20. Januar 2020, Montag „In seichten Fahrwassern…“

13:00
Kein Gewicht. Morgens vor der Waage eine Kehrtwende gemacht. „Ist doch ohnehin alles sinnlos!“. Meine Füße waren dick geschwollen, tagelang keine Stützstrümpfe getragen, weil diese Krämpfe forcieren. Und wer hätte das für möglich gehalten, wer hätte DAS gedacht?! Mein Zustand lässt sich noch viel weiter in den negativen Bereich hinein steigern.

Aber wer soll mich noch ernst nehmen, sind es doch immer dieselben Sätze? Nur die Qualität dahinter ist eine andere?

Wieder und wieder: „Ich kann nicht schreiben!“, „Ich kann nichts festhalten!“, „Ich kann mein Brötchen nicht schmieren!“ usw. und so fort.

Seit gestern unfähig, mir das Essen zum Mund zu führen. Der Eintrag im Kalender nicht mal ansatzweise leserlich. Die qualitative Verschiebung in dieser Aussage so gewaltig, dass ich beinahe wieder von einem Schub sprechen möchte. Kann das Aminopyridin, bzw. dessen Fehlen auch einen Einfluss auf die Hände haben? Ist doch bei diesem Präparat immer nur die Rede davon, dass es eventuell die Gehfähigkeit verbessert und es so bei Absätzen mitunter heftigen Verschlechterungen kommen kann. Aber in der Tat die letzten Tabletten geschluckt, am Tag auch nur noch die Hälfte, um die restlichen über so viele Tage strecken zu können wie möglich. Anruf im Krankenhaus, dauert bis Mittwoch, dann sei meine Ärztin wieder im Dienst. Trotz Befund, in dem explizit aufgeführt ist, dass ich dieses Medikament jetzt nehme, vermochte der Hausarzt kein Rezept auszustellen: „Wir haben das nicht einmal im Computer!“. Natürlich wäre das fein, WENN NUR DAS DER GRUND WÄRE!

Was für ein Zufall, gestern dann endlich mit meinem Film fertig geworden zu sein. Ein Räucherstäbchen, die Schale Tee noch voll vom Frühstück, möchte ich dieses nun sichten. Mein rechtes Bein krampft. Der Schlauch vom Katheterbeutel hat sich irgendwie ums Schienbein gewickelt, löst dabei noch extra Missempfindungen aus. Ich war beim Frühstück eingeschlafen. Samstagnacht, Sonntagnacht kaum Schlaf gefunden und dabei morgens verhältnismäßig wach. Brachte mich zu folgender Erkenntnis: „Tagsüber zu schlafen fühlt sich sicherer an als nachts!! Nachts muss ich scheinbar wach sein, um gewappnet zu sein!“.

Das neue Buch, „Zersplitterte Seele“… Abgesehen von den wahrlich nicht mehr schönen Rechtschreibfehlern im Text, ganz zu schweigen von deren Menge pro Seite, bringt es all das auf den Punkt, was Markus mir seit neun Jahren predigt, was ich ihm seit neun Jahren nicht glauben darf. Der Text löste so einiges aus. Und ließ mich mit meiner Problematik definitiv sicherer zurück! Es geht um dissoziative Intensitätsstörung, dissoziative Absenzen, Derealisationen, Depersonalisation, verdrängte Traumata, Flashbacks.

Meine ganze Symptomatik hat etwas zu bedeuten! So hatte ich auch vormittags, während ich auf meinem Fernsehsessel Schlaf nachzuholen versuchte, wieder eine Absenz. Im Traum traf ich ein Mädchen, eine Frau. Nun gut, im Traum war sie noch ein Mädchen, aber definitiv älter als ich, und ich war irgendwie noch jünger, viel jünger. Während ich versuchte einen Storch zu filmen, plötzlich ein Stromschlag. Eine Reaktion des Körpers, vor der ich mich total erschrak. „Wer hat mich geschubst?!“. Niemand. Sie meinte, sie würde das bereits von mir kennen. Da drang sich mir die Frage auf: „Damals, bei diesem Fest in eurem Gasthaus, da war ich sicher nicht älter als sechs Jahre. Hatte ich da auch schon dissoziative Absenzen, bin weggetreten?“.

Das konnte sie bestätigen. Und ich fiel aus allen Wolken

Ein Hydal; vermutlich auch um irgendwie ruhig zu bleiben. Meine Blase spinnt, gestern eine Entwässerungstablette und heute so gut wie noch nichts getrunken. Da waren auch noch zwei Träume in den zurückliegenden Nächten, die wichtig erschienen. Aber ich hatte nicht die Zeit, sie festzuhalten. Wie besessen nur noch an meinem Film gearbeitet. Heute… Später dann… Erst mein Verbrechen begutachten, wie viele Fehler noch drin stecken…

14:39
2. Morphium. Die Krämpfe nehmen kein Ende. In der Hälfte des Filmes, MAGIX hat erneut einzelne Clips verschluckt. Nachbessern… Ach, Herbstvideos „sind schön“ (ganz uneitel), die Musiwahl scheint gelungen…

Und nun, aus heiterem Himmel, zerschießt es mir die Tonspur!

Und manchmal, und immer öfter bin auch einfach nur ICH das Problem und merke nicht, dass im wieder eingefügten Bildmaterial ebenfalls die Tonspur noch an ist!!! Und ICH ärgere mich, wundere mich, wo der Nachhall herkommt!! Und vor allem, dass ich ihn nicht abgestellt bekomme!!

DUMME NUSS!!!

17:04

Der Sonnenuntergang ließ mir keine Ruhe, ich musste kurz rausfahren, mich abkühlen und bestenfalls noch etwas mit der Kamera einfangen. Ich fuhr die Straße hoch, zum neuen Haus der Nachbarn. Ein paar bunte Abendwolken und eine riesengroße Krähenschar. Es war so schön, so betörend schön… Und dann, wie zu erwarten eigentlich schon beinah, war der Akku leer!! Ich wollte hastig, so schnell wie möglich zum Haus, diesen austauschen. Aber ich beschissener Krüppel stellte mich mir selbst in den Weg!!! Durch die Kälte, die Spastik in den Beinen, ich konnte sie nicht auf die Fußstützen stellen. Die linke Fußstütze völlig ausgelaiert, klappte immer wieder nach unten, und sobald ich mit letzten Kräften versuchte, den Fuß drauf zu stellen, klappte sie wiederum nach oben. Minutenlang ärgerte ich mich, beschimpfte mich, hasste mich. Der kleine Hund in Annis Haus, kläffte laut.
Von der Kälte dermaßen steif gefroren ließ ich die nagelneue Kamera gleich zweimal hintereinander runter fallen. Und konnte nur von Glück sprechen, dass der Gurt an der Steuerung hängen blieb und sie nicht auf den Boden knallte!! Ich/Rumpelstilzchen brüllte und keifte herum, dass Fine Angst bekam und sich im Wohnzimmer versteckte, um beinahe schuldbewusst um den Türrahmen zu lugen „Nein, du bist nicht gemeint…“, versuchte ich zu beschwichtigen. Und dann wieder draußen, verpasste ich jedes Mal die Krähen. Die Kamera stellte nicht scharf, ich konnte sie nicht halten, alles verwackelt…

Hatte ich nicht wenige Minuten zuvor mit einer unbedachten Bewegung die Teeschale vom Stövchen gepfeffert, die letzten Reste ergossen sich über Maus, Kopfhörer, über erst vor kurzem ausgetauschte Tischdecke und Tastatur?!! Zig Süßstofftabletten landeten auf dem Fußboden, den sie doch erst morgens so schön sauber gemacht hatte?!…

DU BESCHISSENER, DRECKIGER, WERTLOSER KRÜPPEL!!!
DU BIST EINFACH NUR NOCH FÜR ALLES ZU DÄMLICH!!!
STIRB‘ ENDLICH!!!

