, eine Angstattacke… Und mir war klar…

DU MUSST DICH AUFSCHLITZEN, SOFORT!!! DAS HÄLTST DU SOWIESO NICHT AUS!!! ODER BRING MICH UM!!!

Ihn noch im Auto, und erst recht dann im Haus mit Fragen gelöchert zum Tag meiner Überdosis. Wann er denn hinterher ins Krankenhaus gefahren sei und derlei Dinge. Im Auto vorm Hausarzt, dieser Lichteinfall… Am Tag meiner Überdosis muss es so ausgesehen haben und ich sah auf der Straße in Gedanken die Rettung mit Blaulicht an mir vorbei rasen… Was für eine abstruse, absonderliche Wehmut sich da auftut… Weil ich es WIEDER will?? Weil ich die Tatsache traurig finde, ist aber nicht zulassen darf?? Weil ich stattdessen denken muss, ich will es wieder versuchen, will mich wieder umbringen??

Der Termin beim Arzt ergab nicht viel. Ich solle mein Blut testen lassen; Montag kommt der Hausarzt vorbei, irgendwann zu Mittag. Ob man Entzündungswerte feststellen kann, ob virell oder bakteriell.
Plötzlich denke ich daran, was er sagen würde, wenn er meine Arme sieht. Ob überhaupt was sagt, oder wie er dreinschaut. Ist das jetzt die nötige Bremse, die ich brauche? Das Thema ist noch nicht durch… Ebenso noch nicht die noch nicht angesprochene Überlegung angesichts der aufkeimenden Panikzustände, mir jetzt eine Temesta reinzuschmeißen… Hatte ich nicht zuvor in meiner Tasche eine Blisterpackung entdeckt?

Die Tablette landet im offenen Beutel, aber wenigstens DAS nimmt ein Happy End! Ab in den Mund und runter damit…

Ich erwähnte, was ich nicht noch alles vorhätte. So viele Videos, die ich noch machen möchte. Aber in meinem Posteingang stapeln sich die Nachrichten, so wie sich alles stapelt und stapelt und mich hoffentlich bald erschlagen wird… Ich kriege NICHTS mehr hin! NICHTS mehr gebacken! NICHTS fertig! Zu NICHTS mehr zu gebrauchen…

20:53
Unentschlossen mache ich ein paar Schwimmzüge in diesem Tümpel der Unannehmlichkeiten. Wofür werde ich mich entscheiden? In tiefen Schlaf fallen? Mich sofort übergeben? Loslassen und mit Folgen auf den Boden knallen?

Die Musik gedrosselt. Sicher ist sicher, ich will und ich muss ihn ja kommen hören. Mich dann ins Badezimmer geschleppt. Die bereits im Einsatz gewesene Klinge ist enttäuschend. Jede einzelne Kante kommt zum Handkuss, und lediglich eine davon erweist sich als noch „einigermaßen probat“. Den Überblick verloren, fester angedrückt, spürte ohnehin nicht mehr viel. Abschließend noch die letzte verbliebene Rasierklinge aus der gelben Schachtel gezogen, das gelbe Kuvert noch verschweißt. Mir eine Stelle ausgesucht und dann zweimal mit ordentlich Nachdruck über die Haut gezogen, durch die Haut gezogen… Aber Oberflächenscheiße bleibt Oberflächenscheiße!
Doch als ich mit der anderen parallel zur Schnittfläche wieder und wieder darüber schabte, mit ebenso Nachdruck, spürte auch ich Gefühlskrüppel in meinen gefühlsgestörten, tauben Fingerspitzen, wie das Werkzeug jedes Mal in der Kerbe versank. In den beiden Kerben versank. Ein kleines Massaker, das Geschirrtuch am Ende mit seinen Kapazitäten.
Wunderschön…

Und wieder die Frage aufwerfen, wie schlecht ich bin. Der Schmerz im Rücken gewinnt wieder Oberwasser, ist eindeutig nicht in meinem dreckigen Blut ersoffen. Meine Gehirnkapazitäten reichen nicht viel weiter als bis zu meiner Nasenspitze, und kaum sind Dinge gesagt oder gedacht werden sie mit einem Ablaufdatum versehen, einer Stoppuhr, die gnadenlos ihre restliche Lebensdauer herunter rechnet. Und die ist nicht lang. Bis… Die Zeit abläuft und alles dem Vergessen geopfert wird. Ich komme mir nur noch debil und blöd vor. Völlig wertlos. Aber… Aber zumindest dies sei als Randnotiz angemerkt: der große Blutfleck auf dem Strumpf, den ich übergestreift habe, dieses seltsam kühle Gefühl unter dem Verband, das Wissen darüber, welch schmutziges Geheimnis sich wieder unter einer schwarzen Stulpe verbirgt… Kleine, schäbige Trostpflaster. Seien mir gewährt… Oder etwa nicht? Mir Versager??

Und so beginnt die nächste Nacht, nichts wurde geschafft, der Uhrzeiger dreht sich gnadenlos weiter, schraubt sich dem Ende so manch eines Mitmenschen entgegen. Und ich schaue zu, tatenlos schaue ich einfach nur zu, in freudiger Erwartung dessen, was mich dann heimsuchen wird, mich erschlagen wird, mich hoffentlich beenden wird, wenn die Uhr erst einmal abgelaufen ist und es keine Möglichkeit der gut oder schlecht gemeinten Entschuldigung oder Ausrede mehr gibt!

Mir wird noch schlechter und mein Schädel fängt an zu dröhnen. Noch mehr, noch etwas anderes einwerfen. Wer weiß…

 

15. Januar 2019, Dienstag „Parallelwelten…“

13:32
Ich kam nicht aus dem Bett, ich wollte nicht aus dem Bett, zu bunt meine Träume, musste sie sortieren, bei einigermaßen klarem Verstand einer zweiten Sichtung unterziehen, mit Hauptaugenmerk auf Kinder und eventuell versteckte Hinweise auf Missbrauch, Übergriffe.
58,6 Kilo um 11:00 Uhr. Oder, so werde ich gerade scharf kritisiert, um 11:15 Uhr. Das Restaurant gut besucht, die Sonne knallt zur Terrassentür herein, es ist warm, zu warm, ein strahlend blauer Himmel und eine strahlende Sonne, um das bisschen Zucker, welches noch auf dem sich bis gerade eben noch im Schatten befundenen Hang zu finden war, ad absurdum führt. In Süddeutschland schneit es, in Österreich schneit es, alles versinkt im Schnee und ich meine, Zeuge des Klimawandels zu werden. „Nachts hat es ein bisschen geschneit.“, Sebastian zu meinen ungläubigen Blicken, als ich das Wohnzimmer betreten hatte.
Es gab Frühstück. Hatte meine liebe Not, meine beiden Brotscheiben mit Butter zu bestreichen. Dazu heftige Schmerzen im linken Schulterblatt. Bzw. in der Muskulatur darüber. War abends bereits sehr unangenehm, um heute einem den Atem zu rauben bei jeder falschen Bewegung.

Und WIEDER klingelt das verschissene Telefon!! Ich hebe ab und lege auf! Vorhin war es ein Mann mit Akzent, der mit Sebastian über „Microsoft“ sprechen wollte. Es reicht wirklich!
Einmal schwer seufzen… Die Panikmaschinerie ist angesprungen!

Zweimal Temperatur gemessen. Während dem Frühstück, nach dem Frühstück. So einiges lässt sich erklären, aber so manches wird auch wieder im Unklaren bleiben. Erst waren es 37,7 und erst vor kurzem 38,5 °C. Woran man es definitiv bemerkt, dass etwas nicht stimmt? Meine Stimme… Ist dünn, bricht immer wieder, leiert und kracht.
DESWEGEN die Probleme mit dem Buttermesser.
ABER warum sah die Notiz in meinem Kalender gerade eben so kontrolliert, klar und deutlich aus wie ich schon seit Jahren nicht mehr??
Mir wird vorgeworfen, ich müsste jetzt malen. Dabei weiß ich nicht einmal, wie ich hier eine einigermaßen erträgliche Sitzposition einnehmen soll, um nicht von den Schmerzen in den Wahnsinn getrieben zu werden. Mir dessen bewusst, in dieser Ausweichsbewegung wiederum den Ischias, also seine gesamte Familie, früher oder später auf den Plan zu rufen.

