28. November 2022, Montagabend (-nachmittag)

16:11

Ich stecke in unheimlichen Erinnerungen fest. Teils irgendwo und irgendwann, teils bis auf den kleinsten Bestandteil wiederhergestellt, wo ich war, welche Uhrzeit, Wetter, Lichteinfall, was ich tat, was ich dachte. Und wieder und wieder und wieder Pinkafeld, bei Tante und Onkel. Wäre es nicht vor ihrem Tod schon so gewesen, könnte ich mir jetzt vorwerfen, nicht bei ihrem Begräbnis gewesen zu sein, hinterher nicht meinen Onkel sehen zu wollen, weil die beiden in meinem Leben keine Rolle spielen. Vermeintlich. Bis auf diese beklemmenden und dabei doch so harmlosen Erinnerungen

Die Depression zieht mich ins Nichts. So lange schon kein Tagebuch mehr geschrieben, ich wusste nicht, wo ich die Daten finden könnte. Alles vergessen. Und kurz davor, bei unserer Nachbarin anzurufen, um sie zu bitten, ihre beschissenen Hühner in den Griff zu bekommen, damit sie nicht um Haus herum alles zerlegen.. Da waren sie gerade auf der Terrasse, schon wieder. Reicht es nicht schon, dass ihre Gockel vormittags, wenn ich schon die ganze Nacht nicht schlafen konnte, in unserem Garten direkt vorm Schlafzimmerfenster herum krähen muss?! Ich war so wütend und wartete darauf, aus dem Rollstuhl zu fallen, weil dann könnte ich das nächste Mal sagen, wenn ich es denn endlich mal schaffe sie zu kontaktieren, ein paar Argumente als Schützenhilfe zu nutzen, damit sie die Eindringlichkeit meines/unseres Problems versteht: „Dein Hauszoo ist schon wieder bei uns, bitte, nenn mich nun nicht kleinlich, aber letztens bin ich beim Verscheuchen schon aus dem Rollstuhl gefallen!…“.

Sie ist Krankenschwester… Und hat mittlerweile 7 oder 8 oder mehr Hähne, mehr als Hühner? Und ich muss meine Aussage korrigieren! Einer ihrer Gockel kräht nicht um 1:00 Uhr nachts, nein, er fängt so wie gestern bereits um Mitternacht damit an. Ich habe große Lust, mir einen Fuchs zu kaufen…

Oder würde ihr am Liebsten an den Kopf schmeißen: „Du hast eindeutig ein Problem mit Männern!“, oder: „Du hast einen Männerüberschuss, dagegen sollte was unternommen werden!“.

Dass es um unser Haus herum für Otto Normalbürger total unordentlich aussehen mag, das sollte ja wohl unser Problem sein. Die Natur freut sich! Keine Rechtfertigung, die Hühner nicht einsperren zu können. Die gesamte Einfahrt ist voll mit Steinen, die sie aus dem Sand, aus den Sandwänden links und rechts davon, tagtäglich gekratzt haben. Da wurde ja sozusagen ein Weg in einen Sandhügel geschlagen, um zum Haus zu gelangen. Und wächst einfach nicht zu, weil es vornehmlich Sand ist.

Und jetzt? Zappenduster! Das Geschrei der Katzen treibt mich so weit, dass ich in Gedanken die Biester mit dem Rollstuhl plattmache, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich kann nicht mehr!! Und wünschte, sie wären endlich tot, wären endlich weg!! Aber Sebastian hätte was dagegen,, was ich klar bei Verstand auch verstehen kann…

Gestern sprach ich es tatsächlich aus: Ich glaube, ich habe schon wieder einen Schub. Hat doch das MRT ohne Kontrastmittel eine schubförmige Progression bestätigt hatte, dass da neue Läsionen seien? Das Krankenhaus hat sich dazu noch nicht geäußert, nicht gemeldet, nicht die versprochen, wenn etwas zu sehen sei, würden sie dies unverzüglich nachholen. Und der neueste Schrei eben diese Krämpfe nachts, mit denen ich aufwache, völlig erstarre und vor lauter Verkrampfung beginnen meine Hände und Beine zu schlottern?!

Gestern Nervenzusammenbruch, vorgestern, vorvorgestern. Die Zukunft verdunkelt, keine Zukunft mehr, schwarz. Und so so verschlechtert sich eben auch die Feinmotorik, die ich noch in der Lage bin/war an den Tag zu legen, hier diese mickrigen Bewegungen auf meinem Tisch, mit der Maus, Tastatur ohnehin schon tabu.

Tue ich ihm Unrecht? Gestern das Gefühl, er will endlich nach oben gehen, endlich seine Sachen machen, nicht nur für mich hin und her rennen und machen und tun… Fängt die blöde Kuh nicht genau an diesem Punkt an zu flennen, lautstark, kriegt sich nicht mehr ein? Mich, meinen beschissenen Körper im Bett zu positionieren wird ein gesundheitsgefährdender Akt für Sebastian. Hatte er doch schon die letzten Monate eine taube Stelle an der Hüfte, die später juckte, und nach Jahren Krankenhaus darf ich mit ein wenig Erfahrung mutmaßen, dass sich da die 1. Bandscheibe bei seinem Übergewicht meldet. Nichts passt, kein Winkel ist Winkel genug, immer liege ich zu sehr auf dem Rücken, auf den Arschbacken und die Neuropathie, der Ischias frisst sich in mein Hirn!