Und so war ich auch ganz plötzlich felsenfest davon überzeugt, draußen auf der Straße in der Kälte und dem Abendlicht, beim durchgängigen Versagen, ich würde nun nach Hause fahren und mich unverzüglich bestrafen, für meine Wertlosigkeit, meine Unzumutbarkeit, meine Unzulänglichkeiten, mich massakrieren, ehe er nach Hause kommt…

Dabei saß ich doch zuvor noch so schön ruhig am Tisch, das Morphium hatte tatsächlich die Krämpfe abgestellt, sowie meine Unruhe… Aber das darf eben nicht sein!!!

Mit den letzten Rest am Film aufheben, ehe er nach Hause kommt und mir neuen Tee kocht. Ich will/muss das in Ruhe „genießen“… Und später dann zu den beiden Träumen noch ein paar Worte verlieren. Vermutlich ohnehin zu viele. Ich rede zu viel! Alles sinnlos, wertlos, überflüssig, interessiert kein Schwein… Ich eine Belastung!!

17:45
Noch einmal Morphium…

19:05
Und wieder einmal könnte der Rausch so schön sein… Wäre da nicht… Wenn denn nicht…

Die Panik will mich erschlagen. Zumal diese nun angesichts des Buches wie nach einer Offenbarung erst recht Sinn ergibt. Auf mich selbst einreden, aber es will nicht funktionieren.

Heute sehr dringlich das Bedürfnis, „dem Täter“ einen Brief zu schreiben. Meinen Eltern einen Brief zu schreiben.

Meine Augen fallen zu…

Die Träume…

Jener von Samstag auf Sonntag, glaube ich.

Wir wohnten im Gasthaus (wer hätte das gedacht). Und da fällt mir auf, dass doch nicht mehr alles abrufbar ist…
Ich wollte unser Schlafzimmer ungesehen verlassen, dieses beschissene Haus ungesehen verlassen. Ging hinten durch die Tür. Dort, wo die Terrasse ist, zwischen Haus und kleiner Garage, unterhalb des Zaunes… Da stand nun mein Vogelrestaurant. Und ich wollte es auffüllen. Glaube, Sebastian hat mir geholfen.
Plötzlich kam von hinten ein rotes Auto, viel zu schnell, sprang über den Zaun, um Haaresbreite an uns vorbei, raste die Wiese runter und dann unten in der Ecke zwischen den Thujen, wo diese einen rechten Winkel bilden, wo ich früher als Kind immer durch geschlüpft war um zu meinen Freundinnen in der Volksschule zu gelangen, dort raste er hindurch und war verschwunden.

Der hätte uns umbringen können! Doch niemand nahm uns ernst, erkannte die Gefahr, wollte uns glauben, wollte MIR glauben.
Aber da tauchte meine Mutter auf, riss die Regie wieder an sich, wollte es besser machen, besser wissen als ich. Sie nahm den Meisenknödel und hing ihn an eine unmögliche Stelle. Daraufhin drehte ich durch -schon wieder, wie bereits im Vorgängertraum. In meinen Händen hielt ich ein langes Säckchen mit Nüssen. Walnüssen, ungeschält. Plötzlich verwandelte es sich in eine lange, steinharte Salami.

Augenblicklich drängt sich mir durchaus die Vermutung auf, dass es sich dabei um einen Phallusvergleich handeln könnte!

Und ebenso augenblicklich fing ich an mit diesem Ding auf sie einzuprügeln!! Auf ihren Kopf, immer nur auf ihren Kopf!! Mein Vater hatte sich unbemerkt dazu gesellt, stand oben hinterm Zaun und beobachtete die Szenerie, unkommentiert. Ich prügelte und schlug auf meine Mutter ein. Ich muss sie getötet haben, denn plötzlich löste sich ihr Körper auf, und übrig blieb eine Maske. Die erst noch lächelte, in Richtung Boden schwebte. Kaum auf der Wiese angekommen verwandelte sie sich in ein Blatt Papier. Darauf ihre Gesichtszüge skizziert. Traurig sahen sie aus. Enttäuscht, verbittert, gekränkt, zutiefst verletzt und unendlich traurig. Prompt meldeten sich meine Schuldgefühle. Wie konnte ich ihr das nur antun? Schon wieder antun? Zugleich den Traum kommentierend: „Warum träumst du schon wieder so etwas??!! Deine arme Mutter!!! Wenn die wüsste!!!“. Erstaunlich auch das Verhalten meines Vaters. Er sah seine Frau auf dem Boden liegen. Und wand sich einfach wortlos ab, um dann in seiner Garage zu verschwinden.
Was für ein Verbrechen!! Nun war es vonnöten zu flüchten, hastig. „Schnell, zum Auto!!“, dieses stand auch auf dem Parkplatz hinter dem Gasthaus und wir sprangen überstürzt hinein, fuhren hastig davon. Nach Hause, ins richtige Zuhause!!

Und ich mache keinen Hehl daraus, eine gehässige Freude empfunden zu haben, dass unten vor der Volksschule auf der Bushaltestelle besagtes Auto stand. Eine einzige Havarie! Das geschah ihm, dem Fahrer Recht!! Es war einer der Idioten aus meiner Kindheit, die da immer einen auf Rennfahrer machen mussten…

Bei den letzten Worten das Gefühl, wegzutreten. Wie bei den letzten 3 Minuten bei Sichten meines Filmes, als sich mir plötzlich erneut Kindheitserinnerungen aufdrängten. Natürlich habe ich sie wieder vergessen. Wo war ich? Was habe ich gesehen und gefühlt? Es war harmlos und machte Todesangst! So wie ich gestern Abend schon wieder mit immer wieder zitierter Weihnachtsfeier konfrontiert war, so plastisch, lebendig und ebenfalls Panik!!

Plötzlich meine ich einen Geruch wahrzunehmen. Bei der Absenz vormittags schien mir jemand ins Ohr geschrien zu haben, oder geflüstert, aber die Worte hatten so eine Wucht, dass sie in meinem Trommelfell, in meinem ganzen Schädel widerhallten, alles zum Erbeben brachten, zum Vibrieren und Zittern, während ich ein und denselben Satz hoch und runter beten musste: „Das kenne ich schon, das kenne ich schon, das kenne ich schon…“.

Ein entsetzter Blick in mein Traumdokument: Da Fehlen doch die letzten Traumaufzeichnungen!!! Was für eine Schlamperei!!!

Ohne es vorhersehen zu können im Flur plötzlich das Geräusch vom Lichtschalter und alles an mir zuckt zusammen, beinahe schon schmerzhaft, vor Schreck!

Hatte ich von dem Traum erzählt, in dem ich bei der Straßenverwaltung angestellt war? Und mir so cool vorkam, mit meinen Neonstreifen? So dermaßen hipp, weil die Autofahrer nun vor mir Respekt hatten? Wir die Straße zum Teil absperren mussten, weil ein „schwarzes Kind“ sich dort herumtrieb? „Momo“?

Und natürlich habe ich nun den zweiten Traum auch nicht mehr parat…

DAS HAST DU DAVON!!!
Sind ohnehin nichts wert, haben nichts zu bedeuten!!!

Habe ich von dem Traum in der psychiatrischen Klinik erzählt, in der mich Sebastian begleitete? Ich vermag nichts mehr zusammenhängend zu denken!!