Schwer schlucken; Schleim läuft den Hals hinunter. Und ich gewinne den Eindruck, es mit der Nasendusche, die ich gestern wieder einmal durchgeführt habe, noch schlimmer zu machen. Mit meinem Latein am Ende, aber morgen kann sich der Arzt darüber den Kopf zerbrechen.
Da drängt sich ein Gedanke auf, hinsichtlich des Gesprächs mit Markus gestern Abend, meiner eigenen Aussage, bei einem Flashback oder selbst schon beim „Stolpern“ das Gefühl zu haben, jemand würde mir auf die Nase schlagen, bis ich Blut und Rauch riechen kann: Könnte es da einen psychosomatischen Zusammenhang geben? Die Seele geht manchmal seltsame Wege…

Dieser grandiose Tag schreit danach, wahrgenommen zu werden, ich müsste rausfahren, irgendwie, Rollstuhl oder Rollator.
Etwa 20-30 Tropfen Novalgin geschluckt. Das Fenster ist gekippt und es ist trotzdem zu warm. Halte meine fettige Visage nicht aus. Die Hände klimpern. Bin völlig erstarrt, schon wieder. Vor oder zurück?
Stillstand. Im Schädel tabula rasa. Im Geiste 11, auf dem Mauervorsprung unterhalb vom Gasthaus, mit Blick auf die Wiese, den dünnen Pulli über die angezogenen Knie gestreift, um die Körperfläche zu minimieren… Es ist warm, ich höre irgendwelche Melodien meiner Kindheit, frühen Kindheit… Ballett… Bis vier zählen…

14. Januar 2019, Montag

8:45
Im Badezimmer, notdürftig zumindest meine Achseln abschrubben und währenddessen eine Erkenntnis: Das ist die letzte Leinwand, das ist das letzte Bild, das ich in dieser Form mache/gemacht habe/gemacht haben werde!
Alles verkommt und ich bin selber schuld. Wann und wo im Alltag hebe ich meine Arme überhaupt noch? Ist es nicht in der Tat so, dass ich nur noch sitze und die Arme schlaff am Körper runterhängen, und deswegen kommt es bereits zum kleinen Super-Gau, wenn ich sie lediglich auf den Tisch lege, um vielleicht mal ein paar Tasten zu drücken, und alles an der verkümmerten Muskulatur verspannt sich?
Es war ein wunderschöner Morgen. Rechts oben, der Wald auf der Hügelkette, er glühte rotbraun im Morgenlicht. 58,4 Kilo um 6:45 Uhr.
Eine kapitale Verspannung links hinten am Schulterblatt. Die Blase spinnt. Die Blase nimmt mir übel, seit drei Tagen der Umwelt zuliebe nur kleine Einlagen zu benutzen. Sie fühlt sich regelrecht herausgefordert…
Die erste schmerzhafte Kontraktion. Noch ohne Auslaufen. Definitiv die nächste Pilzinfektion, die auch als Auslöser dienen könnte.
Blind wie ein Maulwurf sehe ich mich um; wo hat er die Kamera hin?
Bin ich nur zu faul oder zu müde oder zu blockiert, mir die Brille aufzusetzen?

Ich dachte gestern: „Oh je… Morgen wieder Markus… Ich halte das, ich halte ihn nicht mehr aus…“. Und träumte davon, länger in Wismar gelebt zu haben. Wir wohnten in einem Haus im dritten Stock. Und waren noch jung, ganz jung. Ich hatte eine Fehlgeburt. Totgeburt. Aber niemand fühlte sich zuständig. Also wurde das Kind in eine Schachtel gepackt und irgendein Amt angerufen, das dann dieses Paket abholen hätte sollen. Als ich vor dem Eingangstor des Mietshauses stand, war ich „erwachsen“, war ich ich. Jemand öffnete die Tür, und da stand der Karton noch, mittlerweile von den Leichensäften aus der Form gebracht, zusammengefallen, fleckig und es stank zum Himmel! Aber niemand fühlte sich verantwortlich. Weder die Mieterin, vor deren Wohnungstür die Schachtel all die Tage gestanden hatte, noch deren Nachbarin, und erst recht nicht die Mutter, die ja ich war und immer noch weinte und trauerte ob dieses Verlustes.

Es wäre mühselig, nun all die Faktoren aufzuzählen, jeden winzigen Input, der zu dieser Bildsprache geführt hat. Es sei nur soviel gesagt: Gehörtes und erst recht Abendprogramm hatten sich ausgetobt.

Definitiv lag die Schuld beim Amt. Also wurde dieses erneut kontaktiert und man tat seinen Unmut kund.
Wismar war zugleich Fürstenfeld, und wiederum in anderen Situationen eine Großstadt. Das Eckhaus am Marktplatz… Dort standen immer zwei Schwestern und sangen gratis. Es machte mir so eine Freude, mitzusingen. Doch dann sollte es das letzte Singen geben. Die Jüngere verkündete allen Spaziergänger traurig, dass es das letzte Mal sei; die Stadt hätte ihr verboten, das hier weiter zu treiben. Also wurde ein großes Fest daraus. Überall standen nun Tische und Bänke, und auf einer darauf entdeckte ich doch tatsächlich Markus. Er war uralt und schwach. Wirkte wie ein lieber Opa. Und nun muss ich doch erwähnen, dass wir abends „Der 100-jährige, der aus dem Fenster stieg…“ gekuckt hatten.
Von wegen: Abneigung…
Er bot den Schwestern an, eine Rede zu halten. Dies tat er dann auch, und zog den Unmut von mindestens 55 % der Zuseher auf sich. Und auch da muss ich sagen, mir abends noch Dokumentationen über AFD und PEGIDA reingezogen zu haben. Die, die am lautesten schimpften, ehe sie gingen, erkannte man schon an ihrer Tracht. Aber dann, plötzlich, schlug das Wetter um, ein Gewitter schien die Party zu sprengen und Markus sackte schwach zusammen. Herzinfarkt? Das Alter? Ich nahm ihn in den Arm, diesen alten, freundlichen Kauz, streichelte ihm über den spärlich behaarten Kopf. Wir mussten die Rettung rufen. Die Rettung müsste doch für sowas zuständig sein, man musste ihm doch helfen können…
Und dann träumte ich nur noch davon, bei dem Haus, das Miekes Bruder vor geraumer Zeit gekauft hat, brannte es ständig.

Bei klarem Verstand erscheint das alles nicht mehr so dramatisch, geschweige denn mit Zusammenhang.

Ich bin immer noch so müde, möchte immer noch schlafen…
Dieser Satz beim Anblick des Lichteinfalles draußen löst den nächsten kognitiven Stolperer aus. Beim Frühstück schon dachte ich über einen Termin bei der Psychiaterin und Neurologin in Fürstenfeld nach. Da es bis dato ja unmöglich war, ihr das Video meiner Absenz zu zeigen, zumal es jetzt sogar zwei sind, würde ich dafür sogar einen Termin in Kauf nehmen. Nur um zumindest mal von EINER Fachkraft klipp und klar bestätigt zu bekommen, dass DAS keine Epilepsie sein kann. Nicht so ein dämliches „Geeiere“, wie es meine Stammneurologin praktiziert. BLOSS auf NICHTS festlegen! Damit man sie BLOSS mit NICHTS festnageln kann! Das geht mir auf den Senkel!!! „Ja… Aber zugleich auch nein… Was nicht ausschließt, dass es doch… Soll wiederum nicht heißen, dass es nicht…“… BRAINFUCK!!! Ein bisschen „Merkel-Style“? Oder schimpft sich DAS „Diplomatie“?

Ich hätte… Man hätte ja… Zumindest probieren…
Aber ich bat Sebastian vor vier Tagen, die Leinwand umzudrehen. Und es genügt der Gedanke, sie um 90° zu wenden, und vielleicht schaffe ich es gedanklich auch noch bis zu den ersten drei Tuben, die ich ausdrücken muss…
Aber DANN! SPÄTESTENS DANN bin ich schon am Ende mit meinem physischen Latein… Schon beginnen die Hände zu klimpern.
Kissen auf den Tisch, Kopf aufs Kissen und gute Nacht…
Während ich in Erinnerungen an den ersten Herbst in Wismar festhänge, fällt mein Blick auf die Uhrzeit, WIE SPÄT es schon wieder ist. 9:34 Uhr. Und noch nichts geleistet. Schlafen oder Video?
Und noch viel verheerender, als ginge es um eine Art Prestige: Verletze ich mich vor der Reha noch einmal? Um dann wieder jeden Tag fotografiert zu werden, dass da nicht mehr Wunden entstehen? Um etwas zu verstecken zu haben? Um manch einen, den es wirklich interessiert, schockieren zu können?