Bei täglichem Abführmittel angekommen. Auf dem Klo zu sitzen nichts als ein schmerzhafter Akt, die Klobrille bohrt sich 2 Klingen gleich in meine Oberschenkel, und dann versuche mal, ein bisschen Druck zu machen. Und weil es noch nicht reicht an Schmerzen, fühlt sich eben dieser Druck an, als würde ich soeben versuchen den Katheter durch diese offene, uralte Fleischwunde zu quetschen, aus mir raus zu pressen, die aus irgendeinem Grund nur noch ein schwarzes Sekret absondert.

Ich träumte… Irgendwo hatte ich das im Fernsehen gesehen. Eine junge Frau hat es vorgemacht.

So kündigte eben auch ich meinen Selbstmord dieses Mal bei Facebook an. Am Tag, an dem ich sterben sollte, ging ich doch tatsächlich noch laufen, es war so schön, aber mir nicht vergönnt, die Schwäche holte mich doch ein. Und dort unter dem Gasthaus, bei der Bundesstraßenbrücke über eine Senke wurde ich am Anfang und am Ende eben dieser von Rad- und Autofahrern aufgehalten. Allesamt sollte ich wahrscheinlich kennen, waren bei all meinen Filmpremieren dabei, mir also bekannte Gesichter… Aber ich wusste nichts mehr, weder Namen noch Geschichte… Und beide wollten mich abhalten von meinem Plan. Wie es wohl Sebastian damit ginge, sollte ich bedenken…

Ich habe Angst. Ich habe Angst, dass meine Überdose umsonst in der Schublade neben mir wartet.

2 Pradaxa

6 Cipralex

6 Praxiten

33 Hydal

43 Temesta

93 Gewacalm

Wenn die Benzos mich 2015 schon nicht umgebracht haben?

Verzweifelt darauf bauen, dass die Wechselwirkung mit dem Morphium wenigstens tödlich ist? Vielleicht ein bisschen mehr Blut durchs Pradaxa…

Ich will mich verletzen. Ganz einfach. Um dann sicherlich enttäuscht zu sein über die ach so gefährliche Wirkung der neuen Medikamente.

Keinen Millimeter umdrehen können, nicht den Hauch einer Chance an meiner Situation allein etwas zu ändern, richtig schön auf denSchmerzen liegen, sie breit liegen, mich darauf ausruhen. Ein trudelnder Sturz ins Endlose. Millimeter für Millimeter bzw. Tag für Tag, die mein Körper 1 mm weniger schafft.

Ich kann nicht mehr.

Oder wie er gestern meinte: „Schluss jetzt mit der Depression, und wird geschlafen!“.

Leicht reden. Er verlässt morgens das Haus, sieht sich lediglich mit einer beschissenen Arbeit konfrontiert, aber sonst keine Einschränkungen, tut trotzdem alles, um sich frühzeitig umzubringen…

Er geht einfach, ich bleibe zurück. Lässt das Haus hinter sich und nimmt das ganze Licht mit. Es ist dunkel, stockfinster ist es hier. Und da kein Sonnenlicht zu sehen ist, bin ich zurückgeworfen auf meine Unzulänglichkeiten. Auf den Verlust. Auf die Fleischwunden, die klaffend zurückbleiben, die ich wie immer automatisch zu umschiffen versuche, und zugleich eine wunderschöne Forschung auf die Zukunft ermöglichen, wie alles weiter trudelt, alles weiter abstürzt, bis…

Tja, bis…

Nichts mehr übrig ist?

Es tut mir leid.

7. November 2022, Montag

13:41

Ich kann nicht mehr.

Hat dieser Satz über die Jahre nicht an Eindruck verloren, ob der häufigen Benutzung, wurde sozusagen abgenutzt?

Ein Sonnenscheintag, der Himmel klar. Gestern bei meiner Ausfahrt war es kalt, mir war zu kalt. Und der Nordwind peitschte gnadenlos ins Gesicht, Futter für die nicht enden wollenden Kopfschmerzen. Es gab jetzt häufig Diskussionen darüber, wie es weitergehen soll, wie Sebastian sich vorstellt, glaubt, denkt, hofft, dass es weitergeht. Und ich sitze hier direkt neben meiner Überdose, gespickt mit über 300 Tabletten, zuletzt noch 4 Pradaxa (meine neuen Blutverdünner, dem Marcumar gleichwertig) hinzugefügt, sollte ich auf Nummer sicher gehen wollen und mich davor noch verletzen, dass es dann mal wirklich einen Effekt hat…

Mir fehlen die Worte, ich kann seit Wochen nicht mehr denken, mich nicht mehr erinnern, nicht mal ein gestern, nicht mal an heute Morgen, an nichts mehr.

37,3 °C verkündet das Thermometer. 90 % der Ärzteschaft würde dazu sagen, das ist doch völlig normal für einen Erwachsenen. War ich selbst schon erstaunt, dass die Neurologin zuletzt im Befund vermerkte, dass meine Symptomatik sehr wohl einem Uthoff-Phänomen entsprechen würde.

Meine Oberarme werden immer dicker, meine Beine, meine Füße, aber eben sogar auch die Oberschenkel immer dicker geschwollen. Mein Bauch ein riesengroßer Stein.

„Das liegt an der verlangsamten Verdauung!“.