Wie blöd muss man sein?! Zu Beginn meiner Erzählung wusste ich es doch noch!! Alles weg… Und vermag nicht Frieden darin zu finden, dass es vermutlich ohnehin bedeutungslos war… Fühlt sich an wie ein
riesengroßes Versagen!!

18. Januar 2020, Samstag

13:11
Ich konnte, ich durfte nicht schlafen. Meine Beine krampften so pervers. Und heute? Nachdem es gestern NUR EINEN SALAT zu essen gab?! 66 Kilo!!! Körper, ich hasse dich!!! Du bist jetzt ein Verräter, und warst es wohl auch schon damals!!!

Dabei sind wir heute so früh aufgestanden. Ich um 8:15 Uhr. Den Vormittag mit Frühstück und dann „Der Goldene Handschuh“ verbracht, bis Mittag. Keine Zeit. Will meinen Film zu Ende bringen, den Abspann fertigstellen.

Es wenigstens geschafft, Sebastian für ein paar Minuten nach draußen auf die Terrasse zu entführen. Was für ein Saustall, was für eine Unordnung, richtig assig sieht es aus. Eigentlich ums ganze Haus. Beinahe müsste man sich schämen. Aber nun hat er zumindest bei meinem Ausblick für Klarschiff gesorgt, alles sauber gemacht, neues Futter und die Vögel wissen es zu schätzen. Die ersten Schneeflocken. Regen und Schnee. Ob wir in den nächsten zwei Monaten noch einen richtigen Winter bekommt?

20:28
Das Provisorium vom Abspann mit Musik zu Gemüte führen…

Ich weiß jetzt, dass ich tot bin.

17. Januar 2020, Freitag

8:46
Mir kommt die Kotze hoch, die Pumpe wummert in der Kehle. Die 2 Hydal 2mg retard abends, meine Beine waren regelrecht geladen, drücken noch. Dennoch… Weitere 2,6. Womit anfangen? Sie erst zumöhlen und dann von der therapeutischen Bettkante stoßen? Andersrum?

9:41
Und? War das jetzt so schlimm?!

Nein.
Es war sogar schön.
Und dennoch, ganz plötzlich, Panik!

Räuch erstäbchen. „Calm down…“…

Gestern so gut wie nichts gegessen. Arschkarte, seitens meines Gewichtes: 55,3kg um 6:45!!!

11:12
In Wellen peitscht die Panik über mich hinweg. Gefolgt von kurzen Ruhezuständen, Rausch, gedämpftem Innenleben und Wahrnehmung.

12:11
Der Rausch steigt stetig. Dennoch Panikspitzen, augenblicklich, weil Sebastian gleich heim kommt…

15. Januar 2020, Mittwoch TW

16:16

66,2 Kilo um 6:45 Uhr. Und morgen dann noch mehr, erneut von einem Salat zu Mittag???

Ich setz‘ mich an den Computer, auf dem rechten Bildschirm der Monitor des Videoschnittprogrammes. Meine aufgedunsene Hackfresse…

Schau dich an, du Stück Dreck!!!
Was bist du für eine fette Mastsau geworden!!!
Du bist NICHTS mehr wert, GAR NICHTS!!!

Eine einminütige Hasstirade aus meinem eigenen Munde, in Richtung Bildschirm und meiner Wenigkeit gewettert. Das Sativex abgesetzt, der Traum heute Nacht wie ein Bombeneinschlag! Ich müsste ihn aufschreiben… Aber ich scheine keine Zeit zu haben.

Erneut zum Morphium greifen; meine Beine krampften das Mittagessen hindurch, auch noch die 2 Stunden hinterher, die wir auf dem Sofa verbringen wollten. Meine Beine krampften heute Nacht. Wieder schlecht geschlafen. Dafür war Mieke heute Vormittag zu Besuch. Es war sehr schön, keine Tabus, angenehm, mal wirklich alles ansprechen zu können… Als ob ich das nicht ständig meinen Therapeuten gegenüber machen würde.

Weiter am Video…

16:46
MAGIX ist wieder abgestürzt, das kann noch dauern. Also fange ich schon mal an…

Mein Traum:
Ich saß im Wohnzimmer und versuchte einen Comic mit einem Fineliner nachzuziehen. Von draußen Randale. Sebastians Freund Sebastian schlich wieder an der Tür vorbei, ohne ein Hallo gleich die Treppe hoch zu Sebastian. Das machte mich schon sauer. Aber dann waren da ganz viele Leute, ich kannte niemanden davon, und alle schleppten irgendwelchen Müll von oben runter, nach draußen. Was war hier los?! Was wollten diese Menschen hier?! Hatte Sebastian Geheimnisse?!
Und dann kam es noch dicker: Meine Mutter hatte wohl angekündigt, dass diverse Leute aus dem Dorf sowie Nachbarn bei uns vorbeikämen. Sie schwor hoch und heilig, nicht dabei zu sein. Und dann saßen da diese mir seit Kindertagen bekannten Gesichter, und auf meinem Platz auf dem Sofa eben meine Mutter. Sebastian betrat den Raum und ich brüllte ihn an. Was er da treiben würde, ob er Geheimnisse vor mir hätte, dass wiederum ich ihn durchschaut hätte, schon längst, er mir einfach keine Handykarte besorgt, weil er Angst hat, dass ich dann auf mein Konto gucken kann und sehen muss, dass er dieses leergeräumt hat und deswegen so einen Aufstand wegen dem Rollstuhl macht. Ich brüllte so laut, meine Stimme überschlug sich. Die illustre Runde auf dem Sofa sah mich irritiert an. Alle schwiegen. Meine Mutter meinte dann, ihr seien die Kekse ausgegangen, und ob Sebastian für ein Fest in der Volksschule, auf dem Videos aus ihrer Schulzeit gezeigt werden sollten, backen könnte. Ich brüllte noch weiter rum und flüchtete dann aus dem Raum. Schnurstracks ins Schlafzimmer, wo ich mich in Klamotten und Schuhen aufs Bett warf. Auch im Traum hatte ich das Sativex abgesetzt und scheinbar einen fetten Entzug, der zu meinen Entgleisungen führte. Sebastian hatte mir vorgeworfen, ich legte paranoide Züge an den Tag.

Also ich lag da allein in diesem dunklen, kalten Raum. Und wer kam, um nachzusehen, wie’s mir geht? Als sei ich ein kleines Kind?

Meine Mutter!

Sie sah doch tatsächlich erst unter dem Bett nach, und ich brummte nur entnervt, dass ich natürlich IM Bett läge. Was dann gesagt wurde, weiß ich leider nicht mehr. Aber ich hab dieses Gefühl noch in der Hand…

Ich packte sie an den Haaren, schüttelte mit Gewalt ihren Kopf, riss ihr eine dicke Strähne aus und brüllte sie in einem fort an: „DU WEISST BESCHEID!!! DU WUSSTEST SCHON IMMER BESCHEID!!! ABER WAS HAST DU GETAN?!!! DU HAST MICH VERRECKEN LASSEN!!! DU HAST DEIN EIGENES KIND NICHT BESCHÜTZT!!!“, usw. und so fort. Sie flüchtete panisch, laut schreiend, weinend. Schlussendlich kannte sie mich so nicht. Und als ich dann später aufwachte, hatte ich immer noch das Gefühl, ihre dicken schwarzgefärbten Haare zwischen meinen Fingern hängen zu haben!

Also sie rannte in die dunkle Nacht hinaus, flüchtete vor ihrer missratenen Tochter.