Das nächste Dejavue und meine Augen sehen zwar, gehen aber auf Stand-by, der Blick fällt nach innen… Die idiotische Idee, würde ich schlafen, hätte ich vielleicht die Chance auf einen aussagekräftigeren Traum…

Der Lichteinfall… Wismar im Herbst und die steile Wiese vor dem Gasthaus… Wehmut. Oder als Wehmut fehlgedeuteter Schmerz. Wer weiß das schon…

13:49
Fair, was ist schon fair… Und SCHEISSE, SCHEISSE und noch einmal SCHEISSE!!!

Ehe er nach Hause kam, fuhr ich noch ins Badezimmer, putzte meine Zähne.
Stehen ohne Anhalten?

Vergiss es, beschissener Krüppel!!!

Wollte mir die Haare waschen, wusch mir die Haare, aber es war ein einziger „Umstand“! Ein Kampf sondergleichen!
Das Gehen…
Wollte ich nicht, planmäßig, sobald die Volkshilfe da ist, nach draußen verschwinden? Ein paar Runden auf dem Parkplatz drehen?

Kannst du dir in die Haare schmieren!!!

Beim Mittagessen wurde es immer schlimmer und gerade eben, als ich aufstehen wollte, fiel mir insgesamt dreimal die Wasserflasche um. Beim dritten Mal erwischte ich sogar die Steckdose, den Verteiler auf dem Boden unterm Sofa… Und wäre mehrfach um „Haaresbreite“ umgekippt… Da mir die beschissenen Haare ja ins Gesicht hingen, und wenn ich nicht sehen kann, oder nur eingeschränkt, verliere ich vollends das Gleichgewicht, bzw. deren kümmerliche Reste! Und dann noch das: wieder 37,9 °C! Mein Körper, meine Beine, meine Hände streiken! Und kaum aufgestanden wieder Blasenkrämpfe!
Beschissene Spekulationen erdenken… Davon die erhöhte Temperatur? Harnwegsinfekt? Immer noch die Nebenhöhlen? Blablabla…!!!

Klimpern. Der Rest vom Kakao ist kalt. Schmeckt nicht. Mir schmeckt augenblicklich so gut wie gar nichts mehr. Selbst den Tee, den ich jeden Tag mindestens einmal konsumieren, bekomme ich kaum noch runter. Alle Geschmacksnerven scheinen sich verändert zu haben. Teilweise abgestumpft, teilweise übersensibel bis hysterisch.
Dass es draußen wärmer geworden ist, bemerkte man spätestens morgens beim Aufstehen. Ich war klatschnass geschwitzt. Augenblicklich zieht der Himmel zu, wo er doch noch vor kurzem makellos und ohne Wolken strahlte. Der Wind hat aufgefrischt, wieder Südwand vermute ich. Ich hocke hier, völlig tatenlos, planlos, erneut in mir gefangen. Ich hasse offene Haare! Da meine Haare wie Spinnweben an mir hängen, kleben. So unendlich dünn.

18:27
Angeblich nur 37,3 °C. Ich fühle mich aber wie 38,5. Ich bewege mich wie 38,5. Mein Schädel dröhnt. Die Hände klimpern. Bei dem Gedanken, nun ein paar Zeilen zur Sitzung zu sagen, bekomme ich Panik. Ich habe mich eigentlich in einem fort wegdissoziiert. Mich abgeschottet gegen Gefühle, dagegen an geklimpert.
Körper, was hast du jetzt schon wieder für ein Problem?!
Ob ich überhaupt noch etwas schaffe, schaffen kann? Ich stehe regelrecht neben mir. Jetzt 2,6 mg Hydal. Um mich nicht spüren zu müssen, um mich abzustellen, zu berauschen.

12. Januar 2019, Samstag „Nacht ohne Ende…“

9:35
58,6 Kilo um 9:00 Uhr. Für eine ganze Entwässerungstablette und so wenig gegessen zu haben?

Mein Notizbuch aufschlagen und hoffen, den Hieroglyphen irgendetwas Inhalt entnehmen zu können…

2:48 Uhr
Ich las mein Buch („Phoenix Tochter -die Hoffnung war mein Weg“); wir waren ja wieder früher ins Bett gegangen, bereits um 11. Und ich begann bereits daran zu zweifeln, ob es sich dabei um ein Missbrauchsbuch handelte, oder „nur“ um eine Autobiografie mit „ein bisschen Rassismus hier“ und „ein wenig schlagenden, despotischen Vater da“. Muss ich tatsächlich 140 Seiten lesen, ehe ich „auf meine Kosten komme“. Fast eine Randnotiz, ganz kurz angerissen, wo doch alles andere bis ins kleinste Detail beschrieben worden war. „Der seltsame Blick des Vaters“ oder das Wort „Reißverschluss“, an dem ich mich bereits wieder aufzuhängen schien. Doch gerade diese „Beiläufigkeit“ schlug ein wie eine hinterfotzige Splittergranate. Jetzt MUSSTE ich weiter lesen, und weiter und weiter, und in mir wuchs eine Anspannung, ich erschrak vor Geräuschen, die es gar nicht gab, die in meinem Kopf entstanden und nur durch die dummen Ohrstöpsel so laut klangen, dann roch es noch plötzlich nach verbrannten Lebensmitteln…
Mich packte wieder diese Aura und ich schloss die Augen. Was ich sah? Die beiden Silos auf dem Nachbarsbauernhof, ich sah mich vor diesen, sah mich aus dem großen Fenster des Schlafzimmers meiner Eltern auf diese runtergucken, alles gehüllt in dieses seltsame Licht, von dem ich entweder geträumt habe, damals als Kind, oder es war früher Morgen, früher Sommerabend… Als gäbe es eine Sonnenfinsternis?
In Gedanken rettete ich jetzt auch noch das Kind aus dem Ehebett. Meine Eltern konnten mich nicht beschützen. Ich erdachte einen ausgeklügelten Fluchtplan, die drei Kinder sollten sich der Reihe nach unter dem Fliederbusch verstecken, dann würden wir durch die Thujahecke hastig über die Bundesstraße, den Hügel hoch und bei Barbara den Feldweg wieder runter in den Graben, um dort am Rinnsal entlang bis zum Haus zu laufen.

Hier ist es nicht sicher…
Was ist, wenn von hinten jemand kommt?…

Hörte ich es in mir wimmern… Also musste auch noch unser Haus sicher gemacht werden. Wie in diesem Bild, das ich damals für die Psychoanalyse gezeichnet hatte. Vorne offen, keine Mauer, die Natur, ein großer Teich, alles geht direkt in den Wohnraum über. Und hinter der Hütte eine hohe Mauer, Stacheldrahtzaun, Selbstschussanlage…

2012-07-17

Mittlerweile ist es 12:41, so manch eine Idee wurde verworfen, in die Tonne getreten. Warum muss die Sonne auch scheinen? Und das gleich so DERMASSEN?? Ich befand mich im Zwiespalt: Laufband oder Spazieren…
Letztendlich wurde es nichts davon, es lediglich bis ins Bad geschafft, beim Zähneputzen versucht frei zu stehen und das Gewicht von links nach rechts zu verlagern.
War ich doch ohnehin nur wenige Minuten davor, nachdem ich eine Ewigkeit völlig planlos vor meinem Tisch gestanden hatte, der Versuchung erlegen, IRGENDWIE darauf Ordnung zu schaffen, umgefallen… Und zu unser beider Glück noch irgendwie auf dem Rollstuhl gelandet. Knapp. Er musste hastig aufstehen und mich zu fassen kriegen, bevor ich vom Sitz wieder abgerutscht und auf dem Boden gelandet wäre.