Ich konnte seit 2 Wochen jeden Tag aufs Klo?! An die im Blutbefund neu festgestellte Eisenmangelanämie denken. Oder blute ich schon wieder seit Wochen in meinen Bauch hinein, eine neue Eierstockzyste geplatzt?

Ich kann nicht mehr.

Ich wollte mit dem Termin nächste Woche in der Urologie diese unsägliche Kette endlich abreißen lassen! Jede Woche, jede beschissene Woche mindestens einmal oder zweimal Krankenhaus oder Arzttermin!!!

Ich kann nicht mehr.

Und wenn man feststellt, ich irre mich, da ist nichts…

Sogar mein Kopf ist geschwollen.

Sebastian, unerschütterlich optimistisch gestimmt wie eh und je, will die Verschlechterung nicht anerkennen, bzw dass diese in meine Zukunft zeigt. Ich sitze hier und kann nichts mehr. Ein winziger Tropfen auf den heißen Stein, wortwörtlich, mein Gesicht zuvor unter kaltes Wasser zu halten.

Meine Überdose in der fahrbaren Kommode direkt links neben mir. Ich müsste lediglich die Schublade aufmachen, die Dose öffnen und alles schlucken…

Alles stimmt, nur die Tränen augenblicklich nicht.

Wegen Sebastian? Ihm das nicht wieder antun dürfen?

Doch nicht etwa wegen mir??

Mein neuer Film eine einzige Aufzählung von Symptomen und Beschwerden. Mehr nicht.

Ich kann nicht mehr…

20. September 2022, Dienstag mittags „Heimkehr…“

13:13
Sebastian kommt von der Arbeit, zur Mittagspause, ich liege noch im Wohnzimmer auf dem Fernsehsessel, wo ich geschlafen habe, bis jetzt, und seine erste Frage ist: „Wie geht’s dir?“. Ich bin irritiert, warum er das fragt. „Na weil du gestern Abend gesagt hast, du wirst depressiv! Und da krieg ich schon Angst…“.

Ich bin noch ganz verwirrt von den ganzen bunten Träumen, von denen ich keinen einzigen sortieren konnte. Habe ich das gesagt?

Ein dunkles Gefühl pflichtet mir bei. Ja, wird schon so sein. Was war los, was war gestern anders? Das nun Knall auf Fall eingetretene Fortschreiten des Herbstes, gerade eben war noch unerträglich Sommer und nun im Sauseschritt geht alles kaputt, zerfällt. Mein Körper hält sich an die Rahmenbedingungen. Die Ausfälle werden immer stärker. Seit ein paar Tagen betrifft es ganz massiv die rechte Körperseite, das rechte Bein, aber noch viel schlimmer, die rechte Hand, die zu einer Kralle verkrampft sich einfach nicht mehr öffnen lässt. Dagegen zu dehnen nur mit stumpfer Gewalteinwirkung möglich. Ohne dauerhafte Auswirkungen…

Ja, tatsächlich, da ist die Depression, ganz plötzlich, obwohl ich gerade eben noch mit Sebastian herumgealbert habe, aber jetzt, als sei ein Blitzeinschlag durch mein Denken gefahren, spüre ich gnadenlose Einsamkeit, das alles kaputt ist und ich brauch ein Taschentuch…

Ja, in der Tat, abgesehen von den ganzen Hassgefühlen mir gegenüber, habe ich schon sehr lange nicht mehr so gefühlt, und es kommt mir leider verdammt vertraut vor. Dabei sollte ich mich allmählich einkriegen, Daniela kann alsbald auftauchen. Und was dabei immer mehr und mehr wird, das dringliche Bedürfnis mein selbstverletzendes Verhalten zu reaktivieren, eine von den unzähligen nagelneuen Rasierklingen aus ihrem Versteck zu ziehen, um sie wenigstens einmal in meine Haut sinken zu lassen. Dabei ist nicht abzuschätzen, was für verheerende Folgen das haben könnte. Zumal mein Morgenurin im Katheterbeutel die letzten Tage jedes Mal blutrot war. Und andererseits denke ich: „Mensch, das muss doch mal einer ausprobieren? Diese heftigen Blutverdünner im kunstvollen Zusammenspiel mit einer Autoaggression, wie wunderschön muss das sein?! Eine Verschwendung der glücklichen Zusammenkunft unglücklicher Umstände?“.

Den ganzen Rotz runter würgen. Ach ja, das kenne ich doch, oder? Ist es nicht ein vertrautes Gefühl, gerade im Zusammenspiel mit dem ganz speziellen Lichteinfall draußen vor der Terrassentür, wie das Licht in Streifen durch das Wolkendickicht fällt und vereinzelt auf die ersten bunten Blätter trifft? Da werde ich ganz melancholisch. Was könnte mir helfen? Eine lustige Sendung gucken? An meinem Film weiter arbeiten? Ablenkung? Mit meinem Antidepressivum bin ich bereits auf Maximum! Eine von den Benzos, gegen eine Panikattacke? Irgendetwas, das zumindest versucht, mich ruhig zu stellen? Temesta, Praxiten, Psychopax? Ich scheine verloren…

Na endlich, zurück in den vertrauten Armen meiner Depression, die hält wenigstens zuverlässig fest…

13:13
Sebastian kommt von der Arbeit, zur Mittagspause, ich liege noch im Wohnzimmer auf dem Fernsehsessel, wo ich geschlafen habe, bis jetzt, und seine erste Frage ist: „Wie geht’s dir?“. Ich bin irritiert, warum er das fragt. „Na weil du gestern Abend gesagt hast, du wirst depressiv! Und da krieg ich schon Angst…“.