Betreten wollten nun auch die anderen das Haus verlassen, aber ich schrie immer noch, als sie im Flur an meinen Bildern zwangsläufig vorbei mussten: „WAS DENKT IHR?!! DENKT IHR ERNSTHAFT, ES GEHT HIER UM DIE MS??!! EINEN SCHEISS!!! ES GEHT VERDAMMT NOCH MAL UM SEXUELLEN MISSBRAUCH IN DER FRÜHEN KINDHEIT, UND MEINE MUTTER, DIE DORFKÖNIGIN, HAT ALLES BAGATELLISIERT UND TUT SO, ALS WÄRE DAS ALLES NIE PASSIERT!!!“. Ich zeigte auf meine Gemälde, ehe ich mir die Ärmel nach oben schob, um ihnen meine zerschnittenen Unterarme unter die Nase zu halten: „DENKT IHR ERNSTHAFT, DAS KOMMT VON DER MS?!!! ICH BIN SEELISCH TOT, SEIT MEINEM SECHSTEN LEBENSJAHR!!!“.

Tags drauf wollte ich doch tatsächlich nachsehen, wie es ihr geht. Ich schlich regelrecht am Gasthaus vorbei, in Richtung Unter-Henndorf, mir selbst eine Predigt haltend: „Schau bloß nicht nach hinten! Dreh dich bloß nicht um! Sonst sieht sie dich!“. In der Tat tauchte meine Mutter vor der grauen Burg auf, umgeben von irgendwelchen fremden Kindern, die sie wohl aus der Nachbarschaft zusammengetrommelt hatte, um sich um diese zu kümmern. Ich flüchtete, verließ die Straße, den Hang hinunter, in diese meterhohe Wiese hinein.
Aber wen traf ich dort? Die kleine Schwester meiner Schwägerin, der Frau meines Bruders. Sie war da mit drei Kindern unterwegs, drei kleine Mädchen, wie Pfeifenorgeln. Ich hielt meinen Zeigefinger an die Lippen, gebot ihnen, bitte still zu sein. Aber sie dachte gar nicht dran! Also packte ich auch sie an den Haaren und riss ihr wiederum eine blonde Strähne aus. Und so wusste meine Mutter, dass ich hier war. Nun ging ich in die Offensive, marschierte auf dieses schreckliche Gebäude zu, meine Mutter stand in der offenen Gasthaustür und wieder brüllte ich sie so laut an, dass sich meine Stimme permanent überschlug: „WAS HAST DU MIR ANGETAN??? DU HAST IMMER ALLES BAGATELLISIERT, INS LÄCHERLICHE GEZOGEN, DU HAST MIR NIE GEGLAUBT, NICHT MAL IN MEINEM ERWACHSENEN LEBEN!!! DU WEISST DOCH ALLES!!! UND LÄSST MICH EINFACH SO KREPIEREN!!!…“.

Man höre und staune… Ganz kleinlaut gab sie es zu! Sie hätte es tatsächlich schon in meiner Kindheit gewusst!!!

[….]

Die armen kleinen Mädchen, sie taten mir so leid, dass sie dieses Theater mitansehen mussten. Ich identifizierte mich mit ihnen. Und später dann wieder zu Hause, wollte deren Mutter die 3 bei uns lassen. Ich streichelte jeder der Kleinen über den Kopf und entschuldigte mich für mein Betragen. Es täte mir unendlich leid, ihnen Angst bereitet zu haben, hätte aber sein müssen.

Gestern in der dreieinhalb Stunden dauernden Sitzung, meinte Markus, noch nie einen Klienten gehabt zu haben, der dermaßen mit Träumen arbeiten will. „Das ist ja noch ganz klassische Analyse“, bemerkte er beiläufig. Und ich, dass ich nichts anderes habe als diese Träume, um irgendwie in Kontakt mit meinem Unterbewusstsein zu treten, und auch deswegen das Sativex nicht weiter als Option funktionieren kann.

Und dann dieser Traum heute Nacht…

Schweißgebadet fuhr ich aus den Kissen. Und wie gesagt, in meinen verkrampften, von Angstschweiß nassen Fingern hingen gefühlt immer noch diese Haare…

Hat es nichts zu bedeuten? Hat es etwas zu bedeuten?

19:09
Wenn ich schon dabei bin, Tacheles zu reden… Warum dann nicht auch noch die letzten Schamgrenzen fallen lassen!

Ich hatte seit meiner Überdosis keinen Höhepunkt mehr. Für mich ging es einher mit der Inkontinenz und fehlenden Kontrolle über meinen Unterleib. Von sexuellen Störungen bei Männern ist häufiger die Rede, aber was Frauen betrifft, wird das regelrecht tabuisiert. Aber ich breche nun noch mehr Tabus…

Hatte ich nicht Mitte des Jahres beschlossen, für mich allein, ich will meine Sexualität zurückhaben?
Nein, besser noch, ich will sie überhaupt erst einmal haben! Und mir zu diesem Zwecke etwas bei einem bestimmten Versandhandel bestellt.

Wirkungslos. Hoffnungsloser Fall.
Aber dann, am Wochenende, er oben, ich allein im Bett, mittendrin in meinen fruchtbaren Tagen (ich muss an diverse Broschüren und Aufklärungsbücher denken, in denen immer wieder zu lesen war, dass manche Frauen das bemerken, vor allem wenn sie etwas älter werden). Und in der Tat steigt dann auch der „sexuelle Trieb“…

Das alles ist aber noch nicht geschmacklos genug. Markus gegenüber gestern musste ich schwer schlucken, mit mir selbst Gericht gehend…

War das Absicht? Wollte ich es so? Oder ist es MIT MIR PASSIERT? Beinahe wie ein Flashback?

Das Thema, bei besagtem Missbrauch womöglich auch eine körperliche Reaktion erfahren zu haben, die in so einer gewaltigen Diskrepanz zum Übergriff steht, sozusagen mein kleines Kinderhirn gesprengt hat, schon seit neun Jahren Teil der Therapie! Und damit erst recht die Spaltung forcierte, zwischen Geist und Körper! Denn wie soll man das auch verstehen können, selbst Erwachsene schaffen es nicht, wenn sie missbraucht werden! Der Körper wird zum überdimensionalen Verräter!!

Also habe ich es darauf angelegt oder kam es über mich, unkontrolliert?!

Meine Sexualität funktioniert seit Kindertagen so (ich wiederhole es noch mal): Nachts, bereits abends im Sonnenuntergang sah ich meine Mutter sterben und dachte, ich stürbe ebenfalls sofort. Darauf weinte ich jede Nacht meine Kissen nass. Und dann, „aus heiterem Himmel“, entdeckte ich meinen Körper. Um mir, nach stundenlangem Weinen, während ich mich selbst befriedigte, vorzustellen, dass ICH gefangen, gefoltert, ausgepeitscht und dann kurz vorm Orgasmus UMGEBRACHT, ERMORDET, ERSCHOSSEN werde! Daraus wurden mit Einsetzen der Pubertät Vergewaltigungsfantasien. Bis jetzt. Anders funktioniert es nicht. Als sei ich darauf abgerichtet worden. Nein, ich bin kein Masochist und möchte das auch nicht in der Realität ausleben!

Achtung, das könnte nun ein wirklich fetter Trigger werden…

Also ich lag da, ließ das kleine Spielzeug los, bemerkte, dass es wieder eine Sackgasse wird.. Und dann plötzlich in meinen Gedanken, in meinem Kopf, ob nun willentlich oder nicht, in mir drinnen sah ich plötzlich an mir runter, ein nackter Oberkörper. Ein nackter Kinderoberkörper! Sah weiter runter. Dieses Kind war nicht älter als sechs Jahre. Und zwischen ihren Beinen? Die schwarzen Haare des „vermeintlichen Täters*“…

Heilige Scheiße! Und plötzlich funktionierte es, nach fünf Jahren!! Bin ich jetzt komplett gestört oder war es ein Flashback???