Nachdem Ausflug ins Bad war Schluss mit lustig. Meine Hände sind im Arsch. Meine Beine sind im Arsch. Aber angeblich heute zum ersten Mal Normaltemperatur. Obwohl meine Nase ganz rot ist und der Schleim zäh am Gaumen hinab tropft…

Draußen ein kleiner Vogelschwarm. Ich meine, Gimpel zu hören…
Aber nun weiter im Text…

Ich machte das Licht aus und es war still, aber da kam kein Schlaf um die Ecke, um mich zu erlösen. Meine Anspannung, von meinen subtilen Ängsten. In Gedanken nur noch am „Kinderretten“. Um mir währenddessen Gesicht und Hals blutig zu kratzen, die Reste meiner Fingernägel abzukauen.
Ich musste angestrengt über dieses seltsame Licht nachdenken. War es damals ein Traum? War es echt?

So wurde es 5:21 Uhr.
Mehrere Schlafversuche später. Ich weckte Sebastian zum sicherlich fünften Mal und bat ihn, sich umzudrehen. Er schnappte sich kurzerhand seine Decke und trollte sich ins Wohnzimmer: „Das geht ja nicht so weiter…“, meinte er schuldbewusst. Nun konnte ich die Ohrstöpsel aus meinen Gehörgängen kratzen… Es war wie eine Erlösung!!! Allein diese beiden kleinen Wachsdinger, die versuchten, etwas abzuschirmen, hatten unterschwellig noch zusätzlich für Ängste gesorgt. Denn „was ist, wenn ich etwas nicht höre, eine Gefahr, die ich unbedingt vorher hören müsste“?
Licht aus. Anspannung, dezent Panik, blutig kratzen -das Gesicht ohnehin dank Zyklus mit Akne übersät, Nagelhaut abkauen, dabei der ganze Körper wie in einem schrecklichen Moment für die Ewigkeit festgefroren, erstarrt, konnte die Beine nicht anziehen, die linke Hand war eine knochenfeste Klaue, nichts ließ sich gerade biegen…
Also las ich weiter. Und ich hätte das Buch auch zu Ende lesen können, in mir wieder dieser ungesunde Ehrgeiz, keine Sekunde Schlaf zulassen zu dürfen. Als sei es ein Sport, ein Wettbewerb… Einzelne Wörter triggerten mich… Aber erst recht taten das die Seitenzahlen beim Umblättern… Vor allem die 193 schien es mir angetan zu haben. Dazu muss aber leider erwähnt sein, zu meiner Schande und um die Aufklärung der Causa, ob es Epilepsie ist oder Dissoziation, noch extra zu verkomplizieren, hatte ich nicht nur zwei volle Dosen Tramal abends intus, sondern, da ich nachts Schmerzen bekam und an die 1,3 mg im Gläschen nicht ran kam, auch noch 2,6 mg Morphium obendrauf geschmissen…

Beide Hände klimpern. Bereits mehrfach „gestrauchelt“. Aber eben immer nur „halb“. Als Sebastian zuvor die Terrassentür kippte und den Vorhang über das Stahlseil drapierte, damit die Sonne nicht so dermaßen ins Gesicht knallt, da erinnerte ich mich plötzlich nach so einem geistigen Stolpern plötzlich an den Geschmack von Eis. Eskimo, wie es bei uns heißt (Langnese). Dass meine Mutter Januar oder Februar die große Gefriertruhe sauber gemacht hat, einmal abtauen ließ. Da tauchten in den Untiefen immer noch vereinzelt Twinnis auf (zum Beispiel), mit einem Hauch Gefrierbrand. Ich war noch sehr klein, noch recht jung. Im Winter aß man kein Eis, wir verkauften auch keines zu dieser Jahreszeit. Also war es ein Highlight!…
Der etwas veränderte Geschmack, nach altem Kühlschrank eben…

* So wie ich jetzt mich daran zurück erinnert fühle, genau bei diesem Wetter, dieser Jahreszeit vorne auf der brachen Wiese, diesem Steilhang vor dem Gasthaus, gesessen zu haben*. Durch die Mitte führte ein schmaler Trampelpfad aus Lehm. Dort konnte man die Höhlen der Grillen am besten sehen. Und ich saß dort und wartete. Die ersten Primeln…

Ich hatte die Bezeichnung meiner Kindheit vergessen und beim Lesen dieses Wortes „Schlüsselblumen“ trete ich wieder dezent weg, ganz kurz nur, für eine Hundertstelsekunde… Als hätte mich jemand bei Überschneidung zweier Zeitschleifen, von denen eine definitiv viel schneller läuft als unsere, geohrfeigt haben muss… Was für ein SCHEISS!!!

Alles nur Einbildung? Oder war ich den Antworten heute Nacht so nah wie noch nie?? Hatte ich einfach nicht die Geduld, zu warten, weiter in mich hineinzuschauen, geduldig und offen der Dinge harrend, die da aus dem Nirwana irgendwo und irgendwie und irgendwann in Erscheinung treten würden???
Ich hatte diese Situation vor meinem inneren Auge, wie ein Panoptikum, ein Zeitfenster, wie ein Foto in 3-D, eine makabere Ausstellung… Ich hätte dort bleiben müssen, weiter aus dem Schlafzimmerfenster schauen, oder hinter den beiden Silos hervor, neben denen auch noch eine Holzhütte gestanden haben muss, zum Gasthaus schielen. Auf die Straße. Irgendetwas, so sagte mir mein Gefühl, würde da passieren. Denn das Licht könne nicht ewig so hängen bleiben!…
Aber ich stehe es nicht! Ich stand es nicht durch! Ich gab auf… Und las weiter…

*Jetzt (13:30) beim Überfliegen und Korrigieren blieb ich an diesem Satz hängen, spürte, dass mich die Worte triggern, musste den Satz dennoch ein zweites Mal lesen. Weil ich ihn kognitiv nicht erfassen konnte. Und beim zweiten Mal verstärkte sich lediglich der Eindruck, gleich das Bewusstsein zu verlieren… Doch dann war der Satz, waren die Worte vorbei… Auch jetzt gerade, als ich sie noch einmal las, hatten sie ihren „fragwürdigen Zauber“ verloren…

Es wird Zeit für die Mittagsdosis. Kettensägen singen im Graben. Meine Hände klimpern angestrengt gegen die innere Unruhe an. Durchsichtige Insekten schweben hypnotisch in der Luft, auf und ab und auf und ab, um dabei wie winzige Lichtpunkte zu wirken, die wiederum eine fragile Lichtsäule bilden… Schaffe ich es wenigstens, meine Schuhe anzuziehen, die grüne Jacke und ein paar Schritte auf unseren Parkplatz zu machen??
Ich sehe frühere Kindheitserinnerungen, spätere Erinnerungen, ich sehe mich irgendwo unterwegs auf der Laufstrecke, sehe mich abschließend hier vor fünf Jahren meine letzten kurzen, jämmerlichen Läufe bestreiten…

Zuvor als ich den ganzen Krempel aus der alten Bauchtasche in die neue „China-Ware“ stopfte, war darunter auch eine Packung Rasierklingen, und eine lose Klinge, noch im gelben Kuvert. Jetzt mit diesen Fetzen meiner Chronik im Fokus möchte ich die neue Tasche einweihen, mit rausnehmen, mich aufschneiden…

15:14
War kurz draußen, ein paar Schritte. Ging nicht einmal so schlecht. In der Tat hatte mein linker Oberarm die meisten Probleme, kräftetechnisch zwecks Handbremse.
Seit ich nun wieder hier sitze, ein „Fast“ nach dem anderen. Der Himmel wunderschön zerrissen, marmoriert, die Sonne sagt allmählich „Adieu…“. Sollte ich nun doch wieder draußen sein? Das Farbspektakel festhalten?
Kaum wird eine Frage in den Raum gestellt, in den „Innenraum“, beginnen beide Hände unaufhörlich zu klimpern. 1-4, hoch und runter und hoch und runter… Die Daumen sehen zu. Wollte er nicht noch einmal einkaufen fahren? Sollte ich mitkommen, ihn fragen, ob er jetzt möchte, um den Himmel „einrahmen“ zu können?
Noch mehr Fragen… So komme ich definitiv nicht vom Fleck… Jetzt stört der Vorhang, er nervt, er ist im Weg!!