Ich bin noch ganz verwirrt von den ganzen bunten Träumen, von denen ich keinen einzigen sortieren konnte. Habe ich das gesagt?

Ein dunkles Gefühl pflichtet mir bei. Ja, wird schon so sein. Was war los, was war gestern anders? Das nun Knall auf Fall eingetretene Fortschreiten des Herbstes, gerade eben war noch unerträglich Sommer und nun im Sauseschritt geht alles kaputt, zerfällt. Mein Körper hält sich an die Rahmenbedingungen. Die Ausfälle werden immer stärker. Seit ein paar Tagen betrifft es ganz massiv die rechte Körperseite, das rechte Bein, aber noch viel schlimmer, die rechte Hand, die zu einer Kralle verkrampft sich einfach nicht mehr öffnen lässt. Dagegen zu dehnen nur mit stumpfer Gewalteinwirkung möglich. Ohne dauerhafte Auswirkungen…

Ja, tatsächlich, da ist die Depression, ganz plötzlich, obwohl ich gerade eben noch mit Sebastian herumgealbert habe, aber jetzt, als sei ein Blitzeinschlag durch mein Denken gefahren, spüre ich gnadenlose Einsamkeit, das alles kaputt ist und ich brauch ein Taschentuch…

Ja, in der Tat, abgesehen von den ganzen Hassgefühlen mir gegenüber, habe ich schon sehr lange nicht mehr so gefühlt, und es kommt mir leider verdammt vertraut vor. Dabei sollte ich mich allmählich einkriegen, Daniela kann alsbald auftauchen. Und was dabei immer mehr und mehr wird, das dringliche Bedürfnis mein selbstverletzendes Verhalten zu reaktivieren, eine von den unzähligen nagelneuen Rasierklingen aus ihrem Versteck zu ziehen, um sie wenigstens einmal in meine Haut sinken zu lassen. Dabei ist nicht abzuschätzen, was für verheerende Folgen das haben könnte. Zumal mein Morgenurin im Katheterbeutel die letzten Tage jedes Mal blutrot war. Und andererseits denke ich: „Mensch, das muss doch mal einer ausprobieren? Diese heftigen Blutverdünner im kunstvollen Zusammenspiel mit einer Autoaggression, wie wunderschön muss das sein?! Eine Verschwendung der glücklichen Zusammenkunft unglücklicher Umstände?“.

Den ganzen Rotz runter würgen. Ach ja, das kenne ich doch, oder? Ist es nicht ein vertrautes Gefühl, gerade im Zusammenspiel mit dem ganz speziellen Lichteinfall draußen vor der Terrassentür, wie das Licht in Streifen durch das Wolkendickicht fällt und vereinzelt auf die ersten bunten Blätter trifft? Da werde ich ganz melancholisch. Was könnte mir helfen? Eine lustige Sendung gucken? An meinem Film weiter arbeiten? Ablenkung? Mit meinem Antidepressivum bin ich bereits auf Maximum! Eine von den Benzos, gegen eine Panikattacke? Irgendetwas, das zumindest versucht, mich ruhig zu stellen? Temesta, Praxiten, Psychopax? Ich scheine verloren…

Na endlich, zurück in den vertrauten Armen meiner Depression, die hält wenigstens zuverlässig fest…

September 2022, Freitag „Ein paar Worte…“

17:53
Was für eine abgedrehte Scheiße!!!
Gestern? Was hatte mich denn da gestochen? Regelrecht angepiekst? Auf einmal sah ich meine Mutter, überall und immer und dauerhaft. Und egal, wie sehr ich mich bemühte, aus meinen Erinnerungen irgendetwas Positives hervor zu zaubern, das einzige Gefühl, das ich ihr gegenüber hatte, war unbändiger Hass.

Heute Nacht dieser Traum: Ganz abgesehen davon, dass mein Vater mein braunes Kleid trug, wozu ich nur meinte, das würde ihm ungemein gut stehen (er sah mit seinen nackten Beinen darin zum Schreien aus)…

Ich war im Schlafzimmer meiner Eltern, dort stand das ausklappbare Sofa meiner Oma und ich wollte unbedingt Tagebuch schreiben. Aber ich kam einfach nicht dazu und sah meine Ressourcen unwiederbringlich kaputt gehen. Und irgendwie, dass meine Mutter mein Tagebuch gelesen hätte, meine tausenden Seiten an Tagebuch, und nun der Meinung war, nur sie würde mich verstehen.

Andererseits nahm sie mich nicht ernst, mit meiner Sinusitis. Ehe ich ihr verständlich machen konnte, dass das so weit ausufern kann, dass es einer Operation bedarf. Jetzt, plötzlich, befand sie es für schlimm. Aber nicht meinetwegen, sollte sich herausstellen…

Mein Vater war unten im Gastzimmer, ein Bauer kam vorbei und er komplementierte ihn hinaus, er hätte nicht geöffnet. Meine Mutter bekam das mit, rannte nach unten zur Theke, um meinen Vater zu fragen, wo denn der Gast hin sei. „Der ist schon wieder draußen und fährt nach Hause?“. Meine Mutter rannte schnell zur Eingangstür, schüttelte sich einmal, um in perfekte Stimmung zu kommen, verließ das Haus und schritt zum Auto des Bauern, der da immer noch auf der Straße stand. Ungefragt begann sie, ihr Leid zu klagen, wie sehr sie darunter litt, nun so eine schwere und tödliche Sinusitis zu haben, und was ihr da nicht alles weh täte. Der Bauer verstand kein einziges Wort, und sie versuchte ihm die menschliche Anatomie in Kinderworten nahe zu legen.