14. Januar 2020, Dienstag „Aus dem Leim gehen…“

9:47
Mein innerer Terrorist wütet und hält lautstark dagegen. Aber was, wenn doch? Wenn doch schon wieder? Wie oft in meinem Leben hatte ich ein relativ hohes Gewicht nur dadurch gehalten, dass ich (man höre und staune) zu wenig gegessen habe? Mein Körper sozusagen jede Kalorie dreimal umdrehte? Aber, die alten, regelrecht eingeprügelten Weisheiten, noch aus Großmutters Zeiten, dass wenig Essen Abnehmen und Schlanksein bedeutet. Hingegen mehr sofort den Verlust der Gewichtskontrolle! Aber hat mich die Zeit, die Erfahrungen, Ende 2010 mit den 4000 Laufkilometern, als ich begann vernünftig zu essen und zum schlanken Muskelpaket mutierte, der „Abspeckkurs“ bei der Reha 2013… Haben mich all diese Stationen auf meiner Chronik nicht eines Besseren belehrt?

Wir halten fest: Wieder eine Entwässerungstablette, abends dann kurz vorm Kollaps, eine Banane rettete mich vorm Sturzflug in die Toilette. Heute? 65,8 Kilo!!!

Sie wird fetter
und fetter
und widerlicher
und unerträglicher
und ekelhafter
und wertloser
und dreckiger!!!

Außerdem flüstert er mir zu…

Und vor einem Jahr? Bei der Reha? Da gab es drei Mahlzeiten, noch dazu angeblich gesund… Und was ist passiert??!!!

Ja, ich hab zugenommen und das war sicherlich keine Muskelmasse…

Dem Neusiedler noch eine E-Mail geschickt. Er hatte geschrieben, dass er den Rollstuhl nicht für drei Monate vermieten würde. Nun habe ich noch einmal angefragt, ob er mir zumindest einen Monat gewähren würde, dann nehme ich das Monster mit zur Reha, kann im besten Fall von einem Profi einen Blick drauf werfen lassen, und hab so die Gelegenheit, zu überprüfen, ob ich damit klar komme oder nicht. Der Gedanke, nach der Nachricht zu sehen, löst Panik aus.

Außerdem… Das gestern Abend war dann zu viel des Guten! Heute, oder vorerst kein Sativex. Meiner Ärztin damit zu kommen, dass ich das Mittel dennoch gebrauchen kann, weil es mir schlimmstenfalls über eine bedrohliche Sinnkrise hinweghelfen könnte? Für die Krankenkasse kein Grund, das teure Zeug zu finanzieren. Die Krankenkasse wäre froh, wenn ich endlich abkratze!

Entschuldigung! Es heißt ja jetzt „Gesundenkasse“! Aber ein Kranker, der einfach nicht gesund werden will, ist tot immer noch besser als lebend! Mir oft genug wie ein Schmarotzer vorkommen… Weil: „Nie gearbeitet… Nichts einbezahlt…“. Die Zeiten hinter der Theke interessieren kein Schwein.

Vielleicht sollte ich nun im Zuge meiner verbalen Ergüsse die Nachricht öffnen, so er überhaupt geantwortet hat. Da kann ich meine Panik gleich wieder Schwarz auf Weiß auf den Bildschirm bannen…

Keine Antwort. Weiter im Text… Sprich: Zurück an mein Monsterprojekt, welches doch tatsächlich schon wieder eineinhalb Stunden dauert…

11:28
Ein Musikstück in Dur, zum Abschluss meines Filmes. Zur Auflockerung.

Ich lach‘ mich TOT!!

Ich weiß nicht, was mich überkam. Ich hasse Duschen, habe es schon immer gehasst, aber jetzt unter diesen Voraussetzungen ist es jedes Mal ein einziger Kampf. Kein Wunder, dass ich monatelang einen Bogen drumrum mache. Also, um die Prozedur heute Abend, da sie gestern ausfiel, zu verkürzen, dachte ich doch tatsächlich, ich könnte mir die Haare waschen. Nachdem ich gestern Abend auf meinem Fernsehsessel thronte, die Kopfhaut, das ganze Gesicht, alles juckte bestialisch, ich kratzte und kratzte und die dunkelbraune Decke unter mir erweckte wenigstens im Vergleich zum Blick nach draußen ansatzweise den Eindruck, wir hätten Winter. Mein Gesicht besteht nur noch aus Hautfetzen, Hautschuppen, riesengroßen Plaques… Ob nun Psoriasis, Flechte oder trockene Stellen. Also dachte ich mir, ich wasch mir die Haare mit dem Cortisonshampoo, lasse dieses Mal 15 Minuten einwirken, ebenfalls das Gesicht einkalkulierend.

Endergebnis? Bin von oben bis unten klatschnass. Dachte ich mir, es sei eine gute Idee, mir einen Arschtritt zu verpassen, ins Bad zu gehen? Bis zum Klo und wieder retour. Und das kaum möglich. Alles fiel runter! Vom Rollatorsitz, aus meinen Händen… Shampoo, Zahnpasta, Zahnbürste, Handtücher…

Dann wieder zurück mit dem Rollstuhl, ans Waschbecken. Konnte nichts festhalten…
UNFÄHIG!!! Ich kann meine Hände partout NICHT über meinen Kopf halten!! Ich kann verflucht noch mal NICHT den flexiblen Schlauch am Wasserhahn festhalten!

In mir kocht es, dezent, aber es brodelt beständig… Und mir wurde hiermit „auf einen Abwasch“ klar, was nun zu geschehen hat…

Es tut mir leid, dass ich das schon wieder veröffentliche, in die weite große Welt lautlos hinaus brülle!
Aber mir läuft nun zweifelsohne die Zeit davon. Meine Zeit läuft ab. Wie lange noch? Wie lange noch fähig, irgendetwas zu machen?

Daraus konnte ich nur einen Schluss ziehen, weil ich nun mal der Mensch bin, der gerne vorbereitet und gewappnet ist.
Ich muss alsbald, am besten gleich heute Nachmittag, nach der Sitzung, oder noch geschmackvoller, während dieser, Tabletten ausdrücken. Mir einen neuen Beutel vorbereiten, einen Beutel voll mit diversen Benzos, Opioiden, diversen Schmerzmitteln. Wenn die ganzen Packungen weg sind, leer sind, fällt es keinem auf. Denn wenn es so weitergeht, bin ich schlimmstenfalls übermorgen nicht mehr imstande eine Blisterpackung lediglich festzuhalten!! Und ich will so nicht leben!!!

Vor einem halben Jahr konnte ich mir doch noch die Haare waschen… Zumindest, und ganz sicher definitiv besser als heute. Keiner sieht den Verfall.

Würde mir jetzt das THC helfen? Wohl kaum. Diese Gedächtnislücken sind doch auch ohne das Zeug schon sehr belastend und treiben mich erst recht in „diese Richtung“. Wegen der Sitzung heute Mittag Panik.

Zwei Hydal. 5,2 mg. Und mir für den Rest des Tages offen lassen, wie hoch ich am Ende noch komme.

Ja, JETZT würde ich mich gerne massakrieren!!!

Solange ich DAS noch KANN!!!
Es ist wie mit den Laufschuhen, von denen locker mal sechs Paar nagelneu im Schlafzimmer auf dem Regal stehen. Es ist wie mit dem sauteuren Laufband, welches kaum benutzt wurde. Es ist wie mit den Kameras, die ich noch gekauft habe. So ist es eben auch mit den Rasierklingen, den zehn neuen Packungen. Ich werde sie „nicht mehr verbrauchen“…

Das ist doch positiv!“…
EINEN SCHEISS!!!