Jetzt denke ich erst recht ans Laufen… Schwer schlucken müssen, während die Vögel draußen eine „Körner-Party“ schmeißen.

18:47
Crashdown! Das organische System stürzt ab!
Irgendetwas an meinem Video, an den Bildern, die ich dafür verwende, hat mich vor wenigen Minuten getriggert. Und für den Bruchteil einer Sekunde befinde ich mich bei viel zitierter Weihnachtsfeier…
Irgendein Muster auf dem Bildschirm, im Videobearbeitungsprogramm, irgendwelche Kacheln, lösten den Aussetzer wohl aus. Ich verknüpfte den visuellen Eindruck mit einem Spiel, irgendwelchen Spielsteinen, vielleicht auch Holzklötzchen, oder Lego, Playmobil… Ich hatte einen weihnachtlichen Duft in der Nase, Festtagsessen, Tanne, Kerzenwachs, Streichhölzer, und/aber sehe mich neben dem Esstisch im Wohnzimmer auf dem Boden sitzen. Viel zu flüchtig! Viel zu diffus! Scheine etwas im Mund zu haben, möglicherweise esse ich gerade etwas. Entweder Abendlicht oder bereits Dunkelheit. Ganz, ganz kurz… Von außen betrachtet eine völlig harmlose Situation, aber ich spüre, ich spürte in diesem fragilen Splitter meiner Vergangenheit TODESÄNGSTE!! PANIK!! Das, was ich im Mund haben, scheint mich zu ersticken!!! Obwohl ich da doch so friedvoll auf dem Fußboden spiele!! Die ganze Familie ist da… Kerzenlicht, Kekse, Frieden auf der ganzen Welt…
Als würde etwas an einer Zeitachse, einer Konstante brutal auseinandergerissen, verschoben werden, verrutschen…

Ja, ja… Habe wohl wieder Fieber, meine Birne glüht und ich vermag nicht zu denken, der Schleim scheint, obwohl ich noch frei atmen kann, die Nasennebenhöhlen zugekleistert zu haben. Mein Hirn steht! Computerabsturz! Ich kann nicht denken! Völlig unfähig!

Zu behaupten, es hätte mit dem hauchzarten Wegtreten nichts zu tun… Illusorisch? Denn nebst dieser Erinnerung tauchten und tauchen immer noch neue Personen aus meiner Vergangenheit auf, die ich ganz genau erleben darf… Situationen werden reinszeniert, alles scheint haarklein durchdacht und realistisch. Mir wird schlecht, immer schlechter und ich fühle mich scheußlich krank… Fetzen aus den Achtzigerjahren… Spielkassetten… Das Stockbett… Mein Bruder oben und ich unten…
Beide Hände klimpern bedächtig. Aber ich vergeude Zeit!! Komme mit dem Video nicht weiter!! Doch augenblicklich ist mein Hirn unfähig, produktiv geschweige denn kreativ zu sein… Alles steht still und harrt der Dinge, der Erinnerungen, die da scheinbar selbstständig aus den Särgen gestiegen kommen, mit weit aufgerissenen Augen, weit aufgerissenem Maul einfach nur GLOTZEN und NICHTS, aber auch wirklich GAR NICHTS DAVON KAPIEREN!!!

11. Januar 2019, Freitag „Da kommt die Sonne…“

13:01
Ein wenig enttäuscht war ich sehr wohl; zum verspäteten Frühstück eine Scheibe Vollkornbrot, abends einen Apfel und um Mitternacht noch Milchreis, einen Becher. 58,9 Kilo um 10:30 Uhr.
Nun gut. Die Füße waren leicht geschwollen, aber definitiv ausreichend, dass Sebastian nachts große Schwierigkeiten bekam, mir die Stützstrümpfe wieder auszuziehen.
Die leidige Debatte… „Epilepsie oder Dissoziation“… Wenn ich mir nun diese Tatsache auch TATSÄCHLICH merken könnte… Ich stelle mal die kühne These in den Raum, dass man einen leichten epileptischen Anfall nicht bewusst triggern, forcieren kann. Ich blätterte in meinem Kalender, versuchte mir beim Umblättern die Zahl 7 zu merken (Zyklustag) und starrte dabei auf die 10 von gestern. Dachte an die Aussetzer gestern. Und ob ich auch heute wieder in den Genuss käme. Dabei brannte die 10 regelrecht ein Loch in meine Schädelplatte und die Zahlen verschmolzen vor meinem inneren Auge, Traumfragmente gesellten sich in Windeseile dazu und schon wieder dieses Dejavue… Eine leichte Derealisation… Die klassische Vorstufe zum Wegtreten…

Leseepilepsie!!!

Ein Glas mit lauwarmem Darmschmeichler. Die dreitägige Kloverstopfung hat sich zum Glück wieder aufgelöst. Meine Träume kamen spät, ich durfte erst spät einschlafen, wieder war es irgendwann zwischen 2 oder 3:00 Uhr, obwohl wir kurz nach Mitternacht im Bett verschwunden waren. Er hat SO laut geschnarcht!! Die nagelneuen Ohropax waren machtlos dagegen, ebenso mein Ellenbogen, der seinen Rücken immer wieder rammte. Erfolgreicher hingegen die vom Lesen eiskalten Hände.

Natürlich sind die größten Teile verschwunden, irgendwo in den Untiefen meines löchrigen Gehirns. Aber zuletzt träumte ich davon, meine Eltern wären auf Urlaub gefahren und Sebastian und ich hüteten das Gasthaus. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jeden einzelnen Raum Tag für Tag aufzuräumen. Vielleicht suchte er was, ICH suchte etwas. Er sorgte sich um Übernachtungsgäste, aus denen schlussendlich lauter Freunde von ihm wurden. Echte, Fiktive, Schauspieler.
Hatte er mir doch erst gestern Nacht betroffen erzählt, dass scheinbar einer seiner Schulkollegen gestorben sei.
Also musste das im Traum verarbeitet werden. Erst waren die Freunde noch normal, als sie oben in die Gästezimmer eincheckten. Aber am nächsten Tag, als sie die Treppen runterkamen, waren sie alles andere als das! Ich wurde von einem sogar gerufen, ich solle helfen kommen, er wisse nicht, wie er mit dem ganzen Blut umgehen solle…
Unten, dort wo eigentlich die Theke ist, befand sich nun ein leerer Bereich. Außerdem waren da auch lauter Wände rausgerissen worden, der Raum an sich war viel größer. Und man betrat direkt nach der letzten Stufe einen großen Gästesaal. Dort befand sich ein winziger Ring, wie beim Wrestling. Darauf standen sich Miekes Sohn und der Hauptdarsteller von „American Horrorstory“ gegenüber, beide nur noch leicht bekleidet. Die Wände waren mit Blut voll gespritzt. Jeder hatte eine Rasierklinge oder ein Skalpell in der Hand und sie beschimpften sich gegenseitig, trieben sich mit Worten an, dass jeder es dem anderen „ordentlich zeigen solle“… Und ich mache den fatalen Fehler, und sage doch als erstes: „Nun gut… Dann habe ich mich doch tiefer geschnitten…“!! Das heizte die beiden selbstverständlich erst recht an, und J. Versetzte seinem Kontrahenten eine lange Schnittwunde auf dem Bauch. Ich konnte hören, wie die Klinge das Gewebe zerlegte… Mir stellten sich die Haare hoch, wurde schlecht und ich musste wegsehen… MIR!!!
Nachdem ich mir doch gestern bei meinen Arbeiten und Überlegungen fürs Video so manch eine widerwärtige Aufnahme von mir selbst zu Gemüte geführt hatte.
Da standen seine Freunde, allesamt in Schwarz gekleidet, ein depressiver, „gestörter“ Haufen. Man kam sich vor wie in einer gruseligen Psychiatrie!! Was war bloß aus all den Leuten geworden? Und ich stellte die kühne These auf, dass ich sie allesamt ruiniert haben müsste. Denn als ich Sebastian kennen lernte (nebenbei erwähnt: mir gestern abschließend das Videoband angesehen, welches ich ihm damals geschickt hatte, vor über 20 Jahren), hatten er und all jene, die ihn umgaben, keine Ahnung von all diesen psychischen Krankheiten. Die für mich bereits „Alltag“ bedeuteten. Also fühlte ich mich schuldig…