Ach? Jetzt war es ernst zu nehmen? Eine Krankheit, die zuerst nur ich hatte, befiel nun beinahe automatisch auch sie, aber noch viel schlimmer??!! Noch viel dramatischer??!!

Als ich heute Morgen aufwachte, dachte ich zwangsläufig an die ersten Jahre nach meiner Diagnose, wie sie mit mir regelrecht ums Kranksein konkurrierte!! Sie hatte alles schon vorher und viel länger und viel schlimmer!! Meine MS hatte sie auch schon vorher!! Um sie erneut zu zitieren: „Vielleicht bin ich einfach nur stärker als du und stecke das alles besser weg?“, als sie sich wieder einmal mit mir vergleichen musste, gerade zu dem Zeitpunkt, als bei mir die Lähmungen losgingen.

Und als hätte ich es geahnt… Mein Vater wollte den Pritschenwagen abholen, den Sebastian die letzten Tage mit lauter Müll vom Dachboden befüllt hatte. Aber tatsächlich wurde mein Vater von meiner Mutter zu unserem Haus gebracht. Und nicht wie gedacht, fuhr sie anschließend wieder nach Hause, sie blieb unten stehen und ging die Einfahrt hoch. Das entsetzte mich schon, war ich doch davon ausgegangen dass sie weiß, dass ich das nicht will, und dass sie sich daran hält?! Aber noch viel obskurer das Theaterstück, das nun folgte…

Mein Vater war schon da und wuselte um mich herum, weil ich ihn wegen diverser Dinge am Rollstuhl um Rat gefragt hatte. Da konnte man sie bereits in der Einfahrt hören… Fing sie nicht tatsächlich zu humpeln an?! Sie hat schon längste Zeit 2 nagelneue Hüften, mit denen sie angeblich nie Probleme hatte, und nun schleppte sie hörbar ein Bein hinter sich her??! Hatte sie mich gesehen, war deswegen nach oben gekommen?

Eine Hand auf eine Wange gedrückt, keuchte sie schmerzverzerrt: „Kann nicht reden, nicht essen, es tut alles so weh…“. Ich widmete mich wieder meinem Vater, ignorierte sie. Er verstand nicht alles, weil er wahrlich schwerhörig ist, da mischte sie sich wieder ein, und machte den Übersetzer. Nun war von ihren Schmerzen nichts mehr zu bemerken.

Es ist jedes Mal so, wie 2 kleine Kinder eifern sie um meine Aufmerksamkeit, sie ist definitiv penetranter dabei! Ihr nur kurz Aufmerksamkeit geschenkt, war sie wieder in ihre leidende Rolle zurückgekehrt, als sei es nie anders gewesen. Und klagte, dass sie nun Pregabalin nehmen müsste, wie schlecht es ihr damit ginge, dass sie zugenommen hätte, und, und, und… Hatte mir doch Sebastian schon Länge mal Breite von ihrer erneuten Trigeminusneuralgie berichtet. Was ich, ehrlich gesagt, wieder komisch fand, weil zeitgleich zu meinem Zahnproblem?!

Ich meinte dazu nur, ich hoffe, es hilft dir, ich selbst finde es ist ein Scheißzeug, deswegen konnte ich 2 Jahre lang nicht gehen und hatte mindestens 10 Kilo mehr.

Mein Vater meinte schon, sie soll aufhören, sich mit mir zu vergleichen, oder wie zuletzt, als er in einem zynischen Kommentar klar machte, dass er nichts von ihren Geschichten glaubt und es geschmacklos fände, wenn sie sich mit ihrem Pseudoleiden mit mir vergleicht, und Sebastian war vollends entnervt von diesen nicht enden wollenden Geschichten.

Wie hatte Markus sie immer genannt? Die Marter Dolorosa, die LEIDENDE Muttergottes. Und ich fragte mich noch, warum ich so einen Zorn ihr gegenüber hege. Warum ich gestern so aggressiv wurde, wenn ich an sie dachte, so sehr, dass ich sie nie wieder sehen wollte, als hätte sie mein ganzes Leben ruiniert, zerstört, vergiftet. Aber was hat sie gemacht?! Würde man sie fragen, wisse sie es nicht!! Und ich unfähig es zu benennen… Ein einziger Brainfuck!! Diese Schmerzensvergleiche gingen doch erst kurz vor meiner Diagnose los, 1997, als ich wie sie ein Carpaltunnelsyndrom diagnostiziert bekam? Sie damit anfing, ICH SEI GENAU WIE SIE, ICH WÜRDE ALLES VON IHR ERBEN?!

Oder eben schon früher, das Gefühl, für ihr Leben verantwortlich zu sein, dass ihr Leben, ob sie lebt, über mein eigenes entscheidet?! Ob ich lebe oder sterbe?! Und ich nun die Schnauze voll hatte?! Unterbewusst kapierte, dass ich endlich erwachsen werden müsse?!