Klimpern und wieder Krämpfe im linken Bein. Ich bekomme die Schachtel unterm Bildschirm nicht rausgezogen. Also muss selbst da eine Schnur dran installiert werden. Das ganze Haus wird von diversen Bändern und Schnüren verziert. Jede Türklinke ist damit versehen. Beschissener Krüppel!!

Das Morphium einwerfen…

19:09
Noch einmal Hydal, 2,6 mg. Weil der Rausch doch so freundlich zu mir war. Weil ich nicht einsehe, dass er nun enden soll, in Unruhe und Panik und Übelkeit. Es gilt die letzten Musikstücke zu finden und anzupassen. Ich hasse duschen. Ohne Übertreibung, auf dem Weg aus dieser fingen meine Zähne an zu klappern. Meine Zehen wurden blau oder gelblich weiß. Ich hoffe, ich hoffe so sehr, dass diese eine Tablette nun schnell anschlägt. Er ist oben, und ich könnte natürlich auch genauso gut dieses Zeitfenster nutzen, hartnäckig hatte er versucht den Schorf abzuschrubben. Der Arm wir wieder perfekt, bereit für die nächsten Schandtaten. Und aus irgendeinem Grund fängt meine Blase wieder zu spinnen an.

Ein Räucherstäbchen und eine 3. Schale Milchtee zur Beruhigung.
Hat er endlich geantwortet?

Herzrasen…

Nein!

13. Januar 2020, Montag „Vor sich hin schippern…“

16:59

Was für ein Zufall! Kann die Uhrzeit stehen lassen. Wollen wir einen Grund, mich zu hassen, mich zu verabscheuen, in den Dreck zu ziehen?!
Das klingt nach Verharmlosung… Morgens ein Brötchen und abends eine kleine, halbe Tiefkühlpizza…
66,4 Kilo!!!

Morphium. Ich hätte mich massakriert, zur Rechenschaft gezogen, also meinen Körper… Aber genau dieser hat heute Abend ein Date, mit Sebastian in der Dusche. Also Morphium. Eine oder gleich zwei Tabletten? War eine gestern nicht zu wenig?

Schon vor 2 Stunden eine Entwässerungstablette. Als ob die den Braten fett, bzw. in diesem Kontext „weniger fett“ machen würde.

17:34
Immer neue Einfälle, Ideen für meinen Film. Wer dachte, die Animationen seien abgeschlossen, irrt gewaltig.
Mir eine Rechtfertigung suchen für 2,6 mg Hydal. Um die ganzen Verspannungen nicht spüren zu müssen?

Und nur am Rande: Ich habe ENDLICH meine nagelneue Büchse der Pandora wieder gefunden. Wäre die Schokopraline heute Mittag nicht runter gefallen, wäre ich nicht so ein verfressenes Schwein, hätte ich blöder Krüppel mich nicht so abmühen müssen, um sie wieder aufzuheben… Niemals hätte ich in den Kartonordner gekuckt, in dem Tischchen, links unter meinem großen Tisch. In die offene Schublade. Ich bin so dumm, so selten doof!!!

19:40

Kann die Hand nicht gebrauchen…

11. Januar 2020, Samstag

16:59
65,3 Kilo um 10:00 Uhr. Verdammt! Ich hatte zum Abendessen einen Pudding, mehr nicht!! Aber zu Mittag, das war wohl wieder zu viel, diese Völlerei… Was fällt mir auch ein, einen Salat zu essen!!!

Ich war noch kurz unterwegs, aber kein spektakuläres Abendrot. Mir geht doch tatsächlich das Videomaterial aus. Das, welches ich gestern noch mühevoll eingearbeitet habe, ist qualitativ eigentlich als Katastrophe zu bezeichnen. Also konnte ich wenigstens noch ein paar winterliche Landschaftsaufnahmen tätigen. Und nun? Der erfrorenen Füße unterm Tisch auf die Wärmeflasche platziert, die ich bei meinem Ausflug dabei hatte. Davor waren wir kurz in Fürstenfeld. Kurz oder länger. Plan war es eigentlich, irgendwelche Vögel ausfindig zu machen. Aber es war nichts los. Keine Krähen, an einer sehr schlechten Stelle ein einziger Graureiher. Zuvor sah ich einen Schwarm Gimpel, aber unfähig zu reagieren, denn genau in diesem Moment kam natürlich von hinten ein Auto, musste zu Seite fahren und verscheuchte sie vollends.

Heute Nacht im Traum war erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg und dann noch dazu 30-jähriger Krieg. Wir waren Deserteure. Der Bachergraben war ein wichtiger Fluss, die linke Seite Frankreich, die rechte entweder Österreich oder Deutschland. Bomben wurden hin und her geworfen, die Nazis jagten uns, nahmen uns gefangen, am Flussufer ging ich sogar auf den Strich. Zumindest stand ich schon mal da, auf Freier wartend. Einer der Nazis wollte mich zwingen, eine ältere Mitgefangene mit einem Buttermesser zu ermorden, ich sollte ihr die Kehle durchschneiden. Ich weigerte mich, er machte es, und dafür ganz zärtlich und langsam, das Blut lief ganz langsam ihren Hals…

Der Tag ging los mit lauter Ungeschicklichkeiten und Schimpftiraden meinerseits. Mein Leben auf die Waagschale werfen. Hat das alles überhaupt noch einen Sinn? Gestern wie heute über meine Farben nachgedacht. Für 30 € verhökern, mit den ganzen Pinseln und restlichen Leinwänden & Zeichenblöcken? Oder verschenken, der Volksschule, Behindertenwerkstätte?

Ich bin wohl verbittert. Und weiß nicht, wie viel ich jetzt überhaupt zu leisten imstande bin.

https://youtu.be/mkHePqeVFuE

Hooly shit! Von gestern bis jetzt 5000 Klicks mehr auf mein Rehfilmchen!!! Von 99 auf 104.000!!!!

Das rechte Bein krampft los…

19:44
Heute, hier und jetzt… bin ich regelrecht STONED!!!
Kann nicht von A nach B denken… Holy shit! Alles dreht sich…

20:00
Völlig abgedreht!!! Mein inneres Kind jagt mich augenblicklich in einer noch nie da gewesenen Geschwindigkeit durch zig Erinnerungen!! Und ich kommentiere in mich hinein, bei jedem einzelnen Bild, nur ganz kurz zu sehen, und als gäbe es Zeitlupe,…

Ich weiß nicht wie der Satz weitergeht, seit 1 Minute überlege ich, aber ich komm‘ nicht drauf! Wovon habe ich gerade eben gesprochen?
Nachschauen… Also diese Erinnerungen, was ich dazu sage: „Das kennen wir doch schon, das haben wir uns doch schon 100 mal angesehen!“, oder: „Was meinst du damit?“.