(Habe mich soeben undeutlich ausgedrückt, habe mehr „führte“ gesagt, und das Programm hat ganz genau hingehört und ganz genau DAS geschrieben! Als ich nun das Wort ein zweites Mal falsch aussprechen muss, zum Zwecke der Korrektur, um es dann noch einmal richtig zu sagen, „fühlte“, ereilt mich das nächste Dejavuegefühl!!! Bei diesem Sonnenstand gerade, und die Sonne knallt ordentlich durch die Terrassentürscheiben, stecke ich irgendwie in einer Erinnerung fest, es muss irgendwann um 1991 gewesen sein, als ich auf diesem Mauersockel unterhalten des Gasthauses zur selben Jahreszeit in der Sonne brate, zusammengekauert, hat mich ganz klein gemacht… Was das wohl zu bedeuten hat…)

Ich fühlte mich also dafür verantwortlich. Atmete dann aber erleichtert auf, als mir wiederum eine seiner Freundinnen in den Sinn kam, die zumindest im Traum schon damals essgestört war. Ich unterhielt mich auch mit dieser dunklen Bagage, wir ignorierten sozusagen die beiden Streithähne auf der Bühne hinter uns. Was wiederum meine nächste Theorie unterstützte: Borderliner! „Sie agieren nur, wenn sie damit Aufmerksamkeit evozieren können!“. Natürlich wollten sie das nicht einsehen. Aber das war dann nicht mehr mein Bier. Vor allem… Und das war mir gleich eingangs aufgefallen… Was mimte ich hier die große „Vernunftsinstanz“?! Den „Moralapostel“?! Stand nicht ICH vor dem Ring, schwafelte von Besinnung, und war dabei selbst unfähig, meine Ärmel lang zu ziehen? Und beide Arme zerschnitten von vorne bis hinten?!!
Nach einer Woche waren meine Eltern immer noch nicht zurück (in besagter Serie bringt der Vater ja erst seine Frau und dann sich selbst um, und die Kinder lassen die Leichen im Elternbett liegen -zwecks Versicherung). Und da nun eben ungewiss sei, wann sie plötzlich auftauchen würden, meinte ich: „Dein Vorhaben in allen Ehren! Aber ich bleibe ganz sicher nicht hier, verstecke mich unten in der Bar und muss ihn oben schreien hören, wenn er das Haus verlässt oder etwas will!“. Wollte nur noch zurück nach Hause, in mein Haus…

Und fand sehr erstaunlich, dass ich bereits 1998 dem Graben hier in meinem Video eine sehr liebevolle Aufnahme gewidmet hatte… Der Graben ist auch wunderschön! Ganz abgesehen davon, dass ich mich selbst während dem Gucken für mich selbst ab und an schämen musste. Für meinen beschissenen Dialekt! Und die dummen Behauptungen, die ich da aufstelle! Ganz zu schweigen von der Tanzeinlage am Schluss… „Ausdruckstanz“… Meine Fresse!

Sebastian ist kurz ins Dorf. Und ich blöder Trottel bereue, ihn nicht gebeten zu haben, rechtzeitig, mir in warme Sachen zu helfen. Zumal wir doch erst zuvor den bestellten Rollstuhlsack ausgepackt und begutachtet haben. Mit dem Ergebnis: Doch, den behalte ich! Die Vögel zwitschern, die Meisen zumindest, und ich kann einen Turmfalken in der Luft schimpfen hören. Hätte hinausfahren sollen, wenn die Sonne schon scheinen muss. Vielleicht wären ein paar Aufnahmen möglich gewesen…
Fieber scheine ich nicht mehr zu haben, doch die zwei winzigen Eintragungen im Kalender waren meiner Hand bereits zu viel. Ändert nichts dran, mir vorwerfen zu können, das Malen nicht einmal zu versuchen. Es scheint so, als müsse ich strikt Prioritäten setzen: entweder Video oder Leinwand, entweder ganz oder gar nicht, entweder Leben oder Tod…

18:40
Bin aufgestanden, um im Bad den Beutel zu entleeren…
Es bereits in der letzten halben Stunde zu spüren bekommen… Wie ausgeknockt! Schlagartig! Nun, nach meinem wahrlich kümmerlichen Hadsch läuft mir Wasser aus der Nase und ich komme wieder auf 37,7 °C. Meine Hände mehr oder minder unbrauchbar, gelähmt. Und bekomme unverzüglich zu spüren, dass ich das Headset nicht aushalte. Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen, der Schädel platzt unter diesem geringfügigen Druck. Ob ich jetzt noch irgendetwas schaffe, scheint in den Sternen zu stehen… Hatte ich doch gerade einen Einfall, zumindest für ein paar Minuten meines Videos, das ohne Außenaufnahmen so oder so wie alle Wintervideos recht ärmlich um die Ecke kommen wird…

20:07
Mir läuft noch mehr Wasser aus der Nase, immer nur links. Einen kraftraubenden Kampf mit Kabeln und Heizdecke ausfechten. Als ob ich meine Feinmotorik nicht noch benötigte…
Kaum das Headset auf dem Kopf, WIEDER Kopfschmerzen!

Du bist wie deine MUTTER!!!

Ich denke an sie. Und fühle mich schlecht und schuldig und grausam und noch schlechter…

Im Hintergrund läuft meine „Selbstmord-Playlist“. Ihn gestern gefragt, ob er sich überhaupt daran erinnern kann, welche Musik hier auf Anschlag gelaufen ist. „Nein? Hab sie sofort ausgemacht. Weil sie so laut war. Und du auf dem Sofa am Schnarchen…“; mehr war schon nicht aus ihm rauszuholen.

Dafür eröffnete er mir heute ganz beiläufig, nachdem er stolz kundgetan hatte, sechs Kilo abgenommen zu haben, wie viel er denn mittlerweile auf die Waage brächte… Also für andere ist mein Einschätzungsvermögen doch noch nicht so sehr gestört wie für mich selbst! Obwohl… Ich zweifle daran, dass das der anderen mich betreffend ganz der Wahrheit entspricht…

110 Kilo. Ich fiel vom Glauben ab… Dann sind meine ganzen Horrorvisionen, seine Gesundheit und Zukunft betreffend, erst recht BERECHTIGT. War doch immer die Rede von etwas über 100…

BITTE!! Komm endlich zu Verstand!!!
Ganz egozentrisch hoffen, vor ihm abzukratzen…
Der Krebs wird mich schon holen, irgendwie und irgendwann…
Wenn es nicht die Umstände oder ich selbst erledigen werde…

Weiter an Rotzi basteln, Mimik betreffend. Für die nächste Animation, die geplant ist… Ob aus all diesen Planungen jemals ein fertiges Produkt werden kann?

21:17
Er hat mir gerade die Strümpfe ausgezogen und kundgetan, nichts essen zu wollen. Vor allem mein rechter Fuß ist dick geschwollen… Ich möchte, obwohl ich wieder nicht mehr intus habe als einen Apfel von vor 4 Stunden, mir auf die Füße kotzen!!
Eine ganze Ladung Entwässerung. Einfach so. Ohne nachzudenken.
Er sagt, ehe er wieder nach oben verschwindet: „Ich bin in big love with you!“.
Ich wiederum verziehe das Gesicht: „Und ich bin in big Sorge for you…“.
Darauf will er wissen, wieso. Und ich meine nur, ich werde das machen, was ich bereits in der zurückliegenden Nacht machen wollte (aber die Speicherkarte war voll): Sein Schnarchen aufnehmen. „Damit du mal hörst, was für einen Krach du veranstaltest und erst recht, wie kurzatmig du mittlerweile bist! In einem Atemzug von mir schnappst du zweimal nach Luft!“.