Sebastian meinte gerade, er hätte schon 1000 mal zu ihr gesagt, sie solle aufhören damit, vor allem mir gegenüber diese Leidensstory abzuspulen, was sie glaubt, ob sie sich mit mir „auf ein Level stellen können“.

Ich sagte ja, es ist einfach nur krank. Und da träumte ich vorgestern davon, meine ganzen Rasierklingen eingesammelt zu haben. In allen Schulbüchern hatte ich sie versteckt, oft genug blutbesudelt. Gestern dann, als ich plötzlich ausrasten musste, zum 1. Mal das wirklich dringende Bedürfnis, mich wieder zu verletzen. Und dass ich da OHNE nicht mehr rauskäme.

September 2022, Freitag

14:33
Es ist in der Küche wieder nicht auszuhalten, Sebastian lässt das schmutzige Geschirr in Stapeln zu Gebirgen heranwachsen, und das stinkt. Damit doch ohnehin permanent schlecht ist. Ich konnte nicht schlafen, lag die ganze Nacht wach, mit dem entsprechenden Schmerzen. Mein Schädel zeigte die Intention, nun endlich zu platzen, tat es dann aber tragischerweise nicht. Der Schmerz wanderte von der entzündeten Baustelle durch den ganzen Mund, am Schluss schmerzten die Schneidezähne bestialisch und irgendetwas drückte in mein verspannte Kreuz, bis ich vermeintlich keine Luft mehr bekam. Eine Bandbreite unterschiedlichster Schmerzmittel intus, aber nichts davon schien meinen gestörten Körper in irgendeiner Form zu tangieren.

Das muss ich zum besseren Verständnis hinterher reichen: mir wurde ja der 3. Weisheitszahn rechts unten gezogen, die Wurzeln seien doppelt so lang, so dauerte es auch doppelt so lang, aber bereits nach 2 Tagen hatte sich die Wunde hatte bis unters Dach entzündet, ich 38,6 °C Fieber und keine Ahnung, wie das weitergehen soll. Vielleicht ein kleines Foto?

Fühlte sich an, als würde mir der Kiefer wegfaulen. Damit quälte ich mich über eine Woche rum, bis ich im Krankenhaus anrief und sie mir Antibiotika verschrieben. Diese wollen bis jetzt nicht wirklich angreifen. Obwohl meine Temperatur angeblich endlich stabil sein sollte. Je nachdem, was das neue Thermometer an Ergebnis ausspuckt.

Und dann auch noch das! Panik, eine handfeste Panikattacke, die sich zu einem Panikzustand auswuchs. Was hatte ich getan, was was schief gelaufen, was war jetzt schon wieder der Grund? Der Termin heute Abend?

Der Naturschutzverein hat heute eine Sitzung, bei der mein Film über die Pfütze am Überlaufbecken gezeigt werden soll. Dieser Film hatte mich nun 2 Wochen lang komplett aus meinem eigenen Arbeitsprozess katapultiert, sodass ich tatsächlich mindestens 3 Tage brauchte, um wieder in meine eigene Arbeit rein zu finden. Hatte mich das so aufgeregt? Es tut mir so leid, so unsagbar leid, Sebastian und ich können nicht mal mehr in einem Bett schlafen. Es geht einfach nicht. Wenn ich meine Beine jede Nacht hochlagere, zu dem sehr aufrecht liege, vermag ich den Reflux einzudämmen und meine Füße sehen wieder normal aus. Er käme mit dieser Berg- und Talfahrt nicht klar, der würde er sich den Rücken brechen. Und dann noch das Hauptproblem, sein lautes Schnarchen. So meinte ich gestern wieder einmal: „Du bist so ein Volltrottel! Und du bist so faul!! Du hast alles, alle Ressourcen, nichts würde dich hindern, endlich etwas für deinen Körper, deine Gesundheit zu tun. Würdest du abnehmen, würde das Schnarchen auch weniger werden. Aber nein, du rührst keinen Finger! Du bist zu blöd!!“.

Und lachend gab er mir recht.

Endlich durfte ich aufs Klo gehen, ist ja schon wieder 2 Wochen her, die letzte Einheit Abführmittel hatte 0 Ergebnisse, aber eine Woche drauf, darf ich nun sagen bereits sechsmal die letzten 2 Tage auf dem Topf gesessen zu haben. Fühle ich mich nun irgendwie leichter? Nein, diese Schwangerschaftswampe wird und wird einfach nicht kleiner!

Heute das Gefühl, ganz leise, ganz vorsichtig zur Kenntnis genommen, es könnte mir ja ein bisschen besser gehen. Aber dann die Ernüchterung, als er mich aus dem Rollstuhl zog, und ich wieder nicht in der Lage war, zu stehen, noch einen Fuß vor den anderen zu schleifen, geschweige denn 1 mm zu bewegen. Gestern war ich kurz draußen, es wird Herbst! Und da sind sie wieder die Gedanken, die Selbstmordgedanken, dass alles kaputt ist, alles verloren, es so nicht weitergehen kann und zugleich der selbe Wunsch wie jedes Jahr, seit ich 15 bin. Dass es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen und zu zeichnen. Dabei so einen innigen Wunsch verspüren, auf meine Rollstuhlfahrten den Zeichenblock einzupacken und dann einfach irgendetwas zu kritzeln… Könnte ich nur… Oder müsste es nur versuchen? So gab ich meinem Glück einen anderen Stoß, Daniela war ja erst am Dienstag wieder da, doch wie gewohnt hält der ordentliche Zustand unserer Anwesenheit, erst recht der von Sebastian, keine Minute stand. So dachte ich, ich tue mir was Gutes, Seelenhygiene, schnappte mir den Staubsauger und versuchte zumindest Schadensbegrenzung zu erreichen. Eine Temesta habe ich intus. Und was haben wir von den zurückliegenden Tagen gelernt, SCHON WIEDER?! NIE WIEDER TRITTICO!!! Ich war ein Zombie, und das leider gleich über 3 Tage hinweg. Dann ist mir wach liegen doch lieber.