Fällt es mir ein! Also es ist so, als gäbe es dann Zeitlupe… Und wieder vergessen!
Frage mich augenblicklich nur, ob das ein schöner Rausch ist, bei dem man nicht die ganze Zeit darüber nachdenken muss, ob man nicht lieber sterben sollte und was nicht alles verloren ist…

Versuche Zusammenhänge, Assoziation zwischen diesen einzelnen Sätzen zu erkennen…

Ich denke, ich bin nicht fähig, den Text einmal zu überfliegen und korrigieren. Ich bin nicht in der Lage, fühle mich aber nur BREIT, wie ein Pfannkuchenteig, beim Zerfließen in der Pfanne…

9. Januar 2020, Donnerstag „Zahltag…“

8:19
Die Heizdecke irgendwie wieder auf meinen Schultern montiert. Auf allen Vieren kroch ich dem Rollator, Entschuldigung, Rollmobil hinterher in die Küche, zum Kühlschrank. „Erledigt ist erledigt!“. Starke Unruhe, Stress, Panik bereits bei dem Gedanken, die Butter erst mal auf dem Tisch liegen zu lassen, und dann später…

Im Traum heute Nacht hatten wir uns ein neues Haus gebaut. Und KüWohnzimmer, Schlafzimmer waren provisorisch eingerichtet, die Möbel mussten aber ans andere Ende des Hauses. Das habe ich dann alles alleine gemacht. Was mich aber extrem unter Stress setzte war die Tatsache, dass diese Räumlichkeiten direkt an die Haustür anschlossen. Unsere neue, schöne Terrasse war sozusagen der Eingangsbereich. Das machte alles kaputt. Wie sollte ich in diesem Haus wohnen/leben können?!!

Die selbe Küchenschlachtfolge vom Vortag. War da während dem Frühstück, gleich in den Anfängen eingeschlafen. Und jetzt geht es mir ähnlich. Musste zurück in meinen Traum, in dem ich wieder laufen konnte. Außerdem… Ich könnte den Umstand, an „diesem Leben leiden zu müssen“, dezent mildern, indem ich Stunden von diesem Leben verschlafe.

Ein Lichtstreif‘ am Horizont. Im Süden, im Tal, in der Ebene. Licht für mich?

Meine Augen bleiben ständig an all den nagelneuen Pinseln hängen, die ich mir wieder und wieder gekauft habe. Weil ich von dieser einen Sorte immer massiv zehren musste. Und es mich immer Wochen kostete, ehe ich einen verbrauchten Pinsel aufgab, aufgeben durfte. Alles vorbei…

Unfähig darauf zu reagieren. Weder emotional noch aktiv.

Dafür Zeit für eine Abrechnung…

Du bist so ein Schwein!!!
Schau dich doch mal an!!!
Der letzte Dreck dieser Erde!!!
Und DU?!! DU redest immer nur, reden, reden, reden!!! Und nichts dahinter!!!
Dann hör‘ doch endlich auf zu fressen!!!
Alles nur leere Worte, du bist so ein Versager, du bist ein einziges Mastschwein, nicht mal deine Unterhosen passen dir noch, du platzt aus allen Nähten, du Drecksschwein, du abartige FETTE SAU!!!

66 Kilo um 6:45 Uhr. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nichts mehr. Die Unterhosen schneiden an der Hüfte unangenehm ins Fleisch. Oder besser gesagt: FETT. Ich sehe mich schon einpacken für die Reha. Und dann, wie die Schwestern verzweifelt versuchen, mich in meine Klamotten zu zwängen… Aber sinnlos! Und mehr und mehr Teile werden mir die Arschkarte zeigen! Dass ich einfach zu fett geworden bin!! Dass ich kaum noch etwas anziehen kann von all den Sachen, die ich die letzten Jahre unbedingt haben musste…

Ich hasse mich. Ich verachte mich.

Und ich werde die Krise bekommen, weil sie mich auf die Waage stellen, nach einem Frühstück, nach jede Menge Trinken… Und das werden sie da notieren! 67 oder gar 68 Kilo…

Nebenher erhängt sich MAGIX, das Schnittprogramm, zum ersten Mal. Beste Grundvoraussetzungen! Jetzt fehlt noch der letzte Tag, der geschnitten werden muss, ansatzweise das gestern Abend erledigt. Und ein Abspann. Eine Preview mit Sebastian. Und fertig! In der letzten Aufnahme sehe ich so bescheuert aus!!!

NATÜRLICH!!! DU BIST JA AUCH BESCHEUERT UND DARUM SIEHST DU SO AUS!!!

Als hätte ich den Lippenbalsam wie ein Kind aufgetragen, wie ein Clown, weit über den Mundwinkel hinaus… Ist es der Labello mit ein wenig Farbe oder die trockenen, aufgerissenen Mundwinkel? Sieht beinahe grotesk aus, als sei ich meine eigene Parodie.

Und schaffe ich es heute, in der Grazer Anatomie anzurufen?

Schlafen oder arbeiten?

DAS NENNST DU ARBEIT?!!!

9:56
Kaum das Headset aufsetzen können. Völlig, total erschlagen. Und von was? Den vielleicht 10 m bis ins Bad, dort vielleicht 5 Minuten zu stehen, mir die Zähne zu putzen, das Gesicht zu waschen, und zu allem Überfluss auch noch den Rückweg bestreiten zu müssen.
Auf was für eine Gehstrecke käme ich denn jetzt? Maximal 30 m? Was ist los, was ist mit mir passiert, ich erkenne mich nicht mehr, wer bin ich, wer bist DU??!!!
Wie geplant beim Rückmarsch einen Schlenker Richtung Kühlschrank zu machen, um mir eine neue Wasserflasche zu holen, war unter diesen Umständen nicht einzuhalten. Von mir ist nichts übrig!

VON DIR IST SCHON LÄNGST NICHTS MEHR ÜBRIG!!!

Beim Bearbeiten wieder so Ideen geboren, dass da an manchen Stellen Rumpelstilzchen auftauchen könnte. Weil wiederum ich begonnen habe, meinen eigenen Monolog zu kommentieren, wie ein Sportmoderator, der wahrlich NICHT unparteiisch ist. Oder ein Satiriker. Sarkast. Zyniker. Beide Hände klimpern. Wieder steht heute der Anruf an – hatte ich das nicht sogar schon erwähnt? Mir liegt so einiges quer im Magen. So auch das Zähneputzen. Aus Sorge, es wie die letzten zwei Tage schleifen zu lassen. Mir demnach einen kräftigen Arschtritt verpasst. Schwer seufzen… In mir schreit so einiges nach Rache, Bestrafung, Betäubung. Höre ich hin?… Erinnerungen an Kinderfaschingsfeiern. Den Geruch von Platzpatronen. Ich sehe die Patronen, rotes Plastik… Wie gerne würde ich diesen Geruch jetzt riechen? Ein Räucherstäbchen…

Aber dem vorausgeht erst mal einer dieser nervigen Streckspasmen, als ich mich links über die Armlehne beuge. Gefolgt von massiven Schmerzen im Rücken, eine einzige Verknotung der Rückenmuskulatur, oder dessen, was da noch an spärlichen Überresten vorhanden ist, alles verspannt sich, als sei ich ein uralter Baum, der sich im Wind nicht mehr so flexibel mit bewegen kann… Man wartet auf das bedrohliche Knacken!

Klimpern…

10:30
Jetzt noch anrufen? Dann kann ich wenigstens, bei unerwünschten Nebenwirkungen, mich zumindest mittags Sebastian gegenüber noch auskotzen. Vorausschauend denken… Was wären da für mögliche Konsequenzen nachmittags, hier ganz allein, zu erwarten, befürchten?

14:24
Endlich hob jemand ab.
All die Anspannung…
Absage: „Wir dürfen erst ab 50 nehmen.“.
Soll es in Wien und Salzburg versuchen.
Ganz plötzlich… In Tränen absaufen…

Ins Badezimmer. Arme heiß abwaschen und rasieren..

12 mit der einen, 12 mit der andren Klinge…

VERSAGER!!!!!
SCHEISS WEICHEI!!!!!!!!