Mein Musikordner veranstaltet Gefühlsdisco mit mir. Von deprimierenden Lauferinnerungen zu deprimierenden Tanzerinnerungen, zu Aufschlitzklängen usw. und so fort. Mal singe ich laut mit, mal ist mir unverzüglich nach Weinen. Und ab und an, dazwischen, sorgt sogar das Denken an neue Dateinamen für die ganzen Versionen von Rotzi dafür, mich in diesem „Aurazustand“ wiederzufinden und gefühlt gleich „das Bewusstsein zu verlieren“. Nicht zu vergessen die immer wieder hoch kochenden Momente, in denen ich an meinen Traum, an das ganze Blut denken muss, und ich will mich aufschlitzen… Jetzt hätte ich sogar einen triftigen Grund, mit diesen widerwärtigen Klumpfüßen…

10. Januar 2019, Donnerstag „Inspiration…“

12:29
Schlechte Nacht, viel zu lange wach, viel zu lange im Bett. Und während ich mich im Halbschlaf fragte, ob ich nicht erneut irgendwann um 9:00 Uhr einer Absenz erlägen sei, holte mich diese spätestens um 10:30 Uhr ein.
In einem meiner unzähligen Träume konnte ich wieder normal gehen und musste mich lediglich ab und an daran erinnern, nicht aus Vergesslichkeit wieder mit dem Humpeln anzufangen.
Ich weiß ganz genau, was Markus dazu sagen würde: „Das ist doch ein gutes Zeichen!“.
Im Traum musste ich mit meinem Vater telefonieren, machte mir Vorwürfe, warum ich mich schon so lange nicht mehr blicken ließe, zugleich wollte er mich locken, bot mir an, „für uns“ (als Familie) ein Pferd zu kaufen. Zugleich träumte ich davon, dass unser Haus unterhalb des Gasthauses stand. Also nicht direkt, am Ende der Straße zum Hirschgehege vom sogenannten „Emil“. Und eigentlich ging dieser Traum damit los, dass ich im Supermarkt war, beim Real, und als ich diesen verließ und auf die Schweizer Verwandtschaft traf, diese einlud, zu uns ins Haus, fand ich es erst nicht mehr. Wieder einmal Gelesenes in meine nächtlichen Bilder eingebaut. Denn verlassen hatte ich dieses um 5:00 Uhr, gegenüber vom Supermarkt, sprich der Firma von Sebastian (in meiner aktuellen Lektüre geht es um die Tochter einer vietnamesischen Frau in Frankreich, deren Vater angeblich deswegen gekündigt hatte, weil sein Chef ihm verboten hätte, sich von seiner „schlitzäugigen“ Frau abholen zu lassen- das würde die Kunden verschrecken). Hatte ich doch zu ihnen gesagt, es wären nur ein paar Schritte… Nun mussten wir aber in der Tat die Bundesstraße hoch nach Henndorf pilgern; 6 km. Selbst dort angekommen, musste ich immer noch nach unserem scheinbar nagelneu gebauten Haus suchen. Es hatte auch nicht mehr als Wohnzimmer und Bad, der Rest war noch nicht einmal eingerichtet. Währenddessen ging oben im Gasthaus ein Feuerwerk los, wir wurden beschossen mit Raketen und ich sagte am Telefon immer wieder, so eben auch zur Verwandtschaft: „SIE haben für das Geld gearbeitet! Also sollten SIE sich auch etwas dafür gönnen, sich ein neues Haus bauen!! Nicht immer nur: DIE KINDER, DIE KINDER, DIE KINDER!!!“. Denn einerseits war das gönnerhaft, doch andererseits fühlten wir uns ein Leben lang in der Schuld.

In einem anderen Teil war Kolga wieder da, stand auf der Weide, als sei nichts geschehen, als wären die ganzen Jahre dazwischen nie verstrichen. Ich war glücklich und machte mir zugleich Sorgen, wie ich sie in meinem aktuellen Zustand VERsorgen solle. Und dann plötzlich war sie verletzt, lahmte, und bei genauerer Betrachtung entdeckte man dann am Hinterbein eine riesengroße Fleischwunde, die auch plötzlich zu bluten begann, das Blut spritzte nur so aus dem Pferdebein, die Hinterhand ebenso plötzlich kohlschwarz und verkümmert (wie gestern die Leichen bei „American Horrorstory“, außerdem wurde im Buch ein Pferdemetzger erwähnt). Alles nichts zu bedeuten…?

Ich hing den ganzen Tag gestern fest. Als hätte ich irgendetwas eingenommen, diesen Zustand noch von außen forciert. War unfähig, ganze Sätze zu denken, geschweige denn auszusprechen. Abends und nachts die Schwelle zum Wegtreten noch marginaler! Fühlte mich unentwegt von irgendwelchen Dingen getriggert. Von dem, was er sagte, was ich sagte… Eine klassische Derealisation?
Nichts schmeckt. Oder kaum etwas schmeckt. Oder Vieles schmeckt ganz anders. Zum Beispiel mein Tee. Oder abends die Vollkorncornflakes. Die Mentholpastillen. Die Schokolade (drei Katzenzungen).
59,1 Kilo um 10:45 Uhr. Die Nase zu. Nachts im Bett kann ich wieder atmen.
Diesen Schleim im Hals… Das ging doch damals bereits 2001 los? War es der Schimmel an den Wänden? Die Bulimie? Die Chemotherapie? Alles zusammen? Die Gene meiner Mutter?
Der Abdruck vom vermeintlichen Baseballschläger auf meinem Gesicht ist deutlich wahrzunehmen. Warm, heiß. 37,7 °C. Unfähig.
Den ganzen Morgen soll es geschneit haben. Aber davon ist nichts zu sehen. Einfach ein „hässlicher Januartag“; die Sonne kommt raus. Und ich verliere den Überblick darüber, was ich noch sagen wollte. Vermag nicht zu denken… Meine Hände klimpern, unter dem Wahlspruch „GLEICH kommt die Volkshilfe!!!“, unablässig bis 4. Meine Stimme ganz rau, dünn. Kopfschmerzen. Das Headset nicht länger aushalten… Genauso wenig die just in diesem Augenblick mich überschwemmenden Erinnerungen an vergangene Januartage! Zu viel wird zu viel und die Temesta liegen benutzerfreundlich unter dem Rollbrett meines Bildschirms…

19:24
Während Linkin Park im Hintergrund läuft, mir noch einmal das Leben vom Sänger zu Gemüte führen. Dass er drei Wochen, nachdem er bei einem befreundeten Musiker auf dessen Beerdigung nach Selbstmord gesungen hatte, selbst Suizid begeht. Mir das bekannteste Lied des Ersten reinziehen…
Flashback! Anfang der Neunziger, MTV, das Musikvideo…

Das ist alles so deprimierend…

Und nachdem ich Anita von der Volkshilfe davon berichtet hatte, heute bereits weggetreten zu sein, bzw. sie darauf vorbereitete, also dass sie sich nicht wundern solle, wenn ich plötzlich nicht mehr ansprechbar sei, passierte GENAU DAS…
Mein Musikordner lief, soeben meine selbst produzierten (wie hochtrabend das klingt) Stücke, genau genommen „Lethargie“, der Sound zum Bildentstehungsvideo… In der Mitte, dort, wo die Strings enden und in eine verstörende Klangkulisse übergehen… Ich meine, mich genau an dieser Stelle bereits mehrfach ausgeklinkt zu haben…

Ich schaffte es gerade noch so, irgendwie mit viel Anstrengung den Kopf vermutlich wenige Millimeter zu drehen, die Augen für einen winzigen Blick der Starre zu entreißen, und bevor sie sich schließen würden, noch kurz die Uhrzeit festzuhalten…
Muss im Kalender nachsehen, ich hatte es bereits vergessen… Um 15:35 Uhr…

Dann schlossen sich meine Augen, der Kopf wurde gesenkt, ich trat weg, mein Körper ging auf Stand-by, aber mein Geist war irgendwie noch vorhanden, nur tief in dieser maroden Hülle eingesperrt, irgendwo in einem dunklen Eck, ich bekam noch alles mit… Peripher… Wie unter Wasser…

Tief Luft holen… Was will es mir sagen? WAS NUR??!!