Die Panik will mich erwürgen, um noch kurz ein paar Abschlussworte:

heute Abend um 19:00 Uhr Vorstellung meiner kleinen Dokumentation in Jennersdorf bei der Vereinssitzung des Naturschutzvereins AUNIWAUNDN, morgen um 19:00 Uhr Premiere des neuesten Teils meiner Soap, Multiple versus Multiple #51 – Mein Leben, unverdaulich,

und dann sonntags um selbige Zeit der Naturfilm für den Verein nun auch online.

Vielleicht hat ja jemand Lust und Zeit…

Beschissenes Programm!

Was ist denn das für ein scheiß Programm hier?! Eigentlich beginnt der Eintrag mit Datumsangaben, ab dem 1. Juli, aber WordPress meint da irgendeinen unterschwelligen Code dazwischen lesen zu müssen! Passt ja zu meinem ganzen Dilemma!!! Andere nehmen in meinen Symptomen, meinen Aussagen viel mehr wahr, als ich selbst!!!

„Fieber“.

„Fieber“.

„Fieber“.

„Fieber“.

„Fieber“.

„Fieber“.

.

..

….

…..

„Fieber“.

„Fieber“.

„Fieber“.

„Fieber“.

„Fieber“.

„Fieber“. JEDEN Tag! Seit einem Monat, oder bereits seit Monaten, wer weiß. Mit kleinen Durchbrüchen, Schwankungen mit gleich so gravierenden Verbesserungen, um schnellstmöglich wieder zusammen zu krachen. Zitat neue Zahnärztin: „Zähne machen kein Fieber!“.

Ach so? Ganz kluge Frau!

Warum sollte/musste ich dann freitags gleich nach Graz in die Uniklinik fahren, wenn dem tatsächlich so wäre? Warum wurde der Zahn, der zu allen anderen gehörte, die nun angeblich Frieden geben sollten, wurzelbehandelt?!

Diese Behandlung muss donnerstags bei meiner neuen Zahnärztin beendet werden. Verbessert hat sich nichts. Doch, ich kann schon wieder nicht scheißen. Schlucke seit dem Krankenhaus auf Anraten des Arztes dort Seractil. Also kein Wunder? Und schaffe jeden Tag MINIMUM 36,8 oder 36,9 °C?! Oder so wie heute, da ich wieder im Bett blieb, ich faule, fette Sau, und Sebastian die Schmerzmittel nicht zur Morgendosis hinzugefügt hatte, eben wieder 37,2! Das Gefühl, mein Schädel platzt. Kein richtiger Zahnschmerz, aber ein permanentes Wummern, Pulsieren, zieht über den Wangenknochen unters rechte Auge direkt hinein in den Schädel. Aber nein, jetzt ist alles saniert, da darf kein Zahn mehr Ärger machen. Kleines Rätselraten: Wie verdammt lange rumort das schon im Hintergrund?! Und ich dachte, es sei die MS, wie auch meine Ärzte dachten, das sei alles die MS?? Noch einmal kurz zurück zum letzten Aufeinandertreffen mit der 2. Neurologin, als ich ihr von den gleich mannigfaltig beherdeten Zähnen erzählte, und sie mir ernsthaft ins Gesicht sagte: „So viel können die Zähne nicht ausrichten!“, und zwischen den Zeilen: Jetzt hören Sie endlich auf, zu verhandeln, Sie sind sekundär, sehen Sie es endlich ein!!!

Ihr seid alles, allesamt ARSCHLÖCHER!!! IHR seid die Dilettanten!!! Kann man das irgendwo anzeigen, diesen Dilettantismus??!! Das grenzt ja schon längst an Körperverletzung!!!

Ach ja, nur so am Rande: Ich nehme die neue Blutverdünnung seit einer Woche, und, OH WUNDER, der Borderliner hat sich noch nicht umgebracht, sich seit mindestens eineinhalb Monaten nicht mehr verletzt!!

Der nächste Arzt, den ich konsultiere, sollte zeitgleich auch Verteidiger sein, ein Anwalt, und dann geht es euch allen an den Kragen!!

An den Internisten, zum Befund der Neuro zwecks oraler Blutverdünnung – ES REICHT!!

Sehr geehrter Herr Doktor,

verzeihen Sie bitte, dass ich dem Befund noch etwas hinzufügen muss. Ich werde jetzt ausschweifend, aber vielleicht ist das für Sie auch mal eine Abwechslung in Ihrem Alltag, und qualitativ besser als die Kronen Zeitung zu lesen.
Nach all den Jahren in Feldbach darf/muss ich leider sagen, das ist wieder einmal ein KLASSIKER! Man bespricht etwas, einem wird etwas gesagt, man einigt sich, und dann (fast wie immer Wochen später) ist davon im Befund nichts mehr zu lesen!!