15:32
Und plötzlich lief sie aus… Die Blase wie das Magazin einer Waffe. Scharfgestellt. Und nun, hinterher… Bei der kleinsten Bewegung läuft noch mehr in die viel zu kleine Einlage, in meine Cordhose, in die Inkontinenzmatte auf dem Rollstuhl. Vielmehr braucht man wohl nicht, wie?

So ein beschissener, elender Versager!!!

Als ich zuvor die Vögel füttern war, draußen auf der Terrasse, war es beinahe angenehm, im Sonnenschein…
Nun auch noch hinters Haus gefahren, in die letzten spärlichen Sonnenstrahlen. Mit meinen ganzen blutbesudelten Tüchern auf dem Schoß. Und dann eben noch einmal. Habe ich tatsächlich vergessen, wie viele es waren?

WEIL SIE WERTLOS WAREN??!!!

Oberflächliche Scheiße!!! 15 oder 16, kreuz und quer über die zerschnittene Fläche. Der Körper wehrte sich, der Arm krampfte, wollte sich aus dem Staub machen. Und in mir blutet noch etwas, Wehmut, die erste neue Rasierklinge von meiner Gillette-Bestellung verbraucht. Und jetzt gerade geht die Sonne unter. Bedarf es weiterer Hausmittelchen? Alles in mir schreit…

STIRB ENDLICH!!!!!

16:23
2 Morphium. Müssten sie nicht schon wirken?
In meiner Pisse hocken…

DU BIST DAS LETZTE!!!!!

16.45
Hätte noch Zeit…
Blasses Farbspektakel. Kann nicht tippen und MAGIX schmiert ab…

16:59
Die Waschmaschine schreit wohl schon seit einer halben Stunde herum. Ein leises Piepsen, das ich bei dem ganzen Computerlärm nicht als eigenständiges Geräusch wahrnehmen konnte. Die Heizdecke kaum vom Rollstuhl montieren können. Im Badezimmer, im Flur stinkt es bestialisch. Nach Abfluss. Das liegt nun vielleicht nicht einmal an meinen Blutresten, sondern daran, dass heißes Wasser eben in der Kanalisation landet. Meine ganzen Lappen in die Maschine geworfen, mit 90 °C, Vollwaschgang. Hastig ein Räucherstäbchen anzünden, alle Türen offen, damit der Duft den Gestank vertreibt, oder zumindest marginal überdeckt.

Ich kann nicht mal eben ins Bad fahren, um mich von meinen nassen Sachen zu befreien.
Ich kann mich nicht einmal eben kurz meiner Hose entledigen, die Einlage wechseln.
Würde ich es versuchen, wäre davon auszugehen, dass ich kaum stehend noch mehr auslaufe, dabei schlimmstenfalls auch noch die Stützstrümpfe erwische. Um dann was? Unfähig zu sein, irgendetwas an meiner Misere zu ändern. Kann mich nicht anziehen, kann mich nicht ausziehen. Kann gar nichts. Beschissener Krüppel…

Ob die Dame in Graz sich nachher Gedanken gemacht hat, ob sie reagieren hätte müssen? Ich sagte ja, ich sei krank. Und sie fragte zögerlich, ob ich Krebs hätte. Darauf ich, dass es sich „NUR“ Multiple Sklerose handeln würde, aber ich ihr mit Gewissheit sagen kann, dass ich das, „DAS“ nicht mehr lange mitmachen würde.

Die Waschmaschine schleudert, Fine schreit sich die Kehle wund. Entnervt die Katze rauswerfen, die Terrassentür kurz geöffnet lassen, Stoßlüften und draußen ein Waldkauz am Rufen. Die letzten Reste Farbe im Süden…

Ganz kurz hatte ich den Gedanken, ich könnte ja immer noch versuchen, irgendjemanden anzuschreiben, ob sich jemand unterhalten mag, per Skype oder so. Ehe ich komplett durchdrehe. Für 1 Sekunde fühlte sich das wie eine passable Lösung an. Aber eben nur für 1 Sekunde. Nach 61 Sekunden bekam ich Panik. Das kann ich nicht machen, das geht nicht, das ist unmöglich!!! Was ist wenn mein Gegenüber dann Verbindlichkeiten fordert? Dass ich mich wieder kümmere? Mich wieder melde? Mich in die Verantwortung nimmt???

NEIN!!!

Und genau deswegen habe ich keine Freunde mehr… Pech!

17:40
JETZT, eine geschlagene Stunde später, biegt der Rausch ganz selbstverständlich und gemütlich um die Ecke. Sebastian nach seiner Heimkehr eigentlich unverzüglich alle Schandtaten „gebeichtet“. Ihn umarmt und mich entschuldigt: „Es tut mir so leid, was du alles mit mir durchstehen musst! Die ganzen Suizidankündigen andauernd… Du hast was Besseres verdient…“.
Darauf er: „Also DESWEGEN sollst und darfst du dich nicht schlecht fühlen! Ich kann dich in deiner Situation all zu gut verstehen!…“.

8. Januar 2020, Mittwoch

17:53
Obwohl Sebastian gerade eben noch neben mir stand und versuchte lachenderweise zu eruieren, warum mein Video augenblicklich dermaßen abgeht (hatte ich doch erst vor zwei oder drei Tagen gelesen, es seien 86.000, heute sind es 91.126 Aufrufe), obwohl alles in warmen Tüchern, alles sicher, alle leben, keiner ist krank… Obwohl all dieser angenehmen Umstände… In meinem Kopf machte sich ein einziger Gedanke so breit, dass daneben nichts mehr bestehen konnte: Ich muss mich umbringen!

Teilte ich ihm auch beiläufig mit: „Nur damit du Bescheid weißt, wenn du jetzt nach oben gehst…“.

Entzugserscheinungen? Eine unkontrollierbare Gier nach dem Morphium? Hatte ich nicht erst vor zwei Tagen eine Dokumentation über jemanden an, der vier oder sechs Monate in einer Klinik einen Hydal-Entzug machen musste? Oder schlicht und ergreifend das Fazit des Tages, das Fazit meines gesamten Daseins: Alles zu Ende, gibt nichts mehr zu erreichen, Zeit zu sterben!!

Was habe ich mich im Supermarkt beschimpft? Permanent „die fette Sau“ oder „das aufgedunsene Mastschwein“. Und wieder und wieder in den Raum hinein, ihn fragend: „Warum kann ich so lange das Anorexiegewicht halten, kann abnehmen bis runter auf 56, mit drei Mahlzeiten pro Tag… Und jetzt explodiere ich??? Zum Teufel ist los??“. Um mich fast selbst zerstörerisch beinahe ins Regal zu schmeißen, lauter Kekse einzupacken! „Wenn ich von wenig und nichts essen schon immer fetter werde, dann werden Sünden den Braten auch nicht noch fetter machen. Oder eben doch, aber dann passt es wenigstens zum Gewicht!“.

Die Katastrophe am Morgen? Wie zuletzt im Krankenhaus. War es dasselbe Kleidungsstück? Oder ein anderes, was ich eher befürchte? Verdammt, ich passte nicht hinein!!! Meine ganze mehr oder minder neue Kollektion an Blümchenblusen und Blümchenhemden und Blümchenkleidern… ZU FETT!!! EINFACH SCHLICHT UND ERGREIFEND FÜR ALLES ZU FETT!!! Und hatte ich nicht bereits durch die Worte meines Vaters in der Kindheit gelernt, mitunter auch durch jene meiner Mutter, dass fette Menschen SCHEISSE sind??!!

Ich bin unwert. Ich bin schlecht. Ich bin minderwertig. Ich bin Kacke. Ich sollte endlich abtreten.