21:20

9. Januar 2019, Mittwoch „Neustart auf Raten…“

12:21
Augenblicklich versuche ich verzweifelt meine Fingernägel zu schneiden. Zuvor wurden Haare gewaschen, die Nägel aufgeweicht, leichter zu bändigen. „Normalerweise“. Aber was entspricht in meinem Leben schon der Norm?
Ich HASSE lange Fingernägel! An mir, an anderen, und kann nur mit Unverständnis reagieren, wenn mir jemand erzählen will, dieser „angeklebte Scheiß“ soll gepflegt aussehen.
Was für ein Kampf! Ich möchte gar nicht wissen, wie dämlich ich bei dieser Aktion aussehe! Mir genügte wieder einmal gestern die Aufnahme vom Zähneputzen ins Video einzubauen… Meine Fresse!
Zwei Nägel noch… Dann hat es die Linke geschafft. Das verdammte Klimpern unentwegt muss ja auch irgendeinen Nutzen haben. Störung und Ergotherapie in einem. Mir die Spitze der Schere ins Nagelbett rammen. Das Leitungswasser in der Plastikflasche ist leicht gefroren; sie stehen jetzt immer draußen auf der Treppe zum kalt werden.
Die Sonne quetscht sich durch die weiße Wolkendecke und meine Vögel fallen im Schwarm übers Restaurant her. Zuvor beim Frühstück hatte er kurz eine Dokumentation darüber angemacht, ob Katzen Kuscheltiere oder Monster seien. Ich plädierte für „Monster“ und die Naturexperten gaben mir recht. Während Sebastian noch zu relativieren versuchte: „Na… Das Vogelsterben kann man jetzt aber nicht allein den Katzen anlasten…“. Ich widersprach, dass es jetzt aber in diesem Fall um die Katzen ginge und nicht um Umweltverschmutzungen und Landwirtschaft. Und bleibe dabei: Wenn die Katzen tot sind, will ich nie wieder eine Katze in diesem Haus sehen! Das ist nicht vereinbar mit dem Dschungel drumherum!

Geschafft! Und 12:31 Uhr. 59,8 Kilo um 10:15 Uhr. Schlecht geschlafen. Sehr schlecht. Abgesehen davon, gestern Abend das Klo vollends verstopft zu haben. Schöne Grüße von Bewegungsarmut, Opiaten und Morphinen!
Ich ging früher ins Bett, nachdem ich den ganzen Tag am Computer verbracht hatte und nicht mehr sitzen konnte. Er wollte oben noch an seiner „Raspberry“ weiter basteln. Ich konnte nicht einschlafen. Er kam um Mitternacht. Und dann um 1:06 Uhr zerriss draußen die Feuerwehrsirene die nächtliche, eiskalte Stille. Dreimal ertönte sie und ich lag mit weit aufgerissenen Augen wie erstarrt im Bett und krallte mich an die Matratze!
Ja, ja… In meinem früheren Leben habe ich den Zweiten Weltkrieg mitbekommen, Fliegerangriffe und deswegen reagiere ich so…
Tatsache ist, das Feuerwehrhaus ist direkt unterm Gasthaus. Und wenn die Sirene zu hören war, wurde gelaufen, geschaut, hinterher gefahren, sich Sorgen gemacht… ZUM KOTZEN, DIESER UNFALLTOURISMUS!!!
Ich konnte nun erst recht nicht mehr schlafen. Wartete auf die Sirene des Feuerwehrautos, die nie kam. Zählte mit, wie oft die Wärmepumpe ansprang und lautstark wieder ausging. Ich zählte alle möglichen Dinge. Ich klimperte alle möglichen Melodien. Dachte an alle möglichen Horrorszenarien. Dachte an meinen verunglückten Suizid und wie schnell sich die Kunde davon wohl im Dorf breitgemacht haben muss. Was so manch einer wohl dazu an Senf abgegeben hat. Und schon beinahe amüsant, jemanden zum ersten Mal wieder zu sehen, den man zuletzt irgendwann vor Jahren VOR meinem inoffiziellen Tod getroffen hat. Diese unsicheren Blicke, das verschämte Lächeln, dieses Unvermögen, damit umzugehen, nach DEM mit MIR umzugehen… Lustig…

Sebastian schnarchte und ich hatte es wieder einmal gewagt, ohne Oropax die Nacht neben ihm zu bestreiten. Aber die Anspannung äußerte sich noch viel drastischer, dramatischer… Ich nehme an, um 6:00 Uhr ging es los. Direkt aus dem Traum heraus der erste Flashback. Ich sah mich auf der kleinen Terrasse vor dem Gasthaus.
Etwas später der zweite Flashback. Nun sah ich mich vor dem Tresen.
Abschließend, irgendwann um 9 herum, der dritte Flashback. Nun sah ich mich bereits die Hälfte der Treppen hoch zu den Schlafzimmern erklommen, wie ich da aus dem kleinen Fenster raushänge und wieder und wieder und wieder ein und denselben Satz runterbete: „Das kenne ich schon! Das kenne ich schon! Das kenne ich schon!“…
Wieder einigermaßen bei Verstand, wurde mir bewusst, bereits bei den ersten beiden Aussetzern diesen Satz gebetsmühlenartig wiederholt zu haben!

Mein interner Freund kann mir nun nicht anlasten, zu viele Opiate intus gehabt zu haben. Und deswegen „müsse es ja ein epileptischer Anfall gewesen sein“! Lediglich der Schlafmangel könne auch dafür sprechen. Aber…
Ja, was aber? Solange ich nicht wirklich etwas Handfestes sehe, das wiederum Erinnerungen los tritt, solange mir nicht mehrere Ärzte bestätigt haben, dass es sich NICHT um Epilepsie handeln kann, solange werde ich zweifeln… Müssen…

Die Nase zugekleistert. Das Gefühl, einen Baseballschläger ins Gesicht bekommen zu haben. Dezente Kopfschmerzen. Und den Eindruck, es augenblicklich mit den Nasenduschen nur noch schlimmer zu machen.
Blaumeisen am Restaurant. Aber die einzelnen Fensterscheiben derart verschmutzt, Filmen lohnt sich nicht. Trotz der wunderbaren Lichtbedingungen. Und irgendwie ist es schon wieder Frühling, winzige Mücken schweben hypnotisch in der Luft, fliegen Formationen in kleinem Maßstab. Doch da taucht der Zaunkönig wieder auf… Eine Aufnahme von ihm, die vielleicht noch scharf wäre, dazu kann ich nicht nein sagen… Wo ist der kleine Wicht? Um vermutlich in den nächsten Wochen ohnehin wieder tot auf der Terrasse zu liegen, Katzen sei Dank! So wie es in den letzten Jahren immer mit „Exoten“ war…

In der Dokumentation sagt eine Familie über ihre beiden Katzen, sie würden schätzungsweise „nur 25 Vögel im Jahr um die Ecke bringen“. Sind die so infantil?!

Die Brille rutscht mir immer weiter runter Richtung Nasenspitze und der Arm mit der Kamera in der Hand schläft allmählich ein. Aber ich weiß, ich ahne, sobald ich das Ding weglege, taucht der Winzling auf! Weil das IMMER so ist!

Man möge mir verzeihen… Amazon klingelt! Bzw. tut es nicht, aber das, was gestern Nacht bestellt wurde, liegt jetzt vor der Haustür… Krass…
Ein 3 l Trinksack mit Reinigungstext und Schlauch zum Trinken… Warum bin ich nicht früher auf die Idee gekommen? Da man die Kühltasche für die Flaschen ja nirgendwoanders anbringen kann als am Schwenkarm für die Steuerung, und dieser mittlerweile völlig ausgelaiert ist, und ich mit 3 l natürlich noch besser bestückt bin als mit nur 2 l Flaschen, also NOCH länger unterwegs sein kann, ist diese Option natürlich um Längen besser! Hoffe ich.
Zeitgleich auf dem, die Kamera ausschalten. Bereits 13:20 Uhr und ich will, ich MUSS noch irgendetwas schaffen!!

14:24
Nächster Flashback! Woran hab ich gedacht? Was, welcher Gedanke, welche Erinnerung hat mich wegtreten lassen?
Das KANN KEINE Epilepsie sein! Dafür hatte ich viel zu viel Kontrolle!!
Erinnerungen drängten sich auf! Aber welche??

Mitten im Videoschnitt, alles verschwimmt, zurück zu spulen erklärt nicht den Auslöser, nichts ergibt mehr Sinn, kann nicht denken…

17:34

Wusste nicht weiter, Arme und Beine längst eingeschlafen.
Öffne das Foto von „Leichenprozession“, Lisa Gerrard donnert aus der Stereoanlage.
Ich sehe, was ich gemalt habe.
ICH, tatsächlich ICH.
Sehe, WAS, WER ich noch vor wenigen Jahren war…

Und mir kommen die Tränen…