Was mich wieder total wütend und andererseits sprachlos macht. Ja, ich weiß, das darf man nicht, aber ab jetzt werde ich bei jedem Gespräch meine Kamera mitlaufen lassen, weil es mir wirklich reicht!!

Darf ich die liebe Frau Dr G. im O-Ton zitieren, wie im Abschlussgespräch bei meiner Entlassung zuletzt stattgefunden?

Bekäme ich diese Nachfolger von Marcumar, Eliquis etc…

Ich meinte: „Sollte ich mich verletzen, bekomme ich wahrscheinlich einen riesen Schreck und mache es dann nie wieder!“.

Sie dazu, für mich total unerwartet und locker: „Dann verschreibt man einfach einen Antagonisten dazu!“.

Und jetzt soll ein Psychiater hinzugezogen werden???

Seit 23 Jahren schleife ich eine vermeintliche Borderline-Diagnose hinter mir her wie eine stinkende Leiche. Obwohl von diversen Psychiatern, Therapeuten immer wieder in Befunden widerlegt, werde ich dieses Anhängsel nicht los! Für einen Borderliner habe ich dann aber einen Weltrekord aufgestellt, denn keiner lebt seit 24 Jahren in einer stabilen Beziehung!! Aber, das ist ja das Praktische dran: Schon hast du den Stempel weg als manipulativ und verlogen zu gelten!

Der Witz ist nur, wo habe ich diese Diagnose her? Anfang 2000 habe ich sie mir selbst gegeben!!! Weil damals galt noch: „Borderline = Selbstverletzung“ und ich suchte verzweifelt nach einem Namen für diesen ganzen Scheiß! SO EIN SCHWACHSINN!

Für das, dass ich die ganze Zeit lügen soll, nehmen sie meine eigene Diagnosestellung aber sehr ernst!!

Ich habe eine dissoziative Identitätsstörung!

Und die Thrombosen in den Armen habe ich dem LKH Feldbach zu verdanken, weil während der Operation vom 7. Port a cath der Chirurg während dieser sagte, er käme nicht in die Subclavia rein, die seit total verstopft, operiert aber weiter!! Bekam dann, weil dieser Port NIE funktioniert hat, noch einen 8. verpasst, in die Jugularis! Total aufgeschwemmt, glaubte mir keiner, als ich die Vermutung äußerte wieder eine Thrombose zu haben (eine solche hatte ich bereits beim 2. Port 2002 und weiß ganz genau, wie das aussah)! Ich wurde sogar ausgelacht wegen meiner Thrombosetheorie (vom Chefarzt der Rehaklinik), ich hätte einfach zu viel gegessen und deswegen so dicke Oberarme und ein dickes Gesicht (danke vielmals, das war meiner Bulimie/Anorexie sehr zuträglich)!!

Dementsprechend spritze ich schon seit JAHREN Heparin. Würden nun Sie mich zum Psychiater jagen, mit welchem Befund soll ich dort antanzen? Einem, in dem Borderline steht oder meine zahlreichen Selbstmordversuche (es gab bis dato nur einen, 2015!!).

Mein Leben ist beschränkt genug, vielleicht sehen wir uns ja bald wieder, weil ich vor lauter Ärger ein Magengeschwür bekomme!

GANZ LANGE REDE, kurzer Sinn… Es tut mir leid, eine Anekdote muss ich leider noch loswerden, um das Bild meines Desasters komplementieren zu können…

1998 nach Diagnosestellung und 1. Cortisonstoßtherapie verpasste man mir eine cortisoninduzierte Osteoporose!!

Diese Diagnose ist genauso anhänglich wie die mit dem Borderline.

Alles Reden half nicht, interessierte niemanden, dass ich dann 15 Jahre Langstreckenläufer war. Und gipfelte schlussendlich darin dass ich mit gebrochenem Rückgrat 2020 3 Tage auf der Intensivstation lag, die Grazer Chirurgie einfach nicht zurück rief, und als ich dann dort abgeliefert wurde, durfte ich Nervenbündel Zeuge werden, wie mehrere Chirurgen um mich rum ungeniert ihrem Entsetzen lautstark Luft machten: „Die hat Osteoporose!! Das wird hier keiner operieren!!!“.

Und dann auf dem OP-Tisch, ein älterer Chirurg das Vergnügen hatte, und ich mich unter Tränen dafür bedankte, dass endlich etwas getan wird, und er ganz väterlich zu mir sagte: „Aber das muss ja operiert werden!!“.

Anschließend ließ ich eine Knochendichtemessung vornehmen. Ergebnis nach 24 Jahren MS? Und mal locker 50/60 Stoßtherapien? Eine OSTEOPENIE, meinem Alter entsprechend!!!

Den Befund in Feldbach vorgelegt, mehrfach, und was machen die Herrschaften draus?! In den nächsten Befunden stand wieder Osteoporose!!!

Es tut mir wirklich leid, dass ich mir nun Luft machen musste, aber auf andere Weise kann ich für meine mickrigen Rechte wohl nicht einstehen, dafür bin ich wohl „zu gestört“.

Aber bestenfalls hatten sie noch was zu lachen oder mal den Nacken entspannend zum Kopfschütteln.

Mein ganzer Bauch, die Haut ist mittlerweile ohnehin schon steinhart.

Wie zu meiner richtigen Störung passend, noch einmal von Herzen Entschuldigung

und liebe Grüße,

Bianca Maria Samer